Skip to main content

Full text of "Geschichte der deutschen Historiographie seit dem Auftreten des Humanismus"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 







mm 




PPPPififPf 










SC 



^efcfttc^te 



ber 



HDif|cttfd)aflett in HcutfAlcnb 



Jleuerc Seit. 



3 tu a n ä i 9 ft e r 95 a « b. 



?ruf 9?erQn(a[funft 

^crau^egeben 

buti^ bte l^ifiotifi^e Stottttttiffiott 
bei htx :ftönt9ltd^tn ^Akabemu ber tt)t|fenfd^aften. 



k 



^rud uiib Verlag Don 91. Olbeiibourg. 



(Befc^tc^te 



bcr 






Dr. ^tatt} Jf>^on i^eoefe. 



?(iif SScraitraffmia 

^erouSflCflebcn 

hnxit bte l^tftottfil^e Stottttttiffion 
bei b(r fiöniglidjcn ^kabemU bcr tt)i|ftnfd)afl(n. 



'SaüncQeK unb c^eipjig 1885. 

^rud unb Vertag üon 9i. Olbenbourg. 



^orjt>ort. 



T)aö iöuc^, ba^ um feinet (Segcnftanbe^ njiücn feit mct)rercu 
5al)rcu mit einiger Ungebulb emartet morbcn ift, tritt hiermit, im 
3)rucfc öoöcnbet, an bie Dffcntlid)feit. 3Wöge e^ hinter ber gcftcüten 
großen 3(ufgabe nic^t gar ju njeit jurücfgeblieben fein! 3)Jeine ?l6ficf(t 
mar, in erfter Sinie ben Oebitbeten ber Station beutlic^ ju mad^en, 
mo^ auf biefem ©ebiete bei und feit naf)eju öter Söbr^unberten 
geleiftet mürbe, unb eine Iebf)aftere 5eiInot)me für biefen ß^cig 
unferer Siterotnr ju ermeden. 3)ie ?tnlage beö SBerfeö t)ottc if)rc 
Sc^mierigfeit. G§ boten fic^ oerfc^iebene SKögtidjfeiteu, bie id) t)u\' 
töngtid) ermogen fiabe; ob id) bie jmedmäfeigfte gemäf)tt, muffen 
meine Sefer entfc^eiben. 3Jon anberem ju fd)meigen, jmeiffe id) nic^t, 
baß mand)e ber SKeinung fein merben, eg fei ber §iftoriograpfjie 
bed 16. unb 17. 3ü^r^unbertÄ ju oiel SRaum jugeftanbcn morben, 
id) bagegen f)abe mid^ \)0\\ 'ber SKeinung leiten laffen, baß gerabc 
bicfe @pod)e unferer @efd)ic^te, je bürftiger fie mitunter aud) auf bem 
t)ier bearbeiteten gelbe erfc^einen mag, ber Senntnid unferer Station 
um fo nä^er gerüdt merben foQ. 9(uö bemfetben ®runbe ^abc 
ic^ babei eine annä^ernbe SJoüftänbigfeit in ber SJorfü^rung ber 
einjelnen Slutoren unb i^rer Schriften angeflyebt, mäf)renb öon bem 
9tugenbfide an, mo an bie ©teile jener 3)ürftig{eit eine njac^fenbe 
güHe tritt unb nac^ bem Urteile 9Sie(er bie ©efc^ic^te unferer 
mobernen ®efd^ic^tf(^reibung erft rec^t beginnt, eine roefentlic^c 



\'I SBorroort. 

SRobififation bicfe^ ©t)ftcm^ fic^ Don fclbfl naf)e legte. 2)a6 id) 
mid^ ^inmieberum gegenüber ber ®e|'c^ic^tfcf(rei6ung ber neueften 
3eit furj gefaßt unb auf eine ©c^Uberung ber einäcinen gorfc^er 
unb if)rer Schritten üerji^tet ^abe, mirb l^offentlic^ nid^t miß^ 
öerftanben njerben. S)ie blofee 3"f<^in"^c"f*^ß""9 ^^"^^ fc^mer 
überfe^baren Sieil^e Don SWamen t)ättc niemauben genügt, eine 
einge^enbc -©öarafterifirung berfelben ju njeit gefü()rt unb am 
Snbe bod) nur mit SSorbel^alt unternommen toerben fönnen. 
©oute unter biefen Umftänben ein tebenber ©c^rift[teßer über» 
gangen njorben [ein, ber bereite ber ®efd^id)te angel^ört, fo ift 
baö njenigften^ ni(^t mit Slbfid^t gefc^e^en. 3n ber 9?amf)oft= 
moc^ung ber Siteratur f)abt xdi) mid^ um eine genjiffe 35on« 
ftönbigfeit bemüht, meil id^ burd^ ba^ Dorliegenbe 95uc^ Dor altem 
anregenb mirfen möd(te. greilid) n)irb mir tro^bem Diele» ent- 
gangen fein, ba gerftreute Unterfud^ungen unb Slb^anblungen 
gerabe biefer Vlrt fic^ gerne bem ?Iuge beö ©uc^enben gänslid) 
cntjie^en ober bod^ ^äufig fdjnjer erreid^bar finb. Söenn id) auf 
bie SlUgemeine S)eutfd)e Söiograp^ie Dernjeifen fonnte, fo l)abe id) 
baö in biefen 3)ingen fc^on ber Äürje n)egen gerne getrau, wa-i, 
beule ic^, einer befonberen 9ied)tfertigung nic^t bebarf. SBo fid) 
Vorarbeiten über einjelne §iftorifer fanben, ()abe id) fie nad) 
Gräften benufet unb, infonjeit fie mit meinen Ubergeugungen über- 
einftimmten, mic^ oft enge an fie angefc^toffen , aud) njenn idi 
ebenfo gut meinen eigenen 323eg ^ätte ge^en fönnen. 5)iefe^^ ift 
namentlich bei ber ^^ilofopl^ie ber ®efd)id)te gefd)e^en, in melc^er 
ic^, njie nid^t Der^eljlt njerben foH, mic^ am liebften an frcmbei- 
Urteil anlehnte, njeil id) bem meinigen 5U ioenig Dertraute. 5m 
übrigen njiH id^ nid)t Derf^njeigen, baß fid) mir bei @elegenl)eit ber 
Aufarbeitung biefe^ a33erfe^ ber SBunfd^ aufgebräugt f)at, e^ möd)te 
bie fo rül^rige Dueüenforfc^ung unferer 3^age ber neueren beutfd^en 
®efd^ic^tfd)reibung , ifxmal be§ 16. unb 17. 3at)r^unbert^^, eine 
größere 95erürffid)tigung fc^enfen, aU ba^ bidl^er, einige löblid^e 
S(u§nal)men abgered)net, gefc^et)en ift. gür bie 3^'^ ^^n ber 
©r^ebung ber Äarolinger b\§ 5um Slu^gange ber ©taufer ift in 



SSorwort. VE 

bicfcr Söcjic^ung bcrcitö fo ötcicg gciciftct hjorbcn, ba§ cnblid^ anö) 
bie fpätcrcn Sa^t^unbcrte, h)ie öcrf^icbcn bcr in 3^agc f ommenbc 
©toff feiner Siatur naö) fein mag, an bie 9ieif)e ber fritifd^en 
Unterfu^ung fommen f outen. @d n)ärbe mir eine IoI)nenbe 
©enugt^uung fein, ipenn ba§ öorliegenbe Suc^, öielleic^t gerabe 
burc^ bie il)m anflebenben ©d^hjäc^cn unb UnöoKIommen^eiteu, 
in biefer SRic^tung einen fruchtbaren Slnftofe ju geben öermöc^te! 

3um ©^luffe ergreife i^ bie ©elegen^eit, ber öere^rten 
S)ircftion ber Äöniglic^en ^of= unb ©taatiSbibliot^ef in äWünc^en 
für bie unermublic^e ®ereith)inigfeit, mit meld^er fie allen meinen 
aSünfc^en entgegengelommen ift, ben gebüf)renben , aufrichtigen 
2)anf auiSjufprec^en. 

^irjburg, im 9Rai 1885. 



^n^aCteüßerpc^f. 



Crfled 8tti^. 

^Qd 3ci^<^I^^^ ^^^ ^umantSmud unb bcr ^Reformation. 

(Bette 

(Siitlettenbed 1 — 4 

1. Stap.: mdhlid unb Übergang 5—29 

2. 5^.: ^ie Anfänge ber gelehrten ©ef^ic^tf^retbung .... 30—90 

3. ^Qp.: taifer ^a^tmtlian L unb bie nationale ©efc^ic^tf^retbung 91—142 

4. Stop.: S)ie territoriale unb ftäbtif^e (S^eft^idbtfc^rciBung . . . 143—178 

5. Stop.: 2)te beutfc^e @^efc^tc^tfc^reibung unter ben (Stnmirfungen 

ber 9»cfonnation 178—338 

Sttieites 8u4|. 

2)ad S^itdlttx ber ^Gegenreformation unb bed 

©ttllftanbeS. 

«agememed 339-344 

3)ie ^iftoriomattiie 344 

a)ie d^ronologie 346—347 

a)ie Seitgef(^lcftte 347-365 

3)ie beutfcfte ®efc6i(^tc 365—372 

S)ie Sanbe«öef*i(^tc 372—464 

Sfitted 8tt4. 

^aS polQ^tflortf(^e3^ttaltcr. $om $(udgange bed grogen 

beutfdien 5triegc8 btd auf griebric^ ben ®ro6en. 

UUgemeine« 465—471 

1. kap.: ^e Uniöerfalgefc^ic^te 472—489 

2. Stop.: 2>ie 3eitgef(^i(^te 489—561 

3. Stüp. : S)ie ^iftorifc^n ©ilf«n)iffenfcf|aften 542—562 

4. üap.: 3)ie beutf^e (Skf^ic^te . . 563—687 

5. Stap. : S)le Sonbf«ge[(^i(^te 687—732 

6. Ifap. : ^ie alte, bic Äirc^cn* unb fiiteraturgefc^ic^tc .... 733—744 



• 



X Sn^asübcrfic^t. 

mtxM fBn^. 

2)te beutfc^c (ä^efc^ic^tfc^retbung im 3<^italter bcr flaf]t{cf)cn 
9?ationQinteratuv. SSon gricbric^ b. ®r. biS ju bcn &rci^cit§ = 

fliegen. 

Seite 
StagcmeincS 744— 75G 

1. Siap.: 3)ic biftoriidjcn ©ilfSmiffenfc^aftcn 756—772 

2. Aap.: 3)ie allgemeine ©cfdjic^tc. ^ic Äulturgefc^idjte. 5)ie'^t)iIo* 

fop^ie ber ®c\d)\diU. 

1. 3)ic allgemeine (SJefc^i^tc 772—^48 

2. 3)ie Jhilturgefcftic^tc. a)ic ^^ilofop^ic bcr ®efc^icf)tc 848-869 

3. Aap.: 3)ie 8taatengc)cfticf)tc 869—886 

4. 5^ap.: ^ie beutfd)c unb bie Sanbedgefc^ic^te. 

1. 3)ie beutfc^c ®cfcf|ic^tc 887—924 

2. 5)ic fianbcÄgefc^ic^tc 925—945 

5. Aap. : 3)ic neuere unb bic geitgefc^ic^te 946—966 

6. Stap.: 3)lc alte Oefc^icfttc 966—974 

pnfted »ttdl. 

5Die Segrüubung ber bcutfc^en Q^cfc^ic^tdminenfc^aft. 

SSon ben Srtcil^eitSfriegen bis jur GJegenioart. @d)Iun. 

«agemcine« 975—977 

1. SSorbereitcnbe«. — 3)ie9tomanti]cftciS(^uIe. — !3afob®rimm. — 
Sc^etting unb ©egcl 977—987 

2. 3)ic ^iftorifc^e S(^ule. — 93. ®. Ü^lebuljr 987-1007 

3. 3)ie MoDumenta Gcrmaniae historica. — 3Jie beutfd)e unb 

bie mittelalterliche ®efd}ic^tc 1010—1040 

4. fieopolb üon iHanfe unb feine ftltcren Schüler 1041—1061 

5. a>ie ^eibclberger 8d)u(c 1061—1076 

6. Scftlu66etrarf)tunflcn 1076—1081 



(SrfteS mä^. 



(Etnlettenöes. 

S)tc Aufgabe ber öorliegcnben ©(^rift tft bic ®t\d)xä)tc bcr 
bcutfc^en ©efd^id^tfd^retbung ber neueren 3^^' ^^ flefci^iel^t jum 
erften üWale, bafe bie ßöfung berfelben Derfud^t ipirb*). 

äRel^r Ql0 fteben Sal^rjel^nte ftnb ba^tngegangen, feit Subn^ig 
SB addier ei^ untemal^m, eine au^ful^rlid^e „©efc^td^te ber ^ifto« 
rifd^en SBiffenfd^aften" ber abenblftnbifd^en SSöIfer innerl^alb be« 

gleid^en S^i^^^i^*"^* 5" fd^reiben unb in biefem Suf^w^^^^^^fl^ 
and) ben fTnteit ber ®eutf(^en an berfelben jur Snfd^auung 5U 
bringen*); aber e^ lag in ber SWatur unb in ber Anlage feine« 
SBerle«, bafe bie Arbeit unb ba« SBerbienft ber beutfd^en ®e* 
fd^id^tfd^reibung in il^rer @et6ftSnbigfeit unb Sigenartigfeit auf 
bieiem SBege bod^ ntd^t jum DoÜftänbigen unb berebten 9ud< 

@tne ©fi^^e „3"^ ^ttoidcIungSgefd^c^te ber beut)(^en ^iftodogropl^ie^ 
t)on htm namentlid^ um bie ©eft^ic^tc bed ^umaniSmud unb ber ^iftorifer 
biefet Seit l^öc^ft üerbienten Dr. 9(b. ^. ^oratoi^ erfd^ien S^ien 1865, unb 
be^anbelt bie ^o6)c t>on ^^iebul^r unb ben gxet^tdfriegen an. — SSon anbent 
neueren Hilfsmitteln me^r atS Bibliogro^^ifc^er 9^atur fei gleid^ an biefer 
©teile bie k)on (&. %Bai( befolgte neue ^Bearbeitung t>on 2)a^Imann'8 
^üueQenhinbe ber beutfc^en Q^efd^t^te" 2. 9[uf(. (@)öttingen) 1875 ^erbor- 
gehoben. — älterer bej. Schriften n)irb an il^rem Orte gebaut werben. 

*) 9(uc^ unter bem Xitel „Qk^^i^U ber l^iftorift^en gforfc^ung unb 
^unft fett ber Iföieber^frfteßung ber literärifc^ ^Itur in (^ropa*. 2 8be. 
in 5 «[bteilungen, Q)öttingen 1812-1820. (^a« Iföer! bilbete bie fünfte 
(fbteilung eined bon ber 9iön)er'fc^en SBu^^nblung in ©öttingen verlegten 
Q^efammtunteme^mend einer „Qk^djidiit ber ^nfte unb Iföiffenfc^aften fett ber 
^Bieber^rfteßung berfelben bid an ba9 @nbe bcd 18. gal^r^unbertd'', h>el(6ed 
bemnac^ teil»eife M ein iBorgänger ber «.©eft^ic^te ber Siffenfc^ften in 
^eutfc^lanb" betra(!^tet werben fann.) 

to. fBcftcIc, 0d4i(^tc ber b«itf(^cn ^ißorioflTap^ic 1 



2 erftc« S3u(^. ©nleitcnbc^. 

brudEc gelangte. Unb aufeerbem itjar bicfelbe gerabe ju ber 3cit, 
in toeld^er SBad^Ier ^anb an baö SBcrt legte, erft im ©egriffe 
fid^ fo red^t ju entfalten unb in ein ^öl^ereö ©tabium einju^ 
treten, \o ba^ er bie gebet f)öd^ftenö mit ber 3wöerfid)t nieber^ 
legen fonnte, bafe bie größte unb fc^önfte Spod^e berfelben, fo* 
mcit namentlid^ bie ^Pflege ber toaterlänbifd^en ©efd^id^te hierbei 
in grage lam, eben erft nod^ ju eüüarten ftef)e*). 

S)iefcg ©eifpiel, bai^ 33?ac^Ier im großen gegeben, ^at 
inbeffen, um junäc^ft bei S)eutfc^Ianb fte^en ju bleiben, bie an 
ftd^ geiüife toünfd^enötoerte 9?ad^eiferung nic^t gefunben. S)er 
®runb biefer 3^atfad^e liegt o^nc Qtod^tl in bem Umftanbe, 
bag fic^ in ben barauf folgenben Sa^rgc^nten bie n^iffenfd^aftlid^e 
unb aud^ populäre leilna^me mit übertoättigenber SBorliebe ber 
qucüenmäfeigen Srforfd^ung unb SJarfteHung unferer mittelalter* 
lid^cn ©efd^id^te jutoenbete unb bie 3Ke^rjaf)l ber firafte fic^ um 
bicfe Dereinigte, ©o tourbe ei^ julegt möglid^, bafe bie beutfd^e 
®efd^id^tfd^reibung im 9KitteIaltcr, o^nc bag ein größerer SSerfuc^ 
ber $Irt i^oraudgegangen toSre, in i^ren beiben ^auptgruppen in 
gtoct entfpre^enben SBerfen jur ©arftellung gelangte, bie unfere^ 
ßobei^ nid^t bebürfen, Don toetdE)cn aber jebe^ in feiner Slrt unb 
auf ber ®runblage je i^rer SSoraugfefeungen bem ertoedEten 93e* 
bürfniffe entgegenfam unb bie eritjartete SBirfung auöübte^). 9Son 
ber fad^möfeigen ®cbeutung ber beiben SBerfe ganj abgefe^en, cd 
»urbe aud^ in weiteren, nic^t blofe ftreng fd^ulgemäfeen greifen 
jeftt flar, bafe bie ©efd^ic^tfc^reibung einer Station ein getreuer 
Äuöbrud if)re« SBefenö unb if)re3 ©cifteg, bafe fie ein fpejifif^cr 
3;cil i^rcr allgemeinen 83ilbungögejd^id;te fei, mit ttjefd^em mau 



») «. a. D. ©b. n ^bt. 2 S. 986 a, d. : ^^8 fmb Seiten eingetreten, 
toel4e für 9(nbau ber SaterlanbSgefci^ici^te ju freubigen Hoffnungen berechtigen." 

>) Ifö. Iföattenbac^, 2)eutf(^Ianb«( ©efc^ic^tSqueüen im aRittelalter bid 
iur «Ritte bc8 brcije^nten go^r^unbertS. 1. 2lufl. 1%9 ; 4. «ufl. 1878. — 
Ottotar Sorcnj^, 2)eutf4Ianb8 (S^efc^ic^t^ueOen im SRittelalter feit ber SRitte 
be« breijc^ntcn Sa^r^unbert«. 1. «Infi, in 1 »anbc, ©erlin 1870 (bi« aum ©nbc 
bed 14. 3a^rl). reic^enb); 2. ?(ufl., SBerlin 1876, in 2 ©dnben (big guni ©nbe 
beS 15. 3a^^^- \^^ erftrecfenb). 



^tnlettenbcd. 3 

fid^ nic^t me^r burd^ bic Slnfü^rung einiger auffaUcnber SWanten 
xtnb Südier abfinben bürfe. 

@o fonnte ei^ ntd^t ausbleiben, bag, fobalb au6) ber neueren 
®t\6)i6)k in 2)eutjc^tanb fid^ ein lebhafterer Sifer öon berufener 
@eite jufel^rte, jugleic^ für bie ^iftorio9ra|)^ifd^en ßciftungcn 
ber fpäteren Sal)r^unberte eine analoge S^eilna^me ern^ad^te, 
mod^te fic^ baneben aud^ bie ?tn[id)t fiegreic^ geltenb mad^ett, 
bafe benfelben für bie gefd)ic^tlid^e (Srforfd^ung biefer Qdt über* 
l^aupt nid^t ber ^o^e materielle SSert jugeftanben toerben fönne, n)ie 
ein fotd^er ))ergleid^ungdn)eife ber ®efd)id^td(iteratur bed WitttU 
cliex^ Don niemanben beftritten toirb^). ®ben uon ber Seite, 
t)on meld^er in epod^emad^enber äßeifterfd^aft in einer langen 
fRei^e toon SBerfen bad SKufter einer jugleid^ tt)if[enfd^afttid)ett 
unb fünftlerifd^en Sel^anblung ber neueren ©ef^i^tc aufgefteQt 
tourbe, ging aud^ ber frud^tbare änftofe für bie gutreffenbe Se* 
urteilung unb ^eüoertung ber neueren ©efd^ic^tStoerfe auS. 
@ö ift toa^r, biefe Slnregung fam junäd^ft in überioiegenbem 
©rabe nur ber ^iftoriograp^ie ber Sieformationdieit ju gute 
unb toixtt auf biefem Gebiete bis auf ben heutigen Xag ergiebig 
nad); aber immerf)in, baS entfc^eibenbe ©eifpiel ioar einmal ge< 
geben unb bamit gugleid^ bie Slufforberung n)eit^in beruel)mlid^ 
audgefprod^en, ber ©efc^id^tfd^reibung aud^ ber fpäteren (Spod^en 
eine ä^nlid^ ©orgfalt angebei^en ju laffen. S)iefer 3"^"f ift 
in ber 3;^at nid^t unget)ört t)crf)allt unb liegt im ßufömmenfjang 
mit bem toad^fenben Sntereffe für bie neuere ©efc^id^te ber @rfotg 
bedfelben in einer 9iei^e toon SBeröffentlid^ungen unb monogra* 
p^ifc^en Unterfud^ungen aus toerfd^iebenen 3af)r^unberten üor, 
beren 3^^! freiließ ju bem Umfang beS ©toffeS nod^ in feinem 



*) SSgl. bic bcfanntcn ©orte ficopolb \>. $RQnfc'S in ber Sorrcbc jum 
1. Sanbe (ber berfc^iebencn Auflagen) feiner ,,^cutfc^en ®c|(^i(]^te im gcttalter 
ber 9f?cfonnation* : „3*^ Wc l^ic Qdt fommcn, tt)o wir bie neuere ®cfc^i(^te 
ni(^t me^r auf bie Scri(^te, felbft nic^t ber g(ci(5jcitigcn ^iftorifcr, aufeer in* 
\otodt iffttcn eine originale Itenntnid beimo^nt, gefd^meigc benn auf bie luciter 
abgeleiteten 93carbeitungen ju grünben ^aben, fonbem aud ben Stelationen 
ber Augenzeugen unb ber e^teften unmittelbaren Urtunben aufbauen nierbm.'' 

1* 



4 ^M 93u4. (Stnidtcnbed. 

ebenmäßigen SBer^ältniffe ftc^t*). SRid^t minber ^aben unfcre 
Stteraturgefd^tc^ten, um auc^ baran ju erinnern, fettbem ange^ 
fangen, unfcrer Oefd^ic^tfd^reibung, infotoeit [ie fic^ ber natio-- 
naien ®pxaä)^ bebtente, eine emft^aftere Serfidfid^tigung ju 
n^ibmen unb bie leilna^me ber gebitbeten Jhreife für biefelbe 
mit größerer ober geringerer ©ad^funbe unb ©efd^idlid^tcit in 
!rnf|)rud^ ju nehmen'). 

SSie fielet aber an Vorarbeiten namentlid^ für bie glän^ 
jenbfte @pod^e unferer ©efd^id^tfd^reibung nod^ i^ermißt werben 
mag, biefe felbft nimmt neben ben übrigen SSSiffenf^aften jegt 
einen fo l^eri^orragenben $(ag ein unb unfere 9?ation ^Slt i^r 
eine fo au^geid^nenbe unb rührige 3;eilna^me iugen)enbet, baß 
t^ nad^ aQgemeiner Übereinftimmung angezeigt erfd^eint, ein 
®efammtbi(b il^rer (£ntn)idEeIung gu entn^erfen unb im 3uf<^ntmcn« 
^ange bie Soraudfe^ungen, fir&fte unb @inf(üf)e jur Snfd^auung 
JU bringen, burd^ beren ßwfön^ntennjirlen fie aU mobeme SBiffcn* 
fd^aft unb gugleid^ im Sßetteifer mit ben 9?ad^bari)ö(fem gu ber 
^errfd^enben 9Kad^tfteQung em|)orgeftiegen ift, bie i^r jur Qtit 
t)on nur n)enigen me^r angefo^ten n)irb. Snbem n)ir nun bie 
^anb an biefed Unternehmen legen, t&ufd^en n^ir und über bie 
augenfälligen ©c^toierigleiten beSfdben feincdtoeg«, unb ttjiffen 
wir red^t gut, baß toir ben SWut ju bemfelben in erfter fiinie 
t)iet me^r aud unferer Siebe ju bem ©egenftanbe, bie n^enigftend 
nid^t t)on geftern ftammt, ald aud ber t)onfommenen Se^errfd^ung 
beßfelben ju fd^öpfen angetoiefen finb. Unb fo toirb ber SKunfc^ 
geftattet fein, ei^ möge jtoifc^en ber $ö^e ber Aufgabe, ju bereu 
ßöfung toir hiermit fd^reitcn, unb ber Äraft, bie tt)ir für fie mit* 
bringen, fein ju ungünftiged SÄrßuer^ältni« erfunben ttjerben. 



>) 5)lc bcj. einzelnen fieiftungnt ^tcr namhaft ju mad^n büvfcn »ir 
unÄ um fo el^r t)crfQ9cn, qI« tüix im Scriaufc ber 35QrftcIIun9 bie SRc^r^aM 
berfelBen ju ertoä^nen Gelegenheit ^6en tverben. 

•) 3<^ nenne öor Qnberen bie betr. SEBerfe Don Äobcrftein, ^. Äurj 
unb Siilian @(^mibt. 



(Srfied StopiUl müdhlid unb Übergang. 5 

Srfted ffopitel. 

SELMr nehmen ben ^u^gong^punft unferer 2)arfteIIung üon 
ber ©poci^c, bie überhaupt bie neucgcit eröffnet: bem ?l6fterbett 
ber mittelotterUc^en äBeltorbnung unb Stibung, bem @mpor^ 
fornmen eined neuen gefd^tc^tltc^en ^rtnjiped, bad aQmä^Iid^, ^ter 
tafelet bort (angfamer, bie @}eifter unb bie S)tnge ergreift unb 
öertoanbelt. 3m befonberen ift ci^ ber ^umanidmuä mit feiner 
ipelterneuemben ßraft, ber auä) un^ an ber ©c^toeQe ber S^a^n, 
bie tpir jurüdEjuIegen ^oben, entgegentritt. @r ruft bie gelehrte, 
teitoeife jc^on (ritifc^e ©efd^i^tjd^reibung ind Seben, fta^It fte 
an ben äßuftern bed n)iebererrDedEten Slltertum^ unb ftellt fte 
jugleic^ in ben S)tenft ber nationalen ÜKotiDe unb Sntereffen, 
mit anberen SBorten, er reformirt fle. SBa^ feit biefer 3cit auf 
biefer ®runblage gefc^affen mürbe, toie n^enig aud^ bie fort^ 
fc^reitenbe (Sntn^idelung eine gleid^mägige unb überall g(üd(ic^e 
genannt merben lann, ed xoxxtt bi^ auf ben heutigen 7ag un^ 
mittelbar nac^, ift mit unferem geiftigen Sein wie unjertrennbar 
termad^fen, gehört ju bem @rbe, baS Don ©efd^Ied^t }u ©efd^Ied^t, 
Don Sa^r^unbert ju Sa^r^unbert fortgepflanzt unb Derme^rt, 
ben @toff iu bem @}ebäube geliefert ^at, metc^ed je^t prangenb 
unb feffelnb üor unferen Äugen fte^t. SBä^renb bie mittelalter^ 
lic^e ©efc^i^tfc^reibung in i^rer eigenartigen, aber überaQ e^r^ 
^ürbigen ®efta(t me^r nur auf bem fünftlid^en 993ege ber 9ief(e^on 
und nü^er gerücft n^erben fann, n)ei( und )t)o^I ober übe( nid^t 
6log bie Qüi Don ber S>enhDeife unb ber Kultur, aud n^eld^er 
fie ^eroorgegangen ift, entfernt, fte^t und bie mobemc ^iftorio^ 
grap^ie, bie mit bem Auftreten bed ^umanidmud in bad Seben 
tritt, in ni^t me^r unterbrochener, menn aud^ mand^mal ge« 
ftörter Kontinuität geiftig unb menf^Iid^ na^e, unb foftet ed und 
geringere Änftrengung, und mit felbft if)ren üergleid^ungdtoeife 
befd^eibenen unb fpäter n^eit überholten Anfängen ju befreunben. 



6 WM iBu4 erftcS ^apM. 

@g ift bag ein unterfd^cibcnbc^ 9?er^ä[tnig, ba^ ben in Siebe 
ftc^enbcn Cciftungen be^ SWittetaltcrö nid)t ben minbeften SBert 
ju nehmen im ©tanbe ift, baS aber bod^ burc^ ben SSSed^fel ber 
3citen, bic Statur ber !Dinge, ben unermüblid^ fortfc^reitenben 
Umgeftoltungdtrieben aUe^ Sebend unb enblic^ burd^ ein uner^ 
bittlid^e^ ®e{e^ ber ®efc^tc^te unt)ermeib(ic^ bebingt unb er^ 
^eifc^t ift. 

SBie fc^on ertoäl^nt, bie beutfc^e SSiffenfc^aft unb gorfd^ung 
bed legten falben Sa^rl^unbertd f)at i^rerfeit^ nic^td berfäumt, 
bie ®efd^ic^tfd^reibung bed aTIittetatterd ju (S^ren ju bringen 
unb in i^r 9iec^t einjufe^en. @d ift nun aud^ bem fiaien möglich 
gemocht, toenn ed if)m barum ju t^un, burdj jur Verfügung 
fte^enbe 3ele()rung toenigften^ auf mittelbarem 993ege fic^ eine 
lorrefte SSorftellung öon i^r jU öerfc^affen unb ju erfennen, 
tDorin i^r 993efen unb il^re @igenartigfeit beftef)t, n)0 i^r 83er^ 
btenft beginnt unb totlä)t @d^ran!en i^r gegogen n)aren. Sßir 
toerben nod^ bat)on einge^enb ju reben unb ju berid^ten ^aben, 
unter toeldEjen SJoraudfe^ungen ein moberne^ ©efc^Iec^t mit nie 
genug ju rfi^menber Eingebung unb Energie fidE) in bie ©efd^id^te 
unfered SDättelalter^ toerfenit unb i^re OueKen gefammett unb 
gereinigt ^at. 

9tn biefem Crte ttjirb ei^ genügen, einen furjen 9iürfbIidE auf 
bie ffintttjidtelung unferer älteren ^iftoriograpl^ie ju ttjerfen unb 
auf biefem SBege ben Übergang ju unferer eigentlid^en Sfufgabe 
ju gewinnen. — 

Sd braucht faum an bie befannte X()atfad^e erinnert ju 
toerben, bafe bie S)eutfd^en bei i^rem auftreten in ber ®e[c^id)te 
unb noc^ eine 9iet^e t>on Sal^r^unberten fp&ter feine eigene ©e- 
fc^id^tfd^reibung befagen unb ba^ bie einjige 9lrt i^rer gefd^id^t* 
liefen Überlieferung in ^iftorifd^en Siebern beftanb, beren über^ 
tt)iegenb größter 3^eil burd^ unglüdEtic^e SufäQe ober Unuerftanb 
JU ®runbe ging, fon)eit fic bie 9}e))oIution ber großen SSanbe« 
rung ber SBöIfer überlebt Ratten ober erft burc^ fie hervorgerufen 
tourben. ®o finb toir benn barauf angetoiefen, bie Oefd^ic^te 



9Hi(fbIi(f unb Übergang. 7 

unfercr crftcn fed^8 6i3 fieben Sa^r^unbcrte fo äicmlid) au8* 
fc^liefelic^ auÄ bcn Sendeten unb Slufäeici^nungen bcr ©ried^cit 
unb 9i6mer ^erjuftellen. S>ie ^olf^gefd^td^ten ber Oftgot^en, 
Vngelfac^fen, fiangoborben, bie auf erobertem altrömifd^en ^oben 
entftanben finb, fönnen bei aQer Originalit&t unb trojj i^rei^ 
^o^en ftoffltd^en äBerted am @nbe boc^ nur unetgentlid^ unter 
ber fiategorie ber beutfc^en ©efd^i^tjd^reibung untergebracht 
tperben. S)ie toirflic^en Anfänge einer jolcften fallen notorif^ 
erft in bie (Spod^e be^ burd^ bie Karolinger u^ieber^ergefteKten 
unb erweiterten fränfifc^en SReid^ed unb ber bauer^aften Segrün^ 
bung einer neuen felbftänbigen ßuttur, bie fid) auö ben lebenö* 
fähigen Elementen ber alten SBelt, ber fd^ö|)ferifc^en Äraft beÄ 
Sl^riftentumd unb ber römif^en Kird^e unb enbli^ bem, im 93unbe 
mit festerer bie SBelt umgeftaltenben ©ermanentum gufammen* 
fe^te. Karl b. ®r. »ar e^, unter beffen Snitiatiöe unb ©c^ufe 
fid^ biefe ^Itur fonftituirte unb beffen genialer ®inn unb ge^ 
toaltiger Arm fie jenfeitö be« SR^eine^ [id^erte, too i^r fd^on 
S3a^n gebrod^en n)ar, ober fie übtxf)an\>i erft einführte, n)o i^r 
bad fpejififd^e beutfdie SBefen in feiner ©pröbigfeit unb ©elbft* 
genügfamfeit bid ba^in unfibertoinbUd^en SSSiberftqnb geteiftet 
^atte. 2)ie ©d^öpfung ober bie SBieber^erfteHung einer gelehrten 
SBübung unb bie grunbfä^lic^e aQmä^lic^e Verbreitung berfelben 
Don bem glänjenben äRittelpunfte beS SReic^ed in alle Steile 
beöfelben, toie fie eine golge unb gruc^t ber unermflblid)en ?ln* 
ftrengungen ßarld unb feiner ^udern^ö^lten toar, ift in alter 
unb neuer Qeit oft gefd^ilbert worben unb fann boc^ niemaU 
genug gepriefen »erben ^). Sn biefem 3i^fQ*nn^cn^ange tritt un^ 
auc^ bie ©runblegung einer beutfc^en ©efc^ic^tfd^reibung mit 
i^ren erften mafegebenben Seiftungen entgegen, beren ©prad^e, 
toie bad gar nic^t anberd fein (onnte, bie ©prad^e ber eben in 
bcr SBoHenbung begriffenen 5fultur, b. t). bie lateinifc^e ttjar. 

») Tlati ögl. aujcr bcm bereit« angeführten SBcrfc öon 28. SBattenbad) 
bie beg. 9(rbeiten Don ^x. $ä^r unb befonberd ben 2. 8anb ber (^ejc^ic^te 
^er abenblänbifc^cn Literatur u. f. ro. Don (Ebett. 



8 ^M 9u4 erfted Jto^teL 

2)ie formen ber $iftoriogrQ|)^te treten nad^ einanber auf, bte 
tto^ Quer Umgeftoltungen unb Srtpeiterungen bie ^rrjc^enben 
be$ äRitteloIterd geblieben finb: bie ^nnaliftif, bie Siograp^te 
unb bie S^ronif mit t^ren äRobififationen unb Unter« unb 9[b^ 
arten. S)iefe gönnen an fid^ [inb nic^tö SReuei^ ober erft gr* 
funbenei^, [ie wieber^olen fid^ ja in i^rer erften Anlage in allen 
Seiten unb bei allen SJölfem ; aber ber ®eift, ber fie ^ier erfüllt, 
ift ein felbft&nbiger, auc^ ba, too bie Stad^a^mung frember SRufter 
auf platter ig)anb liegt. Sm SSerlaufe beS farolingifd^en QeiU 
raumd begegnen n)ir biedfeitd bed Sfl^eined in faft aOen $ro^ 
t)inien biefer ^iftoriograp^ifd^en 3:]^ätigfeit, in ber Siegel in ben 
filöftem unb an ben bifc^öflic^en ^rd)en, unb ed bleibt nid^t 
auÄ, bag einjelne 2lbteien, tt)ie fiorfc^, gulba, §erdfelb, ©t. ©allen 
u. f. n)., na^ einanber ^eröorragenbe ^flegeftfitten ber Oefd^idöt'^ 
fc^reibung koerben. ^nt (Snbe tritt au^ bad gule^t untern)orfene 
Vltfa^fen in biefen ^reid, loo bie Don Jtarl i^m mit blutiger 
®en)alt aufgebrungenen ^eime ber neuen Jhtltur munberfc^neS 
unb ffl^nenb aufgegangen finb. 3"i"^if^ f^"^ ^^f ^^^ @ang ber 
S)inge entfpred^enb, ©eiftlic^e unb SRön^e, bie bie geber fu()ren, 
aber in ber erften Seit, nod) unter Ä. fiubtoig bem grommen, 
treffen toir auc^ Saien, unb jttjar 3;alente erften SRangei^, tt)ie 
©in^arb, STngilbert unb 9?itl)arb, in ben {Reihen ber ©efc^ic^t« 
fd^reiber. (£d toar bad eine nid^t zufällige S?irfung ber unt^er^ 
gteic^lid^en fiulturpolitif fiarl b. ®x., bie ja betougter unb n)o^t 
überlegter SBeife auf bie Herbeiführung ber geiftigen Sbenbärtigfeit 
beiber ©tänbe, bed ÄIeru8 unb ber fiaien, ausging: eine 3;enbenj, 
bie, koenn fie fic^ behauptet l^&tte, bem gefammtcn 9Rittelalter ein 
anbered Gepräge aufgebrüdft f)aben n)ärbe, bie aber fc^on unter 
feinem SWac^f olger Derlaffen mürbe, ttjeil fie ju grofe unb Ki^n 
war, alö bafe fie fid^ Don fo fd^toac^er gfi^rung f)&tU aufred)t 
erhalten taffen, unb belanntlic^ finb Sa^r^unberte ba^ingrgangen 
unb gehörte eine angeftrengte SnttoidEelung baju, bid aud) auf 
bem ®ebiete ber ©efd^i^tf c^ reibung ber Saienftanb n^ieber auf 
ber Silbflöd^e auftau^te, unb erft nad^bem er in einem anbern 



düidblid unb Übergang. 9 

leilc ber fiiteratur, nämlic^ bem poetifd^cn, feine ©mancipatioit 
beurfunbet unb feine 3Rfinbigfeit bofumenttct ^atte. itarl b. (üx. 
l^at uni^erfennbar andj ber ©efc^ic^tfc^reibung feine unmittelbare 
^eilna^me jugekoenbet, unb ed bleibt noc^ immer iDO^rfd^einltd^, 
bog ed nic^t o^ne fein ßut^un gefc^a^, bog bie @reigniffe feiner 
Regierung in möglic^ft aut^entifd^er SSeife aufgefd^rieben iDurbett : 
Mufjeic^nungen, bie man jutreffenb mit bem SWamen ber SReic^«* 
-annaliftif geehrt, unb bie fic^ bann in ben folgenben ©enerationen 
fortgefe^t f^at SEBa^ für un^ babei bad merhpürbigfte erfc^eint, 
•ift aufeer einer nid^t geringen formellen gertigfeit ber ^iftorif^e 
@inn öor allem für bie S)arfteflung ber ßcitfl^f^i^te, ber un« 
^ier uberaQ entgegentritt. 83on biefer Seite ^er fonnte unter 
ben ^änben feined Sieblingd (£in^arb jened Silb üon bem Seben 
unb ben Späten bed großen ^aiferd gejeic^net toerben, ba^, toit 
abhängig ed aud^ felbft t)ou römifc^en SD^uftem notorifc^ ift, 
boc^ in @prad^e unb itompofition ben folgenben Sa^r^unberten 
cU äRufter üorgeleuc^tet ^at, ))on fielen nac^gea^mt unb oon 
feinem übertroffen toorben ift. 3"9l^^^ f^i^^^ ^^^^ ^^^ Urf)eber 
biefeS SBilbe^ ben Xriump^, ber gleichfalls fpäteren feiten ju Xeil 
gemorben ift, bag feine 3^i^iiung ^arld, tDtld)t Sücfe aud^ bie 
iteuere ^^orfd^ung in berfelben entbecfen mag, bie ^orftellung 
j)er fommenben @efd^lec^ter üon feinem gelben bis auf ben 
J^eutigen ^ag ju beftimmeu nic^t aufget)ört ^at. 

3m befolge beS iRiebergangeS beS farolingifd^en 9ieid^ed 
ift allerbingS aud^ ein @in(en ber unter Siarl b. &x. begrünbeten 
^efc^id^tfc^reibung toa^rjune^men , mas nic^t ju üenounbem, 
nac^bem feine SRad^folger [i^ auf ber §öl)e feineö ©^ftemÄ 
nic^t ju behaupten üermoc^ten unb bie äugeren ©efa^ren unb 
inneren SBirren eine freubige unb ruhige Sntroicfelung beS ©r- 
trbten aQmft^lid^ immer fd^toerer gefäl)rbeten. S)oc^ mar gerabe 
rechts beS 9t()etneS bereits ein fo fefter ®runb gelegt, bag mo^l 
eine Trübung unb Slbfc^n)äd^ung, aber fein (Srlöfd^en ber einmal 
cntjünbeten (flamme me^r ju befürchten n^ar. 5¥. Subn)ig ber 
3>eutfc^e n^enigftenS toax nic^t o^ne @inn für bie gef^i^tlic^e 



10 <Srftcd S&udi, erftei» ßofritel. 

3Kufe, unb bie ^iftorifd^cn SIufjeid)nunflen, bic in feiner ß^i* ^^ 
t^ulba unb ®t. ©allen entftanben, ^abeu fic^ befonntüc^ feiner 
leilna^mc erfreut. ®in SRann »ie SRuboIf öon gulba leuchtet 
noc^ ^ell Qu^ fid^ üerbunfcinber 3^^^ ^erauö, er, an beffen: 
9tamen bie ^enntni^, ja bad SSerftänbnid bed ^acituS in feinem 
Suc^e über Germanien ru^mreid^ gefnüpft ift, um bann freiließ 
auf aDjuIange gu üerfc^minben. STn fiebenSbefd^reibungen ge^ 
fc^id^Uic^ me^r ober toeniger bebeutenber ^^erfönlid^teiten ift auc^ 
bic gtocitc §älfte ber farolingifc^en 6pod)e nid)t arm, bod^ f)errfd^t 
nur ju gerne fc^on me^r bie erbaulid^e Slbfic^t al^ ber toirflic^ 
^iftorifd^e ®inn üor, toenn ed auc^ an ©iograp^ien nid^t fef)lt, 
welche, toie bie SSiUe^alb^ unb Än^gard, bie in Slltfad^en ent^ 
ftanben unb bie ^udbe^nung bed beutfd^ « c^riftUc^en Sinfluffe^ 
nod^ ©fanbinaüien berühren, bag gortfd^reiten einer gebiegeneit 
bort^in uerpflanjten literarifd^en Xrabition bejeugen. üDaran: 
toar aber nid^t ju benfen, bag ber toad^fenbe ^uflöfungd- 
projefe ber potitifd^en ©^öpfung fiarl b. ®r. in ber beutfc^eit 
®efd)id^tfd^reibung feine ber Der^ängnidüoQen @c^tpere bed äior^ 
gang^ aud^ nur entfernt entfpred^enbe S>arfteUung gefunben t)ätte. 
SBaS un§ bie jerfplitterte ?lnnaüftif biefer 3^^^ barüber ju be* 
richten toei^, ift im SSer^ältni^ ttjenig unb bürftig, Derrät nur 
ben aQgemeinen SRüdEgang unb man fann [agen bie ^ilflofigfeit 
unb Entmutigung, mit n)eld^er auc^ bie träftigeren unb gebilbeten 
®cifter in Cftfranlen bem SBirrfal ber 3^it gegenüberftanben. — 
(Sine neue @pod^e ber beutf^en ©efc^ic^tfc^reibung reprä^ 
fctttirt bad 3ci^öl^^ ^^^ fäd)fifd)en Saifer, fonjie man eine foId)e 
im SinMang mit ber 3^^* ^^^ falif^en unb ftaufif^en Äaifer 
fonftituiren fann. §ier überall bedten fic^ bie ®renjen ber ^iftorio^^ 
grap^ifc^en 3ci^äume nod^ mit ben politifc^en. (Srft feit bem 
3n)ifc^cnreic^e änbert fid) bad iBer^ältni^ unb muffen anbere 
©renjlinien aufgefud^t toerben, ttjeil fid^ ba^ Seben ber Station 
unb i^rer 83t(bung über{)aupt in anberen ©eleifen a(d jenen 
b^naftifc^en bettjegt unb lijeil cö nic^t me^r bie med^felnben ffaifer^ 
Käufer finb, bie ber Qtii in 993a^r^eit bad ©epröge aufbrüden. 



ShicfbÜcf unb Übergang. 11 

SRac^t fic^ ja fc^on unter ben testen ©taufem, feit S. griebrid^ IL, 
eine ^erfd^tebung jener ^otncibenj beutlid) n)Q^rne^mbar. 

äßon n)eig , n^ad bie (Sr^ebung eined nid^tfarolingtfc^en 
Äönifld im oftfränfijd^en SReic^e, obgleid^ bag ^errfc^enbe ^au^ 
felbft nid^t audgeftorben toar, ju bebeuten ^atte. 2)te SDeutfd^en 
fteUten ficft mit biefer Zf)ai\ad)i auf l^re eigenen gii^e unb er* 
Karten, i^r Sd^idEfoI nic^t länger mit bem entarteten ytaä)tommtn 
Statin b. ®r. toerfnü|)fen gu moHen. SBa^ man bagegen ein»' 
tuenben mag, biefe Sodreigung n)ar im legten ®runbe mie in 
aDen feinen 993irfungen ein @teg be^ n)ic immer aud^ toer^äQten 
unb angefod^tenen nationalen ©ebanfenS, bie einzelnen beutfd^en 
©tamme, freiiüiHig ober fic^ fträubenb, fammelten fid^ um fi^ 
felber unb traten in ein dinä) gufammen, bad fid^ unter ber 
gü^rung beö fäc^fifd^en ffiaifer^aufeg f onfolibirte , bie äußeren 
i$einbe jurüdEmied, enblid^ fid^ gum ^errfc^enben 3)?itte(|)unftt 
beS Slbenblanbed machte unb boQer 3uberfic^t bie S3a^n einer 
uniDerfeOen ^olitif betrat. äBte man aud^ biefen (£ntfc^tug unb 
feine golgen potitifdE) beurteilen mag, — mer fennte nic^t bie leb^ 
^aften ©rörterungen, bie im SSerlaufe beg legten üJJenfd^enatter^ 
barüber geführt toorben finb ? — für bie tultureüe ©nttoidtetung 
bed beutfd^en ^olfed finb biefelben ))on mo^It^ätiger äBirfung 
gettjorben, einer SBirfung, bie [id^ in ttjed^felnben ©rfd^einungS:» 
formen Don Sa^r^unbert ju 3a^rf)unbert fortfegt, fic^ fteigert 
unb mit ber SBiebergeburt, ber ßrneuerung unfereö gefammten 
toiffenfd^aftlid^en Öeftanbed feit ber gleiten ^Ifte beg 15. 3af)r*^ 
^unbertÄ im engften, urfäd)Iid^cn 3wf^^"*^"^onge ftet|t. 

®enug, feit Ä. Ctto I. blfi^t in ben gebilbeten Greifen 
beiJ oftfränlifd^en SReic^e^ toieber neuei^ Seben em|)or unb regen 
fic^ im ©ebiete ber ©ef^id^tfd^reibung überall frifd^e unb toie 
neu erttjac^te Jhräfte. S)ie grofee Qtit unb bie bebeutenben 
SRänner, bie auf ben ©d^auplag treten, forbern biefe xok öon 
felber auf, gum ®riffel gu greifen, ber üerettjigen foQ, toa^ fie 
t)or i^ren Slugen fic^ DoQgie^en fe^en. @in ^of)eÄ ©elbftgefuf)! 
burd^bringt bie ^Ration unb pgt i^r 3^i^^^f^^ V^ f^^ f^t^^^ 



12 ®rfteÄ 33u4, crfted fapltcl. 

f in. Sd^on fieibnii unb anbcrc nad^ if)m ^abcn mit Siedet naä)^ 
brüdlid^ barauf ^ingetpiefen, bag ba^ je^nte Sa^rf)unbert uuferer 
-©cfc^ic^te, geiftig gemeffcn, ju bcn glänjenbftcn unb fruc^tbarften 
(Speeren unferer ©efd^id^te gehört, unb bafe mir cg bcn granjofcn 
ibcrlaffen muffen, eben biefcö Sa^r^unbcrt für fid^ ald ein 
„buntteö" in ?lnfprud^ ju nehmen. Unb gerabe bic ®cfd)ic^t*= 
fc^reibung fte^t oben an in ber literarifc^en SRegfomteit ber 3cit. 
S)ie begabteften ©eifter menben fid^ i^r ju, unb roä^renb fie baS 
i^r bereite früher rec^td bed SR^eineg jugefallene ©ebiet feft^ält 
unb ^ier unb ba einen neuen frud^tbaren ®i^ xok dieic^enau ju 
ben äUeren ^injufügt, ertpettert fie jugfeic^ badfelbe mit einer 
glänjenben (Süuerbung, mit ber ^eimat bed jfaifer^aufe^, nämltd) 
mit ?ntfac^fen, mld)t^ in ber §iftoriograp^ie jefet mit berfelben 
Überlegenheit hervortritt tok in ber ^olitif. @o nimmt nun 
bag ganje 9Jeic^ teil an biefer Arbeit, toenn aud^ bie Seiftungen 
ber eingelnen ^roüinjen nic^t überall von gleichem 38erte finb. 
3n erfter fiinie ift ed bie g^itfl^f^^^^c r bie gepflegt ioirb, unb 
in ber SRegel in ben überlieferten formen ber 9(nnaliftit, ber 
<S^ronif unb ber Siograp^ie fic^ betoegt. Sin 9Sert mie bie 
fäd)fif^en ©efc^ic^ten SBibufinb^ öon Sorüei betrad)tet man mit 
gug afö benüoQenbetftenÄuöbrudEber^iftoriograp^ifd^enSeiftungg* 
f&^igfeit ber (Spod^e ; DoQ Urfprüngfic^feit, n)enn ed fic^ auc^ an 
antife SKufter anlehnt, Don nic^t gemeiner ©eftaltungöfraft ge* 
tragen, oon ttjirtli^ ^iftorifd^em ©inne biftirt, gewanbt in ber 
gorm unb ©pradE)e, bringt e^ uni^ bie 5^^aten unb bie ^4^^erfön^ 
lid^feiten,. über bie ed berichtet, greifbar unb menfd)Iid^ na^e unb 
legt jugleid^ Don bem ©elbftbetoufetfein , üon toelc^em ber alt- 
fac^fifd^e Stamm jener Stit erfüllt toar, berebteö 3c"fl"i^ ^^^ 
S)a6 eine grau toxt 9ioi&Dit()a Don ©anberd^eim in i()rer 'JBeife 
bie Oefd^id^tc i^re^ großen Äaiferä fdireibt, beftfitigt in ber über= 
rafd^enbften SBeife, toie tief bereite bie literarifd^e SBilbung unb 
aber auc^ bie SReigung jur probuftiüen Sefc^äftigung mit ge* 
fc^i^tlid^en S)ingen gebrungen toar. S)ie ®unft, meiere ba^ 
ifaifer^au^, bie brei Dttone im befonberen unb ein biefen oer- 



mdhiid unb Übergang. 13 

wanbtfc^aftlic^ fo nat)e fte^cnbct gürft tüic (Srjbijd^of Sruno' 

uon Jtöln bcn gelcl^rteit ©tubien unb fpejicH oud^ bcr ®t\d)x6)U 

f^rcibung juioenbetcn, ^at o^ne S^^'f^^ ä"^ ^ingcbcnben pflegt 

berfelben mit beigetragen; aber e^ koäre ntd^t f^kper ben 

83etoei^ ju führen, bag btefe ®unft nur ein fubfibtäred, nic^t bo^ 

eigentlid^ betpegenbe, prtmfire Slßoment biejer $lrt S^ötigfett ge« 

toefen ift. Sm übrigen unb bei aller Mnerfennung läßt fid^ 

freiließ nic^t behaupten, bafe bie beutf^e §iftoriograp^ie biejer 

3cit unö auf aQe gragen 2lntn)ort gibt, bie tt)ir 9?ad^geboreneit 

ju fteden un^ i^erfuc^t unb bered^tigt füllen, ober audE) nur, bag 

fie ben gefammten 3n^a(t ber @|)od^e erfaßt unb erfd)öpft ^abe. 

©0 fieser fie ben SSergtei^ mit ben uertüanbten Seiftungen ber 

SWac^bartoöIfcr, bie ^ier überhaupt in grage fommen bürfen, in 

ben meiften gfißen befte^t, fo mufe bod^ jugegeben »erben, bafe. 

i^r für gettjiffc ©eiten be^ öffentlichen Sebenö ber ©inn fe^It, 

bafe eÄ übemjiegenb bie dufeere — mir jagen nid^t auönjfirtige — 

Ocfc^i^te ift, bie if)r eine 3;eilna^mc abgen^innt, tüfi^renb bie 

übrigen gefd^ic^tlic^en Stegungen unb @))oIutionen fem bleiben, 

fotoeit fie nid^t firc^(id)er unb erbau(id)er 9tatur finb, ober bod^ 

unmittelbar bamit jufammen^ängen. @d b(eibt bad eben eine 

©igenart ober, »enn man fo witl, eine ©d)n)äd^e ber ©efd^id^t- 

fd^reibung bed äßittelalterd auf lange ^inaud, unb fonnte bai^ 

in bem gegebenen gaüe biHigertoeife f^on au^ bem ®runbe 

nid^t biet anberö fein, »eit bie Sfufmerffamfeit unb bie ZeiU 

na^me ber Station, bie i^rerfcit^ eben erft eine felbftänbige ge- 

bietenbe ©teQung gefunben ^atte, in übertoiegcnbem (Srabe toon^ 

ben bamit iufammenpngenben SSorgängen in Altern gehalten unb 

in Slnfprud^ genommen toar. Aber auc^ nod) eine anbere, auf- 

ftärenbe @rtt)ägung ift l^ierbei nic|t ju übergeben: bie SBerüdE« 

fic^tigung ber inneren 3iiftönbe, fotoeit fold^e uorl^anben finb, 

ttrirb öon ©eite ber (Sef^i^tfd^reibung fteti^ nur in üorgefd^ritte:= 

neren 3^iten p i^rem 9ied^te gelangen unb fe^t jugleid^ fc^on ein 

^ö^ered ©tabium ber allgemeinen Kultur uorauS, aU n)ir t)on 

ben älteren Sa^r^unberten irgenbtoie öorau^fe^en burften. ©O' 



14 ®rftc« ©uc^, crftc« $tapM. 

finb c§ in bcr %f)at big in bie Qtit bcr ©taufer hinein nur 
ein paar Dereinjelte unb au^erlefcne ®ei[ter, bie bafür ein Sluge 
unb Serftänbnid befunben. @o(ange bie ©ef^td^tfci^reibung au^^ 
fc^tiefelid^ bcn Rauben ber ®eift(id^feit anvertraut blieb, njar, 
auc^ alö bie Jhiltur uortoärtÄ fd^ritt, in biefer ^infic^t nur 
toenig ju ernjarten; erft ate ber Saienftanb in bie 9icif)en ein^ 
rüdte, ^at fic^ bad geönbert, unb auc^ bann !ann faum in ^b^ 
rcbe gefteÜt »erben, bafe bie ^iftoriograp^ie anberer ^Rationen, 
»ie j. 33. ber Italiener unb ber gi^anjofen, unö in biefer 9Jic^^ 
tung bie längfte 3^** um ein bebeutenbeS uorauS itjar unb feiten 
eingef)oIt ttjorben ift. Äaum iüirb bie SBerfid)erung f)in^ugefügt 
tüerben muffen, ba^ und ni^t unbefannt ift, bafe bie metf)obifd^e 
Se^anblung ber fog. inneren ^i^ftänbe unb Sntrtjidelungen über^ 
^aupt feiten ober niemals ©ad^e unb Süufgabe ber nid^t fad^- 
mäßigen ©efd^id^tf^reibung fein tann, unb bafe bie ©efd^idjtiä^ 
forf^ung ftets einen ^ol^en ®rab ber SnttoidEelung erreict)t ^aben 
mufe, e^e mit SluSfid^t auf ©rfolg an cttoa« ber ?Irt gebadet 
toerben fann. 

Sinen beträd^tlid^en gortf^ritt auf ber einmal geebneten 
J8al)n bejeid^net bie beutf^e ^iftoriograpI)ie im 3^'^^f^^i^ ^^^ 
fräntifd^en flaifer. 2Wan fönnte fic^ uerfu^t füllen, aHeö in 
allem i^r ben erften ^ßlaß in ber beutfc^en ®efc^id;tfc^reibung 
bed SRittelalterd einjuräumen. Slnbere 3^**1^0"'"^ Ijaben ^toar 
fid)er einjelne glänjenbere Seiftungen aufjutoeifen, aber taum einer 
^at eine fo grofee Srnjaf)I üortreffli^er SBerfe ^eruorgebradjt, 
in feinem anberen ift bie f)iftoriograp^ifd^e ?ßrobuttion fo gleic^^ 
mäfeig über baÄ ganje SReid) verbreitet unb erfd^cint fie von 
einem fo eüibenten I)iftorifd^en ©inne unb einer entfprec^enben 
®abe ber ©arfteüung unterftüfet. !Die beutfd^e ©ejc^ic^te biefer 
3cit ift betanntlid^ eine ^öc^ft belegte, öon inneren fionflitten 
unb ben Sämpfen ber Äaifer mit ber ^ierard^ie erfüllt. Stile 
grofeen unb Keinen Seibenfc^aften finb entbrannt, I)eftige "tpar- 
teiung teilt bad 9?eid^ unb ein lange bauernber SBürgertrieg 
tt)ütet, roeld^en man nid)t mit Unred^t mit bcm großen beutfd^en 



SRücfblid unb Übergang. 15 

.Kriege bcd 17. Sa^r^unbctti^ toCTfllid^en t^at S)icfe große, fo 
Icibenfd^aftlid^ bewegte ©pod^e ^at eine ®efd^id^tjd)reibung ge*» 
funben, bie, tooi^ augerotbeittlid) Uiel fagen tüill, i^rem ®egen* 
ftonbe na^eju getDQd^fen ift. 2)eutfcf)lQnb erf^eint junad^ft Stalten 
xinb granfreid^ auf bem ®ebiete ber literarifdien Äultur unb im 
tefonberen ber $iftoriograpf)ie überlegen, unb erft gegen bad 
®nbe ber (Epodjt unb al3 fid^ bie öer^eerenben unb entfittlid^enben 
folgen ber un^eiluoQen 5l'äm|)fe geltenb ju mad^en anfangen, 
tritt ein SSädtgang ein. SBieÜeic^t taufd^en toir ung, aber ttjir 
Vermögen bie SSermutung ni^t gang ju unterbrüdten : o^ne bie 
ter^dngnigtooÜen SWad^njirfungen jene^ flonflifted l^ötte fic^ bei 
aini^ ein gebitbeter, geiftig felbftönbiger Saienftanb üiel früher 
cntn^idelt aU ed bann n^irflid^ gefd)eE)en ift. ©o n)ar unb blieb 
alle gelehrte Silbung unb ^ptigfeit nad^ n)ie ))or unbebingt in 
ben Rauben be^ Äterui^, aber er übte fie, n)ie bemertt, in 
caudgegeid^neter , mnn mä), xok ed nid^t ausbleiben tonnte, 
jum leite einfeitiger SBeife au3. ®ie ^eröorragenbften 3^alente 
toenben fid^ ttjieber ber ©ef^id^tfc^reibung ju, wä^renb bie nationale 
jJJi^tung jurüdtbleibt, tpeil bie gebieterifd^en SSorauSfe^ungen i^rei^ 
©ebei^enS nod^ aüju unentoidtelt ttjaren. ©d^on räumlich ift 
jc^t toteber, ni^t unbebeutfam , ein gortf breiten ber Oefd^id^t» 
fc^reibung toa^rjunel)men. 3n biefer Qtxt tritt bad centrate 
S^pringen, baö bisher fid^ ftumm toerf)a[ten, in ben Äreiö ber 
^iftoriogrop^ifd^en $probuftion ein, bie aber jugleid^ bie fpcjififd^e 
9ieid^Sgrenäe überfd^reitet unb toor allem in ber SWarf Dftreic^ fid^ 
eine frud^tbarc unb fixere ©tötte erobert. 9?cbft ben SReid^iJ««, 
fianbed» unb Sofalgefd^id^ten — benn biefe Sifd^ofö? unb filofter«» 
^iftorien finb oft nic^t öiel anbereö — unb ben Siograp^ien 
taud^t nun old ein na^egu 9?eued bie Unit)erfalgefd^ic^te ober 
SBeltgefd^id^te auf, bie fid) gule^t gemö^nlic^ mit ber SReid^d« 
gefc^id^te toerbinbet, jugleid^ t)on entfd^ieben geleiertem S^arafter, 
tnie i^tt j. 95. in erfter fiinie bie bej. SKerfe üon ^ermann 
ton Steid^enau, t)on ©igebert oon ®emb(ourd unb (Sffe^arb ))on 
^ura an fid^ tragen. ®anj in ber 9lrt ber mittelalterlichen 



16 <^ted Su4 erfteg StüpM. 

$Ta^^ ift ha^ audgejet^nete SBer! bed leiteten bo^ 3beat aller 
folgenben aQgemeinen ©efc^id^ten geloorben, bai^ man tuieber^olt 
ober ejcerpirt unb bann fortfe^t ober beffen ©toff man, toit 
fpäter Dtto uon greifingcn ba« t^at, fid^ aneignet unb beffen 
fprOberen ßör|)er mit feinen il^m eigentümlichen 3been umge^ 
ftattet unb belebt. @in fo au^gejeic^neted IMcnt ber l^iftorifd^en: 
3)arftellung, toie e8 mit SRed^t toon jet)er Sambert toon ^eri^felb 
nad^gerü^mt n^urbe, bad man beinahe ein epifd^e^ nennen möd^te, 
^at fid^ in unferer ganjen folgenben ©efd^id^tfd^reibung feiten 
ober niemals toieber^olt, toenn au^ ber ^reiS ber Objeftiuität, 
ber llnparteilic^feit, ben man i^m nid^t minber bie Ifingfte Qüt 
f)inburd) juerfannt ^atte, in neuerer Qtit nid^t o^ne ©rfolg an- 
gefochten toorben ift. !Dai^ glänjenbe literarifd^e 2xilent, bad 
biefen ?lutor auÄjetd^nct, ^atte eben jeben 3^cifel über bie 
übrigen ©d^toüd^en feinet SBerfeS fd^n)eigen mad^en. Überhaupt, 
n)ad man Obje!tit)ität nennt, barf man bei ben n^enigften gerabe 
ber bebeutenbften ®efd^id^tfd^reiber biefer Qeit fud)en, bie fid^ 
fdEineU genug mit toilber ^arteiung erfüllte unb beren Ätmofp^ftre 
et^ifet toar toie bie feiten einer anbern ©poc^e. SJafe bie ?ln* 
^ftnger ?ß. ®regor VII. unb feiner SRac^folger unb bie ®egner 
beS ftaiferö fold^em Sifer befonberS gerne ausgefegt Joaren, fann 
uns nad^ ber 9?atur ber SWenfd^en unb ber S)inge nic^t ttjunbem. 
993ie totit ^atte man fic^ in toer^ättnidmögig furjer 3^^^ ^^^ 
ber beruhigten Stimmung entfernt, in toeld^er SBipo ba^ fieben 
Äonrab II. fd^rieb, unb toie Dereinfamt fte^t gegen baö Snbe ber 
$eriobe jener milbe unb geredet benfenbe 9lutor ber 93iograp^ie 
Jt. ^einri^ IV., beffen Urheber man big auf ben heutigen 
^ag oergeblid^ ju erraten fuc^t. @elbft ein äßann tote ber 
bereit« ertoÖ^nte 6Hel)arb toon Aura, über beffen urfprüngli^e 
S)enhoeife faum ein 3tt>eifel befte^en fann, toirb Don bem toilben 
©türm ber Q^xt erfaßt unb toenbet fid^, ratio« umfiergetrieben, 
in feiner (S^ronit balb auf bie ©eite be« ^atfer« unb balb auf 
bie ©eite be« $apfte« unb fe^rt bann toieber jum ftaifer jurüd. 
993ie tann e« bemnad^ überrafd^en, bag eine fo ^eig empfinbenbe 



mdblid unb äbetgang. 17 

SJatur iDic Scmolb bic bcrcitö crflriffcnc gebet nieberlegt, fic^ 
in bai» ©etümmel bed @tretted ftütit, feinen ^nig feI6ft auf 
bad @c^lac^tfelb begleitet unb etft fpfiter, mie mfibe gen)orben, 
bie ftiHe 3«^^ ^^^^ ÄlofterS auffuc^t, um fein 3Berf fortjufcftcn, 
ofine aber üon feinem einmal ergriffenen @tanb))unfte etoad 
fnreidiugeben. Unb boc^ ^at nur in ben feltenften fällen biefe 
Parteinahme ju förmUd^en unb man mug fagen ben)ugten @nt^ 
fteQungen ber X^atfaij^en unb ju Ifignerifc^en Srfinbungen ge« 
fü^rt, koie bei jenem SBruno unb feiner @d|rift über ben fäd^fifc^en 
Arieg, bie glüdlic^ertoeife mitten im ©ebr&nge {iemlic^ bereinjelt 
fte^t. Smmer^in aber bleibt eö für bie ^iftorif^e ©rfenntnid 
jener 3^^ ^^ ^^ @egen ju betraij^ten, bag neben SSerfen tt)ie 
bie etlDä^nten, bie bad äBa^rjeiiJ^en ber ®pod)t fo beutlid^ an 
fic^ Derfünbigen, aud^ bie ruhigere, parteilofere Hnnaliftif immer 
toieber neue @c^6glinge an^ufegen nic^t mübe gen^orben ift. 

Sßenben toir und nun ^u ber ©efc^id^tfd^retbung bed ftau« 
fifc^en Qtitaltex^, fo erfc^eint ed toeniger leidet, mit toenigen 
@ä^n ben ganjen Sn^alt unb Sßert berfelben jum Hudbrud 
gu bringen. 2)ie 3^tt ift fo reic^ unb gewaltig, bag eiS auc^ 
und fpät geborenen nid^t leicht toirb fie ju überfeinen unb und 
i^red ©e^alted ju berfidiem. @in Aaifergefc^Iec^t auf bem 
3!^rone, gläujenb unb fräftig jugleic^ tok fein anbered t)or i^m, 
ioie bergleic^ungdtoeife befd^eiben bie anfange feiner §errfd^aft 
aud^ toaren. SRan fü^It fid^ berfud^t ju fagen, wad jebe einjelne 
ber beiben junäd^ft ooraudgegangenen S^^naftien ®roged unb 
^rlic^ed audjeid^nete, tritt und in ben ©taufern Dereinigt ent^ 
gegen. @ie mad^en ben nalje liegenben S^erfud^, bie gefunfene 
@elbftänbig{eit unb SD^ad^tfüQe bed 9iei^ed unb ber faiferlic^en 
SBürbe n)ieber ^er^ufteUen unb bie üorbringenbe ^ierarc^ie in 
i^rc ©c^ranfe jurücfjutocifcn, ge^en aber juleftt, bon ber @tim» 
mung ber 3^^ öerlaffen unb in bie unWdbarcn SBiberfprüd^c 
i^rer ©teUung unb i^rer ^enbenjen üerftridEt, in rinem tragtfd^en 
unb ^elbenmütigen jiampfe unter. Sieben i^nen fte^t eine tange 
Siei^e audgejetd^neter gärften unb ©taatdm&nner, geiftlid^e unb 

i>. SP e g e I e, ^ck^te bor btutft^en ^ifloriograp^ic 2 



18 ^ted 9u4 erftcd StopM, 

toAtl\d)e, t)on toddjtn bte einen im Sunbe mit bem ^errfd^er^aufe, 
bie anbern, unb ac^! in mad^fenber 3^^^ ^^^ ^^ ®^ite ber 
©egncr ju finben finb. $aö ^ierard^ifd^e ^rinjip enttüidclt in 
jenem Äampfe bie ganje fibern)äftiflenbe gütle ber i^m inne* 
too^nenben Straft, neue Orben entfte^en, breiten fic^ mit unmiber« 
fte^Iid^er @c^neQigfeit and) in 2)eutfc^(anb aud unb fteQen fic^ 
ben $äpften in i^rem ^ernic^tung^triege gegen bie ©taufer jur 
tt)iQ{ommenen Verfügung. Qtoei groge ))o(itifd^4ircl^Iic^e Parteien 
fpQlten aQmä^Iici^ bie Station; bad ^firftentum fd^mücft unb 
ftfirft ftd| mit ben ©poHen ber erliegenben Steid^dgemalt unb ber 
SRorben maij^t in aQenl (£mfte SRiene, feinen eigenen Sntereffcn 
nad^juge^en unb fein 93er^ä(tnig jum übrigen Sleid^eförper ju 
lodern. 2)aiu bie grogartige SSetoegung ber ^eujjfige, bie fc^on 
unter ft. §einric^ IV. begonnen ^atte, aber erft jegt fo rec^t 
auc^ bie S)eutfc^en in i^ren SBirbel ^ineinreigt, fid) in immer 
neuen unb immer üergeblid^eren Anläufen mieber^olt. 9Kan tt)ei§, 
toelc^e^ i^re golge unb SJfidtoirfungen toaren : fie erweiterten ben 
©efid^t^frei« , erfc^Ioffen aber jugleic^ in bem Oriente eine neue 
3BeIt boQ märd^en^aftem 3^"^^^^' beffen ©influfe auf bie ©itte 
unb ttnfd^auung bed 9Ibeub(anbed, im befonberen aud^ 2)eutfc^« 
lanbd, man oft genug ^erüorgel^oben ^at. S^ie SSeränberungen, 
bie in biefer @pod^e bor fid^ ge^n, finb überhaupt mannigfaltiger 
Art. 3)ic allgemeine Jhiltur unb im fpejieQen bie n)iffcnfd^aftlid)e 
9i(bung in ^^eologie unb ^^ilofop^ie anlangenb, ift ed je^t 
Orranfreic^, bad uni^ üoOftänbig fiberflügett ^at unb beffen (Schulen 
nunmehr Don bie^feitS bed Sl^eined t)er faft mit ber ©emalt eine^ 
unmiberfte^Iid^en Sieijed aufgefud^t werben. 3n 2)eutfd^(anb 
felbft Dermag ber geiftlic^e @tanb bad SRonopoI, baiS er ben 
Saien gegenüber erobert ^atte, nic^t me^r ju behaupten; bie 
9(riftofratie, bad Stittertum, auc^ fie üielfad^ t)on ääieften ^er 
angeregt, treten ü)m wetteifemb gegenüber unb begrünben fic^ in 
ber ©d^öpfung einer nationalen ^oefie eine Sbenbürtigfeit i^rer 
Vxt S)aneben erwacht in ben ©täbten, aU neued ^rment, ba^ 
SBürgertum, bad fic^ fteDenn>etfe fc^on unter ben fränfifc^en ftaifem 



fRüdblid unb Übergang. 19 

geregt l^atte, unb toäd^ft ju einer polttifd^en 2»ad6t ^eran, bie 
jugleid^ einen gefunben nationalen ^ern in fid^ birgt unb be^ 
ftimmt ift, weiterhin bie Trägerin einer toa^rliaft beutfc^en ßultur 
JU tüerben. 

Unb nun legt fic^ bie Srage na^e, in toefd^em SSer^ftftniffe 
fte^t bie ©efd^id^tfd^reibung ju biefer großen unb tn^alt^reic^en 
3cit unb meiere gortfd^ritte i^rerfeitd ftnb ettoa ju üerjeic^nen ? 

3)iefe Srage ift fc^on frfll^er unb öon anberen gefteHt 
unb im @d^(ugjage ntd^t eben gfinftig, üieDeid^t um einen ®rab 
m ungfinftig beanttoortet tDorben. 9ln(angenb bie 9J?affe ber 
^robuftion auf ^iftoriograp^if^em Gebiete aU jold^er, fo tvirb auc^ 
ber ftrengfte SRid^ter nid^ts baöon öermiffen. 3)iefe SWaffe ift fo 
gro§, ba§ bie befferen Seiftungen barunter oft SWü^e l^aben, fid^ 
oben JU erhalten. 3m allgemeinen fann man jugeben, bafe bie 
©efc^ic^tfd^reibung fic^ feit bem @nbe ber ru^mreid^en 9iegierung 
fl. griebrid^ I. ^ebt unb fpejteO in ber 3^'^ ^riebrid^ II. abtoftrtd 
fteigt, infoferne jumaf, unb ed ift baö aUerbing^ ein toefentlid^eö, 
aU ber reine fid^tenbe ^iftorifc^e Sinn, bie forgfäftige gorfc^ung, 
toeld^e bie ^iftoriograp^ie bed Doraudgegangenen 3^^^^^^^^^ 
audjeid^neten unb barin t)or^errfd^enb toaxtn, aUm&f)lxd) jurüdt^ 
treten unb ber einbringenben Steigung ju f$abe(eien unb @rbic^* 
tungen aQer Art erliegen, fo bafe bie ®renjlinic jtoifd^en @e* 
fc^ic^te unb ^ic^tung gar ju gerne unb ^öufig t)enDifd^t mirb. 
^ie SBerfi^rung mit bem Orient, bon nfi^er üegenben Sinmir* 
fungen nid^t ju reben, ^at in biefer 9lid^tung in ber %f)at feinen 
gfinftigen Stnffu§ audgefibt. ^nd) nod^ ein anbered fann man 
jugeben : bie beffere Art ber (Sefd^id^tfc^reibung , toie njir fie 
t)orbem in n)o^[t^uenber (Sfeid^mägigfeit über bad ganje 9}ei(^ 
t)erbreitet fanben, ben^egt fic^ jegt nid^t in fo geraben unb gfeid^en 
hinten. 3)agegen bringt fie übertjaupt im 97orben toeiter t)or, 
t)ertieft fic^ in 2:i|uringen unb ertt)eitert i^re ®renje im Cften 
über bie ®aak ^inaud unb im ©üboften bi^ 3(bmont unb 
©ien. Unb bann treten eine Mnja^I oon (Sefc^id^tfc^reibem auf, 
bie JU ben glänjenbften unb ge^altooBften bed gefammten 9Jättet« 



20 ®rftcg ©ud), crfte« StapM, 

altera gehören. (Sin fo eminent (iterartfd^ed 7a(ent, n)ie Otto 
t)on S^eifing toax, ^Qt fid^ auf Sa^r^unberte ^inaud auf biefem 
Gebiete nid^t mieber^olt 3Bad fiombert t)on ^erdfclb an ^nft 
ber SrjQtitung üor i^m üoraud ^at, erfegt Otto leicht butd^ 
ben tiefen (Smft feiner SBeltanfd^auung unb burc^ bic ^ö^e be^ 
®tanb))unfted, ben er überall ju magren n^eig. SBad man auc^ 
Don feiner ^^ilofop^ie l^alten mag, er ift ber (Sinjige in unferem 
ganjen SD^ittelalter, ber ben ®aug ber SS^eltgefd^id^te t)()iIofo))^tfc^ 
)u begreifen unb jur 2)arftellung ju bringen Derfuc^te. Unb 
nid^t minber nimmt er atö 2)arftener ber 3«tgefc^id^te eine ent« 
f))rec^enbe, audgejei^nete @teQung ein. ©eine ©efd^ic^te ^. 
griebrid^ I. ergebt er in forre!tefter SBeife jur Sieid^dgefd^ic^te 
unb fegt er mit nod^ feltenem ^afte mit feiner ^arfteHnng an 
bem fünfte ein, t)on melc^em aud aded fpötere allein üerftanben 
toerben fann, nämlic^ bei ber ©efc^i^te St. ^einrid^ IV. unb 
bem erften ?(uftreten ber ©taufer. Unb nid^t ber geringfte SRu^m 
Otto^ ift eÄ , ba§ er fic^ einen ©c^üIer unb gortfegcr toie 
SRagemin groggejogen. 2)ie Sieid^^gefd^id^te äber^au))t ftet)t in 
bicfer Qdt in ber öerfd^iebenften ©eflalt in nnüerfennbarcr Slüte, 
unb mie ungleid^ bie einjelnen (Sljronifen unb ^Innatcn, in benen 
fie auftritt, an SBert fein mögen, bie »arme Srn^änglid^feit an 
bad 9{eid^ unb ba^ jtaifer^aud, bie mir t)on Otto t)on ^^reifing 
an bid ju ßonrab t)on Urf))erg unb bie fog. 9{epgon)ifd)e ober 
beffer jur fdd^fifc^en SBeltc^ronif ^erab treffen, madjt einen 
n)ai)rt)aft n)O^It^uenben (Sinbrud im ©egenfag ju ben @)efc^id^t^^ 
n)erfen ber pft|)ftlic^en Parteigänger im 11. Sa^r^unbert, toa^ 
^ludjeic^nenbed man biefen fonft aud^ mit dted^t nac^rütimen mug. 
92eben ber Steic^d- unb 3(^itgefd^id^te n)ieber^o(t fid) bie Sanbed- 
unb Sofalgefd^id^te in ben 93ifd^ofd^ unb $(oftergefd|id^ten unb 
fommt baju ald eine neue Gattung bie ^au^gef d^ic^te , roie bie 
ber SSJelfen, tt)ie benn ber ®egenfag unb bag Sntereffe ber beiden 
mit einanber ringenben ©efc^lec^ter mit genfigenber ^eutlid|fett 
unb ^in(änglid|em Stac^brud in ber ®efc^id^tfd^reibung ber 3^'it 
t)ertreten ift. @d ift befannt, bag, mie auf ber einen Seite St. 



9»ücfblic! unb Übergang. 21 

3fricbrid^ L, fif auf ber anbcrn ^erjog §cinrtd) bcr fiötoc, unb 
bicfcr flonj bcjonberS, bcr ^iftoriograjj^ifij^cn tote bcr poetifd^cn 
^ätiglcit ein toarmcd Sntcrcffe jugetocnbct ^obcn. S)Qne6en ge« 
fc^te^t cm anbetet : bcr latcmifd^cn ©prac^e, btc bidl^erbad äßonopol 
be^au))tct f)attt, tritt a(d 92ebcn&u^Icrtn bic bcutfd^c t)or aOem in 
bcr bcÄ nieberbeutfij^cn Sbiom« ncbcnbu^lcrifij^ jur ©citc, toä^rcnb 
bad obcrbcutfc^c Sbiom in bcr gorm bcr SRcimd^ronif i^r üor^ 
öuÄgc^t. ©incrn S35cr! toic bic „Äaifcrd^ronif" fann [trcng flc* 
mcffcn bcr ^iftorifd^e S^arafter ubcr^aujjt nid^t jucrfount toerbcn, 
, <ibcr, toic man mit 9lcd)t ^eröorgc^obcn ^at, [ic legt boij^ 3^"9"i^ 
üb t)on bcm crtoa^tcn ®cbürfniffc bcr ungele^rtcn fiaicn, fid^ 
locnn au^ in fc^r unooüfommcncr S33cife ^iftorifd^ ju orientircn 
unb bcfc^rcn ju laffcn. Übrigen^, tool^I ober fibcl, biefe neu 
•ouftauc^cnbc ^orm bcr beutfc^en 9icimd^ronif , bic aücrbingd 
an lateinifc^en SSerfud^cn in mctrifd^cr ©eftalt, toic am fog. 
SigurinuS unb nod^ mc^r an ©ottfricb t)on 93itcrbo, getoig ntc^t 
toirfung^Iofc $orbi(bcr ^attc, bel^auptct fic^ unb begegnen toir 
i^r aud) in ben fommcnben 3a^r()unbertcn nic^t blog aU SD^ittcI 
jur uniücrfalgcfd^i^tlid^cn S3ele^rung, fonbern jugleid^ a($ (Sin- 
Heibung^form für bic S)arfteIIung aud^ jeitgefdjic^tlidjer 9Sor= 
gange. 3m übrigen lag e§ in einer Q^it, in toclc^cr bic natio* 
na(c $ocfie in fo üp))igcr ^üQc ftanb, na^c, bag bad poetifc^c 
Clement übcrl^aupt an ber ©cfc^id^tfd^rcibung nid)t fpurlod t)or^ 
übergeben fonntc. ©tcid^too^I ift cd nic^t baju gefommen, bag 
ber jcgt fo ^od^gcbilbete @tanb ber Saien fid^ in bic 9iei^en 
ber toirflid^cn @efd^id|tfd^rcibcr ftcQte. iBcrmut^ungen, ald toäre 
bad gefd^cl^cn, ^aben nid^t @ti^ ge()altcn. 9ln eine ftäbtifc^e 
<Scf4i(^tf(^reibung in biefer Spoc^c fonntc überhaupt nod^ ni^t 
gcbac^t toerbcn, unb toenn auc^, fo toäre ber ftabtifd^c Saie bod^ 
nic^t reif baju getoefen. @o ücrblicB nac^ toic üor bad 9lmt unb 
bad ®ef(^äft beS ©cfd^id^tf^reiberd in ben ^änben ber ®cift* 
li^fcit, toä^renb in Stauen nnb granfreid^ längft bcr Umfdjtoung 
eingetreten toar. S)er ÄlcruS \)at aber in ber 3^^^ Ä. Jriebrid^ II. 
nic^t metjr bic toünfd^cndtocrtcn ^äfte für eine toflrbige SBaltung 



22 <^'ted fbndi, erfted Kapitel. 

jeited Smted gefteUt. @tne ober onbere Sludna^me obgeredinet, müg 
und jcgt bie Quantität ber ^robuttion entjc^äbigen. Unb üergeblic^ 
fud^en tt)ir auf bcr jjä^jftlid^en ©eitc einen ®efc^ic^tfrf)rei6er, ber, 
n)enu aud^ i^on ^arteieifer erfüllt, und bie große, Der^ängnidDoUe 

®efd)id^te fefbft nur annä^mb ju fd^rciben öermöd^tc. 

S)ie (£pod|e ber beutfd^en ^iftoriograp^ie, bie i^ifc^en beut 
SCudgange bed ftaufif^en 3^itatterd einerfeitd unb bem Eintreten 
bed ^umanidmud liegt, überfid^tUd^ ju fonftruiren ift eine 9luf^ 
gäbe t)on nid^t geringer Sc^koierigfeit. Tlan brauet blog bad 
bereits angeführte SEBerf öon Cttolar ßorenj in bie §anb 
JU nel^men, um fid^ baüon ju überjeugcu. £oren} ^at ald ber 
Srftc ben rü^mlid^en SSerfuc^ gcmad^t, ben t)er^ä(tnidmägig nod^ 
n^enig burd^gearbeiteten unb gefid^teten ©toff na^ beftimmten 
(ärup))eu JU orbnen unb 5ur ^DarfteQung ju bringen. @d toav 
x\)m aber nid^t möglich, in einer (Sntkoicfelung t)on britt^alb Sa^r- 
^unbcrten 9iuf)epunfte aufjufinben unb feftäufteQcn , toeld^e bie 
Überfielt erleid^tern unb bie unterfc^eibenben innern SD^omente 
ber @t)oIutionen eined fo langgebe^nten 3^^^^"!^^^ beutlid) 
^eruortreten liegen. 3)ie jfonftituirung t)on (£))od^en nad^ ben 
auf einanber fotgenben ^aifergefd^Ied^tern, n)ie in ber üoraud^ 
gegangenen 3^^^» ntugte mit Sted^t aU nid^t me^r jtoedmägig 
unb julfiffig erfdieinen, toeil bicfe n)ol)I ober übel nic^t mel)r 
fo gebietenb in ber 3Kitte bcr S)inge fielen unb toeil fie oon 
anberen Stic^tungen unb äR&c^ten Derbunfelt n^crben. @clbft Don 
einer (ujemburgifc^en ^eriobe in biefer ©ejic^ung würbe fic^ mit 
gug unb SRcd^t fd^toer rcben laffen. ©o ^at benn ißorenj biefed 
in ©efa^r geratene ^rinjip gau} fallen (äffen unb fic^ für bie 
geogra))t)i)c^e ©ruppirung entfd^ieben ; nur nebenher lägt er 
nod^ eine anbere ßategorie 5U, wie j. SB. bie SReic^d^ unb Äaifer* 
gefc^ic^te, mit weld^er ed in 3)eut|d^Ianb gerabe in biefer ©pod^e 
freiließ burftig genug audfie{)t. Sßir finb weit entfernt, i^m aud 
biefcm Umftanbe einen SBorwurf mad^en ju wollen. 2)er maffen* 
f)afte ©toff, bcm er fid) gegenübergefteHt fa^ unb ber in ben 
felteneren (^äQen irgenb eine (Sattung ber ©efd^ic^tfc^reibung 



mdblid unb Übergang. 23 

rein audgeprfigt jeigt, fe^t in ber Z\)at einer anberen, menn 
man fo roid, aniie^enberen literarifd^en 93e^anblung einen na^eju 
Qbfd^redenben unb f^toer ju bekoä(tigenben SBiberftanb entgegen. 
Ob ed bei biefem SSerjic^t auf bie S)auer {ein SSetuenben ^aben 
foU, tDöre freiließ eine anbere g^age; toenigften^ loünfdiengtoert 
buifte bad Unternehmen, oud^ Don einer onberen @eite ^er bem 
ungefügen unb bod^ fo reichen ©toffe beiäufommen, erjc^einen. 
2)Qd SBerbienft bed erften SJerjud^ed fönnte burd^ ein jolc^e^ 
nid^t ^erabgeminbert, ed n^flrbe DieUeid^t baburd^ erft in bie redete 
unb tooHe JBeleud^tung gefteHt lüerben. gür eine fold^e ©ben* 
tualität fe^en mir jeboc^ fd^Ied^terbingS Doraud, bajs ber Stnftog 
3U fortgefegter 2)urd^for{c^ung bed in f^xa^t fte^enben @ebieteS, 
meieren bad SBerf oon fiorenj gegeben, fid^ erft weiter enttoidelt 
unb bie oon i^m mit fo (56Iid^er ©orgfolt audgeftreuten ßeime 
bie ju ^offenben ^rfic^te getragen ^aben koerben. 

2Bir unfrerfcitÄ begnügen und an biefem Crte bie ©efid^td* 
fünfte l^erDorjul^eben, bie binreid^en, ben l^iftoriograpt)i)c^en 2ln{)alt 
biefer ®po6)c äb^xf^mpt anjubeuten, bad, roa^ tl)r eigentümlid^, 
naml^aft ju madjen unb bie 83erbinbungdlinien , bie in bad 
16. Sa^r^uttbert hinüberführen, offen ju legen. 

3unöc^ft ift barauf aufmerffam ju machen, bafe fic^ bad 
©ebiet ber ©efd^id^tfd^reibung , ganj äufeerlid^ gemeffen, fort^ 
gefe&t erweitert. 3n ben alten 9ieid)8lanben felbft füllen fic^ bie 
t)ort)anbenen Süden immer DoUftänbiger aud unb t)erme()ren fic^ 
bie SSerfftätten unb @ige ber ^iftoriogra|)^ifc^en ^robuftion. 
Um ttmd auf ber einen ©eite etma ein ©ebiet jurücfbleibt ober 
, jurücfweid^t, im fo frifd)er unb frud^tbarer tritt bafür ein anbere* 
ein. S)ie junel^menbe gelef)rte ©Übung unb Iiterarifd)e 9J outine 
Reifen ju bie|em Snbjtoede ganj er^eblid^ mit, aber aud^ bie fid^ 
audbe^nenbe ?Id)tung oor ber ©cfdji^tfdörcibung , bie um fid) 
greifenbe f)oIje 5IKeinung Don if)rem Sinken trägt offenbar ein 
ttjefentlid^e» baju bei. (£d toäre fditoer ju fagen, toetd^er ^^rooinj 
ber SJorrang einjuräumen fei; gfeidjjeitig fte^en, uod) baju 
innerljalb einer Diele SWenf^enalter umfaffenben Spod^e, in 



24 ^rfted SBud^, erfted ^a^itel. . 

fcitcnctt ^SUtn mehrere fianbfd^aftcn ebenbürtig neben einonber; 
ber Statur ber 2)tnge nac^ finbet auc^ in biefer {Rid^tung ein 
SBec^fel ftatt, aber, im aügemetnen betrad^tet, ^errfd^t namentlich 
jeit bcm 15. Sal^r^unbert ein fiij^tlicl^er, toenn auc^ unttJiQfürlicI^er 
SBetteifer, ber aQmä^Iid^ ben überlieferten S^arafter ber ®efd^ic^t* 
fd^reibung jelbft in mannigfa^er Sejie^ung mobipäirt unb umge^ 
ftaltet. 3enfeit« ber alten JReic^^Ianbe, tt)0 fie bi^l^er, ba« 4>erjog* 
tum Cftreid^ aufgenommen, nur geringe ©c^ö^Hnge getrieben f)atU, 
fegt bie ®ef(j^id^tf^reibung in biefcn ^Q^t^unberten i^ren ©iege^^ 
5ug unermüblid^ fort. S)ie 9Warf äReifeen mit bem Dfterlanbe, bie 
branbenburgifc^e 9?orbmarf, bie f d^Iefif c^ * polnifc^en Oebiete, bie 
jegt ber d^riftlid^ « beutfd^en Kultur bauernb getoonnen toerben^), 
unb enblic^ baS !3)eutfd^^0rbeni^ffianb $reugen mit Siülanb^) 
treten mit toac^fenber ^ruc^tbarfeit in i^ren Jheid ein, fo ba^ 
man balb fagen fann, baiS gefammte (Sebiet bed beutfd^en 9teic^ed 
unb bie i^m jugetoanbten Sanbe arbeiten jegt in biefer Stid^tung 
bei mand^em Unterfc^iebe i^rer 93oraudfe^ungen unb mit nit^t 
überall gleid^en Straften einem unb bemfelben Qkk entgegen. 
$(ud^ bie ®efd|ic^tfd^reibung in Sö^men, bad ftaat^rec^tlic^ ein 
ebenbürtige^ ®Iieb beö beutfc^en {Reid^dförperö ift, fonft aber 
bod^ aud belannten ©rünbcn eine ben übrigen nid|t ganj gleid^^ 
mäßige Sal^n n^anbelt, fte^t innerhalb bed bezeichneten JlreifeS. 
©c^on feit bem Anfange be^ 12. 3at|rl|unbcrtö l^atte biefelbe mit 
SoMad t)on ^ag unb unter ber cüibenten (Sinn^irhing ber 
beutfd^en Äultur fid^ enttoidfelt unb bilbet fic^, feit bie Sujemburger 
fid^ im fianbe feftgefe|jt, unb unter bem fortgefeftten 3«fömmenl)ange 
mit beutfd^en ©nffüffen ttJenigftenÄ In ber 3<^*t ftaifer Äarl IV., 
feinem Seifpiele unb feinen Anregungen folgenb, allerbingö mit 



*) «fll ®. «. @tcnjcl, ©cf^idjtc @d)lcricn«. l.Xdl Sörcdlau 1855.-^ 
(£. ©rün^agcn, ®cgn)cifer burdj bie fc^lerift^cn (»cfc^i^tSqucUcn biö ^um 
3Q^rc 1550. »rcSlQU 1876. 

«) Dr. ^. 2:öppcn, ®cf4i<^tc ber ptcufeifc^n ©iftoriogvnpfjic Don 
%. t). 3)uÄburfl bis Quf St. ©cftü^. öcrlin 1853. 3)oau bo« bcfanntc ^rt 
Don Iföincfclmann über bie Huiänbtfc^en ©cfc^ic^tdqucacn, ba^ bereite 
in 2. Vlufkgc crfd^ieneu tft. 



Wkdblid unb Übcrgonfl. 25 

"SBal^ninfl einer teiltoetfe fd^on bom ©toffe bebingten ©clbftänbifl^ 
feit unb ©genortigfeit , leitet oud. @rft feit bem Slu^brud^e 
unb gortfd^reiten ber ^uffitifc^en ©etoegung lodfert ober löft ftd^ 
biefer ^ufammenl^ong unb befti^reitet bie bOl^mifti^e ^iftoriograp^ie 
in ber ^auptfad^e i^re eigenen Sonnen ^). — 

STnlangenb bie üor^enfd^enben ^iftoriogrop^ifc^en ^^ormen 
itefer (Spod^e, fo Hegt junac^ft auf ber ^anb, bag biefe Don 
bem ©eifte unb bem (S^^arafter ber ®efc{)id^te berfelben äberl^oupt 
abpngig gebadet n)erben mfiffen. 9Bie fd^on oft genug t)ert)Dr^ 
-gehoben tourbe, fo gut bad Steid^ üon feiner früheren @röge 
^eruntergefunfen ift, !ann aud^ bie Steid^S^ unb, n)ie fi^ baraud 
•ergibt, jugleic^ bie allgemeine ©efc^id^te fid^ nid^t mel^r auf ber 
früheren ^öl^ behaupten. Unb tote man mit Siedet, politifd^ 
gemeffen, ba$ territoriale ^rinjip im 9{eid)e ali ha^ über- 
n^iegenbe erfannte, fo ^errfd^t baÄfelbe ^rinjip aud^ in ber ®e* 
fd^id^tfc^reibung t)üx. Äein Qtütx\A, baS ©ebeutenbe, toa« in 
biefen Sa^r^unberten auf biefem ®ebiete bei und geleiftet tourbe, 
loie j. ®. baÄ 3Ber! öon So^anned t)on SSiftringen, ge- 
l^ört ber (Sattung ber territorialen ®efd^i(^tfc^reibung an. 3)ie 
S33eItc^ronifen ober bie Äaifer= unb ?ßapftgefd^i^ten, mie fte jeftt 
ouÄ ben ^änbcn ber granjigfaner unb 3)omini!aner ^eröorgel^en 
unb eine ungemeine Verbreitung finben, finb nid^t SBerfe forg* 
fältiger gorfd^ung, bie fo ju fagen um i^rer felbft tt)iflen ent* 
fte^en, fie oerfolgen in ber SKe^rja^l einen unmittelbar prattifd^en 
3tt)e(f, fei ed ber ?ßrebigt, fei cd ber ©d^ule, unb ergeben fid^ 
auc^ feiten über bie geläufige unb bequeme, menn auc^ menig 
ergiebige ©^abtöne ber fed^« ©eltalter. 3)ie fonjiliare Öe* 
loegung gab aUerbingd ber IBe^anblung ber allgemeinen $er« 
^ältniffe toieber einen neuen ©d)tt)ung; 8Ber!e toie bie üon Stetrti^ 
Hon 9ltent, ber fic^ auf !3)arfteIIungen aud ber 3^itgefd^id^te be« 
fc^ränft, unb. üon @obeIinni» ^crfona, ber in feinem jtodmo« 

*) Bu k)8(. auger üorcn^ Stonj ^alacfi), Sürbigmtg ber alten 
bö^mifdHm ^ef^i^tfd^reiber (^rog 1830), ba« neuere 9Ber! über ^. Staxi IV. 
11. f ro. Don ^ & rieb jung (TOen 1876). 



26 ®rftc8 »uc^, crftcS fiapitcl. 

bromtum jule^t fi^ ebenfaüd biefcr, genauer gefagt ber ©efd^ic^te 
bed ^onftanjer ^onjUd mit SBorUebc jutoenbet, legen baboa 
berebteS 3^U9ni^ ^^- ^^4 fönnte man ntc^t btf)aupkn, ba^. 
gerabe fie einen unmittelbaren tieferen Sinbrud gemad^t Rotten; 
finb fie teitoeife boc^ erft ütel \pSitn in Umtauf gefegt worben. 
S)ü^ Sebürfniö ber oberflä^Iic^en I)iftorifcf)en Snformation be^ 
friebigte fid^ bod^ nad^ toie üor am liebften mit irgenb einent 
Sel^rbuc^e mittelmäßiger 9lrt; ^öc^fteni^ ba{3 l^ierin bie äßobe 
einmal tüec^felt unb eine« burcf) ein anbereg uerbrängt toirb, tüir 
benn jule^t ber fasciculus temporum, ba^ befannte ^anbbud^ be^ 
^art^äuferd SBerner "StoUlmnl, ber noc^ baS 16. Sa^r^unbert 
erlebte, allen übrigen ben 9iang ablief, immer neue ?luflagen 
erlebte unb nidjt bloß in bie beutfd^e, fonbern aud^ in anbere 
®pxad)m überfefet tourbe. 83on biefem Dcfonberen gaQe abge» 
fe^en, ba^ Unternef)men, ein ober bad anbere beliebte, lateinifc^« 
gef^riebene ©ef^id^t^bud^ in bie SD7utterf))rac^e ju übertragen^ 
fe^rt in biefer 6<)0c^e öftere toieber unb legt feinerfeit^ uic^t 
minber ein beutlid^e^ S^^d^i^ füt bie bleibenbe Steigung ab,. 
aud| ben iRid^tgele^rten (Gelegenheit ju fc^affen, fic^ ^iftorifd^ jit 
unterri^ten: eine 9?eigung, bie jugleid^ ein entfprec^enbe^ SSer^ 
langen t)oraudfegt. 92eben jenen SBeltd^ronüen ftel)en bann nod^ 
einjelne große itom))ilationen , n)ie bad Chroaicou magnum. 
belgicum, bem erft in neuefter 3^it Sorenj feinen gebü^renbem 
$la^ angemiefen unb bie Derbiente @l)re juerfannt ^at. @S- 
trägt in ber X^at einen me^r territorialen (S^tjarafter, ber aber 
juglei^ burd^ einen jiemli^ loeiten ©efid^t^freid Derebelt erfc^eint 
unb burc^ bie umfaffenben j^enntniffe n^ie bie üorgefc^rittene 
Söilbung feinet Ur^eberö auf befonbere SBürbigung 9lnfpruc^ er* 
I)eben barf. 

S)ie Grseugniffe ber territorialen ®efc^ic^tfd^reibung , toie 
fc^on angebeutet, an Qa\)l unb SEBert t»oranfte^enb, treten in ben 
öerfc^iebenften (Seftalten unb auf allen fünften auf. 8?on ben 
§ö^en ^od^alemannien^ unb ben gluren beS SlfaffeS biö an 
bie ©eftabe ber Dftfee, Don ber fiUfte ber SRorbfee bi^ nad) 



Müdhiid unb Übcröong. 27 

ßämt^en unb bie ©renjen ber ttro(i[cl^en Sanbe &cfd|tei6t fte 
i^ren SBeg. Sieben ben befanntcn Sijd^ofd' unb Älofter^tftoricn, 
bie nod^ immer and) ein lanbed« unb lofalgefc^tc^tlici^ed Gepräge 
an fi^ tragen, breitet fic^ bie ©efc^id^te einzelner ^Territorien 
unb ({ärften immer frud|tbaier aui^, n^enn aud^ bie ©attung 
nic^t immer, ftreng genommen fogar feiten jur reinen @rfc{)cinung 
gelangt. (Sin ^nä) loie bie Slufjeic^nungcn SubtoigS t)on 
®t)b, ba^ ^enhoürbigfeiten bed ^ol^enjoQernfdien ^aufed, bej. 
bei^ SD^arfgrafen 2l(bre^t Sl^iQed entf)ä(t, ift f^on an fid^ eine 
©ingularität, aber bie lange 9iei^e aQer fibrigen, toie bad ®e« 
fc^ic^t^merf be^ ^bteS t)on äJiftringen, bie Sleimd^ronif Cttofard 
bon ^orned, bie öftreic^ifd^en S^ronifen bed (Tregor ^agen unb 
^omad Sbenborfer^, bie jegt |o ja^Ireid^ unb tüd^tig auftretenbe 
^iftoriograp^ie ber ©c^ttjeij, bie bairif^en 6f)ronifen beÄ 14. 
mie 15. 3a^r(junbertd , bie e()ä[fi{^e ®e jd^id^tfd^reibung , bai^ 
groge Srfurter Sampetriaum unb noc^ me^r bie tpringif^e 
St)ronif oon 3o^anneS dtoti)e, bie braunfc^n^eigifc^e 9ieimd^roni!, 
bie i'übecfer ß^ronifen ^(fmann Äorner§, ber 5ßrei^b^tcr 83re« 
menfi^ unb bad Chronicoa Holsatie, bie preugifd^en (Si)XO* 
nifen u. f. tt)., fie berfolgen fämmtlic^ benjelbcn Quq, bemußt bie 
einen, unn)iQfür(id^ bie anbcrn. Sin 9?eued ift ei^ boc^, bag 
je^t auc^ ®rafcnge)c^(ec^ter, n^ie bie bon ^^lanbern unb t)on ber 
20laxt, if)ren ®ef(^ic^tfd)reiber, bie legte fogar einen ber bcfferen^ 
eit)alten. 

Sin fd^on oft gerühmter, befonberS mid^tiger unb frud^tbarer 
gortfc^ritt biefer 3^'* P^^^ ^^^ ©tabtc^ronifen. ©eit bem Snbe, 
toenn man nnU feit ber STJitte bed 14. Sa^r^unbert^ fängt biefe 
!(rt $iftoriogra))^ic an, i^re 93(üten ju treiben, um big jum 
ßnbe beÄ 15. bie ^errlid)ften grüdite ju 5eitigen. Slofcner unb 
Äönig^^üfen arbeiten bereite in i^rem Sienfte, tt)enn fie fid^ bie 
©tabtd^ronif aud) nod^ nid^t afö eine ganj auf fid^ gef teilte 
©attung benfen fonnen. S)er offijiöfe S^arafter biefer 5lrt ©e- 
fd^ic^tfd^reibung liegt in ber SRegel auf ber ^^anb. S)enn e^ ift 
meift bag Sntereffe unb ba^ ©elbftgefü^I einer ftabtif^en ®c* 



28 <Mted 8u4, erfted StopM, 

metnbc ober ber ^rrfc^cnben JJIaffc, oft frciltd^ auc^ cine^ ein* 
.^eilten patriottfd^ geftnttten SSurgerd ober aud^ eine^ etnjelnen 
©efc^Iec^tS, toefd^en fold^e SDäcrfe i^ren Urfprung öerbanfen. Öftere 
gefeilt ft^ ein et^ifc^ed nnb bibaftif^ed 9J?ottt) ju bem polittfc^en. 
rrSd^ f einreibe biefe^ ntebcr", lautet ber Anfang einer lüneburgi* 
fc^en (S^ronif, „für meine 5linber unb ein fommenbe« ©efc^Ied^t, 
bamit man t)on bem ®efc§e^enen toiffe unb bie ßwbinft üerfte^en 
lerne unb erfahre, toie burd^ SRec^t ober ®etüaU, burd^ Urteif 
-ober burc^ @d^n)an!en, burc^ n^eife ober burd^ unuerftänbige 
SWanner ©egen unb glud^ gefäet ift"*). @g fam too^f oor, 
baß, n)enn eine ©tabt gerabe feinen für eine fold^e Sfufgabe 
fähigen ober für fä^ig gel^altenen TOann in if)rer SKitte barg, 
man einen Äu8n)firtigen berief, ju biefem Qmtde in S)ienft na^m 
unb ba^ nötige üRaterial jur SBerfügung fteDte. ®erabe auf 
biefem ©ebiete mar e^, too bie SWutterfprod^e ber gelehrten 
©prad^e balb unb am leid^teften ba^ ©piel abgewann. ?luf 
biefem ®ebiete mußten, m6d)te man vermuten, bie fiaien am 
e^eften an bie ©teQe ber (Seiftlid^n treten ; ba^ pufigere 
SSorfommen berfelben aU ®efd^id)tfd)reiber ge^rt jmar ju bem 
(Eigenartigen biefer ©pod^e, bod^ ift baÄ im allgemeinen gfei^* 
too^I nid^t fo fd^neQ unb üollftänbig gefd^efien aU man benfen 
möchte, ©igmunb SWeifterfin j. ®. , ber bie ®efrf)ic^te 
t)on 2lugdburg unb 9{urnberg im ?Iuftrag fc^rieb, gel^örte bem 
Äferu^ an, bagegen tt^ar S8urfarb3^"fr ^^^ 9?erf affer einer 
<iu«gejeid^neten Sugöburger Sl^ronif, ein fiaie unb angefet)ener 
5Mrger ber ©tabt. 9Bie anfangt in ©tra^burg unb Köln, traten 
bann fiübedE unb SMagbeburg, 9?ümberg unb Augsburg, ©peier 
unb SKainj*), üon ben (Seringeren ju fd^toeigen, ber SRei^e nac| 
in biefen ftreiö. Sebe biefer einjefnen ©ruppen, modele man 

^) STngcfü^rt t)on 9B. ^aDemann, Q^cfc^tc^tc hti 2anbe Sraunfc^iucig 
imb ßüncburg 1. S3b. (©öttingcn 1853) S. 790. 

*) ftde biefc 6tabt(I^Tontfen bed 14. unb 15. Sa^r^uubertd finben ft^ 
bereite ^um größeren ^eile in Dortreffüc^er ^ui^gabe in ber befannten pon 
ber t^iftorijc^cn ^ommiffton bei ber ^fabemie b. ^. ^u ^ftm^en \>cxan* 
(agten (5amm(ung. ^htn ift ber 1. ^anb ber S9^ainj(er (£^ronifen erfc^ienen. 



mdhiid unb Übergang. 29- 

faflcn, trägt lüicbcr i^t ciflcnc^ ©eprftgc, tpie toicbcr bic ctnjcineit 
3Ber{e, IDO ei^ mehrere finb, \\6) gerne üon etnanber unterfd^eiben. 
^ufig erja^U bie ©tabtgefc^id^te oud^ Sieic^^gefd^id^te ober er« 
meitert fid^ }ur ^robmjialgefd^id^te , tote bie äRagbeburger 
Qäföpptnäixoxxa , tok man anbrerfeitd }utreffenb mol^rgenommen 
^Qt, bag aud^ untt)erfeQ angelegte (S^ronifen gerne eine tofale 
S^enbenj verfolgen. €o mad^t fid^ auc^ hierbei, bem beutfd^en 
2Be|en gemäg, bei mancher ®(eic^^eit n)ieber eine unberfenn^^ 
bare 9Raitnigfa(tigfeit geltenb; aber biefe ftSbtifc^e &t\ä)id)U 
fd^reibung, toie fie im einzelnen fonft beurteilt n)erben mag, 
* t^afft und, aQed in adem, ein feffelnbed unb farbenreic^ei^ SSilb* 
^on bem £eben, ben Sntereffen unb Stampfen, toie [xt [xd) in 
unjeren @täbten in jenen Sa^r^unberten enttuidelt unb geftaltet 
^aben. SD^an koirb nid^t be^au))ten tooUen, bag eS fiberaU f)tx^ 
Dorragenbe Sialente finb, bie I)ier bai^ Slmt bed ^iftoriferd fiben, 
aber biefe tt)aren in biefen 3a^r^unberten über^au))t nid^t fo 
ja^Ireic^ üor^anben ober füllten fid^ nad^ anberen ©eiten f)xn* 
gejogen. S)ad S3efte tft innerhalb biefer ©attung bo^ in ber 
2)arfteIIung ber me^r jeitgenöffifd^en @efc^i^te geleiftet tDorben^ 
mäl^renb bie SBe^anblung ber älteren Qditn, load bie Unter« 
fc^eibung t)on @age unb ©efd^ic^te, bai^ forgfältige Sluffuc^en 
unb 3^^^^^ntragen bed @toffed anlangt, toie }. 93. bei ©. 
2)ieifterlind SRürnberger« unb f^on früher bei ber 2)?agbe« 
burger ©d^öffenc^tonif, bo^ red^t mel ju n^änfc^en übrig 
lägt, ßritif übtxi)anpt, mit toirflid^er ©ele^rfamfeit üerbunben, 
loar bei aQer june^menben 99e(efen^eit unb größerer 3uS&<ifl* 
lid^feit ber literarifd^en Hilfsmittel nid^t bie ftarfe @eite ber 
^iftoriograpl^ie biefer ßett, loie fie auf ber anberen ©eite bed 
belebenben unb ftad^elnben nationalen Tlotm^ faft burd^koeg 
entbehrt. ?(ud^ bie münfc^endmerte freiere geiftige Slnfd^auung 
ber S^inge n)ar noc^ ju unentn^icfelt. 

S)ad fic^ nun üoQiic^enbe ^ereintreten biefer Elemente 
fünbigt eine neue S))od^e unferer ®ef^id^tfd^reibung, bic moberne, 
oielberfpred^enb an. 



30 ^^^^ ^u4, Stoeite« tapttcl. 

3ür ben prinjiptcBcn Unifd^wung, bcr nod^ im legten SSicrtel 
bed 15. 3a^rt)unbertd m ber beutf^en ®efd^ic{)tfd|rei6ung ft^ 
tJoBjic^t, ift bie ©nloirfung ber italicnifel^en SJenaiffancc cnt- 
fd^eibcnb gctoorbcn. @Ä fann inbed nid^t imfere Aufgabe fein, 
biefe ffletüegung, bie bie SBeft umgeftaftet unb bic ©egrunbung 
tiner neuen SBcItanfc^auung in erfter Sinie ^erbeigeffil^rt ^at, 
an biefem Orte beÄ näheren ju verfolgen ; tt)ir »erben un§ üiel«' 
me^r barauf befc^ränfen, au« ber güQe bcr 3:^atfad^en jene 
©efid^t^punfte unb SRomente ^erüorju^eben, bie für unfere Q^^^^ 
t)on mefentlid^er Sebeutung finb, unb t)em)eifen im übrigen auf 
jene Schriften, bie fid^ namentlich aud^ in ber neueren Qdt mit 
bem in Webe fte^enben ®egenftanb mit ebenfo anerfennung«n)crter 
Eingabe aU bleibenbem @rfoIge befd)äftigt l^aben^). — 

@« ift eine befannte 3;t)atfac^e, bie Staliener tjatten toie in 

bem ®ebiete ber allgemeinen Silbung, fo im befonberen aud^ ber 

' (Sefc^i^tfc^reibung bie übrigen Äutturööller be« 91benblanbe« feit 

geraumer S^t beträd^tlid^ hinter fic6 jurüdgelaffen. S^e nod^ 

t)on einer SBiebergeburt ber alten SBelt ober gar öon SEBirfungen 

berfelben bie JRcbe fein fonnte, toax f)ier Don einer ganj anberen 

©eite ^er ein ©ef^id^tf^reiber tt)ie@iot)anni IBillani (tl348) 

. auf geftanben, ber, au« bcm ©d^ofee be« florentiner Sfirgertum« 

^erüorgegongen, mit feiner SSaterftabt beginnenb, al« SKeifter ber 

©rjä^Iung^funft jugleic^ ein unübertroffene« (Semälbe ber Oe^ 

fc^ic^te Stauen« unb jum Seile be« 9lbenblanbe« enttoarf*). 

Slngefid^t« eine« jolc^en Seifpiele« ^at man tDO^I gemeint, e« 

') SSfll. 1. 3. SBurrf^ort, Mc Äultur bcv S^cnaiffoncc in 3talicn. 2 ^bc. 
S, «up. (bcfoTöt Don ßubwig ®ctfler). Öcipjiö 1877. — 2. ®. «oigt, 
bic ^icberbclebung bed flafftfc^en ^Itertumd ober ba« erfte Sol^r^unbcrt bed 
. ^umoniSmu«. 2. umgearbeitete «ujl. 1. ©b. «erlin 186U, 2. «b. 1881. 

*) «gl. ®. (i^erDinu«, ^ac^iaDcUi unb bie jlprentinifdje ^tftoriograp^ie. 



^tc 9(nfänge bcr gelehrten Q^efc^id^tf^retbung. 31 

liege fid^ in (Srtofigung jie^en, 06 bie S)a}n)if(i^enfunft beS ^uma^ 
itidmud für bie fo gunfiig gefagerte italienifd^e ^tftoriograpl^ie 
fiber^au^jt nur ermunfd^t getuefen fei. 3l6er c^ liegt auf ber 
^anb, ba^, tva^ bie ©efd^id^tfdireibung überhaupt beburfte, um 
ntd^ bfofe SÄtQc^ä)\ifie ju fiefern unb bod^ ben SBüft ber mittel* 
olterlid^en Überlieferung t)on ®efd^Ied^t auf ®e\d)kd)t fortgefegt 
ju öerpftonjen, fonbern jugleid^ auf eine ^ö^ere ©tufe ber aQ^ 
gemeinen ©tanbpunfte, uniüerfeQer 9(nfd^auung unb miffenfd^aft^ 
li(^er, forfd^enber Se^anblung ber Siteren 3^'*^^^ h^ gelangen, 
fonnte \\)x eben nur ber ^umanidmud bringen. @d ift h)a^r, 
junäd^ft unb t)ot adem ift fein (Singreifen in biefem ^aUe ber 
•©efc^ic^te bed ?l(tertumd, juerft ber 9Jömer unb fpäter ber 
•örrec^en }u gute gefommen. Aber gerabe ba^ bebeutete in ber 
^luytung JU jenem QkU einen unermefelid^en gortfc^ritt unb 
•<9en)inn. 9{id^t ju reben baüon, bag burc^ jene SBieberbefebung 
bem allgemeinen ®ebanfenfreife ein neued unb üerjüngenbed, ein 
:unfd^ögbared Clement jugeffil^rt, bag burd^ fie erft bie 9}2öglid^* 
feit gefc^affen tt)urbe, bie ©efc^ic^te beg Slltertumö auS ben ort* 
•gtnalen Quellen unb in ber echteren ©eftalt (ennen ju lernen, 
unb bafe man großen, anfjjomenben äReiftem unb Wuftem nä^cr 
trat; toie fd^on oon anberer ©eite treffenb ^eröorge^oben toorben 
jft, baS ©tubium bed SKtertumd ^at ben menfd^Iic^en ®eift 
juerft on ein objeftiüed gefd^ic^tlic^ed 3ntereffe gen^ö^nt unb bad 
toiffenfd^aftlid^e ©tubium bed äßittelalteriS mögHd^ gemacht ^), 
tote ^utjutage bad ©tubium be^ äßittefalterd t)ergfeid^ung^* 
toetfe bor bcr einfeitigen Söe^anblung ber neuen ©efc^id^te fiebern 
^ttft, unb e^ in biefem gaDe fid^ uberaQ (eic^t erfennen lägt, 
ob eine emft^afte Sefd^äftigung mit bemfetben Vorausgegangen 
ift ober nid^t. 

®Ietd^ ber 9egrfinber beS italientfd^en ^umaniSmuS tritt 
•auc^ in bie fiinie ber (Sef^id^tfc^reiber ein*). @8 finb bie „grogen 
unb berühmten 3Wänner" SRomS, bereu fiebenÄbilber er mit hin* 

») öurd^ort q. 0. O. 1, 288. 

«) «De viris illustribuB.- — ®gl. SSoigt Q. a. O. 1, 156 ff. 



32 ^^M 9u4 5tocited ^opütl 

biger ^anb enttuirft. SBa8 bei Petrarca für unfere Stoedc 
t)on bejonberer SBic^tigfeit , ber begetfterte ^umanift unb 83or« 
fatnpfer bti Sttertumi^ üerrat iugleid^ einen S^arafterjug, ber 
in fetner toeiteren (SntiDtdelung für bie mobeme ^iftoriogrop^ie 
entfc^eibenb getDorben ift, nfimlid^ eine unüerfennbare 9(iUage 
unb Steigung jur ^iftorifc^en ^ritif. S)ie Fabeleien be^ 
3Ritte(atterd ignorirt er unb fuc^t überall bie glaubn^ürbigften 
Quellen auf. 9Rit anberen SSBorten, er n^enbet bem bUnben 
^utoritäti^glauben, ber bai^ ^nnjeic^nenbe ber fd^olaftifd^en !£)ent 
tt)eife tDar, entfd^Ioffen ben Stüden. Sinen befonberen OeliDeid für 
biefe bei i^m fo beuttid^ fd^lagenbe fritifd^e 9lber (iefern bie ju« 
treffenben @intt)änbe, bie er St. ^arl IV. gegenüber totber bie t)or' 
gegebene (^t^eit ber beiben Urfunben, todäjt Suliud (Safar unb 
(Staubiud SRero ber Oftmarf erteilt ^aben foQen, vortrug 0. SRan 
!ann jUKir nid^t behaupten, bag ein Jlnftog biefer Srt im ißer« 
^ältniffe rafd^ unb folgered^t fortgett)irft l^abe, jcbod^ ging er 
aud§ nid^t Verloren unb brid^t gelegentlid^ immer tt)ieber burc^. 
%on ^o^er Sebeutung junfic^ft in biefer Se^ie^ung n^ar jener 
fiegreic^e Eingriff auf bie Sd^t^eit ber Urfunbe ber fog. 5¥ouftanti«' 
nifc^en ©d^enfung, ber üon Sorenjo SB a IIa (11457) aui^ging, 
einem ber origtneUften unb aui^geieid^netften aller italienifc^en 
^umanif ten *). 3Benn man fid§ bie 3:ragtoeite biefed ?Ingriffe8 
üerbeutlid^en n^iQ, braucht man blog bei^ Sinbrucfd ju gebenfen, 
ben berfelbe nad^toirfenb noc^ im folgenben Sa^r^unbert aud^ 
auf fold^e in ^eutfc^Ianb gemad^t ^at, bie nid^t junäd^ft auf 
bie prahifd^e unb polemifd^e SSertoertung berfelben bai^ $aupt» 
gett)ic^t legten, ^ie fad^Iid^e Sebeutung jenei^ frttifd^en ^^Ib« 
juged, mit tt)eld^er toir ^^ ^ter allein ju t^un ^aben, n^irb burd^ 
ben Umftanb nic^t geminbert, bag fd^on früher 92icolaud t)on 
(Sufa unb faft gleic^jeitig Snea @t)I))io ä^nlic^e, n^enn aud^ 

*) ^gl. feine ^epistolas rerum senil." XV, 5, p. 1057 ber Radier 
^uftgabe Dom Saläre 1554. 

') W^ 3. :B. ^^a^Un, Sorci^o SaRa. (®in )Bortrag.) gioetter Kbbrud. 
^^erlin 1870. - ®. «oigt a. a. O. ®. 472. 



SHe SCnfänge ber gelehrten d^efd^id^tfc^reibung. 33 

nid^t in bem gleid^en SRage in bad ©ci^tpatie treffenbe Qtot\itl 
gegen jene ®^en!ung audgefprod^en ^aben. 2)ieje Slrt @&pfii^ lag 
eben in ber Suft unb ^ing mit ber gefammten @teQung jufannnen, 
loelci^e bie neue ©d^ule gegen bie ^erffimmttd^e Übertieferung unb 
Sdrad^tungdtDeife einnahm. 

SBa^ bie ^iftoriograpl^ifci^en arbeiten ber ^umaniften an^ 
langt, fo tiKire ed ein Irrtum ju glauben, bag biefe aui^fc^Iieglic^ 
bem Altertum gekmbmet getoefen feien, ^nd) ^^itgefd^id^te unb 
bie ©efd^id^te einzelner jüngerer ©taaten unb ©täbte, tme bie üon 
^orenj, tourbe üon i^nen bargefteUt; toai ed aber aud^ n^ar, 
oQed ift üon bem neuen reformirenben ©etfte burd^brungen. Sn 
biefem 3uf^^iii^"^^"9^ ^^ ^^^^ einzelnen tm))onirenben Set« 
ftungen entn)icfelt fi^ eine ungemein rührige Slrbeitfomleit auf 
bem @kbiete ber @efd^id§tfd^reibung unb bie üerfd^tebenen Srten 
berfelben toerben angebaut. 

3m engften inneren 3ufammen^ange mit bem tiefften 993efen 
bed ^umani^mud fte^en bie biograpl^ifd^en arbeiten ber 
Staliener biefer QÄt, bie aßerbing^ bie Anregung burc^ bie ent* 
fpred^enben SRufter ber Sitten an ber @tirne tragen, aber nid^t 
blog in ben politifd^en Reifen, fonbem aud^ im ©ebiete ber 
Siteratur unb ©ele^rfamfeit überhaupt i^re gelben fud^en unb 
burc^ bie SkrgegentQärtigung bei^ bargefteQten Snbiüibuumi^ ald 
fold^e*, in feiner Eigenart unb fojufagen in feinem Siechte, bie 
SS8er!ftätte bed mobemen ©eifteiJ, in n^etd^er fie entftanben, be* 
urfunben^). S)aran reiben fid§ bie Sutobiograpl^te unb bie 
!!)en{tDfirbigfeiten, aQed na^eliegenbe Gattungen ber ^ifto« 
rif^en Siteratur, bie aber in ber Qtxt ber aui^fd^lieglid^en mittel« 
alterlid^en Ihtltur gerabe barum fo bürftige Pflege gefunben 
^ben, tpeil biefe für jened Siedet bed Snbiüibuumd {einen Staum 
unb fein Skrftänbni^ ^atte unb und ba^er, tpenn n^ir nad^ 
bem SBerben unb @nttDidEelungdgange noc^ fo ^erüorragenber 
SRenfc^en fragen, feine Stnttoort unb feinen Stuffd^lufe ju geben 



») «gl. ©urdl^arbt a. a. O. »b. 2 Stop, 5. 



34 <S^ted »u4 stoeited StapM. 

koeig. S)QJ3 gerabe bte Siüdfe^r jutn %[Itertum unb eine tvefenU 
lic^c äRobififation bed mittelalterlid^en ^rinjipei^ bie nottoenbige 
^oraudfegung fär ba^ Stnporfommen jener fitteraturgattung, n^ie 
man fie aud^ ta;tren mag, toax, n)irb burd^ bie Srfal^rung 6e^ 
[tätigt, bie toir balb genug in S)eutfci^(anb mad^en n^erben, too 
biefetbe fett bem 9(nfange bed 16. Sa^r^unberti^ toie plögUd^ 
unb in retjenber äRannigfattigfeit emporfc^iegt, nac^bem fie, n^enu 
man bcn ftrengeren aRagftab anlegt, bis bal^in al^ faum üor* 
^anben gejault toerben tonnte. S)ag bai^ I)egeifterte @tubium 
beS SUtertumi^ fd^Iiejsttd^ aud^ einer {tDedEmägigeren unb tDtffen» 
fc^aftlid^eren ^e^anolung ber @e)c^td^te bei^ äRittetalteri^ ju gute 
gekommen ift, f^abtn liDir bereite angebeutet. Sßir ^eben an 
biefer ©teile blojs bad befanntefte 9Ser{ ber Slrt, nämltd^ bie 
2)efaben bed ^laüiud @tonbui» (f 1463) ^erüor, bad in 
feiner Sigentümtid^feit gerabe ^tnreic^t, um ben auf jenem äSege 
erjietten, n^efentlid^en ^ortfd^rttt ju Derfinnlic^en, bai^ sugteic^ auf 
bie ®efc^id§tfc^reibung ber näd^ften Sl?enfd^enalter biei^feiti^ unb 
jenfeitd ber ^(pen t)on größtem @inf(uJ3 gen^orben ift unb üon 
nod^ gröfecrem l^ätte tt)crben foHen^). SJlonbud beurfunbet bie 
^ö^igfeit, bem Sl?ittela(ter unb feinen einzelnen @rfc^inungen 
nid^t aud ibealen ober fubjeftiüen äRoti))en, fonbern aud bem 
bamat^ no^ feltenften forreften l^iftorifd^en SSerftänbniffe ^erau^ 
gerecht ju werben. 3Ran ^at jened fein genannte^ SBerf mit 
SRec^t bie erfte Uniüerfatgcfd^id^te be« aWittelalter« genannt, bie 
biefen Flamen Derbient. 3Bie n^enig bad unÄ erfd^einen mag, fflr 
jene Qtit toax t^ ein neued unb groged, bag er mit {u^nem 
®riffe feinen ^udgangi^punft üon bem @infen bei^ römifc^en 
äieid^ed na^m, toäl^renb man fic^ bid bal^in faum je )u bem 
©tanbpunfte erhoben ^atte, bie @efc^id^te bed aRitte(atterd ald 
eine felbftänbige ©pod^e ju begreifen, unb badfclbe eben nur unter 
ber f>erfömmlid^en ©d^ablone ber fec^d 9Bettatter ober ber t)ier 

^) ^er Xitel lautet: Historiarum ab inclinato Romano imperio et 
Roma per Aiaricum Gothorum regem auno Christi '410 capta usque ad 
annuni 1410 Decades tres, libri XXI. 



^ic ^Infänge ber geleierten ©efc^ic^tfc^reibung. 35 

^onard^ieen unterjubringen tDugte. Unb bat)on abgefe^eu, bad 
^erf ergebt fic^ jugleid^ ^od^ über bie überUeferte $orm einer 
flogen Sompi(ation : ed trägt nad^ einem betDu^ten $Iane feinen 
@toff mit einer in jenem Sa^r^unbcrt feltenen SBoDftänbigfeit ju^ 
fammen unb üerfte^t c^, \f)n mit Umfid^t unb nic^t gemeinem %att 
ju fiepten unb ju orbnen. @d ift befannt, ba% (Snea @i())io 
naä) feiner ^efteigung bed p&))ftlid§en ©tu^Ied einen ^tu^jug aud 
ben jtDei erften 3)efQben Sionbo^d üeranftattet ^at, o^ne benfe(ben 
bamit ben beabfid^tigten S)ienft ju ertoeifen^). Sluf biefer ^ö^c 
fte^t bai^ im Auftrage $apft ©ijtug IV. unternommene 3Berf 
^ I a t i n a ' ^ (t 148 1) über bie ?ßapftleben freiließ nic^t, f o fpejififc^ 
mittelatterlid^ and) ber ©egenftanb ift, ben er be^anbelt. ^ür 
einen ^umaniften üon $Qud aud n^äre bad quc^ faum eine Hn\^ 
gäbe üerlodenber ^rt gen^efen; fo tueit tuar bie ©efd^id^tfd^rei^ 
bung jener 3^i^ nid^t üorgefd^ritten , bag fie fid§ aud eigenem 
€ntfc^(uffe JU freier ^e^anblung ein fold^e^ X^ema ^ötte fud^en 
mögen, ^(atina gehört freilid^ nid^t im engeren @inne jur (Gruppe 
ber ^umaniften, aber er toar ein gebitbeter Äopf, ber feinen 
tigenen SBiUen unb @inn ^atte, unb atmet in ber einmat ^err« 
fd^enben ?ltmofp^äre. 3)ie einjefnen Seile feinet 333erfeÄ finb aQer^ 
bingd nid^t gteic^mägig gearbeitet, bie fpäteren üor aQem ftofflid^ 
Don größerem SBerte ald bie früheren. @in gorfd^er im ftrengeren 
@inne bei^ SSorted n^ar er nid^t, aber boc^ nic^t bloß oft ber 
3Jlann bei^ (^reimutd, fonbern aud^ manchmal fonbernber @id^tung. 
$ür bie fpätere ©efd^id^tfc^reibung ift er tt)egen bed be^anbetten 
€)egenftanbe^ n^id^tig geloorben unb teilmeife bii^ auf ben heutigen 
%aQ nic^t t)öDig entn^ertet. ^ad) fieiftungen folc^er ^Trt möge 
no^ auf ein ))aar äSerfe unit)erfa(^iftorifc^er 92atur ^ingemiefen 
fein, bie ja nad^ tok üor 9)ebürfnid blieben unb immer tDieber 
i^re Bearbeiter fanben. @o, um nur bie bebeutenbften ju nennen, 
bad Supplementum chronicorum Don 3. S^itippobi Bergamo 
(t 1520) unb bie Enoeades bist. t)on 9)^ 9(ntoniud (Socciud, 

3u ogl. d». $otgt, (&nta 8i(Dio be' ^Siccolommi qU ^opft $tui^ ber 
3roeite unb fein Zeitalter 2, 321. 

3* 



36 (Srfted ^u4 amcitcd Kapitel. 

gen. ©abelttcud (f 1506), legtcrc bod^ aud^ bie Arbeit einc^ 
^umaniften, ber }ug(eici^ ©taati^^iftoriograp^ ber 9iepublif SScnebig 
toar. S)iefe SBcrfc erfc^icnen jum crften 3KaIe je 1482 unb 1494 
unb ^aben rafc^ ben 3Beg nod^ 2)eutfc^tanb gefunben : ed broud^t 
tDO^I nid^t erft audbrädli^ ertuä^nt ju tcerben, tuad auf bie ®e^ 
günftigunfl bed literarifc^en SScrfel^rö ättJtfc^en beiben Sänbenr 
nad) ber SWitte be^ 15. Sa^r^imbert^ in fo unertoarteter SBeife ^ 
unb in fo ^ol)em ®rabe ctlcid^tcrnb flettjirlt \)at. 

®n entfc^eibenber ?fnteil ber JBerpffanjung ber l^umaniftifd^en 
^Itur an^ i^rem 9)?utter(anbe nad^ 3)eutf(^Ianb gebfi^rt aber 
einem äJ^anne, ben toir fd^on ein paar 9RaI geftreift ^ben, auf 
welchen toir jeboc^ an biefer ©teQe noc^ einmal beS näheren 
jurüdEfommen muffen, nämli^ (£nea ©ilüio*). 

3)ie erften tieferen ©intoirfungen ber l^umaniftifd^en ^^en- 
benjen auf bie „Sarbaren" jenfeitd ber Älpen l^aben befonntlic^ 
mit bem Aonftanjer ftonjtl begonnen unb fid^ mit bem üon 
öafet fortgefefet. 5faifer ©tgmunb felbft mar ntd^t ol^ne einen 
inftinftiüen ©inn für eine öemegung biefer Art, er ttjar ber 
tateinifd^en ©prad^e mächtig unb toälirenb be§ ©efud^e^, ben er 
im Saläre 1431 in Statien abftattete, fd^ien fid^ ein engere^ SBer- 
^ättnid anfnfipfen ju moQen. 2)iefe (Srtnartungen ^aben fic^ 
freiließ nic^t erfüllt, aber in S)eutfc^Ianb jeigten fid^ feit jener 
3eit bod^ an üerfd^iebenen ©teilen bie ©puren be^ Don jenfeit^ 
ber öerge I)crübergebrungenen ®eifte§, für ben ed überbied an 
einjelnen Crten nid^t an Änfnüpfungöpunften fel^tte. S)cr fürjere 
ober längere Slufent^alt, ben einjelne S)eutfc^e namentlich be* 
geiftlic^en ©tanbe^ in 3talien nehmen, läßt fid^ in feinen Icifcren 
SSirfungen auc^ in ber beutfd^en @efd^ic^tfd^reibung mal^mel^men. 
Saifer griebrid^ III., ber bann faft ein f)atbeö Sa^r^unbert bem 
9?amen nac^ an ber ©pi^c ber beutfc^en Station ftanb, ^at 
atterbingö für 95eftrebungen biefer 8lrt feine Seilnalime enttoidfelt, 
aber er ^at bo^, ttjie untoillfürlid^ immer, il^nen einen tocit^in 

^) du ^9^- ^^^ bereite angeführte ^erf t)on &. SS o igt über (fatea 
6ilotD, 93b. 2, unb beffcn „SBicbcrbelcbung be8 tlaffifc^n «ItettumS*'. 



3)ic Anfänge ber gelehrten ®ef(^i(^tf(j^rci6ung. 37 

nac^^aUcnbcn ^Inftofe gegeben, inbem er jenen SKann in feine 
^ienfte jog ober iiel)en lieg, ben man mit ^^ug nnb Stecht at^ 
ben «3(pofteI bei^ ^umaniömu^" in ©entfc^Ionb bejeid^net f)Cit 
S)iefed SSerbienft beiJ ©neo ©ilüio ift in neuerer Qtxt, toit 
fd^on ermälint, in ber erfc^öpfenbften SBeife nad^gen^iefcn toorben; 
loir befd^ränfen und {)ier barauf, einigei^ aber feine ©teQung ald 
•©efc^id^tfc^reiber übert)aupt unb in biefer feine Sebeutung für 
3)eutf(J§lQnb ^erüorju^eben. 

Snea @ilt)io üerbanb mit einer ben^unberungSn^ürbigen 
^rfatilttät feinei^ @eifted unb einer ^öc^ft ad^tungi^liDärbigen, 
tomn Qu(j§ nid^t hixxti)totQ lüdEenfreien ^ele^rfamfeit eine feltene, 
ün ben großen SKuftern bcd ?lltertumd gefd^ulte ®abe ber S)ar* 
fteHung unb einen t)or feiner @d^ranfe jurüdEmeic^enben @d^arffinn. 
2)ic fritifd^e @abe in i^m ift fc^on oft mit begrünbeter Slnerfen* 
nung audgejetc^net Sorben. 23lan ge^t. niAt )u toeit, n^enn man 
bel^au^tet, baß auf bem gebiete ber gefc^id^tlic^en ^tif feiner 
jeiner @pod^e ed il^m juDorget^an ^at. @r t)at nid^t b(og in 
mem uereinjelten t^aHe, er ^ot na^eju auf bem ganjen leiten 
Gebiete gefd^id^tlid^er S)inge, bad er , berührt l)at, bie @onbe 
feinest ffeptifc^en @eifted eingefenft. SRit bem einzigen unb für 
if)n unumgängti^en SSorbe^alt ber fanonifd^en @d^riften ^at er 
jebe anbere $(utorität ald bidfutirbar unb ber Prüfung untere 
toorfen erflärt. ®r ^at gelegentlid^ bie SBorfragen, üon toetc^en 
bte ©laubn^ürbigfeit einei^ ©d^riftfteHerd abhängig ju mad^en fei, 
fo genau unb jutreffenb formutirt, bag man feinen ^(uffteQnngen 
felbft ^eutjutage toenig l^injujufefeen ^at. Oft ift feine Äritif 
aQerbingi^ nic^td anbered atö bte Steaftion bed unüerborbenen 
gefunben 9)7enfd^ent)erftanbed gegen bie eigentümliche ßumutung, 
üüd) bad XoQfte unb Unkoa^rfd^einli^fte atd unn^iberfpred^Iid^ ^in^ 
june^men ; aber Sa^r^unberte {)inburd^ tt)ar eben biefer äRenfc^en- 
üerftanb bermafeen t)erl)ütlt unb gelähmt getoefen, bafe erft burd^ 
bie SBteberbelebung bei^ Altertum^ jener JBann gebrod^en unb 
t)or(Sufig bod) nur bei einje(nen S(udern?ä^(ten , toie er gemig 
dner toar, burd^ biefen Umfd^toung eine neue Art, ®efd§id^te ju 



38 <^te8 eu4 imiic^ Kapitel. 

erforfd^cn, ]^erbeigefül)rt luurbe. Auf ©ruiib bicfcr fic^tenben 
dtid^tuitg fatn er baju, fo tuid^tige ältere. ^albüerfd^oHene ®e« 
fd^tc^tstuerfe koie bie got^ifd^e ©efd^tc^te bed 3orbaned unb bie 
betben ^aupttperfe Otto'd t)on ^reifingen an bad Stc^t ju 
iie()en ^). SBenn ed im übrigen nun aud^ jugegeben n^erben mug, 
bafe in (£nca ©ilöio'g ®ef^id^tfd^relbung bie Itterarifd^e ober 
fünftterifd^e Xenbenj bie t)orl)errfd§enbe ift, aber jugtcid^ f)inju* 
gefügt n^erben mug, bag auä) btefe nid^t unterfd^agt toerben 
barf, fo befte^t gleic^too^I fein Qtoci^d, bafe nebenher ber materielle 
©e^alt einest S^eited feiner ^iftorifd^en ©d^riften gerabe für 
^eutfd^Ianb in ^o^em ©rabe anregenb getoirft l^at. Sßir erinnern 
^ier an feine fog. ©efd^id^te Äaifer griebrid^ III. *). S)ie ©tärfe 
ber beutfd^en ^iftoriograpl^te im 3Ritte(aIter liegt, tt)ie fid^ fd^on 
auÄ unferer üorauggefd^idEten bünbigen Übcrfid^t ergeben bürfte, 
leine^toegd in einer ergiebigen unb anfc^aufid^en 9e^anb(ung ber 
®efd^id^te unferer einjelnen Äaifer, unb feit bem ©infen ber SReic^^* 
gen^alt nod§ n^niger aU Dorbem; ein SEßerf mie bad (Sber^art 
SBinbedEÄ über Äaifer ©tgmunb Vermag an biefem Urteile menig 
ju änbern. SRan burfte ba^er mit Sted^t barauf gefpannt fein, 
toenn ein fo auSgefprod^cned literarifd^e^ 2;alent toie @nea ©itüio, 
ein äßann jugleid^ üon fold^er Sebenderf a^rung , bie ^anb an 
ein 3Berf ber ?lrt legte, ju ttjeld^em nod^ überbieö ber Äaifer 
felbft bie erfte Anregung gegeben ^aben foK. JJreilid^ mar er 
fein ^eutfd^er, aber um fo ^ö^er toar bie günftige ©teDung an* 
juf^Iagen, in n)etd^er fic^ ber ®efd§id§tf^reiber befanb, ber teil^ 
weife jugleic^ ein aWit^anbelnber ober SOJitwirfenber toar. 9?un 
ift in neuerer 3cit übcrjeugenb nad^gewiefen toorben, baß toir in 
SBa^r^eit e^ l^ier nid^t mit einer tt>irf(id^en ©efd^id^te ^^riebric^d, 
fonbem üielme^r mit 3)enftDürbigfeiten über beffen 3cit, bie jubem 
nur 17 3a^re feiner langen ^Regierung umfaffen, ju t^un ^aben. 



») «oigt a. a. O. 2, 312. 320. »gl. oben 3. 20. 

') 2)ic erfte ^fttSgabe erfd^ien 1685, bie befte t)on JIPoIIqt, Analecta 
medii aevi 2, 1 ff. ®. «oigt a. a. O. ©. 325 ff. Dttofar ßorenj a. a. O. 
2, 284 — 286. »iftor »otjer, bie Historia Friderici III. «Prag 1872. 



2)ie 9(nfänge bcr gelehrten Q^efc^id^tfc^reibung. 39 

S)ic ©c^rift ift fel^r ungtcid^artig abgefajst, aber öon ungemeiner 
9ieic^öatttg!eit. 93alb f^Iägt @nea ben ^^on ernfter ®efc^id^tö* 
forjd^ung an, balb erjfi^It er @eIbftertebteS , bolb gibt er und 
JBcric^te frember ^anb über i^m ferner liegenbe SSorgönge, batb 
elegante ©d^ilberungen öon S)ingcn, auf bie er getegentli^ ftöfet, 
o^ne baß fie im ®runbe in biefem 3"f^"^"^^"^ö"fl^ ertpartet 
»erben ober nottoenbig toären. ®erabe ein SBerf »ie biefed ift 
im ©tanbe, und nic^t blofe ben SSorteit einer fo l^ol^en ©teDung 
bcd ©efd^id^tfd^reiberd unb bie Genialität i^rei^ SSerfafferiS, fon« 
bem nod^ t)ief me^r ben unenblic^en aSorfprung, »eichen bie ge* 
bilbeten Staliener biefer Qdi bor ben beutfd^en ®elel)rten üorau« 
l^atten, aufd einleuc^tenbfte ju Derfinntic^en. 3n weiterem Greife 
ift biffe ©d^rift, bie erft nad^ ber 9lüdfe^r ©ilDio'd nad^ Statien 
abgefd^toffen njurbe, meDeid^t nur langfam befannt genjorben, 
obtoo^l toir j. 93. burc^ §einrid§ ©terfer t)on SKeHric^ftabt 
tDiffen, baß gerabe SBerfe biefei^ ©d^rififteHerd, unb getoijs nid^t 
fie aDetn, Don um^erjie^enben Stalienem l)anbfc^riftlid^ verbreitet 
njorben ftnb. ©ne rafd^ere SSerbreitung ^at jebenfaHÄ ©ilüio'Ä 
bd^mifd^e Gefd^ic^te gefunben, bie ungefähr im Saläre 1454 
abgefd^Ioffen unb fd^on 1475 burd^ ben ^rudf üerüielfältigt 
ipurbe^). Sd ift biei^ bie erfte iufammen^ängenbe , üon einem 
^umaniften, nod^ baju fold^en Ütanged, abgefaßte ©efd^id^te eineö 
jum beutfd^en Sieic^e gehörigen :iianbed. Sn ber üor^uffitifc^en 
3eit befc^rfinft fid^ ber SSerfaffer im toefentlic^en barauf, bie 
älteren, jum 3iil fagen^aften unb im fd^led^ten Satein abge* 
faßten SBerfe in eine anfpred^enbe gorm umjugießen unb einer 
fd^onenben fritifd^en 85e^anblung ju unter jiel)en ; in ber ©c^il^ 
berung ber f)uffitifc^en ©pod^e bagegen ge^t er felbftänbig \)ox, 
Ijat fid^ aber toegen feiner ben §uffiten abgeneigten ©efinnung 
unb ber barou« ertoad^fenben parteiifd^en 2)arfteBung in unferem 
Sal^r^unbert eine ftrenge, jum ^eil getoiß nic^t ungerechte 85e* 



^) ^r %i\t\ lautet: Historia Bohemica seu de Bohemorum origine 
ac gesti8 historia. 



40 ^M 9ud^, an^t^ ircMntel. 

urteilung jugejogen^). ®(etd§koo^l ^atte biefei^ SBerf, 6)tD. biefer 
Seil bedfcI6en, bic große Scbcutung, baß e^, toeil btcfcr ^anb 
cntftammt, länflcrc Qnt üielfad^ bic JTuffaffung bcr crjä^Itcn 
ISreigniffc bcftimmt ^at*). 3)ie ^iftoriogro^jl^ifc^en arbeiten 
@. ©ilmo^d [inb aber bamit nod^ lange nid^t erfd^öpft. 333ir 
^aben an biefer ©teile unb im ^inbticf auf unfere Qtotd^ nic^t 
üon feinen Äo mm entarten ju reben, bte ber fpäteren 3^^ 
feined ^ontififated angehören unb in auto6iogra))I)if(i^cr, freier 
gorm feine eigene ©efc^id^te unb bie 2)en&oürbigfeiten feinet 
fiebend cntl^alten. STber beiJ ©influffeö wegen, ben fie übten, 
teilmeife aud^ um ber Criginalttfit n^iHen, bie i^nen nid^t ab» 
gefprod^en Werben !ann, muffen wir auf einige anbere feiner 
©d^riften l^intocifen, bic, ju üerfd^iebcnen Qdtm entftanben, boc^ 
ein tpefentlid^ gleic^es^ ®eprfige an fic^ tragen; n)ir meinen bie^^ 
jenigen, in toel^en fid^, einer tiefge^enben Steigung i^rer^ 3Jer» 
fafferd jufolge, ©efc^id^te unb ©eograpl^ie üerbtnben unb burc^ 
n^etd^e, möd^te man fagen, ein neuei^ literarifd^ed ©eure gefd^affen 
toirb: in erfter Sinie feine Suropa, bie über ba^ Sa^r 1454 
jurücffül^rt, unb bie Äfia, bie in bie fpötere 3cit feinet ^apat* 
f&Qt unb nur einen ^ei( eined groß angelegten, aber nic^t me^r 
ouögefü^rten Söerfed bilbet, njelc^em er üermutlid^ ben 5;itel 
einer „Allgemeinen ®efd^id^te unb Ocograpfiie'' geben tooUte. 
3)iefe ©d^riften, nebft einigen öertoanbten Heineren, mie j. 93. 
feine too\)i ber Germania bed XacituS nad^gea^mte 99efc^reibung 
S)eutfd^Ianbg^) unb anbere in feinen üerfd^iebenen ©c^riften 
eingefloc^tene ä^nlid^e SSerfud^e, l^oben forttoirfenb bie frud^tbarften 
SInregungen für bie fommenben ®efd^Ied^ter unb @tl)nograp^en 
unb §iftorifer namentlid^ be^ 16. Sa^r^unbert^ gegeben. 3)arauf 
geftü^t, aber jugtei^ in SBürbigung einer üicle feiner ©d^riften 



^) i^anj ^alacft), ^ürbigung ber alten böl^mtfc^en @(ef(^i(^tfd)rcibcr 
(^raglSaO) ©.230—250. 

«) «oigt a. a. O. ©.332. 

*) SBörtlic^: De ritu, situ, moribus et condicione Theutonie descriptio. 
iJeipjiQ U96. 



^e 9Cnfänge bei gelehrten ©cfc^id^tf^reibung. 41 

t)ur(!^jie§enben 3;enbenj, bcm Scbcn unb ben ©itten, bcn 3"* 
ft&nben unb Einrichtungen ber 33ö({er fiber^au^t unb bed beutfc^en 
iBoIfed im befonbercn mit fcltenem SScrftänbntg eine crfolgrcid^c 
'Slufmerffamfeit jujutuenben unb in glüdtlid^er $orm fte jur 9n« 
{c^auung ju bringen, f)at man in neuerer 3^it @. ©itüio nid^t 
mit Unrc^t qI8 Äultur^iftorüer gefeiert unb in biefera 3u* 
^mmen^ange feine öebeutung für bie beutfd^e SRed^t^gefd^id^te 
iioc^getoiefen ^). @^ ift fein 3^^^!^^ ^^^ i^M^ ®^it^ ^^^"^ l>^* 
trad^tet nimmt @. @i(t)io eine l^erüorragenbe ©teDung unter ben 
©d^riftfteHern feiner 3^*^ ^i«- ?lQerbing« lag ber Quq, auf 
biefe Seiten bed 93ö({erlebend }U ad^ten, in ber Stid^tung beS 
l^umaniftifc^ ®eiftei^, aber fein ®IM ^atte ed gesollt, bag 
i^im ein weiterer ©efid^tdfrciö jufiet afö üiclen feiner ®enoffen, 
unb unfer @lüd, ba§ ein fo fd^arfed äuge n^ie bai^ feinige bie 
beutfc^en S)inge koa^e^men unb feine funftüoDe ^anb fie be» 
. f(||reiben burfte. 

3Benn xoix fo bie fiic^tfciten in bem fiterarifd^en S^ara!ter 
(gnea ©itoto'i^ unb feine SSerbienfte fpejicH im ©ebiete ber ^iftorio* 
(rop^ie junäd^ft im ^inblid auf ^eutfc^Ianb ^erDorge^oben ^aben, 
{onnen toix jugleid^ au^ aui^ aQgemeinen ©rünben nid^t um^in, 
eine fc^n^ad^e @eite beil^fetben jur @prad§e ju bringen, ßann ed 
feinem Qsdä^ü unterliegen, bag bie l^iftorifc^e Jtritif, n^ie toir be^ 
näheren bereite audgefü^rt l^aben, im ®efo(ge bed ^umanidmui^ 
emporgefommen ift, fo fann boc^ tt)ieber nid^t in ?lbrebe geftellt 
toerben, bag in ber ^umaniftifc^en Siic^tung jugleic^ bie Steigung 
lag, unter Umftanben ber $()antafie ju toiel 3}lad)t einjuräumen 
nnb, im offenen 9ßiberf))rud^e mit ben ®runbfägen ber Jbritif, 
bie nur fidler beglaubigte S^atfad^en ober tt)o^I funbirte @d}Iüffe 
julägt, gegebene Süden ber ^iftorifd^en Überlieferung burd^ 
toillfürlid^e (Srbic^tungen audjufäHen unb burd^ aDju ffll)ne 
Kombinationen ju entftellen. 9luc^ @nea ©ilmo, je fidlerer er 
bie gorm unb bie ©prac^e belierrfd^te , ift biefer SSerfud^ung 

i) a^L Dr. ^. &. Quengler, über ^enead @ptotud in feinet »eben» 
iung für bie bcutfc^e dlec^tdgefc^ic^te. Erlangen 1860. 



42 C^tftcÄ Öu4 arocitcö Äapitcl. 

unterlegen, unb man ^at gerabe in neuerer 3cit bie Derbcrblid^eit 
SirEungen biefer feiner tabelni^n^erten 92eigung mit fc^onungS^ 
lojer, aber nid^t unöerbienter ©d^firfe jur ©prad^e gebracht ^). 
S)ie Jiac^giebigWt gegenüber biefer SSerfuc^ung bebeutet, wie ntc^t 
ju leugnen, nid^t blog ein n^iffenfd^aftlid^ed, fonbern jugleic^ ein: 
fitt(i(^ed ©ebred^eu, unb ed ^at langer gebauert al^ man meineir 
foDte, bi^ biefelbe fibertounben tourbe; tioQftänbig ausgerottet 
tt)orDen ift fie o^nebem bis auf ben l^eutigen Xag nic^t, nur ba^ 
fie fic^ in ^eife jurüdgejogen l)at, bie mit bem ^umaniSmu^ 
am toenigften me^r ju t^un l)aben. ®ö njöre jroar ungere^t^ 
bei biefer ©elegen^eit fid§ nid^t au bie 3;^atfad^e erinnern jir 
h)olIen, ba§ ber ^umaniSmuS bie in SRebe ftel)enbe ©d^toäd^e 
nic^t erft aufgebrad^t ^at, aber eS liegt für jemanben, ber nid^t 
bie gefammte SntmidEelung fiberfd^aut, na^e, angefid^ts beS ^ier 
auftretenben SBiberfprud^S nic^t fogleid^ ben rid^tigen ©tanbpunft 
jur Beurteilung beSfelben ju finben. SBir ^aben eS ^ier auf 
bem ®ebiete ber 3Biffenfc^aft eben mit einer ©d^wäd^e ber menfd^* 
lid^en SWatur ju t^un, bie bod^ nur ttjieber burd^ bie 333iffcnfd§aft 
unb it)rc ©eele, b. ^. burc^ bie Äritif befiegt loerben fonnte. 
^ox ber ^anb n^ar aber, n)ie fc^on bemerft, baran tt)0^l ober 
übel nic^t ju benfen. Oerabe bie leid^tere SBe^errfc^ung ber Sorm^ 
bie ein tt)efentlid^eS ber l^umaniftifc^en 3lrt unb Äunft tt)ar, fam 
jener Steigung in um fo t)erl>ängniSDonerem ®rabe ju §ilfe, aU bie 
fittlid^e Äraft nid^t überall als bie ftärffte ©eite beS ^umaniSmui^ 
betrachtet njerben fonnte. Siefe man fid§ bod§ t)on ber SSorliebe 
für üereinjelte leic^tfinnige @rbid^tungen unb Kombinationen ju bem 
uoc^ größeren Unred^te fortreiten, ganje ©c^riften ju erbieten 
unb für ec^t auSjugeben. Unb fo gen^ijs aud^ folc^e SSermeffen^^ 
{)eiten nid^t ol)ne SSorgfinger n^aren, bie jeitlid^ ober ^riniipteK 
auger^atb beS ^umaniSmuS ftanbeu^), fo mug gleid§tt)o^l juge^ 



M öfli. Xl^. ^irfc^ in ben SS. Rer. Pnißs. IV, 213 ff. 

*) Sgl. Hallenbad), ^eutfc^Ianbd ®ef(f)id)tdqucaen u. f. lo. ^h. 2 
Beilage II, too auä), ^mar nldji crf(^ö|)fenb, oon hm älteren ^älfd^ungeit 
bie SRcbc ift. 



^ie 9Cnfänge bcr gefeierten Q^cfc^ic^ttd^reibung. 43 

geben loerben, bafe er in biejer SKid^tung teiber eine l^öd^ft be* 
flogengnjerte unb öerberb(i^e grud^tbarfeit entipidclt l|at. SBir 
iperben ttoc^ unb balb genug batoon ju reben l^aben. 9(n biefer 
©teDe aber fei ttjenigftenÄ ein SWad^ttjerf biefer Art auÄbrudEfic^ 
cxtv&f)nt, bad einen Stdiener jum Urheber f)ai unb n^eld^ei^ bann 
n^eit^tn unb gerabe aud§ in S)eutfd^(anb befonberd un^eiboUe 
SSertDÜftungen angerid^tet f)at, toir meinen bie befannten Srbt^* 
tungeu bed ?Inniui^ üon ißiterbo, bie nod^ am @nbe bed 
15. Sa^r^unbert« anij Sid^t getreten finb'). S)oc^ toar ber 
fritif^e ©d^orfblicf ju btefer Qdt jugleid^ fo n>eit gejd^firft, 
bofe bereit* 3^itflcn«>[f^« ^^^ ©abellicud^) i^ren fflebenten 
gegenüber biefer fred^en gälfc^ung unmittelbaren ?(uiJbrudf gegeben 
^aben. — 

Jrofe fold^er JBerirrungen fann ber @influ&, ben bamalÄ 
ber italienifd^e ^umanidmud auf 2)eutfd§Ianb ausgeübt f)at, um 
ha^ JU n)ieber^oIen, nur ein ttjol&lt^ätiger unb befrud^tenber ge^ 
nannt tt^erben. Unb fpejiell aud^ ber ®ef^i^tfd^reibung ift ber 
gegebene Hnftog ju gute gelommen. SSSai^ ed bebeuten nioHte, 
bafe eine ^erfönlid^feit n)ie @nea ©ilöio längere Qeit unb in 
angefel^ener Stellung bieÄfeit* ber Sllpen öertoeilt l^at, ift bereite 
berührt ttjorben : Don oHgemeiner SBirfung unb SRüdEmirlung njar 
ober t)or allem, bafe bie ftrebfamen beutfd^en Xalente feit ber 
3)Htte be* 15. Sa^r^unbert* in toad^fcnber Swn^l^me felbft nad) 
Stauen gingen, auf ben l)0^en ©ernten unb anberen ^Iturftfitten 

• 

be* Sanbei^ fic^ anregten unb au^bilbeten unb, in bie ^eimat 
äuräcfgefet)rt , bafelbft bie fo em^jfangenen ober Derebelten unb 
enoeiterten Äenntniffe nac^ allen SRid^tungen ^in Verbreiteten. 
SSenigen im ®ebiete ber ®ele^rfamfcit ^erborragenben 9?amen biefer 
3eit tt>irb man begegnen, bie nid^t fürjere ober längere Qcit 
jenfeit* ber ?llpcn berUjeitt Ratten unb ein 3^wgnii^ ber bort 
empfangenen Smputfe ablegten. 3n S)eutfd§lanb felbft »aren 

») 2)cr «erf. ^icfe eigentlid) ©ioöanni 9? an ni, f 1502, bie betr. 
6(t|nft: Antiquitatum variarum libri XYII. Romae 1497. 
') 6. obtn S. 36. 



44 <^fted ®u(^, jmeiteS ßapitel. 

feit ber SKittc beÄ 14. 3a^rl)unbcrti^ eine bcträ^tti^c Änja^I 
t)on Uniüerfitaten entftanben, toddie, iptlltg ober nic^t, boc^ in 
ber äRe^rjQl^t aHma^Iici^ ber Dorbringenben ^umaniftifd^en @trd^ 
mung 3uS^^9 g^ftattet l^aben ober geftatten mußten. 92eben 
i^nen finb ed einjetne ^^ärften unb ^öfe ober @tfibte, bie biefer 
^etoegung entgegenfantcn unb babei im befonbern ber ©e^ä^idjU 
fd^tetbung il^re unmittelbare ^ulb jumenbeten ober fie bod^ 
mittelbar begünftigten. 

SBir rebcn in biefem ß^fonimen^ange junäd^ft öom Reibet- 
berger §ofe. ©c^on unter bem ^faljgrafen griebric^ bem 
Siegreichen, ber nic^t o^ne ©inn für titerarifc^e Sntcreffen njor 
unb an ber Don il^m teiln)eife umgeftalteten Uniüerfität ber neuen 
9fic^tung Eingang uerfd^affte, mar auc^ ein ©tral^I ber ©unft 
<iuf Scanner tt)ie äRattt)iad uon ftemnat unb 9J2i(^ael 
S3e]^atm gefallen, bie fid^ mit ber 2)arftenung ber (Sefc^ic^te 
beS ?ßfaljgrafen, ber eine in 5ßrofa, ber anbere in ber ©eftalt 
einer SReimc^ronif , ber eine jelbftänbig, ber anbere abhängig, 
befd^fiftigten unb beibe bem ^ofe ju ®ef aDen fd^rieben ^). SBft^renb 
aber ber legtere im n^efentlid^en o^ne originelle iBorjüge in einer 
bequemen, überlieferten gorm fein ?ßenfum abfobirt, fte^t ber 
erftere boc^ fd^on unter ben Sinmirfungen ber neuen SRid^tung, 
toie wir ja je|t auc^ mit jiemlic^er ®id^erl)eit toiffen, baß er 
eine ^umaniftifd^e ©c^ute burd^gemad^t ^atte, bem ^faljgrafen 
cmpfol^Ien unb oon biefem ju feinem Kaplan gemacht unb fo in 
feine nä^fte Umgebung gejogen morben ttjar^). äWan üerfpürt 



M ^ad ^erf bed ^att^taS Don ^emnat ift Don ^. ^ofmann im 
2. ^anbe ber GueUen unb (Erörterungen )ur bainfd)en unb beutfd^en (Sk« 
fci)ic^te pubü^irt; ebenbafelbft im 3. Sanbe bai 2 Sud) ber 9ieim(i)ronif 
^ic^ael Sel^aimd Don chtn bemfelben. Qu Dgl. Ottotar Sorenj a. a. O. 
1, 115 u. 199. Äobcrftcin, ®cf4. b. bcutfdjcn 5f?ationaIIiteratur 5, 309. 
©erDinu« 3. «ufi. 2, 211 ff. 

») ^Ql SS a 1 1 c n b a 4 über ^ctcr fiubcr in ber 3citf*rif t für bie ®t» 
(c&ic^te bed Cberr^ind 22, 36. 37. ^ie ^ter Dorgetragene Vermutung, bag 
unter bem, Don ^rrigtnud bem ^fol^grafen em|)fol^Ienen dl., ^att^iad Don 
^emnat ^u Derfte^en fei, bürfte tool^I faum einen ^iberfprud) erfa^n. 



^e $lnfänge bet gelehrten @)ef^i(^tfd^retbung. 45 

in feinem SBerfe in ber 2:^at ein Icifci^ SBel^en beiJ neuen ®eifte§, 
koenn and) bie ^iftoriograp^ifci^e ^unft felbft noc^ leine ^öl)eren 
8[n(äufe nimmt unb bad Übermag bed Sobe^ bad unbefangen 
jutreffcnbe ^iftorifd^e 93ilb nici^t erfe^en lann. ^od) ift fein 
3Ber{ auf bie fpätere pfäljifd^e ©efc^ic^tfd^reibung nic^t o^ne 
SinfluB geblieben^). Sinen l^ö^eren @d^n)ung na\)m bad 3n« 
tereffc beiJ §eibelberfler 4)ofei^ für bie literarifd^e Äultur aDer^ 
binflS unter griebric^S 9iac^f olger, bem ?ßfaljgrafen ^^ilippl. 
(1476—1508). ®Ä toäre ^ier nid^t ber Ort, auf ©njeln^eiten ein* 
juge^en, bie aud^ in neuerer ^ett toieber^olt be^anbelt ttjorben finb*). 
Sber genannt mug tDenigftend ber 9?ame bei^ 3Ranned n^erben, 
ber neben bem ^faljgrafen ben 9)7ittelpun{t ber ^umaniftifd^en 
unb gelehrten SBeftrebungen bilbete, bie ba^ bamalige ^eibelberg 
unb t)oran ben ^of d^arafterifiren unb audjeid^nen: nämtid^ 
Sodann t)on S)alberg, Äan jlcr ber ^eibelberger Uniüerfität, 
ber aud^, nad^bem er (1482)®ifc§of t)on SBorm^ getoorben, ben 
angebeuteten, mit SRec^t gepriefenen Sinflufe au^juüben fortfulir*). 
^(berg ^atte feine erfte Oilbung in 3)eutfd^Ianb, auf ben ^o()en 
©d^ulen t)on ©rfurt unb meDeic^t. aud^ ^eibelberg erl^alten, toar 
bann nad^ Stauen gegangen unb I)atte ^ier, jumal in gerrara^ 
ben bereite in i^m getegten ®runb in einer 3$o0fommen()eit ent* 
tDicfelt, bafe er, o^ne felbft literarifd^ probuftit) ju fein, ^n ben 
t$flrften Ded ^umanidmud in 2)eutfd^(anb gejfil^It tDurbe. SSon 
bem ^faljgrafen ^l^ili^Jp in feine SRä^e gerufen, l^atte er fid^ 
eineÄ jüngeren üortrefflid^en ©ele^rten erinnert, mit ttjetd^em er 
in Stauen greunbf^aft gefd^foffen ^atte, nämlid^ JRubolf 
Ägricota'Ä, unb bett)irft, bafe biefer, ber mit alg ber ^off* 
nungÄreic^fte Vertreter ber neuen {Rid^tung galt, ebenfalls (1482) 



*) SSgt. ß. ^äuffcr, ®cWic^te ber r^cirnjc^en ^falj 1, 417. 

«) ÄufecT bem erwähnten ©erfc Don ©ä uff er ju bgl. u. a. bie ®c* 
fc^id^te ber UmDerfttät ^eibelberg t)on $au|( Sb. 1. (Sr^arb q. a. O. 
»b. 1 u. 2. 

») SSon älteren (Schriften Dgl. S^Pl- Softann Don 3)albcrg, ^ifc^of öon 
ISormd. Augsburg 1799. (^it einem 92a(^trag.) 



46 <^td» Sud), jtvciteS tapitel. 

in bie Umgebung $^ilippd gebogen ivurbe^). Stud^ STgricoIa ^at 
ütel n^eniger etn^a burd^ angeftrengte miffenfc^aftltc^e ^ert)or« 
brtngung als burc^ bie Wlaä)t feiner $erfön(ic^feit, burd^ ben 
unmittelbaren @tnf(ug unb ben brieflid^en SBerfe^r gett)irft. @r 
felbft tft fd^on brei Sa^re nad^ feiner 99erufung jiemlid^ jung 
ba^ingeftorben, aber ber einmal gegebene Sfnftojs mirfte aber bad 
@nbe bei^ Sal^rl^unbertiJ ^inau^. 9iod^ bei ÄgricoIo'iJ fiebjeiten 
njar Ä. Seite« auf einer feiner 3Banberfa§rten in ^eibetberg 
erfd^ienen, um fpäter nod^ einmal n^ieberjuf ommen ; tDeiter^in 
tauchen Xrit^emiui^ befud^Sn^etfe , fpäter^in Steud^Iin in' 
j)orfiberge^enber ©teflung*) af« SWitglieber biefe« ÄreifeÄ auf, 
beffen ^njie^ungdfraft n^ir und nic^t grog genug beulen fönnen. 
3Benn man nun fragt , inwiefern . benn ber @ifer biefed 
auderlefenen Äreifei^ ber (Sefd^id^tfd^reibung ju gute gekommen 
fei, fo fönnen tDir biefe $rage aüerbingd nic^t mit ber ^in« 
tüeifung auf grofee unb unmittelbare Srgebniffe beantlDorten. 
S)ad ©ine roiffen toir aber gettjiß, bafe ber ^fafjgrof unb feine 
^cle^rten greunbe ber ®efc^ic^te ein lebhafte* Sntereffe entgegen« 
brad^ten. S3ie oft unb gerne ^at nic^t äRelant^on bei Der^ 
fd^iebenen Gelegenheiten ber ©rsä^Iung Sieud^Iini^ gebadet, 
nac^ toefd^er ber lernbegierige gürft, bem bie ©efd^id^tdbüc^er 
ber alten ©d^ute offenbar nid^t me^r genügten, 9t. ?(gricola 
tjeranfafet ^at, eine UniDerfafgefd^ic^te nad§ ber beliebten Schablone 
ter mer äKonard^ieen audjuarbeitenl^) S)ad SBerf f)at fi^ [eiber 



^) fß^l Ü6cr 9i. ^gricola aud) bie magern, ^eutfc^ ^ogropl^ic Sb. 1 
sub h. y. 

*) Über 92euc^Und ^ufent^alt in ^eibelberg f. ü^ubiptg @(ciger, 3o§. 
^euc^Iin, fein Öebett unb SBirfen («erlin 1871) 6. 41 ff. «uf Xrit^emiu« 
fommcn mx halb jurücf. 

«) gd) tt>ci6 rec^t gut, bag ^clant^on, ber wicbcr^olt auf bicfeÄ fjaftum 
jurücffommt, in ber ^e^r^a^l ber f^Qe neben ^gricola oud) ^alberg unb 
0?euc^lin, unb auc^ biefen attein al« Scrfaffer be^ in &rage ftc^nben 
ffierfcS nennt. @o j. 93. alle brei jufammen im 3a^re 1536 (Corpus Reff. 
III, col. 215) unb ä^nlidj loicber 1555 (ib. VIII, col. 811) unb 1558 (ib. 
IX, col. 532). «ber in ber SRebe über 9?. «gricoU Dorn Saläre 153J> 
ipric^t er öon biefcm allein al8 ©erfaffer (ib. XI, col. 444) unb ebenfo 1542 



3)ic Anfänge bcr geleierten ©efc^id^tfc^reibung. 47 

iinb auffaßcnbertüeifc nid^t ermatten, e« ift fogar toa^rfc^einlic^ 
^or nic^t gcbrudt »orbcn ; man barf aber fd^Iicfecn, bag ed feine« 
^erfaffer« n^ürbig unb Don ec^t ^umaniftifd^em ®cifte getragen 
toar. %ud bem, tpad 3ReIant^on barä6er jagt, vermögen n^ir 
nnd eine jn^ar nur allgemeine , a6er bod^ beutlid^e 93orftelIung 
iat>on ju mad^en unb^aben bo^^elten ©runb, ben 93erluft bed 
SBuc^e« lebhaft ju bebauem. STgricofa ift offenbar felbft auf 
Aie erften Cueßen jurüdfgegangen unb ^at fid^ jugleic^ nic^t mit 
ber bloßen Äneinanberrei^ung ber 3;^atfac^en begnügt. 5)ie 
j)iba{tif(^e unb moraltfirenbe ^(tung , bie bad Sßerf nac^ 
aWelant^onö SBerfic^erung d^aratterifirt ^at, entf))ri(^t fo ganj 
J)em SBefen ber ^umaniftifc^en ©efc^ic^tfc^reibung ixb^xf)aupt, bie 
fiberan gerne i^ren ©toff mit irgenb njelc^er ^ienbenj befeelt unb 
ftetd mit SSorliebe auf bie lel^r^afte ®eftimmung berfelben ®e* 
Mc^t gelegt ^at^). 



r(ib. IV, col. 929). S3on 9ficuc^ (in allem ift in bicfer »e^ietjung bie ©pracftc 

in ber 9?ebe S^elont^ond auf i^n aud htm 3a^re 1552 (ib. XI, col. 1004). 

9htn tonnen in ber ^l^at 9Yeu(^Hn unb SCgricoIa nic^t gut jufammen an einem 

.fBerte gearbeitet ^aben, ba ber le^tere 1585 geftorben unb ber erftere erft eine 

w^ute ^n^a^I Sa^re \p^tcx ^u längerem Aufenthalte nac^ ^eibelberg gefommen 

tft. ^a nun S0>2elant^on bie relatio genauefte ^efc^reibung bed betr. (^cfc^c^tS- 

iDcrfed bort gibt, mo er üon ^fgricola atö bem eiuj^igen SSerfaffer fpric^t, fo 

tt)irb man »o^l am e^eften biefem bie llrl^eberfc^aft ^ufprec^en bürfen, toai 

nic^t audfc^Iiegt, bag ^alberg bei ber ^(bfaffung mit gehört mürbe, unb 

bajs fReuc^Iin fpöter badfelbe etma rcüibirte. %a jebod) bie ©c^rift felbft nic^t 

t)orIiegt, finb mir gegenüber ber Dariirenben Überlieferung eben nur auf 53cr* 

mutimgen angemicfen. ^(. S. feiger, über Welant^onS Oratio conti nens 

historiam Caprionis Orranffurt a. SR. 1868) @. 53—59, unb beffen: Sol^ann 

SReuc^lin, fein 2eben unb feine ^rfe @. 65. 

*) Corpus Reff. XI, col. 444 Reifet cÄ: „Cum ita viveret (R. Agri- 
cola) Heydelbergae, ut eniditis et bonis omnibus charissimus esset, non 
Bolnm in noticiam yenit Ducis Palatini Philippi, sed etiam familiaritate 
eins Princeps delectatus est, ac saepe eum ad graves deliberationes 
adhibuit. Cumque, ut fit, mentio iDtercideret veterum imperatorum, ac 
Rndolphus commemoraret vel Graecas historias, vel Romanas, Princeps 
et Yerti sibi multa non solum ex historiis, sed etiam ex Poetis iussit, et 
petivit sibi contexi integram seriem quatuor monarchiarum, ut ordinem 
rerum melius yidere, et incrementa atque inclinationes, et horum causas 



48 <^teS 16u(^, gmcitcd StapM. 

3)ag Sebürfni^ nad) einer neuen ©arfteßung ber UntoerfaU 
gejd)tci^te mar aber aud) in ipetteren Reifen üor^anben; man 
fonnte fic^ offenbar ber Sm^ftnbung nic^t edoe^ren, bag an« 
gefic^td bed ftc^ DoKjiel^enben unb leicht n)a^rnet)m6aren getftigen 
Umfc^tüung^ bie älteren Se^anblungen biefe^ %l)cma^, SBemcr 
9floIen)infä bereite ertt)äf)nted SBerf nic^t audgefd^Ioffen^), nid^t 
befriebigen fonnten. Unb in ber ^()at finb fc^on in ber näd^ften 
3eit jtoei SEBeltgefc^ic^ten entftanben, bie, toa8 immer auc^ man 
an il|nen üermiffen mod^te ober mag, unoerfennbar bie Stiä^m 
unb SSSirtungen ber neuen 9ttc^tung an fic^ tragen. SBir meinen 
bie S^ronifen oon ^ermann @(^ebe( unb ^ol^anne^ 
Siancleruö. 

§. ©c^ebel toeift un^ nac^ 9iürnberg, »o feit ben legten 
3at)rje^nten be^ 15. 3a^r^unbert^ eine neue Sira literarifd^en 
unb fünftlerifc^en ©(Raffend begonnen f)atte, bie bann in äRännent 
mie aSilibalb 5ßirH)eimer unb $anö ®adß, Mlbrec^t Dürer unb 
5ßeter SJifc^er i^ren glänjenben ÄuSbrud fanb. 3)ie ©efc^ic^t* 
fc^reibung SRürnberg^, audgel^enb üon ber ®ef(^led^ter^tftorie, ift 
t)on Slnfang an eine toefentlic^ ftäbttfc^e getoefen unb l^at fe^t 
balb einen offijieDen E^arafter angenoipmen*). SBcrfc^iebene jeit* 
genöfflfd^e 3tufjeic^nungen biefer 9lrt finb in bem genannten 3a^r»^ 
^unbert entftanben, mie benn bie ®tabt aud^ balb bie löbltc^ 
®etoöf)n^eit eingeführt ^at, Urfprung unb SSerlauf bcftimmter^ 



coiisiderare posset: nam haec exempla praesertim Principes monere de 
plurimis rebus possunt CJontexit igitur Rudolfus eruditissimam epitomea 
ex Bibliis et üerodoto, de Assyriorum et Persarum imperio, de civilibus 
discordiis Graecarum civitatum ex Thucydide et Xenophonte, de Philippo 
et Alexandre et successoribus ex Diodoro et Polybio. Deidde lecti88im& 
quaeque excerpsit ex historiis Romanis. Postremo et Germanici regni 
res praecipuas collegit. Ac in eo Scripte non solum laboravit, ut res 
tantas perspicue narraret, sed etiam ut obiter legentem Principem 
pleraque moneret: qua in re apparuit eum non modo literis, sed etiam 
civili prudentia excellere. 

») ®. oben @. 26. 

') (6. Jlarl ^egel in ben (S^roniten ber fcäntifc^en 6täbte SBb. 1 Sin« 
Icitung @. XXX ff.; weiterl^in ben 2., 4. unb 5. ©anb. 



3)ic ?Cnfängc bcr geleierten ©efc^id^tf^reibung. SWeifterlin. 49 

il)re Sntereffen no^e bcrfl^renbcr Sreigntffe burc^ bic mößlic^ft 
üollftanbiflc JBcrcinigung be^ bctreffenben urtunblic^eii unb aftcn* 
mäßigen SWatcriaU fcftjul)Qtten. Sine fbrmtid^c S^ronif, bei 
lueld^er cö t)or allem auf bie ©arftellung ber Anfänge unb ber 
älteren ©efc^ic^te ber ©tabt abgelesen tpor, fonnte freiftc^ auf 
biefem SBegc ftjeniger entftefjen; unb alö fic^ gteic^roo^I ber 
3Bunfc^ nac^ einer fold^en regte, fül|Ue man fic^ geneigt, einem 
SRanne ben Auftrag t)ierju ju erteilen, ber bereite ein ä^nüc^ed 
SBerf über bie filtere ©efc^id^te ber ©^tüefterftabt Augsburg 
uerfafet ^atte, nfimfic^ ©igmunb SWeift erlin, beffen 9?amen 
tt)ir bereite einmal genannt ^aben^). 9Bie angebeutet, gef)örte 
SKeifterlin bcm geiftlic^en ©tanbe an; feine ®eburtiJjeit unb 
^ertunft finb unbelannt ; fein fiebenögang ift ein l^öc^ft betoegter 
getoefen ; ba(b taud^t er t)ier, ba(b bort auf, unb er Derfc^toinbet 
jule^t roieber fpurlod au^ ber ©efc^ic^te. 9Im frfll)eften trifft man 
i^n afö SKönd^ ber berühmten Senebiftinerabtei Don ©t. Ulrid^ 
unb Sfra ju ?(ugöburg, in toetc^er er in feinem 16. Sebenöja^re 
ettoa um ba§ Sa^r 1430 eingetreten ift. §ier junäc^ft l)at er 
fi^ aud^ bag Sßag ber gelehrten ^ilbung ertt)orben, ba^ feine 
gefd^ic^ttid^en SEBerfe bejeugen. Sr ift offenbar ein SWann be^ 
Übergang^ : bie römifc^e Siteratur erfc^etnt i^m n)of)lbefannt, bie 
^umaniftifd)e Suft l^at aud) it)n angetoe^t, aber oon ^itif unb 
a)Jetl)obe ift bei i^m leine Sfebe unb feine Äunft ber S)arfteIIung 
!onn nur eine mittelmäßige genannt n)erben. ©eine Chronoj^raphia 
Augustensium , bie er im 3al)re 1456 in lateinif^er, 1457 in 
beutf^er ©))ra^e Doflenbete, trägt biefe^ ©epräge im ganjen 
Umfange on fic^*). SJon größerer öebeutung ift unjtoeifeIl)aft 
bie SRürnberger S^ronif, bereu ?tbfaffung beträchtlich fpäter, 
in bic Sa^re ungefähr üon 1482 big 1488 fäQt. 3n biefer 3cit 
^at SKeifterlin teil^ in, teil« bei iRümberg gelebt. Die Sfjronif 
ift ebenfalls junäd^ft in lateinifc^er ©prad^e abgefaßt unb l)at erft 



») 6. oben ®. 29. 

^) «gl. e^ronifen ber f(^n)ttbi|d)en ©täbtc 1, XXXVIII unb bie (£^vo= 
nifen ber fränfifd)en ©täbtc 93b. 2 ©inleitung @. 8. 

0. Segele, <9efd)id>te ber beutfd^en ^ifiorlograpl)ie. 4 



50 ©rftcS S3uc^, jttJcitcS fiapitcl. 

bann burd^ if)n eine beutjc^c ©corbeitung erfaßten, bie man mit 
JRcc^t afö bad §am)ttocrf betrachtet ^). Die gorm ift nid^t un* 
gefc^idEt, jumal toenn man fie mit bem lateinifd^en Sntiourfe üer- 
gleid^t; ber ©toff ift überfic^tlic^ verteilt unb ein üoßötümlid^er 
3ufl belebt ©prad^e unb 3)arfteüunfl. ©ac^lic^ getoogen ^aben 
n^ir ed aber freiließ junäd^ft nur mit einer Kompilation ju t\)un, 
für bie ber SSerfaffer ed ubrigenö an 3Kul|ett)aItung nid^t ^at 
feilten laffen. S)aö ÜÄaterial ift üon überaß ^er jufammcngetragen, 
aber bie ä^em^ertung bedfelben lägt auc^ l^ier üieled ju n)ünfc^en 
übrig unb bie fic^tenbe unb unterf^eibenbe Äraft be^ ©efc^i^t» 
fc^reiber^ in ^o^em Orabe ücrmiffen. S)er ©age ift leiber ju 
Diel SRaum gegönnt unb, toaö fc^timmer, üKeiftcrIin unterliegt 
ber Unart, bie toir fd^on meiter oben ald eine ©c^attenfeite ber 
^umaniftifc^en ©efd^id^tfc^reibung ^erDorge^oben ^aben, bie ^üdEcn 
ber beglaubigten Überlieferung burc^ toiUfürlic^e Srfinbungen unb 
(Srbic^tungen au^suffillen. 9?id^t bad fcl)mälert in unfern ^ugett 
bad SSerbienft feiner Sl)ronif, baß bie Duellen, auö toeld^cn er 
gefd^öpft t)at, jum größeren 3^eile nod) t)orl|anben fmb, fonbcrn 
bag er eine 9iei^e Don unglaubtt)urbigen unb erfunbenen Slngaben 
in bie SRürn berger ®cf^ic^tfc^reibung eingefüljrt ^at, bie fie nic^t 
fo balb ttjieber I00 geworben ift. 

2Kan mö^te fid^ ixoav tounbern, baß man, um eine jufommen^ 
I)ängenbe ©efd^ic^te SRümbergö ^erDor^urufen, fic^ oeranlafet fa^, 
jemanben öon aufeen t)er mit biefem Auftrage ju betrauen, tt)ä^renb 
bamaU ein geborener Siürnbcrger lebte, ber Ijierju unjtoeifel^aft 
unb in üoQem SWafee baö ^eug befag unb ber an Ärbeitöfraft, 
®elet)rfamfeit unb gorfd^ergeift SKeifterlin unbebingt überlegen 
luar: nämlic^ ber bereit« genannte Hartman n ©d^ebel. 
©elbftoerftänblic^ fann eö nid^t unfere 9lbfid^t fein, bie angeregte 
grage tt)citer ju verfolgen, toenn fie auc^ auf bem SBege liegt. 

») 3)aS lotcinifc^c SBcrf ift im üorigcn 3fll)t^unbcrt im 8. ©anb ber 
Reliquiae etc. öoii 2 üb ewig ücröffcntlicf)t tüorbcn; bie bcutfc^c ©carbcilung 
im Sa^rc 1868 im 2. ©anbc ber frilnfiid)cn G^ronifcn öon Dr. S)ictric^ 
fierlcr, wo fic^ audj alle« übrige über 3ÄeiftcrIin finbct. 3)05U ju Dgl. 
gorfc^ungcn 12, 659. 



3)ic Slnfängc bcr gcicljrtcn QJcfd^iditfc^rcibung. ©(^cbcl. 51 

SBar boc^ ©c^cbcl ju ber Qext, afö SWeifterltn jenen Sluftrag 
crl^ielt, nod) gar nid^t ftjicber nac^ Stürnbcrg jurüdEgcIe^rt — loenn 
er and) in ber 9iät)e, nämfid^ in Slmberg feinen Söo^nfi^ l)Qtte — 
unb überbieÄ ^ot man anjunef)men, bafe er in jenen 5al)ren bereite 
mit feinem umfangreld^en aSJcrfe üoUauf befd^äftigt toax, ba§ i^m 
einen 5ßla^ in ber ©efd^id^te ber beutfc^en §iftoriograp^ie »er- 
fc^afft ^at. Übrigen^ beftonben jtt)ifcl^en ©rfjcbel unb SKeifterlin 
jiemlid^ nat)e perfönlid^e, bjtü. literarifc^e 93ejiet)ungen, tt)ie ein 
paar erhaltene Schreiben beö le^teren an ben erfteren bejeugen, 
in meieren frcilid^ SD?eifterlin einen jiemlid^ bemutigen, toenn 
auc^ üertraucnöüollen Xon anfc^Iägt^). 

©c^ebelö ©teQung in ber ®efc^ic^te bed ^umaniömu^ ift 
fidler größer alö feine ©ebeutung in ber Oefd^id^te ber ^iflorio» 
grap^ie; aber e^ bürfte fid^ jetgen, bafe auc^ biefe nic^t ju üer* 
achten, nid^t }u reben bat)on, ba^ beibe jufammenl^öngen. 

©d^cbel ift nac^ glaubtt)ürbiger SIngabe am 13. gebruar 1440 
in 9?ümberg geboren^). Über feine ^erfunft ift nä^ereö nic^t 
befannt, außer bag er feine ©ttcrn jiemlid^ frül) Derlor, aber 
nad^ allem in leiblid^ günftigen SJer^äUniffen jurüdEblieb. 3n 
feiner gamilie f)at offenbar ein Ijö^ereö Streben tjorgemaltet: 
^artmanng, toie man annimmt, älterer Sruber So^anneö, ber 
\xd) ein beftimmteö SWag geteljrter SBilbung angeeignet unb ein 
©tücf t)on Stalien gefe^en f)atte, trat julegt in ben $rebiger* 
orben unb ftarb 1505. ©ein Dl|eim, ^ermann ©c^ebel, ^atte 
in Stalien l)umaniftifc^e unb mebi^inifc^e ©tubien mit Srfolg 
betrieben, lebte fpäter ald berühmter Ärjt in Augsburg, mürbe 
1475 5ßt|5fifug in Sifimberg, mo er am 4. 3)ejcmber 1485 ge- 
ftorben ift^). S)aÄ Seifpicl beö Dl)eim^ ift o^ne 3^^if^f nic^t 

@. e^ronifcn bcr fräntifc^cii ©täbtc 3, 311. 312. 

«) »gl. ®. Ä. ©in, i»ürnbcrgi)d)c§ (äJcIc^rtcnlcjifon 3.2:1. ©.499-501; 
ba^u ben 3. ©upplementbonb @. 56 — 58 unb bcfonbcrd f&. ©attcnbac^, 
^artmann @(^cbel aU ^umonift im 11. SBanbc ber t^ocfc^ungcn ^ur b. &€- 
f4id)tc 6. 350 — 374. 

') 92ä^ered über biefe originelle $erfön(id)teit bei Sattenba^ a. o. O. 
©. 353 — 356. 

4* 



f>2 Grftc* 33u(l^, jiDcitc« lapitcl. 

f)I)ne Sinflug auf ben 92effen geblieben. SBon ^artmann^ erften 
15 i?ebenSjaI)rcn toiffen toir lociter ni^t^, erft üon biefem 3^'*" 
punfte an fliegen bie 9tad^rid^ten , bie tt)ir jum größten Xetle 
feinen eigenen aber fe^r jerftreuten angaben t)erbanfen , in 
jiemlic^er Äudgiebigfeit. 3m Sa^re 1456 bejog er bie Unioer^ 
fttfit Seipjig unb betrieb ^ier bie fc^olaftif^en ©tubien in ber 
überlieferten SSeife, »urbe 1457 Saccalaureu^^, 1459 SKagifter. 
8d^on in biefer 3^it ^^c^^ ^^^ 9?eigung in it)m burc^, bie er 
bann im SJerlaufe ber Saläre ju einer ben)unberungdtt)urbigen 
unb einzigen $o^e au^gebilbet ^at, nämltc^ alled, n>ad an ^anb- 
fc^riftli^en 5)ingen in feine ^änbe fiel unb fein Sntereffe er^ 
mecfte, abjufc^reiben unb fo ju feinem Eigentum ju mac^n, ober 
überi)aupt aufjujeid^nen, toa^ i^n gerabe befc^äftigte unb feinen 
Gifcr ertoecfte. 3)iefe feine Steigung ^at bur^ eine folgenreiche 
SBenbung, bie fein ®eift fd^on in ber nac^ften 3rit na^m, einen 
er^5^ten SSert empfangen. 3m 3a^re|1560Jn)ar er üon ben 
jc^otaftifc^en ju ben juriftifc^en @tubien fibergegangen unb ^at 
bann jn^ei 3a^re (ang bem 9iamen nad^ bei i^nen aufgehalten. 
Aber gerabe in biefer 3^^* öoUjog fic^ bei t^m bie entfc^eibenbe 
Sefe^rung jur neuen @(^u(e, jum ^umani^mud. Sd ^atte fic^ 
t)ter eine 9(niat)I junger 3Ränner jufammengef unben , bie fic^ in 
ber Eingabe an bad erneuerte !l(tertnm unb feine Slutoren loec^feU 
feitig erfreuten, unb bann, al^ $eter Suber, einer ber erften 
^.^ertrcter ber ()umaniftif(^en 9iid^tung, auf feiner SBanberfc^aft 
nac^ Seipitg fam unb ()ier a(^ Seigrer auftrat, tt)urbe er ber 
ä}2itte(punft bed jugenblic^en ftrebfamen ^eife^^. Unb aU Suber 
fic^ nac^ Derljaltni^mäBig furjer 3^^^ Veranlagt fal), Seipjig 
miebcr ju Derlaffen, unb nac^ 3talien, nac^ $abua ging, entfdilo| 
fid) aud) Sc^ebel, benfelben S5kg einjufc^Iagen (S)ejember 1463», 
An vi 3al)re bat er nun t^kx üenpeilt unb in erfter Sinie mebi« 
jinüc^e ©tubien getrieben unb fid) mit 9iu^m ben mebijinifc^ 
"Softorgrab erworben , oljne aber baneben feine gelehrten ^uma« 
niftifc^en ober antiquartfc^cn Steigungen irgenbn^ie ju oernac^^ 
läffigen. Um Sine^ anjufutiren, namentlid^ ein ^ruc^ftud ouö 



^ie ^njönge bei gelehrten Q^ejc^ic^tfc^rcibunA. @d^cbel. 53 

bem ^eifetagebud^ bed gelehrten ![(tertumdforfc^erd StjriofuS dou 
?(ncona, baö in feine §änbe geriet, ^at feinem ©ammeleifer eine 
bcftimmte* 9?i(^tung gegeben^). 3m ©ommer 1466 treffen toir 
t^n mieber in 9turnberg, fogleic^ n)ieber mit unermüb(id^em %b» 
fc^reiben üon mebijinifc^en, ^umaniftif^en unb ^iflorifc^en SSerfcn 
befd)äftigt; ba^ 3a^r barauf unternahm er über ©peier eine 
fog. ,.8lc^fat)rt", b. f). eine SBanberung nad) ?rad^en, um an ber 
?fu^ftellung ber SJeliquien teiljune^men , unb bcfuc^te bei ,biefer 
©degenfieit ÜJJaflric^t, örugge unb Cüttic^; im ©ommer 1467 
erfc^eint er, in feine äiaterftobt jurüdgefe^rt, immerfort fammelnb 
unb abfc^reibenb ; im 3at)re 1470 übernimmt er ba^ $^^ftfQt in 
9?drblingen, unb n)at)rfc^ein(td) 1475 ba^felbe 9(mt in 2tmberg. 
©eine gelet)rlen 3?erbinbungen reichten in biefer 3^'^ bereite 
fo n)cit, bafe i^n ber "jßfafjgraf ^^ilipp, t)on beffen SJorliebe für 
bie ^umoniftifd^en Öeftrebungen toir bereit« gehört ^oben*), aU 
Stat unb Wiener uiib in feinen ©d^u^ na^m. (Snblic^ fut)rte 
i^n ba« Sö^r 1484 in gleid^er ©leüung, öermutfic^ alö ?fmt^^ 
noc^f olger feine« bo« Sa^r barouf geftoibenen O^eim«, in 
feine 5Baterftabt jurücf, unb hiermit beginnt ber ftjid^tigfte unb 
fruc^tbarfte %t\l feine« ßeben«^). 

©^ebel trat ^ier in einen Äreiö b«r reic^ften ?tnregung in 
^iffenf^aft unb ^unft, n^ie fic^ ein gleich bamal« nirgenb« in 

') Sgl. O. 3a ^n, ^2(u§ ber 9atcrtumdti)i{jcnid)a{t. populäre ^uffä^c. 
«onn 1868. @. 332 ff. 

*) 6. oben @. 45. 

») @. Sin a. a. C. S. 499. — 4». i^aufing in feinem au«gc= 
jeic^neten S3u(^ über 3)ürer (äcij)jig 1876) ©. 151 fc^t bie „§cimfc()r" 
^(^beld nac^ ^J^ürnberg in bad So^r 1480, geftü^t auf 3)2 urr, Journal 
iUT Äunftgefc^ic^tc u. f. id. II. 15, 25 (42) gnbeffcn f^at p^ I ^anfing 
entgegen (offen, bog oud ben angeführten ^Dhtt^ilungen Sa 1 1 enb ac^d (a. a. 0. 
8. 372) mit ^ic^erl^cit ^erDorge^t, hai ^(^ebe( im 3a()re 1481 [xd^ noc^ in 
9(mberg auffielt, mo i^m im ^pril beSfelben S^^red ein @o^n geboren mürbe. 
9(u|erbem erfd^eint „^artmann ©c^bel'' ebenfalls bei ^urr {a.a.D. %l 15 
6. 105) in einem Serjeic^niffe ber „^rjte, Sunbär^te, Slpotljctcr unb ^aber 
in !Kümberg im 13., 14. unb 15. 3a^r^unberf au«brücflic^ im 3o^rc 1484, 
ma« ft^cr nic^t sufdQig ift. 



54 ®tflc« »u4 jrociteg Äapitel. 

^eutfc^Ianb, ein ä^ntic^er t)öc^ftend nod^ in ^tug^burg n?ieber^ 
gcfunben Ijot^). ®in grcmbcr toar er o^nebem f|ier ni^t unb 
in türjefter 3^^* erfd^eint er al^ einer ber angefefienften unb 
tfjätigften ®enoffen be^fclben. Qu Dürerö iJe^rer 3)?id)ael 3Bo^ 
gemut trat er in ba^ engfte ^iJer^altniö unb nid)t minber ju 
?Intott Äoburger, bcm berühmten S^ef bc^ ^^Qufed, ba§ in ber 
Oefc^id^te beö beutfc^en S3uc^^anbel^ eine }o f)erDorragcnbe 
©tettung einnimmt; mit bem aHerbingö um \o t)iel jünacren 
SKilibalb ^irt^eimer tnüpfte er ein fruchtbarem SSer^ältni^ an 
unb ju Äonrab Selten, ber öfter nacf) SRürnberg fam, trat er 
in öertraute an^aftcnbe S3ejie^ungen ^j. ©o fann e^ unö nid^t 
rounbern unb fd)eint ed mit Orunb ju gefc^e^en, menn man in 
neucfter 3^it gcrabe i^n, ber aumgefproct)enen ©inn für bie finnft 
bctt)ä^rte unb fid) fogar auc^ felbft alö Süö)r\ex üerfud^te, al§ 
benjenigen begeic^net unb auögejeid^net ^at, ber in biefer feiner 
©tcüung bie 6intt)irtung ber flaffifd^en @elet)rfamteit , genauer 
gcfagt bed ^umaniömu^ auf bie beutfc^e ßunft vermittelt t)at^). 
SäJir ^aben eö aber t)ier mit i^m atö @efd)ic^tdforfc^er unb (Se- 
fc^ic^tfd}reiber ju tf)un. 3n baS crfte 3a^rjet)nt feinet ?(nfent^ 
I)altcm fönt bie (5ntftct)ung feinet gefc^id^tlic^en ^auptmerfeS, ber 
S3Jelt(^ronif, ju bereu Söuftrirung er fid) 1491 mit 9W. SBol^ 
gemut unb 2Ö. ^^Jlcibcumurff uerbunben ^atte, unb bie aU ma^re 
^ßrac^touögabe unb auf ßoften jmeier befreunbeter ^atrijier, 
©ebalb ©c^rei)er unb ©ebaftian jfammermeiftcr, im Sa^rc 1493 
auö ber 'ißreffe ber Sfoburger t)ert)orging^). 35aran reil)en fic^ 
nod) met)rerc Heinere 3Berfe, bie tuir noc^ ertt)ä()nen tt)erben, unb 
im 3a{)re 1504 fdirieb ober öoUenbcte er fein bereit« in S^abua 
angelegtem ©ammeltoerf über bie SKerfrourbigfeiten 3talienm, 



») 5Sfll. u. Q. ^rmann ^agen, 2)cut|c^Ianbft literarifc^c unb reli(jiö|c 
!i8ert)äItni|K im JRcformationmjcitaltcr 1, 175 ff. 

') Srtiaufing a. a. O. 6. 203 unten unb 6. 205. 

») ebb. 6. 149 ff. 

*) 169I. O^far ^a\c, ^ic Sfoburgcr, ^uc^^önblerfamilie ju 9?ümbcrg 
i^ipm 1Ö69) ©. 35. 50. 



3)ic ^Inföngc bcr gelehrten ®cfd)ici^tfc^rci6ung. ©c^bcl. 55 

bcfonbcrö SRom^ unb ^abua^, mit bcfonbcrcr ©erücffid^tiflung 
bcr Snfd^riften, „bamit bic SRad^fommen 3)cnfmälct erfjattcn, tt)cld)c 
\i)x ©crnüt ergoßen ünb fie ju mehrerer SSerüoHfommnung an* 
reijcn fönncn" *). Stiid^ Deutfc^lanb ift bei bicfer feiner 2(rbeit nidjt 
gan^ leer ausgegangen ; }o mand^e Snfc^rift tjat er ba unb bort 
cntbecft ober boc^ abgefd^rieben unb aufgenommen ; aber er fül)lt 
felbfl, bafe baÄ nur ftjenig fei, unb entfc^utbigt fid^ mit bem 
SKangel an Cuellenfc^rlften unb mit bcn fortgefe^ten Kriegen, 
„bie baö gefammte (beutfc^c) 9Iftertum unb bie 3nfc^riften beinahe 
oernic^tet ^aben"^). 35oc^ ift er feiner Seibenfd^aft, ju fammeln 
unb 3lbfd)riften ju mad^en. neben feinen anberen arbeiten unb 
feinem Berufe, ben er nie üernac^läffigt t)at, bis jum @nbc treu 
geblieben. Gr ift ben 28. SRooember 1514 gcftorben. ©ein 
literarifc^er yiaä)la^ mit allen feinen ßoHeftaneen ift nod^ unter 
^erjog älbrec^t V. üon SBaiem angefauft »orben unb ertoedtt, 
noc^ feineStoegö üöHig ausgebeutet, in ber f. $of* unb ©taatö« 
bibliot^ef üertoa^rt, fortgefe^t unb mit SRec^t in feineif güUe 
unb 9?eid^I)altigfeit bie ftaunenbe 93ett)unberung beS gorf^erS^). 

Über ©c^ebelS Ijiftoriograpl^ifc^e 3;i|ätigteit unb öebeutung 
foll nun foIgenbeS bemcrft werben. 

3)ie SEBeltc^ronit^), üon toelc^er faft gleichseitig eine beutfc^e 
Überfe^ung, üon ©imon 211t bearbeitet, unb getoife nid^t ot)ne 
bie 3)Kttoirfung ©d^ebefS erfcf)ien, t)at ben SRamen i^reS SSerfafferd 
für bie näc^fte 3^it in [)of)em @rabe populär gemacht, n)enn 
aud^ üon oorn herein zugegeben n)erben mufe, bafe bie beigegebenen 



Ctto 3 a 1)11 a. a. O. 3. 333 ff. 

*) ©attciibad) a. a. O. 6. 373. 

«) 53gL außer bcn älteren uon ^ill ^S'iopitfd) 7. XI. @. 61 ange« 
führten Schriften ©nttcnbacö a. a. C, bann bcn 9(nl)ang ju beffcn ^^luffa^ 
über $cter fiubcr unb ciibltcf) bcn CutaIo;(us Codicum latiiiorum Bibliothecao 
Regiae Moiiacensis T. I n. II. 

*) Qi trägt bie SiteIübcr)d)Tift : Ke<ristrum huius opcris libri croiii- 
caruHi cum figuris et ymagiuibu8 ab inicio mundi unb einen längeren, 
beac^ten^roert^en Sc^luftfa^ am (£nbc bed ?Berfc8. 3u ögl. ?l. ^ottljaft« 
Bibliotheca historica medii aevi (Berlin 1862) @. 256 s. h. v. — ®ie i8elt= 
4ronit »irb aud) oft uneigentlid) alö ,/Mrnberger C^^ronif" angeführt. 



56 ^rfted ^xidf, ^lufited StopM. 

}a()(reic^en SQuftvattonen , bte im lateinifd^en Original unb in 
bcr beutfc^en Übertragung bic gleichen finb, einen guten 2!eil 
baju mitgeroirtt t)aben. S)er l)ertfcf)enbe ®efc^marf jener 3^'* 
Verlangte fold^e 3"flö^^ old SReijmittef unb mar babei nad) bem 
©tanbc ber fiiteratur unb ber Äultur überhaupt o^ne aUen 
3iücifel me^r im Siebte qU bie SKobe üon ^eut^utage, bant 
lueldjer bie SQuftrationen bereite ju ganj gemeiner Sodfpeiie 
t)eruntergefunfen finb unb ber ^^c^t ber tUuflrirten guten ober 
fd^Ied^ten Öüc^er in bie jtoeitc öinie surücfgebrängt ftjirb. 5)a6 
bie S^ronit toirtlic^ ©c^ebefö Söert ift, üerfic^ern mir nur aud 
bem ®runbc au^brücf lic^ , tt)eil feine ^lutorfc^aft feiner 3^it un* 
nötigerttjeife in 3^^^M fl^jofl^« ttjorben ift^). SBad nun bm 
SBert ber S^ronif anlangt, fo fei ei^ fogleic^ im üorauö ^uge* 
ftanben, baß loir eö mit feiner originalen ober gar epod^emad^enben 
Seiftung ju tt)un ^aben. S)ie gorm ber ©intleibung be^ Stoffed 
ift bie na^ ben beliebten 6 3Be(ta(tern, üon »eichen aber ba^ 
legte, mic meiften^, allein einen breiteren JHaum einnimmt al^5 
bie 5 übrigen jufammen ; baju fommt bann ein ?lnf)ang ^iftorifc^* 
geograp^ifc^er 9?atnr, beffen ^erfunft aber nur tetlroeife auf 
©d)ebef jnrüdgefüfirt merben barf. S)aS SBert mac^t öbertoiegeub 
ben ©inbrud ber Kompilation; erft ettt)a oon ber SKitte beö 
15. 3a^rt)unbert^ an begegnen tt)ir originalen SRac^ric^ten , bie 
man bem SJerfaffer unmittelbar jufc^reiben barf. Xie ^^ilfd^ 
mittei unb SJorgänger für ein Sud^ ber ?(rt maren einem in 
biefen fingen fo tunbigen 9)ianne mie ©djebel im »eiteftcn 
Umfange befannt unb jur ^anb; er fc^eint aber u. a. auc^ 
eine ungefähr ein SDienfc^enalter früher in 9?iiniberg cntftanbene 
bcutfc^c SBeltc^ronif benugt ju haben, öon welcher mir crft in 
neuerer 3^it nähere Äunbe erhalten ^abcn^). ®ö ift ba^ bic 
^Icttenbcrger^S^ru^fcfeifc^e allgemeine S^ronit, bic auc^ 
SO^cifterlin benugt ^at, öon welcher j. 3- atlerbingö nur bic 

Sm a. Q. O. 3, 501. 

«) %l. bic betr. (Erörterung unb TOtteilung Ä. 4)egcU In bem 
3. 6anbe ber (J^ronifen ber frdntif4cn 3täbte S. 257 ff. 



^te Anfänge ber gelehrten Q)e)c6id)t)(^reibung. Sc^bel. 57 

•erftc ©älfte erhalten üorliegt. ?(u8 ber jipeiteit ^olfte f)at gerate 
©cfiebel, e^c er an bie Äbfaffung feinet größeren SBerfe^ ging, 
•einen ebenfalls bentfc^en ^ru^jug gemacht, ber mit Suliud Säfar 
beginnt unb bid ja jlönig 9iuprec^td @nbe reidjt unb todd)cn ber 
Herausgeber nic^t unpaffenb einen ,, frühen unb üieOeic^t erfteu 
unb barum gar ju unter fd^äftenben 3Serfud) einer beutfc^en ^iftorie" 
bejeic^net. Sine tiefer ge^enbe SSerarbeitung beS benu^ten ^la- 
teriald fann man ber ©tabtc^rontf (Sc^ebeld nic^t nac^rü^men ; 
bie üerfc^iebenen Mitteilungen iu ber alten »ie in ber mittleren 
©efd^ic^te finb me^r nur äugerlic^ neben einanber gefteHt, unb 
xoa^ bie Oefc^ic^te ber einjelnen beutfc^en Äaifer betrifft, fpric^t 
au^ i^nen teinedtoeg^ eine auffaUenb lebhafte nationale @mpfin- 
bung, n)te mir biefer bann in ber audgefproc^enften Sßeife überall 
bei ber jüngeren Generation ber ^umaniften begegnen. Slm ©c^luffe 
beö 6. SBeltalterS brid^t ein ®efül)l ber 9lrt burd^; ^ier, »o er 
ben ftönig SKafimilian aufforbert, fic^ in SJerbinbung mit bem 
^apfte an bie @pi^e einer Unternehmung gegen bie 3;ürfen ju 
[teilen, unb i^m bafür bie ^JJerl)errlic^ung burc^ äJ^änner mie 
ben ©id^ter l£elted unb ben §iftorifer ©abellicuS in 9tuSfic^t 
(teilt M. ©c^ebel ift jonft eine befonnene fonferoatiüe 9?atur, 
in ben firdflic^en Singen ,^umal, ba^er feine Mlbneigung gegen 
bie ^ujfiten unb noc^ me^r ber anerfennenbe Son, in mclc^ent 
€r üon einem ^apfte tt)ie 9llcjanber VI. fpric^t. ©o erflärt e^S 
fid^ auc^, bag er bei ber Snoä^nung bed Sorenj äJalla, bem er 
bod^ ein eigened, tpenn anc^ furjed jtapitel tt)ibmet, bie Schrift 
beöfelben über bie Äonftantinifd)e ©d^enhing mit ©tiUfc^meigen 

Fol. CCLVII b. a)ic betr. ©teUc ift boc^ ^öc^ft djaraftcnftifd). (f^ 
^eiBt u. a. uo4 ber ^fc^reibung bcS prop^etifc^ Dor^ergcfagtcn Xriumpl^^uge-* 
bed p^öretcft nocft ber SScrtrcibuiig ber Xüvfcn ju einer 3ufainincntuntt mit 
^m $apft in 9?oiu ein^ic^enben ftönigS: Tunc Conradi Celtis poetac lau- 
'reati musa quasi ab inferis resurget et poemata compouet. M. AntODius 
^abellicus historias scribet, mortalemque regem immortalitati donabunt. 
Nos» quoque, si quid strepere inter olores poterimus^ ali- 
quid seorsum inveuiemus, quod de tanto rege ad posteros 
referemus. 



58 <Srfted $u(^, ^^meited ta^itel. 

äbergel^t. &n Tiaun toie ^tnead ©^(ütud bagegen toirb mit 
loarmcm Sob bcbac^t, fpejieQ afö ©d)riftftcller, f^on weil er 
aurf) bc^ SJerfaffctö 3?aterftabt üer^errltcf)t ^at. @^ ift ba^ ein 
SSor^jug beö ©d)eberfrf|cn 3Berfc^, baß er bie 3Känner bcr 
Siteratur unb ber SBiffenfcf)aft befonberö berücffic^tigt unb fiir 
fie neben ben grofeen gefdiic^tlid^cn S^guren einen ^la^ übrig 
^at. grei(icl) folgt er ^ier#tt)ie fonft onc^ möglid^ft na^e bent 
Supplementum S- gifippo'v bi Sergamo. S8ei fd)id(ic^cn ©e- 
legen^eiten fc^iebt er gerne ein ftapitet über irgenb eine l^er* 
üorragcnbe @tabt ein, beren Slbbilbung tuir bobei mit in ben 
Sianf befommen. S)iefe Silber felbft üerraten aUerbingd faft 
alle eine gemiffe gamiUenätinlic^teit , aber mancbe^ uon it)nen 
I)at glcid^mol)! bid auf bie ®egenmart ^erab trog aller ©im* 
plijitöt ben 9Bert, bad ättefle nnb nid^t ein blofeeä ^l^antafie* 
ftüd ju fein. Siag 5Würnberg hierbei nid^t übergangen mirb, 
üerftc^t fic^ tt)ol|l üon felbft; ber (Sjturö über bie ©efc^ic^te 
ber ©tabt ift tjorfid^tig genug get)alten; baö tritifc^e ®ett)iffcn 
bcö Oef^ic^tfd^reiberS regt fic^ l)icr lüie fünft öftere, luenn bie 
fritifd^e 9tid)tung auc^ nur im befd)eibenen ü)iage angetroffen 
mirb. SebenfaD^ ift ©djebel üon miUfürlid^en Srfinbungen unb 
^Uu^malungen frei ju fprec^cn. ©o mirb man im ^inbtid 
auf biefe mcnigen Slnbeutungen bie öebeutung Diefeö 3Berfe^ 
ba^in jufammenfaffen bürfen, bafe tuir in i^m bie erfte oon 
einem ©eutfc^en abgefaßte unb jugleic^ üom l)umaniftifc^en ®eifte 
bcfeelte Darftellung ber allgemeinen ©efdjic^te ju Deri^eid)nen 
l)abcn, bie freiließ in meitem Umfange unb in ber ed^ten Söeife 
bcr mittelaltedidjen 5ßrapö üon il)ren S3orgängern abhängig ift^). 
35ie Darftellung ber legten 3al)rjel)nte, bcnen ©c^ebel aU S^iU 
genoffc gegenüber ftel)t, \)at bagegen at^ fold^e unb nidjt bloH 
nac^ bcr ©eite ber politifc^cn ©efc^ic^te t)in einen ftofflic^ felb* 
ftänbigen SBert. S)em 3Berfe ift am ©d)luffe bie SSerfidierung* 

^) Sögl. auct) bie „^omburgifclK Bibliotheca Historica", bvittc (Scnturia 
(i^eipjig 1716) @. 142—144. Über ba^ bcr G^ronif angehängte 7. Zeitalter 
ift ^icr bereits ba* 5Hid)tige gefagt. 



^ie ^tnfönge bei gelehrten @)ef(^ic^t)d)rctbung. @c^cbel. 59 

^injugefiiflt, bic offenbar m6)t t)on ©c^ebel ^crrü^rt, bafe ci^ 
üor bcm 3)rutfe ber ^ßrüfung burc^ -tjodigde^rte TOänner unter» 
jogen tporben fei; welc^e^ bieje SJJänner aber tüotcn, wagen 
tt?ir nic^t ju erraten^). 

SBod nun bte übrigen gefc^ic^tlic^en 9(rbeiten @c^ebeld an» 
langt, barf Joof)! gleid^ an biefer ©teße noc^ ttjeniged barüber 
^injugefügt iperben. ©eine Snfc^riftenfammlung , welche toir 
bereite ertoä^nt ^aben, rechnen toir biHigertoeife ni^t barunter; 
fic ift in neuerer 3^^* toiebert)o(t geröl^mt unb ausgebeutet 
toorben*). S)ic Heineren ^iftorifclien ©d^riften umfaffen neben 
!Dcnfroürbigfciten ber 3al|rc 1439 — 1460 eine ®f)ronif üon ©am« 
berg bi8 1497, eine S^ronif bed ®t. ägibienHofterS in 9?ürnberg> 
eine ©efc^id^te ber bairifc^en gürften unb cnblic^ eine t^öringif^e 
(£^ronif üon 530 biö 1437 reid^enb^). gür unferc 3^fcfe f^ahcn 



^) @@ ^ct^t: „. . . castigatumque a viris doctissimis ut magis elabo- 
ratiim in lucem prodiret." — hierauf ift ju dergleichen eine Slotij im 
^?Banberbüc^tein hc^ 3o^anne^ ^^u^bac^" (^TuSgabe in bcutfdjer 39c« 
orbeitung burd) ^. 93 cd er. 9?cgen«burg 18(59) @. 39, loo c« oon ©c^ebel* 
d^ronif ^eißt: „©eil \\ö) aber einige ^ei^Ux in biefelbc eingefd)Iic^cn Rotten, 
fo ^aben bic SBürger üor längerer Qnt einen geioifien $oeten auS Stalien 
berufen, ber biefelbc in forgfältigercm @til unb in^altlic^ njaftr^citSgetreu neu 
bearbeitet ^aben foll. ©ic ic^ l^öre, ift biefelbc in i^rer neuen Q^cftalt nun« 
me^v fc^r forgfältig in ^^^ergamentbrurf unb Äupfcrflicö au^gefü^rt loorbcn." -.— 
Xicfc "ißacöricöt, bic in il^rer üorliegenbcn Sroffung boc^ njo^l auf einem ^iift* 
Derflönbni« beruht, fann ficfier nur auf bic 9(u«gabc Don 1493 ^öcjug ^aben, 
nid)t auf bm ^ugÄburgcr S)rud bcö Sa^rc« 1497. 93u^bad) trat Gnbc 1508 
in ba^ Älofter ßaac^ ein, 1526 ift er geftovbcn, fein 3öanberbuc^ ift 150(> 
becnbigt (a. a. 0. S. 215), bic bcregtc 6teIIe alfo nic^t fpötcr, lucnn auci^ 
nid)t fo gar üiel früher gefc^rieben. 3)od) bient ba8 weiter nic^t jur ^lufflttrung. 
9u$ bcm, mad ^u^bac^ (a. a. O. ®- 87) au9 @d)ebcl$ @^ronif mitt^cilt, gebt 
roenigftcn^ mit Sicfter^cit l^erüor, baft i^m biefelbc too^l bcfannt mar. 5BgI. 
@crapeum 1854 S. 137. 

') „Opus de antiquitatibus." ©. ben Codex latinus 7 IG (f. oben S. 55 
9lnm. 3). ©eitcr^in O. ^af^n im Bulletino delF Instituto 1861 unb 
®. 5B. be 9ioffi in ber Nuove Memorie deir Institut© dl correspondenza 
archeolügica (Lips. 1865) p. 501 — 514 u. a. 

=*) Historia rerum memorabilium 1439 — 1460 (f. A. v. Oefele, 
Rerum Boicarum Scriptores nusquam antebac editi, Aug. Yind. 1743, 
I, 392 — 398). — Chronicon Babenbergensis usque ad a. 1497 (ungcbrucft, 



HO ^n^ed lBu4, ^toeitcS ^a^ttel. 

fic nief)r nur in ©ejug auf bie literarifc^c ©^arattcriftif i^rc^ 
Ur^eberd o(d um i^rer fclbft miHen eine Sebeutung. S^m über- 
lüiegenben Steile )inb e^ Äompitationen, bie aber, tt)ie bie an 
legter ©teile genannte, t)on beö SSerfafferd pfeife unb Öelefenljeit 
boc^ »iebcr ein rec^t günftige^ 3^"9"^^ ablegen. 5)ie t^üringifc^c 
6t)ronif ift u. a. aud^ burc^ ben Umftanb merfroürbig geworben, 
bafe ber erfte (Sntwurf berfelben, »eichen ©c^ebel an *irit^cmiud 
geliehen {)attc, tro^ tt)teberf)oIten bringenben 3)fa^nen^ nic^t 
roieber jurücfgeftellt ftjerben tonnte, fo ba§ ber i^erfaffer fid^ 
(1547) veranlagt \af), aufd neue an bie i^m offenbar lieb ge^ 
toorbene 9trbeit ju gef)en^). 9Son ftofffic^ felbftänbigem SBert 
ift o^ne 3to^iW bie für je ß^ronit üon ©t. Jlgibien; ®c^ebe( 
^at ben beiben jüngften ^ibten bedfelben nä^er geftanben. &n 
3rud)ftuc{ de Sarmatia, bad fpäter auc^ felbftfinbig gebrudt 
erfc^ien^), ift mit ber Histoiia de Europa be^ @nea ©ilüio ber 
©^ronif angehängt. 3u ©itDio üere^rte ©c^ebel überhaupt ein 
Sbeal, fc^on Don ben ^agen ^er, a(d er ald Seipjiger ©tubent 
mit feinen greunben eine ?(njaf)t ber ©c^riften beSfelben er* 
n)orben f)atte'). - — 



bie $anb|(^rift liegt in iUiündjcn). — Chronicon monasterii s. Aegidii Noii- 
bergeiisis. 1040—1504 (bei Oefele 1. c. I, 348—853). — Historia de 
illustribus principibus Bavariae —1477, ed. M. Freher, Ainberg 1602, 
tDomit $u og(. ha^ ebenfoUd aud ben (^c^ebel'fc^en *$apieren ftammenbc Cliro- 
nicoa Bavariae beve (bei Oefele l. c. I, 654 — 655). — ^ic t^üvingifc^ 
^^ronit ift Don ^axi ©cnf al§ (4.) ^cifoflc ^u foincr oc^rift: ^ic ^iit* 
ftc^ung ber )tReinl^Qrb§brunncr (^cf(^id)tdbücftcr (^atlc lö78, @. 85—715) öcr« 
öffentli(ftt toorben unb trägt bie Überfcftrift: Kxcerpta de libris historiaruni 
in celeberrimo monasterio Tburingie Reinbartzborn, ubi olim ilhistrissimi 
lantgravii Tburingie sepulturas eorum elegerunt. 

®. bie betr. burc^ 6^t. SR u I a n b üeröffentlidjte Äorrcfponbeni jioifc^en 
©c^ebcl unb Xritbemiu« im 8erapeum 16. 3öftr9ang (1855) 8. 268 ff. unb 
^ e n f Q. 0. O., VDO, toie aud) fd^on bei ^Kulanb, am 8c^luffe bie bejügHc^ bou 
@c^ebel unmittelbar ^errü^renbe ^loü^ [xdj mit abgcbrudt pnbet. 

») S3ei Pistoriu8, SS. R. Polon. p. 163. 

*) (5. oben @. 39. — (Sei un^ jum ©c^luffe obenfte^enbcr ^nbcu* 
tungen über ©d^ebcl bie 99emerfung geftattet, baB er in ber (^efammt^ett 



2)ic 91nfänflc bcr gcicljrtcn ®cfc^ic^tjd)rci6ung. 9?auclcru«. 61 

3n beni Sa^rje^nt ungefähr, boS auf bte IBoDenbung unb 
SJeröffentIldjung ber ®c^eberfcf)cn SEBcItd^ronif gefolgt ift, cntftant^ 
in ©d^toabcn, üöüig unabhängig l>on i^r, ein ä^nlic^eö SBerf, 
baö fic^ aber eineö länger bauernben 2tnfef)end erfreut \)at unb 
bem, ftofflic^ gemeffen, of)ne 3"^^if^f ^i" ^öl)erer SBert jugefprodien 
njcrben muJ5, nämlid^bic ß{)rontf beg Sö^anneS 9?aucleruÄ. 

©c^njaben — tt)ir fe^en tjierbei uon GIfaft üorber^anb ab — 
^atte an ber mitte(a(terlid^en ©efc^id^tfc^reibung feinen reblic^en 
?tnteit genommen. 3m 9. unb 10. Sa^t^unbert tt)aten fic^ bie 
Jlbteien Don ©t. ©allen unb t)on SReid^enau l)ert)or, in ben jtüei 
bid brei näc^ften fte^t eÄ tjinter feinem anbern beutf^en ©tamm» 
lanbe jurfid unb mauc^e^ übertrifft ed. 3n ber Qnt nad) bcm 
Untergange ber ©taufer Derliert bad Sanb feine ^erüorragenbe 
©teHung unb löft fic^ in eine lange 9Jeit)e üon ©ruc^teilen auf ; 
nur (angfam unb fpät gen)innt ed, aU frei(ic^ fd^tüac^en (Srfa^ 
für bad S?erIorene, eine 9lrt öon territorialen SKittelpunft ftjieber. 
Diefed ©d^idfal bed Sanbei^ mufete unt)ermeiblicl^ern)eife auf bie 
Oeftaltung ber ®efc^ic^tf(^reibung jurüdmirfcn: fie jerfplittert 
fi^ in einem ganj anbern ©rabe atö ba§ früt)er ber gall toax; 
bie t)oc^a(emannifc^en unb i^nen zugeneigten iOanbfd^aften fangen 
fogar bereit€^ an, auc^ hierin i^ren eigenen, aber nid^t ru^mlofen 
333eg ju verfolgen; gIeicl^tt)ot)I ^at ©c^ftjaben bis in bie 3^'^ 
Ä. Jriebric^ III. hinein fon)ot)l in ber erfolgreid^en ©arftcüung 
ber allgemeinen toie ber 9ieic^d* unb ©täbtegefd^ic^te eine ^öc^ft 
ad^tbare 5ßrobuftit)ität entwideft. SDiit bem (gmporfommeu unb 
ber ?ludbreitung ber Orafen t)on SBürtemberg ttjäd^ft parallel 
eine territoriale unb bt)naftifd|e ©efd^ic^tfc^reibung I)eran, bie 
junädjft in ben Stuttgarter Slnnalen unb ber fog. SBirtembergif^en 
ßftronif i^ren Äudbrud finbet^). 3"^^^^ erl)ieft aber bcr ©df)mabeu:= 

feiner (Srfc^einung unfcrer Überzeugung gcmöB/ ^x^% öc»> meift nur 
reprobujirenbcn unb fompilirenben (i^aroftcr^ feiner ^iftorifc^en ©djriften, 
immerhin eine erfc^öpfenbe, monogropl^ifctje 8e^anb(ung üerbient. 

') 8. e^r. ö. e t ä I i n , ©ürtembergif c^e ®ef(l)td)tc 3, 8 — 9. C. i? o r c n j^ 
a. 0. a 1, 4—9. 



62 <Srftcd ^u4 jtocited StopM, 

ftamm aU fold^er nod^ einen eigenen ©efd^id^tfc^reiber in ber 
^erfou beö Hinter ^ßrebigermönd^ed %^lii ^abtx, be^ be- 
tüf)mten ^ßaläftinafa^rerö unb SReifebefc^reiberö (f 1502)^). ©eine 
Historia Suevorum tt)ibmct \iä) im 2. Suc^e au^fd^Iiefelid^ ber 
&t\d)i6)k ber ©tabt Ulm unb ber benachbarten Älöfter, unb 
nur baö 1. Suc^ be^anbelt in gemanbter SBeije im Slnf^Iufe an 
bie ©efd^id^te beö 3Jeic^e-5 unb ber ^ab^burger bie ®efc^id^te 
beö ©d^mabenlanbcö. S)ie Sebeutung be^ ©mporfommen^ ber 
©rufen üon SBürtemberg iüeife er rec^t gut ju tüürbigen: im 
übrigen gef)ört er bei uielen Äenntniffen unb einer unöerfenn» 
baren ©elbftänbigfeit nod^ ber alten ©c^ule an. 

SSon bem genannten @rafcnf)aufe ging (1437) bie ©tiftung 
ber Uniüerfität Tübingen au^, bie für bie ©efd^i^te beö tuiffen- 
fc^aftlic^en Sebenö in S)eutfcl^Ianb in ben nSd^ften unb fpäteren 
Reiten ttjid^tig genug geworben ift. ÜKit ben Slnfängen biefer 
^o^en ©d^ule unb if)re^ ©rünberi^ ift ber SRame be^ 5D?anne^ 
aufö engfte üertnüpft, ber in Ijerüorragenber ©teHung an ber 
©d)eibc ber 3^^*^^ j^"^^ ©efc^id^t^mert üon allgemeiner 2;enbenj 
uevfagt l)at, beffen toir bereite gebaut l)aben, ba§ jtüeite biefer 
Sfrt, ba§ unter bem Sinfluffc ber neuen SRid^tung entftanben ift. 
93on 3ol)anneö SRaucleruö^) ift bie 9tebe. ©ein äugereg Seben 
uerläuft mefentlic^ anberd a(d bad ©d^ebeld, unb au^ feine ©e^ 
fammterfc^einung gibt ein übertüiegenb üerfd^iebeneö Silb. ©ein 
beutfd^er 9tame lautet 3. SSerge ober SSergen^anS, ben er 



*} $Ögl. Franc. Dom. Haeb erlin: DissertAtio Ilistorica sistens 
Vitam, Itinera et Scripta Fr. Felicis Fabri Monacbi Praedicatorii Con- 
ventus Ulmani ad illustrandam Historiam Patriam. Goettingae 1752. — 
iiorcuj a. a. O. l, 91. — ^ui^gabc Don ©olbaft: Rerum Suevicanim SS., 
grantiurt q. «l. 1605 iL )>ätcr. 

2) 5ö(jl. über i^n bie ©djrift bon Dr. gricbr. goac^im: 3<>l)annc« 
^Muclcrud unb feine S^ronif. ©öttingen 1874. 2)aju bie iBcfprec^ung biefer 
edjrift bon ß. "föeilanb in ber ^ift. 3citfcörift S3b. 34 (SQ^rgang 1875). 
ferner: 3). Äi3nig, jur Gucflenhritit beÄ ^iaucIcruS (in ben 3rorfd)ungen 
iur b. öicfd)i(^tc) 18, 47, unb Dr. X^. g. Sl. 5Sic^ert, 3atob bon main^ 
unb baS QJefdjidjts^rocrt bcS ÜÄatt^iaS bon Ü)ieuenburg nebft (Syfurfen jur üxitit 
beS iWaucIeruö. Älönigäberg 1881. 



S)tc 9tnfönge bcr geleierten ^^ejc^ic^tfi^TeibunQ. 9?QucIcru3. 63 

itad^ ber cinrcifeenben ©itte grftcifirt f)at: t^ ift mit SRec^t 6c» 
merft morbcn, bag biefe an ftd^ am @nbe nxdjt tDid^ttge X^atfac^e 
boc^ fc^on auf einen getüiffen Sufömmen^ang beÄ SRamen^tragerÄ 
mit bem ipumaniömuö I)intoeift, tücld^er biefe SWetgung gcrabe 
auc^ in 3)cutjcl^Ianb Ijeimifc^ gemad^t l)at. 6r flammt üon einer 
angcfe^encn gamilie; fein SSater ftanb im S)icnfte ber ©rafen 
von SBürtemberg. ©ein ©eburtdort ift jtüeifel^af t ; fein ©eburtä* 
jat)r mufe mef)r nur üermutet »erben, man fefet eö mit SBa^r* 
jc^einlid^feit in bie Sa^re 1425—1430. ®eroi§ ift, bafe er nebft 
einem ©ruber bie lird^Iid^e fiaufbaf)n eingefctilagen f)at. SBo er 
feine ©tubien gemad^t ^at, lönnen tt)ir ^ö^ftenö üermuten; 
man benft mit vieler S^a()rfcl^einlic^fett an eine trandalpintfd^e 
Uniüerfität, an Sologna, tüo er in ber Z\)at am fic^erften fid^ 
in ben gciftlid^en unb tüeltlid^en SRed^ten auSbilben fonnte. S)cn 
^umaniftifd^en ©inflüffen, bie ^ier bereite feit langer 3cit mächtig 
toaren, toirb er fid^ fo ttjenig entjogen ^aben aU fein 93ruber 
Submig, ber i^n begleitete unb fpäter mit SKarfiliu^ gicinuö im 
Jöriefme^fel ftanb*). 3m Saläre 1450 ujurbe er ^ofmeifter bed 
fpäter fo berüf)mt gctoorbenen erften iperjogö (Sber^arb) üon 
325ürtemberg, im Sa^rc 1460 ungefäf)r 5ßropft an bcr fioüegiat* 
firc^c jum ^I. fireuj in Stuttgart unb erl^ielt 1467 eine biplo^ 
matifc^c SKiffion an Äarl ben fiüf)nen, aüerbingö o^ne fie per^ 
fönlid) ju Snbe führen ju tonnen, ©inige 3at)rc fpäter ttjar 
er ^farr^err ju öradenl)eim in bcr ^errfd)aft Uradö, unb aU 
fein früherer 3ögKtig, ®raf Sber^arb, (1477) bie Uniücrfität 
2Äbingen grünbete, tourbe er tilö Sef)rer bc^ fanonifc^en SHcd^tö 
ba^in berufen, ja er ttjurbe ber erfte SRettor unb f^on baö Sa^r 
barauf Äanjier berfelben^): aber auc^ Don biefer angefel)encn unb 
cinflufereid^en ©teßung aug tourbc er tjon Sber^arb al^ SScr* 
trauen^mann öftere ju anberen ©cfd^äftcn in 2lnfprud^ genommen ; 



») e^r. ö. Stalin, ^Sürtcmb. ®efd)i(^te 3, 770. 

*) %L Soac^im a. a. O. ©.5 — 6 unb ncbft ben bort angeführten 
©Triften no(^ Dr. St, ^lüpfel, @)e[c^t(^te unb ^efc^retbung ber Untüerfitöt 
Tübingen (Tübingen 1849) @. 42. 



G4 drftcd ^uc^, jroeitce i^opitel. 

im 3al|rc 1482 i)at er bcn ®rafen iiQc^ SRom, 1495 jum SRcic^«^ 
tag nad) ÜÄainj bcgfcltct. ^laä) (gbcr^arbö %o\> (1496) fc^cint 
fic^ 9?QUcIcruÄ mcf)r auf eine ftiQere ^^^ätigfeit nnb feine ge^ 
leierten Arbeiten bcjc^ränft ju I)aben: im Satire 1510 ift er, 
^ocI)bejal)rt, geftorben. 

S)ic jrf)riftftenerifrf)e ^robuftion befi^ Stauclerud l^at ben 
Streik ber ©efd^ic^tfc^reibung faft nid^t überfd)ritten ; nur ein 
paar junfttfcl)e 9lbt)QnbIungen ^aben fi^ t)on if)m erf)alten, 
werben aber nid^t tüeiter gerühmt*), ©eine S^ronif ift e^, bie 
feinen ÜWamen bcn fpäteren ©efd^Iec^tern überliefert nnb t^m 
Jlncrfennung eingetragen I|at. S^re (£ntftel)ung tt)irb ttjo^l nic^t 
mit Unredjt in bie le^te Qcit jeine§ Sebenö üerfefet; veröffentlicht 
marb fie erft fed^ö Sa^re nad^ feinem Xobe (1516), nnb bie 
Soften bei^ S)rudfeö ^aben brei 5^übinger SBürger getragen, ä()nlid^ 
lüie bie ^erau^gabe ber ©dieberfc^en Sljronif bnrc^ bie Siberalitfit 
einiger tüol^Iljabenben ®önner möglich gemad)t toorben toar^). S)er 
erften ^udgabe ift jur @mpfef)(ung ein ^ormort SReud^Iind nnb- 
ein anerfennenbeS ©direiben beö Sraömn«^ üon 9t otterb am 
an ben 35rndfer nnb SSerleger MnSftelm in 5;übingen beigegeben: 
ed trat a(fo, möd^te man jagen, mit bem @egen i^toeier ^uma« 
niftifd^en 5üt)rer in bie SBelt. 9(ber no^ mel)r alö bicfe^: ber 
9?effe SRend^Iinö, ber bamal^ nod) fe()r jugenblic^e, aber frfll)* 
reife 3)ZcIantI)on I)at bie Sl)ronit üor bem S)rudfe bnrc^gefet)en 
unb il^r üerfd^iebene SSerbefferungcn im ©tile unb, toie eÄ fd^eint, 
and^ im Sejte felbft ju Sieil »erben laffen unb jugleid^ einige (£r» 
gän jungen l)injugeffigt^). 3laä) allebem beftel|t fein S^^'M» i>ö& 
man in biefen Greifen bad in S^age ftelienbe SJBerf afö eine nic^t 

») ^gl. 3oad)im q. q. C. ©jfurS 11 ®. 69 mit «nm. 1. 

'^) ^tcfc editio princeps f ii§rt bcn Xitel : Memorabiliuin omnis aetatis 
et omuiuin gentium Chronici commentarii a Joanne Nauclero J. U. Doc- 
tore. Tiibin^. Praeposito et Univerbitatis Cancellario digesti in aunum 
salutis MI). Adjecta Germanorum rebus bistoria de Suevorum ortu, 
institutis ac iniperio. Complevit opus J. Nicolaus liasellius Hirsaugiensis- 
annis XIIII ad MI) additis. 

®) ^^gl. ber Äürje »cgcn So ad) im a. q. O. 8. 21. 22. 



^ie 9[nffinge ber gelehrten (Scfc^ic^tfc^reibunQ. ^^auderud. 65 

gemö^nlic^e Arbeit betrachtet ^at. Wir aber tpoQeit ei^ Derfuc^en, 
in aOer ^rje bte %xt unb Sebeutung bei^ SSerfed ju befttmmeit. 
@d tft eine allgemeine (Sefc^ic^te, n^ie bie &)xonit ©d^ebetö 
bad aud^ fein toill unb fo Diele vorhergegangene SSerfuc^e ed 
ebenfalls roaren unb fein tooUttn, juglet^ ebenfaUd eine ftompi« 
lation, aber, toie toir felien toerben, befferer unb felbftanbiger 
2(rt. ®ne Öenu^ung irgenb ttjelc^er ärt öon ©c^ebel ift nid^t 
n^a^rjune^men, obtDo^t beffen 9ßer{ 3a^re t)orf)er erfc^ienen loar, 
e^e Sßauderud ba$ feintge abfd^Iog. S)ie ^orm ift bei biefem 
gleic^faQd bie f^nc^roniftifc^e, aber nid^t nad^ ben fed^d SEße(taItem 
jc^ted^t^in, fonbem nac^ ,, Generationen'', bie fic^ mit jenen jule^t 
bod^ mieber berfen. SBo ber 9täm6erger unb 2:äbinger S^ronift 
fic^ begegnen, ift eine gemeinfame ClueUe anjunel^men. Kein 
3töeifel beftelit, SRauder be^errfc^t ein öiel reic^erei^ Sßaterial 
ald ©c^ebel unb mad^t ftc^ nic^t in bem gleichen 3Sla^t Don 
einigen toenigen iBorgängern abpngig. 3n ben c^ronotogifd^en 
f^ragen unb SBeftimmungen ift Stander nac^ Säften forgfältig unb 
genau/ bagegen bad et^nograp^ifd^e unb geograp^ifc^e äßoment, 
bad ©c^ebel mit fo audgefproc^ener S^orliebe nac^ bem SSorbilbe 
t)on @nea ©iIt)io berüdfic^tigt, bleibt bei i^m DoQft&nbig untere 
georbnet, loenn i^n nid^t ettoa fein fd^n^ibifc^er Patriotismus 
begeiftert. 3)ie Summa historialis beS Srjbifd^ofS SlntoninuS 
Don t^Iorenj ift Dor anberem für baS Slltertum unb bas bittet 
alter benu^t; baneben baS Supplementum bed 3afob t)on ^^er» 
gamo, fflr bie fränfifc^-franjöfifd^e ©efd^td^te baS befannte j^om« 
penbium beS ©agouin u. f. f. ^ei(ic^ ^at fic^ 9tauderuS, einer 
ber erften in S)eutfc^Ianb , t)on bem Betrüger SlnniuS t)on 
3.^iterbo grünbltd^ irrefflt)ren laffen ; anbere jmeifel^afte unb nichtige 
?(utoren, bie er noc^ anfäf)rt, ^at er mo^I nur mittelbar über^ 
nommen. 3n biefer Siid^tung ift ber fritifc^e ©c^arfbticf aDerbing« 
nic^t feine ftarfe ©eite; obmo^l er fonft in einjelnen ^äQen fi(^ 
ffeptifc^ Der^ält, fann er gelegentlid^, n^ie g. @. bei ber et^mo* 
logifc^en S)eutung bed Stamend ber ©c^toeijer, red^t naiD fein. X)er 
materieQe Sßert feiner S^ronif liegt faft audfc^tiejsHc^ im 5tt)eiten 

0. SBcgcIc, M^i^tc itx btutf^cn ^floripgropbie. 5 



66 Srfted Suc^, ameitcd ^ot^iteL 

%txk, ber übertoicgcnb ba^ SKittcfatter bel^anbclt. SBir ^abcn 
babei nid^t bie Strt unb 3Seifc im Stugc, mit njcld^er er ^crfoncn 
unb SJorgänge beurteilt, hierin tft er überall fonferöattö toie 
©c^ebel, ja bei ber ©rjätjlung beÄ Streitet jtoifd^en Äaifer 
§einric^ IV. unb ^ßapft ©regor VII. ftc^t er unbebingt auf ber 
(Seite be^ le^teren ; S)ante*ö ©d)rift de Monarchia erhält wegen 
t^rer ftreng faiferlid^en 2^enbenj eine 9tüge, obtoo]^( er fie fieser 
nur t)on jttjeiter ^^anb I)er fannte; für ben Äleruä aud^ feiner 
3eit f|at er nur Stnerfennung, toö^renb er fonft feincdttjegS aHcd 
loben^toert finbet. SSergteic^ungöttjeife billiger urteilt er über bie 
©taufer, aber weniger an^ beutjc^em SRationalgefül^I, ald toeiC 
e^ baö fc^toäbifd^e ftaifergefd^Ied^t ift, um ipeld^eS eä fi(^ 
f)anbe(t. S)a6 fid) bog §auö ber ®rafen Don SBirtcmberg feiner 
bejonberen ©^mpat^ie unb JRücffic^tna^me erfreut, läfet fic^ nid^t 
anberg ertuarten; üor allem aber ift e^ ^erjog ©bcr^arb, beffen 
öilb er unö mit ßiebe unb im tüefentlid^en auc^ treffenb enttoirft. 
Sn folc^en SKitteilungen liegt überfiaupt ein tt)efenttid)er SBorgug 
jeincö SSerfeö. 2(ber, ttjic angebeutet, njaö biefem einen befon* 
boren SBert üerleitjt, ift, bafe Siaucleruö bei ber S)arfteIIung be^ 
aJttttefalterö fpej^iell für bie ^^erbeifd^affung beö Stoffe^ mit ' 
jeltener, biöl^er faft ungett)of)nter Sorgfalt ju SBerfe ging. 2)aburd^ 
unterfc^eibet er fic^ ju feinem 33orteiIe üon ©cfiebel. S)iefer ift 
of)ne 3^cif^I i^ beträd^tlid^ ^öfierem ®rabe ftumaniftifdj gebitbet, 
er ift ganj ^umanift unb aurf) {eine 6f)ronif jeic^net fid) gerabe 
oon biefer Seite f)er unöertennbar tt)ol^It^uenb au^: bagegen ift 
9?aucter öiet mefir ber üRann ber ©ele^rfamfeit unb unmittd^ 
barer SBiffenfd^aft unb gorfdjung, jie^t eine 9ieil)e üon Urhinben 
f)eran unb fennt unb benu^t eine Slnja^I üon Duellenfd^riften, 
bie big je^t noc^ üon feinem feiner 3?orgänger auf biefem Gebiete * 
benutjt ttjorben waren unb bie ein 9)Zann ber alten ©d)ule fd^ttjerlid^ 
p finben gewußt ober ju finbcn fic^ angeftrengt f)aben würbe*), 
©erabc in neuerer 3^^* ift biefeö fein ()erüorragenbeö SSerbicnft 

») "S^ag Urteil, ba§ ber 9higÄbur(icr S^om^crr S3ernl}nrb 9lbclmann 
öon5(bcImannSfclbcn über bie 9iauclcri|cl)c (J^ronif in einem Schreiben an 



^ic Slnfdngc bcr flclcl)rten ®efdji(i)ti(^rcibung. 2^rit^ctniuS. 67 

mit SRa^brucf betont unb beleud^tct toorben. S)ic betreffenben 
Unterfuc^ungen Don Soac^im, fiönig, SBeilanb unb SBid^ert l)aben 
XDXx bereite angefütirt. (£ö ift je^t aud) audgemad^t, bafe 2^ritf)emiuä 
n)o^I ben 3tanikxn^, aber nid^t biefer jenen au^gefc^rieben ^at. 
j£)intoteberum ift eö banf feinem gorfd^erfleifee möglich geworben, 
eine nun uerjc^oQene unb verlorene ältere mic^tige (S^^ronif, nämlic^ 
be^ 3afob pon äRainj, fieser ju [teilen unb ben SSerfuc^ ber 
9fletonftruftion berfelben ju macfien. (Jine anbere ^rage toieber ift 
bie Slrt, tpie 9tQucIer feine Cuellen benu^t unb angemenbet l^at. 
a^ ift bic^ jene feiner ©igentümtic^feiten , fraft weld^er er oft 
eingaben öetfc^icbenen Urfprungd unb ücrfd^iebencn SSerteö mit 
einer nic^t ju leugnenben SSSillfür }u bereinigen fudjt unb Der^ 
binbet unb fo feinen fpäteren JBeurteilern oft rcdjt fauere 2(rbeit 
t)erurfad^t ^at. Slber biefe unb anbere ©c^roäc^en feineö SSerte^, 
bic man iljm fc^on nad^getoiefen ^at, vermögen bie bleibenbe Söe* 
beutung beöfetben nid)t aufju^eben, bie barin liegt, büß fie in 
. ber JJorm fic^ toenig über ba^ ^erfömmlic^e erf)ebt, in ber <S>a6)c 
aber jtoar als eine Kompilation, aber a(d eine Kompilation oer- 
ebelter 8lrt beurteilt »erben mufe, bic toenigftcnd für einen 2:eil 
itireS Umfangd ben ©toff üerme^rt unb nac^ einem unüerfenn* 
baren ©^fteme nac^ neuen Cuellen gefuc^t ^at. ®a^er ber 
ungen)ö^nlicf)e Srfolg, ber in neun 5luftagen unb in mel^reren 
gorfegungen feinen DoUgiltigen SluÄbrud gefunben l^at^). — 

3n bie I)ier beljanbelte ©ruppe üon ^iftorifern rei^t fid) 
ganj üon felbft So^anneö Jrit^emiuö ein. Wit bem Leiter 
oben gefd^ilberten ipeibelberger ®ele^rtenfreife fte^t er in engfter 
SSerbinbung, ju ©d^ebel in nal)er literarifd^er Sesie^ung unb ju 



^irf§cimcr Dorn 7. ?luguft 1516 (bei §cumann, documenta literaria p. 145) 
gefällt f)at (Nauclerus, ut scribis, multa coacervavit, ac ea, quae inprimis 
ab eo ezspectabantur^ penitus omisit, forsitan, quia nullos habuit, ex quibus 
ea in suam historiam trausportaret) , tottb auf bic ^ürftigtcit an bittet- 
lungcn mic 5. SB. über beii Dteicftötag öon 1495 ju bejiel^eu fein. 

») "man jä^It öon 1516 biö 1675 neun Sluflagcn bcr Gbronif ; im Saläre 
1534 crfcf)ien ein Epitome bcrfclbcn bur(ft SiiicoIauS öon 9lmdborf; auf 
bic l^ortfc^ungen fontnten mir gelegentlich jurücf. 



5* 



68 (Srfted »u^ iwtitti H^o^tel. 

Siaucicrö eben befprod^enem ©efc^ic^t^ioerfe in einem äugen* 
fälligen äb^öngigfeitöüerl^ältniffe^); überbied ^ot er mit aQen 
breien baö ©ne gemeinfam, bafe er, unb 5toar in ^o^em ®rabc, 
ber neuen, ber l^umaniftifd^en SRic^tung angehört, aber im übrigen, 
unb bieÄ in befonberi^ au^gefprod^ener SBeife, ber überlieferten 
Kreislichen S)enftoeife ^ulbigt. ©eine ©teDung in ber ®e\(i)idite 
ber ^iftoriograp^ie aQerbingS beruht nic^t auf einer ^erDor» 
ragenben Seiftung allein, unb ed ift nic^t ein unitoerfalgefd^ic^t* 
lic^eS SSerf im tec^nifc^en ©inne bed SSorted, bad er ^erDorgebrac^t 
^at: tt)ie er überl)aupt ein l^öd^ft fruchtbarer ©c^riftfteDer poli)* 
()iftorif^en &f)arafterd n^ar, ^aben xoxx au^ eine 9ieif)e Don ^ifto« 
rifd^en ©c^riften tjon ü)m, bie fid^ noc^ baju auf Derfc^iebenen 
©ebieten belegen unb bie erft aQe jufammen i^m feine bcfonbere 
bejüglid^e SBebeutung t)er(eilSen. Unb enblic^ finb ei^ nid^t bfog 
feine SSorjüge, fonbern ebenfo ober noc^ öiet me^r feine ©d^toSc^en, 
bie i^m, namentlich lieber in neuerer Qeii, bie allgemeine Auf« 
merffamfeit ber gefeierten ^eife jugen^enbet I)aben. %ui^ aQem. 
biefem erfie^t man bereite, bafe toir e« in biefem g^He mit einer 
immer()in ungen^ö^nlic^en @rfc^einung ju tl^un ^aben, bie ftc^ 
aber üon aBiberfprfid^en nid^t frei erlialten ^at unb ber, mit ^Jem* 
t)a(tung oQer SSorurteile, gerecht ober nic{)t ungerecht ju n^erben 
feine leidste ©od^e ift. 

©d^on ber fieben^gang beö Srit^emiu^ toar in ber 3^at 
ein nid^t getoöl|n(ic^er ^). STuf feinen erften 15 ober 18 Sauren 

®. obtn 6. 67. 3)a c«, nninn un8 nicf)t nllc8 taufest, für unjipcifd^ft 
gelten mu6r bci^ ^rit^ntiud bie S^ronit bed 9?aucIeTud gefannt unb bcnu^t 
^at, 9?auclcruS aber 1510 geflorben, feine S^ronif 1516 öeröffentlid^t njorbcn 
ift, Xrit^emiuS feine Annales Hirsaugienses, bie l^ierbei in ^xa^t fontmen, 
1514 obgefc^Ioffen f^at, fo ergibt fic^, bag i^m bad ®erf bed 9?oucIer no(^ in 
ber ^anbft^rift befannt geworben fein ntug; für perfön(id)e Oejiel^ungen 
jiüifc^cn bctben ?Iutorcn, Mc an ficfi ja xedii gut benfbar wären, finb nnfcre» 
©iffcnö bis jejt feine 3f«flniffc bctgebro(^t morbcn. Xrit^iuÄ ^at allein 
SScmtuten nacf) bie ^ronif 9?aucler« nix^ gcbrucft üor fic6 gcfel^n, bcnn er 
ift erft im^Jejember 1516 geftorben; jcboc^ biefe ^Wöglit^fcit ober ®aW4ein* 
Iid)feit öermag an ber in SRcbe fte^enbcn ^auptfroge ni(^t« ju änbcm. 

«) GS ift nic^t unfere Slbpc^t Don ber jo^Ireic^en Siteratur über 3:rtt^. 
I)icr mcjr alS ba« 9?ötigfte anjufüjrcft. 3"nä4f* «f* S^ ügL Dr. ©über* 



S)ic Anfänge bcr gelehrten (S^efc^ic^tfc^reibung. 2:nt^emiud. 69 

xuf)t ein ©d^rcicr, tüclc^cn grünbli^ ju lüften er unterlaffen I)at. 
3)ie Slnbeutungen ober ÜKitteitungcn , bie er und barüber gibt, 
tjermögen unfere SReugier nic^t rcc^t ju befrtebigen, ober tragen 
ein JU flud^tigeÄ, teilmcife Icgcnben^afteÄ ©cprfige. ©eboren roor 
^r am 1. gebruar 1462 ju 2;rittenl|eini , einem S)orfe an ber 
ÜWofeC unterl)alb 2:rier, üon nic^t unbemittelten ©Itern. ©ein 
5ami(ienname toar urfprflnglic^ „öon ^eibenberge", er I|at fic^ 
ober nad^ ber ®iite ber Iiumaniftifc^en äbepten fpftter na^ feinem 
©cburtdortc einen neuen, bleibenben gebilbet. ©eine finabenjcit 
toar nac^ feiner eigenen @r}ö^lung eine anwerft gebrüdte: nur 
mit ber äufeerftcn Änftrengung f^ai er bie ©c^roierigfeiten über* 
tounben, bie ein rauher ©tiefDater feinem unüberroinMic^en 2)range 
naiS) Erwerbung ber elementarften Äenntniffe unb toeiterl|in ber 
latcinifc^en ©prac^e entgegenfefeen njoHte. Snbli^, in feinem 
17. ßebendja^re ungefähr, fprengte er bie Äetten, bie it)n am 
löoben gefeffett galten tooQten, unb flüchtete juerft nac^ 2;rier 
unb bann nad^ ^eibelberg, too, tt)ic wir und erinnern, um biefe 
^tit ein rege« tpiffenfc^aftlid^ei^ Seben aufgeblüf)t »ar. 3n biefen 
3a{)ren liefe er fid^, Don fettenem SBiffendburft getrieben, in ber 
flriec^ifc^en unb ^cbräifc^en ©prac^e unterrichten*), unb I|at fid§ 
jogar no6) üiet fpäter in beiben burc^ 9teucf|lin noc^ grflnb* 



nogpl, Qo^annrö ^rit^cmiuÄ. @inc ^JKonograp^ic. fianb^^ut 1868. — 
Sc^on im Sa^rc 1863 ^attc Dr. ^rmami 3ÄüIIcr in ^Prcnjlau, bcr fic^ 
mit Zxitf^. me^rfac^ bcfc^öftigt f^at, feine 9(6^anb(ung: „De Trithemii Abbatis 
vita et ingenio** (Halls Sax.) erjc^einen laffen. ^or allem aber auc^ wichtig 
fmb, nebft ben Dcrfd^iebenen Schriften bed Xrit^emiud, bie jmei )6ü(^er ber Epp. 
familiäres, totid^ er im Sa^re 1507 felbft gefammelt ^at. (Sin ^erj^eidiniS 
fämmtli^er ©c^riften unb ber 9(udgaben ftnbct fid^ u. a. bei Silbernage I 
a, a. O. @. 235. 

^) 3n bie griec^ifc^e Sprache fott Xrit^. feinen eigenen Angaben nac^ 
juerft Don St. C^elted eingcmei^t morben fein. @d märe nur genauer ju 
beftimmen, mann unb wo? (Seited fam iiim erften äRale für länger im Sa^re 
1484 na4 ^belberg, bad Srit^. aber fc^on 1482 berlaffen ^atte. Über feinen 
löilbunfldgong unb feine ©tubicn berichtet er fpejiett in feinem im 3a]^rc 1507 
gef^riebenen Nepiachos (cf. Eccard, Oorpus hist. medii aevi T. II No. XIII). 
SCu^bem JU ))gL fein Chronicon Spouheimense an mehreren ©teilen. 



70 erftcg Söuc^, ättjcitcg StapM, 

lieber auÄbilben laffen. gut jcben gaU jcid^netc fid^ ^^ritl^cmiu^ 
gerabe burd^ bicfe, bamald no^ fcitencn fficnntniffc öor tiefen, 
fonft angefe^enen ©elel^rten t)ortciIf)aft au«. @r toar auf bem 
beften SBege, ein rechter ®elel^rter ber neuen @^ule ju iperben. 
3)a trat, im Satire 1484, bie entfc^eibenbe SBenbung für feine 
3ufunft ein: fein ©d^idfal führte il|n in ba« in ber JRä^e Don 
Äreu^nac^ gelegene Söenebiftinerflofter © )) o n ^ e i m , ipeld^e«, tote 
bie nieiften mittelalterlichen STnftalten biefer ?lrt, bem fittlit^en 
tt)ie toirtfd^aftlic^en SSerfaße nicl)t entgangen njar. Sben 20 3aF)re 
alt, trat er junäd^ft al§ Sioöije in baSfcIbe ein unb gab fid^ 
bem ertt)äl^Iten ©tanbe mit bem ganjen geuer unb ©c^tounge 
eineö jugenblid^en unb alinungSöoDen ©emüted ^in. SBenn nun 
flierin immerhin nid^t« STufeerorbentlid^e« gefunben toerben fann, 
fo jeugt ei^ um fo getüiffer für ba« Smponirenbe feiner 5ßerfön* 
lic^teit tt)ie für ben anomalen 3"f*önb bc« Älofter«, bafe er fd^on 
14 SUJonate nac^ feinem ©intritt jum Äbte be^felben ertoä^It 
njurbe. 2Ba§ 5^ritt)emiui^ in biefer ©teQung mit rü^mlid^er 
2Büf)enjaItung für bie fittlic^e unb tüirtfd^aftlic^e SBieberJ^erfteÜunft 
ber if)m anvertrauten Slnftalt angeftrebt unb geleiftet, lann ^ier 
nic^t tüeiter Verfolgt toerben ; toir für unfere QxDtdt ^aben nur 
baS ,^u berül^ren, ttjaö jur S^arafterifirung feiner geiftigen unb 
titerarifc^en Arbeit in biefer Qcit bienen fann, um fo eine mög^^ 
lic^ft fidlere ©runblage jur Beurteilung feiner Ijiftoriograp^ifd^en ' 
Arbeiten ju gewinnen. S)enn in ber %f)ai i^ai er niemals auf* 
gef)ört, fic^ jugleic^ af« ©ele^rter unb balb au^ al« ©c^rift* 
fteHer ju fül)Ien. ®« ift befannt, mit toeld^em unermübli^en 
©ifer er an aßen Snben unb Crten fammelte unb erwarb, um 
bie verarmte ©ibliot^ef beS Slofter« in ©ürf)ern unb §anbfd^riften 
in ben verfc^iebenften SBiffendjtoeigen auf eine §5^e ju bringen, 
loeld^e bie Seujunberung ber 3eitgcnoffen ertoedEte unb erftaunenbe 
öefudie von SRamen erften SRanged, loie Ä. Seite« unb Äleyanber 
§egiu«, batiin füf)rte. S)ie Anfänge ber fc^riftfteßerifd^en 5^ätig* 
feit be« Srit^emiuö, bie im SSerlaufe ber 3eit einen aufeerorbent^* 
liefen Umfang annaf)m, finb erbaulicher, liturgifd^er unb, foweit 



3)ic 9(nfängc bcr öcle^rtcn ®cf(^i^tf(^reibuitg. 2:rit^emiug. 71 

fic fid^ auf bic §cbmtg bci^ ÜÄÖn^dlebcn^ . in erftcr Sinte bc8 
ÄIoftcrÄ ©ponl^cim felbft begießen, reformatorifd^er SRatur: bic 
Erneuerung feinet DrbcnÄ auf ®runb ber SBuröfelber SRefor* 
mation lag i^m in ber 3]^at mcf)r ate aüe^ anbere am §er jen, 
unb er l^at bafür bie öoHe ©pannfraft unb Släl^rigfcit feined 
©eifte^ eingefefet. 3Bir »erben und an biefen Umftanb ju er» 
Innern ^aben. ®aran reiben fic^ bie brei Itterörgefd^id^tlid^en 
SBerfe, beren ?tui^fu^rung nod^ in bie ©pon^eimer Spod^e i^rc« 
Urheber« fäQt. 3""^®^^^'^ bafür, toad aQeö biefen SWann ju 
gleicher Qzit bef^äftigen fonnte unb tt)ie fruchtbar feine 5ß^antofie 
roax, ertt)äf)nen toir fdne ^©teganograp^ic", eine 3lrt üon Oe^eim^ 
fc^rift, bie gleichfalls in biefen Sauren entftanben ift unb if|n in 
ben nic^t ungefä^rlid^en ®eruc^ ber 3öuberei brad^te, fo bafe 
er e8 öorjog, bic ©^rift unDoQenbet ju laffen: fie ift fpäter 
(1609) toirHic^ auf ben Snbej gefegt toorben. STber auä) fc^on 
gefc^ic^ttic^e SBJerfe im engeren ©tnne befc^äftigten i^n jefet: fo 
bie ©^ronif feineö 58fofterS, eine S^ronif ber ^erjöge t)on Saiern 
unb ^faljgrafen bei SRIiein, bie aud feinen fortgefegten engen 
©ejie^ungen jum ^eibelberger §ofe Iieröorging , unb enblid^ bie 
ß^ronil beS Älofterg ^irfau. 5;ritl|emiud »ar in biefer 3eit 
bereits ein ^d^6eräf)mter unb gefud^tet 3)7ann. 3li(f)t blog 
feine gelehrten 3^'*ß^"offen , fonbern üerfd^iebene gö^f*^"' i^ 
Äaifer SBajimilian I. felbft f)abcn i^m i^re STufmerffamfeit unb 
©^mpatl^ic jugetoenbet. fi^rfürft Soac^im I. Don Söranbenburg, 
ber i^n beiounberte, ^ätte if)n am liebften ganj für fic^ getoonnen, 
unb 3;rit^emiuS folgte toenigftenS im 2luguft 1505 feiner @in* 
labung nac^ Söerlin^). 3lber toä^renb feiner 3tbnjefenf)eit brac^ 
in feinem Älofter ber ©türm einer Oppofition gegen i^n loS, 
ber fic^ fc^on längft angeffinbigt f)atte unb beffen auSgefprocf)cner 
Qmd fein anberer als bie SBefcitigung beS üerf)a6ten 3lbteS war. 
S)ie ®rünbe biefer Oppofition toaren gemifc^ter Siatur, jum guten 
5ii(e tlbneigung gegen feine reformirenben ^enbenjcn gerictitet. 

M «gL & ^ÄüUcr, baS 35er^ä(tni§ bc8 Slbteä 3:rit§cmiuÄ ju bcm 
Äurfürftcn 3oa(^im öon Söranbcnbiirg. ^rcn^Iau 1873. 



72 C^'ted eu4, aiDfitcd HoiiiteL 

Srit^müid, ber aud Zrtue gegen fernen Senif bem SEBunK^ bed 
fiurfurften, er möge bouentb feinen So^nft^ in feiner 9läffe nehmen, 
nriberftanben ^atte, febrte Snbe äRoi lö06 noc^ bem SRüteU 
r^in jurucf, fagte aber bann, oU er ftc^ Don ber Sage ber 
S^inge unb bem treiben feiner (Segner in unb ongtr^lb bee 
Slofterd uberjeugt f)am, ben Sntfc^Iug, auf feine 9(btdttmrbe ju 
Der}tc^ten unb ber Stätte ber Unbanfbaren für immer ben 9iü(fen 
)u n)enben. So nxir er für ben Slugenblicf ^maüod^). @(ei(^« 
n)0^1 XDit^ er bie Snerbietnngen bed ^öljer fturfürften, ja bed 
St, 3Ka^miIian^ felbft, i^n je an i^rem ^ofe mit offenen %rmen 
aufzunehmen, aU für ibn ungeeignet bantenb jurficf unb entfc^id) 
ftc^ für bie 9(nna^me ber 9btd»urbe be^ Sc^ottenHofterd ju 93ir j< 
bürg, bie i^m ber ^ürftbifc^of Sorenj oon Sibra, ein greirab ber 
SStffenfc^aften, ald erfo^ antragen lieg. 9(m 3. Cftober 1506 
traf Srit^iuS in SSürjburg ein, unb hiermit beginnt ber le^te, 
fricblic^fte unb, mad feine intereffontere Uterarifc^ ^H^tigfeit an« 
langt, fruc^tbarfte ^(bfc^nitt feinet fiebend. ^e "Übtei nnir in 
i^rem ^'tonbe unb ^l^tum tt>efentli(^ jurudgetommen : ?ri^ 
tbemiud untertieB jnxir nic^td, nxid i^r etma auf^fen fonnte, 
aber oon mefentlic6en Erfolgen fonnte nic^t gefpro(^ loerbcn. 
Um fo größere ^friebigung fanb er in feinen fc^riftfteQerifc^ 
arbeiten, in bem »tffenfc^aftlic^ ^IMe^r mit ben ongefe^ften 
@cle^rtcn Xeutfc^lanbd, in ber Snerfennung, bie ibm unennoegt 
oon oUen Seiten in reic^lic^ SKage gefpenbet routb^. ft. SRo; 
lub i^n im Sa^re läOd ju ftd) nac^ $)opparD an fein ^of(ager 



V (TlKiTattenitifcb in hickx ^^iebung nnb bie '^uBmmgcii, bie er in 
biffa 3«t, im Sa^rt 1506, in räim ^örifft an ^ti. ^xtdn über $id» Mbft 
gemacht bat: Ego sum ille Tritbemius^ abbas quondam SponheimeiisiSr 
quem docti simal et indocd Unquam oracalom ApoUinis obserrabant, 
qai omni ore Undatos. Borsfeldianae coDgregaciouis Tidebar caput atque 
Tolnmen. Magniim me aliqaid existimabaDt Refres et Principes« Eccksia- 
mmqae praesoles: ad famam nominis oostri coocitati, me Tidere, me 
alloqiii. ac suis interesse cupiebant archanis. Xomeu Sponheimensis 
abbatis per omniom ora cum lande Tolabat (o^L Opp. bist. Tritlieimi, 
ed. Freheri, IL 512.. 



^c Anfänge ber gelehrten ^fc^ic^tfc^rdbung. Srit^emiud. 73 

<m unb legte i^m bort u. a. bte befannten aä)t ^agen t)or, 
»eld^c fotool)! für ben 2)Zann, ber fie ftellte, ate für bie ?lrt, 
in ber fie bcantroortet luurben, fo I|öc^ft bejeic^nenb erf c^cinen ^). 
Srit^emtitd ^ätte, um ^ter baoon 5U reben, ber ^umamftif^en 
3)enhoeifc femer fielen muffen aü eÄ ber gall war, tüenn er für 
t^n ftaifer nic^t n^arm em|)funben unb bte ©ac^e bei^ Steid^ed unb 
ber Station i^m nic^t am ipergen gelegen l)ätte. ?tber bie tfieo- 
iogif^en aJiotiDe übertoiegen nid^t blofe in i^m, fonbern er ift, 
unb gerabe gegenüber t)iftorif^en Vorgängen, jugleid^ niemaU 
einen Slugenbtirf unfc^tüffig, auf bie ©eite ber §ierar^ie, bej. 
hex $äpfte ju treten unb überaU fein eigened Urteil ber fird]« 
liefen Autorität ju unterwerfen. JBetreffenb feine ©ejietjungen 
ju ßaifer SDta; unb aber aud^ jur Beurteilung feiner gefammten 
Oeiftedart ift tnöbcfonberc eine ber crften ©d^riften, bie er in 
IBJirjburg aufarbeitete unb bcm Äaifer bebijirte, wid^tig, nämlic^ 
feine m^ftifd^e S^ronologie «De septem intelligentiis libellus**, 
in weld^em bie ficben ?ßlanetengeifter, Weldje nac^ ®otted 81norb* 
xiung bie SBelt regieren foHen, abgel^anbelt werben. S)iefeÄ SBuc^ 
iejeugt boc^ in geller 2)eutlid)feit, wie gern fic^ i^r 5iJerfaffer in 
iunfle ©ebiete Dcrior unb fi^ barin mit JBe^agen oerjentte, unb 
fceweift jufammen mit feinem „Antipalus maleficiorum", ber 
fic^ üollftänbig auf bem ©tanbpunhe bed „§ejen^ammerö" be- 
legt, wie unermübti^ feine ?ßf)antafie arbeitete unb wie leidjt 
€d i^m, wie fo Dielen feiner 3^ttgenoffen, würbe, fid) aüeö eigenen 
JDenfeniJ ju begeben. 8Son ^iftortf^en ©c^riftcn l)at 2:rit^emiuö 
in biefer legten @po(^e feinet Sebend bte fc^on früher begonnene 
^©ponl^eimer S^ronif" üoüenbet unb finb , um bie weniger 
f>ebeutenben ^ier 5U übergef)en, bie wid)tigften üon aQen bie 
^^irfauer ännalen" unb bie beiben Äompenbien über ben 
^Urfprung ber grauten" entftanben. Unb fc^on wieber war er 



^) fBtr unterlafjen bei biefer Q^clegen^eit nic^t, bie tlb^anblung Don 
^oj aRarcufe (^qüc 1874) „Ühtt ben ?lbt 3o!jannc8 Xrit^emiuS" ju er* 
tuä^nen. @ic be^anbelt fpejicU auc^ bie tirc^Iic^en ^Infc^auungen bed Xritl^emiud. 



74 ©rftcd ^ud), aweites ftopitcL 

mit anbeten "Ißlanen befc^äf tigt, aU bcr %ob bajmifc^en trat, 
©T ftarb am 13. SJejember 1516^). 

SSir traben und bei ber Sebendgefc^tc^te bed ^rit^emiu^ 
Idnger DenDeilt, aU mancher Sefer biQigen XDixh, totnn er nur 
unfere bereit» angebeutete eingefc^ränfte Sfnerfenming bcr SBe* 
beutung bedfelben afö ^iftorifcber Sc^riftfteüer jum SRafiftabe 
nimmt; ober mir ^aben unfere Slbfic^t bei biefer 9(uSfü^rüci^feit 
bereit« angebeutet : e§ galt, auf biefem 23ege eine (Snmblage für 
bie 5Utreffenbe Beurteilung be« ©efc^ic^tfc^reiberd unb für ba^ 
9?erftänbni« feiner -— SSerirrungen ju erjicien*). 

3;ritf>emtud ffat in ber SSorrebe ju ben J»irfouer 9nnalen 
feine ^^orie pon ber Aufgabe unb bem 3Sefen ber ©efc^id^t^ 
fc^rcibung niebergelegt. S^ie ©efc^ic^te ift if)m eine QSenm^rerfat 
emigcn Sfngebenfend , bie atletn ben 9{u^m audgejeic^neter 



>) ?3l. Qudi ©ropp, ColL Doviss. I, 21S sqq. «nb Ä SieUnb^ 
ba^ BdtotttntisnttT ju 3t 3atob in ^rjburg t13b. 16 bed VrcfiiDd be« ^ 
tkitinS für Untenranten u. SlitbaffenbitTg 2. u, 3. ^h, S. 15 u. 124. 125). — 
Über fein Seben im Sir^b. 3cbottonfloitcr ^t Irit^. am 6. S^oo. 1506 ait 
ben Äurfütiten gricbricb Don Sadpcn (£pp. famil. p. 20S) grf (blieben: ^Nunc 
Tero tandem opoituna muUtione qaietem assecatas , Spooheimensem 
abbatiam resignaTi et eam, in qna dodc paoper tito ex more philo- 
sopbus s, Jacobi Herbip olensem assnmpsi. et meis aptam stodiis et 
quietudinis opimonitate magis tranqulUam.* 

*) ^on brr acneien fiiteratur über Xviib. cdi ^iftorifer führen loir an : 
Q. Solff: 3rV znt^miuÄ un^ bie SItn'tc (ikidficbte be$ St :^vc}am (tm 
^abrctong 1)^63 ^e^ fBimemb. ^i^^bibüibeT für 3tatimt usb Sanbc^hmbe 
3. 220—281). — Jlu^nn ^aul: De fonubos a Trithemio in prima parte 
chronici HirsaogieDsis adhibitis. Balis Sax. 1867. — ^\ SRüKer: Cuellen, 
Kil±i bei 9bt Xritbeim im eröen Xeü ieiner ^induuer '^nnolcn benu^ f^ 
IBinijlau 1871. — Silbcrna^el a. a. C. 5. 158 — 21)6. — Dr. Äbolf 
£»elin§^örfcr: gxm'ibmtgcn yaz i^f diiditc bc^ ^bte^ Silbclm T^cn vind;au 
Öctnn^oi 1>74} 3. 28 — txl. — Sid)ert [l oben 3.62 ^nm. 2) passim. 
5ti5U &. greatag: 3ni S?euen r^ciä 1872 1. 644 n. ^e be^. an^ 
^r-iilid) aro!ogen'"d)en ^rui-e. binmtfr cutfi :K u l a n b $ im Bonner S*it ölott 
l'?^8 5Jt. 21 u. 22 un^ im vsbüincr-im 1^69 3. 45 u. 68. babcn bie gegnezifdien 
fcisürc bnrtbin* nid?t n?i>fi!ec::- i>-^wie>onim ju i^l. Vi, Sill in ber 
55rr;:*''irlh hir Tbcin:»±'nv'ni:pctv (*c'd-:±:e 10, 205 un^ H^ff- archiepp. 
M.vunti.n. L XXEX. 



3)ic Anfänge bcr gelehrten (Ucf(^i(^tfd)rcü)ung. S^rit^emiuÄ. 75 

SKänncr Dot SJcrgeffcn^cit fd^ügen fann. ^©ic öcrgcgcntoärtigt 
bic ucrgangencn Seiten, fic le^rt SebendMug^eit unb j^iflt on 
ben 3:^aten bcr Jlltcn, tüü^ toir 5U icbcr Q^it }U t^un unb ju 
laffen f)aben. ©ie ftärft ben ©laubcn, richtet bic Hoffnung auf 
unb entjünbet bad gcucr bcr Siebe, ©tc gibt ben Sttcinen 
SSei^^ett (scientiam) unb entflammt bic ®ciftcr ber ©d^toac^cn 
jur ^iigcnb'' u. f. xo. gemcr, Xrit^emiuö fennt jtoei ©efeße für 
ben ^iftorifcr: bad eine, bafe bic SBa^r^cit in feiner ©rjfi^Iung 
überall unöerlefet bleibe, baä anbere, baß er feine ©rjä^Iung in 
einem angemeffcncn unb angenehmen ©tife vortrage, ^ixx bie 
©eobad^tung be^ erften fte^t er für fic^ ein, „bcnn fotool^I ber 
®laubc be« S^riften ate bag ÜÄön^ögelübbe legen if)m bie Siebe 
jur SBa^rf)eit unb ben ^afe bcr Süge auf, ,ber SWunb tüclc^er 
lugt tötet ja bic ©eele', unb ber © ^riftf teuer, »etc^cr SBal^r^cit 
unb Süge ücrmifc^t, bringt bic ®efc^ic^tc in SSertoirrung". 3n 
SJctrcff bcr gorm geftct)t er ju, bafe feine Äraft tooljl ni^t 
audreid^en toerbc. Snki^t ftcUt 5^rit^emiu§ brei arten bcr ®e* 
fc^ic^tfd^reibung auf: 1. bie aügemeine, 2. bie f^JCjielle, b. t|. bic 
®cfc^id)te eineö JRcic^cö ober SSotte^, unb enbtic^ 3. bic topifd^e 
ober lofate, b. f). bie ©efd^id^tc einer ©tabt, gamitie ober fonft 
eine« Crteg, loic 5. SB. in feinem gall beö Jilofterd ^irfau. Slber 
gerabe in bem genannten SBerfc I|at er gejeigt, bafe ed nid^t 
jebermannö ©ac^e ift, fid^ in bicfer SBcifc ©c^ranfen jie^en ju 
laffen. 

2;ritf)emiu§ ^at bie ®unft, tüclc^c feine S^it feit ber ©rfin* 
bung ber SBuc^brudEcrtunft unb ber ^umaniftifc^en ^Bewegung jebem 
aufftrcbenben Xalente entgegenbrad^te, tt)o^t ju fd^äfcen getoufet*). 



») Cr frfjreibt om 2. 3uni 1506 \>on ©irgburg aud an feinen ©ruber 
(Epp. fam. p. 175): Inopiam librorum veteres allegare potuerunt, nos 
vero potius inopes copia fecit, quum impressoria nostris temporibus arte 
apud Moguntiacum inventa hodieque per orbem Universum dilatata, tot 
veterum atque novorum volumina doctorum veniunt in lucem, ut aere 
iam modico doctus quilibet esse possit. Neque desunt hodie bonorum 
praeceptores studiorum, sed ubique terrarum abundant in omni varietate 
disciplinae, non solum in latina sed in graeca lingua simul atque bebraica. 



76 ^tfted ^u4, ^meited StopittL 

<£r felbft t)at bcn umfaffcnbften ©ebraud^ baDon gemacht unb 
fid), lüie crtoQ^nt, huxd) eigene ftraft ju einem ber gele^rtcften 
unb angefe^enften 3)2änner ber 3^it emporgefc^n^ungen. Unb bod^ 
tft fein 3tadfxnf)m nid^t unangefod^ten geblieben unb noc^ aber 
feinem frif^en ©rabe finb Qxod^d on ber Sntcgrität feinet 
literarif^en ßbaratterä auögefpro^en toorben. ©eine ^^iftorio* 
gtap^ij^en Strbeiten finb ed, bie feinen guten 92amen in btefe 
©efa^r gebracht ^aben, rote intaft qu^ fein übrige^ prioated 
unb öffentlic^ed Seben bleiben mod^te. Unb in ber ^at, nac^ 
forgfältigfter Prüfung fallen aud^ tpir un^ auger @tanbe, in 
biefem für un^ entfc^eibenben galle für i^n einsutreten : ed ergibt 
fi^ üielmel)r, bafe trog aller ©ele^rfamfett unb Ärbeit^luft fein 
iBerbienft auf biefem ©ebiete in ben toefentlic^en S)ingen unwiber* 
ruflic^ in 3^age geftellt erfd^eint unb bafe er, unter bem Sänne 
feiner lebhaften ^^antafie unb nebenfäc^Iic^er Qw^t, baS erfte 
€)ebot, roelc^e^ er felbft bem ®efd^id^tfc^rciber gegeben, in weitem 
Umfange unb fortgefegt, unb nic^t o^ne ftc^ barüber oft flar ju 
fein, verlegt ^at. SSon feinem am frü^eften entftanbenen ^ifto* 
rif^en Sßerfuc^e, ber ßf)ronit ber Saiem^erjoge unb ^ßfaljgrafcn, 
brauchen roir nic^t weiter ju reben; ed fc^liefet fic^ übermicgenb 
an ba« ältere SBerl bed ?tnbrea§ üon SRegcnSburg an, 
lann ba^er feinen Slnfpruc^ auf ©elbftänbigfeit machen, obn)ot)( 
(1610) fogar eine beutf^e Übcrfegung baoon erfd^ienen ift*). 
SBic^tig bagegen ift bereits bie grage betr. feine literärgefc^ic^t* 
liefen SBerfe. (£ä finb i^rer brei: 1. Über bie firc^Iic^en ©c^rift* 
fteQer. 2. Über bie berüf)mten STOänner S)eutfc6lanbÄ. 3. Über 



Haec sunt vera aurea tempora, iu quibus bonarum literarum studia, 
multis anuis neglecta, refloruerunt. 

^) ^cr Xitel ift: Joannis Trithemii Chronicon Ducum Havariae 
«t Comitum Palatinorum Rheni, sive de Origine gentis Principumque 
Bavarum commentarius. — 3. t). Kretin, fiiterarif^ed ^nbbud^ für bie 
bairi)(^c ®cf(^ic^te unb aüc i^rcärocigc 1.21. (SÄünc^lSlO) @. 156— 161.— 
Über SInbread bon SRcgcndburg bgl. ü o r e n 5 a. a. 0. 1, 157 ff . — 6. M. Freheri, 
Opp. bist. I, 100 sqq. — S)ic Übcrfctmng, bon $b. ©. SSöflcIin, fam ^u 
JJranffurt a. 9)1. l^crauä. 



^e ^nf finge ber gelehrten @^ef4id^tf(^Tdlmng. ^rit^emiud. 77 

bic berühmten SWänner bed ©cncbiftincrorbenS ^). 3" ^^^ ^x^tm 
^atte t^n 3ot)Qnned üon S)Qlberg, S3ifc^of t)on 9Sorm8, 
bem ed aut^ jiigeetgnet tft, ;^u bem ^toeiten äB im p geling, mit 
»clc^cm er feit länger ebenfalls befreunbet toar, aufgeforbert, 
ju ber ?tbfaffung be^ britten füllte er fid^, ate ein begeiftertei^ 
9RitgIieb be^ Drben«, felbft angetrieben. S)ie ungewöhnliche 
SBelefen^eit unb Süc^erfenntnid bed SSetfafferd roaxm t)ier in 
ber %t)at gon} befonberd am $la^e, fie machten fic^ glän^^enb 
geltenb unb finb ju allen 3^iten anerfannt n)orben. ^ad n)tc^tigfte 
bleibt immer ba^ erfte ber brei 3Berfe, ba« fic^ aber nic^t ftrenft 
an ben fird^Kc^en S^arafter ber Stutoren t)ait; bte beiben übrigen 
f önnen ber 9?atur ber @ac^e nac^ melfac^ nur n)ieber^oIen ; aber 
bie ©ere^tigfeit erforbert ed, }u;(ugefte^en, bag Xrit^emiud ^ierbet 
boc^ nid^t in bem ®rabe o^ne SSor^üge gearbeitet ^at, toit man 
oft f)at behaupten n)onen. 893ie ^od^ man inbed ba8 bleibenbe 
S^erbienft bed ^rit^emiud aud^ ftellen mag, bie fd^ablonenartige 
Raffung gerabe auc^ bed erften SEßerfed mac^t einen ermübenben 
SinbrudE unb Don einer geiftüoOen 9et)anb(ung jm etnjelnen unb 
ganjen ift feine 9tebe. S^aju fommt, bag bte feinen fpfiteren 
unb größeren äBerfen t)orgen)orfenen ^^ler unb ©c^mäd^en bei 
genauerem 3uf^^^^ ^^^ ^^^ bereite in biefen (Schriften fic^ 
teitoeife beutlic^ anmelben. S&ä^renb in jeber einjelnen ber^ 
fe(ben, toit bad nic^t anberd fein fonnte, bielfac^ bie gleid^en 
^iöntid^feiten toieberf e^ren , ftimmen bie bejüglic^en Angaben 
feiten DoUftönbig überein. äBiQfürUd^ n)erben Stamen unb QaijUn 
Dcränbert, SBerfe übergangen ober jugefe^t. 3a, man f)at 
bie Beobachtung gemacht, bag oft bie 3^i^r ^^ n)elc^er bit 
©c^riftftefler leben, in ben ücrfc^iebenen Söerfen um 3at)r* 
^unberte btfferirt*). ®Ä finb ba^ im beften gaQe glüc^tigfeiten, 

^) 1. Liber de scriptoribuB ecclesiasticis, 2. de luminibus sive de 
viris illustribna Gennaniae, 3. de viris illustribus Ordinis S. B. Über 
bic "^lu^gaben t>gl. @ilbernagel an feinem Orte. 

«) ^gl. öor aücm ^elmSbörfer o. a. O. @. 32. 33. — Ötlbcrs 
na gel a. q. O. 6. 61 ff., @. 66 ^nm. 31 über bic fpfiteren duffi|e bed- 
Xrit^emtud ju bem ^loeiten ber in Srrage fte^enben $Berfe. 



78 ©rftcd SBu4 smcite» StapiUl 

bie ftrcngcrc 9Jici^ter h)at)rfc^cinlic^ mit einem lüenigcr milbcn 
9?amcn belegen ȟrben. S)er SEBert biefer Schriften mirb buvc^ 
fie freilief) nic^t er^ö^t. 

S)cr ^roäeß, ber gegen bie ©laubmürbigfeit 2!ritf)emö an- 
llängig gemad^t loorben ift, bejief)t fic^ in erfter Sinie unb in 
ber ^auptfac^e auf feine ©efc^ic^te bed ftlofterd ^irfau unb bie 
oltcfte ©efd^ic^te ber granfen. . 3)ie Unterfutf)unfl ift in ben 
testen 20 Sauren mit 6ifer unb ©ruft geführt tüorben, unb mer 
fic^ bie Singen nid^t mit ©ettjatt üerfd^Iießen mü, mug jugeben, 
ber übt t)at ben ^^rojefe verloren. 2)ie ^irfauer (It)ronif l^atte 
er fc^on in ©ponI)eim, im Sa^re 1495, auf ben SBunfc^ bed 
Slbtev3 S3Iafiu^ begonnen unb fie jum Saljre 1370 gefüf)rt, aU 
tücniger ber %oi beö gen. 9(bted alö bie getoaltt^ätigen ^laö^- 
tüirfungcn beö fog. 2anbSt)uter Grbfolgefriege«^ in ber ^ßfalj unb 
2;ritf|emd ^^^^^^^f^Mf^ ^^^ feinen SKönc^en jufammcn mit feiner 
Überfiebetung nac^ SBirjburg eine ©iftirung ber 9trbeit jur Solge 
l^atte. 3m 3a()re 1501) nngefäf)r fal) fid^ Jrit^em Deranlafet, 
fein unterbrod^ened SBerf üon neuem öorjune^men; aber anftatt 
etioa bie unterbrochene E^ronif einfach ju öoHenbcn, begann er 
eine üoUftänbige 9?eubearbcitung in jtoci 3;eilen, beren erficr bie 
@cfc^id)te beö ftlofterö oom 3af)re 830 biö 1256, beren smeitcr 
t)on ba biö 1513 bcljanbclt; ber crfte würbe Sanuar 1511, ber 
jnjeite 1514 abgefc^Ioffen ; bie beiben Seile sufammen finb unter 
bem 2itel ber Aanales Hirsaugienses t)in(änglic^ berühmt ge* 
lüorbcn. 2)ie G^ronif ift suerft 1559 ju SBafel im 3)rudE ^r« 
fc^ienen unb bann oon 3)1. greljerM njieber^olt njorben; bie 
3Innalen ttjarcn lange njie üerfc^offcn unb erfdjienen erft 16SK) 
in St. ©allen gebrudt; bie $)anbfd)rift liegt je^t in SÄünd^cn*). 
2ritt)cm bleibt übrigen^ in ben 3tnnalen feiner urfprüngtic^cn 
9(bfid)t, blofi eine ©cjc^idjte beö Sf öfteres, in feinem Sinne eine 
lütalc ®efd)id)tc ju fd)rciben, teine^iocg^ treu, fonbem n)ät)renb 



*) Opp. bist. Trithemii II, 1 sqq. 

'^) 3n H^- SKulanb im ©cropcum 185.') 8. 29G ff. SJanad) ließe bie 
Äovrcttl)cit Der 5t (MaUncr ^^lu^gabe Dielcd ju wünfdicn übrig. 



S)ie $(nf(lngc ber geleierten (^cfc^id^tfciereibung. S^rit^emiuS. 79 

t>a^ Sl^rDttilon ftc^ in befd^eibenen (Srcnjcn betpegt, gibt er, n?ie 
angebeutet, bem fe^r umfaffenben SBerfe ber ?(nnalen einen aÜ* 
gemeinen G^arafter, tpaö am ©nbe aud^ ben leitenben Äbfic^ten 
unb bem ^Temperamente be^ SJerfafferS am meiften entjprac^. 
SBelt^ SJeid^Ä* unb Äird^engejd^id^te, Don toeniger toid)tigen S)ingen 
^u fc^toeigen, »erben, Sal^r um Sa^r Dortoärtd jd)reitenb, t)er6ei* 
gejogen. gür bie SJarftcHunf ber alteren ®efd)ic^tc, t)on 830 
6i« inÄ 14. Sa^r^unbert I)erein, ift ber gulber ÜKönd^ SJiegin- 
f rieb, bereite in ber (5f)ronif unb noc^ me^r in ben SInnaten, 
S;ritf|emd ^auptqueUe, aber biefer SWeginfrieb l^at in SBa^rI)eif 
niemals ejiftirt unb ift eine ©rfinbung Xritf)emd. S)ie Söejd^ut 
, bigung lautet fc^toer, aber bie Setoeife, toelc^e üon fe^r getüiffen- 
^af ten 2lnIIägern beigebrad^t toorben finb, ertragen leinen Qmi^d ^). 
SBaö in biefer grage fc^on entjc^eibet, ift bie 2!^atfad^e, bafe ber 
9Keginfrieb be^ älteren Stironifon unb ber jüngeren 2tnnalen, 
bie bod^ biefelben fein foDen, ^äufig faum tuieber ju erfennen finb 
xinb bag überhaupt S^rit^em mit einer ganjen 9iei^e unb gfille 
t)on 3;!)atfad)en , bie namentlich ben angeblid^en 3uftt"i^^^i^^tti^9 
ä»ifc^en gulba unb §irfau im 9. unb 10. Sa^r^unbert erhärten 
füllen, ganj aüein, unb toaö tuir etma uon fonftnjo t)er über 
biefe Singe ©id^ereö h?iffen, mit feinen 9Ingaben im unvereinbaren 
SBiberlprud) ftetit. S)ie fieb^aftigfeit ber ^^antafie unb bie 6r« 
finbung^gabe Sritl^emö I)aben fic^ bei biefen ©rbic^tungen nur 
allju frudf)tbar betoä^rt. Slber tt)äl)renb er bie ®efd)ic^te ber 
Sa^re tjon 830 biö ca. 1050 faft auöfd)Iicfelid^ erfinbet unb 
burd^ ben falfd)en 9)2eginfrieb beglaubigen läßt, fte^t e§ mit ber 
5)arftenung ber Qcit be« Slbteg SBil^etm unb feiner näc^ften 
lümt^nad^folger audf) ot)ne eine folc^c Unterfc^iebung mit ber 
@Iaubtt)ürbigfeit unb SBat)r^aftig!eit beö SSerfaffer^ nic^t beffer, 
unb toie man e^ nimmt, fogar fdt)Iimmcr. ©ct)on SBai^j t)at 
^ritl^emS eingaben über Sffcl)arb uon 9lura, feine SEßerfe unb 



SBir müfjcn au bicfcr ©teile an bie oben 6. 74 Sinnt. 2 angeführten 
llntcrfuc^ungen unb Slu^fübrungen üon SBoIff, ^aul, WüUtt, Silber* 
nagel unb ^elmSbörfer öermeifcn. 



80 <^ed 9u(^, iiofited fiapiteL 

ferne angebliche ißerbtnbung mit ^trfau jurficfgettrieffit^). Xiif 
bie gefä(f(^te 92ac^rtc^t ber Stnnalen über einen erbt^teten SBefuc^ 
%nfe(md t)on Santerbur^ in ^irfau unb bie noc^ tabelndtoertere 
3nterpo(ation t)on Xnfelmd SIMef toie auf anbetet ^t in neuefter 
3eit mit gebfi^renbem 92ac^brucfe £»e(mdb&rfer ^ingelDtefen^ 
^(fc^e 3^^'^<^"9^^^ ' Umfc^reibungen unb %udf(^nuicfungeir 
ma^tofer 9rt begegnen und gerabt in biefem 7ei(e ber ©efc^ic^te 
bed ^(ofterd. ^ie ^^antafie Xxitfiem^ t)erfte^t ed, auf ber @runb» 
(age t)on ein paar bfirftigen Ütotiien ganje lange Seiten üoS 
)u fc^reiben unb Srfinbung auf Srfinbung ju ^Sufen. ^a% ber 
biefem ^un bad Unfittlic^e ber ©ac^e i^m nic^t ober nie junt 
99etou6tfein gefommen, tft fc^mer ju glauben; aber immerhin, er 
fc^eint, mie man mit Stecht biefen ^Q ju erQären Derfuc^t f)at, 
ber SReinung getoefen ju fein, ben guten erbaulichen 3^^» ^^^ 
er bti biefem SBerfe »ie faft überall bei feiner ©c^riftftellerei 
verfolgt l^at, b. f), bie geplante (Srbauung unb f^bung bei^ 
äRönc^dftanbed , burc^ bie erfonnene ®c^t(berung eined in bie 
ältere 3^^* bed ftlofter« §irfau »erlegten Sbeal« einer JUpfter«» 
reform am fic^erften förbem ju fönnen unb barauf ^in unb ber 
SurSfelber {Reformation ju liebe fc^on ettoad toagen ju bürfen. 
S)iefem Qmdc gegenüber ^äft i^n fein Söeftnnen jurficl, j^umal 
n^enn ed i^m barauf anfommt, bie (Sefc^ic^te feiner SiebßngS» 
ff öfter aufjupugen. „^it fabef^aftefte ®runbung«gcf^i(^te, et» 
funbene ©d^ilberungen bed »iffenfc^aftficöen ßebend unb ganje 
9{ei^en bebeutenber ©c^riftfteQer , bie niemals e^iftirt ^aben, 
finben fic^ in 5;rit^emd (Sefc^ic^te ber JHöfter t)on ^irfau, öoit 
epon^eim, t)on ®t. Safob in SBirjburg u. a."«) An fein jtoei* 
beutigeä SSer^äftni« s« ^^ Snfd^riften unb ben faft gfei^jeitigen^ 
©emälben im Älofter ^irfau erinnern »ir nur barum, loeif 
felbft ein f o fc^arfblicf enber Stopf xok fi e f f i n g ber ® ef a^r, fic^ 



1) Mon. Genn. Bist. SS. VI, 2. 

«) a. Q O. a. 31^. 40. 

») ©olft a. a. O. @. 273. — ipclmäbörfcr a. a. O. ©.59. 



^ie Anfänge ber gelehrten @)efc^i(^tf(^reibung. Srit^emiud. 81 

• 

toufc^en ju (äffen, nid^t ganj entgangen tft^). 3Ran tann ni^t 
fagen, bafe eö 3;rit^em überl^aupt an jeber fritif^en Sber gefehlt 
f)abe. Um nur eined anjufü^ren, er be5n)etfelt bie ®rünbung 
bed 5i(ofterd @t. $eter bei Srfurt bur^ Stönig Dagobert, obkoot)( 
ber 9(bt bie angeblid^e (freiließ uned^te) ©tiftung^urfunbc ent* 
gegen^ielt*). Aber leiber tt)irb baburd^ an bem ®efammturteite 
nic^td geftnbert. ^rit^emiud f)at, n)enn auc^ in ben beften $[b« 
fiepten, bie ^iftorifc^e SBa^rt)cit jum ©pielbatt feiner ^^antafie 
geniad^t unb fteQt fic^ mit feinem 9)?eginfrieb neben S(nniui^ wn 
SBiterbo u. a., bie il^ren betrug um bed Setruged koiHen DoU^^ 
fü^rt l^aben. 

Seiber finb tt)ir mit biefen unerfreulichen ©rörterungen noc^ 
ntc^t ^n @nbe. ^ritl^emiud ^at fid^ bie @d^ulb nod^ einer j^meiten 
gälfc^ung aufgelaben, bei ber i^n toenigftend ber erbaulid^e Qtocd 
ntc^t entfc^ulbigt , n)enn barin eine Sntfd^ulbigung gefunben 
»erben barf. SBir meinen bie granfenc^ronif bed fog. §unibalb, 
eine gfilfc^ung, bie an plumper S)reiftigfeit nid^ti^ ju toünfc^en 
übrig lägt, ^eutjutage beftreitet laum jemanb mel^r ben S)etrug, 
^öd^ftenS bag man S^rit^emiud aU ben betrogenen ju entlaften 
t)erfuc^t ; freiließ l^at t^ eine Süt gegeben, in ber ein SRann tt)ie 
®örred in jiemlid^ eingel^enber SSetfe unb noc^ baju in feiner 
nod^ tt)eniger Verbitterten ©pod^e in aQem @mft eine Sanje für bie 
©d^t^ett berfelben breiten mochte ; aber nid^t minber feft fte^t je^t 
bie Ur^cberfc^aft ber galfc^ung. 3;ritl)emiu§ l^at, toenigften* feit 
feiner SSerpflanjung nad^ SBirjburg, fic^ lebl^aft für bie fränfifc^e 
@ef(^id^te intereffirt unb fic^ mit ber äbfaffung eineÄ umfaffenben 
S33erfe§ über biefelbe getragen, ja fie in feinem ®eifte bereit« 
fertig erblidt*). 933aÄ er in biefer SRid^tung aber toirffi^ aug«: 
fteffi^rt ^at unb t)or un« liegt, finb jtt)ei fiompenbien*), beibe 
mal^rfc^einUc^ im Sa^re 1514 entftanben, baS eine bi^ jum 3:obe 



») ® olf f 0, 0, 0. — iJcfrmgÄ @. ©crfc, ÄuSgabc Don ^cmpcl, 13, 183 ff. 

>) %(. (S^riftopl^ t>. @(i^eurld S3riefbuc^ 1, 149. 

») @. ©ilBcrnagcl a. a. O. @. 188. 189. 

^) ^eibe im 1. 9anbe ber Opp. hist. Trithemii t)on Wt. gf reifer gcbrucft. 

». Regele, (Bcf^i^te bei beutfd^en ^iflorioflraptic 6 



H2 (Srftcd SBuc^, smcite^ SiapM. 

(£l)lübtuifl« (514), baÄ anbcrc biö 850 rcic^enb. ®c^ ipettcrcn 
auf bcn 3nl)alt bcr bciben Äompcnbien ctnäugcl^n loörc an 
bicfcr ©teile flberflüffig. S)er fog. ^unibalb erfc^eint als ein 
ISrjeugnid ber SWufee, bie fein Urheber in SBtrjburg gefunbcn; 
in @pon()eim unb im Sljtonifon t)on ^irfau ^at er if)n noc^ 
nid)t flefannt. 3^^^^» ^^^ Gobei* beö ^unibalb felbft ift fo tticnig 
jemald jum ^^^orfdjein gefommen a(d jener bed 3ßegtnfrteb. 
Sf. ÜD^i^imilian, ber auc^ an beit ^iftorijc^en Sfrbeiten Xrit^emd 
ein U)anncvJ ^nteveffo naftm, ftatte iftm ben lebl^aften SBunfc^ 
nad) bcr \><^i^^f(4^Ü^ b<^*^ ^unibalb andgebrüdt; aber bie Sud^ 
fltt(f)U\ mit locldjcn ber 9lbt bad angcblidje i8erfd)n)inben berfelben 
nacbUH^icn null, mad)cn bcn nngünftigften Sinbrnd unb em)eden 
feinen t^lanbenM, ^ie anRerürbentlidie SJelefentjeit 3;rit^cmS 
gerabe and) in gc{d)icbtlicben S^crfcn, jetn glfinjenbeS ©ebä^tmd, 
eine fortgcfe^itc Übung in literortfcfter 'i^robuftion ^aben neben 
einer unleugbaren frud)tbartn i^rfinbung^gabe biefe Xdufc^ungd« 
l>cr{ud)o in i^erbfingni^Jpollem (5Uabc. aber frtiltcö auf fioften ber 
biftorifd)en il^ibrbeit unb feinet Äad)rufc^. erleid^ttrt. ^Derbingd 
einem, bcr une ^^rttbemiu^ au>> ^ädftd)ten unb 3n^^^(fnä6ig^td« 
gtunbcn bebauert. ba^ bie ^uige t>Dn bcr mlfdien Sc^nfung 
5{onnantin<^ angeregt lunrbo. lag es> gar 5U nabc. ipieber aud 
iKüd^*id)tcn unb ^^u^cvimvi^igfcir^grünbcn ibatfaAen 5U eufftellen 
ober bie ^%fctt bcr Ubcrlie^rung ^urd) teillfirliAe iStffaibnngcn 
au^;utüllen. "J^te ^'ctgung ;u »oUtcn erbiditungcn brobte gtrabf 
in >tcicr ^c.i Ninl bcr cntgcgcnfoinntcRNni ^ctc&tgldnbigfdt auf 
bcr «tcn unb bcr fortKttc:ttnbcK Irtcrürrd)cn*@ctMitbtiKit auf 
bc; an>c:vn ^tc ebl:c^ctR ::r. n* ju crnfm: »ir fiiiniem 
Njtr^w a^*uttI^Ht :n b:cw. ;^uKlr:^^cr^lrtac an bie ^kbmigen 
X-^ Nrr,:^r;;<S <?:cHa a:;>> ^^:i^a. ^^r \bcn in ^rr nafj^ftm 
^c,t au» ^«\tK 'i^ccc ;:::b '.irre: er^.*^^Äc: äjmsco wäx nad^^ 









^ie Anfänge ber geleierten @)cfc^i(^tfc^retbung. Xritl^emiud. 83 

lüirfenbem ©tfolgc bic ffic^ftfc^^tliüringifd^c ©cfd^id^tc beö 13. unb 
14. 3al)r^unbert^ in SSertoirrung gcbrad^t t)at^). Um ju %xU 
t^cmiu^ jurfld jufel)rcn , fo finb e^ namentlid^ bic gcncaIogi)cf)en 
giftioiien, tüclc^c er ju ©unften beö angeblid^en 9IIterö bc^ 
^abSburgifc^en ^aufed unb offenbar feinem in folgen fingen 
nid^t ganj unempfänglichen faifcrlic^en ®önner ju ©efallcn gett)agt 
t)at, bie auf feine literarifc^e Sntegrität ein befonberö bebenllic^c^ 
Sid^t tt)erfen unb njie üerfd^iebcne anbere feiner ©rbic^tungen fd^on 
öon feinem ^citgenoffen ©tabiuS erfannt unb verurteilt toorben 
finb*). SRic^t frei t)on Unjuuerläffigteiten ift ber Äatalog ber 
SBirjburger 8tf(^öfe gel^alten, tt)eld^en Xrit^em feinem jtt)citen 
Äompenbium ber %xanUnQ^d)x6)U beigegeben ^at unb beffen Der* 
tptrrenbe ©ebrec^en fd^on fi. grieS I|eruorgeI)oben I)at^). Unb 
nod^ Ujeiter toieberum entfernen fic^ öon ber l^iftorifc^en 5;reue 
bit fieben^befd^reibungen bed Sifd^ofi^ SRa^imud t)on 9)?ainj unb 
bed SiabanuS SRaurud, bie in ben legten Sebendja^ren ^rit^emS 
cntftanben finb*). 

9ßan fann nac^ biefem aQem nid^t um^in ju bebauern, ia% 
ein reic^ei^ S^alent unter ber ©inmirfung ber berül^rten SRomente 
JU folc^en 9(ui^artungen gebei{)en fonnte. Sejeid^nenb genug ift 
ed, bo§ in biefem gaQe in erfter Sinie getoig nid^t ber §uma» 
m^mud ed ift, ber für bicfe ©ünben eineö nja^rlid^ nicftt 
unbebeutenben unb unüerbienten SDJanneö öerantttjortlid^ gemad^t 
loerben mu§. 2;rit^emiu8 njar, t)on biefen SSerirrungen abgefc^en, 
nic^t o^ne Anlagen jum ®efrf)ic^tfc^reiber, tt)ie namcntlid^ bie 
©arfteüung beö 14. unb 15. Sa^r^unbert« in feinen §irfauer 



») ©. 3. C^r. «belung: 5)ireftoriuin — ber fhbfacörtfc^en ©cfcöicfitc 
(3Rei6cn 1802) @ 146. 147 u. 157. 158. 

•) S3ei ei^mel q. a. O. @. 313 fagt Stabiuö in ©ejug auf bicfc gcnea? 
logifc^n ^gniffe Sritl^entd : Tedet istas abbatis ineptias iiedum reprobare 
sed legere. (Sd ^nbelt ftc^ l^ier in^Befonbere um ben 1. 8rtef ^rit^ent^ an 
Ä. aRaj (a. a. O. @. 318). 

*) @. bie (S^ronif ber ^ir^b. iBifc^öfe bei fiubeh^ig, (»efd)t(^tf4reiber 
Dorn ©i8tum 3Bürjburg ©. 430 u. 498. 

*) »gl. iunädjft ©ilbernagel a. a. C. @. 198 — 203. 

G* 



84 Srftcd ^ud), smciteS STopücL 

9(nna(en bad bcjeugt^), luenn aud^ biefer Seil üon QuffaUenben 
e^luc^tigfetten unb üerfe^rten Angaben in ber rein politif^en 
Oiefc^i^te nid^t frei gefproc^en koerben fann. ißad^ einer glaub« 
iDürbigcn Übcrfieferung f)at )xä) Zntf)cmxn^ in feiner legten 3^*^ 
mit bem $(Qne, eine audffi^rlid^e ©efc^id^te ^eutfd^fonbd abju^ 
f äffen , getragen unb ju biefem 3^^^ feinen @^fi(er ^ a u I 
:£ a n g , ber ebenfalls bem Senebiftinerorben angel^orte , jur 
Sammlung t)on SRaterialien in bie beutfd^en Softer abgeorbnet : 
inbed ^atte er ben ^ö^epunft feiner Seiftungdfä^igfeit auf bem 
©ebicte ber §iftorie offenbar l^inter ftc^, unb gerabe nac^ ber 
S^enbung, bie fein ©ci^affen jule^t genommen ^atte, ))on anberen 
ed)n)ierigfeiten 5u fc^ioeigen, toax f^n>er(id^ noc^ Srfreulic^ed t)on 
it)m }u enoarten ; loir ttierben ed ba^r aud^ in feinem Sntereffe 
faum }u beHagen ^aben, bag jener patriotifd^ ©ebanfe unaud» 

geführt geblieben ift*). 

Sknn man bie begtnnenbe gelehrte ©efd^i^tf^rribung, tote 
uiir fie in einigen ^QuptDertretern bi^^r betrachtet ^aben, über* 
fc^aut, mac^t man u. a. bie S^^me^mung, bag biefelbe im' 
<£uben ^utfd^Ianbd ibre Stätte aufgefc^Iagen ^t 2)iefed (Sx* 
gebnid n)irb auc^ nnriterbin beftätigt loerben. obne bag ju toer» 
fennen ift, bag bie bumaniftif(^e SBett^egung ftfbft immer toeitere 
JSTcifc jtebt unb anrnfiblici^ über bie ganje Station ft^ audbe^nt. 
Ttr beutfc&e diorben bat benn in ber X^at aw^ }u eben biefer 
3eit. UKlcber Sc^bel, 91auclerud unb SritbemiuS onge^Sven, 
einen (Skfcbid^tfc^reiber 6ert)orgebra(^t , t>on ml^em an biefer 
StcQe gebanbelt n^erben muf; unb ber in feiner Srt bicfe Über« 
i^ang^epocfie in meler £^inft(&t fo treu n>ie einer reprofentirt : 



^) Sir mdfjbcn bicr baraut aufacitiam. >a!; bie bistoria beUi Palatiiio- 
Boici bei SK. ^rcbcr .Rer. lierman. III. ^7— IdO^ aiAt eine ftiWftnbiQe 
CMIt fnibCTU MoK au^ bcn Ann. Hirs. autj^ronben ift. 

*) aber Xnibcmm^ nnb <;u ixiU 5^u>o:* r. 5ioiiiii(T, Octe ftk ft te ber 
f^ildc^ie >r. 15— IT, un^ M^ obre 5. M^ lnR.1 fta y m nc 




^ie $(nfänge ber gelehrten (^efc^ic^tfc^reibung. Stxan^, 85 

namltd^ illbext ^ranj. @r fte^t jioar ben neuen ^uma« 
niftifc^en Sinflüffen ferner ald bie genannten ä){änner, unb feine 
bejüglic^en äBerfe toaren junäd^ft gor nic^t für bie SJeröffent^ 
lic^ung beftimmt, aber g(eic^n)o^(, ald fie im ißerlaufe bed auf 
feinen Zob folgenben äßenfc^ena(terd an bad Sid^t gebogen 
n^urben, ftnb fie t)Qn ber gelet)rten unb gebitbeten äBelt mit 
SSeifad aufgenommen n)orben unb ^aben einen Dtelfac^ n^eiter 
toirfenben, erfennbaren Änfto^ gegeben. 

%. ^anj mar ©ele^rter unb Staatsmann jugleid^ unb 
infofern jum ©efd^ic^tfcl^ reiber me^r als anbere berufen^). SSer- 
mutlic^ im 5. 3at)rie^nt beS 15. Sa^r^unbertd üon angefe^enen 
Altern ju Hamburg geboren'), ^at er fidler ^ier aud^ feine erfte 
gelehrte Silbung erhalten unb fid^ bann nad^ Söln gemenbet, 
um ^^eologie in SSerbinbung mit ben 9ied^ten ju ftubiren. iBon 
^ötn ging er 1463 nac^ Sloftocf, an unb neben melc^er ^o^en 
(Schule ber ^umanidmuS, ber t)on 2)eoenter aui^ burc^ bie 
©ruber üom frommen fieben ba^in feinen SBcg gcfunben l^atte, 
tiid^t untertreten mar^). Sine außerbeutf d^e , etioa italienifc^e 
Unioerfität fc^eint er nic^t befud^t ju ^aben. ©eine näc^fte Sauf^ 
ba^n mad^te er junSc^ft in 9ioftocf aU £e^rer ber X^eologie 
unb befleibete im Sa^re 1482 baS SRcftorat. äuc^ fonft tritt 
er aU ein angefe^ener SRann ^eroor. 3m Sa^re 1489 nimmt 
er als einer ber {(bgeorbneten ber ©täbte SfibedE unb i^amburg 
an einer 9}er^anb(ung ju SSi$(mar teil, um bie ©treitigfeiten 



*) »gl. über i^n: (®ilfe'8) ficbcn bc« berühmten Doct. Alberti 
Crantzii. 2. ÄufL Hamburg 1729. — O. Ärabbc, bie Uniüerfität Stoftoc! 
im 15. unb 16. Sa^r^unbert ZL 1, üor aUtm @. 224 ff. — S. SRöncfe« 
berg, ber tl^eologifc^e OTl^arafter bed albert ^ranj (3eitf(^rift bed ^erctnd 
für ^amb. ®ef(^t(^te 3, 394 ff.). — Pott hast, Biblioth. hist. m. aevi 
p. 409. 410. 

^ s) ^ad Qkhum'iafix ift und nic^t überliefert; ha Stxm^ aber 1463 in 
Sioftod fic^ immatrifuUrt unb fc^on t^or^er bie Uniüerfität ^öln befuc^t Ijattc, 
fo wixh man, o^ne Diel irre p ge^en, fein G^cburt^jal^r in bie 36tt t^on 1440 
bi% 14Ö0 t>erlegen bürfen. 

») @. Ärabbe a. a. O. 1, 157 ff. 




86 ^tcft 9u4 ^tpcitcd üLüpitd. 

jtDifc^cn bcm ^crjog üon äRecflcnburg unb ber @tQbt Stoftocf 
beilegen ju Reifen. S)rei 3a^re fpäter, 1492, tourbe er atö 
Lector Theologiae unb 9Kitg(teb bed S)om{QptteId in feine 
S.^aterftQbt , »o man feine ^orjüge too^I ju f(^&^ xou%U, 
jurücfberufen. SSJieber^olt ift er in politifc^en ©efc^äften ber 
^^aufeftabt ju ©efanbtfc^aften, 1497—1499 nac^ Snglanb unb 
granfreic^ üerfc^idt »orben. SEBeld^ed ^rtrauen man jugleic^ 
in bie Unab^ängigfeit jeineS S^arafterS fe^te, bemeift bie ZfyiU 
fac^e, bag ^lönig ^o^ann oon S>anemarf unb $erjog ^riebric^ 
uon ^olftein in i^ren S^^^Hi^MK^ ^^^ ^>^ S^iet^marfen 
(1;HH)) i^m bie fc&iebSric^terlic^e Sntfc^eibung äbertrugen. S)ag 
er auc^ in feiner firc&lic^en Stellung fic^ ^roorget^n, ge^t au^ 
bem Umftanbe berDor, bag er im äabre 1508 aU S)ctan an bie 
>Spi{>e bed Stapitel^ gefteQt rourbe. ^m 7. S^ejember 1517 ift 
er nad) einem tt)o^ angen)anbten Seben geftorben. 

trieben bem gefcbilberten öffentlichen äBirfen ^t jbran} ncK^ 
für eine jiemlid^ reidje literarifd)e X^ätigfeit 3^it gtfunben unb 
fid) in iKrfcbiebenen gädKm Dcrfucbt. Seine ttKotogifc^en Schriften 
gelten für bebcutcnb genug, fonnen aber bier nic^t loetter mt« 
folgt mtrben. SBicbtiger ift für un« fc^on fein t^otogifc^ 
Stanbpunh äberbaupt. ber ftxilicb jum guten Xetle erft oud 
feinen gefcbicbtlicben :?lrbciten t)oUftänbig erfannt tottbcn fann^). 
ein JKann oon UMbrer innerlicber grAmmigleit. ift ftionj ®egiier 
icbcr prinjiDicUen ^buvicbung pon ber alten fiird^. bie SSidtfiten 
unb ,vu^*l^" »KTbcn auf^ icbärmc oon ihm oenirtetlt Auf ba 
v\nbc\xn Settt täujcbt er iid) über bie argen S^^ftbcn ber ftirc^ 
uub bc^ iMipütum« nutt. icbont fic in feiner Seife unb legt fo 
cm bWitten<SÄ»crt«^ unb offene^ ;^euani^ für bie äiefonnbeburftig* 
Icit bcnelNrn ab. irivilicb ocnindclt er nch babci in biefel^ 
Sibovirrucbe . m uxicbe bie nciucn >eina 9cfinnuns«genoffen 
verfielen, nvlcbe bie An \te erneuert »ifien unb fie wie bad ^pft^ 






^c Stnfängc ber gelehrten (SJcfc^ic^tfc^eibung. ^an^. 87 

tum bod^ iugleic^ im ganjen Umfange ii)xt^ SeftanbeS erhalten 
©iffcn moütcn^). 

333enn nun ein SRann üon biefer 9trt unb bicfem @mft baS 
®cbict ber ©efd^ic^tfcl^rcibung betrat, fo liefe fid^ Don t)orn f)crein 
cnoarteu, ba§ er nid^tS UnbebeutcnbeS tciften toürbe. ©eine 
^iftorifc^en Arbeiten befd^fiftigen fi^ auöfd^Iiefetic^ mit ber ©e- 
\df\d)te SKeberfac^fcnd , ber ffanbinauifc^en unb ber ftatoifc^en 
SReic^c unb SSöIfer*). ^^ ift für unfere ^toecfe nid^t nötig, in 
eine audffi^rlic^e Betrachtung biefer 9S3er!e einjugetien : fie tragen 
überbied alle fo jiemlic^ bai^ gleite ©epräge. Originell ift boc^ 
fc^on bie SBa^I ber ©toffe, für n^elc^e fic^ ^anj entfd^ieben 
^t. 5)ie Saxonia unb Metropolis Sax. fte^en auf ber einen 
Seite, bie Vandalia unb bie Chronica reguorum aquilouarium 
auf ber anbern. Ob er bereits in SRoftodE an ber einen ober anberen 
biefer ©d^riften gearbeitet, lägt fic^ mit SSeftimmt^eit nic^t fagen ; 
unmögli^ ift ed ntd^t, unb im ^inblidf auf bie jn^eite ber ge« 
nannten ©ru^pen unb toeil bie Saxonia auf bie Vandalia t)em)eift, 
ift ed nic^t o^ne ®runb Vermutet n)orben. ^anj ffi^rt ben ^aben 
ber ©efc^ic^te bei ben Derfc^iebenen be^anbelten ©egenftänben 
überall bis an bad @nbe bed 15. Sa^r^unbertd i)cxab ober einige 
Sa^re barüber ^inaud. 3"^ @efdjid^te ber norbifc^en unb f(an)i« 
f(^en 3Sö(!er ^at i^n t)ic0eid^t ber Vorgang Don Slbam t)on 
©remen, üieDeic^t auc^ ein prattifc^eS Sntercffe angeregt. 3)ic 
Saxonia }ief)t itjren SheiS jiemlic^ n^eit unb mirb teitoeife ju 



M Stvan^ f)at ba« crftc 9(uftrctcn Öut^crd noc^ erlebt. 5)ic fBortc, bie 
if^m bie ft'unbe bat>on entlocft f)ahcn f oüen, ftnb befannt unb oft unb in Der« 
fdjicbcncm ©inne intcrpretlrt loorben (f. SKöncfeberg a. a. O. 6.^94 u. 
411 ff.), ^ie ^(utl^enticität berjelbcn jugegeben, h^irb eS gleic^loo^I fc^iocr 
fein, in poHtiücr ^ei(c bie 2^enbcnj berfclben p beftimmcn. ^ie man fie 
aber auflegen mag, an ber |}ormulirung {eineS oben angebeuteten fir^Iidjen 
<^tanb))unftcS tann baburd) nic^t lcid}t etma^ gcänbcrt n^erben. ^ag jhran^cn^ 
^rfc fpäter auf ben 3nbe; gefegt luurben, fann in biefer 9{id)tung ebcnfo 
tpenig betoeifen. 

*) $g(. neben $ott^aft auc^bie ^amburgifc^c Bibliotheca Historica 
Ocnturia I 51rt. 1. 



88 <£tM ^dir atoettcd JiapiteL 

einer beutic^en Qkfc^ic^te. S^ad bebeutenbfte aDer feiner gefc^ic^N 
li^en £kr!e ift offenbar bie Metropolis ^i, tDddft bie @t)ä)\dfU 
ber f&c^fifc^en unb aber ouc^ flaroifc^en Sidtihner mit Eingebung 
unb $erftanbnid bebonbelt. £iier ^t firanj aadi ben Vorteil 
bafe er rafc!^ in bie SKittc ber S>inge geben unb bie bunQeren 
Reiten binter fi4 liegen laffen tann: in feinen anberen SEÖerfen 
ift er ben in biefen liegenben ^c^mierigfeiten fo nyenig f^err ge» 
iporben aU bie meiften feiner 3(itgenoffen. Stgentlic^e nrillfürlic^ 
^^beleien unb drbi^tungen Dermeibet er aber. Saft SBa^^t 
ba^ erfie (Sefe( ber @ef(^tcbte in. nwiB er^^t, unb meint, too 
man biefe nicbt finben fönne. bürfe man ftc^ mit bem SBo^^ 
f(bctBli(^^eren begnügen';), il^a^ n^&re ibm nie in ben @inn ge« 
fommen. ivie e4 i^ritbemiu^ gefc^ab. nadbbem er bie Unec^tlKit 
ber Scbenhing jionftantin^ erfannt 5U perlangen, baB man aud 
^mrfmäBigkttlgrinNni barüber fdttmge: er nennt bad fiinb 
ebne Umnanbe bei >etneK 9{amen^ . SQerbingd ftnb feine Der« 
fcbiebenen in 9iebe ftebenben Serfe jum übenviegenben Xetle 
ebcaraQ^ nnr jlontpilttionen, aber immerhin 10 »cnig gettw^nlic^ 
^rt al4 ^ie €bn>nKf ^es^ 5iaucleru4. obne bol baram i^erfaimt 
Ktn m\l, bOB Nrr Icf tere vine CueQen n?eBs ntcbt mft gröBerrr 
^ornclbt aufgefacbt. to bccb geiPtB mit boberer Sorgfalt xxt» 
arkrtm b^t ^iretticb nmren wn nicbt ncber. ob ihonj fietne 
OeKbtcät^OKrfe uberbaupt innöffentlid;^ tnoUte. nn^ xwdf tveniger. 
cb er fte in ber on^ überlieferten ^onn remal# iKföfftnüid^t 
bdtte. ?cm ^Strt^nicf fonn mciR neb la nic&t est^ie^. boB bie 
lefte^^onQ ntcbt überall .in ne an^elegr merken cft Sannri^ 
xiTiiBte er. vo er ^oe ^ir^IirfK 5u btflen botte. mb for bie 
SixoarA aaJ) Metropolis üernhjt er tu ^naer Seife boc6 ober hk 
iKebn^U Ihrr bcatoL^ }ixadm;Lid>rrt llnreit :i:tb nixb mcbt inagtren 



:::«aii.-.ias. ??0-l.>:4. Ubn li 

' ')t<L W 0. i4 •^ottjuticiiai CouACucuii i«?udC:i7ueiiL. 



SHe 9[nfange ber gelehrten (^efc^u^tfc^rdbung. Warfc^olt 89 

Cuellenfd^riften, tomn er Don ben erfteren auc^ bie eine unb 
anbete nur mittelbar unb aud jtoeiter^anb gefannt f)at^\ S)te 
Sunft, biefetben fritifd^ auSjubeuten, erjc^eint aQerbingd oft un« 
Donfommen genug unb jugleid^ fe^r ungleich; a^nßc^ be^anbelt 
<er bie Urfunben, unb an Srrtumem unb äRigüerftfinbniffen fel^It 
<^ ^ier mie bort nid^t'); unb boc^ tritt und fiberaQ ein fe(b« 
ftanbiger fiopf entgegen, unb ntac^t bie geipanbte ^orm, in meiere 
er feine Srjä^lung Reibet, neben bem meift Qaren Urteil einen 
^etoinnenben Sinbrud. 2)tefe ^^orm f)at unjiDeifel^aft nebft ben 
intereffanten @toffen an bem fc^on berührten ungeloö^nlic^en 
@rfoIge feiner ^iftorifc^en arbeiten einen loefentlid^en S(uteil 
^eäbt; aber ebenfo fic^r mug berfelbe jugleic^ auf ben ®eift, 
Don melc^em fie burd^brungen finb, iurüdgefu^rt merben, unb 
nic^t minber ift ed toal^rfd^einlic^ , bog bie jUKir fonferüatioe, 
jeboc^ unob^ängige ^Q(tung biefer Schriften gegenüber ber förc^e 
jinb bem $apfttum ju ber ^nerfonnung, bie il^nen gleic^ bei 
i^rem Srfd^einen ju ^ei( n)urbe, einiget beigetragen ^at^). @ie 
finb im ^aufe bed 16. Sa^r^unbertd fämmtlic^ ind 2)eutfc^e 
übertragen iDorben^). 

9uf ben gortfe^r ^anjeni^, nämlid^ auf S)aDib S^^träuS, 
lommen loir fp&ter ju reben. %[n biefer Stelle gebenfen loir, 
toenigftend im ^orbeige^n unb jum Seile um bed ©egenfo^ed 
toiUen, einei^ anberen feiner jüngeren 3^i^gcnoff^n ^^^ iit i^ner 
3eit angefe^enen ©ele^rten, ber gleichfalls aU ®efc^i(^tfc^reiber 
unb Umax ungefähr auf bemfelben ©ebiete, auf bem fid^ ^anj, nur 
in t)iel loeiterem Stammen, ebenfalls betoegt, oufgetreten ift, nämlich 
5?icolaug 3Warf(^al!ö, eined geborenen S^üringer«, ber 



«gl. 3. 3R. Sappcnbcrg in ber Scitfdirift bc8 »crctnd für ^am« 
Imrgif^e (^(^ic^te 2, üSl (,,^)ed 9t. ihan^ S^iogrop^cn ber (Sr^bifc^öfe 
ibidgar unb S^orbert"). 

s) 8. 9!orbaIbingif4e ©tubien u. f. f. S3b. 3 (^c( 1846) @. 47. 51. 

*) ^1. ^öndeberg a. a. O. @. 313, tuenn er aud| DteOetc^t bicfen 
Cjkftfi^d|mntt )u ftort unD fid^a urgirt. 

«) Über \>k beutfc^en $(udgaben f. $ott^a{i a. a. O. 



90 <^tcd Su4 stocited ^ot^iteL 

barum beit ^Jetnomen ^^uriud führte ^). SRarfc^atC max ntc^t 
^^^eologe, fonbern Surift, baneben üon bei ^umaniftifd^en SBe» 
tDcgung bei toeitem tiefer erfaßt aliS JhrQn), unb Don Dielfeitigen 
tpiffenfc^aftlic^en Sntereffen. Um bad 3a^r 1470 gebort, in 
@rfurt gebilbet, xoax er ^ier juerft ald Sekret aufgetreten unb 
^atte ©palatin 5um @c^uler gehabt, bann ift er in bte 
5)ienfte be^ ^erjogö ^inri^ öon 9)2ecflenburg getreten, liefe fi(^ 
eublic^ (fett 1510) in Stoftod nieber unb trat a(d Se^rer in ben 
jRreid ber Uniberfttat ein, o^ne ben 33ejie]^ungen jum ^ofe barum 
ganj ju entfagen; er ftarb 1525. ©eine gefc^i^tltd^n SBerfc 
finb in ätoftod entftanben unb bie jmei befannteren unb gtöfeeren 
barunter finb ber medlenburgifc^en ©efc^ic^te gctoibmef*). 
©0 gen^ijs nun ftranj t)on äKarfc^al! a(d ©ele^rter in ben Det^ 
fc^iebcnften 3^eigen bed SBiffeni^ ubertroffeu mirb, fo toeit fte^t 
er ald ©efc^ic^tfc^reiber über i^m. S)er (entere oerbient ^ter im 
@runbe nur barum (£m>ä^nung, meil er aufd beutlt^fte bezeugt, 
n?ie bie formale 93Ubung aQetn ben rechten ^*^ic^tf(^retber ntc^t 
ju machen oermag, unb n)te auf biefem Gebiete bomold ein 
fieser Seitftem no^ fc^n>er ju finben mar. SKorfil^alf arbeitel 
ol)ne aQed ©Qftem unb oerföQt ba^, Don 2ftatxa fdbft ein 
greunb ber i^^pot^fe unb iSrbic^tungen , rettungdlod ben 9e* 
trügereten bed ':?lmiiud oon $iterbo. ©eine ©teUung in ber 
@ef4i(^^^ ^^ ^iftoriogrop^ie ift barum rein negotioer uah nur 
infofem le^rrei^er Sejc^affen^eit. 



ij "B^l über i^n Ärabbc, bie Uniotrfttdt ÄoftcKf XL 1 €.273 ff. 
ffKan nnbet biet alle tDctteren Angaben über iKaqc^alt, bie man nur »üiifdKn 
fann. Vsine prüb^^ Derdienftlicbe 8(bnft ift (£b^. 3(böttgen« commen- 
tatio — de viu N. Marsc&ici ThurLL Don ^. 3cbmtb t>ennc^rte ^Ludgabc, 
5ioftü<f 1752. 

'1 ectn i^HuiptOFerf fübrt ben litel: ADnalinm Heralonm ac Yan- 
dalonim libri Septem (erfd)ienen 1521;. 3^ ^^' BibUoth. Hamburg, kisto- 
rioa II Art 14 ^. ^1 ff., 0o bie Auuales ivettlaufig genug anall}ftrt »erben. 
^er 75. ^rtifel bericbtet über iXarfd)al» iRtrtflenburstftbe ^teim^comt, hit 
bantaU nod) nid^t, fonbem erft 1737 in beut 5. Xtüt ber Amoeoitates histo- 
ric^e Oe^ ^ifconu!^ (^nffurt unb ^^ipsid ^737) hn i)ru(£ erfdjioKn ift. 



drittes 5^a|)itel. ^aifer SJ^a^miitan I. unb bie nationale ^cfdiic^tfc^reibung. 91 

©rittet Äapitcl. 
<Aaifet ^aiimifiaii I. nnh 6te nationate ^ef^i^tf^xeiiun^. 

S)ie Satirje^nte, in tpelc^en tptr ben Slnfang einer gelehrten 
beutjc^en ©efc^ic^tfd^rcibunfl gefunben Iiaben, tcpräfentircn eine 
tounberbare, unt)cr9leic^lic^c 3^^- 5luf faft allen Gebieten be^ 
geiftiflen Sebend unferer Station ^errjc^t eine mächtige, in i^rem 
Urfprung unb 3^^^^ *^ft ge^eimnii^öoüe Semegung, bie auf 
ben fpäteren ^efd^auer einen uniDiberfte^Iic^en Qaixbn ausübt, 
^ebauerlic^er Srrtum, ^u mäl^nen, bog Sterin weiter nid^td a(^ 
eine fraftDoOe @r^ebung unb Erneuerung bei^ mittelalterlid^en 
^rinjipS ju fu^en fei. @^ ift öielmefir ein n^efentti^ 9ieued, 
bad mitten in bie erfterbenben unb jerfaQenben Orbnungen eine^ 
erfc^öpften SBeltalterd tritt, felbft mo ed, mai^ nic^t ju Deüounbern, 
noc^ oft in bie ^erlömmlic^en überlieferten gormen gefleibet er* 
f^eint. Um nur bon einem, aber bem SKafegebenbften üon aUem,. 
JU reben, ber ^umanidmui^ allein, au^ mo er fid^ fc^ü^tern 
unb feinet magren SBefend faum betougt anmelbet, birgt in fic^ 
eine umgeftaltenbe unb offenftDe ^aft. 83ergeblic^ed Senm^en, 
fi^ unb anbere barfiber täufd^en jU n^oQen! S)ie ^iftorifc^e 
^itif, n)ie jag^aft unb ungefc^icft fie bie jungen ©c^mingen 
regen, todtS^m Slucffc^ritten fie t^atfäc^tic^ aufgefegt fein mag,, 
fie fünbtgt in i^ren (Folgerungen ben nod^ geltenben Überliefe^ 
rungen, auf n^elc^en im legten @)runbe bie beftet)euben Drbnungen 
rul)en, ben Ärieg an. 

%uf biefem 9 oben unb in biefem 3ufcimmen^ange bricht fic^ 
auc^ in biefer Qdt in ber beutfc^en ©efc^ic^tfc^reibung ein n^efent« 
lieber unb erfreulicher gortfc^ritt föaf)n: e^ bringen nationale 
S^benjen in fie ein, fie tritt in ben S)ienft ber Station. ®a^ 
Sfationalität^gefu^I , im äßittelatter und frember ald anbern 
äJölfern, uon bem unit)erfenen 3^0^ unfered S^arafterd gefc^n)äd)t 
unb gebfimpft, em^ac^t n)ie mit einem ISlak unb verlangt feine ^c^ 
friebigung ober boc^ feine Slncrfennung. SBer bie Siteratur jener 



92 SrftcS ©uc^, brittc» fiapitcl. 

^agc a\xd) nur obcrffäd^Iid^ fcnnt, tüirb auf ©d^ritt unb 3;ritt 
biefer (Srfc^emung begegnet fein. $Iud ber Unbc^agltd^fett ber 
<iugenb(icf(t^en Sage n^ä^ft btefe Smpfinbung ^eraud unb ftötft 
fic^ in ber (Srinnerung an bie größere unb, tt)ie man meint, 
glfidli^ere ^eraangen^eit ber Station. 2)te ^umaniften finb ed, 
bie fid) üor aQen ju SJerttetern biefer Stimmung ma^en unb 
mit unermüblid^em (Snt^ufiadmud fie )u unterhalten unb ju 
ftetgern fud^en. ^uf biefem SBege ift und bamald eine nationale 
<5$efc^id)tfd^reibung entftanben. SJon überall t)er tönt und nic^t 
o^ne Übertreibung ber fte^enbe @a^ entgegen, bag ed bem 
beutfd^en 3Hejanber nur an einem ^omer, bafe e* unferen .93or* 
fahren nic^t an grogen ^aten, fonbern nur an 9Rännern gefehlt 
^abe, bie fie bem ©ebäd^titiffe überliefert Ratten. S)a^er fomme 
H, bafe toir jmar bie §efben ber ©riechen, nid^t aber unferc 
figenen fennen^). S)iefe Slagcn finb in ber 3;^at nid^t toirfungdtoÄ 
t)erl)ant. S)ie beften üRänner ber Station »erfen fid^ auf biefe 
©tubien unb fuc^en bem fo tief gefüllten Seburfniffe abju^Ifen. 
^öc^ft ad^tungdmürbige Talente finb barunter unb bie erjielten 
örgebniffe jum 5;eile nic^t bloß üorübergef)enber Statur. Sei 
manchen Srrtfimern ge^t ein forgfam forfc^enbcr, ein miffen« 
fd^aftlid^er 3^9 ^^^^ i^^^ Slnftrengungen, bie man mit ®enug< 
t[)uung üerfolgt. ^ud einem aOgemeinen 3m|)ulje l^eraud bilben 
fi^ eine Sln^afil üon SSereinigungdpunften für biefe 99eftrebungen 
ttnb arbeiten, bie in einem unDerfennbaren befugten 3ufammen* 
I)ange fte^en. Wlan Übt unb mebt unter ber Smpfinbung, bag 
«d einer großen, einer ^eiligen ©ad^e, ber ©ac^e bed SSater^ 
lanbed gilt. 

3n ber äJtitte biefer 3ett)egung fte^t bad Oberl^aupt bed 
Sletd^ed, Aatfer SRa^imiltan felbft. @d fann nic^t unfereA 

^) @o, um einen für r>kk }u nennen, ©ebel in feiner betannten 9iebe 
<in k. ^a^imilian L, Bei ©c^arb, SS. I, 97: Libet itaque lamentari 
et düflere iiiquam majorum nostrorum conditionem, quod apud Germanos 
reperti sint qui egregia facerent plurimi, qui scriberent nullus. 1Bg(. 
<iuc^ X^. ^utl^er: tlud bem UniDerfttätS' unb Q^ele^rtenleben im 3eitaUer 
ber ^Reformation (Grlangen 1866) @. 79. 



I^aifer äRa^milian I. unb bie nationale @^efc^tc^tf(^reibung. 93 

?(inte^ fein, an bicfer ©tcQc btc allgcmcmcn S^cnbenjcn biefe^ 
gürftcn ju erörtern unb öor unfer gorum ju jielien. Sn biefer 
diid^tung \)at bie neuere ©efc^ic^tfc^retbung ja manche SBebenfen 
ntc^t unterbrficfen fönnen unb gegen bie Doltötümli^e Über- 
lieferung, bie i^n mit einem blenbenben ©d^immer umgeben, 
@infpruc^ erI)oben. SKan f)at finben tooltcn, bafe feine ?ßoIitit 
mel^r b^naftifd^e afö ipa^rt)aft beutfd^e QxtU üerfolgt ^abc. S33ie 
gut biefe Äuffaffung bcgrünbet fein mag, an feiner öebeutung 
für baÄ literarifc^e unb fünftlerifd^e fieben ber Station öermag 
fie toenig ju änbern, felbft n)enn man jugebcn mfigte, bag aud^ 
biefe feine öeftrebungen üon fold^en einfeitigen SWotiöen nid^t 
frei gett)efen finb. 3Jlan fann mand^ed üon jenem feinem 9{ul)me 
abjie^en, e^ bleibt bod^ ein reiner unb ebler Äern übrig, in 
toefd^em feine fpejieDen Sntereffen mit ben nationalen jufammen^ 
faQen. 9Kc^t baoon kooQen n^ir reben, bag 9)?a£imi(ian, jumal 
in feinen früheren Salären, bie Hoffnung aQer ©utgefinnten in 
unferem SSoIIe tt)ar ; bie ganje fiiteratur jener ßcit, bie gefd^id^t^^ 
lic^e in erfter SRei^e, legt bafür njol^l ober übel ein unumftöfe* 
lid^ei^ 3c"9"i^ ^6- ®cgenüber ber unerfd^ütterlic^en Stumpfheit 
feinet 93ater^ begreift ed fid^, bag ein ben^eglic^er, empfänglid^er, 
t^atenluftiger gürft loie er toar, eine folc^e gute SKeinung Don fic^ 
enoedEen fonnte. 20lan brandet, um nur eined anjufü^ren, b(og 
bie Slnfprac^e, bie um 1501 9?aucIerÄ ßanbiSmann, Sebel, t)or 
bcm Äaifer in Snni^brudE ^ielt, ju lefen, um fid) biefe @rtt)artungen 
in U)rem DoHen Umfange unb in einem rec^t braftifd^en gaüe ju 
öcrgegentt)ärtigen ^). g^eilid^ barf man babei nic^t oergeffen, bafe 
folc^e (Süoartungen no^ bejeicf)nenber finb für biejenigen, bie fie 
Regten, alÄ für ben jenigen, üon bem fie gel^egt toorben finb! SBie bem 
aber fein mag, toenn ein gürft feiner ©teHung unb feinet ^iempera* 
menteö t)on Anfang an fo Iebl)aften ®inn für fiunft unb SBiffen* 
fc^aft bejeigte, »a^ SBunberg, ba^, t)on oHer ?ßotitif abgefel^en, bie 
ffinftkrifd^e unb literarifd^e S3elt fid^ mit allen i^ren ©Qmpat^icn 



>) @. oben ®. 92 «nm. 



94 CSrftcS 99u4 brittc« 5bpitcL 

il)m äwtt)cnbctc? (£ä fcljltc 5tüar aud) fonft bamal« m 2)eutfc^^ 
lanb nid^t an tjoc^geftcQtcn gürften, bic mäccnatifc^c Scnbenjen 
hetü&ifvttn, tüic foütc fid^ aber einer mit SRajimilian meffcn, ber 
^uflleic^ nac^ bcn öerfd^iebenften SRic^tungen f)xn ein unmittel* 
barei^ SSerftänbni« enttDidelte unb teitoeifc fclbft ^anb anlegte? 
Unter feinen beüorjugten Steigungen biefer ärt fte^t bie ^iftorie 
üben an, unb ^ier roicber bie ©efd^ic^te feinet ^aufeÄ, mit xotiiftt 
feine eigene ^ufammenfäUt, unb aber aud^ bie beutfd^e ®ef(^t(^te unb 
\>a^ beutf d^e Altertum ^). ®r I)at in biefer Sejie^ung in ber %f)at 
einen nid^t ju untcrfd^ä^enben, einen lange nad^n)ir!enben Änftofe 
gegeben. 9lm n^enigften aOerbing^ burc^ feine eigene ^obuftion, 
bie, fotneit fie audgefü^rt n)urbe, auf ein relatit) ©ertnged fu^ 
rebujirt unb im übrigen auf Sntttjfirfe unb Äbfid^ten befd^ränft blieb. 
SJon feinem S^euerbanf fann l^ierbei ol^nebem im @mfte feine 
9iebe me^r fein. SBetd^eS auc^ bie Slbfic^t be^ SBerfeö fein unb toie 
flro§ baö Sntereffc fein mochte, baö er lange ßcit ertnedEte, man ift 
je^t barüber einig, unter bie I)iftorifc^c fiiteratur fann e^ nimmer* 
mel)r gerechnet »erben*). An biefem Urteile fann felbftDerftänblid^ 
burd^ bie @rn)ägung, bag bie t)orliegenbe ®eftatt bed ©ebic^te^ 
burc^ eine Überarbeitung Don britter ^anb ju ©tanbe gefommen 
tft, nichts geänbert toerben. Änber^ fte^t e^ anerfanntermagen 
mit bem SBeifelunig, bcffen SIbfaffung nic^t t)iet fpäter afö bic 
bc8 2:euerbanf fällt »). 5Diefe« SBerf ifi bei toeitem nic^t fo bcfannt 



^) %gt- ^orami^, ^aijcr !D2Q^niiItan unb bie ^kfc^ic^ti^toiffenfc^ft 
(in ber 6ftrci(^if(6cn ©oc^cnfc^rift 3a^r9QnJ^ 1822). 9fuÄ bcm üorigen Qa^r« 
i)unbcrt ftantntt O. $[. grtontniannd „Commentatio de Maximiliano impe- 
ratore in rem literariam meritis'*, in bcffen Opusculis, (Coburg 1770. 3" 
neuerer 3^tt f)at u. a. aud^ 3. ^anffcn in feiner „&tW^it bed beutf^en 
«olfcS feit bem ^luSgangc bc« aRittcIaltcr«" (1, 119—122) r)on bicfen »et* 
bicnften bc« S^nifcrä gcl^anbelt. ?lnbere§ t)icr^cr SBejüglicfieÄ »irb im ©erlaufe 
be« Äa^itcl^ berührt tucrbcn. 

^) Qu ber älteren gelehrten ^Tudgate t^on H. $altaud fyit flc^ je^t bit 
t)on St. ®öbccfc (ficipjig 1878) gcfcüt. 

*) (S. barüber 2. t). SJanfe, ©cfc^ic^tc ber romanift^ * germanifc^ 
«ölfer 2. «ufl. 21.2 (fiei^jig 1874) 6.122 unb 9t. ö. Silicncron im 
4)iftori|c^cn STafcftcnbuc^ Don (JHaumcr) 9tie^l Sa^rgang 1873 @. 320 ff. 



^ifer ^a^mtlian I. unb bie nationale ^(efc^tc^tfc^retBung. 95 

-gctoorbcn als fein SBotfldngcr, ift aber Don uttjcrcn ©cfid^td* 
jpunftcn aus öon toirflid^cr Jöcbeutung. S)cr SBcifefuttig unter* 
fd^eibet fid^ öom Scuerbant fd^on burd^ btc gorm: er tritt nid&t 
4m poetifd^cn ©ctoanbc, Jonbern in ^roja auf. SDer ©runb« 
^ebanfe bcS SBerleS unb bie Verarbeiteten SWateriafien rül^ren 
o^ne Qtoei^ti öon SWajimilian fefbft l^er; nid^t minber getoife ift 
aber, ba§ bie öorliegenbe SRebaftion ber beibeti erften Jöfld^er 
iem laiferlid^en ©elretär, SWarj Sireijfauertoein, einem 
geborenen liroler unb öielfeitig gebilbeten SBanne, angehört. Unb 
nur bie beiben erften Steile bürfen jugfeid^ al« abgefd^foffen be* 
trad^tet tocrbcn, toft^reub ber britte, ber umfaffenbfte unb toid^tigfte, 
ntd^t blog nid^t bie orbnenbe 9lebaftton, fonbem überhaupt feinen 
®d)lv% erhalten f)at. SBajimilian fam aber nid^t mel^r baju, ben 
©d^Iug l^injttjufägen, loeld^en nad^ ber Anlage unb Seftimmung 
ber ©d^rtft nur er allein liefern lonnte. ©o er!(ärt eS fid^ 
cuäf, bag baS äSert junäd^ft ungebrudEt liegen blieb unb erft fo 
\pät jur JBeröffentlid^ung gelangte^). Über bie SWatur unb ben 
SSkrt beSfcIben ^at man bie Wngfte 3^^* ^^ Unfid^eren getaftet, 
-<rft neuerbingS ftnb bie jutreffenben ©efidjtspunfte bafür auf* 
geftellt toorben*). SSor allem fte^t feft, bafe toir feine aQegorifdje 
<£riä^Iung t)or und l^aben, n)enn eS aud^ an !DunfeI^eiten nid^t 
fcl^It, ju toeld^en unS, im ©egenfagc jum S^euerbanf, ber ©d^Iüffel 
vorenthalten geblieben ift. S)aÄ SSJerf f^at brei Steile. 3)er erfle 
be^anbelt bie SSSerbung Ä. griebrid^ III. um SIeonore öon ^or^ 
tugal, bie S3ermSI)(ung unb £aiferfr5nung in Sftom, enblid^ bte 
.^eimfe^r bed jungen Staiferpaared nad^ Öftreid^. 2)ie (Sr}fi^(ung 
ift öortrefflid^ , ftofflid^ fd^üefet fie fid^ aber mit unbebeutenben 
Sludna^men an bie t)on SticoIauS Sandmann t^on 93alfen« 
ftein im Saläre 1503 im 3)rudE erfd^ienene ^©efd^id^te ber 
SBerlobung unb Ärönung griebrid^ III. unb feiner ©ema^Un 



») erft im 3a^rc 1775 ju ©icn. 

«) SBir meinen bie Ausführungen Don 2. ö 9lan!c unb t>. fitltencron, 
. f. oben @. 94 «nm. 3. 



«>6 ®rftc« S3u*, brittc« Stapiid. 

©tconorc" an*). 3)cr jiücitc S:etl bertd^trt über aWojimilian^ 
®cburt, Sugcnb, Untcrtücifung in bcn öcrfd^icbcnen SEBiffenfd^aftcn, 
Shmftcn unb gcrtigfcitcn, unb cnbfid^ feine Scriobiinfl unb Ser* 
ntä^Iung mit Sßarie t)on SBurgunb: alled bad, infofern ed bie 
?(udbi(bung bed jungen ^rinjen anlangt, in anettannter, l^öc^t 
Ichrrcid^er unb ^aralteriftifd^er 3Betfe, unb ol^ne 3^^^ ^öt 
Ireijfauemjein in biefent njie im erften %^\k ba« Sefte getJ^an^ 
roa^ nid^t audfd^Iiegt, bag i^m ber Jtatfer bie braud^baren gfinger« 
jcigc gab unb bog bie befannten 9totijen Don ber ^nb bed^ 
fclbcn über feine 2iebfing«befd^8ftigungen bem ©efretflr Dorlagen. 
5>cv wic^tigfte, njie bemerft, ift ber britte S^eil, ber imgeorbnet 
unb unabgefcI)Ioffen geblieben ift 9n i^m liai SRojrimUian felbft 
offenbar ben ubertoiegenben Anteil, er ift aud unmittelbor ^ierffir 
beftimmten Äufjeidönungcn unb 2)iftaten hervorgegangen. Sr 
I)anbclt Don ber ftffcntli^en SBtrffamfeit bed ^iferd in feinen 
oerfcbiebenen ftriegen, n)a^renb ber ^euerbanf t% nur mit feinem 
"^^^rioatlcben ju t^un bat. S^an ^t in finniger Seife Dermntet, 
baj^ ber feblenbe Schlug Ober eine groge Sfttion SRo^miHon^ 
gegen bie Surfen ju berichten beftimmt nnir, unb eben barum 
fehlt, ttjeil biefe nicftt ju ©tanbe lam*). 35m einje(nen ber (5r* 
^fiblung bleibt frcilicb DicIcS bunlel unb ratfel^ft: gleic^lDo^l 
unb gerobe barum ^at man e^ mit Siecht aU einen %erluft für 
bie ^Vatton bebauert, ba§ ber Jhifer. toie er einmal fic^ Dor* 
gcbobt, an biefem Teil ju tbun unterlieg, xoa^ Zrei}fancnDetir 
für bie bciben erften ge^an ^at. 

t^ie ^rbcrrlicbung feiner ^"on unb feine« ^ufed f^at 
iVdjiimilian aucb ionft inel befcftfiftigt: er ^at ju biefem Qio^ 
\m bie '^Wfie unb (^efdbic^tt. fo bie Äunft in emuifulrm Orabe 
in Anfprucb genommen, ^ir erinnern nur an feinen „?4rium)i^'* 
mit feinen beiben teilen ber .(Jbraipforte* unb be« ^Xrimn))^ 




*) €. Hirtom ao*pons«Jonis ot cwan*tioiiis impOTttoris Friderici IH 
U i|«äi>$ KJcswonio, ^1. «rttbait fi a. C 6.412. 
Uc«cro» Ä. Ä, C «. S.Vi— «^^i* 



ßaifer 9){a|hntltan I. unb bie nationale ©efdgid^tfc^retbung. 97 

juflcÄ'', in erfter Sinic ein funftlcrifd^cg S33crf, ju bcffcn 3lug^ 
fü^rung unb Srflfirung auf ber einen @ette t)or allem 2)ürer, 
auf ber anbeten ©tabiuÄ, Sreijfauertoetn^) unb ^irf* 
Reimer jttfammengetotrft l^aben^). SSJer tDfigte ntd^t, in totli) 
(ebenbigem Serle^r ber Shiifer mit ber äßel^rjalil fetner geleierten 
3eitgenoffen geftanben unb toic er in SBien feftft um fid^ unb 
on ber Uuiüerfität einen Ärei« l^cröorragenber SRänncr öer* 
fammelt ^at — bie Seltid, Sufpinian, ©untl^eim unb tDie fie 
alle fieißen — , bie er bei i^ren ©tubien unb Arbeiten unterftüfete, 
bie er aber jugleid^ für feine eigenen t)erkoanbten Seftrebungen 
in Änfprud^ nol^m*). ©cnealogifd^e Unterf ud^ungcn , foiijeit fte 
toenigftend fein eigened ©efd^Ied^t berührten, l^ielten il^n in 93er« 
binbung mit feiner unb feinet ^aufed Q^efd^id^te fortgefegt in 
Ktem unb ©pannung. @ie ftanben im inneren engen ßufammen« 
^ang mit feinem ®(au6en an bie S^^^^nf^ ^^^ QX^^^ S3eftimmung 
ber Habsburger unb l^aben einen entfd^ieben b^naftifd^en unb 
politifd^en Sl^arafter, fie öerraten aber jugleid^ m unt)erfenn* 
bared 9}erftänbniS, baS freilid^ burd^ bie t^erbunlelte ^tif in 
biefem galle öielfad^ getrübt toirb. 3Bar bod^ bereits ein 3Berf 
tDvc baS Slurnierbud^ ®eorg 9tüjcnerS im Sntfte^en, baS in 
bobenlofen Srbid^tungen genealogifd^er ^rt baS UnglaubKd^e 
triftete*). S)ie Snftruttionen , bie SKajimilian jum 3^^* ^^^ 
S(nfteQung t)on ^orfd^ungen biefer !trt burd^ frine SSertrauenS«' 
männer, toie ber ,,^faff SeSla'\ erteilte unb oft felbft biftirte, 



>) Sgl. über il^n unb feinen $(nteil am %ept jum ^^rium))]^'' befon» 
berd au(^ Dr. ^. ©(^ön^err: Über TtaxTc ^re^^^^aucrtoein, (Sk^eimf (^reibet 
ftaifer ^ea^imiaan L, beffen ^etmat unb ^milie (^trc^tD für öftr. (Skf(^(^tö« 
quencn S3b. 48, Sa^rg. 1872). 

») @. hierüber befonberd 2: ^anfing« „a)ürcr" @. 370 ff. 

>) Sgl. u. 0. $(f(^ba(^, Qiefc^tc^te ber »teuer UnitKrfttat Sb. 2. 
9bi6erbent bie betr. ^bfc^nitte unb Itt. Angaben in bem „^anbbuc^e ber ®e« 
fc^te öftcrceic^Ä" u. f. f. öon Dr. grranj Ärone« (©erlin, al« 6. öanb 
ber Sibliot^f für $Siffenf(^ft unb Literatur). 

*) S^üjrnerS berüc^tigtel^ „Xouxnvthud)" erfc^ien jum erflen ^alt im 
Sa^re 1527. @. jeboc^ Sai(, ^. $einri(^ L 2. Slufl. @. 252 ff. 
». IBegcIe, 0cf4i^( bet bcittf^en ^iftoriofira)}^ic 7 



98 <Srfted ^u4 bntteS ^(Opxttl 

ftnb mcrhofirbig unb Ic^rrcid^ genug ^). S)ic angcbeutcte 3;cnbf nj 
führte i^n frcUid^ oft jicmf ic^ mit : fo Iic§ er u. a. einen ©tamm* 
bäum t)on l^unbert unb etltd^en fettigen, bte angebltd^ aud bem 
l^aböburgifd^en §aufe hervorgegangen loaren, enttoerfen. 5Diefe mit 
^oljfd^nttten naä) QtxdfnnnQm t)on ^ond Surgmeter iQuftrirte 
©ruppe trot in ben Sauren 1517 unb 1518 and Sic^t. SRan 
t)ermutet nid^t mit Unrecht, bog äRa^miltan hierbei bie 96ft(^t 
t)erfo(gt l^abe, fein ©efd^Ied^t ben neuem^orbenen burgunbtfc^en 
Untert^onen nafier ju rücfen unb ed old ein burc^ ^eilige gleic^« 
fam (egittmed ^errfd^er^aud bar^^uftellen , inbem ed in einen 
geuealogifd^cn 3ufamntenf|ang mit ärnulf öon 2Re^ gefegt tourbe^j. 
äSie fiobidlot) ©unt^etm, fegte ber ßaifer ju fo(d^en unb fi^nlid^ 
^toeden anbere, toie Dr. 3afo6 SKenliu^ öon Äonftanj unb 
3ofepf| ©rünbed, in Söett)egung^). SBie fd^on berührt, f)at er 
felbft, um eine ©runblage ju n)eiteren ^udfü^rungen ju geben, 
oon ber ®efc^id^te feinet eigenen Seben^ ölel unb bei ben öet* 
fd^iebenften Gelegenheiten btftirt. 9ßer !ennt nic^t bie Srjfi^Iung 
^irf^eimerd, n)ie äßa^milian, Q(d fie jufammen t^on Sinbau noc^ 
ftonftanj über ben Sobenfee ful^ren, einen ©d^reiber ju fic^ rief 
unb biefcm ftefienben gufee* bie ©reigniffe eine^ Sci^re^ in aller 
Umftänblid^fcit in latcinifd^er Sprache in feiner ©egenttjart in 
bie geber biftirte unb am Äbenb ba^ Urteil be^ SRürnberger 
aiatÄ^errn über fein „SReiterlatein" proöojirte*). Sr üerfid^crte 



*) SSö^. ^rimiffer, über beö ^aifer« ^ojimilian I. ®ebcnfbüc6er iit 
ber f. t ^(mbrofer Sammlung u. f. m. in ^ormaprd ^afc^enbuc^ für bie 
öatcrlänbifc^e ®ef*ic^tc Sa^rg. 1823. 1824. 1827. 

^) @. $. ^. Tonnen, bie ^(nfönge bed farolingif^en l&aufed (3aV' 
buchet ber bcutfd)cn ®cf(i^i*tc, »crlin 1866) @. 5 «nm. 4. 

^) W' 3- @ ^ ni e I , bie ^anbfcbrif ten ber f. C. ^ofbtbliot^t in IBien 
u. f. 10. »b. 1 (5Bien 1840) @. 1 ff., 33b. 2 (mtn 1841) ©. 489 ff. 

*) @. Pirckheimeri Opp. ed. Goidast (granffurt a. 9Ä. 1610) mit 
bem .Kommentar üoit ^. dtitter^^aud über $irf]^eimerd Lieben. (£d 1^^ ha 
8. 8 (mit SBejie^ung auf ^afpar ^ebio'd $onebe gu feiner ^rtfe^tmg beft 
Cbronicon Ursperg. p. 436): ^Bilibaldus Pirckeimer Norimbergenais Phi- 
lippo Melancthoni aliquando dixit: Maximilanum ipsum suas res gestas 
aliquot annorum descripsisse. Kam se uavigio vectum cum Mazimiliano 



^atfer SJla^mtlian I. unb bic nationale Okfc^tc^tfc^reibung. 99 

jugletd^ an^bxüdliä), bag er burd^ folc^e 3)tltate nur bem fünf^ 
ttflen ®cfc^id^tft!^rci6cr vorarbeiten tooHc: unmittelbar a(^ ^ifto* 
rifd^er ©c^riftfteller aufjutreten, baran f)Ot ber Äaifer jd^njcrlic^ 
je flebad^t. 9l6er, lüir n)iebcr^oIen eö, bie t)on if)m auÄge^enbe 
SInregung in btefer 9li(^tung fann nic^t ^od^ genug angefd^Iagen 
tDerben, aud^ too, n)ie j. SB. in ©ad^en ber öftreid^ifd^en @efd^id^te, 
bie grüc^te auf fic^ njarten ließen ober mittelmäßig auffielen. 

9ßa£imi(iand ^i(nal^me unb ^ürforge befd^ränlte fic^ jebod^ 
feine^tt)egd auf bie ©efc^ic^te feined .^aufed unb feiner Sänber, 
fein Slidf toie fein Sntereffe reid^te toexUx, fd^on njcil bamalÄ bie 
fpätere (Sntfrembung iioifd^en bem 9teic^e unb ben ^abdburgifd^en 
©rbfonben nod^ nic^t eingetreten toar. Sie (Srforfc^ung ber 
beutfc^en ©efd^id^te ^at i^m in ber %f)at t)ie(ed ju t)erbanfen. 

S^arafteriftifc^ für bie Äü^rigfeit, bie je^t auf bem ®ebiete 
ber beutfd^en ©efd^ic^t^forfd^ung l^errfc^te, toax bad Sfuffuc^en 
unb bie Seröffentlid^ung ber Ouellenfd^rtftfteller unferer mittet«^ 
alterßd^en ©efd^id^te. (Sd ift aber jugleic^ notorifc^, baß ber 
^tfer gerabe hierfür eine befonberd lebhafte Xeilna^me bezeigte 
unb mand^en frud^tbaren 9[nftoß gegeben f)at SorbaneS, ^aulud 
5Diafonud, bie ©c^riften ber 9{odn)it^a, bie gefd^id^tlid^en äSerfe 
Otto'8 oon S^eifing, ber SigurinuÄ, bie Urfperger Sfironif finb 



A Lindau ad Constantiam , et cum iu nayi etiam haberet imperator, 
vocasse ad se scribam, dictasseque illi res gestas unius anni, idque 
▼ariis consiliis et circumstantiis. Et cum Pirckeimerius putaret agi 
secrete quaedam, secedere voluit, ibi imperator eum manere iussit et 
auscultare. Ad vesperam curavit ut dictata legerentur Pirckeimero, 
rogans ut ei placeret equestre latinum ? Dicebat yero optimus princeps, 
8e percupere paucis complecti res gestas, ut eruditi qui yellent describere 
et historiam parare, ex autographis certa haberent. Testatus autem 
est Pirckeimerus de perspieuitate huius scripti, et quod a morte Maxi- 
miliani adnisus sit, sed non potuerit adsequi.** 3^ t>9t. 3- ^rünbccf^ 
historia Friderici lY et Maximiliani (bei S^mcl , dfterreic^tfd^ (^efc^itbtd« 
forf(!^ I, 1, 91) : De ejus (h. e. Maximiliani) variis, praesertim cosmo- 
graphie et historiarum studiis: Caeterum litterarium oeium non inter- 
misit; nam quociens a rerum administracione admissus est, vel scripsit 
vel amanuensibus suis aliquid ad calamum dictavit, tarnen cosmographi^ 
et historiarum yeritati praecipuam operam impendit, etc. 



100 ®rftcS 33u4 brittc« ^oipiiel 

unter feinem 3"*^"^^ herausgegeben loorben; anbere, toie bie 
^iftortfd^en ©d^riften Sinl^arb», bie S^ronif beä SRegino u. a., 
finb auf bem SBege ber einmal gegebenen Stnregung nad^gef olgt ^). 
92oc^ beutlidjer t)ielleici^t n^irb und biefer @inf[ug äßofimtlianS 
toerben, toenn toir benjcnigen [einer 3<^^t9^"offcn näl^cr treten^ 
njelc^e fid^ um bie ©rfotfd^ung unfcreS 2(Uertumö unb unferer 
©efdjic^te am meiften üerbient gemad^t ^aben. 

Qmi ber bebeutcnbften biefer ®ruppc toaren auS Cftfranfen 
nac^ 3Bien gcfommen. Sine ber intereffanteften ©eftalten ber 
3eit, toenn auc^ auf bem in grage fte^enben (Sebicte nic^t ber 
n)irtfamfte, tuar Äonrab ©eftiö (geb. am 1. g^bruar 1459 
ju Sffiipfelb bei ©c^njeinfurt, geft. 4. gebruar 1508 ju 2Bien)^. 
6ö ift nic^t unfere äbfid^t, ben offen (iegenben unb fc^on oft 
genug bet)anbetten fiebendgang biefeS gentalften aQer beutfc^en 
ig)umaniften an biefem Orte nä^er ju Ijerfolgen, fonbent nur bie 
©teüung, bie il^m in ber beutfc^en $iftoriograpf)ic gebührt, 
beutlic^ JU bejeid^nen. @r ^atte ganj !Ceutfc^(anb, fiberbieS 
Stallen unb ^olen (Ärafau) gefetjen, ^ier fürjer, bort länger uni> 
in üerfd^iebcnen ©teHungen Slufent^aU genommen, an ber §oc^* 
fc^ule JU Sngolftabt länger bojirt, fid^ überall toaunt %n6änger 
unb baneben aud^ einige ®egner em^orben, toar t)on 5{aifer 
griebric^ III. 1487 ju 9?ürnberg jum ©ic^ter gefrönt toorben, 
unb n?ar bereits ein f)od^berfi^mter SRann, a(S i^n enblid^ 9. 
3)?ainmilian auf 3(ntrag feiner greunbe 1497 als ^rofeffor ber 
JHl^etorit unb ^oetif nad^ JEBien berief. 3n biefem legten 3a^r* 
äef)nt feines SebenS l^at er bie ©eite feiner unermfiblid^en S^^ätig» 



%I. ©attcubac^ a. a. 0. l, 2—4. ^orami^, Ä. aWojimilian 
ald ©cfc^ic^tfc^rcibcr a. a. 0. @. 549. 

2) l^gl. E. X. Klüpfel, de vita et scriptis Conr. Celtis. 2 yoIL 
Friburgi lb27. — dnhlid^tx, in ^ormal)TÄ «rc^iü für ®cf(^tc^te ©b. 12 
3a^rg. 1821 unb beffen ^rtttf t)on ilü))fe( in bcn $Sicncr S^^rbüc^etn 
©b..45, ^ien 1829. — (Sr^arb, (S^cfc^i^te beS SieberauflebcnS miffenf^ 
©Übung ©b. 2. — Slf^bac^, bie frü^ren ^SanbeTja^Te bed ^. QtiM 
(mtn 1869) unb beffen (S^efc^ic^te ber Wiener Uniüerfttät ©b. 2 (»ien 1877) 
6. 189 ff. — (Snbli(^; 3o^. ^unner in ber ^. 3). ©toörQ»)^ic 4, 82—88. 



• • • 



Haifer SRa^mtHan I. unb bie nationale Q^cfc^ic^tft^reibung. (Scitid. 101 

feit entfaltet, bie unfcre Äufmertfamfcit am meiften in Änfprud^ 
nimmt. 9l(d eifrigem ^umaniften l^atte i^m ein lebhaftes Sntereffe 
fär ^iftorifc^e @tubien auf feinem 3Bege gelegen. 2)te rl^einifd^e 
@e(e^rtengefeQfc^aft, bie er ju ^eibelberg im SBunbe mit S)aI6erg 
u. a. gegrflnbet, ^atte neben ber Seförberung ber Kaffifc^en 
£iteratitt audgef))rod^enermagen auc^ bie ISrforfc^ung ber üater^ 
länbifc^en ^efc^id^te auf i^r Programm gefc^rieben. ®eine erfte 
^iftortfc^ @c^rtft entftanb tt)ä^renb feinet jn^eiten längeren 9uf^ 
entl^alted in ^'tärnberg, ettna im Satire 1492, unb ^at bie ®e^ 
fd^ic^te ber @tabt }um ® egenftanb ^). SeltiS (ebte l^ier in 
iRürnberg in einem ungemein anregung^üoOen Umgange, nament« 
lic^ mit SB. ^irf^eimer u. a„ l^ielt 93ortrfige, nnb ed tDar bie 
9tebe bat^on, i^n bauernb bafelbft ju feffeln. Sener ©c^rift n?ar 
fin im ©app^fc^en SJerdmage gebic^teted Sarmen auf ben ^. 
©ebalbud, ben @c^ugl^eiligen ber @tabt, t^oraudgegangen *). 2)ie 
gdmd^te ^iftorifc^e ©c^rift, n)ie man fie nennen barf, bejeic^net 
jmar, n^enn man ben u^iffenfc^aftltc^en äßagftab anlegen und, 
leinen nyefentlid^en gortfc^ritt; bie jhritif ift ja^m, bad an^te^ubfle 
finb bie Steile, tDelc^e bie fojufagen (ebenbigen unb fultureden 
Ser^Itniffe bel^anbeln. äßan fann jmeifeln, ob Seltid jum 
Gef^ic^tfc^reiber fo red^t berufen tt)ar. @d fel^Ite il^m üieOeic^t 
{(^on bie nötige Stutie unb ©tätigfeit gerabe ju biefem Berufe. 
9ber immerhin, feine nun beginnenbe Sßirffamfeit in SBien fam 
b0c^ im befonberen ®rabe ber ^iftorie unb ^mar ber beutfc^en 
JU gute. Seltid ^ätte nic^t in bem eminenten ®rabe ber neuen 
©d^ule angehören, mit i^r rü^rigfter S^orfämpfer gekoefen fein 
miifffn, tpenn bad patriotifc^e, nationale 3Jloivo bei i^m nid^t 
ubotttt mitgett)irft, ja obenanftet)enb gemefen tt^äre. 2)ie SJor- 
lefmigen, bie er an ber Uniöerfität ^ielt, erftredften \\ä) aud^ 



*) Conradi Celtis Protucü Germani imperatoris manibos poetae 
lanresti de origine, situ, moribus et iustitutis libellus: f^on 1495 txm 
Q^. 9(lt, bemfdbcn, ber au^ ^. (Bd^bcld groge (S^ontf bcutf^ bearbeitet 
^tte, iUttrfc^t. @. 9(f c^bac^, Okft^ic^te ber Siener Umt>erfttät a. a. O. % 236. 

*) $(f(4ba(^ a. a. O. 6.235. 



102 <Srftcd mdi, britted StopiitL 

auf bad ^iftortfd^e bebtet: er (ad über SBeltgefd^td^te Don ben 
älteften 3^^^^^ ^^^ Sßa^milian unb, toa^ toid^ttger toar, im %n^ 
fc^Iuffe an bte Germania bed ^acttud aber bie filtefte (Sefc^td^te 
S)eutfc^lanb«. 3)icfe für bie rid^tige Jluffaffung ber Änfänfle 
unferer ©efd^id^te in il^rer unermegßc^en äBid^ttgfeit fett i^rer 
(Sntbedung immer üoQfommener erfannte @d^nft, bie bad ganje 
äßitteklter ^inburd^ jmar ntd^t t)erfc^oUen, aber boc^ t)er(oren 
getoefen njar, ift erft nad^ ber SBitte beSfelben loieber auf- 
gefunben iDorben. 3)ie erfte Sludgabe erfc^ien ju Bologna wx\> 
aSenebig 1473 unb 1476, unb balb barauf, 1473, jioei ausgaben 
ju ißfirnberg^). S)ie erfien fec^ö Sucher ber Ännalen, bie über 
unfern erften nationalen gelben, 9(rminiud, berichten, gelangten 
erft fpäter, jur Qdt beä ^apfieö ßeo X. unb aud bem beutfc^en 
@ort)et), nad^ Sftom unb n)urben 1515 bafelbft burd^ ^^UU't^ 
ffleroalbud jum erften SRale veröffentlicht*). 3)ie Aufgabe be^ 
Zeitig trat juerft 1500 an bad fiic^t unb tt)urbe 1505 loieber^olt, 
o^ne im übrigen bei neueren Seurteilern günftige Stufna^me ju 
pnben*). (Sin unbeftreitbared SSerbienft ertoarb ftd^ Selti* biirt^ 
bie Verausgabe (1501) ber SSerfe ber 9{odn)it^a, barunter aud^ 
bed Carmen de gestis Oddonis unb 1507 bed Guntherus 
Ligurinus, beren ©c^t^eit in unferer 3^it grunblod angefochten 
njorben ift. 3)ie ^anbfc^rift ber JRodtoit^a fanb er bei einem 
Sefud^e im ßlofter @t. (Smmeran in Siegendburg, bie bed Gun- 
therus in ber in feiner oftfränlifc^en ^eimat gelegenen Sifter^ 
cienferabtei @brad^ n)ieber auf^). Sei ber ^raudgabe bed Li- 
gurinus l^Qt fid^ Aonrab ^eutinger unb überbied nod^ fünftlerifc!^ 

') ^I. 3f. SJlagmann, bie Germania bed C. Coro. Tacitus. 9Kit 
beit Sefearten {ämmtlid^er ^anbfc^rifteu u. f. f. Duebltnburg unb !dei)^tg 
1847. — 81. ü. 9? Q um er, ©efc^tc^tc ber öerman. ^^tlologie @. 10 ff. 

-) @. bad S^retben be$ gen. $apfted Dom 1. ^^ember 1517 int flits 
jciger für Äunbc ber beutfc^cn 93orjeit, Cft. 1863. 

^) ^ie Germaniae generalis descriptio aud htm ^a^re 1502 war 
carmine heroico gel^alten. 

*) Sgl. SSattcnba^, QkW^i^utücn 1, 3; 2, 194. — ($d toirb 
übrigen^ bie fic^ unroiHfürlic^ aufbrdngenbe Semerfung geftattet fein, bai bte 
neuere :^iftorifc^'p^i(oIogt|(^e Iritit burc^ bie auffaQenbcn 64)i)anhtngen über 



J^tfcr SDla^milianl. uiib bic nationale (S^cfc^id^tfc^mbung. (Scitid. 103 

«Ibrcc^t 3)ürcr beteiligt^), eeltiä ^at flbrifleng in ffiicn über 
ben Ligurinus an6) S^orlefungen gegolten ober i^it ^u folc^en 
über bie 3^^* fiatfer gtiebrid^ I. ju ®runbe gelegt, unb ed ift 
nur ju bebauern, bag und bie äßittel feilten, und ein ®t(b über 
bie 9?atur berfelben ju machen. @in n)eitered ^iftorifd^^antiquo« 
rijc^ed SBerbienft öon Seltid ift bie äuffinbung ber fog. Tabula 
PeutiDgeriana, einer ^öc^ft merbvürbigen ©trogenfarte bed britten 
Sal^r^unbertd, bie fic^ in einer mit fpfiteren ß^^f^^^i^ Derme{)rten 
$(bfci^rift Qud bem 13. 3at)rbunbert erhalten t)Qt Seltid rcar 
htrj t)or feinem Xobe in ben 83efig berfelben gelangt unb ^atte 
unjn^eifel^aft bie %bftd^t, fie ^eroudjugeben, aber ber erforberßc^e 
Aoftenaufmanb unb noc^ me^r fein frü^jeitiger Xob t)er^inberten 
t^n an ber Sudfü^rung. @r beftimmte aber noc^ in feinem 
legten SBiQen, bag fein ^eunb £. ^eutinger, bem er bie ^anb« 
fc^rtft gelteren l^atte, fie auf SebenSjeit ald Eigentümer befigen 
foHe, biefed bod^ njotjf in ber Abfielt, bafe fie biefer l^eraudgeben 
loerbe, toai freitid^ unterblieb unb erft öiel fpSter, 1591, burd^ 
aSoIfgang äBelfer öerttjirKid^t toorben ift»). (Seltid f)at fic^ aber 
nod^ mit anberen planen gefd^id^tlic^en unb gefd^id^tlid^-poetifd^en 
@^arafterd getragen, bie er jebod^ unaudgefüf)rt mit in bad t)or« 
jettige ®rab genommen ^at, bie aber beftimmt toaxm, bie 93er« 
gangen^eit ber beutfd^en 92ation ju t)er^erriic^en. @o trug er 
ftd^ mit bem ©ebanten einer Theodoriceis , bie nad^ bem SBor* 
bilbe ber Snetbe bie SSöIfenuanberung unb bic 9lieberlaffung ber 
Dftgot^en in Statten epift!^ be^anbeln foHte*). Stber nod^ ein 



bic t^rage ber (Sc^t^cit ober Uncci^t^cit bei^ Ligurinus an ^^tung nic^t gerabc 
gewinnen tonnte. 

») @. Xaufing, VI. <J)ürer S. 209 ff. 

«) «gl. ?lfd)bac^, ®cf(^tcftte u. f. w. 2, 225 u. 267—270. — 3)cr 
9?ame Tabula Peutingeriana ift auf bem oben im ^e^e angebeuteten $Sege 
entftanben. S)ad 9Ranuffrit)t, ha§i lange füi* t)er(oren gegolten, rotrb feit 1738 
in ber Siener ^ofbiblioteiet aufbewahrt. S3gL ^(f^bac^ ebenbaf. ®. 269. 

^) @. bie Vita Celtis: Theoriceidem (scribere) orsus, qua Theo- 
dorici regis Gothorum et Germaniae historiam complecti voluit carmine 
heroico. 



104 Srfted S3u(^, britted StcopittL 

größerer ^lan afö biefer bctoegte feinen ®eift, beffen Ausführung 
baS $au|)tn)er{ feinet Sebend tottbtn foQte, ndmltd^ eine Ger- 
mania illustrata,. baS in einer 9{ei^e t)on ^iftorifc^, genea« 
logijc^en unb et^nogrop^ifc^en ©d^riften bte beutfc^e ®^6)\6)tt 
jur 2)arfteIIung ju bringen beftimmt mar. ^a^ einer iRac^ric^t 
foHte ba^ SBer! in ^oja^), naä) bcr SRcinung anberer tcitoeife 
auc^ in ber ^orm gefd^ic^tlic^er 2)ic^tungen gehalten fein'). 3)a 
un$ aber feine $robe, jonbern nur unbeftimmte Stnbeutungen in 
biefer 9{id^tung t)orItegen, n^irb man gut t^un, ftc^ mit bem 
Urteile S^nidE^altung aufzulegen. Sßiffen h)ir ja ntd^t, ob er 
bad äßerf nur äberl^aupt in Eingriff genommen l^at ; ju ®eftc^te 
^at niemanb ettoaS bawn belommen. ^. äßa£imUian, toeld^en 
Seltid bei ben üerfd^iebenften ®e(egenf|eiten unb in aSen Xönen 
t^er^errlic^t , fdjeint um ben $Ian gen)u6t unb bie SSorftubien 
unb SSorbereitungen }u bemfetben unterftägt ju ^aben: o^e 
3toeifel toaxtn aber auc^ ber JSaifer unb fein ^au^ babei nid^t 
}u furj gelommen*). 3^^^^ ^^^ ^^^ ©umme öon ßeltiS' Seben 
unb äßirfen auc^ in ben Slic^tungen, bie n)tr nid^t inS Sluge ju 
faffen Ratten, fo ift eS feine ^^rage, er gel^ört ganj unb gar gn 
ber neueren @d^u(e unb erfd^eint ald etned i^rer einflugreic^ften 
^äupter ; bie @ef c^id^tfc^reibung l^at er n)eniger burd^ barfteQenbe 
SBerfe, aber t)iel aU fie^rer unb burd^ bie perfönlic^e Anregung 
überhaupt, befonberd aber burd^ bie befprod^ene Sluffinbung unb 
iBeröffentlic^ung mid^tiger @efc^tc^tdquellen geförbert, unb hierin 
lag für jene 3eit ein größeres iBerbienft als t^ieQeic^t für manche 
anbere. ©eine allgemeine 3)enfroeife anlangenb, ergibt fid^ bie 



*) „Oratione pedestri**, tuie bie Vita Celtis fagt. 

«) @. «fc^bac^ a. 0. 0. @. 264 «nm. 4. ■— 3Ran l^t toolfi gemeint, 
bie Theodoriceis fei uieHeici^t beftimmt gemefen, in bie Germania Ul. auf- 
genommen ^u werben. 

») «f *boc^ a. Q. O. @. 264 «nm. 4. — S)er »oüftänbigecit megen 
fei ermähnt, hai C^eltid in SBien u. a. au(6 bie ®eograp]§ie bed Glaubtud 
$toIomöud ertlärte unb bit Seine (5d)rift beS Marcus SSaleriu» 
$robud de notis antiquis, bie er, mie man t^ermutet, in Italien in einer 
^anbfci^rift entbecft ^atte, nac^ ^eutf(^Ianb gebracht I)at. 



Stai\tx VlafimilxQn I. unb bie nationale G^eici^tc^tfc^teibung. Sufpinian. 105 

Folgerung, bag er bie ©renjltnten bed äßtttelalterd uberfd^ritten 
^Qtte unb als feuriger Patriot im @efü^Ie einer angebrochenen 
neuen 3^it lebte, ber er nad^ Säften biente, o^ne bag er barunt 
3. $)• in feinem S^er^ältniffe jur ^errfd^enben ^rc^e tDeiter ald 
^öc^ftend ju einem ffe))tifd^en @tanbpunfte gelangt tpar; Don 
«iner feinbfeligen Haltung njar im ®rnft feine Siebe bei i^m, 
toenn aud^ balb genug 3^^if^t ^^ f^i"^^ 9tec^tgl&ubtg!eit auf^ 
getaucht finb^). 

(Sin äRann t)on imponirenbem 3Befen unb jugleid^ für unfere 
<Sefid^tdpunfte toic^tiger toax Seltid' ^unb unb jfingerer Sanbd^ 
mann Sol^anneS ©pieg^eimer, unter ber latinifirten ^^ornt 
feinet ^Ramend 3o^. Sufpinianud belannt. ©eboren im 
Sa^re 1473 ju ©c^toeinfurt, geft. am 19. ?lpril 1529 ju SBien^), 
Dereinigte Sufpinian in fic^ eine 9{ei^e ))on Sigenf d^af ten , bte 
man aud^ in jener 3^^ i" biefem @(rabe fehen üerbunben fanb. 
^rü^reif, ber äRann üielfeitiger @ete^rfamfeit, ben^äl^rte er ^ugleid^ 
für bad ^anbelnbe Seben eine ^erDorragenbe ©efc^idlic^feit unb 
fte^t unter ben ©taatdmännern unb 3)ipIomaten &. SRa^imiliani^, 
tm i^u emporgel^oben, mit oben an. 2>ad @lnd meig i^n auf- 
^ufinben, fteQt i^n an ben rechten $lag unb überfd^üttet ü^n 
mit allen feinen S^ren unb ®aben^). @r ^at feinen (^dmter 
unb Aaifer um je^n Sa^re äbertebt, aber gerabe biefer Stbfc^nitt 
feinet ßeben^ ift ber weniger öon ®(üdE begünftigte ; er jie^t fic^ 
t>erftimmt me^r Don ber öffentlid^en äBirffamfeit jurud unb 
loenbet ftd^ ungeftörter feinen »iffenfd^aftlid^en Slrbeiten ju. JBiel 



») »9I. bie Erörterung biefer grrage bei «fc^bac^ a. 0. 0. ®. 227 ff. 

*) Sgl. bie Vita Cuspiniani t)on 9^c. ®erbeUu9 aul^ ^forjl^m Dor 
ber Sudgabe k)on (£uf))iniand $Bert de Caesaribus et imperatoribus, ^trag^ 
bürg 1540. — ^Ifci^bac^ a. a. £). @. 285 unb bie bort angeführten übrigen, 
bc}. @(^ften. — Dr. ^arl ^afelbad^: 3o^. (Sufpinian al9 ©taatdmann 
«nb Me^rter (©^ulprogramm), Sien 1867, unb ber Srtifel tmi 9(b. ^oraroi^ 
in ber $(. %>. S3iogra))i)ie sab h. v. 

') (Sufpinian ivar burc^ SJlafimilian u. a. auc^ junt (Kurator ber Uni« 
tierfitat, jum $(nn)alt ber ©tobt %3ien unb jum Sorfi^enben feined @(e^inten 
fRait^ ernonnt »orben. ^ie bi))lontatif4en 9)>hfrtonen führten i§n nad^ $oIen, 
Ungarn unb S3ö^men, u. f. ». 



106 ^M 9u(4, britted Sea))ttel. 

mel^r ald Seltid eine be^arrenbe Statut, toax er f^toax ©taatS^ 
mann genug, um bie 6egtnnenbe förd^enreformation mit ®enug« 
tl^uung ju begrüben, fd^etnt ober trog feiner Überjeugung t^on 
ben eingeriffenen argen SO'ügbräud^en ed nic^t me^r Dermod^t ju 
^aben, berfetben über bie erften SRegationen f)inauS ju folgen. 
Sufpinian^ literarifd^e 9Irbeiten finb öor allem ber ®efc^ic^te 
jugetoenbet. 9Kit feiner ®rftling8fc^rift, bie in feinem 20. ßebenÄ*» 
ja^re entftanb unb bie ©efd^td^te bed babenbergifc^en äRarfgrafen 
ßeopolb be« ^eiligen be^anbefte, fiatte er fic^ (1493) bcn 5Dic^ter* 
lorbeer au8 ben ^änben 9Ra£tmi(iand ermorben. @r ^atte bamit 
jugleic^ ein (Gebiet geftreift, auf u^eld^em er fic^ fpfiter ald ®f 
fd^ic^tfc^reiber fein gröfeteö SJerbienft gewinnen foHte. S)ie ^ifto* 
rifd^en Strbeiten Sufpiniand ben)egen fic^ in üerfd^iebenen 9Hd^ 
tungen, üor allem aber bejte^en fie fid^ ouf bie alte unb bie 
mittlere ©efd^id^te unb beftel^en jum Xeil in ^ublifationen 
grifd^ifd^er, römifd^er unb beutfd^er ©c^riftfteHer, jum 2WI in 
felbftänbigen äBerfen über römifd^e, beutfc^e unb öftretd^ifd^ 
©efd^id^te. 9Ran mug jugefte^en, Sufpinian ift ein toirflic^er 
®e(et|rter, ber ben fd^riftfteHerifd^en SBeruf fe^r ernft^aft nimmt 
unb babei eine in jener Qdt ntc^t überaQ t^orl^anbenc Umfielt 
enttoidfelt. {Darüber, ba§ er für feine ©d^riftfteQerei neben feinen 
anbeten @efd^Sften fo t)te( Qdt erübrigen fonnte, mag man fi(^ 
biQig n)unbern, n)enn man aud^ rod^, bag i^m S^eunbe nic^t 
fehlten, bie il^m an bie ^anb gingen. Siniged erHärt bie X^t* 
fad^e, bag et in frül^er Sugenb, n^enn toix fo fagen bürfen, inS 
3eug gegangen ift. äKan merft i^m aber auc^ überall ben 
erfahrenen ©efd^äft^mann unb ben benfenben loie ^anbelnben 
^olitifer an. ^iftorifer ift er in üiel ^ö^crem ®rabe als fein 
greunb SeltiÄ, ber ben gtöfeeten Aufgaben gegenübet über bie 
SSotbeteitungen menig t)tnau^gefommen ift. ©eine Sbitionen Don 
Duellenfd^tiften finb öerfc^ieben an SBett. Sie etfte ^ublifation 
bet %rt liegt noc^ augerl^alb bed gef(4ic^t(ic^en ©ebieted, grenjt 
aber gleic^tDo^f baran unb mirft auf ben ^et^ fetner ©tubien 
unb üterarifd^en 3ntereffen ein bejetc^nenbed Sidbt. ®ie befte^t 



Kaifer ^a^milianl. unb bte nationale ©efc^ic^tfc^reibung. ^uf))tnian. 107 

in ber Sludgabe ber betben (atetnifd^en Überje^ungen ber poeto^ 
geograp^ifd^en ^eriegefid bed Sle^onbriner^ 3)ton^ftud; bte 
Sudgabc ber Überfegung bed ©rammatiferd ^riScianuS erfd^ien 
lim 1494, bte bed Stufud %ntanuS 1508. @ie finb ttt nfic^fter 
3ett burd^ beffere öon ber §anb ferner greunbc Samer« uitb 
5Babtaitug crfeftt toorben^). 3n ba« Sa^r 1511 fällt feine 
^(udgabe ber römifc^en ©efc^ic^te bed Suciud Sfmtäud ^ I o r u d , 
bagegen ift feine ^Bearbeitung bed Xe^ted bed 99ret)iarium9 bed 
©ejtu^ Siufuö erft nad^ feinem 3;obe (1553) öeröffentlid^t 
tDorben. SRond^ed ber S(rt, toad er bei feinem eifrigen ©uc^en 
nad^ ^anbf^riften fanb unb ju beffen ^eraudgabe i^m 3^it ohti 
Antrieb fehlten, gab er ju biefcm ß^edEe in bie §änbe gelehrter 
^reunbe, tpie j. S3. eine ^anbfc^rift bed S)ioborud ©icuIuS 
unb ber (Sfyconit bcd Qonaxa^, bie er in Ofen oufgefunben 
^atte. 3)ie t?erbicntefte feiner eigenen 5ßub(ifationen ift bie §erauÄ* 
%abc jtpeier ^iftorifer, auf loelc^e (Snea ©itt^io nac^ langer 
Qtxt juerft toieber geftofeen toar*), ndmlid^ ber ©efd^ic^tc ber 
®ot^n 'oon Sorbane^ unb ber jhyei berühmten äßerfe bed 
^fc^ofd Otto t)on ^reifingen, ber Sßeltc^ronif unb ber 
®ef(^i^te ^aifer ^ebric^ I. @ie finb beibe im Sa^re löl5 
an badfiid^t getreten; an ber einen $ub(ifation ^atte @. $eu« 
ttnger, an ber anberen SRajrimitianS ^iftoriogrop^ @tabiu^ 
«nteit»). 

Stuf bie Strbeiten Sufpiniand über bie fpejififc^ rtotifc^e 
©efd^ic^te fommen tpir in einem anberen 3ufammen^ange jurficf : 
ed liegt in ii)nen, um toenigftenS btefed jegt fd^on t)ert)orju^eben, 
ntit bad imponirenbfte (Ergebnis feinet forf^enben unb ftrebenben 



') Sgt. ^|4bad^ a. a. O. @. 300. Über Samerd unb SabianuS f. 
benfeU^en ebb. @. 172—184 u. 391—409. Stuf SSabian fommen toir ncd^ 
audfü^rlic^ ^u reben. 

«) @. oben 8. 38. 

*) Jordanes: de rebus geticis. — Otto Frisingensis : Chrouicou 
mundi unb res gestae Fridorici (I.) imperatoris. 3u t>gl. $ott^aft a. a. C 
8ub h. y. unb ^attenbac^, @)efd^i(f)tSqueaen 1, 4; 2, 240. 



108 Ctfted ®ii(^, britted Kapitel. 

®eiftcö. fSm "Wcfer ®td(e gebenfen toir feiner Äaifergefd^ic^tc, 
bie um bad 9a^r 1522 fd^on no^eju t^oüenbet tDor unb, mit 
SuHud Säfar beginnend, iKe römifd^en lote bie beutfd^en unb oft» 
Tömift^en ftaifer be^anbeft*), Sa« SSäerf ift crft 1540 öon feinem 
^reunbe Üticolaud ®erbeP) herausgegeben unb fd^on bad 
3a^r barauf }u Gtrogburg in guter beutfd^er Überfe^ung erfd^ienen. 
di erftredEt ftd^ btd jum Zobe äRa^milianS. STOerbingS fann 
man es nid^t Diel mel^r ali eine Kompilation nennen, bie aber 
in bem ®tabe felbftänbig ift, a(d ed eine fold^e überhaupt fein 
famt. Originell ift, bag auc^ bie ©ef^id^te ber oftrömifd^en ftaifer 
mit befianbett ttnrb. ^ie Slärfenfroge, bie (Sufpinian mie nid^td 
anbereS fd^toer auf feinem ^erjen laftete, mag i^n barouf geführt 
^abcn. Über bie ^^crfunft, 9ieIigion unb S^^rannci ber Surfen* 
I)aben tt^ir aud^ eine eigene ©c^rift Don il^m, bie ba beuttic^ 
bejeugt, tt)ie gut er bie ©efal^r, bie öon biefer ©eite bro^te, 
burc^fd^aut. !Die Aaifergefd^id^te I&gt jugleic^ ben n)eiten ftreid 
feiner ©tubien unb Äenntniffe D ortreff lic^ fiberfe^en : toie abhängig 
er aud^ nac^ Derfc^iebcnen ©eiten l^in ift, er oerfd^njeigt »eber 
feine DueDen, noc^ gibt er if)nen gegenüber' feine ©elbftänbigfeit 
auf. @r n)eig boc^, toad j. )9. 2)eutfd^Ianb unb bie ©efd^ic^te 
feiner Äaifer anlangt, in ben Derfd^iebenften Äonfliften rec^t gut 
ftetS bag Sftid^tige ju treffen. SKc^t auS Svl^oÜ f)at er gcrabe 
biefen ®egenftanb getoä^It unb mit fid^tlic^er JBorliebe but^^ 
geführt: er entfprad^ jugleic^ feinen mo^I überlegten politifd^en 
(^runbffi^en. S)ag bancben baS §aud ^abdburg nid^t }u furj 
fommt, lieg fic^ nad^ feiner ©runbftimmung nic^t anberd er« 
Unarten. SBad bem SBerle femer ju ftatten fommt, ift, bag 
^ufpinian gut ju erjä^Ien oerfte^t, eine (Sigenfc^aft, bie bem^ 
felben offenbar Diele greunbe gemacht ^at. ©o begreift eS fic^, 
bag äKelant^on bie Don ftafpar ^ebio Deranftaltete Über» 



^) ^De Caesaribus et imperatoribus Romanorum." I^gl. fein be§. 
(Schreiben an %. $trf^cimcr in beffen Opp. Ed. Goldast p. 252. 
«) @. über i^n Vlfc^ba(^ a. o. O. 2, 316—318. 



% 



ftaifer äRa^dmiltan I. iinb bie nationale ®ef(^i(!^(^retbung. ^ufpinian. 109 

traflung biefcr flaiferflcfd^td^tc tnd !J)cutjd^c mit ciitcr Sorrcbc 
Doli Don SBftrmc unb Stnctfcnnung bcfllcitcn fonntc^). 

2t(S bie n)iff6nfc^aftli(^ ge^a(tt)oafie Sfrbeit SufpinionS pflegt 
man feine Austria }U bettad^ten. yiiä)i mit Unrecht, benn er f)at ^ier 
unt)etfennbar am meiften eigene^ gegeben unb fic^ a(d ©efd^ic^td« 
fotfd^er betoo^rt. 3!)ie ©d^rift ift nac^ bem 2;obe SRayimiHanS, jur 
Seit Ä. flarl V., entftanben. ©te bel^anbelt öor allem bie baben* 
bergifc^en SWarfgrafcn unb ^erjöge, ftreift aber jugleic^ über fie 
unb bid fiber bie ß^iten ^aifer ^iebrid^ lU. ^inaud. äßand^e bi^ 
ba^in unbefannte Urfunbe f)at er nic^t blog gefannt unb benu^t, 
fonbem aud^ and 8id^t gejogen*). 3m fünfte ber Shitif ift er 
freißd^ nic^t burd^auS füc^fcft; nur teitoeife unb fialb njie auS ber 
Entfernung bringt er in ber ^rage Don ber (Sd^tl^eit ber öftreid^i^ 
fc^en ^aui&prit)ilegien burd^ bie SSormerfe jener berfll^mten ^iftion. 
S)en Unterfd^ieb jnjifd^en einer emftl^aften, auf aut^entif^e Se^ 
richte unb Urfunben gegrunbeten gefd^id^tfid^en S)arfteQung unb 
einer auf Seic^tfinn unb SSiQIür aufgebauten ^iftorie ^at er 
übrigen^ mit beftimmter SJeutlid^Ieit formufirt unb bie erftere 
a(« bad Qid feiner SSSa^t bejeid^nct^). SKan barf bie ^ro* 

*) IHc Übcrfcjung crfc^icn ©traöburg 1441. ÜRelont^on fagt am ©c^Iuffe 
feiner Sorrcbe, nocj^bcm er feiner Scfricbigung, bie et bei ber ^iac^ric^t 
empfunbcn, bag ^bio Sufpiniand ^aifergefc^ici^te ind l^utf^e übertragen 
looDe. %3orte geliehen: ^S)enn ed l^tt SufpinianuS unber ben nemen unb 
festen (Sronidbefc^reibem \o üiel ^enlic^r ^nbe( unb S)ing8 mit föQic^cr 
mi(bar!eit unb lieblic^feit jufammen t)erfa{fet, bag ic^ nit meig, ob ju unfern 
^iten je etmad DoIIfommenered unb rei(^Ii(^d audgangen ift. 3)er urfa^en 
l^Ib, lieber lefer, mid ic^ biefe (Sronicfa für anbere ^u fefen in treten cm» 
pfo^Ien f^abcn." 

«) @. j. ö. @. 32, 36 u. 88 ber «uÄgabe Don 1601. 

') !3n ber ^orrebe in vitam Leopoldi, me^e bie Austria eröffnet, fogt 
er: „£a omnia yerissimis narrationibus, abiecto verborum lenocinio et 
inani ostentacione , 6 receptis annalibus et yetustisBimis antiqaitatibuB 
ac diplomatibus , quae oculata fide perspexi, exequar. Interim fidem 
lector habeat, quoad certiora intelliget. Si frivola, quae temeritate 
quadam nonnulla sibi usurpant scriptores, nulla autoritate snffulti, at- 
tolerimus: id liberum sit cuique vel damnare vel reiicere. In animo est 
verissima quaeque afferre et vetustissima sciensque in nullius gratiam 
fictum aliquid afferre." 



110 @rftc« »u*, brittc» StopM. 

flainirung biefer ©runbfage unb bie Slntoenbung, bie er t^nen ju 
^d[ tperben lagt, a(d eined ber erfreultc^ften @^m^tome beseic^nen, 
bie biefc Qtit in bcr ©cgrünbunfl einer toiffenfc^aftüc^en ®e* 
fc^ic^tfc^reibung und entgegenbringt. 2)ie QextQt\6)iäite berührt 
Sufpinian fon^o^I im ©c^Iugtapitel feiner ßQtferI|iftorien aU in 
ber Austria : ed ^anbelt fid^ babei immer um bie äSer^errltc^ung 
&, äRQjrimUiand. Sßir l^aben Don i^m aber flberbied eine fpeiteUe 
,,@e]c^reibung ber 3ufammenfunft bed ^aiferd mit ben ftönigen 
öon ®öl^men, ?ßoIen unb Ungarn" (3uK 1515) unb ber auf biefem 
gürftenf ongreffe geführten SBerl^anblungen ^). ©ie ift nid^t gerabe 
einge^enb, aber aU 89eric^t eined gut unterrichteten ^olttiferd 
bon 3ntere[fe^. — 

S)ie beiben anbern geleierten 3citgen offen, »elc^e ft. Wa^* 
nttHan ebenfaQd burdö na^e Sesie^ungen oerbunben n^aren, ol^ne 
jeboc^ in feinem ober feine« Staate^ ©icnfte ju ftel^en, bie aber 
jugleic^ neben Seltid unb Sufpinian ald bie bebeutenbften er« 
fc^einen unb für bie görberung ber J^iftorifd^en 3Biffenfc^aft mit 
(£rfo(g unmittelbar unb mittelbar gen)ir!t ^aben, finb fi. ^eu< 
ttnger unb SB. ^pirfl^eimer. Ä. ^eutinger toar am 15. Oftober 
1465 t)on einem angefe^enen @efc^(ec^te, ba« aber nic^t jum 
^atrtjiate gehörte, ju STugöburg geboren^), ©eine ^ö^ere Silbung 
erhielt er in Stauen, tool^in er fe^r jung gefommen toar. S){e 
tiefften ©inbrfide ^at er burc^ feinen ,, Seigrer" ?ßomponiuÄ SätuÄ 
in 9{om unb $^ilipp Seroalbud in Bologna empfangen. %ber 



^) Sie fÜ^e auc^ ben Xitel „diarium Jo. Cuspiniani etc.** 

«) Opp. Cuspiniani (gronfturt 1601) p. 741—782. 

') $g(. Jo. Geor. Lotteras, Historia vitae atque meritorum 
Conradi Peutingeri in bcr oermel^rtcn Slu^abe Don $cit^. ^ugdburg 1783. — 
(Sr^arb, ®e|d)i(^tc hc^ ^icbemufblü^end u. f. m. 3, 394 ff. — ^afob iBrucfer, 
(S^rentempel bcr bcutfd)en @c!e^rfamtett (^(ugdburg 1747) 6.45 ff. — @tfibtt« 
d)roniten 4, XLIII. — ^erbcrgcr, ^onrab ^eutingcr unb fein 9^r^(tni4 
5U 5i. SJRa^tmiUan (15. unb 16. ga^rcdbcrid^t beö ^iftor. SScrcind x>on 8d)toaben 
unb Ül^euburg für bie 3al^rc 1849 unb 1850. $lugSburg 1851). — 9hib. 
t>. 9laumer, ®e(d). ber german. $^i(oIogie (5. 17. 18. Sgl. auc^ ^anffen 
o. a. a @. 117—119. 



^atfer äRajrhntlian I. unb bie nationale (^efc^ic^tfcj^reibung. ^tinger. Hl 

and) bie naivere ^efanntfd^aft ^co'd t)on aRtronbuIa unb bed 
^Ingclu^ ^olttianuÄ ^at er gemacht. 81« Doctor juris feierte 
er fiber bie Sltpen juriicf unb begab fid^ bann aufd neue auf 
Steifen, bie il^n u. a. an ben Jlieberrl^etn führten. 3m Saläre 
1490 trat er in ben 5J!)ienft feiner SJaterftabt, bie je^t eben bie 
^ö^e i^rer »Iflte unb i^re^ «nfe^en« befc^ritt. 3m 3aöre 1497 
tourbe er ©tabtfd^reiber auf fieben^jeit, ein Amt, ba^ in jener 
(Spoci)t ju ben n^tc^ttgften einer folc^en mäd^tigen ©emeinbe gehörte 
unb bem 3n^aber einen toefentlic^en Anteil an ber Seitung i^rer 
:poIitifc^en ©efc^äfte in bie ^änbe legte. (£d toar bad %mt etned 
©taatdmanned , bai^ il^n benn auc^ im 93er(aufe ber 3a^re 
toteberl^olt atö ©efanbten üor aQem auf bie 9ieic^dtage ber Qtxt 
unb an ben faiferlic^en §of geffll^rt l^at. Überall in biefen 
^iffionen ^at er ftc^ aU getoiegten ©efd^äftdmann betoöl^rt unb 
babei jugletc^ bad SBertrauen Aaifer 9Ra{imi(iani^ n)ie auc^ 
Ä. Äarl V., fiönig Serbinanb«, be« Äurffirften griebric^ b. 333. 
t)on ©a^fen u. a. getoonnen. S)iefe« fein Slnfel^en afö ©taatd* 
inonn tourbe freilid^ jugleid^ burd^ ben 9{uf feiner ®elel^rfamfeit 
unb fcitener Äenntniffe in ben öerfc^iebenften 3^^ifl^w »efentlic^ 
unterftügt. 2)al^er auc^ feine SSerbinbungen mit ben Derfc^ie- 
bcnften litcrarifc^en Serül^mt^eiten ber 3^'*- Sm 3ntereffe ber 
t)oIIftänbtgen (S^arafteriftif bed äRanned barf bie S^atfac^e nid^t 
übergangen toerben, bajj ^eutinger ben S(nfängen ber reforma^ 
torifc^en 89en)egung f^m|)atl^ifc^ entgegentrat: er ift 1521 in 
SBormd unb 1530 in Slugdburg in nähere 89erü^rung mit Sutl^er 
^efommen unb l^at nod^ 1530 auf bem Steid^Stage ju Slugdburg 
i)iefe feine SSaterftabt mit vertreten ; bie legten 3a^re feine« fiebenS 
aber ^at er fic^, mie ermübet, Don ben öffentßd^en ©efc^äften 
jurüdEgejogen unb ift am 28. ©ejember 1547 geftorben. (S« 
^etgt jiemlic^ oQgemetn, bajj i^n ber n^eitere iBerlauf ber 9iefor^ 
mation nic^t befriebigt unb er fid^ Don i^r abgetoenbet l^abe: 
toenn bem fo n^ar, toerben, toit bei Sufpinian, in erfter fiinie 
^olitifd^e ©efid^tdpunfte unb üieQeid^t perfönlic^e Oejiel^ungen 
beftimmenb eingen)ir!t ^aben. 



112 ®rftc« mäi, btittcS Stoipittl 

2Bir l^aben cd ^ier mit ^eutingerd ©teHung ju ber Siffen^ 
fd^aft unb t)Ox allein ber ©efc^ic^tdforfc^ung ^u tl^un. Hai 
bamaltge ^ugdburg mar fo ber re^te Soben, in SSergangen^ett 
unb ®egenn)art, um einen (ebl^aften ®eift ^iftorifc^ anzuregen. 
!Dad ganje 15. Sal^r^unbert ^inburc^ tpar bie ©efd^id^te ber 
@tabt nic^t ol^ne Srfolg gepflegt toorben, bie geleierte tote bie 
bürgerlid^e ©efc^id^tfd^retbung f)atten geblüht*). Unb jcfet barg 
bie @tabt eine 9iet^e t)on äRännern DoQ üon Xeilnal^me aa 
aßen geleierten gragen, h^eld^c bamalg bie 3^itgeno[fcn bctocgten^ 
beren be^errfd^enber 3J?itteIpun!t aber ^eutinger toar, unter 
beffen Snitiattüe fte fic^ öom ?lnfange beS Sal^r^unbert» förmli^ 
ju einer geleljrten ©efeüfd^aft öerbanben, beren ®fer in crfter 
fiinie bem beutfc^en 9[(tertum unb ber beutfc^en ©efc^td^te ju 
gute gefommen ift. Qu biefer @ruppe gel^örte u. a. SRatt^fiu^ 
8ang, einem angefe^enen Äug^burger ^atriäiergefd^Iec^te ent* 
fproffen unb auf ben ^od^fd^ulen üon 3ngoIftabt unb 3B3ieit 
namentlid^ auc^ im @inne bed ^umanidmud gebilbet, bem: 
ald ßanjier &. äßaj^imiliand, Sifd^of t)on ®nü unb jule^t 
alg ©rjbif^of Don ©aljburg unb ftarbinal ber römifc^cn fitrd^e 
eine glänjenbe Saufbal^n t)orbe^a[ten n^ar^). S)a)u ge^rte ber 
S)omt)err SJ^attl^Su^ aßarfd^aH Don ^appenl^eim (geb. 
1458, geft. 1511), ber al8 Setfaffer öerfc^iebener ^iftorifc^er 
©c^riften, in^befonbere ber ©efc^id^te feiner eigenen gamtße unb- 
aber auc^ ber @rafen t)on 3;ru^fc6 » SBalbburg, fi^ unter ben 
©efd^id^t^forfc^crn ber Qät einen Kamen gemacht ^at*). g^mer 
bie beiben ®rüber öern^arb unb Äonrab Jlbelmann (t)on 
ÄbcImannSfelben) , ebenfalls SKitglieber be§ ?lug^burgcr ^om« 
tapiteU, bie in ben ^umaniftifc^en Reifen ©übbeutfd^Ianbi^ mo^t 

^) <B. oben im 1. itapitd 6. 28 unb (Stäbtec^ronifen a. a. O. QHnlettung. 

^) @. Yeith, Bibliütheca Augustana etc. Alphabetum V @. 25 ff. 
«ug^burg 1789. 

s) Veith 1. c. Alphab. II (B. 84 ff. ^d SRattl^. m. üon ^a^en^tm 
^iftorifd) aufecrbcm noc^ gcfc^ricbcn l^at, ift für unfcrc Qtoedt ol^nc !6ebcutung, 
roic j. 93. bie i^m jugefcftricbene Chronica australis (bei Freher-Stnive 
I, 430 — 490). 



i^aifer Tla^mxlxan I. unb bie nationale @efc^t(^tf(^reibung. ^eutinger. 1 13 

anflcfc^ toarenO- ©tibltc^ ber Äbt öon ®t. Ulric^ unb §lfra, 
«ituÄ »ilb (geb. 1481, geft. 1529), ein ©c^üIcr Soc^er« 
^^tlomufoi^ in Sttgolftabt, mit ^eutinger naf)e üerbunben, fd^rift« 
fteÜeTifci^ mannigfad^ tl^Stig unb auc^ l^tftorifc^en SBefc^aftigungen 
nid^t frcmb*). S)en l^öc^ftcn litcrarifc^cn Wul^m üon biefcn aücn 
^at aber boc^ ^eutinger baDongettogen. @r mar in ben t)erfd^ie^ 
bcnftcn ®cbictcn bcipanbcrt unb unermflblid^ in bcm ©cftrcbcn 
ftc^ ipcitcr ju bilben — noc^ Dcrglcic^ungÄtocifc fpftt ^at er bad 
©tubium ber grtcc^ifd^cn ©prad^c begonnen — , fein bleibenbeÄ 
SSerbienft liegt ober gleid^n^o^I im Gebiete unferer ©efc^id^te unb 
unfereS Slltertumd. SRanc^ed in biefer SBejiel^ung erlDartet noc^ 
eine genauere fßrfifung unb rul^t jum Seile noc^ in J^anbfd^rift« 
(id^er SSerborgen^eit: in ber J^auptfac^e {ebpc^ finb toir l^inlönglic^ 
unterrichtet, und ein ftd^ereS Urteil ju bilben. SSon biefem ®e=» 
fic^tÄpunfte auÄ finb feine ®e}ie^ungen ju Äaifer SWajimiüan 
oon ber ^öc^ften Sebeutung, er toar beffen toiffenfc^aftlid^er SRat 
unb SSertrauendmonn im DoIIen SSerftanbe be8 SBorte«, bie 
uieiften literarischen (Snttoürfe bed Aaiferd n>urben i^m jur )8e^ 
gutad^tung vorgelegt, ben $Ian ju bem beräumten ®rabbenhna(, 
bad fic^ biefer in SnndbrudC errichten Heg, l^atte er mit i^m be^ 
raten'). SBir treffen ben ?lugÄburger ©tabtfd^reiber tt)o^I aud^ 
einmal auf ©cfuc^ bei bem Äaifer, ber i^m, ganj in feiner Art, 
bie „©riefe" bed §aufe^ Öftreic^ üorlegt unb fie mit i^m burc^* 
fprid^t. Sin 9tatfd^I&gen unb Slnregungen in biefer SBejtel^ung l^at 
ed ^eutinger feinem ®5nner gegenüber aud^ ntc^t feilten laffen. 
©eine eigenen ^Crbeiten, bie ffir und jule^t bod^ bad n)ic^tigfte 
finb, betoegen fid^ in brei Wid^tungen. SBie er felber ein fünfte 
t)erftanbtger unb glucUic^er ©ammler Don 89üc^em, ig^anbfc^riften 

») Veith 1. c. ibid. @. 1 ff. — »gl. bie betr. «rrtfel in ber «. 3). 
»iogrop^ie sab h. v. 93em^rb 9[b., 1457 geb., ftarb 1523. l^onrab 91b. mar 
ber jüngere unb ftarb 1547. 

') SgL Heumann, Documenta litter. unb Yeith l c. Alphab. I 
®. 10 ff. 

») ^erberger a. a. O. @. 54ff. — ^oratoij, .faiferSWaf unb bie 
(ikfd)i(^«toiffenf(^aft a. a. O. 

». ® c fl c I c , Q^tWtäiU htt beutfc^cn ^i^OTtogra|)^le. 8 



114 erftcS SBuc^, britte« StopM, 

unb SKünjen ipar, ift eine feiner ^auptleiftungen ba8 Snffrip* 
tionenn^erf, baS er im Sa^re 1520 ^eraudgab unb melc^e^ für 
Sluffuc^ung unb JBeröffentlic^ung tjon berarrigen Überreften auS 
ber röntifc^en 3^'* mafegebenb gch^orben ift^). Sei biefcn gor^ 
fc^ungen f)at i^n [eine grau äßargaretl^a , bem ®t\ä)l^tt ber 
SBelfer entftammt, mit befannter SRfil^rigfeit unb ©ad^fcnntniÄ 
unterftü^t*). ©en entfd^etbenbcn Stnftofe ju biefer Sbition ^attc 
Ä. SKajimilian gegeben, unb bie fc^on enpä^nte ®e{ellfci^aft gc* 
te^rter Slug^burger greunbe l^atte mit Wat unb 2^at babei mifc 
gel^olfen. ?ßeutingerd gorfc^ungen im ©ereid^e ber alten beutfd^ 
©efc^ic^te l^aben il^ren befannteften 9ludbrudE in feinen Sermones 
convivales de mirandis Genuamae antiquitatibus gefunben'). 
S)ie ©d^rift fnüpft formell an bie geleierten ©t)mpofien an, bte m 
bem gefd^ilberten greunbe^freife 8lug«^burg« ©tttc loaren unb 
mit n^iffenfd^aftlid^en Unterhaltungen gen^är^t ju n^erben pflegten. 
@ie ift nid^t gerabe befonberd umfangreich unb be^anbelt jum aber« 
loiegenben Steile ein bamal^ unter ben patriotifd^en ^tftorifem 
unb ^ublijiften be^ ©übh)eften^ ütelfad^ erörtertet ^^ema, 
nämltd^ bie t^rage Aber bie beutfd^e SSeftgrenje, unb fud^t auf 
gefd^ic^tlic^em 3Bege ben ©enjeig ju führen, baß baä linle SR^ein«: 
ufer fd^on üor Suliu^ Säfar bon beutfd^en SBöIfcrfc^aften befe^t 
gettjefen fei unb bafe fomit bie änfprüc^e ber granjofen auf bie 
Sil^eingrenje feinen S3oben unter fic^ l^ätten. fßox allem aud 
biefem ®runbe finb biefe ^Oefprftd^e'' üon ben 3^i*fl^«offen mit 
lautem Seifall aufgenommen njorben; man brandet bloß bad 
©d^reiben 5U lefen, mit toelc^em ber fonft geh^ife nid^t ejcentrifd^ 
Ulric^ 3^!^"^' nad^bem er bie ©c^rift im STOanuffript ge* 



^) Romanae vetustatis fragmeuta in Augusta Vindelicorum et eius 
dioecesi. — 2(uc^ jU »gl. Corpus inscriptionum latinarum vol. VI pars I 
(Söcrlin 1876) p. XLVII. 

») U. a. JU ögl. bie ©riefe, bie SBeit^ feiner ^uSgabe bon ßottcr« Historia 
vitae Peutingeri angehängt ^at, namentüd) bie ©riefe ^ummclbcrger«. 

*) Suerft erf(^ienen ©trafeburg 1506, jule^t, mit einem 9lnftangc no4 
ungebrucfter ©riefe ^eutinger« öon 8^P'U ?(ugöburg 1781. 



^aifer SRa^mtlian I. unb bic nationale ©efc^ic^tfc^retbung. $eutinger. 115 

Icfcn/jur SJcröffentlid^ung berfclbcn aufgeforbert ^at^). ®cgen* 
über ben (Srörtcrungen, bie biefer (Scgenftanb, tt)ie ernannt, Don 
anberer ©ctte erfal^rcn f)at, ift ^eutiiiger aQerbingÄ in einem 
unöcrfennbaren SSorteil, bie lenbenj tritt bei i^m cttoa^ üor- 
ftd^tiger auf, ober audj feine ^lu^fä^rungen leiben an bem 
Umftanbe, baß bie SBorau^fefeung fc^ief unb bie gragefteHung, 
^iftorifc^ gemeffen, nid^t ganj forreft ift. 9Saö baS frttifc^e 
Vermögen ?ßeutinger« anlangt, fo ift e§ nic^t über alle 9(n*' 
fed^tungen ergaben: ®aguinug tt)irb aUcrbingd gebüf)renb 
jurec^tgetüicfen unb bcr ^unibalb feinet 5^^""^^^ 3!rtt^emiud 
crtDedt t§m begrünbete SBebenlen, aber ben SSerlodEungen bed 
falfc^en 9orofud n^eig er nid^t ganj ju entgegen. Sine fruc^t« 
bare Se^anblung unfereS Altertum^ tt)ar in biefen h)ie in allen 
g&IIen jegt unb auf lange Qnt f)\nan^ bnxd) bie ^^atfac^e ge^ 
^emmt, bafe eÄ feine bcutfd^e ?ß^iIoIogie im engeren ©inne gab ; 
cn biefem SKangel fd^eitertcn bic löblid^ften 3Inftrengungen ober 
gingen boc^ ber J^älfte il^rer (grgebniffe oerluftig. S(ud biefem 
©runbe h^ufete man auc^ bcr Germania be^ lacituÄ, toie l)0^c 
SBcgciftcrung it)r entgegengebracht ttjurbe unb tt)ic eifrig man fid^ 
cn ü)x abmühte, aUjun^cnig ^cfriebigcnbcd ab}ugen)innen. 3m 
übrigen h)irb cd jh^ecfmäfeig erfc^einen, glcid^ ^ier J^eroorsu^eben, 
ha^ fid^ ^eutinger mit ber Slbfid^t getragen, bic i^m oon Gelti^ 
legttoiHig Dermac^te, nac^ i^m bauernb genannte Tabula j^eraud- 
zugeben; bie S3efd^äftigung mit itjx (ag feinen antiquarifc^en 
Steigungen ja befonberö naf)c; er ift aber, wie h)ir miffen. obwohl 
cd an S(ufforberungen baju nid^t gefet)[t ^at, nic^t me^r jur 
?(u§fü^rung biefeS pane« gefommen*). 

Sin toefentlic^ed S?erbicnft t)at fid^ ^eutinger burd^ bic 
?luögabe einer Slnja^I Don beutfc^en Quenenfd^riften erioorben: 
Jornandes unb bie fog. Urfperger S^ronif ftel^en hierin oben 



^) ^8 betr. ©(^reiben ift ben „GJcf^rädjen" on bie @t)i^c gcftcHt. 
«) e. oben ©. 103 ?lnm. 2. — 3u ügl. ein »rief ©ör. ©dieurlS üom 
Sa^e 1Ö31 (in beffen ^riefbuc^) an ^eutinger. 

8* 



1 16 ©rftc« öu(^, brittcS StopM. 

an; fte finb betbe im So^re 1515 unb, toa^ bie ^auptfac^e ift 
äum erftcn Wale im S)rud crfc^tenen. 3tt bcmfclbcn Sa^re 
ocranftaltctc er anä) eine Aufgabe bc^ Paulus Warnefridi, bcr 
aber bod^ bad ^af)x jUDor, o^ne bag er ed tpugte, eine noc^ 
baju beffere, burd^ Sldcenfiud beforgte, in $artd t)or ausgegangen 
tuar. 83on feinem Slnteil an ber SBeröffentIid)ung be* Guntheru» 
Ligurinus ift fc^on bie SRcbe geh^efen. Qu ber 9(udgabe beS 
^^ßrocopiud burd) ^eatud 9fl^enanui^ l^at er mit ben 9rnfto§ 
gegeben, ©elbftänbige gefc^ic^tlic^e S)arfteIIungen üon toettercm 
Umfange h)erben ^ßeutinger aüerbingS jugefc^rieben % jeboc^, toic 
erloä^nt, fe^en h)ir und nod^ nid^t in ber Sage, bartn felbftänbig 
ju urteilen. @3 ^at tnbed immerhin ben ?(nfc^ein, bafe bcrfelbe 
mit jeitgenöffifcften Äufjeic^nungen im 3"?öntmen^ange mit bcr 
laufenben ©efc^ic^te feiner ©tabt befd^äftigt toar: eine Aufgabe, 
bie i^m »a^rfd^einlid^ auf ®runb feinet ÄmteÄ na^e gelegt tuar. 
Ttan ^at il^m tuenigftend aud^ in biefer Stic^tung bad 93efte ^u« 
getraut*), ©ein brieflid^er SSerfe^r auc^ geleierten S^arafterö tann 
nur bcbeutenb geh)efen fein : ed njürbe fic^ ber SKfl^e lohnen, feine 
jerftreute Äorrefponbenj ju fammeln unb, foh)eit fie ücrborgcn 
liegt, and fiid^t ju jie^en ; fie tpürbe in t^rer ©efammt^eit o^ne 
3toeifeI JU ben (eierreid[)ften ber Qeit gehören ^). — 

Unter ber ®ruppe, bie und junäd^ft befd^ftftigt, nimmt 
(eict)t SB. 5ßirl^eimer an grfinblid^er S)urc^bitbung unb %te(^ 
feitigfeit ber ffenntniffe ben erften ^a^ ein*). @r toar ein 



») aSgl. 8tQbtc(^romfcn 4, XLIIL 

«) ©^rifto^^ ©c^eurl fd^rcibt (f. fein Sricfbuc^) im 3a^re 1531 an 
^cutinger: „qui tempora uostra scribis et apud Germanos in historia 
facile primus teneas." 

8) ^aS aud einem falfc^ intcrpretirten 64reiben $cutingerd an ©palatin 
gcfc^öpftc TOJtxrrftänbni« gcttcr«, al« ^abc «Pcutingcr fit^ mit bcm ^lane 
einer umfoficnben Sammlung beutfc^er ®efc^ic^t«qucllcn unter bcm 9?amen: 
Thesaurus rerum Germanicarum getragen, ^at bereite hit Historia vitae 
atque meritorum etc. 6. 59 — 60 wiberlegt. 

*) SSgl. Opp. Bilib. Pirckheimeri etc. ed. Melch. Goldast (&ranlfurt 
1610) mit ¥irt]§cimcr8 fieben öon Ä. JRitterS^ouS. — St. ©agen, 5J)futf<j^ 
lanbS literarif(^e unb religiöfc 83crl^dltniffe im SReformationÄjeitalter 2. ^itcU 



^aifer Sl^la^nmilian I. unb bie nationale @^|(^ic^tfc^tbung. $trf]§etmer. 117 

^ift Don ungctoö^nlid^cr ^robuftiöttät. ?!!« ©efd^id^tfcl^rcibcr 
i)at er itoax nic^t \o umfaffenbe SSerfe tote Sufpinton aitfju^ 
loetfen, an fritifc^em ©inn ift er il^m boc^ überlegen, bie an* 
regung, bie na^ aOen @eiten oon if)m audge^t, f)at faunt i^red 
flleid^en in jener Qtxt, in ber fienntni« beö beutfc^en Altertum« 
nimmt er burd^ unbefangene^ flareS Urteil nod^ oor ^eutinger 
2>en $(a$ ein, unb jur SBe^anblung ber S^itgefd^id^te l^at er 
feinen ®eruf in anertannter SBeife bolumentirt. gretlic^ erfreute 
«r fic^ bon oom herein eine« feiten günftigen ©efd^icfe«, traft 
loeld^em er ben SRenfc^en, ben (Staatsmann unb ben ©elel^rten 
in beneibenSmerter Übereinftimmung in fic^ enttoicfeln lonnte. 
geboren am ö. S)eäember 1470 au« einem angefe^enen ^atriiier* 
^efd^Ied^te, genog er unter ben %ufpt}ien eine« ^oc^gebitbeten 
iBaterd eine audgeseic^nete Sr^ie^ung toit für bie SBiffenfc^aft, 
fo für bad ^anbelnbe Seben. 20 Sa^re alt ging er nad^ Stalien 
itnb ^at bort auf ben ^o^en @d^u(en Don ^abua unb $aoia 
fieben mo^Iangen^anbte Sa^re jugebrac^t. ©eine innerfte 9teigung 
jog i^n )u ben I|umaniftifc^en Disziplinen: bie ^nntniS ber 
^riec^ifc^en ©prac^e unb Literatur ^at er fid^ in einem ©rabe 
<tngeeignet, bajj i^n nur n^enige in Deutfc^(anb hierin übertrafen 
unb aud^ ein fonft fo l^oc^gebilbeter äRann tok ^eutinger hierin 
loeit hinter t^m ^urücfblieb. ©ein SSater aderbingd toar mit biefer 
Eingabe nic^t jufrieben unb oerlangte Don i^m in erfter fiinie 
tai ©tubium beS geiftüc^en unb n)e(tlic^en Süec^tS, baS unbe^ 
bingt notn)enbig fei, um a(d ©taatSmann auftreten ju fönnen. 
$ir!^eimer fam biefem SSunfd^e getreu nac^ unb galt n)eiter^in 
üls einer ber gen>iegteften gelehrten Suriften; befannttic^ ^at er 
fpäter Tregor ^atoanber bei feiner SluSgabe beS Corpus 
juris burc^ 9lat unb 3]^at geförbert unb bie Unterftü^ung beS 
Siürnberger 9iatS mit Dermitteln Reifen ^). SSon jenfeitS ber 



üuSflabc (gfronffurt o. 3». 1868) ©b. 3, toornc^mlid^ in ©b. 1 @. 189 ff. — 
3:^ QU fing, ^Ibrcc^t ^ürer, fleSenmeife. 

D. 6tin(in9, Q^efc^ic^te ber beutfd^en 9^ec^tön)iffenf(^ft (^ünd)en 
1880) @. 163—165. 



118 ®rfted iBu4 britted StopM. 

9(Ipcn ^cimgctc^rt , lourbe er balb in bcn JRat geh)äl^It, jju 
©cfanbtfd^aftcn ocrtoenbet unb fd^on im Sa^rc 1499 jum Stn* 
führet bcr 2^ruppcn ernannt, mläje feine SSaterftabt bem Äaifer 
SWaEimilian in feinem Äriege mit ber Sibgen offen] d^aft fteHte. 
83ei biefer ©elegen^ett ift er in ein nä^ere^ SSer^ftltnid jum 
Saifer getreten unb beffen SSertraueni&mann namentlid^ auc^ für 
bie literarifd^en ?ßläne unb Untemel^mungcn bcSfelben, ä^nlic^ 
h)ie ^^eutinger, geh)orben. ©ein enge^ greunbfc^aftÄücrl^ättniS 
}u 3(1 brecht ©ürer ift befannt: e^ ift bie Qkxbt unb ber 
@tolj feinet Sebend gemorben. 3{Qe feine übrigen, jal^Ireic^en 
pcrfönlicfien unb h^iffenfd^aftlic^en ©ejie^ungen fönncn on biefer 
©teile nic^t h)eiter üerfotgt h)erben^): nur fei baran erinnert, 
bQB er and) bem ttma^ alteren ^artmann ©d^ebel na^ 
unb mit i^m in ßterarifd^em SSerle^r ftanb. ©ein §auÄ in 
SRümberg »ar ein gefuc^ter unb behaglicher äRtttelpunft für ein* 
t)eimifc^e unb aui^n^ärtige ©efinnungdgenoffen : ed ge^t über^au^t 
ein Dorne^mer Qvlq ber beften %rt burc^ fein gan^ed Zf)un unb 
fiaffcn, toie if)n nur feine forgfättige ®rjie^ung, gefiederte 5Btr* 
^ältniffe, ein hochbegabter ©eift unb eine unoergleic^Iic^e Unu 
gebung, h)ie fie ba« SRürnberg jener Qdt allein bot, entmicfeln 
unb erhalten !onnte. 5)a6 ein SRann h)ie ?ßirf^eimer ber b^ 
ginnenben firc^lic^en $)en)egung f^mpat^ifc^ entgegentam, braucht 
angefid^td ber feltenen ^öl^e feiner ^umaniftifc^en 89itbung ntd^t 
erft audbrüdElic^ betont }u merben: ed ift aber nic^t minbtr 
gett)iJ5, bafe er toie anbere biefer älteren ®eneration, nad^bem er 
biefelbe jal^relang nact)brücf(ic^ geförbert ^atte, $alt mad^te unb 
fic^ t)on i^r öerftimmt abnjanbte. ©einer SSaterftabt ^at er mit 
furjen Unterbrechungen bid jum Sa^re 1522 feine S)ienfte im 9tat 
unb auf @efanbtfc^aften genjibmet : er ftarb am 22. ©ejember 1530 



^) $g(. übrigen^ u. q. auger ber bei Q) o 1 b q ft mitgeteilten J^orref^onben^ 
Heu mann, documenta literaria unb bie bafelbft mitgeteilten IBriefc, bie 
ficf) alle bireft auf ^irf^eimer be^ie^en. Sie ftammen ton Soc^läud, ^um» 
mclberger, ^eüican, !iBeneb. S^Iiboniu^, Soac^im (Samerariud, ^m^rb 
?lbclmann, Spolotin, @oban ^efe u. j. f. 



§tai\tt ^aiimiiian l. unb bie nationale (^efc^ic^tfc^reibung. $irfl^eitner. 119 

S)te (iterartfci^e X^ätigfett ^trt^eimerd fam Dor aQem ber 
&t\(f)\6)U }u gute. @d legt boc^ ein ßeugnid für feine "Siid)^ 
tung in biefen 2)tngen ab, bog er Suciand ©d^rift fiber bie 
@efc^i(^tfci^retbung (tnd Sateinifd^e) überfe^te unb feinem ®önner 
9RQ£imiIian bebijirte^). Über bie ^^eorie ber ©efd^ic^tfd^reibung 
^Qtte man fid^ in ^eutfc^Ianb bid bal^in geringen ^mmer gemacht. 
$irft|eimer mngte fieser genau toa^ er t^at, old er ben @ntfc^(ug 
ju biefer Strbeit fajste, unb ed l^anbelte fic^ für i^n fieser um me^r 
babei afö bem Saifer eine Stufmerff amfeit ju etweifen : bie empi* 
rifd^e fixt, in tpelc^er, trog ber beliebten ^nlel^nung an bie alten 
^iftorifer, ©efd^ic^te gefc^rieben }U tperben pflegte, t)er(angte, fann 
man fagen, ein fold^ed ^orreftiD, unb fflr ben Überfeiner toenigftend 
toaren bie guten fie^ren Sudans nid^t Derloren, mie fic^ ba(b 
ergeben toirb. 3n biefem ßufammen^ange barf DieQeic^t g(eic^ an 
$ir!^eimerd übrige Überfegungen au^ bem ©riec^ifc^en erinnert 
»erben, ©ic umfaffen bie fieben Sucher ^Henüa Xenop^onö 
unb einen ^ett ber ©eograp^ie bed Slaubiud ^tolomäud n)ie 
ber Schriften bed ©regor Don 9Va}ian) : er ^atte überhaupt eine 
gute 3^^t ^^^ SEßerfe ber griec^ifd^ fc^reibenben JKrc^enDäter in 
^anbfc^riften gefammelt*). ©ein SBerl^SItnid jur römifd^en 
Siteratur anlangenb, fei ^erüorgel^oben , bajj er toä^renb feined 
%ufent^a(ted in Stallen alte 3nfd^riften gefammelt ^at, bie bann 
burdt) anbere, h)ie j. 8. Slpian, üeröffentlid^t »orben finb'). 
$(ber auc^ in feinen fpäteren Sauren ^at er biefen 2)ingen bie 
Äufmerffamfeit nid^t ganj entjogen*). Am meiften freiließ lagen 
i^m bie beutfc^e ©efc^ic^te, bad beutfc^e Altertum am $erjen. 



^) Opp. p. 512 sqq.: quo pacto historia conscribi oporteat. ^ie 
^ntiooTt bed j^aifcrd ift K>om 12. 'mai 1505 batirt. 

^) Rittershusius 1. c. p. 14. 

*) Corpus inscriptionum VI, 1 p. XXXXVII. — iju ügl. Grammatici 
Latini IV, 347. 

*) Sgl. Opp. p. 253 mit bem Schreiben ¥irff)cimcr8 an Äaifer 3Kaji- 
milian über eine ju Srier t)OTgefunbene Snfc^rift. Über feine @tubien über 
bie alten römifcften SWünjen unb bie ©eftimmung i^rcr SBerte nat^ bem nüm« 
bergifc^en ^ünjfug t)gl. Opp. f. 223 sqq. 



120 C^ted ^VLdi, britted ^otnteL 

@r ftanb l^ierin auf bemfelben @tanbpunfte tote bie tnetften 
beut[cf)tn ^umaniftcn, bie immer auf^ neue bie Älage loicber* 
l^olten, bag ed beit grogen ^aten unfeter SSorfal^ren an @e* 
fd^ic^tfc^reibern auS ber äRitte ber Station gefef|(t l^abe unb bag 
c^ bringenb Qdt fei, biefem SSerfäumnid abjul^elfen. 6r furd^tet 
fogar, bag ^liniuS' SSerf über bie beutfc^en ^ege unb loa^ 
oon ^acttuS oerloren ging, oon neibifd^en äRenfc^en abfic^tlic^ 
unterbrücft toorben fei, bamtt ber 9!u^m ber S)eutf(i^en ftc^ nid^t 
über ®ebü^r Oerbreite^). @r ^ält ed für abgefc^macft , bag bie 
^eut]d)en ben gefammten Srbfreiä befc^reiben, aber bie'^nbe 
i^red aSaterlanbe^ in ber 3;iefe ber JBergeffen^eit oermobern 
laffen. @r finbet eS tabe(ndn)ert ober läc^erlid^, bag aud^ }tit> 
genöffifc^e beutfd^e ^iftorifer i^re @efd^id^te oom 9li( beginnen, 
n)enn fie jeboc^ auf bie ®efc^id^te ber S)eutfc^en unb bie eigene 
3eit lommen, biefe entttjeber mit ©tiüfd^toeigen überge^n ober baS 
SBic^tigfte ungefagt laffen^). S)al^er begrübt er bie beutfd^ ®e* 
fc^tc^te beS S^^nj Srenicud, auf n^eld^e mir balb bed nS^eren 
ju reben lommen n^erben, bei i^rem Srfc^einen mit fo lebhafter 
©enugt^uung, »eil fie biefem Übelftanbe glfldlid^ entgegentritt"), 
^n biefem SSerte fommt i^m fl6ert)aupt ein beftimmter Sfntetl 
ju, njie ber JBerfaffer eS in ber SSorrebe felbft erjä^It. SJon 
?ßirH)eimer felbft ^aben njtr eine „Surje fflefc^reibung ®erma« 
nien«'', bie ficb bor allen ä^nlid^en äJerfud^en jener 3^* ^^r» 
teill)aft audjeic^net. ©ein fritifc^er Slicf fd^ü^t t^n oor manchen 
Srrtümern, in loelc^e anbere verfallen finb; er l^dlt ben Unter» 
fc^ieb jnjifc^en ©enjtfe^eit unb SJermutung mit erfolgreich SSor^ 
fic^t feft. eine Überlieferung h)ie bie über bad fabelhafte Älter 
oon 3;rier finbet bor feinen Slugen feine ®nabe, er weife genau, 
ttjag er il^r entgegenju^alten ^at*). Überl^aupt jeic^net i^n ein 



*) Opp. f. 94, in ber S^icignung feiner Germaniae ex variis scrip- 
toribiis perbrevis explicatio. 

«) Opp. f. 113, bon granj SrenicuS. 
») ebenbafclbft. 
*) Opp. f. 93. 



^Qifer aRa;itniIian I. unb bte nationale Q^cfc^ic^tfc^reibung. ^irf^eimer. 121 

HJla^ Don l^tftorifd^em ©tnne Qud, baS in biefer Qtxt boc^ noc^ 
ungemein feiten ift. Ü)?an lefe nur fein Schreiben an ben 
Denetianifc^en ^untantften ©ioanbatifta Sgnoiio über bte 
t)eutfc^en iReic^Sfiabte unb tote er bte SBIüte ber einen, bte 
©c^ioäc^e ober fleringere Sebeutung ber anberen erflört^). ©oUte 
-felbft einige ®efongen^eit bed 9?fimberger 9iatgl)erm mit im 
(Spiele fein, im toefentlic^en ^at er fieser ba§ SKc^tige getroffen. 
Unb fo bflrfen toir ed ald ein ®lüd betrad^ten, bog ^irf^etmer, 
toenn er unS auc^ lein umfaffenbe* ^iftorifd)ed SBerl l^inter* 
iaffen, boc^ ein ©ruc^ftfld ber (Sefc^lc^tc feiner Qdi gefc^rieben 
^t, loelc^eS, obtoo^I bie neuere ^ttif mit Stecht etntged baran 
audjufegen fanb, immerhin bad Sine fieser ju erwarten üermog, 
bog mit bem ©iege bed ^umonidmud nic^t blog für bte S)urc^« 
forjc^ung ber SSergangen^eit , fonbem gerabe auc^ für bie 89e« 
^onblung ber Qtit%^ä^xi^tt eine neue ®poä)t begonnen ^at, unb 
cd braucht foum baran erinnert ju toerben, bag biefe Slnerfen« 
ttung nic^t blojs t)erg(etcl^ungdn)eife genommen n^erben toifl. Hn« 
langenb ben materiellen SBert ber ©c^rtf t, f o ^t 9t a n t e bereite 
))or einem falben Sa^r^unbert barüber bad treffenbe Urteil ab^ 
gegeben'). (£r ^at barauf aufmerffam gemacht, bog prff)etmer 
in ber SBefc^reibung ber SSorgänge, beren Qm^t er nic^t fe(bft 
^etoefen, mit bem 99erid^te ber ©d^toeijer in ben n^efentlic^ften 
'2>ingen im SBiberfpruc^ ftet|t unb bag erft üon bem Slugenblicf 
an, mo berfelbe feinen $[ufbruc^ aud ißflrnberg berichtet, fein 
SBcrf SBa^rl^eit, fieben unb 3"ö^ri5ffigfeit gewinnt, „©eitbem 
crfc^eint ber Äaifer, erfd^einen bie ©c^h^aben, bie fräntifd^en SJitter, 
bie Stumberger, bie ©c^toetjer in i^rer befonberen 9?atur unb 
@igentum(ic^tett ; feitbem ftimmen feine 9!acl^ricl^ten mit ben 



>) Opp. p. 201 : De Germaniae Rebuspublicis. (Sr fü^rt ben (S^iitnb 
ber IBIüte ber oberbeutfd^en 9}etd^9ftäbte t>or allein auf ben Umftanb ^urüd, 
baB r^ k)on ber ^errfc^aft ber 9if(^öfe ober ber ^emofratie oerfc^ont ge« 
blieben ftnb. 

") ®gl. nS^x Stxitit neuerer ®efct)i(l^tf(^reiber'' al« Anfang ju feinen 
,,@ef4id^ten ber romanifc^ unb germanift^ SSöIfer öon 1494 bid 1554" 
2. «ufL (ßeipjig 1874) ®. 119. 120. 



122 ®tftc« ©u4 brittcÄ StopM, 

fd^meijertf^en überein. @o t)ie( mel^r tft ed, ein Slugenjeuge^ 
alÄ nur ein ßeitgenofe ju jein.'' S)arauf ^at ?ßir!^cimer aber 
bod^ fetbft bad größte @tto\d)t gelegt: er tpürbe o^ne fdne per^ 
föntic^e unb unmittelbare S^etlna^me an biefem ^ege fc^toerlt^ 
[ic^ jur Sefd^reibung be^fclben entfd^Ioffen ^aben^). Sei ber 
SSäürbigung ber ©c^rift tioben tpir ober jugleic^ auf bad formale 
äRoment ein ©etpid^t ju legen. S)ai^ erfte ber beiben Sucher 
bilbet im ©runbe nur bie Sinleitung unb gibt eine Sntfte^ungd^ 
gefc^ic^te be« JhiegeÄ, baö jmeite erjäfiU biefcn felbft. S)ie %n^ 
läge bed Sßerfed mie bie S)urd)fu^rung beurfunben eine nic^t 
gemeine ®e^errfcf)ung ber gorm unb e^ lieft fid) mit ®enu6^ 
Sßufter ber 3llten njerben nac^gea^mt, aber ein moberner 3^9 
toe^t burc^ baS ©anje: man fö^It bad Seltene, bag ein fo be^ 
beutenber äKann an biefen ^laft gefteUt ift unb bie ©reigniffc^ 
bie er alö SRit^anbelnber erlebt, mit ber geiftigen grei^cit einer 
aulerorbentlid^en SWatur fc^ilbert. S)a« SBerf ift eine jicmli^ 
Slnja^I Sa^re nac^ bem ^ege unb erft nac^ äRajrimiliand ^be 
gef einrieben : auÄ biefem Umftanbe mögen fid^ einige SSerftöfec, bie 
SRanfe gerügt ^at, mit erflären. S)er bleibenbe, literar^iftorif^e 
äBert ber ©c^rift bürfte ba^in ju beftimmen fein, bafe toir in i^r bie 
erfte gefc^ic^tlic^e 3J2onograp^ie über ein n)icl^tiged ieitgenöffifd^e^ 
Sreignid Don einem mit^anbelnben ^erüorragenben 9)?ann ber 
neuen ©d^ule in fiinftlerifc^e gorm geHeibet befi^en. Sie belannt^ 
ift biefelbe jum erften Sßale t)on ®olbaft in ber ©efammt* 
auögobe ber SBerfe $ßirK|eimerd (1610) veröffentlicht roorben^. — 



^) (£d ^ctgt 1. c. p. 64: Conscribam autem nou solum ea, quae 
aliorum relatu aut fama tantum percepi, sed etiam quae coram vidi et 
aspexi, cum in hoc bello non parvis copiis, tarn equestribus quam pe- 
destribus praefuerim ac imperaverim , proinde non tarn verborum ele- 
gantiae, quam veritati studere conabor, etc. 

>) ^ann öfter toiebet^olt. SSgl. ^ott^aft q. a. O. 8.495. ^utf^ 
üon e. mündi, »afel 1825. — Über «pirf Weimer felbft ju ögl. »ill^ 
giJürnbcrg. ®cIc]^rtcnlejifon %l 7 @. 164—175. — (gr^arb, ©efc^i^tc bei^ 
©iebcraufblü^cnö rotffcnf^ »ilbunQ u. f. f. 3, 1 ff . — SBrucfcr, (g^rcn* 
tcm^jel (5. 6 ff. («. ® c I fl c t im 33. »b. bct 4>ift. 3citf(^rift öon ^. 6^bcl ®. 99.) 



Kotfer ^a^rimilion I. unb bic nationale ©efc^ic^tfc^reibung. 123^ 

SBar nun in bcr 3^^^, toel^cr bic eben flcf^ilbcrten ®rö§en: 
angehört ^aben, tpic toir öftere Iicröorfle^obcn, eine fte^cnbc Älagc 
bet nationaditerarifc^en Partei, bog bte 2)eutfc^en i^te eigene 
©ef^id^te aD}uIange üernad^I&ffigt l^ätten, fo toax biefed ©effi^t 
boc^ juglei^ fo mod^tig, bog eben in biejen Sagten jene 5tlagen 
(gr^örung fanben unb nic^t blog ^aufteine 5U einet beutfc^en^ 
©efc^id^te iufammengetragen, fonbern eine folc^e felbft unb jmar 
toieber^olt toerfud^t tourbe. SBir meinen bie betreffenben SBerft 
Don 3af ob 9E8impl^eIing, t^ron^ 3tentcud unb Seatud 
Si^enanud. @S ift enblic^ an ber Qtit, bed naiveren Don: 
i^nen ju fpte^en : fie l^aben, toa^ man ouc^ an i^nen üermiffen 
ober tabeln mag, üon üom tierein bad un}tt)eifel^afte SSetbienft, 
bag fie ben ®ebanfen einer beutjc^en ®efc^i^te nic^t blog al^ 
frommen SBunfc^ aufgefteöt, fonbern jugleic^ auc^, jeber in feiner 
Slrt, burc^jufül^ren üerfu^t l^aben. S^re SBefpred^ung ffi^rt un^ 
an ben Oberrl^ein }urudE, mld)tn tt)ir bid^er nur flfi^tig geftreift 
baben, unb an loeld^em fic^ in biefen Sa^rje^nten ein frud^tbare^ 
literarifd^ed Seben entoidEelt f)at, bad ben 83erg(eic^ nid^t ju fc^euen^ 
brauet, aber auc^ nid^t auger 3ufamment)ang mit ben iBeftrebungen 
fte^t, bie n)ir in SBien, Slugdburg unb 9htmberg beobachtet ^aben, 

Slebft §eibelberg finb eö ®afel unb ©tragburg, bie ^ier 
obenan fte^en. 3n le^terer @tabt ^atte gerabe bie ©efd^ic^t^ 
fc^reibung fd^on in ben frfilieren 3al^r^unberten geblüht; tt)ir 
braud^en ju biefem 3^edEe blog an Slofener unb Xn)inger t)on 
Äönigg^üfcn ju erinnern, öon anberen }U fd^toeigen ^). 3e§t 
fanben fic^ I|ier eine Slnja^I üon äRännern jufammen, bie in^ 
bem nationalen ®eifted(eben ber Qtit überhaupt eine glänjenbe 
(Stellung einnahmen: ®ai(er üon ftatferdberg, ©ebaftian 93rant, 
Safob SBimp^eling, bie eine fixt t)on literarif^em Triumvirate 



*) 8u ügl. Ott. fiorcna, beutf(^ ®ef(^At8quelIcn ©b. 2. — 3)cr^ 
fclbc mit Dr. SB. ec^erer, (^cfd|tc^te bcd (SlfaffeS u. f. f. 1. ^»albbanty 
(IBerltn 1871) 6. 63 ff. 115 ff. — Charles Schmidt, Histoire litteraire de 
l'AlBace ä la fio da XY* et au commencement da XVI* si^cle. Paris 
1879. 2 «änbe. — ©täbtec^ronifcn 93b. 8 u. 9. 



124 ©rftcg öu(^, brittc« Äapitcl. 

fcilbcn. 3n öafcl blü^t toie in grctburg feit längerer 3^'^ eine 
UntDerfitQt, in ©c^Iettftabt bte ©d^ule 3)ringenbergd, miS toelc^er 
ftne 9iei^e namhafter äRänner hervorgegangen ftnb, bie alle ber 
neuen gelehrten 9ltc^tnng angehören. 2)te dlSi^e bed begel^rlic^en 
f^ronfretc^d xotdt ober unterhält ^ier nachhaltiger ald in ben 
übrigen ©egenben ^eutfc^Ianbd ben abmetirenben nationalen 
@inn, unb aud btefer Stimmung ift im 3ujammeniDirfen mit bem 
l^umaniftifd^en äJ^otiüe t)ier auc^ bie er[te beutfc^e ®efd^i(^te ge^ 
fc^rieben niorben. ^\\6) @ebaftian 3rant l^at fid^ auf bem 
gebiete ber ^iftorie üerfuc^t. ®r üerfaJBte eine ß^i^flcf^ic^^^r 
bie leiber Verloren ift; in feiner amtlid^en Stellung, oIä ©^nbihii^ 
bed diat^, eine 9lei^e Von „®eb&c^tnii$bü^el ober äJ^emoralien", 
t)ie fein beffere^ ©d^icffal erfahren daben M. 3)ic ©efc^id^te 
©trafeburgd unb beö ®Ifaffe3 tourbe überhaupt emft^aft in^ 
ttuge gefagt. Srant unb 9E8imp^eIing trugen fic^ mit bem $Iane, 
fämmtlic^e Duellen für bie ©efc^ic^te bed Dberr^eind ju fammeltt 
unb mit Erläuterungen ^eraudgugeben , ein $(an, ber freiließ 
itnauSgefüf)rt geblieben ift ^). S)te f og. 9(rd^ivc^ronif , bie aOerbingd 
frft in ber jtoeiten ^älfte be^ 16. Sa^r^unbertd i^ren äbfc^Iuß 
erhalten ^at unb n>efent(ic^ @tabtgefc^i^te be^anbelt, ift i^rem 
<^auptbeftanbteile nac^ boc^ bereite um bad 3a^r 1510 ent^ 
ftonben. S)er ®tra§burger Sifc^ofSgefc^ic^te ^at fic^ SBim|)^clinfl 
angenommen ; biefer fein SSif^ofdfatalog ift boc^ etmaS me^r aU 
fine blofee SBieber^oIung beS fd^on JBetannten^). @ben er ift benn 
auc^ ber JBerfaffer ber bereits angemelbeten erften beutfd^en ®ef c^ic^te. 
äatob aSimpfieling toar am 27. 3uli 1450 ju ©d^Iettftabt 
geboren*), ©eine erfte grunblegenbe 93tlbung ^at er ebenfadi^ 



^) hierfür unb tei(n)cife ouc^ für bad Sol9<^i^^c ^u Dgl. bie (S^rontfen 
ber bcutfc^cn @täbtc »b. 1 (^cgcl), «agcmcinc (Einleitung 6.65 ff. 

«) 3anffen a. 0. O. 1, 100 (au« aMm|)^eling« 6anbf(6riftUd)cin »erf 
^de arte impressoria*'). 

«) „Catalogus episcoporum**, 1508 erfücncn, 1660 Don SWoftfterofdj 
wieber^olt 

*) «gl. Dr. ^aut ö. 5ßid!oroatoff: Safob ©imp^eling. ©ein ficben 
imb feine ©Triften, »erlin 1867. 



fidfer ^a^tnüton I. unb bie nationale ©efc^tc^tfc^retbung. ISßtmpl^eling. 125' 

in ber @d^u(e ^riitgenbergd erhalten, bann l^at et ber 9let^e 
nQd^ bic ^oc^fc^ulcn t)on grctburg, ©rfurt unb ^eibclbcrg befuc^t. 
Sieben ben ^umantfttfc^en ©tubien i)at er ftc^ ber Surtdprubenj^ 
bann ber Ideologie gemibmet, unb btefe iun&d^ft atö fiebend« 
beruf ergriffen. Satt^t ^rofeffot in ^etbelberg, ging er 1484 
aU ©omprcbiger nad^ ©peier, 1498 toieber ol^ 5ßrofeffor nac^ 
ipeibefberg, enblid) 1501 na^ ©trafeburg, n)0 er bid jum Sa^re 
1520 in freier ©teHung, aber in öerfc^iebenen öef^dftigungen un& 
JBertoenbungen lebte; feine legten Sebenöja^re l^at er in feiner SSater* 
ftobt jugebrac^t, »o er am 17. SRoöember 1528 geftorben ift. 
©eine (iterarifc^e X^&tigfeit tt)ar eine ^öc^ft mannigfaltige, unb 
auf ben üerfc^iebenften ©ebieten unb in ben toec^felnbften gormen 
fjat er ftd^ üerjud^t. @r ift ein immer fc^Iagfertiger ©^riftfteQer^ 
ber bie großen fragen unb Angelegenheiten ber 3^it i^nb ber 
92ation in feinem ©inne ftetS Dor Slugen ^at unb für ba^, ma^ 
feine ©eele erfüllt, mit SRac^brud eintritt, ba^er i^n bie einen 
aU ^ublijiften, bie anbern aU ©elegen^eitdfc^riftfteUer d^araf« 
tcrifirt ^aben. SJad i^m aber am meiften am ^erjen liegt, ift 
bad SSo^I bed SBaterlanbed unb ber ßirc^e: in biefen 93renn« 
punften treffen alle ©tra^Ien feiner unermüblic^en , reichen unb 
uneigennü^igen SBirffamfeit jufammen. @in n)armer ^reunb be^ 
^umanidmu^, arbeitet unb prebigt er für beffen Studbreitung, 
Dor aQem auc^, um bad Übergeniic^t 2)eutfc^IanbS über bie 
anberen Stationen baburd^ ju förbern. Sebod^ feine jugleic^ ent^ 
fci^ieben moralifirenbe 9iic^tung fe^t i^m n)ieber in biefer 9ltc^tung, 
©d)ranfen. ffir ift ein glü^enber ?ßatriot, fpejieÜ ben granjofen 
gegenüber, aber er fielet nic^t ein, bag bäd nationale ^inji^ 
unb Sntereffe boc^ auc^ nod^ anbere ©egner ^abe. @r miQ ba^ 
Q3efte^enbe gerabe auc^ in ben fird^Iic^en Sinric^tungen gebeffert 
isiffen, aber }u ber Xiefe bed Übeld bringt er nid^t üor unb 
ft^redft öor ernft^aften Heilmitteln jurüdt. ®r ift, ^at man 
XDof)l gefugt, ber äRann beS Übergang^, aber freiließ mit ber 
gauien §albl^eit eine^ fold^en behaftet. 2Kit biefen Sinfd^rän* 
fungen foQ feinen SJerbienften in feiner SBeife ju na^e getreten 



126 ®rftc« ©ud), brittcS 5ta})itcl. 

'fein ; pc finb aber notoenbig, um feine ©teDung aU ^ i ft o r i f e r 
ju tt)ärbigen, benn fein ^atriotidmud im S^nbe mit feiner ge^ 
fammten ^enhueife l^at il^n baju c^emad^t. Sereitd mit einer 
früheren ©c^rift aud bem 3al^re 1501 f)at er biefeÄ @e6iet 
geftreift^): er fud^t in berfelben ben urfprünglic^ beutfc^en SJ)a* 
rafter ber jenfeitd bed 9il^eind (iegenben beutfd^en ©t&bte ju 
bettjeifen, alfo btefelbe grage, bie fo manche feiner 3^itgenoffen 
-befc^äftigt ijüt, unb er t^ut bie^ mit ungeffil^r benfelben SCrgu^^ 
menten unb Hilfsmitteln, gür bie §erftellung einer bcutfc^en 
©efc^ic^te, bie er gerabe in biefem ^wf^nimenliange feinet ^atrio^ 
tiSmuS für bringenb nötig ^ielt, üerfud^te er juerft ben Solmorer 
©ebaftian 9Kurrl)oin ©emegung ju fe^en, unb erft ald biefer 
über ber Arbeit ^intoegftarb, entfri^Io^ er fic^ felbft ^anb QniJ 
SBerf ju legen unb führte eS aud^ auS. 3)ie ©d^rift erfd^ien im 
3at)re 1505^). SBimpfieling fagt eS felbft in bem ©ebifation^ 
fc^reiben, er mü ben ^eutfc^en i^r ^(tertum ind ®ebfic^tnid 
jurücfrufen, it)nen ©elegen^eit geben, i^re eigene grofee ®efc^ic^te, 
iie Saaten unb SCugcnben i^rer 9Sorfat)ren fennen ju lernen 
unb bie beutfc^e Sugenb beftimmen, benfelben nac^jueifem. S5Kt 
•anbcren SBorten, feine ©cf)rift ift eine nationale Senbenjfc^rift, 
o^ne ba^ n)ir aber i^r barauS einen 93orn)urf machen möchten, 
i)btt)ol)I eben bie Senbenj ben SSerfaffer ju mand^en ©c^ief^eiten 
unb gel^Iem verleitet, fiangatmig ift baS Suc^ nic^t, jeic^net 
fic^ Dielme^r burc^ 5hiappt)eit unb ©ebrungen^eit auS. SRan mug 
femer jugeben, baß eö, formell beurteilt, eine unöerfennbare, er* 
freulic^e gormgettjanbt^eit , ben geübten ©c^riftfteller ücrrät. 
«« lieft fid^ leidjt unb gut. Sllö SBerf ber ^orfd^ung läßt e« 
freilief) üielcd ju münfd^en übrig, auc^ tt)enn n)ir, n)ie billig, ben 
aWafeftab ber Qüt, in ber eö entftanb, anlegen. 9Bie rodt ift 
t^m ein SRann n)ie ^rff)eimer, üon feinem ettoaö jüngeren fianbd* 
manne 3)eatud Si^enanud gar nic^t ju reben, Doraud. 2)ad 



^) „Germania ad rempublicam ArgentiueDsem.** 
') „Epitome rerum Germanicarum usque ad nostra tempora.** 3^^ 
^gebrucft in Schardius redivivus 1, 176 ff. 



ihiifer ^ofimütan I. unb bie nationale @)ef(^t(4tf(^retbung. ^imp^eltng. 127 

fabelhafte l^o^e Sllter Don 2;rier ertüecft it)m nid^t bie geringften 

SSebenlen, u. bgL me^r. ®ie ®r5äf)Iung fc^Itefet ftc^ feit Äarl b. ®r. 

<in bie beutf^en Saifer unb ffiönige an, aber gerabe l)ier er^ 

mattet fein feuriger ^ßatriotiSmuS, ber nur ben granjofen gegen* 

über @tanb \)alt, unb ermattet jum @^aben iugleid^ ber @ad^e 

itnb nid^t blog bed patriotifd^en ®efä()Ied. Unb eS l^ieg ben 

5S)eutfd^en boc^ üiel jumuten, fi^ gegen bie f^ranjofen ju er^ 

:!^ifeen, aber njenn eg fid^ um i^re Jfaifergef^ic^te unb i^re kämpfe 

mit ber ^ierarc^ie ^anbelte, neutral ju bleiben ober auf bie 

<inbere ©eite ju treten. Über ben Äampf jnjifd^en Ä. §einric^ IV. 

mit ^. ®regor VII. j. S5. gleitet er mit unoertennbarer ?(bfic^t* 

lic^feit rafd^ ^intoeg. SBo biefer ßttjiefpalt feiner SJenhneife il|n 

nicftt irrt, tritt er überall für bie beutfc^e ©ad^e unb @^re ein. 

-Äarl b. ®r. ift il^m felbftöerftänblic^ ein echter S)eutfc^er; Sfaifer 

griebric^ I. imponirt i^m ; bei Äaifer griebric^ II. unb feinen 

©ö^nen toerujeilt er jiemlid^ longe, für ben Äaifer l^at er offenbar 

iti^t geringe^ Sntereffe, aber bem ©c^idEfal Äonrabin^ gegenüber 

-bleibt fein fonft fo tebenbiger Patriotismus bo^ ftumm. S)a6 

iaS beutfd^e SReic^ ein SBa^Ireic^, ift er geneigt für einen 35orjug 

JU t)alten ; bei ber ©rtoä^nung beS ÄurfürftenfoBegeS erinnert er 

an bie bamalS bereite in Umlauf gefegte ©age üon ber @in* 

fefcung beSfelben burc^ ?ßapft ®regor V. Ä. Äarl IV. tabelt er 

ipegen feiner SSorliebe für bie ©ö^men, St. SBenjef finbet feine 

@nabe, bagegen n)irb 5t. ©igmunb fd^on megen feines angeb* 

iid^en SiferS für ®ele^rfamfeit gefeiert. S)ie ^absburgif^en 

Jbeutfc^en fiönige erfreuen fid^ mit SluSnal^me Ä. griebric^ III. 

feineÄ öoHen JBeifaHS; fein toie aller ^umaniften erHärter Sieb* 

ling ift aber fi. äWapmilian, mit toelc^em er auc^ in literarifd^er 

SSerbinbung geftanben ^at unb in ben alle feine großen ^off* 

ütungen einmünben. SBä^renb SBimpl^eling in ber Sel^anblung 

ber politifd^en ©efd^id^te !Deutf^IanbS bemnac^ in ber^^^at 

mand^eS }u n)unfd^en übrig lä^t, ift eS ein unoerfennbarer SSorjug 

•feiner ©d^rift, bafe er aud^ SRüdfic^t auf bie Seiftungen ber 

•5)eutfc^en in ©ad^en ber geiftigen Äultur nimmt, ber Siteratur, 



128 <^tcS ^u4 britted StopxUl 

bcr ©rfinbungcn, bcr Äunft S)q« gdcl^rte SWatcrtal, über toeld^ef 
er uerfügt, fönnte aOerbingd grdger fein, namentlid^ ffir bte 3^^ 
Dom Qtoi\6)mxtid)t 6id jum (Snbe f)ittt fxd) tpo^l ein reic^Itd^erer 
Apparat geroinnen laffen — man benfe j. 85. an 9lauclerud^ 
unb feine Hilfsmittel — ; aber toir tooDen ni^t tjergcffen, ba§. 
SBtmp^eling ed nic^t auf ein erfd^öpfenbed ®efcl^icl^tdn)erf, fonbem 
nur auf eine bfinbige überfic^tlic^e ^arfteQung, auf eine (Spitome, 
abgefe^en ^atte, unb an biefem SRagftabe mfiffen n)tr in biefer 
89e5te()ung i()n beurteilen. @d n)irb ba^er ftetd fein unüerjä^r» 
barer 9iu^m bleiben, bag er au^ feiner patriotifd^en, roenn aucfy 
nic^t immer Haren fl3egeifterung ^eraug aU ber erfte unferc ®e* 
f^ic^te im 3ufammen^ang be^anbelt ^at, mag nun fein Srttuni> 
äJ^urr^o, bem er biefe Stufgabe junäc^ft jugebad^t l^atte, i^m^ 
toa^ \\d) unferer ßenntnid entjie^t, barin üieied ober n)entge^ 
vorgearbeitet ^aben^). 

2)ad jroeite SBerf biefer S(rt erfc^ien löl8 unb ^atte t^ranj 
grieblieb, gen. Srenicud, jum Urheber. SrenicuÄ tt)ar 
1495 ju (Ettlingen geboren; feine erfte ^ilbung er^ieü er in 
$for}^eim, roo er u. a. äRelant^on aU 3Ritfc^ü(er ^atte; bann 
befuc^te er (1516) bie Uniöerfitfiten oon Tübingen unb (1517) 
^eibelberg, roo er äßagifter rourbe unb fieser eine SReifie t)on 
Sauren üerbtieb unb 1518 SSorftanb ber Surfe ber ^I. fiat^arina 
toar*). Slm 26. ?lpril be« gen. Sa^red ^örte er ^ier 2nti)tt 
bidputiren, toa^ fär i^n roa^rfc^einlic^ ber Slnfang bed Über» 
gange^ jur neuen fie^re getoorben ift. 3n biefer QAt ift er 
bereite mit ^irl^eimer in SSerbinbung getreten, unb in eben 
btefen erften Salären feiner ^eibelberger (Spotte ^at er bad @e» 
fc^ic^t^roerf, roegen beffen loir und mit i^m ju befd^äftigen l^aben,. 
gef^affen, ober rid^tiger DoOenbet, benn ed ift bereite fan So^re 



*) Bg(. ^b. ^oratot^, 9?ationaIe ©efc^ic^tfc^reibung im la 3a^. 
§iftürii(^ acitfc^riff 93b. 25. — 3)crfclbc im „ißeucn «c^" 1Ö72 unb in 
bcr Scitfc^rift für bcut[c^c tolturgcfdiic^tc 1875 @. 65 ff. u. 743 ff. 

«) »gl. ^au J, ®cf(^ic^tc bcr Uniucrfität Ipcibclbcrg 1, 203 anm.77.— 
^oromt^ a. a. O. 



Staifer SD^Q^tnUian L unb Me nationale ©cfd^td^tfc^reiBung. Srmicui». 129 

1518 (ju yt&tnhfXQ bei Roburgcr) im 3)rudC crfd^tcncn; ntc^t 
unmöglich, bag ebtn ber ^md ber ^rudlegung i^n na6) 92ürtt« 
bcrg geführt l^at ©eine literarifd^e 2:^ätigteit ift jioar mit 
biefer feiner Sugenborbeit nbi)t gättilid^ abgejc^Ioffen, fann aber 
f)m übergangen njerben ^). ©einen fpfiteren .ßeben^Iauf anlangenb, 
fei eriüä^nt, ba^ er, ouf bie ©eite ber ^Reformation getreten, um 
1525 juerft'^ßfarrer iit feinem ©eburt^ort unb, öon ba öerbrängt, 
öieQei^t nod^ im Saläre 1531, in ®cmmingen lourbe. ©in eifriger 
^arteig&nger Sut^erd, tourbe er in mand^e t^eologif^e ©treittg« 
feiten öenoicfelt. ©ein Sobe^ja^r ift nic^t toöllig fidler über«= 
liefert, boä) ift 1559 ba8 nja^rfd^einlid^fle. 

3renicud loar p^iIo(ogifd^ gut gefc^ult: feine Steigung fc^eint 
fic^ frü^ ber ©efd^id^te jugetoenbet ju l^aben , benn feinem 
^aupttoerfe gingen eine ©efd^id^te bed äßarlgrafen $^ilipp t)on 
Saben in jn^ei S3ficl§em unb eine ©efc^id^te beS ^lofterd Obilien^ 
berg im @Ifag üoraud, bie jebod^ Derfc^oQen ju fein fd^einen, 
n>enn fie überl^aupt jemals t)eröffentlid^t n^orben finb. SluS bem, 
toa^ Srenicud felbft barüber fagt, gel^t ed n^enigftend nic^t flar 
f)ert)or unb aud ben SBorten üon (S^^träud fann überhaupt nic^t 
öiel gefolgert tt>erben*). S)agegen toirb man anjune^men ^aben, 
bag auc^ bem ^auptn^erfe bed SrenicuS, Don n^elc^em tt^tr je^t 
I)anbeln n^oQen, eine ältere, fürjer gel^altene Bearbeitung Dorau^:« 
gegangen ift; aud ben SBorten ?ßirf^eimer^ in einem ©c^reiben 
an benfelben fd^eint bie^ ^ert)orge()en }u n)oIIen ; fidler aber n)ar 
bielelbe ni^t fdjon üeröffentlid^t toorben'). S)a» ^aupttotit trat 
aU eine „©d^ilberung S)eutfd^Ianb» in 12 JBud^em'' in bie 



^) $gl. bie Oratio de Craichgova Don feinem ^for^^eimer 3)^itfc^itler 
X. a^l)trau8in 9fiein^arbtö SS. Rer. Palat. I, 508. 

') Sgl. S'% ©ern^arb in ber 5lu8gak bc« ©auptioerfe«, Praefatio 
§ 6 ?lnin. 

^) L. c. Praefatio, too bad betr. ©c^reiben $ir(^eimerd, bad übrigen^ 
fc^on früher Veröffentlicht toar, abgebrucft ift. (Sd fjeigt ba: Salve Irenice. 
Quod Germaniam tuam et quidem auctam in locem prodire scribis, 
laudo etc. 

0. 93 c e I e, tfcf^i^tc ber beutfi!^ ^iftoriograp^ic 9 



130 <^te9 $Bu4 brttted Stopiitl 

SBelt ^). @d tft eine ^temn^ umfangreiche ©c^rif t, bte t)on rü^m^ 
Itc^ei ©ele^rfamfeit unb ad^tungdtoerter Krbeitdfraft bed jugenb« 
liefen aSerfaffer« 3^W9"i* ablegt. Offenbar ^atte er fie feit 
längerer Qcxt vorbereitet, il^re gegentt)ärtige ©eftalt l^at fie in 
^etbelberg erl^alten. @ie tft ebenfalls ein Srjeugnid bed $atrio« 
tidmud, ber nationalen S3egeifterung, bte nun einmal bie ganje 
gelehrte Generation ber @pocl§e burc^bringt: uberaQ tritt und 
berfelbe au^ ^ier üerne^mlic^ entgegen. 9ber ed ift nid^t eine 
l^iftorifc^e 3)arftellung unferer ®efc^ic^te, fonbem, toie fc^on ber 
^itel fagt, eine S3ef^retbung 2)eutfc^Ianbd, aOerbingd auf ^ifto^ 
rifc^er ©runblage unb mit ^iftorifd^er Senbenj ; ja, ber JBerfaffer 
fprid^t ed fogar audbrudlid^ aud , bag er ald ^iftorifer unb 
nic^t a(d (£()ronograp^ arbeite unb angefe^en fein n)oIIe. 2)ag 
er eine Sugenbarbett liefert, n)eig er red^t gut, unb bef^ält fic^ 
t)or, fpäter eine reifere Umarbeitung folgen ju laffen, load aber 
unterblieben ift unb tt)0}u ed offenbar fein S{nf(^(ug an bie ^üt» 
formatton unb feine infolge beffen Deränberte ^aufba^n nici^t 
^at fommen laffen. Srenicud beurhtnbet übrigen^ ein ganj tnU 
fc^iebened Talent }um ^iftorifc^en ©c^riftfteQer, unb infofem tft 
ed 5U bebauern, bag fein ©efd^id it)n fo balb biefen ©tubten 
t)bü\Q entfrembete. @r be{)errfd^t in biefem SBerfe ein ungemein 
retc^ed äJ^aterial unb meijs ed feinen Qtocden bienftbar ju mac^. 
2)ie 8[(tertümer unfered 93o(fed fommen aüerbingd mel^r ju i^rem 
Sterte a(d bie eigentlid^e ©efc^i^te, bagegen mibmet er ber 
4>iftorie ber einjelnen 2:erritorien unb gürften^äufer eine breite 
8)erflc{fid)ttgung unb fc^altet eine groge ^nja^I Don genealogi» 
fd^en tafeln 5ur SSeranfc^autid^mad^ung feiner Äuöfüt)rungen ein. 
3n biefem leile ber ©d^rift möchte i^ mit baö unoerfennbarfte 
aSerbienft unb jebenfallö bie Criginalität berfelben erbßden. 
3m iibrigen }ie^t er in feine „93e|^reibung'' 3)eutfd^Ianbd alle 



^) „Germaniae exegeseos volumiiia duodecim a FraDcisco Ireaico 
Ettelingiacensi exarata.*" ^e crfte Sludgabe erf^ien 3U ^of^enan 1518 auf 
j^often ber j^oburger in D^ümbcrg. ^te t)iertc 1728 ju ^anau (HanoTiae, 
ntc^t ^annot)er) Don 3. %i. IBem^arb bcforgt unb mit ^nmertungcn tierfe^. 



Sta\\tx SRa^mtüan I. unb bie nationale Q(ef4id|tf(^ibung. Stenicui». 131 

mögnc^en (Srfc^einungen unb ßuf^^ni^^ herein unb üerfnüpft in 

xe^t gefc^tcfter Skife fiberall bad 9leue mit bem %(ten. (Sx }etgt 

ftc^ in ber ©egentoart, namentHc^ ber Siteratur unb i^rer ^er- 

t)otragenben iBertreter, meld^ed bie ^umaniften traten, flberad 6e> 

toanbert, unb man fie^t, loie iDeit fc^on bamaf^ feine perfönlic^en 

^erbinbungen in biefer SRic^tung reichten. @o gro^ed ©etpic^t 

er aber auf bie fuItureOen SSerbienfte ber 2)eutf^en, mie 9E8imp^e« 

ling u. a. ed ebenfalls traten, legt, fo kuenig ipeig er }um ©d^aben 

feiner Xenben} üon unferer mittelalterlichen ^oefie ju fagen. 3n 

biefer Unfenntnid lag ja eine offenbare ®cl^n)5(^e fo mand^ed 

^umaniften, gerabe ber älteren Generation. 3n ben et^molo« 

^if^en unb et^nograp^ifc^en teilen ber @d^rift ma^t man bie« 

ifelbe 9Ba^nte^mung , bie n)ir generalifirenb fd^on einmal aui* 

«gefproc^en ^aben, n)ie fel^r bie rfi^mlid^en ^nftrengungen um bie 

^uf^eQmtg unfered ^(tertumd unter ber S^atfad^e leiben, bag 

t)ic beutf^e ^l^ilologte im engeren Sinne fo fe^r mit hinter bem 

iBetriebe ber antiquarifc^en unb ^iftorifd^en Stubien jurüdbleiben 

mugte. 3n ©ad^en ber ftrittf ertappen mir SrenicuS aOerbingd 

^uf mand^en Srrtämem unb läuft SBa^red unb i^alfd^ed jumal 

bei ber Seftimmung unb Unterfd^eibung ber alten 93ölfer unb 

tt^rer SSermanbtfc^aft bur^ einanber; aud^ t)on bem falfd^en 

^unibalb unb feinem (Srfinber ^at er fic^ täufc^en laffen, u. bgl. 

mel^r : man erl^ä(t aber tro^bem ben ©nbrud, bag er unjmeifel^aft 

mand^e biefer ©d^mäc^en übermunben ^aben n^firbe, menn er 

triefen @tubien auc^ bie Sa^re feiner reiferen SntmidEelung ^ätte 

iDtbmen fönnen. Kber aud§ fo bleibt ber äBert bed äBerfed grog 

^enug: SBimp^eling ift i^m ja in ber aQgemeinen Studbilbung 

unb äRannigfaltigfeit feiner ^ntniffe, menn man miQ ber Steife 

l)ed Urteils unüerfennbar überlegen, jebo^ ber junge Srenicud 

J^at eines fidler Dor i^m üorauS, bag fein Patriotismus nic^t 

ün bem g^i^fP^Ite leibet toie ber beS SßerfafferS ber Epitome. 

Undi f^ine ^erfönli^feit, fein menfd^Itd^er (S^arafter, fomeit er 

in bem 9u^e in ^eleud^tung tritt, mad^t einen gunftigen Sin« 

bxud: er bietet nic^t umfonft aQeS auf, feine lieben 3)eutfc^en 

9* 



132 <^ted 8u4 britted Stapitü. 

t)on allen SSortoiirfen in ©ad^cn ber ©ittc ju reinigen ober batior 
in ©c^u^ }U nehmen. — 

3m 40. Äapitel beö jttieitcn Jöud^eS ber Sjegcft^ fommt 
Srenicu^ fpcäieÖ auf mehrere berüf)mte 3^i^fl^"öff^w bcutf^er 
^erfunft }u fprec^en: ben ßarbinal üon ®urf, äßatt^äuS Sang, 
SBiübalb ^rf^eimer unb 93eatud9l^enanuS. @r bebauert, 
bag ber üorjüglid^e 9Ronn bii^^er üerglei^ungdn^eife \o n>enig 
probujirt ^abe ; aber nun Derlaute bad ©erfid^t, berfelbc fei mit 
einem großen 3Berfe bejd^fiftigt, bem ®ott ®ebeil^en geben möge. 
Wlan l^at Vermutet, Srenicud ^abe babei ba^ SBerf beS St^enanu^ 
über bie beutfc^e ®t\6)xd)it im Stuge gehabt : badfelbe ift aQerbtngd 
erft im Saläre 1531 an^ fiic^t getreten. SBie bem fein mag, e* 
mar eine derüorragenbe Seiftung, um bie eS fic^ I)ierbei ^anbelte, 
bie tele xf)x Urheber je^t unferc ?Iufmerffamteit in Hnfprud^ nehmen. 
SBenn bad in SRebe fte^enbe SBerf aud^ um fo Diel fpäter ab* 
gefc^Ioffen n^orben unb erfc^ienen ift, ed jfi^It unju^eifell^aft in 
ben ^rei^ ber 9(r6eiten über beutf^e ©efc^id^te, bie und in biefem 
3ufammen^ange befd^äftigen. Unb St^enanud felbft geprt ntd^t 
minber getoi^ ju bem älteren ©efd^Ied^te unferer §umaniften *). 

9). 8lf)enanuö tourbe 1486 ju ©c^Iettflabt geboren unb 
ert)ielt in ber berühmten ©^ule feiner SSaterftabt feine grunb* 
legenbe SJilbung. Siner feiner Se^rer toar §ieron^mu^ 
©ebtoeiler, ber fi^ felbft aud^ auf bem ©ebiete unferer filteren 
@t]ä)\d)U, toenn aucf) nid^t mit befonberem ®(üdCe, Derfuc^t ^at*). 
3)er aSofilftanb feinet t)äterlid[)eu »aufed erlaubte K^nanud, 
bag er 1503 nac^ ^arid ging, mo er unter günftigen SSerl^U* 
niffen bie alten ©prac^en, jumal bie grie^ifd^e betrieb unb bie 
angeborene p^ilologifc^^fritif^e Anlage ju einer feltenen Sollen» 
bung entmidelte. SSon ^ßariö, bad er ftetS in gutem 3lnbenfen 
behalten \)at, njanbte er fi^ nac^ 93afel, mo er im Saläre 1511 



») %I. ^oramif: 3m 9icucn 9ficid) 1872 1, 370 ff. unb^ bcfonber* 
et^ungSberidite ber ©iener ^Ifabemic 1872 unb 1873, unb 3afob SWÄ^I^ 
in ber Alsatia 1856/57. 

'^) ©. Ä. 3)eutf(^c öiogro^^ic sub h. v. 



^tfer aJlaj^iUan L unb bie nationale @)cf d^i^tfc^retbung. S. iR^enanui». 1 33 

üuftaud^t unb unter ber Settung üon So^onned (Sonon, einem 
^etüorragenben ^ellentften, unb im Umgange mit Sra^mud Don 
SRottetbam tt)ad i^m an ©ele^rfamfeit unb 3]7et^obe ettoo noc^ 
abging in glüdEIic^fter SBeife etgänjte. Um 1527 }og er fid^ 
in feine SSaterftabt jurüd, iDeld^e er üon jegt an nur me^r 
üorubergel^enb ücriaffen l^at. 3m Sa^re 1530 befuc^te er Äug^^ 
fiurg, jur Qdt be^ fo folgenreichen SReic^^tage^, aber o^ne für 
bie @ac^e, bie ^ier Der^anbelt toml>t, je^t ober fp&ter grunb' 
fä^Iic^ Partei ju nehmen. 9Ba^ i^n ^ier feffelte mar ber 
freunbfc^aftßc^e Umgang mit £. ^eutinger unb bie ftunftfamm« 
lungen ber ^ugger. 93on Sebeutung n)urbe ein %[u9flug, ben 
«r t)on l^ier au^ nacl§ S^eifing unternahm, mo er nac^ ben 
2)efaben bed fiioiuS fuc^te, aber baffir baS Süangelienbuc^ 
Ctfriebd entbedte. 2)ad fieben, bad er führte, tt)ar ein ftiUed 
Oele^rtenleben , ben fc^riftfteHerifc^en Arbeiten unb ber Pflege 
feiner SBejie^ungen ju ben berfi^mteften literarifc^en 3^itgen offen 
gemibmet. @ine öffentlid^e @teQung i)at er niemald gefugt, unb 
biefe feine Qvii&df)(dtvinQ , bie feinen Steigungen entfprac^ unb 
ipel^e t^m feine SRittel erlaubten, fam ber @ac^e ber SBiffen« 
fc^aft nur ju gute. (£r ftarb, (änger fränfelnb, am 13. 3Rai 
1547 bd ©elegen^it eined Sefud^ed in ©tragburg. Sl^enanu^ 
toar eine üorfic^tig an ftd^ ^altenbe Statur: biefer ©runbiug 
feinet SBefend beftimmt au^ feine Haltung in allen großen fttt« 
li^en t5^agen. @r müjste nic^t ju bem Greife beS ^umanidmud 
ate einer ber Srften gehört ^aben, märe feine ©eele nic^t eben* 
fand Don n)armem ^atriotidmud erfüllt gen^efen; aber er tritt 
aud^ ^ier überall leife auf unb ptet fic^, ein ©efd^äft barauiS 5U 
machen. @ein 83erl|ä(tnid }ur Steformation ift teitoeife Don biefer 
@timmung feiner @eele beftimmt unb erinnert etmaS an Sßim^ 
p^eling: er ift ©egner ber ©c^olaftif unb beS Obffurantidmud, 
er taufest ftc^ über bie ©ebred^en ber alten ^rd^e nod§ n^eniger 
aU biefer, er burc^fd^aut fie }ugleic^ \^&^\^^i ^tne 3^^ ^^H 
fc^eint ed, er n)ürbe ben ^Reformatoren auf i^rem Sßege un^ 
crfc^üttert folgen, aber plöftlic^ ftcl^t er ftill unb ptet fi^, bie 



134 <Mted S3u4, brttteS StopM. 

ftonfequenien feiner Knf^ouung ju jie^en. (Sr loar eben boc^ 
nic^t genug ber SRann ber %f)at, um biefed 5U t^un. 

2)ie {^riftfteQertfc^en fieiftungen Don SR^enanud finb giemlt^ 
umfaffenb, gehören aber Abem^iegenb ber $^i(oIogie an. @etne 
Sbttionen altHajfifc^er unb c^tiftlic^er ©^riftfteUer , toie ler^ 
tuBKan^, fteDen i^n für feine Qdt Quf eine feltene ^äfjc: er 
tt)Qr tu ber ^£e£tfritif ^erDorragenb ; n)Qd bad aber ooroudfe^t^ 
brauchen tt)ir bem SBiffenben nid^t erft ju fagen. @eine Stud« 
gäbe bed 93eIIejud $atercu(ud (1522), bie erfte biefed 
^utord überhaupt, tt)Qr }ug(eicl^ für bie ^nntnid unferer alteften 
©efc^t^te ein tt^ertooDed ©efc^enf. @eine ^udgabe ber Ger- 
mania (1Ö19) bed S^acitud mar epod^emad^enb, bie Sbition ber 
Autores Historiae Ecclesiasticae ein ni^t weniger enofinfc^ted 
Untemel^men. ©eine ^erbienfte um ^liniud finb befannt vmb 
anerfannt. 2)ed St^enanud l^iftoriograp^ifd^e arbeiten anlangenb, 
l^atte er fie bereite im Sa^re 1510 mit einer 93tograp^ie ©eilerd^ 
Don ftaiferdberg^) eröffnet. SRau 'möchte beinahe Dermuten, ba§ 
fte in $arid gefd^rieben tt)orben ift, benn in btefe Sa^re nix^ 
fäQt fein 9lufent^a(t ber oDgemeinen Snnalime nac^, ober er 
mä^te biefe @tabt, n^ad übrigen^ leinedn^egd unbenKar ift, boc^ 
frül^cr Derlaffen ^aben ald man vermutet, fln biefem biograp^t^ 
f^en SJerfud^e ift nun aderbingd menig }u rühmen, fie ift eine 
Sugenborbeit , aber ju 3)arftellungen biefer Art öxxr er über* 
^aupt loenig berufen, n)ie biefed feine 8iograp^ie bed oon i^m 
fo ^oc^ Dere^rten Sradmud, eined intimen ^^reunbed, bejeitgt, 
beren Sntfte^ung nod^ baju in bad le^te ^a^rje^nt feinet Seben^ 
fällt; fie ift 1540 erfc^ienen, bleibt aber aüjutoeit hinter i^rer 
Aufgabe iurüd'). ©eine ©tfirfe lag auf einem anberen ©ebtete^ 



>) Vita Joannis Geileri Caesaremontani etc. Argentorati 1510. 

') S3on 9. St^citonud fdbft f^at ber berühmte ©tragburger ^o^anneU 
<8turm eine Stograpl^te gcfc^rieben, bie ber ^iudgabe Dcd gleich p be« 
fprec^enbcn ^iftorifc^en ^QU))ttt>crteS bedfelben Dorgcbrucft unb üon C^ (i, 
$ubcr in feiner (Bammelfc^rift „Vitae Clariss. Historicorum*' (Jenae 1740) 
aufgenommen roorben ift. 



üatfer SRajrimiltQnl. unb Me nationale ©cfc^id^tfc^reiBung. S9. 9ll^enanud. 135 

namltc^ bent bed beutfd^en Slltertumd : btefem, aOerbingd im jettlid^ 
ipeiteren ©inne gemeffen, ift fein ^auptoerf getoibmet, bad il^m 
einen @^rcnpla§ unter ben bcutfcl^en gorfc^ern fiebert ^). ©eine 
für jene Qtxt t^orjügltd^e p^i(oIogifcl^ * fritifd^e (Spülung unb bie 
gefamntte 9ii^tung feiner @tubten unb arbeiten bef&l^igten i^n 
gerabe ^ierju in feltenem ®rabe: bie ^ubltfation »De rebus 
Gothorum Persarum ac Vandaloruin'', bie er in bemfelben 
Sa^re (lö31) mit ben Res Germanicae erfci^einen lie^, toax xoxt 
ein @tä({ SSorarbeit }u jenem barfteOenben SBerte'). @^ barf nadf 
bem miffenfd^ftlic^en @^aralter bed 3ßanned mo^I angenommen 
tDerben, bag er fi^ f^on feit längerer Qnt mit bem ©ebanfen 
einer fold^en ©d^rift getragen ^at; bie ^u^fü^rung fd^eint aber 
boc^ in jiemltd^ furjer Qüt gefd^e^en 5U fein, ba 9l^enanud er« 
iqf)lt, bag feine (^eunbe tt)&^renb feinet Sufent^alted in %ugd« 
bürg (1530) i^n baju ermuntert ^fitten'), unb na^ ber 2)atirung 
ber SBtbmung (1. aßärj 1531) an ^nig ^rbinanb badfelbe um 
biefe Qtxt boc^ tooi)! bereitd DoQenbet toax. @d ift in brei S3üd^er 
abgeteilt, bie einen jiemli^en JBanb fflUen. 3)er Sßerfaffer er* 
fd^eint, f^on nad^ ber 9E8ibmung beurteilt, fid^ feiner Stufgabe 
unb feinet Qmdt^ mo^I belügt: ed mf)t und ein üornef^mer 
3ttg ön; er fpric^t u. a. öon einem „^öbtl öon §iftorifem", bie 
auf 92e6enbinge baS ^auptgeniic^t (egen: „^iid^t jebem ift ed 



^) „Beati Rhenani Selestadiensis Rerom Germanic&rum Libri tres." 
*) @tc brachte auger einer Iateinif(!^n Überfe^ung üon ^rofopS unb 
ftgat^iad^ (i^ot^enfrieg ben ^retinud, de bello Italor um contra Gothos, 
bie ^c^rift bed Sorbanid »de origine Gothomm**, bie „Epistola** bed ©ibontud 
ttpoOinariS, »qua Theodoricum Vesegothorum regem eleganter describit**, 
unb bie Vb^anblung Jl. $eutingcrd: de gentium quarundam emigratio- 
nibuB. ^lufterbem finben ft4 ^icr jum crftcn 'Sftalc bie ©Triften bed gor* 
ba nid „de regnorum successione** unb ^rotopS über de aedificiis ab' 
gcbnicft 

») (£d ejiftitt ein ©rief ^cutinger« an 33. SR^cnanuS, in rotld^tm er i^m 
wrfc^iebene gute SRatff^Iäge gibt für bie Vudfä^rung bed in gfrage ftc^enbcn 
©crfe«. 1)crfelb« ift Iciber nicftt batirt, fo baß mon mit »eftimmt^it ni*t 
fagcn tann, ob er bor ober na(^ bem oben ermähnten 10efu(^ bed 99]^enanu9 
in ^ugdburg gefc^eben ift. 



136 ^M »u4 britted 5lQ)nteL . 

geftattet nac^ ^orint^ ju ge()en'\ u. bg(. 92un galten iptr ed 
aber bo^ für jtoecf ntajstg , e^e iptr in unferer ^eu^ptetliutg fort^ 
fol^ren, audbrüdltc^ borauf aufmerffam ju mad^^it, bag tutt in 
biefer @c^rift bed Si^enanud in 9BQf)rI)€it nid^t ^ai, toa^ man 
biQtgem^etfe unter einer beutfc^en ®efc4id)te oecfte^t, Dor un«^ 
^aben , no^ n^entger a(d in ber S^egefid bed 3|enicnd , mit 
toddjtx tt)ir cd übrigen^ nid^t auf eine fiinie fteUen moQen. 3n 
biejer Sejie^ung barf bie befprod^ene ©d^rift SBinip^elingd unter 
biefen breien allein auf jenen 92amen einen %nfpTU(^ mac^. 
^öc^ftenS fann man fagen, e^ ift eine S)arfteDung upferer filteren 
®ejd^ic^te bi^ ind 11. 3a^r^unbert ^tnein, unb auc^ bad nur in 
eingefc^rönftem @inne unb in freier i^orm. 83on unferem äRittel^ 
alter, infon)eit bie ®efd^ic^te bedfelben mit ^arl b. ®r. erft rec^t 
beginnt, ift t)on bem Srlöfc^en ber ffic^fifc^en £aiftr an gar feine 
Stebe me^r unb au^ oon biefen im ®runbe nur furj unb im 
ißorüberge^en ; ^öc^ftend bag gelegentlich einmal eioe Srfc^einung 
ober ©inric^tung berfelben berül^rt toirb. 93or bfu mittelalter= 
(ic^en ^tftorifern ^at 9i^enanud geringe Sdjtung, et fennt freiließ 
nid^t gerabe t)iele bat)on. 2)en ©n^arb j. f8, nennt er nic^t, 
obttjo^l bie SBerle berfelben öon ^ermann tion 9?uettar 
bereite im Sa^re 1521 veröffentlicht njaren^). ©c^öpflin, ber 
i^n unb biefed fein in S^age fte^enbed SBeyf utelfad^ rfl{)mt, 
mac^t i^m einmal ben SSornjurf, bafe er ben grebegar nic^t 
benu^t f)abt ; biefer n)ar aber 5u biefer 3eit freiließ mie f o üielc« 



*) ®raf ©ermann uon 9iucnar (iRcucnar), geb. 1492, geft. 1530, ^ule^t 
^onujropft in ^öln, ift ein n)e|ent(tc^eS @licb in ber ^ttc ber beutfc^ 
©umaniften jener S^it unb befc^dftigte \\d\ emftl^aft mit ^iftorift^ Stubten. 
@r ^atte au4 Stalten bcfudit unb ^ulbigte einer für feinen Stanb ^iemlU^ 
freien Stuffaffung ber großen gfragen bcrScit; bie ^JDunlelmänner* l^atten an 
i^m lange 3^^ einen entf(t)iebcnen ®cgner. @r tannte aber au4 bie (S^ntt 
bed gfreculf bon Sifieu;, bie jeboc^ erft 1595 l^emudgegeben mürbe, 
^ir f)aben Don i^m auc^ eine «Brevis narratio de origine et sedibiu 
priscorum Francorum*" (^u ^afef 1532 gcbrucft), morin er u. a. au4 al9 ein 
Q^egner bed ^rit^tui» auftritt. 3u bgl. (Heumann, documenta liter. p. 91) 
C^nnen, ©cfc^ic^te ber ©tabt Äöln 4, 103 ff. 



üdfer 9Rajnmütatt I. unb hk nationale Q^efc^ic^tfc^reibung. SB. !H^anu9. 137 

^nberc nod^ ni^t im 3)ru(f etfd^icncn. Um loaS c« JR^enanuS 
ju t^un loar, mar eine fritifd^e @c^tlberung bed alten (Sermantend, 
feiner Softer, i^rer SBo^nfifte unb SBanberimgen , fotoie ber 
tömifc^en ^oöinjen, »el^e ben S)eutfc^en fpäter jufielen. §ier 
ift er an feinem $(a^e unb (eiftet bad 93efte, iDctd auf btefem 
Gebiete überhaupt geleiftet werben fonnte. ^eft unb fieser ge^t 
er öor, feiner ©ac^e geioife, o^ne Übertreibunßen unb nationale 
©elbftgefälliflfeit , ttiie fie bamate an ber 2;a9egorbnun8 loar. 
S)ie gorm ift gewanbt, fac^gemäJB, oft lebenbig. Äritif mar feine 
^auptftarfe, ®ot^en unb ®eten ju üermtf^en fäOt i^m nid^t 
me^r ein, ben faljc^en JBerofuS loie ben angebli^en ^unibalb 
fd^iebt er mit JBerad^tung bei ©eite, loäl^renb noc^ ein SDiann 
toie ?f Dentin jenen Srugbilbem jum Opfer fiel. SWit ber 
Äöfunfl ber et^mologifd^en Kätfel, an »eld^cr bie Qtit bcfanntüc^ 
ebenfo groged ®efaQen ^atte, als i^r ©ef^id baju gering toar, 
mfi^t aDerbingS aud^ er fi^ ab, o^ne üiel glüdEßc^er als anbere 
babei ju fein. äRit pl^ilologifd^en SmenbationdDerjuc^en l^ält er 
ft^ öfters auf, o^ne bag fold^e Spifoben gerabe ben 9{eii unb 
t^ieüeid^t auc^ nic^t ben äöert feines SBerfeS er^ö^en. Stm geaalt« 
öoUften finb o^ne 3^^ifc'' ^^^ beiben erften Sudler, im britten 
t)erliert er fid^ boc^ ju Diel in topograp^ijc^e 93ejc^reibungen, Don 
lDe(c^en einige, loie bie Don SBafel, an fid^ red^t frijc^ unb an^ 
jie^enb finb, aber boc^ im ^inblid auf ben ©runbgebanfen beS 
S3uc^eS }U tief in Sinjeln^eiten fid^ einlaffen. äRan^er feinen 
SSemerfung Don allgemeinerem SBerte toirb man aber auc^ t)ter be* 
Regnen. 2)aS ©c^Iugfapitel aber $ariS mutet freiließ fremb an, 
^at aber toenigftenS einen biograpl^ifc^en 9E8ert. 3)aS bleibenbe ^er«* 
bienft ber ©c^rift liegt offenbar in ber Sluft^eDung beS 2)unfelS, 
baS nod^ oielfac^ aber unferer älteren ®efc^ic^te ausgebreitet lag ; 
in ber loiffenjc^aftlid^en 3Retl^obe, mit loelc^er SR^enanuS Derfu^r, 
in bem taftDoOen Xone, ben er bei ber (Erörterung Don (fragen 
anfc^Iug, bie bamals gar }u gerne als (Segenftanb nationalen 
Übereifers betrachtet tourben. Um bie ®efc^id^te inSbefonbere 
ber e$tanfen ^at er fid^ toefentli^ Derbient gemalt. Sin ein« 



138 <Srfted »u(6, brttte« fta)ritel. 

je(nen Strtämem unb SRigüerftänbniffen l^at itoat auä) er ei^ 
feinedttiegd fehlen laffen, bod^ koerben btefe bur^ jeine 93erbtenfte 
genügenb aufgetvogen. @et ed jum @d^(uffe ertDä^nt, bag er 
Qu^ ein ^luge für fuItureQe %xaQtn f^at: in biefem Qu^ammtn^ 
^ange ftteift er fogar bei (Gelegenheit ber Snoä^nung ftdnbifc^ 
SSer^ältniffe in bad (Sebiet ber 9lec^t9gef^id^te l^inüber, toad in 
jenen 3^*^" iiberatt baS feltenfte geh)cfen ift. — 

2)ad eben befproc^ene SBerf bed Seotud 9i^enanud ift eine 
Steige t)on Sauren na^ ^. SRo^imißand Xobe an boS Sid^t 
getreten ; e^ ben^egte fi^ ober g(eid^tt)ol)t genau in ber älic^tung,. 
bie fi^ t)on je feiner (Sunft unb unmittelbaren Sorforge erfreut 
f)atte. Über ber SSortiebe für bie ^iftorie feined ^aufed unb 
fetner Sänber ^at er ber beutf^en ©efd^ic^te feine S^na^me in 
SSa^r^it niemals entjogen. S^efonnt ift bie Srj&^Iung SRelan^ 
t^oni^, nad^ n^el^r ber ^aifer feinen urfprünglid^ $(an^ 
bur^ feinen ^iftoriogra^^en @tabiud unb unter ber S^ei^ttfe don 
Safob SRanliud unb S. @untl^eim eine öftrei^ifc^e ©efc^id^e tot* 
bereiten unb aufarbeiten ju laffen, ba^in erweitert ^aben foD^ 
ba% bie 9J?ateria(ien ffir eine t)oIIftänbige beutf^e ©efc^id^te ge« 
famme(t unb gu einem großen ^iftorifd^en äBerfe t)erarbettet 
n^erben foQten^). Sodann ©tabiud, ani @te^r in Ohtx* 
öftrei^^), ^umanift unb 9Rat^ematifer, ein na^er ^reunb t)on 
5t SeltiS, mit meld^em er bereite in Sngotftabt eng t)erbunben 
gemefen tt^ar, f)atte 1497 eine ^Berufung na^ SESien erhalten 
unb balb bie ®unft £. 9J?a£imi(iand gewonnen. Sr begleitete 
ben £baifer auf feinen 9ieifen unb ^tbjägen, toar fein miffen^ 
f^aftlic^er 9{at unb beftimmt, ben einen ober anbem ber litero« 
rif^en $(dne bedfetben aui^gufü^ren. S)a6 er an ber ^»erfteDimg 
bed ^Xriump^juged'' mit beteiligt n^ar, ^aben A^ir fd^on er« 
mä^nt. @tabiud tt^ar ni^t o^ne Urteil in l^iftorifd^n S)ingen; 
bie ^^antaftereien ^rit^eimd g. 9. ^at er burc^fd^aut, bagegen 



^) IB9I. ^elant^ond S)cbtration ber Urfpcrger (S^ronit an ben ¥fal^ 
grafcn ^^ili^p (©afcl 1569, Melanthonis Opp. X). 

<) @. 9f4bad), (8ef4it^te beratener UmDcrTttSt 3, 362 ff. 



J^aifer aRajdmilian I. unb bie nationale ©efc^ic^tfc^teibung. '^ 139 

iDar er fo fd^loac^, ben @tainin6Quin bcd ^abi^burgtf^en ^aufed^ 
6i^ auf ^loaf) unb &)am jutüdfü^ren ju iDoQen, unb mugte ficfy 
bafür bie frettici^ na^e genug Hegenben 3^^iM 9RajnmtItanS ge« 
fallen laffen *). Qu einer größeren felbftänbigen ^iftorif d^en Arbeit 
ift er aber boc^ niemals gelangt. @ein 33erbienft (ag eben botfy 
mtf)i auf anberen ©ebieten, tndbefonbere ber (Seograp^ie, ^rto^ 
grap^ie unb Slftronomie , mo er t)oriägti(i^ed geleiftet gu ^aben 
fd^eint. @r gel^örte übrigenl^ bem geiftUc^en @tanbe an, tt^ar 
iule^t, fidler burc^ bie ®unft bei^ ^aiferS, 2)ec^ant an ber SBiener 
^at^ebrale unb folgte bemfelben nac^ bret Sauren (1522) im Xobe 
nad^. fiabidlaü@unt^etm,iu 9iat)endburg am 93oben)ee ge« 
boren, ebenfalls bem geifllic^en @tanbe angegtiebert — ba^er aucfy 
^$faff Sei^Ia" genannt — mar bur^ bie (Smpfe^Iung Sufpinian«^ 
in ben 2)tenft SRajrimilianS gelangt unb ju beffen ^offaplan 
unb ^ofl^iftoriograp^en ernannt toorben. Sr gehörte einer alteren 
Generation ald bie übrige literarifc^e Umgebung bed 5taiferft 
an^), nmr übrigens ein fleißiger Strbeiter unb ^at ftd^ namentlich 
gerne mit genealogijc^en ^orfd^ungen, bie einen giemli^ n^eiten 
^eiS umfd^rieben, befd^äftigt 93on einer reifen t^uc^t fann 
freiließ auc^ bei i^m in biefen 2)ingen ntd^t gerebet tt^erben'). 
(£tn günftigeS SSorurteil ertoedt eines feiner SBerfe, t)on n^elc^em 
erft in neuerer 3^^^ ^^^ Srud^ftüd befannt gen^orben ift^), eine 
Slrt topograp^if^er @^roni{ ©übbeutfd^IanbS ober beS 2)onau^ 
t^teS in beutfc^er Sprache, n^a^rfd^einli^ jn^ifd^en 1498 bis 
1501 entftanben. @ot)ieI auS bem t)or(iegenben Fragment ju 
fc^Iiegen, ben^egt fid^ ©unt^eim ^ier auf ber S3a^n, bie t)ier bis 



^) „Quae sententia Maximiliano Caesari non admodun placuit*^ 
(SS. Universit. Vienensis III, 33, bei ^f(^ba(6 a. a. £.). 

») SSgl. «fc^bacb a. a. 0. @. 876 ff. — 3m 3a^re 1460 erfc^eint er 
bereite in ber r^einifc^ SZationSmatrifel an ber SBienei Unit^erfttät. 

») @. Peaii SS. 1, 1006. Oefele, SS. R. B. V, 625 sqq. — ©eine 
fog. hiatoria d« Goolphis bei Leibnii, SS. I, 800^806. 

«) Son %tta% Pfeiffer im 3a^d) für ^^aterianbifcbe ©efcbi^te^ 
(®ien 1861) @. 274 ff. 



140 <Srfte8 Sud^, brttted Stapitd. 

iünf Sa^rjc^ntc fpätcr, frciKd^ mit größerem ©rfolg, ©. graitf 
atnb @. a)2unfter getoanbelt finb. 92q^ bem Urteil bed ^eraud« 
geberd bürfte bad t)oR8tüm(i(i^e @(ement beS SEBerfed bem rein 
gefc^ic^tlidien überlegen fein. Smmer^tn, eben tt^egen bed ^iftorifc^^ 
befd^retbenben (S^arafterd mugte badfelbe ^ier ertoä^nt merben. 
©unt^cim ftarb ^o^bejal^rt im Sa^re 1512 aH ftanonifud an 
berfelben ^au^tfirc^e äBiend, atd beren 2)ed|ant mir Stabiu^ 
!ennen gelernt ^aben. ^aä) gtaubmürbigen $(nbeutungen ift i^m 
«rft fpät mit ber SSerlei^ung jener ?Pfrünbe ein be^aglic^e« 
3)afein gemorben. — 

@d bleibt immerhin auffällig unb ift aud^ fc^on aufffiQig 
befunben tDorben, bag tro^ ber ®unft ber Umftanbe unb ber 
iBoraudfegungen bie ©efd^i^te äRo^miltand unb feiner Qtit feine 
ebenbürtige ^arfteUung gefunben f^at ^), (Serabe aud^ äRa^milion 
ift offenbar öon bem ©etoufetfein ber großen Qtit, beren 9J2ittd« 
Jpunft er bilbet, unb ber Sl^nung einer no^ größeren, bie ba 
fommen tDiQ, burc^brungen : ed mirb fid^ gegen ben befannten 
€ag, bag eben ber redete 9Rann fär eine folc^e Slufgabe gefehlt 
f)abt, menig etnmenben (äffen. Snbeffen ^aben mir boc^ noc^ 
«ined unb baS anbere, maS in biefer Qcit fiber bie ©efc^id^te 
bed Dolfdtümßd^en ^atferl^ gefd^rieben morben ift, nad^jutragen. 

2)ie ,,®efc^i^te f^riebric^ III. unb äßofimiKan I." t>on 
Sofep^ ®runped ift bef annt *). S)er SSerfaffcr, ein geborener 
S3aier (auÄ SBurgl^aufen), mar 5ßriefter unb SKagifter ber freien 
<^nfte. ^adi einer jiemlid^ bemegten Sugenb na^m i^n SL 
üßa^imilian (1497) in feine S)ienfte, in ber Sigenfd^aft eined 
ftmanuenfid, bem er nadti feiner ©emo^n^eit mad t^n gerabe be* 



*) 6. SRanfc, jur Ätitif neuerer ®c|(fti(^tf(^rcibcr 2. Aufl. (Seip^ig 
1874) @. 125. 

s) ^Historia Friderici III et Maximiliani*' (in dl^mtV^ Öfterreic^i* 
Wem ®e|(ftid|tÄforf(i^er l, 64—97). — Über (Bmrüßtd ugl. ben «rtifd beft 
grrei^erm Dr.. @bm. b. Ocfele in ber Ä. SDeutfc^en ©iogrop^ie 8ub h. v. — 
Naumann bei (Srfcft unb ®rubcr 6eftion I XI. 95 @. 9—11. — (gnblüj^: 
^obolt, (Ergänzungen unb SBerici^tigungeit jum SBaierifd^ &dtfjfttm\qnton 
@. 118—125. 



^ifer SRo^miliait I. unb bie nationale @)cf(^i(^tf(^retbung. 141 

jc^äftigte in bie ^bet btftirte. Slber biefe ©teüung \)at er nad^ 
i^Wx 3^^^ t)erfc^er}t unb ffi^rt er t)on 1503 an ein unftateS- 
äBanberleben ntc^t ber rü^mlic^ften Hrt; balb nod^ 1530 Der» 
jc^n)inbet er t)on ber Silbflfid^e. ©eine übrige ©^riftfteÜerei, 
bie meift in bad ©ebiet ber Slftrologie fäQt unb mit einer ni^t 
fe^r erfreulid^en , aber mä^tigen Steigung ber Qtit iufammen^ 
^ängt, laffen toir auf fic^ berufen, ©ein genannte^ ®efcl^td)td^ 
werf ift in ben Sauren 1508 — 1516 entftanben unb follte bem 
jungen Srjl^erjog j(ar[ burc^ einen iQuftrirten ^t bie Xugenben 
feiner Sinnen in usum Delphin! t)or Slugen führen. SBie @xünptd 
felbft fagt, ^at i^m 9Ra£imi(ian ben {(uftrag gegeben, bie ®e« 
fc^ic^te ^rtebrid^ III. ju fd^reiben; jum 93tograp^en wn beffen 
laiferlic^em ©o^ne ^ieft er fic^ öon felbft für berufen, boc^ ift 
fein B^^^Mf ^^6 ^^^ (Sanje ber Senfur SD^a^imiliand unterlag. 
Der größere Seit ber ©c^rift befd^äf tigt fid^ mit SRajimilian ; fie 
ift nic^t fc^Icc^t gefd^rieben ; man fie^t, ber SBerfaffcr befaß ein 
letbli^ed SRag gelehrter Stibung unb ^at aud) (Gelegenheit 
gehabt, mandtied ju erfal^ren, toa^ anbere und nid^t mitteilend- 
er Dertneift auc^ gelegentlich auf ben ,,3Beigfuntg'' ; aber n)a^ 
er und gibt ift feine (Sefd^id^te, nic^t einmal eine 93iograp()ie, 
fonbern nur ein ©^arafterbilb beiber Surften, öor allem SWaji* 
miliand. Über bie ^olitifc^e ©eite ber ©efd^id^te 9Ra^mi(iand, 
tDQd am @nbe bod^ bad n^i^tigfte, n^ürbe man Dergeblid^ ^uf^ 
fc^Iug in bem 93ud^e fu^en. SSenigftend je^n 3a()re fpSter, unb 
nid^t öor 1526, f^at &xvinptd feine Historia ind S)eutfc^e über^ 
fe^t; biefe Überfegung ^at 3o^. Saf. 9)Jofer im Sa^re 1721 
herausgegeben; fie ift totnxQ gelungen, unb gel^örte @rünpecf 
offenbar ju ben öielen feiner 3«it9^«offen, bie fic^ beffer in ber 
lateinifc^en a(l^ in ber beutfd^en ©prad^e auc^jubrüden n)ugten. 
^aä) aQebem mag ed fc^on ungen)ö^nlid^ erfc^etnen, mnn 
gleid^jeitige gefd^ic^tUd^e Hufieic^nungcn entftanben, bie fic^ mit 
9)?a;nmi(ian befd^äftigten unb bod^ nid^t unmittelbar t)on i^m 
t)en)orgerufen toaren. 3)icfeS ift ber gall mit ben üier SBüd^ern 
„De rebus italicis'' beS ©c^tt^aben äRic^aef Socctniu^ 



142 <2^te8 $u(^, britted StopM. 

(JJöc^rin), geb. 1482 ju ^ölbingcn, gcftorbcn nac^ 1512 1). 3n 
^ien unb Tübingen gebtlbet, l^atte er mit beti jurifttfd^en 
frfl^ bie J^umanifttfd^en @tubien Derbunben unb ftd^ eng an 
^einri^ ®ebel angefd^Ioffen. ©eine innerfte Sieigung ging 
offenbar auf ^iftorifd^^politifc^e ©(^riftfieDerei, bie er aber balb 
unterbrach, aU fi^ il^m eine (Gelegenheit bot, na^ Stalten ju 
ge^n , n)o er ald Siangler bed faiferlid^en ©tattl^alterd in 
1D?obena, SSeit t)on gfirft, eine enoünfc^te ©tedung erl^ielt. Sin 
@rgebntd biefeS feinet 9(ufent^altei^ jenfeiti^ ber Sllpen nmr bad 
«noä^nte ©efc^ic^t^n^erf, mlä)t^ mit bem Seri^t über ben ^b 
^^ißp^i^, bei^ ©o^ned 9RajrimtIiand, unb bem ^^riebenl^fci^tuffe 
mit ben Ungarn beginnt; big je^t ift aber baS 4. fönd) allein 
^ebrudt, bad ben j(rieg bed ^iferd mit ben SSenetianem in ben 
3W^ren 1511 unb 1612 be^anbelt'). ©o toie bie ^citgenoffen 
unb ^unbe bed ißerfafferi^ bie ©d^rift mit f^reuben begrüBten 
unb aud biefer ^robe in i^m ben beutfc^en SiDiuS prophezeiten, 
f)at ber allein öeröffentlid^te Seil berfelben in unferer Seit Don 
berufener ©eite bie e^renbfte änerfennung erfal^ren. — 

SBenn bie äReinung laut gen^orben ift, t^ toixt oieHeid^t 
t)er ®efcl^ic^tfd)reibung feiner Qüt, fotoeit fie i^n felbft anging, 
iü ftatten gefommen, n^enn äßa^imilian fie jtt^ar unterftfi^t, aber 
t)oc^ jugleid^ il^r größere Unabf)ängigfeit gen^öl^rt l^fitte, fo nnrb 
in biefem ©ebanfen immerhin ein ßömcben äßal^r^eit enthalten 
fein; toie aber bereits em^ä^nt. jener feiner Steigung felbft ift er 
bid jule^t treu geblieben, unb noc^ fiir bie langen ißäc^te feiner 
legten ^anf^it ^at er in ber ©efd^ic^te feinet jpaufed unb 
£anbei» Xroft gefugt. 



^) $gl. über i^it ben bele^renbcn ^rtifel t>on 9(b. ^oratoit» in ber 
tl. 3)cutf4cn ©ioflrat)^ie sub h. v. — S. b. SRanfe, jur fhrftif neuerer Qk* 
f4i4tf(^iber a. a. O. @. 121. 122. 

») 6. Fr eher, SS. II, 268; jum erftcn "SkaU im Sabre 1544 
^bctau^egeben. 



:S^erte9 StopM. 2)ie territoriale unb ftäbttf^e ©efc^id^c^rdbung. 143 

Sierted Kapitel. 

S)ie umgeftaltenben Sßirlungen, lueld^e ber ftegreic^e ^mna^ 
titdmul^ auf bie beutfd^e ®efc^ic^tf(^rei6ung audgeäbt l^at, ^aben 
^d^ im übfrtoiegcnbcn aScrl^ältniffc in ber öcränbertcn ScJ^anblung 
ber allgemeinen ©ef^id^te unb in bem Smporfommen einer natio«* 
italen ©efd^id^tfd^reibung geltenb gemad^t. S)ie neue, gelehrte 
itnb fritifd^e Stiftung unb bie gen^altig l^orbred^enben natio^ 
ttalen Motiot arbeiten mit einanber in frud^tborem, tapferem 
Wetteifer. Sßie fi^ bereite aud ben t)oraudge^enben Srörte* 
Tungen ergibt unb ed fic^ t)on felbft t)erfte^t, ift aber mit ben 
JCebendäugerungen biefer %xt bie ^iftoriograpl^ifd^e Z^Stigfeit ber 
nn S^age ftel^nben (Epod^e ttod^ feine^n^egS erfdt|6pft. @inmal 
ift mit bem (Smpor{ommen einer ftegreid^en neuen Stiftung bie 
liütere, jurfldtretenbe, mit.m^t^ plö^Iid^ abgeschnitten, unb 
^u^erbem befte^en neben >^ .ittnt)erfeUen unb nationalen Sbeen« 
freife nad^ xok t)or f onfiete ' politifd^e ^^aftoren unb Steigungen, 
t)ie in ber ©efc^tc^tfc^reibung ebenfalls i^re Vertretung fud^en 
tinb finben. 9uf biefem SBege (tegt bie territoriale unb ftäbtifd^e 
^ifioriograpl^ie ber Qdt, bie toxi, ol^ne irgenbtt)ie na^ ftofflic^ 
SSoQftftnbigfeit ju ftreben, au$ jac^Iic^en ©rfinben nic^t aber» 
^e^en bflrfen. ^ag bie größeren Talente fic^ i^r iugen)enbet 
l^en, fann man aQerbiitgS nid^t behaupten — baS (ag einmal 
fo in bem unöermeiblic^en Qvlq^ ber S)inge unb ber ®eifter — , 
ebenfo n^enig fann man auc^ nur t)ergleid^ungdtoeife t)on tt^irfßd^ 
^rogen Srgebniffen fpre^en; eined aber l^aben fte üor ben be» 
Tfil^rten um fo Dtel ^6l^er fte^enben Seiftungen t)oraud, nämlid^ 
bie 93oIfdtfim(id^feit, auf tt)eld^e bie neue @d^u(e bei aOtr noc^ 
fo ftarf enttoidEelten t)aterlfinbifd^en ®efinnung iunäd^ft n^ie grunb« 
fägli^ t)er2i(^tete. ^^flr bie territoriale unb nod^ me^r bie 
ft&btifc^'Iofale g^efd^ic^tfd^reibung lag bie beutfd^e ©prac^e freilid^ 
:loie t)on felbft auf bem SBege : mit ber ©prac^e loar aber }ug(eid^ 



144 ^M f&ü&j, ütcrtcd Shi^teL 

ber Xon, ben man anfc^Iug, bte gefammte Haltung ber ^ar^ 
ftcUung bebingt. Unb fein Qn^aü ift c^, bag, toenn ja ein ober 
ba9 anbere 2Berf ber %tt juerft in latetnifc^er ©pra^e ge^ 
fd^rieben tt^urbe, ber iBerfaffer ed ffir angezeigt l^iett, eS nad)- 
trfiglic^ in baS S)eutfd^e ju übertragen ober, rid^tiget gefügt, in 
beutfc^er Sprache urnjuarbeiten. 

äßir beginnen biefe unfere Setrad^tung aud Qto^dmS^iQkit^^ 
grünben mit ben ©tabtd^rontfen, um t)on i^nen ju ben Sanbed^ 
gefd^ic^ten aufjufteigen. g^ft o(jne ^lul^na^me finb t^ 9Iei^^ 
ftäbtc, bie l^icrbei für unfere Qto^^ in ^xa^^ f ommen : SRümberg^ 
^(ugdburg, jföln, ober bodti fold^e, bie jur |}ett no^ üor benr 
Sofe ber unbebtngten Sanbfäffigfeit fidti bema^rt ^aben. 9Bir 
t)aben, toa^ bie SBe^anblung ber ®efdt|ic^te ber bamall^ Uü^enbften 
@tabt ^eutfdt|IanbS, nämlic^ 92ürnbergd, anlangt, fd^on einige 
SWale Oelcgcnl^eit gel)abt öon SBerfu^en, in irgenb einer ^^orm 
i^r eine (itcrarijd^e ^ulbigung barjubringen, ju fprec^en. Son 
SReifterlin, ber gerabeju jum ^iftoriograp^en ber @tabt befteHt 
n^orben n^ar, nic^t ju reben ; ^artmann @d^ebe(, ^irf^eimer unb 
Sonrab (Se(ttd mären in biefer 9iid^tung an erfter ©teile ju 
nennen. Aber aurf) no^ anbere $>umaniften ließen fic^ l^inju* 
fügen, »ie j. 8. ^eliuö ©obanu^ $>effuÄ, ber frcilid^ 
erft 1526 nad^ SRürnbcrg fam unb genie bort eine bleibenbe 
©teQung gewonnen ptte: er f)at nid^t blog bie neu gegrünbete 
^ö^ere @cf)ule, fonbern audti bie @tabt felbft in nic^t unebener 
SSeife befungen^). SIber fd^on ein paar Sa^rje^nte Dorl^er luar 
l)ier ein ftattlic^ed ^ßrobeftüd einer rein bürgerlid^en ©efd^ic^t^ 
fc^reibung in ber 9}ümberger ©tabtd^ronif ^einric^ 2)etc^d« 
lerÄ erftanben*). @in SRürnberger ^nb, bereite 1430 geboren, 
ift er aufeerl^alb ber ^eife groß unb felbftdnbig getoorbcn, bie, 
ben SRu^m feiner SBaterftabt in aller SBelt erfd^aüen mad^ten. 
6r befanb fid) ober in guten SJer^ältniffen unb erfreute ficfy 

') SSöl. Ä. Ätaufc, ^d. GobonuÄ ^cffuS unb |cinc ©erfc ob. ^ 
ot()a 1879) ©. 1—124. Über baö ßobflcbic^t auf Nürnberg fpcsidl 8. 20. 2K 
«) S3öl. Stöbtct^ronitm ob. 5 u. 10. 



^ie tcrritoTtalc «nb ftäbtifti^c ®cfd^ic^tf(Srcibung. SWirnbcrg. S)ei(ftSlev, 145 

cincö rcid^lic^cn ^QuSftanbcg. Qn bcn ratsfäl^igcn ®cfd^fcd^tcrn 
jQ^lte er nid^t — er nennt fid^ einmal einen ©ierbraner — unb 
begnügte fid^ mit einem geringeren §(mt im ftäbttfd^en ©ienfte: 
er würbe im 3a^re 1486 jum „SBettel^errn" ernannt, unb er* 
jäl^It bad felbft mit untjerfennbarer ®enugt^uung. ©ein üeben 
^at er, tt)ie ju vermuten, @nbe 1506 ober fpötefteng Slnfang 
1507 befc^Ioffen: eine unmittelbore SWac^ridE)t ^aben n)ir borüber 
nid^t. S)er ®efc^ic^te feiner Saterftabt f)at er bei 3^^*^" H^c 
?tufmerffamfeit jugetoenbet unb mit ungenjöl^nlid^em ©rfolg ju 
biefem ^^Jede alleg, tt)a^ er irgenbnjie erreid^en fonnte, gefammelt. 
6r toax feineSttjeg^ ba§, toa^ man einen ®e(el^rten nennt, aber 
er ^at fidt) in ber SSerfoIgung beS angebeuteten 2Bege§ ald 
Dilettant ttjenigften^ eine ^öc^ft adt)tung^n)erte literarifd^e Silbung 
angeeignet. 3)ie Sl)ronif ift nic^t in einem 3^9^ gefc^rieben, 
e§ liegt offenbar mef)r afö ein SKenfd^enalter ättjifd^en bem Stn« 
fange unb ber ©eenbigung berfetben, bie n)ieber nur eine ju* 
fällige unb offenbar burd^ ben 3;ob be§ 9Serfaffer§ bebingt toar. 
S)ie S^ronif ^olt siemlidt) weit au^ unb ift für ben größeren 2^eil 
eine Sompilation; ber maffen^afte Stoff ift Weber fünftlerifdt) 
georbnet norf) fritifc^ gefic^tet, aber man ^at ®runb. für bie 
forgfditige ?(rt banfbar ju fein, mit welcher S)eidE)§Ier bie älteren 
9?firnberger Sfufgeidinungen aufgenommen ^at S?on ber SKitte 
beö 15. Sa^r^unbertiJ an erhält fein 3Berf in wad^fenbem ®rabe 
ben ßfiarafter ber ©efbftänbigfeit unb bewegt fid^ in ber ®rjäf|* 
lung be^ SRäc^ftliegenben unb ©elbfterlebten. Slrteg^gefdE)idE)ten, 
fowcit fic SRürnberg angefien, einerfeit^, unb ®tabtgefc^idE)te man^ 
nigfac^er ?lrt anbrerfeitg, wie fie ber SBec^fel ber läge mit fic^ 
brachte, nel^men ben meiften Siaum ein. 9Bie man fidt) jutreffenb 
auögebrüdt t)at, bie S^ronif bietet t)iel mct;r für Äuftur^ unb 
©ittengefc^ic^te aU für bie po(itifdE)e, in Weld^e ber SSerfaffer 
ber Sage ber 3)inge nad^ wenig eingeweiht war; bagegen ^at fie 
ben SJorjug ber ^w^^töffigfeit ber mitgeteilten 2^atfac^en. 3)er 
SRümberger 9iat f)at übrigen^, Wie fc^on früher, gerabe auc^ in 
biefer Qcit bie offijieUe, urtunblic^e ®e}c^ic^tfc^reibung grunb== 



146 <^t^^ ^uc^r tnerted tapitel. 

jä^Iid^ flepffcgt; öon jcbtm größeren, bic ©tabt mit betrcffcnbcn 
©rcigmffe tüurben auf ®runb ber aut^cntifc^cn Äftcn umfaffcnbc 
Sefdircibungcn ongcicgt, bic no^ ^cutc für bcn ®cfci^i(^tÄforf^cr 
öon unfc^fi^barcm SBertc finb: fo j. JB. aud^ öom Sanb^^utcr 
©rbfolgcfricfl unb bcm üertoicfelten SRcc^töftreitc, tpclc^en ber bc^ 
fannte Überfall bed aud Seipjig gurflcffel^renben äBarenguged bei 
gord^^eim im Saläre 1512 im (Sefolge l^atte^). 

3)ie fonft fo mäd)tige SRebenbul^Ierin Slümbergö: ?lug^« 
bürg ^at auf bem ©ebiete ber bfirgerlidien ©efd^td^tfd^reibung 
in biefer Qcit loo^I mancherlei, aber nid^tö ber 9lrt l^ertjorgebrac^t, 
bag cS ung an 2)eid^gler erinnern fönnte'). 3n ben borauS« 
gegangenen SWenfd^enaltem ttjar bie ©tabt hierin frud^tbarer 
gen^efen. 9(ud^ Don ©tragburg lägt fidti in biefer S^ejte^ung 
nur teitoeife anbere^ fagen*). 3)ie fog. Slrc^iöd^ronif , beren 
§au^)tbeftanbteit fc^on um 1510 entftanben ift, bel^anbelt aller* 
bingd übertoiegenb bie ©tabtgefd^ic^te unb \)at für ba§ 15. Sa^r« 
^unbert ftofflid^ ben SBert, bafe fie meift au^ gleichzeitigen tluf« 
jeidtinungen fd^öpft unb bod^ jugleidti manc^ed il^r Sigentümlid^e 
gibt*). @in ©tüd ©trofeburger ©tabtgefc^ic^te , toetd^e^ bie 
SBa^l unb ben ®inritt bed SBifd^ofö SBil^elm öon ^onftein in 
ben Sauren 1506 unb 1507 in halbamtlicher Art bcfc^rcibt, 
wirb ©ebaftian Srant afö Serfaffer jugefd^rieben unb öcrbient 
ba^ i\)Ttc erteilte Sob mit 9?ed^t^). 2)agegen rü^rt ein anbcred 
ber ©trafeburger (Sefd^idt)te mit geipibmeteö SBerf, bie S^ronif 
beS 3ßaternud S^erler, t)on einem l^umanifttfd^ gebilbeten 
@(eiftlid^en ^er, ber aber gleidt|h)o^l fid^ babei ber beutfd^en ©prad^e 
bebiente^). S)odö ift l)ier ber S^arafter ber ©tabtd^ronif bereite 
t)erlaffen unb bel^anbelt ber SSerfaffer grunbfä^lidt) bie ©efc^tc^te 



*) ^Q^' 3cit[(^rift für bcutfcftc SiilturgeWic^tc neue golgc Sfa^rg. 3 
6. 129—166 (5>annot)cr 1866). 

«) S89I. ©täbtcdiromfcn S3b. 4. 

«) @täbtc(^ronifcn »b. 8. 

*) Code histor. et diplomatique de Strasbourg II, 131 — 210. 

*) Code bist, et diplom. II, 60. 70 et 239—299. 

«) Code de la ville etc. II, 2. 



S)ic territoriale unb ftäbtif(]^ ®cfc6ic^tfd|retbun0. Mn. 147 

bcr ©tragburgcr ©ifc^öfe, an tDcId)cr allcS Übrige, jum %t\U 
red^t SBcrtöoIIei^, bcr ^ci^flcfci^id^^c Angehörigem, fi^ anfc^Iiefet. 
Sn ßö(n n^ar bie ftäbtifd^e ©efd^ic^tfdireibung fett bem 
13. Sal^r^unbert in ber 8(rt vertreten, bafe einjelnc ftfirmifcfte 
©pifoben bcr inneren ©efd^i^te ju gleid^äeitigen , aber nur be* 
ftintmtc SBorgänge umfaffenben Sluf jeid^nungen SSeranfaffung gaben. 
@o ^aben bie f^rei^eitSfämpfe ber @tabt gegen bie Stibifc^öfe 
Äonrab tjon ^oftaben unb ©ngelbert t)on g^Kenburg bie SRcim* 
^ronif ®offrieb jagend, fo bie SRicberwerfung ber Sönf^« (1371) 
bie „SBeöerfleidit*', fo ber ©ieg ber Qm^k ba^ fog. „Sieue Sud^" 
hervorgerufen ^). S^nfid^eiJ l^at fi(^ au8 SSeranlaffung be« mife* 
lungenen SSerfudieÄ einer »eiteren UntgJftaltung ber Serfaffung 
in bemofrattfd^er 9iic^tung im Sa^re 1451 unb ber erfolgreid^en 
9iet)o(ution bed und fc^on nfi^er (iegenben Sa^red 1513 n)enn 
auc^ in befd^eibenem SKofee ttjieber^oft. S)aneben beiüegt ftd^ 
baS 14. unb ben größeren 5;eif bed 15. Sa^r^unbertd ^inburc^ 
eine größere Siei^e annoliftifcfier, ju öerfd^iebenen 3^'*^" ^n^* 
ftanbencf7 aber unter einanber untrennbar äufommenl^ängenber 
itufjeid^nungen in bcutfc^er ©prad^e, bie man in neuefter Qeit 
olö „Sölner Sa^rbü^er" herausgegeben ^at unb bie in ber 3;f|at 
ben objeftit)en abfid^ti^Iofen S^arafter biefer ()iftoriograp^ifdt|en 
Gattung in eminentem ®rabc an fid^ tragen. 3n ber jttjeiten 
^älfte bed gen. Sa^r^unbertö ttjirb benn au^ Don „^^einric^ 
Don Söeecf, ©urger ju Sollen " ber erfte SSerfud^ einer ooD* 
ftfinbigen ©tabtc^ronit gemacht. S)iefed SBerf, „Stgrippina'' be* 
titelt unb in ben Sauren 1469—1472 gefd^rieben, ift aber gegen 
bie Abfielt bed SSerfafferS nur big 1419 gebieten unb erfd^eint 
in biefer ®eftalt nac^ fac^funbigem Urteile aU eine Kompilation 
^oc^ft mittelmäßiger 9rt, bie ald fofd^e ungebrucft geblieben ift. 
Aber noc^ Dor bem Slnbrud^e bed neuen Sa^r^unbertS (1499) 
«rf^icn bie fog. Soel^off'fd^e „Sfironica t?on ber l^iHiger 
(tat öan SoeDen", beren SSerf affer tro^ allem Suchen biä jur 

») Sfür attcd Äöln SBetreffcnbc f. ©täbtecöronifen S3b. 12—15 mit ben 
fcej. (Einleitungen ber 5>ftaudgeber. 

10* 



148 ®i^tc§ ©ucfj, üicrtcS StapM. 

©tunbe un6e!anitt geblieben ift unb t)on tüeld^em man m6)t 
einmal »eife, ob er ein geborener Kölner njar; 3of)ann JtoeIf)off 
mar nämli^ nur ber S)rucfer, aber fein Sßerbienft mirb anc^ fo 
t)od) genug gefd)ö^t. Dem SBerIc fefbft tommen entf^tebcne unb 
mcf)rfadje 9?orjüge ju. 3n ber Übergangöjeit entftanben, bietet 
e§ unö bie erfte ooUftänbige SJarfteHung ber Äölner ©tabt^^ 
gefc^ic^te, obmo^I e§ nic^t§ meniger afS eine auSfc^Iiepc^ lofate 
S^enbenj öerfolgt; immert)in aber bilbet bie ©cfd^ici^tc ber ©tabt 
ben 9Kittefpuntt unb Ia§t ba§ ferner fiiegenbe in mac^fenbem ??er* 
^ältniffe juriidf treten. Söegounen mürbe bie umfangreid^e S^ronif 
ungefähr im Satire 1490, ber S)rud bcrfelben aber fd)on am 
23. Sluguft 1499 abgefd^Ioffen. Quin größeren 3^ife ift auc^ 
fie eine Kompilation; ber SSerfaffer Derfugt aber über ein un- 
gemö^nli^ reicf|Iid)eiJ Duellenmaterial, baS er frcilid) aHjumenig 
fetbftänbig verarbeitet. S)ie G^ronif ^einrid^ ban 55cecfe'§ 5. ©. 
^at er, mic üieleö anbere nod^, jum guten Steile unüeränbcrt 
aufgenommen. SSon einer georbneten Anlage be§ SBcrfed ift 
ebenfo menig bie Siebe aU oon einer aucf) nur annöt)ernb forg* 
faltigen Verarbeitung be§ fteifeig gefammeften ©toffeS. 95ei 
großer Seic^tgläubigfeit ent^ye^t er fid) bod) nid)t jeber fritifc^en 
^tnmanblung, aber freilidi o^ne babei ©tanb ju l^alten. ®en 
%)i)p\x^ ber unabl^ängigcn bürgerlidien ®efd)ic^t)c^reibung trägt 
ba^ 3Berf burc^au^ an fi^ : ber SofalpatriotiSmu^? ^errfc^t tjor, 
unb eS folgt barau§, bafe ben ^au^}tge9nern ber ^J^eilieit unb 
Unab^ängig!eit ber ©tabt, ben (£rjbifd)öfen, nid^tö gefdtjenft mitb. 
©aneben befeelt if)n aber bod) jugleidE) ein too^ftf)uenbe§ natio^ 
naieö ®efü^f, auf bie melf^en 9Jad)barn ift er f^Iec^t genug 
ju fpre^en unb für baö römif^e 5Rei^ unb Saifertum befunbet 
er bie leb^aftefte ©ijmpatftie. S)en tirdjlid^en 3"f*änben gegen- 
über täufd^t er fic^ ni^t über bie oorijanbenen 9D?i6bräuc^e, ba* 
päpftlidEje 2(bgabenft)ftem mirb aud| öon if)m, mie bamals überall 
in Seutf^Ianb, in feiner ganjen UuerträgIidE)feit empfunben, tva^ 
if)n übrigen^ fo menig alö fo jicmlid^ feinen feiner ©efinnungo- 
gen offen abf)iHt, §ufe al§ Se^er ^u verurteilen. Die ©rfinbung 



^ic territoriale unb ftäbtijd^c ®e)(^td)tfc^reibunQ. ^raunfc^meig. 149 

t)er Sud)bruclcr!unft betrachtet er ate ein ®ef^enf ®otte^ jur 
i^elebung ber grömmigfeit in einer Qtit, in toüdftx er bie 
■Jugcnben ber 2Ken)c^en fo tief gefunten finbet. ©ein freiet 
SKort trifft inbed bie ßaien toit ben geiftli^en Stanb, unb er 
fte^t ni^t an, ben toeltlic^en unb gciftlic^en gurften feiner Q^t 
in betreff ber Rumänen SBe^anblung i^rer ^^interf äffen" ba^ 
befc^ämenbe Seifpiel ber ^t)eibnifc^en Äaifer'' öorju^alten. @ö 
begreift fic^ ba^er nac^ aUebem rec^t gut, n^enn in einer Qtit, 
in n^elc^er man fic^ um SBerfe biefer Slrt bei und nod^ n^enig 
flimmerte, ein SDZann toie SB. @. Sßiebu^r bicfer S^ronif toie 
ber ^erfönli^feit i()red SScrfafferd n^armed, DieQeid^t überfpannted 
Sob äu fpenben fi^ angetrieben füllte ^). E^aratteriftifc^ bleibt ed 
immer, bag bie S^ronit, mie man mit gug vermutet, balb genug 
ber firc^Iid^en S^enfur unb noc^ t)ie( fpäter bem l^erben Xabel 
i)ed Äöfner SRateö üerf aßen fonnte^). 

SBü^renb bie ^auptorte ber ^anfa, ßübecf, ^Bremen, ^am* 
bürg, in ber in Siebe ftc^enben Qdt in bürgerlicher @efc^id)t* 
fc^reibung nic^td ^erüorgebrac^t ^aben, h)ad und üeranlaffen 
fönnte, bei einer ober ber anberen ju üertüeilen, ift cö bie ©tabt 
öraunfc^toeig — bie ja auc^ ju jenem Söunbe gehörte — , 
an melc^er n)ir nic^t ftillfc^n^etgenb t)oräberge()en bürfen. S)ic 
offijielle ®efc^ic^tfd|reibung ift ^ier jiemli^ frii^ aufgefommen, 
fie ift mit ber bürgerlichen unjn^eifel^aft üerh)anbt, menn auc^ 
nic^t unbebingt gleid^bebeutenb. ©o finb u. a. im Slnfange bed 
15. Sa^r^unbcrtd jn^ei umfaffenbcrc SJarfteHungen n^id^tiger Sreig- 
niffc aud ber ©tabtgef^ic^tc entftanben, bie „l^eimlid^e 9icc^en« 
fc^aft" unb ba* „^faffenbud)", »elcl^e bie älteren äufjeic^nungen 
ber Slrt beträchtlich hinter fid| laffen^). ©egen @nbe bed gen. 
Sat)r^unbertö aber nehmen ein paar ^riöatc^roniten unfere STuf- 
merffamleit in Stnfpruc^, öon toelc^en bie eine, baä „©c^ic^tfpiel''. 



») @. ßcbenSna(ftrid|ten über 95. ®. 9?icbu&r 2, 370. 
«) @. bie Einleitung be« öearbcitcr« ber G^ronif, ^. (SarbaunS, in 
bcT Einleitung (6täbte(^roni!en 13, 246—248). 
») ©täbtedjronifcn 93b. 6. 



150 <^'<ed ^u4 oierted StapM. 

in ©cftalt einer SReim^ronif, ben mißlungenen Äufrufir ber Qm^e 
unter ßubefe ^oDant gegen ben 9iat in ben Sauren 1488 — 1492 
f d)ilber t ^). 3)er SJerf affer, 9lc5neruö®roningen,ift übrigen^ 
^arteimann unb f)b\)nt bie Unterliegenben , o^ne übrigens ben 
@toff fünftterifc^ betoälttgen ju fönnen. (Sin SBerf ganj anberer 
ilxt bagegen ift bad @c^td^tbu^, bad ni^t auS tenbenjiöS 
potittf^er Slbfi^t, fonbern po)itit)en unb (e^r^aften @runben 
JU liebe eine iufammen^ängenbe ©d^itberung aQer Stufftanbe, 
meiere bie ®ef^id|te ber ®tabt üBraunfd^tt^eig fennt, ju geben 
unternimmt, ©efc^rieben ober, rid^tiger gefagt, obgefd^loffen 
n)urbe biefe S^ronif im Slnfonge beS Sa^reS 1514. Hld i^ren 
SJerfaffer t)ermutet man einen ^ermann SBote, bem man 
Dielfac^ in ftfibtifd^en ^(mtern begegnet unb ber n^a^rfd^einlic^ im 
aSerlaufe beS Sa^reä 1520 geftorben ift. S)a6 ber SBerf affer ber 
fog. nieberfäc^fifc^en Silberc^ronif, Äonrab SBote, ein alterer 
SJerioanbter t)on i()m, bag er felbft burc^ beffen SSorgang ju 
feiner S^ronif angeregt Sorben, ift eine SSermutung, bie ftd^ unter 
ben gegebenen SSoraudfe^ungen na^e (egt unb barum )DenigftenS 
nid^t öon öom herein jurüdgetoiefen »erben fann. Auf Ä. ©ote 
fommen mr balb jurüd, t)on bem SSerfaffer beS ©d^tc^tbud^d 
trennen n)tr und aber mit ber Slnerfennung, baß mx in feinem 
SBerfe bag (Srjeugnid eines ef)renf|aften , einfic^tSDoHen , toenn 
aud^ t)on einiger Befangenheit nic^t ganj freien Patriotismus 
befi^en, baS fid^ jugleic^ bur^ bie Sin^eit ber Jtonieption mie 
burd^ bie ^aft unb 9(nfd^aulic^feit ber S)arfteQung in g(eid^em 
®rabe auSjeid^net. — 

^ie übrigen namhafteren beutfd^en @tfibte ^aben in biefer 
3eit nennenSttjerte 2)arftellungen il)rer ®efdt)id^te nid^t ^crüor» 



^) ®. ^önfeltnann in ber (Stnicttung jum ®4i4tbu(!g. ^§ fBort 
@ct)id)t bebeutet anerbingS biStocilcn „(^c\dji6)tt" |c^Ic(^t^in, aber jttglei^ Der« 
binbct \\d) bamit uomiegcnb ber ^iebenbegriff bcS ®emaltjamen, 8iu(^Iofen, 
^erbcrbliicn; für bie SBoIfSoufftänbc in ©raunfcftmeig, fofem fic alS Untiotcn 
angcf c^cn mürben, toar biefe« SBort Don je^cr bie fte^cnbe SSejcic^nung (3täbtc» 
£^vonifen 16, 271). 



^e tertitoriale unb ftäbtifc^ (^f^i^tfc^reibung. Oftreic^. Unreft. 151 

gebracht ober, infoipeit überhaupt toelc^e t)erju^t toorben finb, 
ge^en fte in ben Sanbe^gefc^id^ten auf^). SEBad in bieferß^it in 
biefer 9itc^tung in Öftretc^ cntftanben, ffiQt ^um guten Zeile 
mit ben besäglic^en ©Triften iufammen, bie oud bem ^eife 
^aifer 9J?Q£tmUiani^ unb aud beffen Slnregungen l^ert)orgegangen 
finb unb auf n^elc^e mir je^t ni^t me^r jurüdinfornmen brauchen, 
ütic^t }u fiberge^en ift jeboc^ bie öftretc^ifc^ unb fämtnifd^e 
6f)roni{ bon Sof ob Unreft, ber auger^olb jenel^ ^reifed ftanb 
unb überhaupt ni^t gu ber neuen @ci^u(e io^It^). Unreft n^ar 
Pfarrer ju @t. SKartin am 3^ci^e(8berg bei ^ürtfc^ac^ in ftämten ; 
feine ^auptioirffamfeit ffiQt in bad (e^te SSiertet bed 15. 3a^r>> 
^unbertd, n)elc^ (egtered er nic^t lange überlebt }U l^aben fc^eint. 
©eine öftretc^if^e ©^ronif ge^t ber Qdt nad^ üoraud; ber 
^auptioert berfelben liegt in ber ^arfteOung ber ®ef^ic^te 
Sitneröftreid^ö in ben Sauren 1468 — 1499; ^ter ift er ftoffreic^ 
unb genau, n^ad etioa üor^rging, n^ar fieser nur Kompilation. 
Unreft ift no^ ein Wlann ber im (Srlöfc^en begriffenen alten 
aHid^tung in ber ®efd^i(^tf(^reibung, o^ne alle ^umaniftifd^e QvLß 
gaben, funftloS, aber bod^ me^r ald ein bloßer Slnnalift ober 
trodener S^ronift unb ge^t ^äufig ben Urfad^en unb äßirfungen 
ber erjfi^lten Sreigniffe nad^. 2)abei betofi^rt er fic^ getoiffen^aft, 
toa^r^eitSliebenb unb geftattet fid^ gelegentlid^ auA ein freiem 
Sßort gegen bie geiftlid^e unb n^eltlic^e Obrigfeit. SBieled berid^tet 
er als ßeitgenoffe unb nad^ feinen (Srinnerungen, er benu^t aber aud^ 
3eituugen, ^^lugfc^riften, päpftlic^e S)efrete, @taatdt)erträge u. bgl. 



^) ^ir tooQen hei biefer (Megen^ett nic^t unterlaffen auf bie „^f^xonit 
ber Stabt (Slbogen" (1471^1504), bie Don einem geitgenoffen, toie ber t>er« 
biente ^ausgebet Dr. 2. ©cdlefinger Dermutet, DicOeic^t bem 9{atf Treiber 
ber 6tabt, ^nü^rt, ^injumeifcn. @ie befc^reibt i^rem ^auptin^Itc nad) ben 
Srei^itdtampf ber @tabt gegen bie (Shrafen Schlief, toel(^ fte Derpfänbet toar. 
Ükbrurft erfditen fie 1879 ju $rag. 

*) 8. Hahn, Gollectio monam. vet. et recentiom. Bransvigae 1724. 
I. 3)ie fÄrntnift^e GT^roni! ©.479—536; bie öftrei*ifc^ 6.537—803. — 
fironed, »n^io für dftr. «efc^ic^e (1872) 44, 421 ff. unb in ben »eiträgen 
jttt ^nbe ber fteiermärfifc^en ©efc^ic^tdqueOen 3a^g. 7 u. 8. 



152 C^rjtcd S3u4 üierted StopM. 

Unb toaö nic^t ju öergcffen, fein Süd rei^t jugleid^ über 
bie ®reujen feinet fianbed ^inauS, er f)at ouc^ für bte St« 
eigniffe im iDeftlic^en Suropa ein Slugenmcrf. S)er 3^?^^«^^"* 
I^ang jtuifd^en ben ^ab^burgifc^en ^au^Ianben unb ben Sänbern 
bel^ SBeftenl^ toai ja aud| gerabe bamat^ junä^ft burc^ bie 
^olitif aJJafimilian^ ein brennenber geiüoiben. Sie Ädrntner 
ß^ronif Unreft« fammelt bie gefc^id^tli^en unb fagentjaften Über* 
lieferungen feinet ^eimatlanbed bid jur SSereiniguug ^arntend 
unb Siirolg mit Öftreic^. ®ie ift übrigen^ eine felbftdnbigc Slrbeit, 
unb ift bem SSerfaffer freilicl^ aud^ mand)e^ öon ber filteren Site* 
ratur unbefannt geblieben. Sin gefc^ic^tlid^em ®e^alt tritt fie 
l)inter bie öftreic^ifc^e ß^ronif offenbar jurücf. 

S)ie ©efd^i^te Öftrei^d ift aber jugteid^ Don jlDei aud« 
njärtigen ©c^riftftellern biefer 3^^^ be^anbelt toorben, ndmlic^ 
Don bem öaiem SSeit ?lrenpecf unb bem ©^»eijer ?llbrcd^t 
öon Söonftettcn. 8luf erfteren fommen toir fogleic^ noc^ ein* 
mal be^ näheren jurücf unb befc^ränfen und an biefer @teQe 
barauf, einige SBorte über feine öftreid^ijd^e 6t)roni{ ju 
fagen^). S)ie frühere Söe^anblung ber älteren öftrei^ifc^en ©e- 
fcl)icl)te l^atte t)on menig ©lud ju fagen; felbft toad qu^ bem 
gefc^ilberten ^eife aRa^imiliand in biejer äiid^tung ausging, 
erl)ob fic^ nur unDollfommen jur miffenfd^aftlic^en unb frittfc^en 
2)urd^bringung bed um biefelbe l^alb abfid^tlic^ unb funftDoU 
gefc^lungenen Oeftrü^jped. Slrenpecf jä^lte feinerfeitö überl)au|)t 
nic^t jur neuen @^ule, obtDO^l i^m ^enntniffe unb literarifc^e 
(Semanbt^eit mit nickten abgefpro^en n)erben fönnen. @r ^atte 
feiner Qdt an ber SBiener Uniöerfität ftubirt, frcilid^ ju einer 
3eit, in melc^er bie ^umaniftifc^e 93eh)egung nod^ nid^t im @ange 
toar^). SBa^ i^n ju ber Slbfaffung eine^ folgen SBerfeg betoogen, 

^) Chronicon Austriacum a fabulosis gentis primordiis — 1488 bei 
Hieroü. Pez, SS. R. Austriac. p. 1165— 1295. 

«) 6. fein Chroo. Austr. (l. c. col. 1262): ^A. D. 1456 in mense 
Junio cometes caudertus super hemispherium Yiennense fere per integrum 
mensem apposuit, quem et ego Vitus Arnpeckh, ibidem tunc 
studio anhelans, vidi." 



^ie territoriale unb ftäbti|(!^c @)ef(^t(^tf(!^reibung. Öftreid^. S3onftctten. 153 

lägt fi^ mit @td^er(jett um fo toentger erfennen, al^ man i^m 
eine bcfonbcre SSorliebe für Dftreid^ burd^aug nid^t jujd^reiben 
tann ^). 9J2an fönnte fic^ uerfud^t faxten, ba^felbe qI^ eine gruc^t 
feiner ©tubien über bie bairifc^c Ocjd^id^te ju bctrad^tcn, nur 
bafe eine unmittelbare Änbeutung ber 8lrt nid|t gegeben ift. SBie 
bem aber fei, einen gortfdiritt in ber Söel^anblung ber öftrci* 
c^ifc^en Oefd^id^te bejeid^net feine ß^ronil in feinem SBege: fie 
rul)t jum größten Xeile auf ben befannten SBerfen Don (Snea 
©^It)io, ®regor ^agen, Slnbrea» Don 3iegen^burg ; bad 15. Sa^r* 
^unbert ift überbied jiemlid^ furj unb fprungn^eife bargefteUt. 
(Sin ö^nlid^ed gilt Don ber Historia Austriaca $[lbertd Don 
S3onftetten, bie übrigend big jefet nur teitoeife gebrud t üorliegt ^). 
Sonftetten ift eine ungemein merfmürbige $erfönlid)f eit ; er t)at 
fic^ auf ^iftoriograt)^ifd^cm ©ebiete me^rfa^ öerfud^t, feine »irf- 
lic^e Sebeutung mug aber bo^ in einer anberen 9iid^tung ge- 
fuc^t »erben, afö ^iftorifer ^at man i^n offenbar gern über* 
f^ä^t. @r gehört bemfelben 6)efd^Ie^te an, aud toeldjem gerabe 
300 Sa^re fpäter So^anneö üon SRüIlcrö berühmter greunb 
biefe^ 9iamcnö ^eröorgegangen ift^). 3m Sa^re 1445 geboren, 
tourbe er jum geiftlid^en ©tanbe beftimmt, 1465 ftapitel«t)err, 
1470 2)efan beö ÄloftcrS ©infiebeln, alled biefeö meift abwefenb, 
biö er enblid^ 1474 auf bie S)ouer in baö filoftcr jiurücffel)rte 
unb bamit bie inftaltreid^fte unb frud^tbarfte 6pod&e feined Sebens^ 
begann, ba^ er 35 3al)re fpätec, 16. gebruar 1509, enbete. ^iJon 
t)en jel)n Sauren, bie feiner SiüdEfe^r öoraudgingen, bat er faft 



^) SSgl. bad SBortoort bc« Herausgeber» ^ieron. ^cj 1. c. 

') 3n ber Austria sacra bed Marianus Fidler II, 2, 91 — 180 teil- 
locife unb un9enügenb t)eröffentli(^t. S)er Stitel lautet: Alberti de Bon- 
fitetten etc. Historia austriaca ab Origine dominationis usque ad Philippum 
austrium Maximil. I. filium. — ^te @(!^nft f(!^int au(!^ beu Stitel de maio- 
ribus Maximiliani geführt ju ^ben. 

<) 3u t)g(. P. ®aa. a)2oreI im ®ef(^i(!^ti»freunb ber fünf Orte S3b. 3 
unb »b. la einficbcln 1846 unb 1862. - 21. t>. ^alitx, öibliot^f ber 
Sd)met}ergef(^i(^te sub h. y. — @). t). ®Qg in ber tt. ^utf(!^en liBti>gra))6ie 
sab h. Y. 



154 <^rfted ^ud^, DierteS Kapitel. 

bie ^älfte in Stalten unb mehrere auf ben Untoerfit&ten t>on 
^etburg unb Sajel jugebrad^t. St f)at ftd^ mit ganjer ©eele 
ben jur ^errfd^aft gelangenben SBeftrebungen bed ^umonti^mu^ 
angefd^Ioffen unb ftd^ eine angefe^ene @teQung unb SBirffamfett 
emorben. (St nimmt na^eju eine internationale ©tellung ein, 
bie öerfd^icbenften gefrönten ^ftupter unb dürften überhäufen i^ir 
mit Sludjeid^nungen unb ®naben, ^aifer griebric^ UI., äRo^i^ 
milian, Srj^erjog @igmunb Don Xirol unb ^erjog (Sber^arb 
oon SBirtemberg batunter. S)ie)e äJZomente bütfen ^ier nur 
flüd^tig berührt, in einer ©efd^ic^te bed ^umanidmud nutzten fte 
einget)enb bargefteüt toerben. Um ju feiner öftreid^ifd^en S^ronif 
jurüdjufe^ren, fei bemerft, bag fie 1491 gefc^rieben tourbe unb 
bag bie b^nafttfd^^genealogifd^en ®efid^tdpunfte barin urgirt finb, 
freilid^ Don Dom herein in einer fo unfritifd^en ^B3eife, bog nur 
ein ungänftiged SSorurteil für alled übrige boburd^ ertoedtt toirb. 
S)ie Sbftammung bed ^ab^burgifd^en ^aufed toirb auf bie ©d« 
pionen jurüdgefü^rt ! "äU eine c^arafteriftif^e (Sigentümlic^fett 
an biefer ©d^rift bürfte aud^ ber Umftanb erfc^cinen, ba% fte 
öonftetten Äönig Sari Vm. Don granfrcic^ getoibmet ^at 3»it 
toel^er ®nabe biefer eine fold^e ^ulbigung ertoiberte, iDiffen 
toir nid^t, Don Sßien aui^ aber ift ber SSerfaffer aud biefer %er^ 
anlaffung jum faiferlidjen ^faljgrafen ernannt toorben. %uf 
biefem SBege toar bie öftreid^ifd^^^abdburgifd^e ©efd^id^te aUerbing^ 
nic^t Dom)ärtd ju bringen ^). Sluf bie übrigen ^iftorifd^en ©c^riften 
©onftettenÄ »erben toir nod^ fairj jurüdtfommen. — 



') Srür bie Literatur über bie 5ftret4if4 « ^abdburgif 4e (S^cfc^k^te biefer 
®f)od)e nennen mir nachträglich noc^: Dr. ^arl ©d^initt 9Htter üon Segem, 
^Bibliographie jur O^efcl^ic^te M i^fterreic^ifc^n taiferftaated 1. mt 1. ^eft 
SBien 1858. greilic!^ ift bem SSerf. u. a. ber feltfame Saturn begegnet, ba^ 
er bad ®crt $. $^. $3oIfi» über bie d^ef^ic^te (bed bainfc^en Shitffirftot) 
^JD^a^milian I., fortgefe^t üon SBre^r, unter bie SBiogropl^ien ihiifer ^[Ra^ 
milion I. einreibt. — 3ur SSert)oIIftönbigung beffen, ma« mir über bie ^ifto- 
ri|ci)c Literatur £)ftreic^d in ber 3eit R. ^a^milianS im 3. unb 4. ftapitd 
beigebracht ^aben, fei noc^ ba8 Sxigebuc^ beS ©iener «rjte« Dr. gol^amtei 
Xic^tel au« ben Salären 1477—1495 ermö^nt (f. Fontes rer. aurtr. I, 1, 



3)ie territoriale unb ftäbttfd^e ©efc^i^ti^reibung. ^dem. 155 

3lx(S)t o^ne ©enugt^uung betrad^tet man bie J^iftoriograp^U 
fc^en Seiftuitgen Saiernd in biefer Übergangdjett : juglei^ 
nod^ mit bem befonberen uttb tDO^lbegrünbeten Stttereffe, tpeil 
t)ier bereits ein ©efd^id^tfd^tetber mitten in feiner Snttoidelung 
begriffen ift, ber ju ben gefeiertften ber l^umaniftif d^ * ref ormato»» 
rif^en @pod^e jä^lt. 2)ad alte Saietnlanb nimmt in ber beutfd^en 
^iftoriograp^te be$ äRittelalterd eine getpig ac^tung^tperte Stellung 
ein. 3)ie ^tarnen Otto'd Don S^^ifi^S ^^^ Stogetpin^ 
allein, auf uield^e ed bod^ einigen Slnfprud^ ergeben barf, Per« 
breiten einen @)Ianj, mit tpelc^em menige anbere @tammlänber 
wetteifern fönnen. Sie @)efd^i(^tfd^reibung bed 14. unb 15. ^a\)x^ 
^unbertd ift in teilti)eife ftattüd^er SBeife Pertreten. SBad Stegen^« 
bürg aQein geleiftet f^at, brandet l^ier nid^t bed tpeiteren ausgeführt 
ju werben^). 3m legten SSiertel beS Sa^rl^unbertS beginnt eine 
polfstümtid^e ^e^anblung ber bairifd^en ©efd^id^te in beutfd^er 
@prad^e unb jtpar burd^ Saien, ben SKtter ^anS Sbran Pon 
SBilbenberg unb beffen jüngeren 3ettgenoffen Ulrid^ gütrer, 
ber augerbem jugleid^ 9Ra(er unb S)tc^ter tpar^). S)er eine toav 
t>nx(S) bie ^aten unb ben ®Ianj feineS ^errn, beS ^erjogS Subn)ig 
bed 9fteid)en Pon Saiern < fianbS^ut, baju Peranlagt; ber anbere 
lebte JU äJZünd^en unter bemf)er}og Slbred^t IV., ber il^m gerabeju 



1 — 166, l^erauSgegeben t)on %f^, P. j^arajan). ^ad ^age6uc^ ift in latei- 
nifc^er @pra(^e gefc^rieben, bef^äftigt fxäi aber tuenig mit $oIitif. fluä^ fei 
baran menigftend erinnert, bag i^ugger in feinem „(^ircnfpiegel'' ftd) mit 
bem ©cle^rtenfreife ^a^milianS in lehrreicher ®eifc befc^äftigt. 

») »gl. Ott. Sorenj, ^eutfc^IanbS öefc^icfttÄquellen im ^Mittelalter 
2. 5rufl. (töcriin 1876) 1, 144 ff. 

>) »gl. ^. ßlucf^o^n in ben gorfc^imgen ^ur b. ^ef^ic^te 7, 203 ff. 
unb ben 2. @j:furd in feiner @^ef(^i(^te ^erjog iüubroig bc$ 9lei(^n CJ2örb<^ 
lingcn 1865). — &. Ocf ele in SS. Rer. Bav. p. 301—341 unb &. ©ürt^- 
mann in »b. 5 (1. ©eft) be« Cberbairif(^en SCrc^iö« für üoterl. ®ei*id^tc 
@. 48ff. r- ö. ^tetin, fiiterärifd^eS ^anbbud^ für bie bairift^e ©efd^. ZI 1 
@. 161 ff. — Dr. Ö. SRocf inger, über ältere 2lrbeiten jur boierifd^en unb 
pfäljift^ ®efc^icf)te ?c. STOün^en 1879—1880. 21.2 ®. 11, 2:1.3 @. 44. 
9Beber bie (S^ronit ^ilbenbergd nod^ bie gfütrerd liegen biS je^t anberfl a(9 
in »ruc^ftücfen Por. 



156 eiitcg 83u^, öicrtcÄ Kapitel. 

t)en ^(uftrag erteilte, bie ©cfd^id^te ber bairiid^cn gürften ;iu 
jd^reiben. 8lfö SBerfe ber gorfd^ung barf man feinet üon beiben 
betrad|ten, il)re SSerfaffer fte^en aufeer^alb ber um fic^ greifenben 
t)umantfti)d^en öetoegung; aber ipenigftenö ber Don SBUbenberg 
ift gebilbet genug, um fic^ in ben bejüglic^en älteren Quellen 
felbftönbig ju orientiren unb eine gett)i[fe Unab^ängigfeit il)nen 
gegenüber ju bettjaljren. ©tofflid^ finb beibe für bie stoeite ^filfte 
beö 15. 3a^rf)unbert« ttjertDoÜ, aber fo, bafe gütrer ben älteren 
Söilbenberg namentli^ für bie ®efd^id^te ber Sngolftabter unb 
®traubing*^oIIänbifd|ert ßinie meift »örtltd^ auöfc^reibt. gütrer 
t)errät einen ganj entfdjiebenen ^ang jur ©efd^ic^tdmalerei, unb 
jo ift e^ benn aud| er, ber ben „allergelel)rteften eblen ©oroniften" 
^aribatb in bie @efd)i^te eingefül^rt l^at. ^an ^at mit 9}ec^t 
<iudgef|)rod^en, bag btefer ©aribalb nid^t gerabe eine (Srfinbung 
gütrerd ju fein braucht unb bag bergleidjen ^^antaftereien, tpie 
fie i)kx über bie ältefte bairifd^e ©efd^id^te geboten toerben, 
t)ama(d in Saiern aud^ fonft im @d^n)ange n^aren. greilid^ ift 
noc^ in neuerer 3^^* n)al)rfc^einlid^ gemacht toorben, ba§ ber 
?lüentinifd|e „Oef^id^tfc^reiber unb Äonjier ^erjog Steffel«, 
Äran^'' bo^ etwad me^r afö blofee ©rfinbung ift^). ®« 
^e^ört übrigens jur (iterarifd^en (Signatur ber Spod^e, bag bad 
SBerf gütrerö offenbar größeren SSeifaH gefunben I)at aU baS 
bed it)m unju^eifetfiaft überlegenen SBilbenbergd. Wlan f)at biefen 
©c^Iufe mit gug auö ben jat)Ireid^en Äbfc^riften gcjogcn, iu 
toelc^en baSfelbe üerbreitct »orben ift^). S)er ber Qüt unb 8e^ 
beutung nad^ näd^ftfolgenbe bairifc^e ©efc^id^tfd^reiber , SBeit 
?(renpedE, lel^nt fid^ öielfadi njortgetreu an gütrer an ; unb jtoar 
gerabe anä) ba, xüo biefer felbft ben SBilbenberg auSgcf^riebcn 
^at. 9{ud^ ber um fo Diel größere Sloentin ^at beibe gefannt 
unb oft unDeränbert benufet. 



*) 6. 9Hcj(er in ben Si^ungabcric^tcn ber fgl. §tfabcmic b. ®. )tt 
1Wünd)cn 1881 8.241-291. 

«) (B. Älucf^o^n, gorfcöungcn a. a. O. ©. 213. 



3)ic territoriale unb ftäbtifc^c ®cfcftid)tfcftrci6ung. SBdcnt. 9lren^)ed. 157 

9Sa^ nun bie SßoIfStümlic^fcit ber beibcn bcrül^rten ®e=* 
fd)ic^t3n)crfe anlangt, fo ^aben fic eben in bicfer öcjicfiung in 
ber allemäd^ften Qtit einen ntd^t ju unterfd^äßenben 9?ebenbu^Ier 
gcfunbcn, ber jugleid^ baS Sine öor if)nen Dorau^ fjatte, bafe er 
al§ ein n)of)Iunterric^teter ©ele^rter bie bairifc^e (Sefd^id^te juerft 
in lateinifd^er ©prac^e auSfü^rlid^ be^anbelte unb erft bann beutfd) 
bearbeitete. 3lrent)edE ift tt)a()rfd^cinlid^ jnjifd^en ben Sauren 1435 
unb 1440 JU Sanb^fjut geboren^), ©ein S3ilbung8gang füf)rte 
i^n juerft nad^ Stmberg, wo er irgenb eine niebere ©c^ule bcfucf)t 
f)ai, unb n)eitert)tn, toie bereit« ertoä^nt, na^ 3Bien, n)0 er um 
1456 an ber Uniüerfität ftubirte. @r f)at a(« fiebenöberuf bie 
geiftlic^e Saufba^n ergriffen unb fanb juerft in feiner SSaterftabt^ 
bann in Sreifing unb enbtid^ njieber in Sanb^^ut eine Stellung : 
l)icr toar er jc^on feit längerer Qzit im 95efi^e einer geiftlicfjen 
'ißfriinbe, auf biefe jog er fic^ juießt jurüdE unb ift, njie man 
lüd^t o()ne ®runb annimmt, nid^t lange nad^ 1495 geftorben^). 
Cbnjof)! Slrenpecf nic^t gerabe ju ber ^umaniftifd^cn ©d^ule gejault 
tDcrben tonn, mug i^m bod^ eine tüd^tige gelehrte öilbung ^n^ 
gefpro^en tüerben, »ie fie au§ert|alb jene« Äreife« fic^ nic^t ^u 
^äufig fanb. ßr empfinbet toarm für Seutf^Ianb, noc^ »ärmer 
aber für fein öaiernlanb, t)on beffen ßobe er überfficfet^). ©eine 



1) S89I. über Strcnpecf Dr. 9Kart. ö. S)eutingcr, Söc^trögc jur ®c* 
fd)!d)te, S^opogrop^ic unb ©tatiftif be§ IJrjbiötumS 9)iün(^en unb fjreifiiig 
3, 468 ff. ^a§ Geburtsjahr 5lrcnpecf8 ift nid^t ficbcr übcriiefcrt ; ^cutingcr 
fdilicfet aus ber bereits (f. 8. 152 5lnm. 2) angeführten Stelle jum Sa^re 1456 
auö bem Chron. Austr., ba^ er im Saläre 1440 ober 1441 geboren fei; 
unfcre 58ermutung oben im 5^cjte fd^cint unS aber ber SBa^rfc^einlic^feit am 
näcöften ju fommen. 

^) S)er ©runb ift ber, bafe jluei feiner !^iftorifcf)en Schriften, bie er ber 
^cit nac^ am roeiteften ^eraufgefü^rt l^at, mit bem ^üf)xc 1495 fd)lie6eu. 
3)arauf ift fc^on früher, u. a. auc^ oon 5)eutinger (a. a. £). ©. 470) , ^ingc* 
lüicfen njorben. ©ine anbere Slnna^me, hk 9{renpecfS Xob in ha^ ^af)x 150^ 
tocrfe^t, trifft nic^t ju. 

8) 3n bem S^orwort ju feinem Chron icon Bajoariorum fagt er mit 
einem leifen SSorwurf gegen (Snea @i)Iüio, bcn er a(S ^oSmograpt)cii 
aufecrbem öott ©enjunberung prcift : Attamen parum de Bajoaria seu Norico 
sui8(|ue Principibus inseruit, cum tarnen inter Germanos Bajoarii ut 



158 etftcg öu*, üicrtcS StopM. 

intcnftüe Scgeiftcrung für ba« fianb feiner ®eburt f)at benn auc^ 
ien Sntfd^Iufe in i^ni crtpedt, bic ©cfd^td^tc beÄfelben unb feiner 
gürften ju f einreiben ^). 2)iefe feine bairifd^e ©^ronif ift benn in 
ber %f)at ein 993erf, bad DoQe Sichtung perbtent, bad (Srseugnid 
eineö untoerfennbarcn 2;aIcnteÄ, eine« löblid^en gleifeed unb feltener 
Se^errf^ung ber Jorm^); in bicfer Sejie^ung berührt fid^ Ärcnped 
aber bod^ mit ber burd^ ben ^umanii^mud l^erbeigeffi^rten Um« 
geftaltung unb legt er für bie @d^ute, bie er burd^gemad^t ^at, 
^in gute« 3^"fl"i^ ^^- ^i^ ß^ronif ift umfaffenb angelegt, ge* 
fc^icft bidponirt unb f)ali if)x ßi^t ben toeiten 9Seg entlang fidler 
im 9(uge. 9Iren))ed[ l^at ein jiemlid^ reid^ed iDZaterial ju ®runbe 
gelegt, fd^altet einige Wak and) Urfunben unb öftere geneato^ 
^ijd^e 3;afeln ein. S)ic Se^anblung ber älteften 3cit läfet aller* 
bingd JU n^finfd^en übrig, ed fel^It ^ier, n^ie meiftend fonft auc^, 
•an ^itif, weiterhin aber bc^anbelt er feinen Stoff mit geföUigcr 
greifjeit, toenn er aud^ Don feinen OucIIen unb Hilfsmitteln, bie 
ftd^ in ber 9Ke^rja^l Ieid|t nad^toeifen taffen, lange Qtii ab* 
gängig bleibt. @in gorfd^er im ftrengcren Sinne ift er nid)t, aber 
-ein Äompilator ber befferen 9lrt, bem ^iftorifd^er Sinn nic^t 
abgefprod^en tocrben fann. S)ie 2)arfteIIung beÄ 15. Sa^rl^unbertd 
ift jum guten 3;eite felbftönbig; einen 93orgänger toie Sbran t>on 
SBilbenberg läfet er fid^ aUerbingä aud| t|ier ni^t entgegen, ©ein 
S8erf ift aber nid^t bloß gürften-, fonbern aud^ SanbeSgef^id^te, 
unb »ir fielen nid^t an, unfer Urteil jufammenfaffenb, unS ba^in 
auSjubrüdEen , bag biefe feine lateinifc^ gefd^riebene S^ronif aU 

-eximium sydus ac caDdidissimus flos emicant. Quam longa et lata Bit 
Bajoariae provincia, quam religiosa, quam vcrax, quam iusta, quam 
promissi tenax, quam fortis et experta militia^ quantus ecclesianim or^ 
natus, quanta cleri gloria, quauta principum maguificentia, quantus 
splendor urbium, quae coeli facies, quae terrae ubertas, magis admirari 
quam recensere valeo. Nee ager frigidus, ut olim^ sed omnium tempo- 
ralium copia ibi modo exuberat. 

^) (^benbafclbft : Ut igitur plura de eisdem principibus in lucem 
deutur, hunc libellum coUegi et, quoad potui, solerter exanimavi. 

*) ^xnrauÄgcgcbcn oon ^. ^^? e 5 in feinem Thesaurus anecdd. novias. III, 
% 19—472. Slu^aügc barau« bei Leibniz, SS. Rer. Bruusvic. III, 660 sqq. 



SHe tetritoriole unb ftabtifc^ ®ef(!^(^tf(^Teibund. Katern, ^itcxiptd. 159 

iic crftc umfaffenbe unb crfd^öt)fenbc, in gcbtibctcr ©prad^c unb 
gelungener f^orm gel^Itene 3)arfteIIung bet bamfd^en ©efd^id^te 
fcetrad^tet ju »erben Snfprud^ l^at. 3)icfe« fein SBerf f)at er 
<tner SSal^rfd^einlid^feit jufolge felbft in bad 3)eutf(i^e übertragen 
Dber, tt)ic bereite bemerlt, einer felbftänbigen beutfd^en SBearbei* 
tung unter jogen; eÄ ift bicfcÄ bie „öa^rifd^e ©^ronif eine^ Un* 
genannten", bie ö. gre^berg im 1. ©anbc feiner ©ammlung 
j^iftorifd^er ©d^riften unb Urfunben, freilid^ nid^t ol^ne Äu^* 
(affungen, ^ou^gegeben f^at^). 2)Qrüber, bag bie beutfd^e S^rontf 
€rft nad^ ber lateinifd^en entftanben ift, befte^t ^eutjutage lein 
^ttJcifel mel^r, obtoo^I frfll^er längere Qdt bie gegenteilige SKei- 
nung Dorgel^errfd^t f)at^). 9Ste fd^on angebeutet, ift ed ber tolU^ 
ifintltd^e S^arafter ber beutfd^en Sl^ronif, in bem i^re SBebeutung 
liegt, bie jebod^ iiemlid^ ^od^ angefd^tagen toerben mug. 3)er 
Umftanb, bag biefelbe, fi^nlid^ toit bie SEBerfe SEßitbenbergd unb 
^ütrerd, fo lange ungebrudtt geblieben ift, fann baran nid^t§ 
^bern, in mie ^o^em ®rabe ed au^ im Sntereffe ber @a^e 
Bebauert toerben mag. Sn ftofflid^er 95ejie^ung ift über ba« 
iBerf ja nid^t Diel ju fagen, ba ed in ber ^au))tfad^e auf ber 
lateinifd^en Sl^ronif rul^t; unb bod^ liege fid^ bei näherem ^n^ 
je^en meQeid^t toa^rfd^einlid^ mad^en, bag SlrenpedE für bie beutfd^e 
^Bearbeitung gelegentlid^ auf eine po))uläre Siteratur 9}ädfid^t 
jia^m, bie er in ber lateinifd^en übergangen l^at^). 3)ie JBe* 
-orbeitung ift übrigen« mit unöerfennbarem ©efd^idte auögefülirt 
jtnb »ar fid^ ber SScrfaffcr DoUfommen barüber Ilar, toa^ er 
Don ber SSorlage beibehalten unb ttjaö auöfd^eiben foUe*). ©o 



>) ©tuttgart unb Xfibingcn 1827. 

*) ©. u. a. Älud^o^n in bcn gfotft^ungcn jur b. ®cf(^. 7, 205 9(nm. 1 
im SBergleid^ ju 2, 609 ^rm. 1. 

») 6. a. a. O. bei grtciberg @. 32. 

*) e« ift aufrichtig ^u bcflagcn, bafe Älucf^o^n bie f. 3. oon i^m 
i(L a. 0. 20, 206) auSgefproc^ene ^(Bfic^t. ftc^ ^xtnpcd^ roie feiner beiben ^or- 
.ganger grünblic^ anjunel^men, nod^ immer nic^t au^efü^rt ^at. 2Lm ^mect« 
mägigften märe ed, toerni nne trttifc^e Q^efammtauSgabe ber Dier S^^roniten 
^er brei genannten bairifc^ ^efcbid^tfc^reiber t>eranfta(tet n)ürbe, unb n^a^rlid^ 



160 Svftc« ^u4 üicrtc« ^üpM. 

ift benn bev gelehrte ß^aratter be^ urfprünglic^cn SBerfcÄ, njic 
c^ beabftc^tigt loar, fo äiemlid^ Dcriüifd^t. 

Snbeffcn ift bie SRei^c bcr gefd^ld^tUd^en STrbcitcn Slrcnped^ 
bamit fcincötüegg erfd^öpft. 3Bir ^aben oben fd^on crtoä^nt, 
baß er einige Sa^re feinet Sebcn^ in Sreifing jugebrac^t f)at 
55iefer Umftanb f^at il)n offenbar tieranlagt, fid^ nä^er mit ber 
Oefd^id^te biefe^ ^o^ftiftiS ju befd^äftigen, unb bie grud^t btefer 
aSeid^äftigung mar eine njerttioUe ©c^rift über bie ©efd^td^te ber 
Sifd^öfe üon ^^reifing, bie tior feinen beiben bairifd^en 6f)ronifen 
entftanben ift^). 9(renpedE ftanb ju bem gürftbif^of ©iftu« üoir 
greifing, ber feit 1443 regierte, in einem näheren 9?er^ältniffe, 
i^n ^at er aud^ fein Chronicon Bajoariorum getüibmet. ®ic 
Dorliegenbe ©c^rift befielt auS einer 9?ei{|cnfofgc Don fürjeren 
ober längeren ^Biographien fämmtlid^er greifinger ®if^öfe, öon 
Äorbinian angefangen bi« auf ©iftuS {jerunter. S)ie ©arfteüung 
öerrät, »o fie breiter ttjirb, ben genjanbten ©d^riftfteQer unb 
ftü^t fid^ im hjefentlidjen auf ba§ t)on Sonrabu^ ©acrifta im 
3af)re 1187 angelegte unb t)on anberen fortgefegte grofee %va^ 
bitiongbud^ ber freifingif^en Äirc^e^), beffen SebenSbefc^reibungcir 
ber öifc^öfe er l^äufig ju ®runbe fegt^). STuf biefem mit Ur* 
funben bejcid^neten 35Jege ift er auc^ in ber Sel^anblung bcr 
öfteren ®efd^ic^tc 5um größten 3;eile ben Älippen entgangen^ 
ttjelc^en er in feiner 3)arftellung ber älteren bairif^en ©efc^ic^te 
nid^t auSjutoeid^en üerftanben l^at. — 

9?eben ben ?lrbeiten über bie bairif^e ©efd^id^te in i^rem 
ganjen SSerlaufe*) finb auf biefem ©oben in ben beiben crftcn 



fein übcrpüffigcS Untcrttctiincn. ^odj ^mcdm'd^iqex tüdrc cÄ jcbocft qemefcn^ 
mcnn baSfclbe bcr neuen ^udgabc ber $3erfe ^^iDcntind vorangegangen to&ct. 

') SlnSgabe oon ^cutingcr (a. a. 0. ©.473 — 553) atö „Viti Am- 
peckhii liber de gestis Episcoporum Frisingensium". 

') «gl. 3Sattenbac^, ©efc^i^tSqucttcn 3. «[ufl. 2, 269. 

3) 3)cutinger a. a. D. ©.471. 

*) ^ie Cbrouica Bavarorum Viti, Prioris Monasterii fiberspergensis 
bei Ocfelo, SS. R. B. II, 704 sqq., bie öfter« mit 5lrenpccfÄ ©erf t)et»e(^fe{t 
ober in ungehörige SSerbinbung gebrad)t mürbe, foll menigftend erto^nt 



3)tc territoriale unb ftäbtift^c QJcf(i^d^tf(!^rei6ung. SBaicrn. 161 

Sa^rjc^ittcn Äufjcid^nungen cutftanbcn, bie fid^ mit bcr QtiU 
gcfd^id^tc bjtt). mit einem lotd^tigen ©rcigniffe berfelben bef^aftigen 
unb eine ©rtoäl^nung in Slnfprud^ nehmen. ®g ift ber fog. 
ßanb^^irtcr ©rbfolgefrieg, bcr eine Slnjal^l öon ©d^riften 
^ert)orrief, loeld^e unter biefen ®efid^t§t)unft fallen, ©o bad 
SBerf Äuguftin Kölner^, baÄ in brei SBfld^em jenen 
Ärieg befd^rcibt. S)er JBcrfaffer toax ©el^eimfefrctär be^ §erjog^ 
älbrec^t IV. t)on SBaiern unb* $at, loie man vermutet, im Stuf* 
trage unb mit Unterftügung beÄfelben bie ©d^rift tierfafet. 3)en 
gefd^ilberten (Sreigniffen in jeber SBeife na^e fte^enb, toar er in 
f)0^em ®rabe geeignet, jeitgenöffifd^e ®efd^ic^te ju fd^reiben. 
Snbc« liegt nur baS jtoeite ber brei Sudler biö je^t öeröffentlid^t 
t)or, baÄ erfte unb britte fennen mir nur nad^ unjutänglid^en 
aWitteifungen fold^er, toeld^en ba^ SBcrf in feiner ©efammtl^eit 



merben; ftc reitet biS jum So^rc 1504, ift aber üon rocfentUd^ geringerem 
Umfange ald bie ^^ronif ^renpectd unb fann jugleic^ in il^rem ^rte mit 
biefer nic^t t)erg(i(^en merben. ®ie bc^eid^net fein bleibcnbed 3)lommt in ber 
(^tnnrfelung ber bairifd^cn @kf(^i(!^tfc^retbung , obmo^I [ic für bie (S^ef(^ic^te 
bcd 15. Sa^r^unbertd ju bead^ten ift. SJ^an m'ddjU fagen, [xt berül^rt fid) 
mit "Hxcnptd in hm ©d^toäc^n, aber nic^t ben SBorjügen. ^er <S(ef(!^(e(^tS« 
itame bc8 SSerf. toar ©topfer, feine ^imat ©effobrunn (©ST. ©eill^eim 
in Oberbaiem), ein S)orf, baS üon bem befannten 5(Iofter ben 92amen erhalten 
^at. 3u ogl. 0. S( retin, liter. ©anbbuc^ für bie bairifdje ©efd^id^te XI. 1 
©.151.152. S)ie Sbentitat ber bciben d^ronifcn ^at bereits ^. ^cj i« 
feiner Einleitung ju Ärenpedä bairifc^em Slftronifon ftegreic^ roiberlegt. — 3)a8 
ChronicoD generale bed $affauer ^anonifuS Sol^anned ®tainbe( (bei 
Oefele L c. I, 417—542), bad bi« 1508 fortgeführt ift, nimmt gumal auc^ 
im 15. Sa^r^unbert auf bie bairifc^en SBer^ältniffc einige, aber feine ergiebige 
dtüdft^t, roirb aber gegen bie ^itte bedfelben auffaücnb bünn. ^en bairifc^en 
(grbfolgefrieg j. ©. übergebt fie in bcr §aut)tfaci^e ganj. STIS „STIIgemeinc 
(S^ronif" fann ed im »efentlic^en nur atö ^Kompilation t)on mittelmäßigem 
@4Iage bejei^net merben, obn)o^l ber IBerf. offenbar ein gebilbeter unb, toit 
cS f(^cint, unabhängiger Äopf war. 9Kan fannte oon i^m aud| ein „Liber 
de Scriptoribus ecclesiasticis", meld^ed aber niemals gebrucft morben ift. 
©gl. Oefele in ber (Einleitung jum Cbronicon generale. ©tainbelS 92amc 
(autet (atiniftrt : Lapillus. 9(nbere fleinere S^ronif en über bairif(!^c Q^efc^id^te 
aus biefcr Seit, toit üon ^artmann ®(!^ebel u.a., tonnen ^ier nid^t rceitec 
Dcrfolgt toerben. IBgl. Oefele 1. c. I et n. 

0. ]EBegeIc, Qk^ifid^U ber beotf^cn ^iftoriofiTOp^ie. 11 



162 ^tfted 9u(^, üterte^ Sta))ttel. 

nod^ vorgelegen ]^at^). S)ad jtpeite Sud^ ift am (Snbe bod^ ba$ 
njic^tigfte : e^ befd^reibt bie friegerifc^en @reigm|fe uom 23. ?l))ril 
btd jum 1. gebruar 1505 unb ift bafür bie erfte unb juDer* 
läfpgfte Cuelle. S)er 8Serfa[fer beurfunbet einen jiemlid^ ipciten 
fSüd unb befc^ronft fic^ in feinet 3)arftel[ung nid^t tttoa bIo| 
auf bie örtlich nfidjftliegenben Sreigniffe. ©eine SKitteitungen 
tragen, tpie enoa^nt, einen offijieüen Sl^orafter, aber ba er l^ier 
nur ^atfadjen berid^tet, gen^innen fte babur^ an ®laahroüx^ 
bigfeit. @r miQ und ja feine ^ragmatifd^e ©efd^td^te bed ftrieged 
geben, fonbern fül^rt bie einjelnen SJorgänge, tagcbud^artig, »ic 
fie il^m nad^ einanber befannt mürben, fd^tid^t unb htnftlod üor. 
Dbtpol^l und aber nur bad in)eite ^ud^ in feiner urf))rfing(i(^en 
®efta(t vorliegt, finb n)ir gleid^n^ol^l in ben @tanb gefe|t, und 
aud^ Don ben beiben anberen, bie bid je^t vennigt n^erben, eine 
JBorftcUung ju bilben, benn etwa 60 Sa^re fpSter ^at ein Jöeamtcr 
bed ^erjogd 3Hbred^t V., GradntudSBcnb, bem bad ganje 
SBerf nod^ Vorlag, ed in einem Sfudjug gebrad^t, ben Defelc fpäter 
veröffentli^t f)Cit^)^ Sem glüdEIid^en Umf taube, bafe gcrabe bad 
jttjeite SBud^ feitbem njieber aufgefunben morben ift, l^aben totr 
ed JU verbanfen, bafe mir baburdi für ben mid^tigften 3;eil bed 
Ärieged ni^t mel^r auf biefen fd^mad^en ©rfafe angcmiefen finb, 
tt)äl)renb fid^ für bad erfte unb britte Söud^, bie fic^ mef)r mit 
ber (äefc^ic^te ber bem Kriege felbft Voraudge^enben ober tl^m 



<£d fü^rt ben ^itcl: De bello palatino - boico libri III, ift in 
bcutjc^er @prQd^e gefc^rieben. Über ben l^erf. vgL ^obolt, bainfc^ed (9e« 
lehrten « fic^fon sub h. v. 2)ad 2. ^ud^ ift gebnuft in ben Ito^anblungen 
bed ^ift. «ereine^ für Ütteberbaicm (Qa^rgang 1847 $eft 2 u. 3 S. 9—148). 3u 
iigL 3- ® ü r b i n g e r , ^eg^gefc^i^tc üon ©aijem 2, 192. e f e 1 e , SS. R. B. 
p. 461. — 3t. (S^fed, CueEen unb Literatur jur Qk^ä^U bed SSaimfc^ 
pfäljifc^en ober Sanbd^uter GrbfoIgefricgeS 1504—1509. ©irjburg 1880. — 
Über anbere ^tft.^gencolog. 9(rbciten Kölners f. 9to((inger, über ftUcre %t« 
bdten jur bairif(!^en unb pfäl5i)d)en (ä^ef^ic^te 91bt. 1 @. 36. — j^dlner »urbf 
fpäter au(^ SCrcftiöar (f. aud^ 3Ä. 3- 9ieubegger, ®ef(^. ber bairifc!^ Ät*: 
d)it>e neuerer 3eit u. f. m. [SRünc^en 1881 1 (B. 8). 

^) SS. R. B. II, 472 — 493: Ephemerides belli palatino - boici ex 
August. Eoelneri libris III operis inediti de bello Boico concinnatae. 



3)ie territoriale unb ftäbtif(^e ©cfc^id^fd^rcibung. 93aicm. 163 

itod^folgenben SBer^anblutigen befaffen, t)tel leidster anä) anbcrdtpo 
ituffd^lüffc erholen laffcn. 

©n onbcreÄ glctd^jcitige^ SBerl über bicfen Stieg ift ber 
Liber memorialis be^ Snflolftdbter ©tabtfd^retberÄ ?Inbrea§ 
^ö^tier^). 2)er SJerfaffer ^at fid^ ebenfattÄ ber SWutterfprad^e 
bcbient. Qat^ntt^ ©d^rift trägt öor aUem ein altenmägige^ ®e^ 
:prQge, er nimmt ganje ©d^tiftftüdte untoerffirjt in feine !£)QrfteQung 
auf. ®r nimmt ^artci für ^erjog Sflbred^t, aber feine 3)ar' 
fteHung leibet barunter gleid^n^ol^I nid^t. ^ür bie SSorgefd^id^te 
beÄ firiegeö finb feine äufjeid^nftngen uhentbe^rtid^ ; eö ift toaf)x^ 
fc^einlid^, bafe er fraft feiner amttid)en ©teQung an ben t)on i^m 
mit offenbarer ©ac^fenntni^ gefd^ilberten SJet^anblungen %exl 
genommen l^at. gut ben ®ang ber friegerifd^en ©reigniffe lernen 
tpir aud i^m n^eniger, mit SCudna^me ber SSorgänge bei ber @in« 
na^me Don fianbdl^ut, über bie er jiemlid^ ausführliche 9?ad^^ 
rieten ^at. 3m übrigen ^at er feinen fo »etten SlidC toie Äßlner 
unb entfernt fid^ feine (Srjä^Iung ton bem 9KitteI^)un!te berfelben, 
itämlic^ Don 3ngoIftabt, feiten toeit. 9ln Äölner unb Sat)ntt aU 
aSeric^terftatter über ben bairifd^ * pf äljifd^en Jfrieg rei^t fid^ ber 
abt beS Älofterg gormbad^ am Snn, ängeluÄ Äumpler^). 
geborener Saier, ^atte er in SBien ftubirt unb einen jiemlid^en 
<S)rab ^umamftifdier ©Übung ertoorben^). 3n ben Iateinifd)en 
®i^tem ber älteren unb fpäteren 3^^* tt)ar er gut bettjanbert 
unb Derftanb e§, fid^ in biefer ©prad^e in ^rofa unb in ^ocfie 
flut unb teid^t auSjubrüdCen. @eboren ca. 1462, bereits 1501 



») »et Oefele 1. c. II, 347-468. 

^) @. Oefele, SS. I, 88: De vita et scriptis Angeli Kumpleri, 
Abbatis Formbacensis, commentatio praevia. 

») S)a6 er ^icr, tuie auc^ Oefelc ipitt, ein ©c^üIer üon Ä. (ScItiS ge* 
tDt\tn, ift ni(^t glaubtoürbig, ba (SeltiS crft 1497 nac^ %icn berufen rcorben 
ift unb über^au)rt nur 3 Saläre ölter mar als *9htm^Ier, ber bereite 1477 
^i$n4 tourbe. ^ic perfi^nltc^en SBejtel^ungen ber beiben ^länner, fotoeit fie 
vorl^anben tuaren, muffen eine anbere $6orauSfe|ung ^aben. 9htm))(erd t^er« 
fd^iebene Schriften finbet man auc^ bei ^obolt, b. 6)eI.='Se;ifon 6.574 auf« 

mm- 

11* 



164 (^ted IBud^, DierteS StopM. 

jum 8l6t feinet filofterÄ flctt)äf)It, ftarb er im Saläre 1503. 
Slumpler toar ein fel^r frud^tbarer ©d^riftfteHer, baö relatit) S9e* 
beutenbftc f)ai er aber bod^ al§ ©efd^ic^tfd^reiber gclciftet. ©elbft* 
Derftänbltd^ ^at er fid^ überall ber ©prad^e ber ipumaniften 
bebient. 2)ie ©d^idCfale feinet ©eburt^Ianbe^ JBaiem im fle* 
bauten Äriege l^aben il^n geioaltig ergriffen, ©o f)at er bcnn 
5uerft angefangen, biefelben in einem epifd^en ®ebid^te ju be* 
fd^reiben^): jebod^ öon onberen Sfufgoben in ttnfprud^ genommen, 
l^atte er mitten in ber Slrbeit aufgel^ört. Sine ©c^ilberung be* 
„bairifd^en" Stieget in ^rofa 1^'at er aber ju Snbe gebracht*). 
@Ä ift weniger bie t)oIitifd^e ober aud^ nur militärifc^e ©eite 
beö Äriege^ an fid^, bie 9iumt)Ier befd^ftftigt, ate bie fieiben unb 
3?er£)eerungen , bie berfelbe über fein geliebte« JBaiern gebrad^t 
f)at unb bie aud^ bie 9tö^e feine« Softer« nid^t oerfd^ont l^aben. 
^ür bie eigentlid^e ©efd^ic^te be« Sanb^^uter (Srbfolgefriege« 
lernen »ir fidler au« biefem SBerfe Diel locniger al« für bie 
Äenntni« ber üblen golgen, bie jeben fttieg begleiten, aber aller* 
bing« notorifd^ gerabc in biefem Äriege oft ba« l^erfommlic^e 
SWag »eit übcrfdiritten l^aben. ©d^Iiefefid^ mirb in feiner SJar* 
ftellung bie Sefd^rcibung be« JWege« nur eine fd^toer belaftenbe 
Stnflagefd^rift gegen bie entfittli^te SÄenfd^^eit. Sm übrigen ift 
ba« SBerf gut gef^rieben, unb ba« ^at^o« ber t)atriotifc^en @r* 
bitternng unb be« moralifd^en 3onte« üerlei^en il^m trog ber 
unöerfennbaren Übertreibung unb ber öermifeten Cbjeftiöität ein 
unleugbare« Sntereffe. — 

aWan mu§ jugeben, ber bairifd^e ©tamm ^ot in biefcn 
Sa^rje^nten in feiner urfprünglid^en §eimat »ie in feiner grogen 
ftolonie ber öftreid^if^en SSnber auf bem ©cbiete ber ®ef(§id^t* 
fdireibung fid^ rü^mtid^ f)eroorgetI|an , aud^ wenn »ir gar nid^t 
in SRed^nnng bringen, toa« biefem JRu^me fc^on in ber näc^ften 
3eit Sbentin ^injujufügen im ^Begriffe war. SRur Sirol ^at 
jeftt, wie ba« ganje öorau«gegangenc SWittelalter ^inburdö, 

») 33ci Oef ele 1. c. I, 139—147: Calamitatum Bavariae Liber anns. 
^) L. c. p. 99—139: Ang. Rumpleri etc. Gestorum in Bayaria sex- 



SWe territoriale unb ftäbtifc^e ©cfd^id^tfd^reibung. Oftfranfcn. 165 

^iftoriogro^j^ifd^ gcmcffcn, eine auffaHenbe Unfrud^tbarleit bc* 
toä^rt^). ©in einjiger ©efd^id^tfd^reiber ift ^ier in ben 3a^r= 
^unberten t)or bem grofeen Umfd^njung bcr Seiten, im legten 
SSicrtel beS 14. 3a£)r^unbertÄ erftanben, ber, Don ben ©c^icf* 
falen feinet ©tifteS auggel^enb, im SSerlaufe feiner ß^ronif allere 
iingd auc^ bie Sanbedgefc^ic^te in ben Stammen feiner fd^Hc^ten 
(gtjä^Iung ^ineihjie^t*). Aber antS) biefeÄ SBerf öerbanit feine 6nt* 
fte^ung nid^t einem ^ö^eren literarifd^en antriebe, fonbern nur 
ber SBeftimmung, einem realen, t)raftifci^en SSebürfniffe entgegen^ 
jufommen unb ben Snfaffen beö ©tifte^ bie rafc^e Drientirung 
in ben Siedeten unb J^^ei^eiten be^felben ju erleichtern. 6^ 
OTÖd^te fc^ioer »erben, bie 3;^atfaci^e jener angebeuteten ©terilität 
einer ^roDinj, bereu ©efd^id^te bod^ »a^rlid^ belegt unb mert* 
tDürbig genug toax, unb burd^ toeld^e bie grofec 9S6I!erftra§e 
itad^ Stauen lief, ju erflSrcn, unb muffen toir biefe^ ben Sitcratur*' 
unb ^ultur^iftorifem bed Sll^enlanbeS überlaffen. Qtoax f)at anäf 
ber fränfifd^e ©tamm in ben ©ebieten, bie öon ber urfpriing* 
lidjen jpeimat bedfelben abliegen unb n)0 bod^ fein 9?ame fo' ju 
fügen offtiieQ ^aften geblieben ift, in ben ©egenben bed mittleren 
unb oberen Tiain^ unb ber $egni^ unb 9}egni^, tpenn tptr bie 
ttllerbingÄ ^eröorragenben Seiftungen 9iümbergg abjie^en, gerabe 
aud^ n)ai} Sanbed« unb fiofalgefd^ic^te anlangt, in ber in 9}ebe 
fte^enben Spod^e nur tpeniged ^erüorgebrad^t, toit §od^ enttoidfett 
aud^ bie SSoraudfegungen einer fo(d^en ^obuftiDität ^ier an unb 
burd^ eine SReil^e Don glänjenben ober boc^ ftattlic^en ^Iturftätten 
gegeben erfd^einen mod^ten. (Sin beutlid^er SBetoeid, bag 5U aQen 
onbem ^in bod^ nod^ ein befonbereS geiftiged ober et^ifd^e^ 
STOotit) erforberlid^ ift, toenn in ©ad^en ber literarif^en §ert)or* 
bringung Srfledli^e^ gefd^e^en foll. ®enug, innerl^alb Dft^ 



1) @. Dr. 3of. (^ggcr, bie ältcftcn ©cfd^id^tft^rcibcr, ÖJcogrop^cn unb 
«[(tertumÄforf(^cr 2irol8. SnnSbrucf 1867. 

<) »gl. SlroUf^e @(ef(^i(iftdqueaen ^b. 2 (SnnSbrucf 1880): P. Q^oitoim 
C^ronit be« @tift« 3Karicnbcrg (im 8Smtf(!^gau). — Ottofar öorenj, beutfcbc 
@kf(^t(^t«queaen 1, 224. 



166 <^ted $u(^, oictteS STapitel. 

franfend finb in ber 3^it a]?Q£imt(iQnd toeber SBirsburg nod^ 
Bamberg vertreten, bte marfgräfüd^en Gebiete fd^nmgett unb bte 
reid^en unb ragenben Stifter unb Süöfter pllen ftc^ mit ben 
feltenften äudna^men in bcn iWantcI i^rcr — 2iigcnbtn. 3Sti 
bcm einjigcn Äloftcr $eiUbronn,-ber ®rabftätte ber ^of)cn* 
joQem, f)at ber 9lbt @ebalb SBamberger ftdg in löbttci^em 
orange Veranlagt gefunben, bad, toa^ er erlebt unb in ber 9t&f^ 
feinet ^ofterS t)orging, in (ateinifd^er @prad^e meberjuf^reiben. 
@o t)erbienen benn feine Sufieid^nungen, juntol für bie ©efc^tc^te 
bed fionbd^uter @rbf olgehrieged , fotoeit er bie SSirtungen bed^ 
felbcn öerfpurte, unfern aufrid^tigen Sanf^). 

3n granfen ift in biefer 3^'^ ^^^ ein anbereiJ -^tftoricn* 
toerf entftanben, ba^ jtoar feine^loegg mit ber Älaffc ber tcrri* 
torialen (Sefd^td^tfd^reibung sufammenföQt , Don rocidjtm aber 
üieHeid^t bod^ an biefer ©teile gefpro^en tperben barf, loetl e^ 
unter einer anbern ®ru))pe ebenfaQd nid^t (eic^t untergebracht 
n^erben fann. SEßir meinen: bie ©efd^id^ten unb ^^ateit 
S3f(n)oIt8 Don ©d^aumburg^). ®$ ift ein burc^aui» ortgt« 
neUei^ Vittt, mit bem mir ed l^ier ju t^un l^oben. @8 fann in 
biefer (Spod^e faum ein jtoeited mit i^m üerglid^en toerben, matt 
mügte benn etloa an ben „9Bei§funia'' benfen, mit todAtm e^ 
bie entfernte ^rdmt W, bag 6eibe offenbar ben (S^aratter 
t)on 2)enhoürbtgfeiten an fid^ tragen unb in beiben t^äHen ber 
§elb ber ©ef^ic^tc einerfeitg unb i^r SSerfaffer anbrerfeiW jur 
Söfung i^rer Aufgabe fid^ Dereinigt ^aben, nur bag ber litera* 
rifd^e äntett üRayimiliang am SBeifehinig aller SDSal^rfc^einli^fcit 
nad^ ein Die( größerer toax aU ber bed fr&nfifd^en SKtterd an 
ber ©rjä^Iung feiner „®efd|id^ten unb ^C^aten", unb bafe in 



1) S3ci Dr. $R. ®. ©tillf rieb, ÄToftcr ^cilSbronn u. f. ttj. @. 241—307. 

^) ^eraudgegcbcn üon «balbert ü. Heller. Stuttgart 1859 (Bibliotl^ 
bc^ litcrarifc^cn 93crcin8, 50. fiicfcrung). — S)agu ju ögl. ber f^atffimiigc unb 
le^rreic^e 9(ufia( Don ^einric^ Ulmann: ,,^et unbefannte ISerfafier ber Qh* 
fd}i4tcn unb SD^atcn »ilrooltä üon ©d^aumburg" ($ift. 8ritf(l^nft »b. 39, 
lö78, ®. 192 — 229). 



®tc territoriale unb ftdbtifcfyj ®cf(^id^tf(^reibung. Cftfranfen. 167 

lefttcrcm gaOc t)on einer ®el^imt^ueret toie im erfteren in feiner 
gaSeifc bie Mebc ift. 3)cr aSerfaffer be« SBerfe« f)at fid^ nid^t 
genannt unb eÄ bem ©d^arffinn ber ©pStercn anl^eim gegeben, 
t^n 5U erraten. @r loar offenbar ein fe^r unterrid^tcter üRann, 
üor aQem in unferer mitte(a(ter(id^en poetifd^en Siteratur tpo^l 
betoanbert, unb befafe für einen ftriegömann einen jientlid^en 
®rab aQgemetner ^ilbung. iTOit einem ^ol^en ®rab t)on SSa^r« 
f^einlid^feit ^ot man in ncucfterßeit ben SRitter Subtoig Don 
®t)b (VI.), ben Süngeren, afö Url^eber tjcrmutct, einen ©o^n be« 
befannten marfgräftic^ branbenburgifd^en ©taatdmanned Subroig 
Don @^b, beiS SSerfafferÄ eineiS ber merftoürbigften ®cfd^id^t8=* 
ttjcrfe beg 15. Sa^r^unbcrt« , unb Steffen ?(lbred^t« öon @^b 
(f 1475), ber in ber (Sefd^id^te ber beutfc^en ?ßrofa eine fo 
e^rentioQe ©teQung einnimmt. 2)er jüngere SublDig Don S^b 
^at in mehrerer §erren 3)icnft geftanben, jur 3cit beS ßanb^* 
^uter ©rbfolgcfriegc« im 5)icnfte be8 Äurfürftcn ^^ifi<)p t)on ber 
^fals, unb ift gerabe aud^ bei biefcr ®elegen^eit in mel^rfac^c 
Berührungen mit 9Si(A)o(t Don ©d^aumburg gefommen. 3n ben 
Salären Don 9?oöcmber 1510 bis 1513 ift er marlgräflid^ bran* 
benburgifd^er ^au|)tmann „auf bem ©ebirg'' unb feiert bann 
toieber in Jjfäljifd^c 5)icnfte jnrüdC. 3m 3a]^re 1521 ift er ge* 
ftorben unb ru^t in ber tocitcr oben erft erujS^nten Ätofterfird^e 
Don ^eitöbronn. @r ^at in feinen fpäteren Salären auc^ ein 
„S^oumierbud^" unb ein „ftriegÄbud^*' jufammengeftellt. 35a« 
SBerf über SBitooIt Don ©d^. f)at er im Sa^rc 1507 in ber 
^auptfad^e abgefd^Ioffen. 3)ad Seben feine« gelben, ber ebenfalls 
einem franfifc^en SRittergefc^led^te angel^örte, ift ein pd^ft be* 
tt)egteÄ getoefen, beffen Snl^alt reid^ genug ift, einer funbigen 
©c^ilberung beSfelbcn l^o^cn 9?eij ju öcrlei^en. aD?it ber güHe 
be« Sn^attS toetteifert bie @)laubn)ürbig{eit be« 977itgetei(ten toie 
bie fiebenbigfeit unb Snfd^aulid^feit ber ©arftcUung. SBitooIt« 
„l^aten'' führen i^n nad^ Stafien, in bie STOarfen, nad^ ben 
dtieberlanben , in ba« ©ebiet be« ))fä(jifd^ - bairifd^en Jhriege« 
u. f. tt). ÜKit bie mic^tigften ?ßcrfönlic^feiten ber Qüt, Äaifer 



168 C^ted Su4 bierted ^oüpiiü, 

gricbrid^ in., Ä. SrooEtmUian, $crjofl Äarl bcr Äü^nc, bic SÄat!* 
grafen Wbitä)t 9(c^iQ unb Sodann, 9n6rec^t ber 9)e^erjte Don 
©ad^fen u. f. f., 5te^en an un^ vorüber. 9)7itten in bad @t^ 
triebe ber §öfe unb bie SBagniffe fii^ner ,,Su^Ifcl^aft", in ritter* 
lid^e Serben toie in ba^ ©etuit^I ber Selbfd^Ia^t , ha^ S^reibtn 
ber Sanbdfned^te unb ba^ @(]^auge))rQnge ber furniere n^erben 
iDtr Deranlagt bem anjie^enben (Srjä^Ier ju folgen, ^^^ili^ 
fie^t ber Serfaffer überall nur Sid^t an feineiJ gelben ^aten 
unb Sßegen, toeld^em fidler ber ©Ratten ni^t gefehlt §at : biefed 
©ebre^en ^ängt aber mit bem ))aränetif(]^en (S^arafter bed Shid^ed 
aufs engfte jufammen. ^üx unS ^at biefe^ bie befonberc JBe* 
beutung, bag el^ eine Gattung oon gefd^ic^tltd^er Siteratur mit 
eröffnet, Don toeld^er bic frütjeren Qeiitn faum ein Seifpiel auf« 
jutoeifen ^aben^). 

S)ie fianbe^gefd^id^te ©d^to abend ift, im ®egenfo§e j. JB. 
mit ber bairifd^en biefer Qtii, in ettoaS 5urücf geblieben*). SBenn 
lotr abjie^en, loai^ Sßauclerui^ in feiner aQgemeinen Strömt 
nebenher unb gelij gaber in feiner ,,®efc^id^te ber ©(^tooben** 
in biefer 83egie()ung geleiftct ^aben, bleibt toentg me^r baffir 
übrig'*), ^einrid^ Sebel au§ Suftingen, ein greunb unb 
College Don Slauclerud in Tübingen, ^ben n)ir fd^on einmal 
genannt; er gel^örte ber ^umaniftifc^en ©d^ule an, loar in ge^ 
fd^ic^tlid^en S)ingen too^I unterrid^tet , ein geleierter äßann, in 



^) (Sd toürbe DieQeicI^t ein (ol^ncnbed Untemel^mm fein, hie „Q^efcbic^ten 
unb Xl^aten %Bi(n)o(t8 D. ©d^.'' in tattooHer ^eife in einer ))o^ttren grorm 
JU erneuern. — 2)ad Chronicon Hennebergicum anonymi Vesserensis (bei 
3. ^. SReinl^arb, ^Beitrage jur ©efdjid^te be^ grantenlanbc« 21. 1 [öaljtcut^ 
1760] 6. 101—130), öon 1078 bi« 1017 rei^enb, foll ^ier wcnigftcn« crtoä^nt 
werben, ba 5(lofter ^eijra {0 gut n^ic ©d^malfalben noc^ }ur alten S)i5ccie 
2Birjburg unb ju Cftfranten gehörte 3)ie SScnnutuug, ba« um 1517 eine l^uma« 
niftifc^ ©anb bic Sufammenfteßung ober Überarbeitung beforgt ^at, »irb xmt 
aOem bur4 bie Einleitung beftätigt. @toffli4 betrachtet ift e« namentli^ fftr 
bic ®ef4i(!^c beS ®raf cnl^aufed im 15. gal^rl^unbert t>on unDerfennbarem ^Becte. 

^) $gl. t. $faff, bie OueUen ber älteren wirtembergifd^en Q^efc^ic^ 
unb bie ältefle ^criobe ber wirtcmb. ©iftoriograjj^ie. Stuttgart 1831. 

3) @. oben @. 61 ff. 



^te territoriale unb ftabtif(^ Q^efd^id^tfc^reibung. Sc^rcei^. 169 

Dielen ©ätteln flercd^t, für bte ©ad^e ber beutf^en Station 6e* 
geiftert, mit ber l^alb poetifd^en SSerl^crrtici^unfl unfcre^ älter tum^ 
me^rfad^ befd^äftigt, f)ai gelegentlich aud^ literarifc^ eine Sanje 
für bte (S^re ber ©d^n^aben unb i^red C^rjog^ Ulrid^ gebrod^en, 
bai^ rein ^iftorifd^e SIement ift aber, toic fonft bei if)m aud^, 
toenn aud^ aug anberen ©rfinben, in ber SO?inber^eit^). @§ f)ai 
no^ einige Qdt gebauert, bi^ in ©d^n?aben, bjro. im relatiö 
mäc^tigften Territorium be^felben, bie (Sefc^id^tfd^reibung hjieber 
einen äuff^toung na^m. Sinen erfteit Stnftog baju l^oben fc^on 
bie 93em)ic{elungen unb ^üfungen gegeben, meldte ^erjog Ulric^ 
burd^ fein X^un über ba^ Sanb t)er()Qngt l^at. 

®^ koirb am $Iage fein, Don ^ier au^ ben betrac^tenben 
fBM in bad (Siebiet ber Sibgenoffenf^aft ^inflberjulenfen unb 
in ^rje ju unterfu^en, meldte ©d^idtjale bie ©efd^id^tfd^retbung 
gerabe in ben fritifd^en Safirjel^nten bort gefjobt ^at, in toelc^en 
biefelbe politijd^ fi^ üom ÜÄutterlanbe ju trennen angefangen 
I^Qtte. Z)a tro^ ber poßtifd^en 9(bfonberung ber geiftige unb 
(iterarifd^e 3itf<itnmen^ang mit 3)eutf(^(anb befanntlid^ balb beut» 
Itd^er, balb fc^toäd^er fortbeftanb, werben toir ubertiaupt nic^t 
um^in fönnen, ben Anteil, toelc^en bie beutfd^e ©d^n^etj an 
unferer (Sief^i^tfd^reibung bie lommenben 3a^rt)unberte ()inburd^ 
genommen ^at, niemate aud ben ?tugen 5U laffen*). 



*) S5fll. junäc^ft ben Slrtifel Don S. ®eigcr in ber ^. 3). SJiograpöie — 
e. to. Malier, ©ibliot^ct ber ©d^weijcr ©efdjidjte (V. «»r. 333 6.205). 2)er 
Xitel ber einen ^ule^t angebogenen (Sd^rift lautet : Epitome laudum Suevorum 
atque principis nostri Udalrici ducis Wirtemb. et Thec. De captivitate 
et proditione ducis Mediolani et de mendaciis quorundam bistoricorum. 
^ebel ^at aber au4 über bie röntifc^ ittltertümer, toie wir fpäter no4 
einmal bentl^ren »werben, gefd^rieben. SSgL im allgemeinen über tl^n u. a. 
ou4 St. ^agen, S)eutfc^Ianbg relig. unb liter. ^erl^ältniffe im 3^italter ber 
9ieformation 1, 381 ff. 

•) 3m allgemeinen ift über bie fdjweiaerifd^ ©iftoriogra^öie ha^ !urj 
Dorl^in ermähnte, immer no(^ unentbe^rlid^e ^er( oon @. t?. Malier ju Der« 
gleid^en. — gfemer üuhto. r>. ©inner, )6ibnogra))^ie ber Sd^toei^ergefc^i^te. 
Süric^ unb öeni 1851. — (L X. to. SWüIinen, ^robromu« einer fc^mci« 
5enf(6en ^iftoriogrop^ie. S3em 1874. 



170 @rfte« S3u4 öicrtcS ÄcH)itcI. 

S)er abnorme unb jebenfaDd etgentümli^e 9Ser(auf ber (SnU 
iDtdelung unb SBilbung ber Sibgenoffenfci^aft mugte notoenbiger« 
tueife auf bie ©eftaltung i^rer ©efd^ic^tfd^reibung me^r afö ber Der» 
loanbte $ro5eg bei irgenb einem anberen SSrud^teile bed beutfc^en 
äiolted einen maggebenben (Sinflug aul^äben. ^ie rafc^ Der« 
bunleltc Überlieferung öon ber Sntfte^ung be« JBunbciJ, feine* 
Unab^ängigfeit^fampfel^, bem 9(nteil ber Derj^iebenen Sanbfc^aften 
unb ®tfibte an bemfelben, bem ®egenfag jtDifci^en ben filteren 
unb jüngeren @(iebem beSfelben fonnte nid^t um^in, ftd^ auf 
biefem (Gebiete in befonberd ()o^em ®rabe geltenb ju mac^eur 
fotDte auf ber anberen @eite bie ©efd^id^tfd^reibung felbft gerabe 
burc^ ade biefe Umftänbe fortgefegt neue Smpulfe erhielt. Sänge 
3eit übertoiegt bag centrifugale ÜÄoment, erft feit ber SRitte be* 
15. Sa^r^unbertS ba^nt fid^ eine Umgeftaltung an, ber gludlic^e 
^ieg gegen ^arl ben ^^nen gibt bann einen erfreulid^en 9[nfto§, 
»ie er benn auf bie 9(u^6ilbung ober ben ^Ibfd^Iug ber ®age Don 
ber Befreiung ber Sßalbftätte einen unDerfennbaren @tnf(ug auS« 
geübt ^at^). Stn bie ©efd^td^te jened ^egel^ Don bem filteren 
2)tebo(b ©d^illing unb benbej. SBerid^t SllbertS Don SBon» 
ftetten, mit toeld^em tüir un^ fd^on früher al» SSerfaffcr einer 
öftreid^ifc^en Sf)ronif befc^äftigt ^aben*), foll ^ier toenigftcnÄ et» 
innert fein. S)ie 3lrbeit beS erfteren bilbet Don 1466 an ben 
felbflänbigen Stbfc^Iufe jtoeier älterer JBemer S^ronifen, bie Don i^m 



^) über bie einzelnen ^croorbringungen ber fd^meijenlc^ QM^i^t» 
fArcibung im 15. ^^t^. f. bie trcffenben ^udfü^ngcn Don Cttofar fioren^ 
in feinen beutfd)en ®ef(^i(^tdquellen a. a. O. 1, 92 ff. 

*) 8. oben @. 153 ?lnm. 2. — Sein ©ericftt öom »urgunberfriegc tft 
gcbrudt im ^nf|io für fc^meia. G^cfc^id^tc 13, 283 ff. (Sr ift in lateinifc^ 
unb beutfc^er eprad^e abgcfa^. 3m 3al)re 1880 ^t ber 2. 8anb ber 
..^adlcr^lS^ronifen" (Seip^ig 1880) ben 1. Seil bed ^Diariom Johannis 
Knebel, capellani ecclesiae Basiliensis'' (@ept. 1473 bid 3uni 1476) ge« 
hiaä)t, eine für bie (^ef^ic^te ber ^urgunbertriegc in ^ol^em ®rabe gel^tooOe 
Ouede. ^a ber 2. Xct( j. g. nod) ni(f)t borücgt, empfiehlt ed ft^, ba8 (Snb- 
urteil barüber ju vertagen ; bo4 barf man je^t fc^on, o^ne ber IBoreiligMt 
befd^ulbigt ^u »werben, bem Herausgeber beiftimmen, menn er fiir bad 9kd 
bei aller ^ertfd^ä^ung ben S^arafter einer „^f)xonit'* nic^t in Sbtfpruc^ nimntt 



^ie territoriale unb ftttbtifdie @)efd^i(^tf(f)rei6ung. ©d^meta. (Stterlin. 171 

in eine ougere (£inf|eit Qtbxaä)t unb fo t)om ferner State fanftionirt 
iDorben finb. ^ie offisieQe ©ejd^id^tfd^reibung ift ja gerabe auc^ 
in ben ©tobten bcr Sibgcnoffcnfd^aft mit Vorliebe gepflegt toorben. 
SBonftetten f)ai Dot ©^illing nur ba^ Sine Doraud, bag er, U)ie U)ir 
und erinnern, ()umaniftif^ in ni^t gen^ö^nltd^em ©rabe gebilbet 
tt)ar, o^ne bag biefer. Umftanb jebod^ feiner l^iftoriograp^if^en 
^fitigfeit im entfpre^enben äRage genäht ^ätte. Sine aDgemeine 
g^ronif ber (Sibgenoffenfd^aft ift trofe bem erftarften ©elbft^ 
bctoufetfcin berfelben erft am anfange bed 16. Sa^r^unbertd ent* 
ftanben. S)cr fog. „©c^toabenfrieg" beS Sa^reö 1499 l^at eine 
l^iftorifc^e Sefd^reibung beöfelben in ber (Seftatt einer SReimd^ronif 
^crtjorgerufen, beren SSerfaffer ein geborener ©d^ujabe, SWicoIaud 
©d^rabin aud Reutlingen, ipar, ber juerft im S)ienfte be§ Slbted 
öon ©t. ®aDen unb toeiterl^in ber ©tabt Sujem ftanb^). S)ie 
Sfiromf ift unter bem unmittelbaren Sinbrud ber gefd^ilberten 
@teigntffe gefd^rteben unb legt bad ^auptgemid^t auf bie friege^ 
tif^en ®reigniffe. ©d^on in ber näc^ften Qtit ift fie in 5ßrofa 
aufgelSft faft t)oQftänbig in bie fd^on berül^rte erfte allgemeine 
^©^ronif bcr ©ibgenoffenfd^aft" üon ?Beter Stterlin über^ 
gegangen^). @tter(tn ift n^ieber fein äßann ber neuen ©^ule, 
aber fein ®efd^i^tdU)erf ^at auf bie nfid^ftfolgenbe fc^loeijerifd^e 
©efc^id^tfd^reibung , auc^ nod^ auf Xfc^ubt, Sinflug ausgeübt. 
3n fiujern (etttja um bad 3aJ^r 1440 ?) geboren, ^at er ein f)ää)\t 
iDed^jelooQed Seben geführt, l^at in t)erfd^tebenen politifd^en unb 
militfirifd^en S)ienften geftanben, feit 1477 in einer feften ©tellung 
in feiner SSaterftabt, unb toar rühriger Sln^finger ber fransöfifd^en 



6(^rabin fiarb nix^ 1511. @etne SReitnc^ronif ift f(^on 1500 gcbrucft 
tmh nac^ bem ©cfd^macfe ber geit mit ^oljfc^ittcn audgcftattct erf^ienen : 
„df^xonit bed StxitQ^ gegen ben tCIIerburd^Iauc^tigften Slömtfc^n j^önig unb 
Den fc^toäbif^en S3unbt 2C. gebrudt unb DoQenbet in @urfce ben 14. Januar 
1500", »icber^olt im ©cfc^ic^töfreunb IV, 3 — 66 ((ginftebeln 1847). 

>) 5Bg(. Dr. (JI. öernoullt: (gtterttn» ©^ronil bcr ^ibgenoffcnft^aft 
im 1. 8onbc bed ^.Sal^rbud^d für fd)»ei2erif4c (»tWäitc*' (3ürid^ 1876) 
(S. 46 ff. 3um crften SWoIe 1507 in öafcl gebrudt ; »icbcrfiolt ©ofel 1762. 
«gl. ben Ärtifel „(gtterlin" öon ®, t). ®^6 in bcr ^ 3). »iogrcHJ^ic. 



172 Gtftc« )Bu4 öicrtc« StapM, 

Partei. 3m Sa^rc 1509 tft er in bcbrfinflten SSer^ältnifjcn ge^ 
fiorbcn, bic eine golge feineS unftäten unb felbftfuc^tigcn SBefend 
unb S^reibenS toaren. ©eine El^ronif aUetn, bie er in ben Sauren 
1505 — 1507 gefd^rieben, fjat feinen SWamen öor SScrgeffenl^cit g^ 
fd^üfet. So ift fein SBerf ber Oele^ryamfeit unb felbftänbigcr gor* 
fd^ung, in f^ßd^ter ^^orm fid^ betoegenb, Kompilation btd ^in }u 
ber S)arfleQung ber Qdt, n^eld^e an feine Erinnerung ^eranret^t 
ober bie er felbft erlebt l^at, toie öor altem Wc ©urgunberfricge, 
für weld^e er bie Sebeutung einer felbftänbigen DueUe f)at 3>cr 
lefete Seil ber (S^ronif, t)on 1490 big 1505, faßt fid^ furj unb 
bfirftig unb übergebt t)ie(eg mit gän}lid^em ©tiüfd^nieigen , maS 
man mit ®runb au^ ber ^arteifteüung bel^ ißerfafferd unb feiner 
eigenen Beteiligung an mannen bejäglid^en SSorgängen mit Stecht 
erflärt. pr bie ältere Seit, bi« 1400 ungefähr, ^ält er \xäf an 
ben ©trafeburger Äönig^^ofen, Sirer öon StenföetI, ^artmann 
©d^ebel, unb für bie filtefte ©efd^id^te t)on ber ©ntfte^ung ber ©b^ 
flenoffenfc^aft unb bem grei^eitdlampf mit Dftreid^ an bie Über« 
lieferung, toie fie fi^ in ben SBalbftätten entttjidelt unb in bem 
„ttjeifeen Sud^ oon ©amen" unb in 3. grunbS ©c^rift Dom 
„fremben ^erfommen ber ©c^totiier*' unb aber aud^ in ber filteren 
Serner Gfjromf fijirt fjat. S^ ift alfo ©age unb ni^t ©efd^ic^te, 
toa^ toir t)ier erl^alten, aber toie fie betreffenben DrteS gepflegt 
unb bet)or}ugt hjurbe^). 

3n einem eoibenten ßufammen^ange mit bem SEBerfe @tterltnd 
fielet bie i8u jerner ßl^ronil beö . jüngeren S)ieboIb ©^illing*). 
<£in 9?effe be^ älteren S). ©c^ifling, um ba^ 3a^r 1460 geboren, 
na^m er all^ ein einfacher £riegdmann an ber ©d^Iad^t bei 
9?anc^ Seil, trat 1483 in ben geiftU^en ©tanb, na^m a(d 
eifriger ®egner ber franjöfifc^en 5ßartei an ben italienifc^en gelb« 



1) SSgl. auc^ SB. SBtfc^er, bic ©age Don ber öcfrciung ber ©albftatte 
(^c\pm 1867) @. 57 ff. 

^) ^ublijirt ju ßujcm im Saläre 1862 unter bem ju öicl fagenben 
Xitel: ^S)icbolb ©(^ißinfl« be« Suca-ncrö @d^wciacr*6:^romf"; SJgL 2:6eobor 
ö. Sieben au, ber ß^ronitfd^reiber 3>icboIb Schilling öon Supern. 



2)ie territotiale unb ftäbttf(]^ O^efc^t^tfc^reibttng. @(^met). ®(^iaing b. 3. 173 

jüflcit 3;cil unb ftarb jtoif^cn 1518 unb 1522 aU Kaplan in 
Sujern. ®runbf5^Iid^ betrad^tet, bebeutet ©d^tQtng b. 3. fein 
SnttoidcIungÄntomcnt in bet (Sefd^id^te ber fd^hjeiäerifd^en ^iftorio^' 
grap^ie, man mägte benn, n^aS bod^ nid^t jum Qklc trfife, ein 
fol^ed in ber ^atfad^e fud^en, bajs er im 93erg(eid^ mit Stterßn 
ben entgegengefe|ten poHtif^en ©tanbpunft t)ertritt unb fi^ al^ 
eifriger Sln^änger £. 9J?Q£imiIiand gibt, luel^er il^n aud^ ge^ 
(egentlid^ tu ftd^ nad^ ^onftanj etnge(Qben \)at. ^oS Sßefent« 
li^e feines SBerfeS ift, baß er eine Sujerner unb feine eib* 
genöffifd^e S^ronif fd^reiben unb naä) biefem Qid^ \)m bie 
auffaDenbe unb fd^on angebeutete Sudte (Stterlind gerabe in bem 
legten Seile feine« ©efd^id^tÄbuc^eS ergönjen teilt. 3"8^^ic^ ober 
fd^eint eS, bag er, teie man mit 9{e^t vermutet f)ai, bie un« 
öoüenbet gebliebene Su5emer S^ronif üon SKcI^ior SRuß^) 
fortfe^en teill, ba er aul^ ber alteren ®t\ä)iä)tt Sujerni^ nur 
biejenigen ©reigniffe berid^tet, teeld^e bei biefem festen, ober 
iDorflber Stterlin bon il^m abioei^t, ober enb(id^ aul^fül^rlid^er 
toirb, toie j. ®. über ben ©empa^er 5lrieg. SSon fjier an — benn 
öicl toeiter reid^t Stterlin nid^t l^erab — fd^Iiegt fid^ ©d^iDing 
bis jum @nbe (1503) wortgetreu toieber an Stterlin an^). ©eine 
3ufäge ju biefem toerben erft üon 1450 an häufiger unb ge* 
iDtnnen bei ber ©arfteDung ber Surgunberfriege unb nod^ mel)r 
bei ber ©d^ilberung ber barauf folgenben brei Sa^rje^nte, bis 
1509, toeld^en gegenüber ©tterlin ftd^ f^tueigfam üerljätt, an 
felbftönbigem ©ehalte. 2)a aber ©d^illingS Sl^ronit bis tief in 
unfer Sa^rl^unbert herein ungebrudEt im Sujerner ^rd^it) rul^en 
blieb, fonnte eS nid^t ausbleiben, ba§ fie, im ®cgenfa^e ju 
©tterlin, auf bie fd^tt)etjerifd^e (Sefd^id^tfd^reibung nur geringen 
Sinflug ausgeübt ^at. Stefe felbft jebod^ f)ai t)on ben einmal 



$g(. über fte au^er ben le^rrefi^en SCb^anblungen üon X^. D. fiicbcnau 
unb ^. ^emouQt au^ bie fc^arffmnigen Semerfungen üon Dttofar Sorenj 
in feinen beutfc^en ^ef^ic^tSqueOen 1, 103^105. 

«) SBcrnouIH a. a. O. ©.170. 



174 ^i^fte^ ^u4 liiertes Stapittl 

getDonnenen (Sirunblagen oud unb unter ber ^injutretenben mäd^« 
tigen äRttiDtrfung bed ^umonidmud unb ber 9{eformatton fd^on im 
folgenben äRenf^enalter einen geiDüItigen ^uffc^niung genommen, 
auf tüelci^en toir bemnoc^ft 5urücRommen toerben. — 

SSerfotgen toir öon biefem fübtoeftlid^ften @nb<)unftc unfercS 
iBoIfed aM — IDO üon jegt an eine neue unb bebeutfame @nt« 
toicfelung beginnt — bic prot)in5iaIe ^iftoriograp^ic ber öor* 
refonnatorifd)en Spod^e lueiter, )o werben luir über baS @lfa| 
unb ben äWittelrl^ein , bie totr fd^on berührt l^aben, ^intoeg 
junäd^ft nad^ 9J?itte(beutfd^lanb gefu()rt. S)er ^effifd^^ ©tamrn 
innerhalb fetner a(tgefd)id^tltd^en (Trensen l^at in ben 3^iten bed 
SKittelalterg , Dom 12. Sa^r^unbert abroörtg, ftc^ an unferer 
<Sefd^id^tfd^rei6ung in üer^ältniemägig geringem ®rabe beteiligt. 
SWanc^eS freilid^, fd^eint e§, ift Verloren ober nur in fpätcren 
Überarbeitungen auf un^ gefommen ~ in ber §ou<}tfad^e wirb 
aber burd^ fo(c^e SrloSgungen an bem angebeuteten bürftigen 
(Srgebniffe toenig geänbert toerbcn lönnen ^). %xo^ ber ^c^ttgfeit 
bed SSolfeg fehlten bort einige SSorauöfefeungen , bie anbcröioo 
in bicfer SRic^tung förbcrnb unb befrud^tenb eingetoirlt t)aben. 
<Bo tritt 3. S. feine» ber freilid^ nic^t öielen l)effifd^cn ftlöfter 
in bie Südte ein. §er§felb, ba§ f. 3- ^^^^^ auögejeic^neten 
©efd^id^tfd^reiber geliefert t)atte , trat 3U ber lanbgrdfKc^cn 
S5^naftie in fein fo na^e» ajerf)ältni§ , um i^m einen häufigen 
literarif^en 9(uÄbrucf ju geben*). S?on Häufungen mu| 
ti)atfäd^(i(^ unb im Qnbergebniffe badfelbe gefagt toerben. &n 
felbftänbige» gröfeereö ©emeintoefen toar ebenfalls nid^t öor^ 
t)anben. Um bie SWitte bog 13. 3a^r[)unbertS ^atte fic§ ein 
8aie auS t)orne^mem (Sefd^Ied^te, So^annStiebefel, ber @Qc^e 

^) Sgl. ^ al tfjtx, (ttcrariicf)e$ ^anbbud^ für @fefd)tc6te unb Sanbcö' 
funbe t7on Reifen im adgcnicincn unb bcm (^rog^. $)cfien tui^befonbere. 
3)armftabt 184 1, mit ben bei ben Ergänzungen ber S^^w l^^O unb 1855. 

"^j ^ic I)cffi{4^t{)ünngiid)C d^ronit bei Senkenberg, Selecta Jur. et 
Hißt. I, 301 sqq. ift ücnnutUc^ im Äloftcr 4>ci-«fclb (i^mifc^n 1480—1500) 
gcf(f)ricbon, aber feine ficiftung non ber 3Si(^ligteit in Stoff ober grorm, bai 
fie für unfcre ^wcdc t»on SBcbeutung fein fönnle. 



f)tc territoriale unb ftäbtifcfie ©cfcftic^tft^rctbung. X^üringcn. 175 

anflcnommcn , aber feine ^effifc^e 6f)ronif tft in i^rer fettftän^» 
bigen ®eftalt für un§ Verloren unb crft gegen Snbe beö 15. Sa^r* 
^unbertd au^jug^toeife unb in 93ermtfd^ung mit eigenen 3ut^(iten 
t)on SBiganb (Serftenberger in feiner ^effifd^ • t^üringif d^en 
€^ronif reprobujirt toorben. Oerftenberger toai lein SKann ber 
neuen ©(^ule: geboren am 1/ÜÄai 1457, ipat er in ben S)ienft 
ber Äir^e getreten unb ift feit 1486 ate Slltarift in feiner SSater* 
ftabt granlenberg nad^toei^bar, bereu- ©efc^id^te er ebenfalls be- 
l^anbelt ^at unb too er am 27. Sluguft 1522 geftorben ift. ®r 
ftanb ju beut lanbgräflid^en ^aufe in Sejicl^ung, ein Umftanb, 
t)cr bei ber SBürbigung feiner ^iftoriograpt)ifcl^en 2:^ärigfeit nic^t 
überfe^en hjerben barf. ®g ift freiließ nid^t leicht, fein eigenfteö 
Jßerbienft üon bem feiner ^ilf^queDen, fotoeit biefe reichten, 
.überall fc^arf ju unterfd^eiben ; bie umfangreiche ^enu^nng 
So^amieg Motl^e'g au3 ©ifena^ ift, nebft ber üon JRiebefel, 
übrigen^ unfc^tuer 5U erlennen. ©eit ber äWitte bed 15. Sol^r- 
]^unbertS bietet er jeboc^ t)iel ©elbftänbigeö, er fd^retbt ober Iom= 
püxxt mit einer getoiffen SSorfic^t, einen fritifc^en ©efc^id^tfd^rciber 
fann man il^n aber bod^ nid^t nennen^), ©eine ^ebeutung für 
und liegt üorne^mli^ in ber X^atfad^e, bag toir bie ©umme 
ber literarifc^ fijirten gefc^id^tlid^en Überlieferung Reffend burd^ 
i^n feftfteDen fönnen. 

3n 3;^ Urin gen, too fid^ in bieferßeit, jumal in ©rfurt, 
«in rei^ed unb betoegted geiftiged Seben entfaltet unb bad SWittet* 
Filter l^inburd^ bie (Sefd^id^tfd^reibung mand^e reife gruc^t ge^ 
jeitigt ^atte, entftefjt in biefen Sa^rje^nten bei aller SRegfamfeit 
|o tt)enig ald in ÜÄeifeen ein SSJerf ber territorialen ober btjna- 
ftifd^en ©efd^id^te, bag man aU ein bie ©umme ber t)oraud^ 
gegangenen 3lrbeiten jufammenfaffenbed, abfd^Iiefeenbed, ober für 



*) 3)ic ^effifd^stpring. G^ronif bei Ayrmann, Sylloge Anecdott. I. 

unb öonftänbiger beiSchminke, Monum. Hass. 1, 31—293 et II, 295—574, 

bie t^ranfenbergcr (Sil^ronif beiKuchenbecker, Analecta Hass.V, 145 —240. 

Sn t>QL erf« u.' ®ruber @. I 2:1. 62 @. 90—93; ^olt^aft (a. a. C. 

^.334); öorenj (a. a. 0. 2, 96). 



176 ^tcd Suc^, üierted StwpM, 

bie fommenben So^t^unberte grunblegenbed bejetc^nen ffinnte^). 
S)er $of bed ^rffirften gtiebri^ bed Sßeifen unb biefer 
felbft laffen itoax m leb^afte^ unb frud^tbared Sntereffe auc^ 
an ber territorialen unb b^naftifd^en (Sefd^td^te burc^ud nic^t 
üermiffen, unb man^ed, toa^ an btefem ]^ert)orragenben SRittel« 
punfte poltttfd^er unb (iterarifc^er ^^ättglett geplant unb ^erDor^ 
gebrad^t mtrb, ragt in biefe borreformatorifd^e (Spod^e hinein, ^Sngt 
aber bo^, n)ie bie arbeiten @palatind, jugleid^ mit ben ft(^ 
tociter^tn entttjideinben (Snttoürfen unb fieiftungen jufammcn, \o 
bag ed fic^ empfiehlt, bie S)ar[teIIung berfelben nid^t ju jer^ 
reißen unb fie im ^wf^ntmen^ange ju be^anbeln. ^icr fei er* 
n)fi()nt, bag ber (Srünber ber Unit)erfität SBittenberg nebft ft. 
äJ^ajrimUian a(^ ber n^firmfte ^reunb ber ®elet)rfamfeit unb ber 
@ie(e^rten mit 9{ed^t galt, unb n)ie biefer unmittelbaren Stnteil 
an getuiffen ^iftorifd^en gragen unb ^oblemen na^m. Wx 
werben nod^ barauf juriidttommen. 

3n Sltfa^fen l^at toie früher, fo gerabe au^ im 15. Sa^r« 
^unbert auf I|iftoriograp()if(^em (gebiete jtemli^e 9iä^rigfett ge» 
^errfd^t. S)ie SBeQen ber ^umaniftif^en 93eU)egung ^uten imar 
in (angfamen ©d^iuingungen über ben ^arj nad^ ber nteber* 
beutfc^en Tiefebene herüber unb laffen bie Biegungen ber fiber« 
lieferten lEBilbung unbe^eQtgt au^fliugen. 3n Sraunfd^iDeig 
erfte^t am Slu^gange beg ÜÄittelalter^ ein ©efd^ic^t^tuerl, bad 
lange Qtit groge Beliebtheit genoffen ^at, aber t^öQig unberfi^rt 
Don ber neuen 9{id^tung nid^t blog, fonbem gelehrter Xenbenjen 
überhaupt erfd^eint, unb bai^ fi^ iugleid^ am in^edbnfigtgften unter 
ber ®ruppe ber territorialen $iftoriograp()ie unterbringen lägt. SBir 
meinen Äonrab ©ote'Ä „nieberffid^fifc^e SWlber^ronil", bereit 
SSerfaffer um bag Satjr 1475 t)on 3Bemigerobe ^er in 99raunf(^iDeig 
eingett)anbert ift unb t)ermutlid^ balb nac^ 1501 als ©ürger biefer 



^) Sineit bciläuftgen, aber nid^t i^ufammcn^ngcnben Überblid Ü6er 
bie be^. @(^riften unb Serfucfae fann man bei ^(bclung, Directorinia 
gewinnen. 



^ie territoriale unb ftilbtifc^e @efc^ici^tfcf)rcibung. Siiiebcrfat^fen. 177 

©tabt gcftorftcn ift*). S)ad SSJcrf trägt ben öollfommcnen S^araftcr 
ber bärgerlid^en ©efditd^tfci^reibung ; fibertpiegenb lotnpitatortjc^er 
dlatux, ftnb bte benu^ten QueQen fo ikmüdf aQe nac^iuiueifen. 
®cr 9?crfaffer öcrfolgt feine toeitcrc lenbenj, aW baÄ ©efc^c^ene 
unb @ria^(te &)ieberjuer5ä^Ien. (Sin befttmmter Ku^brud ber 
3ett, in ber bte S^ronif entftanb, unb i^rer SRobe finb bie ^or« 
ttat^, @d^(Qd^tenbi(ber unb Sßappen, bte jur ^eronfci^aulic^ung 
bed @r}a^lten btenen {oQen. 3m fünfte ber ©efinnung, fotpeit 
eine folc^e überhaupt ju ^oge fommt, ge^rt ber 9(utor burc^meg 
bcm abfterbenben ^^italter an. @Ä liegt inbeö in einem anberen 
aSerfe, ba^ bie ©efc^ic^te ber ®rafen t)on DIbenburg be^* 

^anbelt, bo^ ein ^^^9^^^ ^^f^^ ^^^f ^^^ ^^^ "^^^ 9it(^tung 
anöi bereite in ba^ ©ebiet ber S)ar)tellung ber Sanbedgejc^ic^te 
92ieberfacl^fend ober boc^ etned ^uci^tetled bedfe(6en eingebrungen 
ift^). 3)er ffierfaffer, ein Sluguftinennönc^ , in 3talien ge* 
bilbet, aud^ fonft literarifd^ tf)atig, üerläBt öftere feinen ®egcn« 
ftanb unb gibt jugleici^ feiner fubjeftit^en «Stimmung 9!aum, bte 
ti7iebert)o(t in Jtlagen aber bie $erberbt{)ett ber xf)m jun&cfift 
fte^enben Äreife ausbricht. SBiffcnfc^aftlic^ getoogen, fann bie 
Strbeit, fonjeit eö fic^ um bie ©rafengefc^id^te ^anbelt, tro^ ber 
fic^tbaren größeren formalen Silbung unb beä freieren ©liefet, 
al^ ein nad^toirfcnber ©etoinn nic^t betrad^tet loerben. 3Bir 
»erben eö nod^ tt)eiter erfahren, gerabe bie ©pejialgefd^id^te f)at 
bie längfte Qcit oon ben allgemeinen gortfc^ritten ber ©efc^id^t* 
fc^reibung, bte @tabtgefc^td^tcn tttoa abgerechnet, ben geringeren 
aSorteil gejogen. 

3n ben ©ebieten jenfeitö ber Slbe unb Cber, auf bem alt« 
flatoifc^en ©oben, ben 9}far{en unb barfiber ^inau^ nad^ ^reugen 



*) @. S?arl ©d^acr, Äonrab Sotc'Ä niebcrf. 93tIbcrc^onif u. f. f. 
(^annotwr 1880), unb ögl., wqS mir rociter oben (@. 151 Slnm. 1) über 
ÄonrabS 9himcndt)etter ipermann ©ote beigebracht ^aben. — 3)tc S^ronif 
fflbjt ift gulcft bei L e i b n i z , SS. III, 277 sqq. gebrudt. 

*) Chronicon Oldenburg, archicomitum ab a. 1031 — 1508 (bei Mei- 
bomius, SS. R. Germ. II, 127—191). Qu ngl. Fabricius, Biblioth. 
med. et infimae latinitatis ed. Mansi IV, 135. 136. 

0. fBegcIe, OeMid)te bei beutf^cn ^iflortograp^ie. 12 



178 GrftcS S3ucf), fünftes ^apM. 

^ai bic SanbcÄgcfd^ic^tfdircibung in ber 3^^* ^^^ Ubcrganfle^ 
unb bed üorbringenben ^umanidmud ntc^t bie gletd^en @^tcffa(e 
flcf)abt. 3n bcn ÜÄarfcn unb ?|Sommcrn ^crrf^t uncrtoünfc^tc 
Siu^e, bagegen im Orben^Ianbc, in ftönigdberg unb ben juge^ 
toanbtcn ©tobten ©anjig unb Slbing fortgcfc^tc l^iftorio* 
grap()ifcl^e X^ätigfeit im alten @tile unb bereitet fic^ juglei^ 
fd^on bic gelehrte (Sefd^ic^tfc^reibung t)or^). Siid^t überall ift 
ber Übergang auä bem einen ß^i^^It^^ i" ^^^ anbcre fo fidler 
unb angenehm ju Verfolgen. SO?it ben reagirenben Sntereffen be^ 
DrbenS öerbinbet fic^ boö nod^ lebenbige Setpufetfein ber Stäbte, 
baju gefeiten fid^ bie gelelirten lenbenjen unb enblid^ bie Steue- 
rung ber SJeformation unb baö burd^ fie eingefüf)rte ßanbe^* 
fürftentum. ü)?an fiai mit Siedet borouf aufmerffom gemacht, 
bafe unter biefen SorauÄfe^ungen l)ier gerobe bie SKeformation ber 
5ßffege ber Sanbeögefd^ic^te in befonber^ I)o^em ®rabe ju gute 
gefommen ift. S)ie STnfänge einer gelef)rten ©efd^id^tfc^reibung 
faDen im olten Drbenölanbe mit ber 3luflöfung be^felben unb 
bem ©turje ber alten Äird^e jiemlicfi nal^e jufammen. 

S)a§ le^tere Greigniö fonnte aber feiner innerften 92Qtur 
nad^ überhaupt nic^t öerfe()Ien, unfcrer ©efd^ic^tfc^reibung neue 
Sat)nen ju eröffnen unb neue 9tufgaben ju ftcüen. 



güiifte« Äapitel. 

|>ie betitfi^e ^efi^ti^tfi^retBittig tititer hm ^itiititrfttitigeii 

bet: ^eioxmation. 

S)ie SReformationöjeit bilbet eine grofee unb glänjenbe Gpod^c 
in ber ®efd^id^te ber beutfc^en ^iftoriograp^ic, beren öebeutung 
nic^t unter ber 3;()atfad|e leibet, ba^ man niemalö öergeffeu lann, 
toeld^ ein baf)nbre(J|enber 3(nteil ber öorauSgegangenen l^uma* 
niftifc^en Setoegung an biefem Grgebniffe jufommt. SBie l^oc^ 

^) 5^91. Dr. 9K. Stoppen, ö)e)(f)icfttc ber prcufeifc^en ^iftoriogrortie. 
83cdin 1853. — SS. R. Prussic. V. ficip^ig 1854. 



'^ie bcutfc6e G^efc^id^tfc^reibung unter bcn (Sintvirfungctt bcr 9icformation. 179 

man btefen 3ufAnimen^Qng aber aud) anfc^Iageti mag, ber ^ort^ 
]ä)xiit, bcr auf unfcrcm ©ebiete in bcm ÜÄcnfd^cnaltcr, an beffen 
©d^tocUc »ir fielen, fic^ öon5ic^t, ift öon ber burd^flreifenbften 
itnb augerorbentlid^ften S(rt. (Sr t)erltert, um bai^ gletd^ ^ter 
ju fagen, nid^t an SBert burd^ ben Umftanb, bag bic näcfift' 
folgcnben ©efd^lcd^tcr ntd^t öermöflcn, i^n feftju^olten ober lüeiter 
ju cnttoicidn. S)iefed Unöermöflcn, biefer ©tiüftanb ober 9tücf» 
jc^ritt, öon tocld^em toir an feinem Orte bed näheren fpred^en 
toerben, ^fingt mit bem allgemeinen SJertjängniffc unferer 9iation 
äufommen unb ift bie SBirfung uon Urfac^cn, beren SBurjeln 
^m nienigften in Uterarifc^en SRotiuen gefud^t toerbcn bürfen. 

SBer bic ©cjd^ic^tfc^rcibung bcr 3^^* Äaifer ÜKafimilian^ 
aufmerffam bctrad^tet ^at, fonnte bon bcm ©türme, bcr fid^ noc^ 
in beffen legten Sauren erhoben, fi^er nic^t überrafc^t »erben: 
«ine reifenbc Söeroegung ber ©eifter liegt in bcrfelben angebentet, 
i)on loeld^er man fic^ fagen fonnte, ba§ fic fid^ fc^njcrlicfi mit 
icn alten ^öuberfünften roürbe befd^toören laffen. Sl^nlicfic (gtim* 
mungen be^errfc^ten freiließ aud^ bemuHt unb unben)uf3t ba$ 
übrige 9tbcnblanb : aber ein 3"!^^ loar e§ nic^t, bafe fic gerabe 
in 2)cutfd^Ianb ju einer ©r^ebung o^ncgleid^en füfjrtcn. @o 
geroiB eine rocitöcrbrcitcte öerroanbte ®ärung om @nbe beS vorigen 
3af|r^unbertÄ in granfrei^ jur SHcDoIution führte, tocil t)ier 
ha^ fcubatc Untoefen bic unerträglic^fte (Scftalt angenommen 
I)atte, fo brad^ bei und bic fird^lid^e Semegung auS, n^cil auS 
offen liegcnben ®runbcn bie fird^Iid^e 3fi^röttung unb ©ntartung 
auf feiner Station fd^roerer lag unb tiefer empfunben lourbc »ie 
bei unsJ. ©o fa^ fid^ Scutfd^tanb in bem 2(ugcnblicf, loo cd 
bereit loar, feine §(nfprüd^e auf SBclt^crrfd^aft prci^sugeben, 
ptöfelic^ in ben 9)?ittelpunft einer bie SBcIt berocgenben @rl)ebung 
geftettt. S)ad nationale, ^umaniftifc^c unb rcligiöfc ©lement 
ocreinigten fid^ ju einem Sunbe, bcr ben alten unb ju ^errfd^en 
gen)öt)nten ÜWäc^ten ben ftrieg crflärtc unb bic reijcnbe ^cr* 
fpettioc eincÄ fclbftänbigen, frud^tbaren unb bcfriebigcnbcn Safeind 
eröffnete. SBann ^ättc feit bcn lagen ber SSöffcrtoanbcrung 

12* 



180 ©rftcÄ »uc^, fünftel ßapitcL 

unfere Kation mit ber ganjen güflc if)rer ©oben unb Ärdftc in 
bem ®rabc in ber Äftion gcftanbcn, ate in ben Satiren Äarfd V. 
unb, lüenn e^ fo fein mufete, gegen if)n? SBer, ber für unfer 
5Bolf ein $erj f)at unb ben ftf)reienben ^fjatjac^en gegenüber ftc^ 
bic Hugen nid^t abfid^tlid^ öcrfc^liefet, mag eine Qext fc^mäf)en, 
ber notorifc^ bie beften ®ei[ter ber Station jujnbetten unb in 
toelc^er biefe bad oon fid^ ftieg, road ^emmenb unb lä^menb im 
SScrlaufe ber legten Sa^r^unbcrte [i(ft bei i^r abgelagert ^atte? 
®en)iB blieben Überftürjungen unb SSerirrungen nic^t aud, loer 
möd)te fid) aber barüber muubem, nac^bem einmal bie alten 
Crbnungen äber^au{)t ind SBanfen geraten nmren unb, n)a^ ryon 
it)nen nod) feben§fät)ig , erft feine ^robe befielen mufete. Unb 
toaren eö bie SJfenfc^en öon ^eute ober öon geftern, bie über 
Slad^t mit bem 3^ö^9^ ^^^ Überlieferungen brad^en unb fie 
tt)ie ein fabenfc^einig getoorbeneö Äleib öon fid) »arfen? SBSie 
t)erfd)ieben man ben SSerlauf ber in grage fte^enben ©rfd^üttcrung 
beurteilen mag, bag Sine erfc^eint un^ bei unbefangener Setrac^* 
tung unanfechtbar, eine Umgeftaltung, eine Smeuerung nacf| allen 
©eiten unfereö öffentlichen unb fpejietl bc^ f irc^lid^ * retigiöfen 
Cebenö bar unöermciblic^, ttjenn unferer Station it)re 3"^^^"!* 
gerettet tt)erben foflte. ®erabe bie benfenben Siln^änger ber alten 
Äirclie foüten niemals in Slbrebe fteUen, mag fie rec^t gut njiffen, 
baß ol)ne eine ßrneuerung eben biefe ber ^öd^ften ®efa^r au«* 
gefetzt mar. Qu jagen, bag alled gut unb in Orbnung gen^efen 
unb burc^ bie audbred^enbe 93emegung erft bie ^erfc^limmerung 
eingetreten ober biefe bod^ rein überflüffig gemefen fei, feftt eine 
Äii^n^eit oorau«, bie ju begreifen nidjt jebermann gegeben ift, 
Gö muB jmar jugegeben merben, baf^ bie Station infolge jener 
Srfd^ütterung nic^t ju jenem 3"ftönb ber Sefriebigung unb be^ 
glüdlid)en ^afein^ g^lcingt ift, ben Diele ert)offt ()aben, unb ba^ 
fie meiterf)in für bie ©id^erung beö jum S)urd^bruc^ gelangten 
neuen Sebenc^prinjipö einen ungcmöt)nlic^ l)o^en ^reiö beja^len 
mußte, aber eine unparteiifc^e ©efc^id^tfd^reibung ^at (ängft nac^« 
gciüicjen, bafe an biefer SSenbung ben 3mpulfcn, bie ber reforma* 



^tc beutfc^e @(cf((td^tf4rei6ung unter ben ShitDirhingcn bcr 92cfonnation. 181 

tortjc^en Semegung ju (^runbe lagen, ber geringere $eil ber 
©c^ulb beijumeffen ift. ©icfe Snbeutungen ergeben nic^t^ lüenigcr 
aU 9(nfprucj^ auf 92eul>eit, aber ed mugte t^nen l^ier ba^ SBort 
gegönnt tperben, um feinen 3^^if^I ^ber ben ©efi^tdpunft fibrig 
^u laffen, Don n)elcl^em au^ bte nac^folgenbe Setrad^tung geleitet 
jein toirb. Diefer ®e[td^tdpnnft tuirb ed geftatten, fo toeit wnfere 
Äraft reid^t, jcbem SBerbienfte fein SRed^t tuiberfa^ren jn laffen 
unb gegen ben SSorfd^reitenben fo gut aU ben ß^^ücfbleibenben 
SiDigfeit ju üben. — 

Überblidten n^ir bie beutfc^e ®efc^ic^tfd^reibung im 3^^^^^^^ 
ter Sieformatton, fo fe^en urir und aUerbingS nid^t in ber Sage 
in behaupten, ba^ fie ein Sßerf ^eruorgebrac^t f)abt, bad im 
^öc^ften @inne ben 3n^a(t ber (Spo^e }um ^(udbrudE gebrad^t 
ftabe. ^öffcn toir aber bie ganje ©umme ber fieiftungen s"* 
fammen, fo gelangen toir ju bem Urteile, bafe fie fic^ ber großen 
^ett nid^t ju fc^ämen ^aben. 2)ie @}ärung, toe(c^e je^t unfere 
iRation erfüllt , bie neuen ftrfifte , bie im Äreife t^red Sebcnd 
auftauchen, ber intenftoe religiöfe Sluffd^toung, bad (ebl^afte natio» 
nalc ©elbftgef ü^l , bie ®eifter ber Siicfe, bie in öetoegung ge» 
raten, bcr SBiberftanb ber angegriffenen alten Drbnung, bie 
firoge $otittf unb bie mit i^r oerbunbenen friegerifc^en Stftionen, 
bie eigenartigen 9iegungcn ber üerfd^iebeneu eiuäelnen ©tönbc, 
baS fi^ er^altenbe ober fteigembe (anbfc^aft(id^e ©elbftbemugtfein, 
ber ©inn für Solfötümlic^feit, bie je^t sum erften 3KaIe fiegrcic^ 
üuftretenbe Wlad^t ber ^erfönßd^fett, biefed adeS unb noc^ manc^ed 
önbere ift in ber jeitgcnöffifc^en @efc^ic^tfd^reibung in ben man« 
fiigfad^ften formen unb roec^felnbften ©eftatten oertreten. SiJer 
aud ber gerne jufiefjt, möd^te fic^ rounbem, loie nebeit ber un* 
geheuren Slnftrengung aller Gräfte, n^eld^e bie firc^tic^e Setoegung 
in Slnfprud^ nimmt, noc^ diaum unb 9(tem übrig bleibt für fo 
ergiebige unb ja^Ireic^e 9(rbeiten auf allen übrigen ©ebieten beS 
literarifdien unb geiftigen ©c^affeuö unb im befonbem ber^iftorio* 
grap^ie. Ällerbtng« fte^t biefe je^t häufig im S)icnfte ber großen 
Streitfrage ber gcit, aber nid^t minber frud^tbar arbeitet fie um 



j j 
^ j 






182 ^rftcS SBuc^, fünftel Äapitcf. 

i^rcr fclbft njiUcii, in bcn überlieferten SRid^tung 
öoüer Unab^änfliflteit. So äiemlid^ alle ©tanbc erfc: 
beteiligt, unb gerabe bk I)erüorragenbften SSerfc öet [ 

gehörigen bed fiaienftanbeö i^re Sntfte^ung. ®erabe i 

tratf)tung bicfer SBcr^ältniffe fpringt bie tounberbar 
(Sintuirfung ber üoraudgegangenen unb no^ feinet 
b{üt)ten ^umaniftifd^en 2e^rjaf)re mit jhjingenber S). 
bie 3tugen. Sie alle, bie je§t in SBirtfamfcit trete. 
3öglinge unb Schüler ber eben juriichüeicftenben filti • 

tion unb arbeiten unter ben Smpulfen, meiere fte t)i •' 

t)alten ^aben. @§ roäre nod) nä^er ju unterjud^en 
neuerer ober neuefter 3cit beliebte Se^auptung öc 
augerorbentltc^en unb grunbfäglic^en Unterfd^iebe i\ ^ - 

älteren unb jüngeren @e{d^Iec^te ber beutfc^en ^umc 
(id) auf fo feftem ©runbe ru()t, aU manche g(au 
rooQen. Sene S3e^auptung loäre fd^merlic^ jemak ^ 

iporben, n^enn bie jüngere Generation fid^ nid^t im 
fird^lic^en Streitet auf bie ©eite ber SReformer ge). 
S)aß jebed jüngere ©efd^Ied^t in tttoa^, fei eS mel 
n^eniger, über bie ältctn ^inauSfc^reitet , liegt äbriger. 
Grabe in ber 92atur ber 2)inge unb 2Slen\6)cn , bag 
nur n)unbern tann, tpte in bem gegebenen %oXit fo 
t)eben^ Don ber @ac^e gemacht n^erben fonnte. Um 
Stellung unb )Bebeutung beS ^umani^muS jur literai ^c« 

n)cgung unb fpejieü jur Gefc^id^tfd^reibung biefer ^m ju mfir^ 
bigen, muß man fid^ nid^t b(oB an Stürmer unb S)rfinger koie 
lUrid) oon ^utten unb äl)nlid)e galten, fonbecn man mug in 
erfter Sinie äRänner mie SIetban, (Samerariui^ ober 9)7eIant^on, 
feine Scf)u(e unb feine ^^reunbe ind 9(uge faffen, unb bie @a(^ 
n)irb ein anbered ®efid)t gcminnen. ^ie ^umanifttfd^en unb 
rcformatorifc^en Sinflüffe unb SBirfungen muffen in biefer 3^* 
eben burd^auö in i^rcr natürlid^en 3"f^^"^^9^^örigfeit auf* 
gefafet toerben, außerbem mirb man fortgefe^ten SKifeücrftänb* 
niffcn niemals entgegen. 



• • • » • ». 

• • • . • ' • 



5Die beutf4( (Bef^i^tfc^Tcibung unter bcn (Sinmirfungeu bcr Deformation. 183 

nSumKc^ erfc^etnt bie l^iftortograp^tfc^e X^ötigfett, )Dcnn 

Huc^ ntdit gletc^mäBtg, über ganj 3)eutfd)(Qnb Derbrettet. (Sin«' 

^fc^aften treten mc^r ^erDor, anbcre jurficf. Dftreic^ 

mt je^t lange nic^t mel^r bie bebeutenbe @teOung ein, 

:■ 3^t Ä: 9}iapmiIianÄ I., unb finb eiS me^r nnr bie 

iigeu ber üoraudgegongenen SBIüteieit, Don meieren 

merben mug. !9aiem bogegen ift burc^ einen ^er^ 

:\\ (Sejc^ic^tjc^reiber vertreten, unb Xirol bricht jegt 

• fein fc^on früf)er betontet (anged ®c^tt)eigen, inbem 

ige Setoegung ber 3cit aud^ in feine Sedier vorbringt. 

.itlici^e ®c^n)aben(anb, fo n)eit ed fid^ um bai ipaud 

rg gefammclt l)atte, fte^t }n)ar mitten im ©ebränge 

itiffe unb finb feine Sd^icffale bebeutenb genug, aber ed 

nid^t bie geeignete fganb, bicfelben feftju^alten. 3)agegen 

bie ©c^lDeij erfolgreich mit ben fruc^tbarften ^rooinjen 

rcrianbed, unb fc^Ite^t fid^ i()r bad @(fag in glänjenben 

it an. Sticht minber ift oon Cftfranfen SRü^müc^ed ju 

öcffcn ift nic^t unoertrcten unb mit befonberer SBuc^t 

c naffauifc^en, Dor aDem bie n^ettinij^en $aud(anbe in 

;telpunft ber literarifc^en Setoegung. l^on SBittenberg 

:t ber eigenen bebcutfamen ^robuftioität abgefe^en, eine 

eil (Seiten ^in frud)tbare Stnregung auS. 2)ie übrigen 

I)cn Sanbe ftettcn fic^ allerbingö in ben ©d^attcn, 

in ben nörblid)ften (Snbpunften berfelben bie Uber^ 

:\x ber frät)eren Spod^e n)ieber erloac^en. SEBeiter^in 

Liir eö auf ber einen ©eite mit ben 9iieberlanben unb, 

iiuSbrücflic^ ja nennen, mit CftfrieS(anb ju tf)un ^aben, 

auf ber anberen neben 9)2ecflenburg , a(d einer ganj 

iroberung , auc^ ^^^ommcrn in bem j^reife auftaud^t. 

^rcußen, baä el)emalige Crbendlanb, behauptet unb erweitert 

feine fc^on früher eingenommene l)iftoriograp()i](^e @teOung. S)ie 

SDtarf öranbcnburg t)crt)arrt nac^ »ie oor fcitfamertoeife in ber 

aSerftnmmung , ju melc^cr fie fid^ feit einem 3al)rt)unbert , feit 

ben lagen 9(bclbert SBuftenoi^' oerurtcilt f)at. 2cf)Ieften, baÄ 



182 <Srftc8 »ud^, fünftes Äapitcl. 

t^rcr felbft Xüillcn, in ben überlieferten SHd^tungcn ober in 
üoUer Unab^ängigfeit. @o ^iemüc^ ade @tänbe erjc^einen babet 
beteiligt, unb gcrabe bie ^eruorragenbften SBcrfc üerbanfen Sin* 
gehörigen bed Saienftanbed i^re Sntfte^ung. ©erabe bti ber ^t^ 
trad^tung biefer SBer^ältniffe fpringt bie n)unberbar befruc^tenbe 
@inn)irfung ber üoraudgegangenen unb no(^ feineiStoegd abge«» 
blühten ^umaniftifd^en fie^rja(|re mit jipingenber 3)eutltc^fett in 
bie Singen. @ie alle, bie je^t in SEBirffamfeit treten, ftnb bie 
Zöglinge unb Schaler ber eben juriidtoeic^enben filteren Venera« 
tion unb arbeiten unter ben Smpulfen, ipelc^e fte Don btefer er« 
l^alten ^aben. @d ipfire noc^ nä^ ju unterfud^en, ob bie in 
neuerer ober neuefter Qdt beliebte 99e^auptung Don einem fo 
augerorbentlid^en unb grunbfäglid^en Unterf^iebe )tt)ifc^en bem 
älteren unb jüngeren ©efd^led^te ber beutfc^en ^umaniften mirf« 
lic^ auf fo feftem ®runbe ru^t, aliS mand^e glauben machen 
moQen. Sene (Behauptung märe f(^n)erlic^ jemals aufgefteUt 
tt)orben, loenn bie jüngere Generation fic^ nic^t im fünfte be^ 
fird^lid^en ©treiteiS auf bie ©eite ber Sfteformer gcftellt ^fttte. 
2)aB jebeS jüngere ©efc^le^t in tttoa^, fei eS me^r, fei ed 
loeniger, über bie altem f)inau<fc^reitet , liegt übrigend in bem 
Grabe in ber 92atur ber 2)inge unb 3Jltn\ä)tn , bag man fic^ 
nur n)unbern fann, mie in bem gegebenen gaUe fo Diel S(uf« 
liebend Don ber ©ac^e gemacht n^erben fonnte. Um jeboc^ bie 
©tellung unb Sebeutung be§ ^umaniSmuS jur literarifc^en 83e« 
mcgung unb fpejiell jur Gefc^ic^tfc^reibung biefer 3^^^ i" ^^r* 
bigen, mug man fi^ nic^t blog an ©tfirmer unb 2)r&nger toie 
Ulric^ oon ^utten unb äl^nlic^e galten, fonbem man mug in 
erfter Sinie ÜRänner tok ©leiban, ßamerariuÄ ober ÜRelant^on, 
feine Sd^ule unb feine greunbe in« Singe faffcn, unb bie ©ad^e 
n^irb ein anbere«; ®efid)t gewinnen, ^ie ^umaniftifc^en unb 
reformatorifd)en ffiinflüffe unb SSirfungen muffen in biefer 3^^ 
eben burd)aud in i^rer natürlicf)en 3uf^^^^9^^^^S^^'^ ^^f' 
gefaxt merben, aufeerbem toirb man fortgefe^ten äWi^öerftänb* 
niffcn niemals entgegen. 






^t beutfc^e ©efddid^tfc^rci^ung unter bcn (Sinroirfungen ber Deformation. 183 

9täumlt^ erfc^etnt bte f)tftortograp^tfc^e Z^ätigfett, )Denn 
aaä) ni6)i glet^tnajsig, aber ganj 3)eutfc^(Qnb Derbrettet. &n^ 
jelne Sanbfc^aften treten me^r ^erDor, anbere jurficf. Öftreic^ 
). ®. nimmt je^t lange ntd^t mef)r bie bebeutenbe @teOung ein, 
ttjie in ber Qüt fi. ÜÄojimiliand I., unb finb eiS me^r nur bie 
9?ac^n)irfungen ber Doraudgegangenen SJIütejeit, t)on lueld^en 
gefpro^en merben mug. latent bagegen ift bur^ einen ^er^ 
Dorragenben ©ejd^ic^tfd^reiber vertreten, unb Xtrol bricht jegt 
toenigfteniS fein fc^on fräf)er betontet (anged ®c^tt)eigen, inbem 
bie gen)a(ttge Setoegung ber Qtit aud^ in feine Z^äler vorbringt. 
2)ad eigentliche @4tt)abenlanb, fo lueit ed ftd^ um baiS ipauS 
äBirtemberg gefamme(t l)atte, ftef)t itoax mitten im ©ebränge 
ber @reigniffe unb finb feine (Sc^icffale bebeutenb genug, aber ed 
finbet fic^ nic^t bie geeignete ^anb, biefelben feftjufialten. 3)agegen 
tuetteifert bie (Sd^lDeij erfolgreich mit ben fruc^tbarften ^roDtnjen 
bed äKutterlanbed, unb fc^Itejst fi^ if)r bad Slfag in glänjenben 
Seiftungen an. 9tic^t minber ift üon Cftfranfen SRü^müc^eS 5U 
fagen. Reffen ift nic^t untertreten unb mit befonberer SEßuc^t 
treten bie naffauifc^en, Dor aOem bie mettinij^en ^auiSlanbe in 
ben SDKttelpunft ber literarifc^en 99emegung. $}on SBittenberg 
ge^t, üon ber eigenen bebeutfamen $robuftit)ität obgefe^en, eine 
nac^ allen Seiten ^in fru^tbare Slnregung aud. 2)ie übrigen 
altfäc^fif^en Sanbe fteOen fic^ aUerbingd in ben ©chatten, 
n>ä^renb in ben nörblic^ften (Snbpunften berfelben bie Über^ 
lieferungen ber frät^eren Spoc^e luieber ermad^en. SEBeiter^in 
werben xuir ed auf ber einen ©cite mit ben SRieberlanben unb, 
um baiS auSbrficftic^ 5u nennen, mit CftfrieS(anb ju tf)un ^aben, 
n)a^renb auf ber anberen neben SD^ecflenburg , als einer ganj 
neuen Sroberung , auc^ Sommern in bem Äreife auftaud^t. 
^reugen, bad ef)emalige Orbendlanb, bef)anptet unb enueitert 
feine fc^on früher eingenommene f)iftoriograpl)if^e (Stellung. 3)ie 
9)2arf SBranbenburg oer^ant nac^ n?ie oor feltfamertoeife in ber 
SScrftummung , ju njcld^er fie fid^ feit einem 3al)r^unbert , feit 
ben lagen Slbelbert SBuftettoi^' üerurteilt f)at Sc^Ieften, baÄ 



184 örfte« 93uc^, fünftel Äapitcl. 

fid^ fc^on t)orbem auf nnferm ®ebicte toirlfam ertoicfcn, brid)t 
jc^t luentflftcu^ nic^t uöflig mit bicfer löblid^cn Überlieferung, 
freiließ o^ne nad)brä(!üd) etnjugreifen. 

©üllen mir fpejieQ unb öorgreifenb batJon reben, tüeld)c 
I)iftoriograp{)ifc^c gormen unb 9(rten in biefer Spo^e fid^ auf* 
fälliger S3lüte erfreuen, fo lautet bie Slnttoort, ba^ einer folc^en 
83etracJ^tung bie buntefte unb reid^fte 3)2annigfaltigfeit entgegen« 
tritt. ©^ ift bie allgemeine ©efd^ic^te, bie noc^ in ber ^crfömm* 
lid^en 9(rt, aber mit ungemö^nlidiem ®efd^icfe gepflegt nrirb; ed 
lag im SBefen ber Qtit unb jugleic^ ber religtöfen Signatur 
berfelben, bafe man ber alten ®efd)id|te eine lebl^aftcre Slufmerf» 
famfeit fd)entte alö früher, gür bie ®ef^id)tc be^ äKittelalter« 
alö folc^er unb auc^ feiner Duellen fehlte eä nid)t an förbcrnbcr 
unb befruc^tenber Eingebung, indbefonbere für bie beutfc^e (Spo^e 
beefclben. Sluc^ uolfdtümlid^e Bearbeitungen ber beutfc^en &tp 
fdjic^te »erben üerfudjt. i^or allem aber ift ed bie S^tgefc^id^tc, 
beren Äultur fid^ bie ©eifter mit 33orIiebe unb tcitoeije mit ori- 
gineller Äraft unb geleiertem G^arotter junjenben, toie eS benn 
angefid^t^ beö grofeen Snl)alt^ berfelbcn unb beö Umftanbeö, 
baß alle geiftigeu unb realen Sntereffen in 93etüegung gefegt finb, 
md)t anberd fein fonnte. Sieben il)r erfreut fic^ bie fianbeo^ 
gefc^idxte eineS merhDÜrbig üppigen ®ebeif)en^, iDeldjeS mit ber 
tnadjfenben Bebeutung, ipeld^e bie S)9naftien auf bie ^rforfc^ung 
unb S)arfteüung it)rer i^ergangen^eit legen, enge jufammen^ängL 
SSon neuen ljiftoriograpt)ifdjen Slrten finb eö bie Äirc^engcfdjic^tc 
unb bie Senfmürbigfeiten , bie jegt in gelungenen ^ßroben fic^ 
ju ben ^crfömmlidjen gormen gefcüen : bie eine ge^t ganj natur* 
gemäß an^ bem übertoiegenb tt)eologi|d()en ©eprage ber 3^*^ 
l)erüor, bie anbere, bie fid) mit ber ©iogrop^ie fet)r nal)e be* 
rüt)rt, ift ber beutlidje Slu^brud ber ^Ijatfad^e, bafe, im ®egen* 
fo§e jum aWittelalter, ba^^ Subimbuum aU fold)eö fid^ feine» 
SBerteö beteußt ju tüerbcn angefangen f)at Sie ftirc^engcfd^id^te, 
p u»elc^cr juna^ft bie Slntüälte bor 9ief ormation , ald ju einer 
fdjncibigen S2?affe, üoD Gif er griffen, I)at für bie Gnttoidlung 



S)ic bcutf(^c ©cfc^ic^tfciftrcibung unter bcn Gintpirfungen ber SRcfonnatton. 185 

ber @efd)ic^tfd^rcibunfl überhaupt bic fpesieÜe grofee öcbeutung, 
bag in intern befolge unb ald immanente 3"^^^^ berfelben bie 
^iftorifc^e ftritif einen großen unb fruchtbaren ©c^ritt uor^ 
tDärtS t^ut. 

äSir tauften und aber bie ©c^mierigleit nt^t, bie bem 
9kr{uc^e entgegentritt, bie güDc unb SKannigfaltigfeit ber t)i)io^ 
rifc^cn fiiteratur ber SReformationÄieit in überfid^tlid)er unb ge- 
crbneter S^arfttUung jur %lnfd^auung ^u bringen, bad Sl^efent* 
Itc^e Dorn Untoefentlic^en 5U trennen, überall bad ^ortjc^reitenbe 
unb S^rafteriftifc^e l^erDorju^eben unb einerfeitd bie ©elbftän^ 
bigfeit toie anbrerfeitö ben ^^Jömnienljang ber öcrfd^iebenen 
&rfc^einungen nad^jumetfen. SBenn tutr red^t feigen, burfte btefe 
$(ufgabe, bie bem ©efd^i^tfc^reiber ber ^tftoriograp^ie boc^ ^in« 
mal gefteüt ift, in feinem ^^traume toeniger leidet ju löjen fein 
cU in bem Dorfte^enben. @d löge na(;e — unb biefci^ n)urbe 
uielleic^t Don mancher Qtitt nic^t migbiQigt »erben — bie ein* 
i;elnen bebeutenben 6)efta(ten t)eraud)ugreifen , fie mit einanber 
in äSerbinbung ju bringen, unb fo ben ^iftoriograp^ifc^en Sn^alt 
ber S))i)d^e in einer SRei^e Don 3)2onogra|)^ien ju fammeln unb 
Dor ^ugen ju führen. fCäix gtoeifeln aber, bag biefe^ baö ric^^ 
tige f)iftorifd^e SSerfol^ren tt)äre unb fid^ ald toal^r^aft ^aftifd) 
ermeifen njürbe ; tpir üerjic^ten bo^er lieber auf bie ©rleic^terung, 
bie barin liegen mag, unb Der^arren bei ber SInorbnung, für 
tueldie loir und bei biefem Untemel^raen Don S(nfang an grunb= 
fä^Iid^ entfd)ieben ^aben unb n^elc^e aud) nur Dorüberge(|cnb ^u 
Derlaffen niemals unfere ?(bfid^t fein fonnte. — 

Sanndd5^ Hft ed bie allgemeine ®efd^ict)te unb bie Unter- 
fuc^ung ber Se^anblung, tt)eld)e fie in biefer Qcit erfat)rcn l)at, 
bie njir an bie ©pige biefer SBetrad^tung fteüen. @ö finb brei 
^ouptmcrte, loeld^e t)ierbei in grage tommen unb bie jugleid) Dcr^ 
fc^icbene Siid^tungen repräfentiren: bie aSelt^ronif Don ©ebaftiau 
grand, Don So^anneö Garion unb 5ß^ilipp 9Jielantt)on, 
unb enblidj Don Sof)anned ©Icibanu^. ©ie beseicftnen 
fämmtlic^, jebe in iörcr 9(rt, einen gortfd)ritt in ber ?tuffaffung 



186 <5tftc» ®u4 fünfte« ÄcHntct 

unb S)urcl^fü{)run9 bcS 2;^cmaS unb rühren, Xücnigftcn^ tcitocife, 
üon Scannern ^cr, bie ju bcn ausJgcjcic^netftcn , ya bcn crftcn 
unter bcn 3ci^flC"0)fcn gcf)örcn. 

©cbaftian grancf flet)ört ju ben oriflineüftcn ^ßcrfönlid^* 
feiten unb fruc^tbatften ©c^riftftellern , meldte jcnc^ QdtalUx, 
bad an bebeutenben äßenfc^en n)a^rltc^ nid^t arm ipar, gefe^en 
l)at^). Um feine literarische Sebeutung überhaupt, im befonbem 
aber auc^ feine l^iftorifd^en ©Triften ju öerftet^en, mufe man 
feinen n^anbelDoQen Seben^gang Dor Singen ^aben. (£r mar 
1499 in ber bamaltgen Sieic^dftabt 2)onaun)ört^ geboren. 3n 
^eibelberg ^at er ^umaniftifd^e unb tf|eologif^e @tubien getrieben. 
6r t)at jeltfamerweife juerft bcn Seruf cineS fat^olifd^cn ^riefter* 
ergriffen, ift bann jum cöangcnf^cn Setenntniffc übergetreten^ 
jerficl aber balb mit bem fiut^ertum, gab eine ®teQung Quf^ 
bie er ald cDangelifd^er ^rebiger gefunben l^atte, unb jog fic^ 
juerft nac^ 9tämbcrg, 1529 nad^ ©tragburg juräcf unb Dcriegtc 
fid^ auf ©d^riftftcücrci , erfüöt öon ben rabifalen anflehten ber 
äBiebertfiuf er , meiere Sut^er unb äßclant^on atö (Segner aQcr 
^rei^eit unb Verräter bed magren (S^riftentumS erf^ienen. 96er 
gerabe feine SBeltc^ronif, in toelc^er er biefe feine ©entocife rficf* 
l)att(od vortrug unb ^iftorifc^ ju begränben Derfu^te, mürbe 
$$eranlaff ung , baß i^m bie ®tabt Strasburg (lö31) bie ®aft^ 
freunbfd^aft ffinbigtc unb er gejinungen mürbe, fid^ eine neue 
§eimat ju fu^en. 9?un treffen mir it)n ber SRei^e nac^ unb in 
ben ücrf^iebenften 99efd^äftigungen in Solingen, jugleic^ mit 
®d^mentfelb in Ulm, mo er fogar bad ^iBürgerrec^t erlieft unb 
mit ©rfolg neben fortgcfe^tcr literorifc^er 2^^ätigfeit eine Sud^* 
brucferei betrieb, bis er, üon ben ©egnern feiner fortgefe^t be* 



^. ^agen, ^cutfc^Ianbd lit. unb rel. ^crfimtntffe im 9lefonnation^ 
^citaltcr 3, 314— 396. — B. ^ermann © i f c^ o f , @cB. grancf unb bie beutf(^e 
(ä)c)cf)t(^tfd)reibun9. Xübingen 1857. (£. ^. ^afe, 6cb. gfr. ber Sd^nmmu 
gcift. ficipgig 1869. — «irlinger« Alemannia 1876 ff.: Bth, &r. üon 
^onaumcrb, nad) urfunblid^cn Quellen. — ^^l. boutfc^e ©togra))^te sub h. ▼. 
i?on (Jranä ©einfouff. 



^te b. Q^cfc^idjtfc^retb. unter b. Sinmirfungcn b. ^Reformation. @. SJrrand. 187 

fannten unb Derfünbtgten robtfalen (Srunbfäge t)erfo(gt, tro^ ber 
Sajmfd^enfunft ja^lreic^er Sln^änger, and) btefe 3uflud^tftättc 
Detlaffen mugte; wn l^ter tpanbte er fid^ nad) ^a\d, loo er 
feine (tterartf^e unb gef^fiftltc^e 9ßtrffamfett toicber aufnahm, 
aber fc^on im Solare 1542 geftorben ift. 

(£S ift nid^t unfere Slbfid^t, bcd vetteren auf ^rand^ aO^ 
gemeine 99ebeutung unb auf feine Slufc^auungen, fotueit fie eine 
praftifc^e S^enben) Ratten, f)in einjuge^en, fonbern nur infoferne 
ed fi(4 um feine SteQung in ber ©efc^ic&tfc^reibung ^anbelt. 
SfuffaQen mag eS, bag luir mit einem 9ßanne beginnen muffen, 
ber aU ^iftorifer üööig ifolirt innerhalb feiner 3^^* f^^^t, ber 
auc^ atö folc^er ©eifter tpie fiut^er unb äßelant^on ju audge« 
fproc^enen (Segnern, auf feine 3ritgenoffen einen fe^r befc^ränften 
@influg ausgeübt ^at, unb beffen 9eifpie( für bie fommenben 
©efc^Ied^ter unb Sa^r^unberte tDo\)l ober ubel Verloren gegangen 
ift. SBunberbared aber ift nid^td an biefer 3:^atfa^e. ^rancf 
tDar fein iD^ann ber SBiffenfd^aft, er ftanb DöQig auger^alb ber 
gelehrten 5;enben5en ber Qtit, fe^te fic^ überbied ber jur §err=^ 
f^aft gefommenen neuen JHrd^e able()nenb entgegen unb fud^te 
fein eigenes rabifaied, Dielfad^ nur \)em)irrenbed Softem boffir 
an bie ®teOe ju fegen unb ed in ber ®efc^ic^te loieberjufinben ; 
fo fonnte er feinem @d^idEfa(e nid^t entgegen. (Seine „S^ronif, 
3eitbuc^ unb ®efd^i(^tdbibe('\ bie im September 1531 jum 
erften ÜÄale in bad Cic^t trat, fticfe ba^er, wie mir fd^on er» 
tD&f)nt f)abtti, auf gen)altige Cppofition, bie Sradmud eröffnete 
unb bie SBittenbergcr Reformatoren fortfegten, gar nid^t ju reben 
üou (Soc^Iöud, ber fic^ Don feinem ©tanbpunfte ^er in 
biefem gaüe anfc^lofe. grandt gruppirt feinen ©toff in bret 
SIbteilungcn, bcren erftc bie 3^^^ ^or St)riftu§, bie jtoeite bie 
@efc^ic^te ber ftaifer unb bie meltßd^en SSorgänge, bie britte 
bie ber $iäpfte unb ber geiftlic^en §änbel fd^ilbert. S§ ift längft 
nac^gemiefen, bafe grand ba^ SWaterial für feine ®efc^ic^t«bibel, 
um ben bcfannteftcn 9?amen beS SBerfeS ju toiebert^olen, jum 
größten Seile, ol^ne oiel Umftänbe ju ma^en, t)on anberStt)o^cr 



188 ®ntc8 53u*, fünfte« Kapitel. 

entlelint {)Qt unb bog Dor allem bte beutfc^e Überfe|ung ber 
Sd^ebeTfc^en S^ronif ber fetnigen ju @ritnbe liegt. 9[I)nItc^cd 
tft freiließ auä) im SKittelalter üon bem SSetfaffer einer 3E8elt* 
c^ronif gej^e^en, bie lebhaftere unb nad^^alttgere ^nerlennung 
gefunben l^at cid er. 3)er ®runb bed üerjc^iebenen Srfolged 
liegt aber teils in ber augenfälligen felbftänbigeren ^e^anblung 
unb SSerarbeitung beS entlehnten ©toffeS, in bem nid;t geringen 
aRafee ber geleierten Silbung, ttjelc^eö Otto Don grcifingen mit» 
gebrad)t t)at, unb enblid) aud^ in bem Umftanbe, bag er mit 
feiner menn nod) fo bäfteren pl^ilofo))i)ifc^ <> tlieologifd^en SESelt^ 
anfidjt bie Dorljerrfc^enbc (Stimmung feiner bentenbcn ß^tgenoffen 
für fic^ Ijatte. grand jöl^lt ju ben beften ^ofafd^riftftcüem 
bed 16. 3a^rl|unbertd, aber bie abfolute Stb^ängigfeit t>on fremben 
Slrbeiten unb fein intenfiöer SBiberfprud) gegen eine eben fi(^ 
auSbreitenbe neue fittlic^e SBeltanfc^auung n)urbe burc^ jenen 
iBorjug nic^t gut gemacht. @r ftet)t im SJorteil, burc^ feinen 
(S^egenfa^ ju ber alten unb neuen ßirc^e bis }u einem gemi[fen 
©rabe Unpartei(ic^feit j^iidjcn beiben üben ju fönnen, unb man 
t)at bieS auc^ neuerbingS tpieber^olt üon i^m gerüt)mt, aber 
biefer ä^orteil mirb burc^ feinen eigenen fubjeftiuen @tanbpunh 
unb feine fid^ überall Dorbrängenbe aparte äBeltanfc^anung leibet 
iu t)äufig aufgei)oben. @o ^ilft i^m bie nic^t geringe S!)oftd 
gefunben ä)2enfc^enDerftanbeS , bie ii)m t)on ^aufe aud offenbar 
in bie SlMcge gelegt »ar, bei feinen f)iftoriograpl)ifci^en An* 
ftrengungen gar ju n^euig, meil i^m bie SBillfur feiner Senbeni^n 
immer mieber in ben Sßaden fc^lagt. 3Bir mollen eS unterlaffen, 
l^iev eine Äritit an biefcn feinen Jenbenjen ju üben , aber baS 
n?irb man jugeben, baß eS nic^t Aufgabe ber ©efd^ic^tfc^reibung 
ift, ^ixx biefeS ober jenes ©Qftem üermenbet ju toerben. S^oju 
nun ber fc^on gerügte ÜRangel einer auc^ nur t)albn)egd auS* 
reic^enbcn gelehrten 93ilbung unb einer mäßigen fritifd^cn SBe* 
fä^igung. ©0 finben fid^ bei i^m arge SJiifeoerftänbniffe, bie er 
feinen Cuellen uad)fc^reibt unb gelegentlich ein anbereS 9RaI 
mieber^olt. 85?aS bie oft gcpriefcne i?oIfStümlid)feit ^Jrandd in 



3)ic b. QJcfc^i(^tf(^rcib. unter b. (5inn)irtungcn b. SReformotion. @. Srancf. 189 

Sejug auf feine ^iftorifc^en ©Triften, unb gerabe au^ feiner 
2Beltbt6el anlangt, fo fann man jugeben, bag er eine nic^t ge^ 
meine Stntage ju einem uolfötümlic^en Sc^riftfteDer über{)aupt 
befag, unb geben luir ju, bag auc^ ^ter mel)r aU einmal befted)enbe 
öetoeife einer fold^en Einlage unb ed^t öottetfimlic^er S^arftellungd^ 
fünft gegeben mürben : aber biefe^ atte^ ift Don ju öielen anberen 
ber ed^ten SSoItötfimlid^feit iDiberfpred^enben 3"^^^^^" begleitet, 
als bag ed eine burc^fd^(agenbe unb ed^te SBirfung ^ättc übtn 
fönnen. ä[^n(ic^ ift ed mit ber oft burd^bredienben Steigung jur 
reflettirenben (Sefc^ic^töbetrac^tung, bie fogar in ben f^einbar ge* 
lungenften ^^fiden nid^t einmal origineQ ift, ed mirb aber ju 
bejtoeifeln fein, ob biefe 3trt ®efd^ic^tSbetrad^tung für bie SSoIfö* 
tömüd^feit eineS @efc^tc^tdioerfeS bie miffenfc^aftUc^e ®runb(age 
bcdfelben erfe^en fann. @ö muJB barum met)r aU jmetfel^aft 
erfc^eincn, bafe in ber SSerfoIgung ber öon grandf betretenen 
©a^n, bie angeblid^ t)iel ju fc^nett mieber üerlaffen morben ift, 
bad $eU ber beutfd^en ©efd^ic^tfd^reibung gelegen l^abe. ^aS 
©erf grandS ^at t)ielmef)r feine anbere Iiterarf)iftorifc^e JBebeu^^ 
tung, aU bajs mit i^m Don einem originellen Stopfe ber SBerfud^ 
gemad^t mürbe, bie Söeltgefd^ic^te auf ®runb beS überlieferten 
©toffeiJ im ©inne einer fc^ted^terbingS fubjeftiüen, üon einer ge^ 
ringen SKinorität uertretenen 2)enfmeife mit nic^t gemö^nlic^en 
SRitteln ber formellen 83et)anblungdtoeifc barjuftellen. S)ie mirf* 
lic^e unb bleibenbe Sebeutung bed äRanned felbft liegt auf einer 
anberen ©eite^). 3Bir merben jeboc^ Gelegenheit t)aben, auf i^n 
noc^ ein paar Ttak jurücfjufommen. 

aSä^renb bie ®efc^ic^t«bibel ©. grancfS mit iljrem SBerfaffer 
unb nod^ mef|r mit ben t)on i^m vertretenen ^nfc^auungen fd^nell 
in 33ergeffent)eit geriet, erfc^ien f^on baS 3a^r barauf ein jmeiter 
SBerfuc^ einer allgemeinen ©efc^ic^te, meld^er aber ben aufeer* 
orbentlidjften ®rfolg ^atte, eine 3leif)e oon Sluflagen erlebte, gört* 
fegungen, Überfegungen unb enblid^ eine 9?eubearbeitung erfuf)r, 

*) ^q{. über tSrronc! aiic^ 91 öftrer in feinci ®c)d)t(6tc ber Üf^ationalöfüs 
noniif in 3)eutfd)lQnb 8. 91 -96. 



190 Grftc§ S8u4 fünfte« ^opM, 

bic bcn 9?amcu cincö bcr erftcn unb gcfciertftcn STOänncr SJeutjd^* 
lanbd jutn Urheber t)atte: nömli^ bte S^ronif bed Soljanned 
Garion. 

S)cr SSerf affer toar ein origineller fiopf toie grand, ftanb 
jebod^ unter gan^ anberen Smpulfen unb Soraudfe^ungen, ntc^t 
ber 9)?ann beS $otfed, fonbern bed $ofed, unb }ug(ei(l^ boc^ 
eine bebeutenbere ^erfönlid^feit, aU loofür man t^n fieser ju 
Ijalten ftd^ gemötint f)Qt^). @r toar geboren am 22. ÜKärj 1499 ju 
99ietigf|eim im bamaligen ^erjogtum SSSirtemberg. S3on feinem 
^itbungdgang ift nur befannt, bag er ju SBittenberg ftubirt f)at 
unb bort Sßagifter gen^orben ift. 3)er Umgang mit ÜKelant^on 
^at auf it)n mie auf ^unbert Stnbere einen bleibenben (Sinbmcf 
gemad^t. ©ein ^auptfad^ maren 3Ratt)ematif unb Äftronomic, bie 
nad^ ber (eibigen @itte ber Q^xt nic^t o^ne aftrologifc^en JBei- 
gefc^mad loar. 3n fe^r jungen Safjren treffen loir it)n alö ^of* 
matf)ematifu^ ober, loie anbere fagen, ^ofaftronomcn bei^ ftur» 
fürften Soad^im 1. oon Sranbenburg, ber betanntli^ ein ebenfo 
großer greunb ber SBiffenfc^aften aU ftanbf)after Anhänger bc8 
a(ten ©laubenS toar. (£d erf^eint jebod^ geloiBr bag (Earion 
in lejjterer ^Jrage auf Seite 9WeIantl)onö unb nicf|t, toie man 
Dermutet l)at, auf ©eite feinet §crm ftanb*). S(ud^ ju ^erjog 

») 5SgI. ® . 5. © t r b c l , aKiSccttanccn Iitcrorif(^cn Sn^olt« 6. eamnu 
lung OJiümbcrg 1782) @. 139—206: ,,?Son GorionS Scbcn imb ©Triften.*' — 
Adami, Vitae Philosophorum p. 48. — Corpus Beformatorum XII, 
707—740. — 3ol&. ^oigt, SBricfmcd)fcI bcr bcrii^mtcftcn ©cld^rtcn bc# 
3citQltcr§ bcr [Refonnation mit ^er^og ^Ibrcdjt Don ^rcii|icn. ^Beitrage jur 
©clcl^rtcn«, Äirc^cns unb poIitifct)cn ©cfc^ic^tc bcS 16. Qa^rl^unbcrt« au% 
Criginolbricfen biefcr ^cit (ÄönigÄberg 1841) 8. 139—160: ,,30^. daxion." 
(3Rit fe^r Ic^rrcid^cn SKittcilungcn über Gorionö fiebcn.) 

*) G§ bürftc boS ouS einer ^Sufecrung GarionÄ in feinem Sdbrtiben an 
^erjog Sllbrecftt Don ißrcuöcn, d. d. 2<J. Slpril 1536 (bei 5Soigt a. a. C. 
<B. lf>8) bcrüorgcfien. ^r fcftreibt bei ©elegentjcit cincS ©cfud)cS beö ^Berliner 
$>ofe§ in ^alle: ,,bcr ^urfürft l^at \>a^ 8acrament luic üon 9(Iterd ^er gc« 
nommen, unb möchte id) mol leiben^ ba\i Q. ti. &. i^m eine (Sorrcttion 
(einriebe, bodj ol^nc micb ju melben. ^^(ü fein ©inn unb öemfit^ fteftt jcft 
jum neuen 2)om, ^fafferei unb anberem 9?arrenmerf, ©loden unb X^urm- 
bouen u. f. \v/' 5ßgl. aucft feinen Sörief 00m Sö^te 1533 an C^crjog 9l(bred^ 



^te b. dkfc^ic^tfd^retb. unter b. C^inmtrfungen b. dtcfomtatton. CS^arion. 191 

?tI6rcd^t t)on ?ßrcu§cn ift ßarion Don 1527 an in na^cr Sc- 
5ie^un9 ; ?ttbrc(^t toar ja ebenfalls ein gdctirter, aber Don aftro«» 
logifircnbcn Steigungen tief erfüllter gürft. @r fc^ä^te ben 
^ftronomen jeboc^ jugleic^ noc^ um anberer Sigenfd^aften ii^iQen. 
Marion xoax offenbar ein geluanbter ©efd^öftdmaun unb luurbe 
bal^er t)on bem Äurfürften Soad^im unb beffen SRad^foIger 5U 
mehreren biplomatifc^en ©enbungen, n)ie j. 99. nad^ ^open^agen 
unb an ben po(nifc^en ^of Dem^enbet, n)ie er auf ber anberen 
©eite tjon Sllbre^t nebenher aU beffen ©efc^äftgträger am 
berliner §ofe in Seftallung genommen »ar. 9?ac^ allem ftanb 
iEarion nod^ eine reiche 33)ätigleit in Slugftd^t, er flarb aber 
fc^on in ber erften §älfte SKprilö 1537 jur Überrafc^ung feiner 
auswärtigen greunbe rafd) baf)m^). @ö l^at beinatie ben 9fn« 
fd^ein, al§ fei fein Äörper ben Stnforberungen, bie baS §of(eben 
jener 3^it ju ftellen pflegte, nid^t genjac^fen gett^efen*). 

3)ie Sef^äftigung mit l^iftorifc^en S)ingen lag einem ÜÄanne 
tuie Marion, ber nod^ baju burc^ bie ÜRelant^onifdje (Schule ge^ 
gangen toar, ber in ber 9?ä^e eineS toiffenfc^aftlicfi angeregten 
Surften lebte, ber juglcic^ eine pol^j^iftorifd^e SBilbung befafe 
— er toar auc^ SJoftor ber 9)?ebiäin — , ber überbie^ in praf== 
tifd^er ?ßoIittf fi^ befähigt erliefen ^ot, man barf baS annef)men, 
in feiner SBeife ferne. Um baS boc^ nebenher ju ertüä^nen, er 
trotte aud^ Qeit gefunben fid^ mit ber SBappenfunbe absugeben 
unb njurbe Don ^crjog Älbred^t Don ^r. aud^ ju biefem Qtotdt 
JU SJate gejogen^). S)ie SSeranlaffung ju feiner ß^ronif tt)aren, 
loie er in bem SSibmungöfd^reiben an ben Surfürften Soac^im 



bei 93 igt a. o. O. @. 148 b^to. 150 oben, über feine SBegrüftung iJut()erd 
«nb 3KeIant^ong, u. jonft. 

. ») SJoigt a, a. O. @. 160 Slnm. 2. 

«) SJoigt a! a. O. @. 150 fd)rcibt er d. d. 26. %\>x\i 1526 on ^erjog 
"Sllbrec^t Don ^r. über ben Söefuc^ in ^afle: „— ®ir anbem aber l^otten eine 
fol(^e ^artem^oc^e unb Ofteni, ba^ feiner niid)tern ju SBett gef|en fonnte. 
Ratten tüxx a\ic Xage gefaftet, ed luöre und an Seib unb ®ee(e gefünber 
^emefcn.*' 

») 5Boiqt a. a. O. ©. 159. 



192 GTftcS S8u(^, fünfte« ^üpittL 

fc^rcibt, tpicbcrf)oIte äufforbcrungcn üon ^teunbcn, er möge einert 
furjgefogten Stu^jug auiS ben S^ronifen i)tt\k\itn, auS iDelc^em 
man bte totc^tigften Sreigniffe in georbneter ®efta(t fiberfe^en 
imb fcnnen lernen fönne, unb loegen ber 9hi^Iid^fett etned fo{(^en 
Unternehmend ^abe er fic^ jenem SSSunfcl^e ntc^t entjie^en moQen. 
8(ber tro^ aller ScreitoiHigfeit, mit toclc^cr er an bic ?fr6eit 
ging, toar in btefem ^aQe fein @elb[tuertrauen boc^ fo gering, 
baß er e^ für angejeigt ^ielt, bie G^ronif, ate er fie fertig gc» 
fteüt ^atte, feinem Se^rer fflfelantt^on jur Surc^ftc^t unb Über* 
arbeitung ju überfd^iden *). ©c^on einmal, als üiet jüngerer 
"SJlann, toav an äßelant^on bte Slufforberung herangetreten, ba^ 
3Serf eine« anberen ju reöibiren unb ju oerbeffem: bte 6l|ronit 
be« 3of)anneä SRaucleruS meinen wir*), ©eine Steigung 
xoax nun fortgefegt in fo ^o^em @rabe auf bie ^iftorie gerichtet 
unb er ^atte jugleic^ eine fo ^o^e ^orfteüung oon ber erhabenen 
iöeftimmung berfelben, bag er ber Sitte feines ©c^filcrS o^ne 
'Biberftreben nac^fam. 3)ie ©c^ioierigfeit , bte fic^ aud biejcm 
4)ergange ergibt, ift nun leiber bie, bag wir nic^t im ©taube 
finb JU beflimmcn, toaS an SSerbicnft an biefem 3Berfe Sarton 
unb was feinem äßeifter jufommt. 2)ag SDJelant^on ben ftörper 
beS Garion'fc^en ©ntwurfcS befte^cn ließ, unterliegt feinem ß^etfd,. 
aber ni^t minber gewife ift, baß er mef)rfac^e Skrfinberungen 
vorgenommen unb auc^ bie t^orm beS 3BerfeS umgeftaltet ^at*). 
@cnug, 9)?elant^on l^at biefe Überarbeitung üoUjogen, bie beutfc^ 



^) 3RcIant^on fd)retbt am 12. Sunt 1531 barübcr an damcranud- 
(Cori)us Reformatt. 11^ 505): „Carion misit huc j^oot'ixa excudenda. sed 
ea lege, ut ego emeudarem: Sunt multa scripta negligentius. Itaqoe 
f go totum opus retexo, et quidem germanica, et constitui complecti prae* 
cipuas mutationes maximorum imperiorum.** 

2) @. oben S. 61 ff. 

^) Schreibt et ho&j im Januar 1532 an 9nton (lomtnuS: Mitto tnii 
chronicon, in quo etsi sunt mei quidam loci, tamen ipsa operis sjlTa 
noa est mea. Misit enim Carion ad me farraginem quandam negltgentinB 
concervatam, quae a me disposita est, quantnm quidem in compendk^ 
lieri potuit. (Corp. Ref. II, 561.) 



5)lc b. ©cfc^d^tfc^rctb. unter b. ©nwirfunöcit b. DfJcformation. GTorion. 193 

©prad^c, in »clever bic S^ronif urfprflnglid^ abgefagt mar, be* 
fte^en laffcn, unb bicfelbe trat im Sa^re 1532 ju SBittcnbcrg an 
baS ßi^t. SSon einem Anteile STOelant^on» an bem SBerfe fagt 
©arion felbft nic^td, e§ fonnte aber bei bem regen gelel)rten 
SSerfe^r beSfelbcn unb bei ber Dffenf)eit, mit toelc^er er über 
biefe Slngelegen^eit fic^ äußerte, nic^t fel)lcn, bag baö toirflic^e 
©ac^üerl^ältnig f^neU überall befannt würbe. S)ie SBermutung 
liegt fogar na^e, ba§ gcrabe biefer Umftanb ju bem außerorbent^ 
lid^en Srfolge btefed SBuc^e8 nic^t ipenig beigetragen f)at. ®enn 
einen folc^en l^at ed in ber XI)at gehabt: baS beseugen bie 
tt)ieberI)oIten 9luflagen, gortfe^ungen, Übertragungen ni^t blog 
in baS SRicberbeutfc^e unb flateinifd^e, S^anjöfijc^e, fonbern fogar 
in baiS ©panifc^e mit ^inl&nglic^er 2)eutlid^!eit^). Unter ben 
SSorjügen, toelc^e jenen @rfoIg erflären Reifen mögen, mu§ bic 
Stbfaffung ber Sfjronil in beutfd^er ©prac^e immerhin ermStint 
toerben; eiS gab in ber %f)at bamaliS fein fompenbiöjeg 9Ber! 
ber 2Irt, baiS bem Sebürfniffe aud^ ber 9?i^tgelel)rten f^attt ge^ 
Tcd^t »erben ttnnen; bie balb erfolgte nieberbeutfd^e Bearbeitung 
beutet benn auc^ in biefe 3iic^tung. 35ie fompenbiöfe t5öff"ng 
muB o^ne 3^^^f^t mit in bie SBagfc^ate gelegt »erben, ©o 
öüluminöfe SBerfe, »ie ?;. ©. bie St)roniI ^artmann ©c^ebeli^ 
toax, fonnten bod^, tro^ ber Übertragung in bie SKutterfprac^e, 
nid^t jebermann jufagen. SBeiter^tn mug man jugeben, ob bad 
nun Sarion^ ober SKelant^onö SSerbienft fein mag, bie gorm 
ift nid^t ungefd^idEt unb bie 9(udn)a^I unb @ruppirung beS 
©toffed öerrät eine nic^t ungeübte §anb. 5Bie ©nfleibung be- 
toegt fid^ nac^ ber l^erfömmlic^cn ©c^ablone, bic fl^ ja auc^ 
noc^ (Snger bef)auptet ^at unb nid)t o^ne f)arten Jiampf über« 
njunben tourbe. S)ad SBerf jerfSIIt in brei SBüd^er, üon'toelc^en 
bad erfte Don 9(bam bid auf ^bra^am reicht, bad jweite fic^ 
an ba^ S)anierf(^e ©c^ema öon ben öier 9D?onartf|ien anfcf)Iic6t 
unb bie ©ef^id^te bid Sluguftud be^anbelt, ba8 britte enbli^ 



^) ©trobel (u a. O. @. 165 ff. ^ 

0. SB c fl c I c# M^tc ber bentfcfeen ^flotioflTapbic 13 



194 ©cftcä Suc^, fünfte« StapM. 

ftc^ big }um Sa^re 1532 fortfegt ; ^ier fte^t nad^ ber Statur be# 
einmal geiDä^Iten (Sd^emad bie beutfc^e ©cf^tc^te im 9}2ittelpunft. 
S)ie S)QrfteIIung ift jtpar o^ne )DefentIid)e Criginalitftt, ober mit 
tpol^lt^uenber 99el^aglt(^fett unb 9hi^e gehalten: ^ fann audf in 
biefer Seiiel^ung feinen größeren @egenfag geben ci^ @. ^andd 
©efc^ic^t^bibel unb Sariond S^ronif. t^reilic^ f)at iD^elant^on 
im übrigen toof)! fd^on bomalS gefüllt, bag noc^ t)ieled an biefer 
5U t^un fei, toenn fie ^ö^eren Slnfprüd^en genügen folle. SBie 
\)odf er fie aber auc^ fo ^ielt ober toie lieb fie i^m gemorben 
luar, ge^t aud bem Umftanbe l^erDor, bag er fie bd feinen %op 
lefungen über ©efd^ic^te ju (Srunbe legte. 2)aS toar aber juglei^ 
in ber S^^at ein äßittel, am fic^erften ju erfennen, too bie ©c^mSd^en 
unb SüdEen bed SBerfeS lagen. Sefanntlid^ ift iD^elant^on auf 
biefem SBege ju bem Sntf^luffe geführt toorben, biefe erfte 
(Earion'fc^e S^ronif, bie beffen Flamen immerhin mit iiemlid^em 
SRec^te fül^rt, einer ooüftanbigen Um- unb 92eubearbeitung }u 
unterwerfen. Unb in ber 3;^at cntftanb fo ein ganj neue« SBerf. 
@^e loir aber t)on biefem unb Don SDJelant^ond SBer^&Itniffe 
}ur @)efc^ic^tfd^reibung überf)aupt bed nähern reben, motten tt)ir 
eined ^ortfegerS ber urfprüngKc^en Sarion'fd^en (S^^ronif ^tcr mit 
einigen SBorten gebenfen. 6d ift bad ein burd^ fein fpfiteie^ 
@(^ic{fal merhoürbig gett)orbener ÜKann, beffen ©eb&d^tnid g^ 
rabe in neuefter S^it nad^brüdtli^ aufgefrifc^t loorben ift, nfimltc^ 
So^annei^ gundt (gundte, guncciu^), in SBfl^rb bei SUtmberg 
1514 geboren^). SDerfcIbe ^atte in SBittenberg ftubirt unb toar 
im Saläre 1543 ^rebiger in feinem ©eburtöorte getoorben. 3n 
biefer ©teQung Derblieb er bid jum Sa^re 1547 unb na^m bann, 
meil er fid^ burc^ feine ftarfe Parteinahme gegen ben ^aifer im 
fc^malfalbifd^en Kriege fompromittirt füf)Ite, feine Sntlaffung. 
iBon 92ürnberg unb SBittenberg aud em))fo()(en, rief i^n bann 



») Sgl. e. «Ifrcb ©afc, ^crjog 9llbrc# öon ^rcuften unb fein ^f^ 
prcbigcr u. f. ». Sei^aiglSTa — SBiII = iWopiti(^, 9Jürnber0.©el.«SJcjirottI.— 
3J?üUer: in ber 31. beutfd)cn SBiograpftic s. h. t., too man aud) bie übrige 
Literatur angeführt ftnbct. sm 



^tc b. ®ef(!^t4tfc^t6. unter b. ^tnmiTfungen b. ^Reformation. 3. gfuncf. 195 

ber £)eriog 9(I6re(^t t?on ^eugen in feine S)ienfte: ^ier I)Qt er 
auc^ am $ofe eine einflugret^e ©tetlung gefunben, aber, in bie 
t^eologifd^en unb poütifc^en ©egenfäge bed Sanbei^ )u tief Der« 
toidüt, im Salute 1566 ein trogif^ed (Snbe auf bem (S^afotte 
genommen, fjrund ift bereite Dor feiner Überfiebelung na^ 
$reugen literarif^ t^&tig gemefen. @c^on im Saläre 1545 I)at 
er ben erften Seil eineiJ in lateinifc^er Sprache üerfagten aü* 
gemeinen ©efc^id^tdmerfed erf^einen laffen, ber bid (S^riftud 
^erabreid^t^). S)en jmeiten %Äl t)at er in ^önigdberg auS.« 
gearbeitet, jebo^ ift berfelbe nic^t gebrucft morben. äBie fc^on 
ber Xitel befagt, ift in bem 93uc^e bad ^auptgemid^t auf ben 
^rono(ogifd^en unb nic^t auf ben ^iftoriograp^if^en ©efic^tS^ 
ptmlt gelegt: ed nähert fic^ me^r ber ^orm einer aUgemetnen 
©efc^ic^tdtabede in größerem @tile, ift mit Sinfic^t unb jugleic^ 
einer nic^t 5U Derfennenben S^enbenj bi^ponirt unb barum auc^ 
mit 99eifaQ aufgenommen loorben. S)ie äSorrebe atmet beutlic^ 
bie melant^onifc^e @^ule unb Slnfc^auung aber äBefen unb Qtotd 
ber ^iftorie, todd)t biefer loieber^olt aui^gefprod^en Ijat ^undd 
^(udgabe ber Sarion'f^en S^ronif fü^rt biefe in feiner ^ort^ 
fc^ung t)on 1532 biiS 1546 ^erab. ©eine 3"iö^e unterfc^eiben 
fic^ oon ber objeftiDen Haltung (£arion^9)?elant^ond burc^ einen 
freieren fubjeftioeren Son, ber inbed 3J7eIant^ond SJilligung nic^t 
gefunben f)Cit^)^ 

2)iefe Sarion'fdEje (Sf^ronif ift nun, tro^ bed i^r geloorbenen 
ungen^ö^nlic^en @rfoIged, burc^ bie DöQige Umarbeitung, bie i()r 
SKelant^on in ben legten Sauren feined Sebend angebei^en lieg, 
öoUftänbig in ben ©d^atten gefteflt toorbcn^). 3n SBittenberg 
t^errfc^te feit ber ©ränbung ber Unit)erfität äberi)aupt ein rege^ 



*) Chronologia hoc est omnium tcmporum et aunorum ab iuitio 
mundi usque ad resurrectionem D. n. Jesu Christi computatio. 

«) ©trobcl 0. a. O. ©. 166 ff. 

8) »gl. ^orri) SBrctfc^nciber, 3RcIanc^t^on alS ^iftoritcr. iün 
Beitrag jur ^enntniß ber beutfc^cn ^iftoriogrop^ie im 3^i^<t^^^^ ^^ ^uma« 
niömud. Programm be8 f. öi)mnaftumiJ 5U 3nfterburg. 1880. 

13* 



196 Srftc« S3u4 fünfte« ^üpM. 

Sntercffc für bic ©cfd^ici^tc. 3n todd^cm ®rabe gricbri^ b. SB. 
biefcö teilte, ^abcn toii bereite berührt, ©elbft feine l^iftorifc^en 
Äenntniffe innerhalb eine^ beftimmteti Äreifed toaren für einen 
äRann tt)ie er nic^t flering; bie Stellung ©palattnö in feiner 
9?ä^c ruf)te mit auf feiner JBrauc^barfeit für bie ©efriebigung 
biefer Idblid^en Steigung feinei* §erm. 9(n Anregungen unb 
llnterftügungen in biefer 92ic^tung f)at ed ber ^rfürft nic^t 
fehlen laffen^). S)ie Sieformation unb bie üon i^r au^gel^enben 
Kämpfe mugten notn^enbigertt^eife bie ^efd^äftigung mit ber ®e^ 
fc^id^tebegünftigen, baöStubium, bie @rf orf d^ung berfelben anfeuern 
unb beleben, ©o mand^er ber SReformatoren ober if)rer ?ßartci^ 
ganger nimmt aud^ in ben 9lei()en ber ©efd^id^tfd^reiber einen 
^la^ ein. 93on 2nti)tx felbft !ann man biefed jn^ar nic^t 
fagen, feine ^enntniffe nid^t blog in ber ^rc^engefc^id^te toaxtn 
inbeö tt)irflid^ gto§, toie jeber Sfenner feiner 2?erte beseugen 
mufe. ®r f)ätte, toie bad einjelne ©teilen ober ©rud^ftüdc er» 
^firten, in einem ganj anberen ©rabe a(d @. ^rand bad y^tuQ 
}u einem öolf^tümlid^en ^iftorifer gehabt, tt)enn je feine SBeftim* 
mung auf biefem g^Ibe gelegen bätte. 9Son bem SBerte unb ber 
fittlic^en Äraft ber (Sefc^ic^te unb bem ^of)en SBerufe beö @e« 
fd^idjtfd^reiberö ^atte er bie ebelfte SSorfteÜung , ttjenn er aud) 
über bie miffenfd^aftlidje Aufgabe berfelben fo ttjenig nad^gcbac^t 
hatte afö bie meiften feiner ^^itgen offen. (£r pit bie Senntni^ 
berfelben für aDe 9)^enfc^en l^od^ t)onnöten; „barum aud^ &ott 
felbft eine fold^e S^ronica feiner Äird|e für unb für geben unb 
barinnen allein erfialten ^at"*). „SBer ni^t ganj toüftc unb 
gottlob ift, ber foQ gerne jurüd gebenfen unb lernen, toa^ Don 
folc^ ^ol^en unb grogen ©ac^en Dor Sllterd burc^ tt^a^rf^afttge 
3eugen üer jeid^nct ift. " ^) S)ie ß^ugniffe ber S?ergangenf)eit muffen 
ba{)er überall gead^tet njerben. «S^erac^tung folc^er ©d^riften 



*) 5Bgl. D. Buder, de Friderico III. Sapiente, Saxoniae Electore, 
Uistoi iarum Patrono et Propagatore oratio. Jenae 1731. 
@. 3B. 14 6. 1106. 
3) gbcnbaf. ®. 1107. 



^ie b. (S^ef(^tc^ti(]^rci6. unter b. Q^inmirtungcn b. 9leformation. Sut^cr. 197 

unb Srinnerung t)on ^iftorien unb il^rer Crbnuiig finb ttic^t 
aQein eine grobe, tartarifc^e unb ctjclopifc^e Barbarei, fonbern 
eine teufüfc^c Unfiunigfeit, baburc^ ber SIeufel gern tooUte red)te 
®ottedertenntni| toeiter unb mcl^r audlöfd^en."^) ®r ift fo erfüllt 
t)on bem Stufen ber ©efd^id^te, bag er »erlangt, aQe 9{egenten 
unb &dt\)xtm, jeber nad^ feinem ©tanbe unb feinen Straften, 
foüen für bie §erfteüung „rechter S^ronifen unb ^iftorien" 
forgen unb fie auf bit 9tac^fommen t)ererben^). 3ft bie ©ef^id^te 
tod) DoQer n^amenber S3eifptele, ba^ ba^ Söfe fd^on in biefem 
fieben beftraft n)irb^). ©priest hod) ber l^od^berä^mte SSarro, 
bag bie aUerbefte SBeife ju (e^ren fei, „toenn man ju bem SSJorte 
JBeifpiel ober (&itn\pd giebt"*). „S)arum", ruft er aud, „ift 
ed ein fe^r föftlid^ 2)ing um bie ^iftorie, benn toaS bie $^iIo* 
fop^ie, meife Seute unb bie ganje 93ernunft (e^ren ober erbenfen 
ESnnen, bad jum e^rUc^en Seben nü^Iid^ fei, bad giebt bie 
^iftoric mit Sjcem^el unb ©efc^id^te gen^altiglic^ , fteQet ed 
gleic^fam t)or bie ^ugen, a(d loöre man babei, unb fe^e ed alfo 
gefc^e^n.*' — „Unb »enn man'^ grünbli^ befinnt, fo finb au^ 
ben ^iftorien unb ©efc^ic^te faft aQe Siedete, ^nfte, guter yiatff, 
SBamung, 3)räuen, ©c^redfen, 3;röfte, ©tärfe, Untenid^t, gür^ 
fi^tigfeit, äBei^^eit, j^ug^eit fammt allen Slugenben — als aM 
einem lebenbigen Brunnen gequoQen; bad mad^t, bie ^iftorien 
finb nid^td anbereS, benn Sn^eigung, ©ebäc^tnig unb SRerfmal 
göttlicher SBerfe unb llrt^eile, loie er bie SEBelt, fonberlic^ bie 
SKenfc^en, erhält, regiert, ^inbert, förbert, ftraft unb e^rt, 
nad^bem ein jeglicher öerbient S3öfeS ober ©uteS." — „S)arum 
finb au^ bie ^iftorienfc^reiber bie aQernü^lid^ften Seute unb 
beften 8ef)rer, bafe man fie nimmermehr genug fann ef)ren, loben 



») ebenbaf. @. 1108. 

«) Sbenbaf. @. 1108. 

») ebcnbnf. @. 1109. 

«) (Sbenba). 8. 354. ^te folgenbcn ^ä^e aud Sut^erd iBortvort ber 
öon 2 Inf 1539 bcforgtcn Übcrfcjung ber üon dapelia ücrfafetcn ^iftoric 
beö $>et)ogd ^an^ ©for^a oon ^ailanb. 



198 (Srftcd ^u4 fünftes StopM. 

ober banf jagen, unb foQtc hai ein SBcrf fein ber arofecn ^rren, 
ali Äaijer , Äönige u. f. to. , bic ba if)rer 3^it ^iftortcn mit 
gleig Hegen fc^reiben, unb auf bie Stberei Dertpa^rt, beilegen, 
auc^ fid^ feinet Jtoften laffen bauern, fo auf folc^e fieute, fo 
tüchtig baju mären, ju erhalten unb ju erjie^en gingen; toit 
man fielet, fonberßc^ in ben SBfic^em ber Slic^ter, ^nige unb 
ilt)xomkn, bag bei bem jübifd^en 93oI( fold^e 3ßeifter ftnb ge< 
ftiftet unb gehalten geiueft, auc^ bei ben Jtönigeu in ^erfien, bie 
fold^e Stberei gel^abt ()aben, aU man au$ bem ^nä) Sfeu unb 
yitf)cmi& lüo^l entnehmen fann. !Da}u heutigen Xagei^ bie ^flrften 
unb Ferren mügen i^re Sanjiei ^aben, barin fte i^re eigenen, 
unb beibe neuen unb alten Sachen aufgeben unb beilegen; txnt 
t)iel me^r folt man bie ganje Qeit aber i^rei^ Stegimentd eine 
^iftorie um aQen, ober jum n^enigften Don ben gen^ogenften 
Sachen faffen unb ben iRad^fommen hinter fid^ laffen, benn koa^ 
^aben toir 2)eutfd^en me^r ju Hagen, bag loir unferer SSorfa^rcn 
t)or taufenb Sauren ©efd^id^te unb Stempel nic^t ^aben, unb 
faft nic^t tt^iffen, koo loir ^rfommen finb, o^ne toa^ toir anbetet 
Stationen ^iftorien braud^en miiffen, bie t)ieneic^t me^r aui 9lotff 
aU ju i^rer (S^ren unfer muffen gebenfen.'' Sr toeig ti koo^I, 
bie ©efc^id^te fte^t nid^t ftiO: „SSkU ©otted SBerf o^ne Unterlag 
t)or fic^ gel^t, loie (S^riftuS fpti^t, ,9)7ein äJater n)ir{et bis ba^ 
unb id^ aud^^ (3o^. ö, 17), fo fann ei^ nid^t festen, ed mug ju 
jeber Qtit ettoad 97{erflid^ei^ gef^efien fein, bad loir billig metfen 
foOten.'' 2)ie ©ac^e ift aber nid^t leicht: „Sd gehört ^ieju ein 
treffüc^er 3Jlann, ber ein Sötoen^erj ^abe, unerfd^rocfen bie 
äBabr^eit ju fc^reiben, benn bei^ mehreren ^i( fc^reiben alfo, 
ba| fic i^rer Qtit Safter ober Unfall ben ^erren ober ^reunben 
■\u SSittcn gern fc^ttjeigen, ober auf'Ä Sefte beuten, n)iebetum 
geringe ober nichtige Xugenb aUju ^od^ aufmu^, — bie 
^iftorien fd^mücfen ober tabeln, barnac^ fie Semanb lieben ober 
feinben." 

äJ^an füf)lt fid^ biefet Snf^auung gegenfibet boppelt ge« 
brungen ju bebauem, bag Sut^er nic^t irgenb eine langatmigere 



^e b. d^fc^ic^tfc^reib. unter b. C^ntoirfungen b. 9iefonnation. fiut^er. 199 

l^iftorifd^e ftom^ofttton üerfud^t l^at ; bte religiösen äRotiDe toürben 
itoax überall noc^ bte nationalen äberluogen l^aben, aber ebenfo 
oft tt)ürben fie mit biefen jufammengefallen fein, unb überhaupt, 
befjerrfc^t bie rcligiöfe Sluffaffung nid^t in irgenb einer ®eftalt 
bie ganje ®efd^i(^tfd^reibung ber 9{efonnationdieit ? 3n ber 
X^at ^at Sut§er nac^ STtelant^oni^ 3^Sui^ ^i^ Slbftc^t ge()abt, 
tt)enigften8 fem Seben unb Slingen felbft ju bef^reiben, unb nur 
ber Zob ^at il^n baran Derl^inbert, feinen Sntfd^Iug aui^juffi^ren. 
2)iefe Slutobiogrop^ie loar befttmmt gemefen, bie Einleitung bed 
2. Seiled fetner gefammelten SBerfe ju bilben^). Sd ift genrig 
fein geringer Serluft, ber fic^ an baS Unterbleiben bei^ ^ojefteS 
fnäpft: bie ißeigung, nid^t blog bai^ fieben britter, fonbem bad 
eigene }u bef^reiben, ^ar, toie toir fc&on ^eroor^oben unb an 
feinem Orte iQuftriren loerben, überl^au))t in 3^0 getommen; 
Sut^er lofirbe fieser in ^lammenjfigen bie ©efd^ic^te feined SebenS« 
gangeS unb feiner inneren (£nttt)idlung ntebergefd^rieben l^aben. 
Unter bem, n^ad i^n tote bie meiften feiner benfenben 3ritgenoffen 
nad^ ber politifd^en ®eite ^in ^öd^ft lebhaft ergriff, n^etl ed bie 
9{ert)en feined innerften SBefeni^ traf, ftanb bie Xfirfenfrage obenan, 
äßan tm%, toie biefe t^tage in unferer Siteratnr jener Qdt bie 
mannigfaltigfte Se^anblmtg erfahren ^at ; am (eb^afteften oieQeid^t 
befd^äftigte ft^ bie ^iftorie mit i^r. @o ^at benn Sut^er eine 
folc^e, oor geraumer 3^^ ^^ lateinifc^er @prad^e abgefaßte 
©d^rift über bie „®ebräu(^e unb ©itten ber Surfen" im Satire 
1530 lieber neu auflegen laffen unb mit einer SSorrebe oerfe^en, 
bie in berfelben Sprache gefc^riebcn »ar. Diefe oon Sut^er be* 
forgte Sudgabe bed Originale fammt ber SSorrebe ^at bann 
©. grandf aud freien ©tüdfcn ind 3)eutfd^e übertragen unb f)k 



^) Corpus retbrmatt. VI, 155; „Spem nobis fecerat Reverendus vir 
Martinus Lutheras, et curriculum se vitae suae, et certaminum occa- 
siones in praefatione huins partis suorum monumeDtorum narraturum 
esse. Quod fecisset, nisi priusquam offiduae typographicae hoc Yolumen 
abBoherunt, Autor ex hac mortali vita ad aeternam Dei et Ecclesiae 
coelestis coosuetudiuem evocatus esset." 



200 Srftc« ©u4 fünfte« Äapitcl. 

unb ba juglcid^ erweitert. Sine unmittelbare Kterarifd^e Se^ 
iie^ung jtpif^en Sut^er unb @. ^^tancf ffinnte bemna^ aud 
btefem ^aUe ntd^t abgeleitet n^erben^). 9ßai& jener aber a(d 
^iftoriidjer ®rjä^Ier ju leiften im ©tanbe »ar, läßt fid^ auö 
feiner SBorrebe jum 1. JBanbe feiner lateinifc^en ©d^riften fd^Itcfeen, 
in »efd^er er bcn SSerlauf ber 3fieformation naci^ feiner, aber ^in« 
reifeenben ?trt fd^ilbert*). 

Sßenn alfo bad S^er^ältniS Sut^erd }ur ©efd^id^tfc^reibung 
me^r ein mittelbare^ als unmittelbares, mel^r ein rejeptitieS als 
probuftiöeS genannt ttjerben mufe, fo ertoeift fid^ bafür bic ©tct 
lung 3ße[ant{)onS 5U berfelben als eine burc^auS unmittel« 
bare unb ^öc^ft ergiebige, ßaum einer aud^ ber befteit unb 
gelel^rteften feiner S^tgenoffen f)at teil^ felbft fd^affenb, teils 
anbere anregenb auf bie ^ege ber ^iftorie einen fo fruchtbaren 
@inf(ug ausgeübt, toie ber ,,Se^rer 2)eutfc^{anbS''. 9Ran fann 
pg(eic^ nid^t um^in jujugeben, bag feine ^enntniffe in allen 
Seilen ber ©efd^i^te feltener Art toaren unb bafe biefelben i^m 
in jebem 9[ugenb(idEe }ur Verfügung ftanben. @S ift in biefem 
3ufammenl^ange bod^ ber SRül^e luert bat)on ju reben, toit bie 
®efd)id^te ber SRenfd^^eit i^m auf ber ®runb(age jener feiner 
Senntniffe nid^t eine Sammlung öon SRotijen, ober eine 9Iei^en« 



*) S)ie längftc 3ett ^at man angenommen, bafe Sut^cr bie t)on @. Srvand 
beforgte beutfc^e Bearbeitung ber in grage fte^nben ®4nft bcfünoortet (abe. 
3m „9(njeiger für bie Äunbc ber b. SJoracit" Oa^rg. 1869) ift aber ber na^ 
meiner Meinung überjeugenbe ^meid gefül^rt morben, i>ai W @a4e ftc^ 
anberS, bjw. fo ocr^ält, mie fic oben im Xejte bargeflellt ift. 5>ie Überfe^ung 
Sfrancfd erfc^ien no4 in bem gleichen ga^rc mit )i2ut^rS Studgobe. 2)a 
@. f^randf ^u biefer Qdt f(]^on emftl^aft mit ber Aufarbeitung feiner „®es 
fd)t4tdbibel" bef(^äftigt n^ar, n)elc^e ald tcine ^ulbigung an Sut^ betrat^tet 
werben fann, ift ed auc^ aud biefem ®runbe tvenig n^a^rfc^einlic^, ba| er fic^ 
turj Dörfer an benfelben um eine (ä)efänigteit ber Tlxt, toit bie Befünoortung 
eined Su(M ^0^ offenbar toax, gemenbet ^aben mirb. 

*) ^er 1. Banb ber gefammelten lateinifc^en @ Triften Sut^erS erf(6ien 
im Sa^re 1545. ^er fd^on genannte So^^nned {^uncf (@. oben @. 194) 
^at noc^ in bemjelben Saläre eine beutfc^e äberfe^ung t)on jener Sorrebe oer« 
anftaltet. 



'^e b. ®ef(^i(^tfc^retb. unter b. (SintutTtungcn b. Slcformation. S^elontl^on. 201 

folge Don X^alfad^en, fonbern eüoad forttoirfenb Sebenbige^, 
^ujammenl^ängenbed , S^f^^t^i^nf^^^^i^^^ ^^^» „©emölbe bed 
menfri^üd^cn ®efc^Icci^tö*' nennt er fie einmaP). 8Son ber ?(uf* 
%abe be^ ©efc^id^tfcl^Teiberd ^at er eine n)ärbige SSorfteQung; 
<d ift if)m Hat, bag ed babei barauf anfontmt, bad äßefentHd^e 
ber Sreißniffe au^jufonbem, in bie 3;icfe ber S)inge unb ber 
Slbfic^ten ber SKenfc^en einzubringen unb bad @rforfc^te tlax 
unb (id^tDoQ Dorjutragen ; baju gehört, meint er, teils ein ftaatS^ 
ntännifd^ angelegter Stop^, teils ein l^oc^gebilbeter &ti\t^). 2)ie 
le^rl^afte, nu^bringenbe @eite ber ©efd^ic^te betont er n)ie Sut^er 
in erfter £inie, aber nod^ nad^bräcflid^er, ftjftematifd^er unb bei 
jeber ©clegen^eit. 3n ber ©nteitung in bie neue 93earbeitung 
ber S^ronif SarionS ergel^t er ftd^ über biefe t^age nod^ einmal in 
^arafteriftifd^er Slnfd^aultd^feit. 2)a8 gefc^id^tüd^e @tubium, ]^ei|t 
€d ba, fei fc^on Don ben Reiben gepflegt toorben, tt^eil auS ber 
4)i)torie fomol^I für bie ^Regelung beS ^Datlebend als nod^ me^r 
für bie Orbnung beS öffentltd^en SSefenS, tote fc^on $olt)biuS 
treffenb fage, DieleS ju lernen unb bie JtenntniS ber @)efd^id^te bie 
fic^erfte Einleitung unb äJorbereitung }um politifd^en Seben unb 
eine erleud^tete Se^rerin in ber Srtragung beS ItnglfidEeS fei. 2)ie 
le^r^afte ^aft ber @)efd^id^te finbet er u. a. namentlid^ in ber 

^) 3n ber Suetgnung bed 2. S^eUeS ber neuen (S^ronif CEartond an ben 
<£rjbtf(^of ©tgidmunb bon^agbeburg (Corp. Ref. IX, 1076): „Est historia 
pictura generis humani, in qua et Imperiomm et Ecclesiae aerumnae 
et pericula cernuntur." 

') Corpus Ref. m, 217 (Praefatio in Ghronicam Abbatis Urspergensis) : 
^Magnum et difficile opus est integram historiam recte scribere, et 
haud Bcio an inter eloquentiae opera omnium longe ditficillimum. Fa- 
cilius est tales commentarios excerpere, sed tarnen eligere ea, quae plurimum 
habent ponderis, intelligere consilia atque occasiones negotiorum hominis 
€8t non Bolum non hebetis sed etiam usu periti et versati in Republica, 
et haec apte et dilucide recitare nemo nisi liberali doctriua excultus 
potest.** — %gl. Constant. Schlottmann, de Philippo Melanchthone. Reipu- 
blicae litterariae Commentatio. Bonnae 1859. — ^^elanc^t^on ald Surtft" 
t^on Dr. ^dnci in ber 8eitf*nft für lRe4tÄgc|*i(^te »b. 8 (1869) @. 242 ff. — 
^aWelandit^on aU ^oUtifer" in 91. iprup' lit.*^iftor. Xafc^enbuc^ 3. 3a?irgang 
(184Ö) ®. 157 ff. 



202 (Srfted ^u(b, fünftes ^opttel. 

%t)ai\ad)t, bag ^etlfame (Sutric^timgen ber einen toteber ton 
anbem nad^gea^nit tourben. 2)tefen ©eftc^tspunft legt er ftc^ 
nun freUid^ in feiner äSeife jurec^t unb ift um Slnalogien, beren 
Soincibenj }um Sieil red^t itoeifel^aft erfc^einen mug, nid^t r)n* 
legen; fo fegt er j. Sß. bad beutfc^e ^rfürftenfoQegium in 
^araUete mit bem fpartanifd^en (&pf)Oxat unb ben fieben @tammed« 
^äu^tem ber $erfer. äSenn nun aud^ ein fo(d^ äkrgleic^ fic^ 
nic^t bedEt unb noc^ toeniger Don beiougter 9?ac^a^mung gefprod^en 
luerben fann, fo erfc^eint ber 93erfuc^, fold^e ^iftorifc^e Slnalogien 
aufjufud^en, glei(^n)0l^( ci^ ein rü^mendioertei^ ^rbienft unb barf 
gonj geioig ald bad ^ennjeid^en eines feinen Jtopfed gelten. 3n 
aj^elant^oni^ %ugen fteOt aber bie ©efd^ic^te nid^t 6Iog SBetfpiele 
auf, bie jur 9tac^a]^mung bed ®uten anregen, fonbem ouc^ 
folc^e, bie tiom SBöfen abfc^redten, benn ein aUgemeinei^ ®efe^ 
ift, bag arge Untaten burd^ bie entfprec^enben ©trafen fd^on 
in biefem Seben Dergolten luerben. iRic^t umfonft ^eige ed, ba§ 
mer jum ©c^toerte greift, aud^ burd^ bad @d^n)ert umtomme. 
^U gemeinfame STOoral für ade ®efd^id^tdkoer(e tonne jener SBer^ 
^rgite gebrandet toerben: „Discite iustitiam moniti, et non 
temnere divos!'' (Sr fü^rt bann jur (Erhärtung biefer JBorber* 
fäge eine 9iei]^e Don fällen an, bie freiließ bezeugen, n)te mentg 
mit einer folc^en moraltfirenben ®efc^id^tdbetrac^tung ber @ac^e 
felbft, b. ^. bem richtigen ^iftorifc^en Urteile, gebient ift^). Sinen 
ganj befonberen Sßert jeboc^ ^at bie @)efc^ic^te, nac^ SRelant^on^ 
Erörterung, fär bie förd^e ^). @ie entpUt und ben $Ian @$otte^ 
mit bem iTOenfd^engefd^Iec^te unb beffen SrfuQung. SSir lernen 
aus i^r ben Unterfd^ieb ber ^rd^e S^rifti unb anberer ©eften 
fenncn; ffir baS 93erftänbniS ber prop^etifd^en Ofid^er ift i^re 

^) Einleitung in bie neue ^Bearbeitung t>on Sariond S^onif Corp. Ref. 
Xn, 712 sqq. 

*) „Praecipue historia opus est io ecdesia.** L. c. p. 713. — Über 
ben 92u(en bei Q^efc&tdite, befonberd noc^ bei Seite bei firc^Iic^ Sntereffcn, 
unb t)on feinem StanbpunCte qu4^ fe^r ^übfc^ fpric^t er u. a. in ber i)cbi« 
tation ber neuen (Sarion'fc^en C^^ontt an ben ^^btfc^of @igmunb t)on 
3Kagbeburg. Corp. Ref. IX, 580 sqq. 



f 

2)ie b. ®efd6tc^tf(^Teib. unter b. ^intoirhtngen b. 9f{efonnation. SRelontl^on. 203 

^enntnii^ im ganjen Umfange nmntbcf)il\ä). Sr ftnbet eine Slud^ 
jeic^nung bann, ba| feiner SReinung nac^ gerabe in ben biblifc^en 
Schriften bie Sltefteit gefd^id^tßd^en Slufjei^nungen enthalten finb. 
itein 3^eife( erfc^eint a i^m, bag ^erobot ba anfange, mo 
Seremiad aufhöre ^}. @r f onftituirt bemnac^ f olgenbe SRei^enf o(ge 
bei Cuellenf d^rif tfteUer : bie ^rop^eten, ^erobot, X^uc^bibed, 
3cenopf)on , S)tobor (für ^^ilipp, Ktejranber b. @x. unb bie 
Siaboc^en), ^ol^biuS, Stt)iud unb bie fpätem'). Snblid^ finbet 
er auc^ bie ©egenüberfteüung ber ^ibnifd^en ober ^rofangefc^ic^te 
unb ber Aird^engefc^ic^te t)on großem 9?ugen; benn bie le^tere 
kodfe nid^t b(og SBeifpiele t)on ®otted 3^^' fonbern aud^ tion 
®otted ®nabe auf). S)er ®ebanfe Don ber 9tottoenbigfeit ber 
©efc^id^te feiert, toie bemerft, bei SRelant^on immer loteber. JBe^ 
fonberd toic^tig aber ift fie in feinen $lugen für bie t^iirften, ein 
®efid)tdpun!t, ber i^n, neben ber o^nebem befte^enben ®en)o^n* 
^eit, koo^I beftimmt ^aben mag, feine ^tftorifc^en @c^riften gerne 
regierenben ^öuptern ju bebijiren^). 3n (e^ter 3nftan$ fegt er 
aber boc^ ben religiös «morolifc^en iRugen ber ©efd^ic^te über 
olle anbern SSorjfige berfelben: er fie^t im ®rnnbe barin U)re 
n^a^re 93eftimmung. Sin fold^er ©efid^töpunlt ^fttte bei fonfe« 
quenter S^urc^fü^rung aQe feine Slnftrengungen auf bem Gebiete 
ber ©efc^ic^te t)on tiom^erein gefö^rben fönnen; glfidlid^ertoeife 
geftaltete fic^ bie JRugann^enbung biefeS ber SSiffenfd^aft abge^ 
manbten ^rinjipi^ oiel l^armlofer aU man ben!en möchte unb 
fteUt ber be^anbelte @toff fetbft i^m ein ^eitfamei^ ©egengen^ic^t 
gegenüber. SCugerbem ift SRelant^on bei einer ganjen Steige 
feiner ^iftorifd^en Erörterungen gar nic^t in bie ffierfud^ung ge« 



^) Corp. Ref. IX, 533: « — continuatam esse mundi historiam ita, 
ut Herodotus inchoet suas narrationes paulo ante finem propheticae 
historiae." 

^) L. c. XII, 714: «Erit igitur continua moiidi liistoria: libri pro- 
pbetici , Herodotus , Thucydides , Xenophon , Diodoms de Philippo, 
Alexandro et 8ucces8oribu8, Polybius, Livius, et deinde alii post Livium.'^ 

«) L. c. p. 716. 

*) ©gl. 93rctf(^ncibcr a. o. O. ©.20. 



9 

204 @vftc« ^"*, fünftel Kapitel. 

{omtnen, fie mit jenem feinem moraltfirenben ©tanbpunft ju 
burc^fäuem. @r f)at fic^ nfimli^, t)on ber ^auptc^ronif abge« 
je^en, burd) eine grofee Änja^l ßeinerer, felbftänbiger Arbeiten 
in allen teilen ber Q^efc^ic^te t)erfud^t: ba finb einmal feine 
iBorreben ju t)erfd^iebenen gefc^id)tlic^en äBerfen, bie teild i^n, 
teilö britte ju äJerfaffern l^aben, ju nennen. SEBic^ttger toit iafjU 
xeic^er finb feine fog. ^3)efIamationen*', »elc^e bic öerfc^iebenftcn 
@egenftänbe be^anbeln, aber fid^ boc^ äbern)iegenb auf bem &t^ 
biete ber beutfc^en ©efc^ic^te befonberd bei^ SRittetalterd bttotQtn ; 
t)on bed Xacitud Germania \)at er eine eigene %[udgabe (in jtoei 
9ruflagen) Deranftaltet. ^ud) bie ®e)c^id|te einzelner beutfc^er 
5£erritorien ^at er ffijiirt unb einjelne beutfd^e Sänber, niie 
^c^roabcn unb granfen, in ^rofa befd|rieben unb gefeiert^;. 
S)a)u bie Sieben über bebeutenbe durften unb 9}7änner ber ^ett ; 
bie 3^ttgefc^id^te lag i^m überhaupt ungemein loarm am ^jen, 
unb mir ^aben t)on i^m manche intereffante jeitgefc^tc^tltc^e 
^lufjeic^nung , mobei er gern bie annaliftifd^e ^orm mahlte'). 
2)ie großen @reigniffe ber Stit, in ttjelc^en er üon einer ©citc 
f)er felbft perf5nlid^ unb unmittelbar t)ern)i(felt luar, t)erfoIgte er 
mit ber unermüblic^ften ^eilna^me, feine literarifd^en SSerbtn« 
bungen reid^ten augerorbentlic^ meit, er erhielt üon allen Seiten 
briefliche a)2itteilungen über politifd^e 92euigfeiten, in SBittenberg 
felbft fehlte ed feiten an (^reunben, bie i^n auffuc^ten unb bad 
IReuefte mitteilten, n)ie er f eiber mieber nac^ einem gemiffen 
©^fteme intereffante SRad^rid^ten in ber ®eftalt öon ©rief jeitungen 
an feine greunbe unb ftorrefponbenten ju beforgen pflegte'). 
Unb fo eng^erjig feine J^eorie aud| in feinen ^iftorifd^en Än^ 
fc^auungen unb ^onftrufttonen mit Siedet fc^einen mag, in ber 
$ra^d n)ugte er boc^ aud^ hierin fid^ ein beftimmted 3Jla^ ber 
grei^eit ju magren ober, wenn man lieber miß, inbem er in 



*) Corp. Ref. XI, 374 sqq. 
«) ^Bgl. Corp. Ref. IX, 706 sqq. 

») m^creä hierüber in ^. ®ra6^off» 3)iifcrtQtion : „^ic brieflich 
Rettung bcd XVI. Sa^r^unbert»" (iJcipaig 1877) ju pnbcn. 



2)te b. ©cfc^ic^tfc^rcib. unter b. @intvtrfungcn b. 9lcfonnation. ^clant^on. 205 

bcr ©efd^id^te üBeraH bem et^ifd^cn äWoment nad^fling, erhielt er 
fic^ feinen Slidt bod^ frei genug, um ju fef)en ober ju gefte^en, 
bafe einem 5ßrofanfc^riftfteIIer ber alten SBelt, tote einem ^inbar 
ober QMrgil, gleid^faUS eine ^o^e bibaftifd^e unb fittigenbe ^raft 
innelDol^ne me ben ^falmen S)Qt)ib^, toenn biefe aud^ ba^ eine 
©rofee öorauö l^aben, ba^ fie ju ber ^eildanftalt für bie SKenfd^^ 
l^cit in unmittelbarer ©ejie^ung ftel^en ^). @« ift über]^au))t le^r* 
reic^ 5u beobad^ten, toit bei SKelantljon ber ^umanift, fottjeit biefcd^ 
SSort i^m gegenüber überhaupt angetoenbet n^erben barf, öfterd^ 
tpie mit ©etoalt burc^bringt ober mit bem 7()eo(ogen ringt, 
in ber 9{egel aber gelten fie frieblic^ neben einanber l^er ober 
reid)en ftc^ bie ^anb. ^firtoal^r, bie Sugenb n)ar glüdElic^ ju 
preifen, bie fic^ ju ben 3"6^" ^'"^^ Sef)rer§ fe^en burfte, ber 
mit ben fad^lid^en bie religiöfen toie bie menfd^üd^en SWotiüe in 
fo feltenem (Sinflang auf jufu^en unb ju erörtern t)erftanb ! Sin 
prftd^tige^ ©eifpiel ber STrt liefert unö u. a. feine SSorrebe jur 
3(udgabe beS ^omer t)on ^di 3&itbl)t\m, in ber jugleid^ ju 
aQem anbem ifitx bie nationale ©aite mit Straft angefd)Iagen 
toirb^. @ö ftnbert ni^tÄ baran, ba§ für bie fpejififd^ p^i(o* 
logifd^e ©eite ber ©a^e burd^ eine folc^e Art, bie Sitten ju be^ 
^anbeln, toenig übrig bleibt ober blieb: ber Smpu($, ber burc^ 
biefeö, id^ möchte fagen fittlid^e ?ßot^o^ für eine ^ö^ere 9(uf^ 
faffung beS SUtertumd gegeben lourbe, toax boc^ Don ber nac^» 
^altigften unb audgiebigften 9lrt. 

STOelant^onö 3^^^^"off^^^ l^aben DieQeid^t jum geringften 
^cile feine Stellung jur ^Pflege ber ®efd^ic^te in bem SKafee 
äberfe()en fönnen, toie n)ir bad oermögen; bagegen über ba^ 
groge Serbienft, toelc^ed er ftd^ burc^ bie ^Neubearbeitung ber 
Sarion'f^en (S^ronif enoarb, toaren fie im ttjeiteften Umfange 
im Ätaren. SBir l^aben f^on einmal baran erinnert, toie gerne 
er jum n)teber^o(ten 3)?ale ber @rjö^(ung Sleud^Iini^ gebad^te^ 
nac^ toelc^er ber ffurfürft ^^ilipp oon ber ?ßfalj SR. Slgricola 

») Corp. Ref. IX, 675 (an (S^riflop^ öon (larlonjij). 
«) Corp. Ref. XI, 397 Bqq. 



206 ©rftc« Öu4 fünfte« SiopM. 

t^eranlagt f)atte, eine UntDerjalgejcl^ici^te nac^ ber ©c^ablone ber 
Dier Wionaxdjkn aud}uarbeiten ^). (Sd tft ntc^t ju Diel gefagt, 
toenn tpir be{)aupten, bag ed iufolge ber gefammten SnttQtcflung 
3Re(ant^ond fid^ tpie eine innere 9tottDenbigfeit ergab, bag er 
beinahe am @d|Iuffe feiner literarijd^en Saufba^n nun felbft ein 
berartiged äBerf Derfajjte. äßie fc^on berührt, ging ed aud 93or« 
lefungen ^ert)or, bie er über bie ältere S^ronif Sariond, an 
toelc^er er felbft bereite ein beftimmteö STOofe Don Anteil gelobt, 
in SBittenberg gel^alten l^at. S)ie in SHebe ftc^enbe iReubearbci* 
tung tft mirfli^ ein ganj neued unb felbftfinbiged ^n6): auc^ 
bei genauer 93ergleid^ung erinnert fie nur n^enig me^r an bie 
urfprünglic^e 93or(age. SQerbingd ^at SKelant^on bad SBer! 
nid^t fo toeit geführt, aU er beabfid^tigt l^atte : ber 1. Seil, ber 
1558 abgefonbert erfc^icn, ge^t bi§ ?tuguftu§, ber 2. 3;eil, ber 
1560 hirj üor beö SSerfafferd 3;obe abgefc^Ioffen tt)urbe, reicht 
bi^ auf Äarl b. ®r. ^erab*). 5Die ^ortfcgung bi« auf Äarl V. 
herunter »urbe Dom Senate ber SBittenberger Uniöerfität Wi^lan^ 
t^ond ©^tt)iegcrfo^n Dr. flafpar ^eucer übertragen, ber fie 
in jroei Abteilungen mit ©efc^idt unb im @eifte feinet SSorgängerd 
au^füljrte (1564 unb 1565). S)ie)e SReubearbeitung l^at einen 
noc^ lebl^afteren Seifall gefunben alö bie urfprünglic^e 6t)ronif. 
©ie ift neben unb nad^ bem ©runbriffe ©leibond für lange ßtit 
bod beliebtefte ©uc^ über Uniöerfalgefc^ic^te geblieben. Unb bie§, 
um eö fogleic^ ju fagen, mit öoÜfommenem SRed^t. SRid^t ate 



*) S. oben 6. 46 Sinm. 3. — 3" ^Q^- "• ß- ^^'lant^onS SJorrcbc ju 
(S. 93rotuffd ,,®eneaIogie unb d^rontfa bcd burc^I. ^aufed ber gürften ju 
Ittn^alt JC." 3)ie SJorrebe tft öom 31. Sluguft 1556 botirt unb cntl^ält über 
^elant^ond )d)on berührte ^nftc^t Dom i)2u^cn ber ©cfc^tc^te einige Ie^rrei(^ 
<Sö^, namentlich in üBctrcff bcd ^^u^cnS bcrfelbcn für t^ürfien unb ^taat^ 
männcr. 

2) ^er 1. ^eil führte ben Xitel: „Chronicon Carionis latine expo- 
situm et auctum multis et veteribus et receutibus historiis iu narratio- 
iiibus renim Graecarum, Germanicarum et Ecclesiasticarum , a Phil. 
Melanthone (1568). 2)er 2. Xcil fütjrte bie Sluffc^rift : Secunda pars Chro- 
nici Carionis ab Augusto Caesare usque ad Carolum M. Exposita et 
aucta a Ph. Melanthone (1560). 



^ie b. ®ef(^t(]^(^reib. unter b. ^nmirhingen b. Sieformation. SRelantl^on. 207 

toenn cd ein SBerf befonberi^ tiefer unb forgfaltiger t^^^^^ng 
toäre, in n^elc^em jebe einzelne eingetragene ^^atfac^e mit ängft^ 
(ic^er @orgfaIt erft feftgefteQt ipurbe, nic^t atö enttt)i(felte ber 
ißerfaffer eine ungetoö^nlid^e fritifd^e ©^ärfe — burc^aud nid^t, 
— jleptij^ »irb er ^öc^ftenÄ gegenüber getoiffen ?lnfprüd^en beö 
^apfttumeÄ — ni^t afö riefe er Duellen jur SBenu^ung gerbet, 
t)ie bi^^er auger^db bed ®efid^td!reifed ber jeitgenöfftf^en ^ifto* 
tifer geftanben l^ätten, ober a(d l^abe er fid^ eine neue originale 
f^orm ffir bie Sinfleibung feinet @toffed erfunben: aQed bad 
lägt fi^ bem SEBerfe mit ®runb nid^t na^rübmen. ©eine (£igen» 
tümlic^feit unb feine SSorjfige liegen auf einer anbem @eite. (£d 
l^at — im geleierten ®eioanbe — in öerglei^ungStoeife jiemlid^er 
^tu^fü^rlid^feit bem gebUbeten Sefer üon bem unit^erfalgefd^ic^t^ 
liefen ©toffe in bequemer gorm gerabe fo öiel gegeben, aß 
bamald ju fol^em ßtotdt ju l^aben mar unb biQigertoeife Der^ 
langt merben fonnte. 9Bir lönnen nt^t jugeben, bag bie gried^ifc^e 
ober römifd^e ober irgenb eine anbere ©efd^id^te auf Soften ber 
^eiligen jurucfgefe^t fei: bie nid^tiübifd^en SSößer ber alten SBelt 
fommen alle ju il^rem JRec^te unb mit erfreulicher Slnfd^aulidjfeit 
unb in fc^idlic^er Sufeinanberfolge entrollt fic^ bad ®emä(be ber 
terfd^iebenen Gruppen, o^ne bag man fagen fönnte, bag ein 
iBefentlic^eÄ überfeinen fei. S)ag bie fiirc^engefc^id^te nic^t ju 
fur5 fommt, mirb man Don einem 3Ranne loie Sßelant^on unb 
ijon einer 3^^* ^^^ ^^^ ^^^ SReformotion faum anberg ettoarten. 
iBir glauben nid^t, bag ed jttiedfmfigig gen)efen n^äre, fie in einem 
3uge jur S^arfteQung ju bringen, ftatt in Sbfd^nitten, bie fic^ 
an bie paraM laufenben ^erioben ber ^rofangefd^i^te an- 
f^liegen. S)ie ftird^engef^ic^te ^at fidC) ja boc^ aud^ nic^t un^ 
ab^&ngig Don aOer ber 99erfl[)rung mit ber politifd^en 9S$elt ent- 
toidtelt. greilic^ ber 9la6)toti^ eineg engeren 3"fö"^w^^"^ß^9C^ 
ift nid^t geboten, oon bem, toa^ man fpfiter Pragmatismus 
nannte, ift bei iWelant^on überhaupt n^enig ju finben, ed ift 
nur bie äufeere unb jeitli^e JBerbinbung ber ©reigniffe unb (£nt* 
loidElungen, bie er toieberjugeben meig. ^k römifd^e Äaifer^^ 



208 SrftcS ^nd), fünfte« tapitcl. 

gefc^ic^te etjä^U er }iemltc^ einge^enb, o6)do()1 er ni^t üiel ^reube 
baran f)at. @r fagt ed in ber ^ebtfation biefeS 2. %eik^ an 
Srjbifd^of @tgmunb Don äRagbeburg gerabeju, bag er berettö 
Srmübimg Derfpäre, bte uoraudgegangenen älteren 3^'^^^ Ratten 
für t^n mand^en 9{etj gehabt unb Ratten jugleid^ beffere ®e« 
jd^ic^tfd^reiber ^). S)ie Sd^eufale ber römijc^en Äaifer unb bte 
3änfereien ber d^riftlic^en 3;f)eoIogen, bie SBut ber ©elten u. f. f. 
^at fär i^n ettuad STbftogenbeS ^). ©letd^n^o^I l^at er ben t^m 
njiberftrebenben ©toff biefe feine Abneigung nid^t entgelten laffen, 
tritt boc^ ba^ (Sl^riftentum in bie äBelt unb faft gleichzeitig mit 
i^m bie Deutfd^en. Unfer beutfd^eö 9tltertum ^at il^n ja ftct^ 
lebhaft angezogen unb fo luibmet er an6) f)xtx ben S^erudtem^ 
bem §er}og ärminiuS unb ben öerfd^iebenen beutfc^en SBöIfer- 
fc^aften ein eigene^ Kapitel, morin jugleic^ bad @mporfomnien 
ber flangobarben unb ber granfen betont tt)irb. Seiber §ält er 
gerabe öor Äarl b. ®. inne; baS Sluftreten bed ©onifajiuö ift 
bad legte, toai er erjä^It: mit einem @euf}er fär baS SBo^l 
ber Äir^e biefcr ©egenben brid^t er ab. ©d^on Iranf, ^at er 
in ben legten SBod^en feinet Seben^ an biefem 2. Xeile ber 
6f)ronif biftirt*). (£ö bleibt immer ju bebauern, bafe er ba^ 
2Berf, mie fieser beabfic^tigt loar, nid^t ju @nbe fähren tonnte. 
^a^ SRittelalter, unb im befonbern baS beutfd^e, n^ar i^m feit 
langer 3^^^ "^^^ fremb, er ttjar barin beffer alö öiele anbre 
)u()aufe; toir n)erben nod^ barauf jurudfommen. 9tud^ feine 
©efinnung mar fo geartet, bag mir jene Qdttn gerne Don i^nt 
erjä^lt gefefien Ratten. 



*) ^a§ bie t)on SRelant^on übcrl^aiipt benu^ten Oucden anlangt, fo 
nennt er gelegentlich einzelne, mie j. ^. bie römifcbe unb bie grie(!^if(^. Set 
feiner au^ebreiteten Selefen^eit unb umfaffenben Kenntnis bed ^Itertmnl^ 
fann i^m roenig entgangen fein, bie übermiegenbe 3ugntnbelegung einer 
CueQe »irb man taum nacbiueifen fönnen. ilx f^at feinen Stoff felbftänbig. 
Don ben oerfc^iebenften Seiten ^er ^ufammengetragen. 

«) Corp. Ref. IX, 1074 sqq. 

») 6. Annales Vitae Ph. Melanthonis (Corp. Ref. EC, p. XV). 



^c b. ®cf(^i(]^t](^rcib. unter b. (ginmirfungcn b. 9flcfonnation. ^cuccr. 209 

2)te ^ortfe^ung unb SSoQenbung ber äRelant^onifc^en (S^ronit 
l^at fein ©d^toiegerjo^n j^afpar ^eucer, ein äRann na^eju 
pülti^iftorifc^cr SBilbung, auf fid^ genommen unb burd^gef u^rt ^). 
©eboren ju ©äugen am 6. 3anuar 1525, ftubirte er in SBitten* 
bcrg juerft äRebijin, toetter^in unter 3Re(ant^ond Leitung bie 
Haffifd^e fiiteratur, tourbe 1554 5ßrofeffor ber SWat^cmatif, 1560 
ber äKebijin unb iJeibarjt bed Surfürften 3luguft öon ©ad^fen, 
feineö ßanbe^^erm. ©eine fpäteren toibrigen ©d^idtfale, bie 
mit ber Verfolgung ber fog. fr^ptocabiniftifc^en S^nbenjen ju* 
fammen^ängen, finb 6e!annt*). ®r ftarb a(d Seibarjt be^ gürften 
t)on Sln^alt am 25. SJejember 1602 p S)effau^). S)er erfte 
Seil ber ^ortfegung, ber biö ju Äaifer griebrid^ II. reid^t, 
crfc^ien 1^62 , ber jtoeite, ber mit Äaifer SKajimilian I. fd^Iiefet 
unb bem ein 3tn^ang über \!i\t STnfängc ber reformatorifd^en ©e* 
toegung („De Ecclesia") beigegeben ift, im Satire 1565. SBie 
fd^on bemerft, man fann nid^t jagen, bafe bie ?lufgabe in un« 
iDurbige ^önbe gelegt toorben fei. 3)te (Sriä^lung ift l^inlänglic^ 
breit angelegt unb man fill^It, ba§ ber SSerfaffer fic^ auf feinem 
if)m fremben ©oben bettjegt. @r felbft toeife jttjar rec^t gut, \^^ 
eö ein getoagted Untemel^men ift, mit einem SSorgänger toie 
2KeIantf)on ju wetteifern, er tt)in aber tjer^inbem, bafe nic^t 
Unberufene unb ÜbetooQenbc tf)m äuüorfommen *). S)ie SBei^e, 
bie über bie SKelant^on'fc^e Slrbeit au^gegoffen liegt, öermifet 
man jtt)ar an ber Sortfegung feinet ©d^toiegerf o^ned , jeboc^ 



») SBic fcfton crwäl^nt, jucrft 1560 auf SBunfc^ bc« SBittcnbcrgcr Uui- 
tjcrfitätöfcnatö junäcftft in ber ©cftnlt Don S3orträgcn für bie ©tubircnbcn, 
unb biefc finb bann in bcn 3)ru(f gegeben tvorben. S. Corp. Ref. X, 207. 

«) 9SgI. über t^n aflg. enct)nopäbic (oon (Srf (^ unb ©ruber) @eft. III 
21. 19 ©.435 ff. — 9lu4 in bem ©erfe (äJilletg, Grato öon Srafft^eim 
iinb feine greunbe (granffurt a. 3R. 18G0 2 SBbe.), finbot fic^ Diele« über iftn. 
SRad) Sörftemann, ^llbum ber UniDerfttftt 3Bittcnberg ®. 202, lautete bie 
itrfprünglic^c S^amenSf onn : „^eufcr". 

3) @. u. a. ^enfe, f. ^eucer unb 9«col. Area. 3Rarburg 1865. 

*) S3gl. bie S)ebifation beS 4. (= 1.) SBuc^eS an bcn (grabifc^of ©. Don 
ID^agbeburg. 

t. Beflclc, (Sef^id^c ber bcutfcl^eii ^iftoriogtapöte. 14 



210 ^fte« ^"*r fünfteiJ StopM. 

mufe man jugcben, bafe bicfcr mit gug auf einen Seil bc8 ©r* 
folget, ber bcm ®efammtoerfc getoorben ift, Slnfprud^ machen 
burfte. Snbem er bie ®efd^ici^te bc^ römifd^en SRcic^d im SKittel* 
alter in bie Witte feiner ©arfteHung öerfefet, gefd^ie^t eö, bafe bie 
beutfd^e ©efd^id^te bei n^eitem am auSfü^rltd^ften unb mit ^Zaä)^ 
funbe be^anbelt toirb ; aud^ bie ©efd^id^te ber einjelnen beutfd^en 
Territorien lommt teitmeife cingef)enb jur ®piacS)t. Sin Urteil 
fel^It eg ^eucer in feiner SBeife; aU eifriger Sln^ängcr ber 9ie^ 
formation ift i^m bie Stellung jur ^Beurteilung ber ®efd^id^te 
unferer Saifer unb i^rer kämpfe mit ben 5ßät)ften öon felbft 
gegeben. ®iefe Slbfd^nitte, toeld^e bie beutfd^e ®efd^id^te bc^ 
I)anbeln, finb offenbar bag ttjertöoKfte an bem 3Berfe. S)aneben 
nimmt er bei ber S)arfteIIung ber oftrömifc^en ©cfd^id^te ®e^ 
legen^eit, bem ©mporfommen ber 3;ürfen, i^rem SSorbringcn nac^ 
aSeften unb toa^ aKe^ bamit jufammen^ängt, befonbere Äufmerf* 
famfeit ju fd^enfen. S)ie S^firfenfrage, bie, loie njir tt)iffen, gerabc 
auc^ bie ^Reformatoren aufö Iebf)aftefte befd)äftigte , toirft auc^ 
l^ier auf bie ©efc^ic^tfd^reibung ein: baö t)oIitifd^e Sntereffe bc« 
l^errfd^t baS f)iftorifc^e. S)aö 16. Sa^r^unbert, fotoeit cÄ jur 
S)arfteIIung gelangt, ftellt ?ßeucer nac^ feinen eigenen ©rinne« 
rungen bar unb tritt tjierbei auögeft)rod^enerma6en einem gort- 
fe^er beö 9?auclerug, bem Sölner Äartl^äufer Sorenj @uriud 
entgegen, über ben er fic^ in ber S)ebifation 5um 5. (= 2.)lBuc^e 
an ben ^rfürften 2Iuguft üon ©ad^fen aufö bitterfte unb ju* 
gleich öerac^tlid^fte äußert ^). 3)en früheren 3af)rt)unberten gegen* 
über ift er ni^t in bem ®rabe felbftänbiger gorfd^er toie fein 
©d^njiegeröater, aber er betoä^rt fid^ bafür ate ein ^öd^ft Dcr:^ 
ftSnbiger unb einfid^tdüoller Somt)iIator, ber nac^ bcftimmten 
(Srunbfäfeen feinen ©toff an ber rechten ©teile ju fud^en tpeife 
unb mit 3^aft bie Sluöiüat)! trifft. Gö ift njol^I anjune^men, 
bafe in irgenb einer SBeife JJingerseige öon Seite SWelant^one, 
ettoa bei beffen ^iftorifdien SSorträgen, if)n unterftü^t ^aben. 

^) ^ic Epistola dedicatoria jum 5. SBitc^c : Adjecit nuper ad Naucleri 
chronologiam Paralipomena Monachus. 



^ic b. ®cfc^ü!^tf(fircib. unter b. ^iniüirfungcn b. SHeformation. ©Icibanu«. 211 

S)ic brittc in ber SRcil^c ber l^eröorragcnben Uniüerfaf* 
gefd^id^tcn ber ^txt rü^rt ipieber öon einem SRanne erften 
Sianged ^er, ber ju ben bebeutenbften literarifd^en unb poli* 
tifd^en ^ßerfönlid^feiten ber ©po^e ber SReforntation gefjört: 
nfimli^ Don So^anneö ©leibanud. SBtr »erben un^ bei 
Gelegenheit ber Sefpred^ung feinet ^aupttoerfeS mit feinen SebenS* 
öer^ältniffen/ bie mertoürbig genug finb, foipeit baS unDermeiblii^ 
ift, befc^äftigen, an biefer ©teQe laffen wir eS unö genfigen, btn 
SJBert unb baö ß^arafteriftifd^e feiner im Saläre 1556 jum erften 
SWale erfc^ienenen ©d^rift „de quatuor monarchiis" ober „de 
quatuor 8ummis imperiis" feftjuftellen. @8 ^at an Srfolg be- 
fanntlid^ bie Sarion'fd^e ßf)ronif bei njeitem fiberpgelt, man 
jäl)lt einige fiebjig Sluflagen, bie ed nad^ einanbcr erlebt l^at; 
biö in ben Stnfang bed 18. Sa^r^unbertö f)inein ^at eS fid^ in 
2lnfe^en erhalten, noc^ ber SSater Ä. griebrid^ beS ©rofeen l^at 
aug einer franjöfifd^en Überfegung beSjelben UniDerfalgcfc^ii^te 
lernen muffen^). ©IcibanS berühmtes SBert über bag Qtitaitcx 
S. Jiarl V. mag aUerbingS bem Sfnfel^en feincö uniDerfal^ifto* 
rifc^en ffiompenbiumö ju gute gefommen fein, aber baSfefbe befigt 
boc^ eine 9teif)e fo Dieter felbftänbtger unb in jener Seit feltener 
Siorjüge, bie DoDfommen ^ingerei^t l^aben, ber ©d^rift einen 
nad)^altigen ÖeifaU ju fidlem. (Sd trat Don Dorn^erein mit 
bem Stnfpruc^e auf, ein Seitfaben, ein Sef)rbu^ für bie Sugenb, 
unb ni^t me^r a(ö biefe8 fein ju njoQen*), unb biefer ®efidt)tö« 
punft eines „©runbriffeS" ift mit augerorbentlid^em ©efd^idfe 
burcfigefül^rt. ©leiban ift aber jugleic^ Don aQen feinen beutfd^en 
3eitgenofien, bie fic^ unter irgenb einer gotm mit allgemeiner 
©efc^id^te befd^äftigt ^abcn, bag größere l^iftorifd^e latent : barum 



^) S)cr Übcrfcfcr luar ber preufeifc^c ^^iftoriogra))^ Ant. Teissier. ßr 
fagt in feinen Eloges des hommes savants (Leyde 1715) I, 258: „J'ai 
traduit ce trait^ en fraD^ais et je l'ai fait imprimer ä Berlin en 1700 
pour Tusage de Monseigneur le Prince Royal et Electoral de BraDdebourg.** 

*) 3n ber 3wf4nft an ben ^erjog öon SBirtcmberg, erftc ^lu^gabe 
öon 1556. 

14* 



212 ®rftcg ^u4 fünftel ito^ntct. 

tücife er and) bie 9(udtt)a^I fctneS ©toffcö fo gfüdtlid^ ju treffen. 
©0 genau er bie Äften fennt, baS rl^etortfd^e unb moraltfirenbe 
SIentent bleibt DöIItg au^gef^Ioffen, er ffäli fid^ junac^ft t)or allem 
an bie ^Jjatjad^en, unb il)re fc^Ii^te aber paffenbe ©rupptrunfl. 
9{ber nod^ ein anbered: er arbeitet grünblic^, loie nic^t leicht 
ein anbcrer auf biefem ®ebiete gearbeitet ^at^). @r fd^reibt nid^t 
etnja anbere ab ober auö, er fte^t faft überall auf eigenen ^figen. 
^a^ d^ronofogtfd^e äWoment befc^äftigt it)n, toie e§ äWclant^on^ 
?(ufnicrtfamtcit in nod^ ^ö^erem ®rabe in 9Infpruc^ nimmt, aber, 
tt)ie begreiflich, me^r bei ber ©arfteüung ber alten ®cfd^i^te ate 
ber mittleren. @r ift juglei^ ein geiftreid^er fiopf, einjelne S5kn* 
bungen finb äufeerft glüdffi^. SBie ergebt er feine Qüt über jebe 
anbere, fie, bie nebft einer unDergleic^Iid^en, bur^ bie ©rfinbung 
ber SBud^brudertunft gcförberten Slüte ber SBiffenfd^aften, burc^ 
bie nja^re (Srfenntnig Ootte^ erleud^tet ift! S)ie „SKoral öon 
ber ®c\d)\d)tt" ift i^m bie eDibentc Sluflöfung be^ römif^en 
9{eid^eö : ein ®Iieb nac^ bem anbcrn ^at fi^ abgeföft unb ©cutft^* 
lanb ift allein baoon übrig geblieben : bem 2;ürfen unb bem ?)?apfte 
jum 2;roge mirb eö fic^ aber mitten in feiner ^^^^trad^t be^ 
t)aupten : eine fünfte ÜRonarc^ie ift ni^t mögfic^, toeit — ©aniel 
nur üier öor^ergejagt ^at u. f. xo. 2Rit biefer SBenbung Derldfet 
©leiban ben ge)d^ic^tlic^en ©oben unb begibt fic^ auf ein ©ebiet, 
auf roelc^em irir i^m ^ier nid^t njeiter ju folgen brauchen. 3Kan 
fönute fagen, bafe bie If)eorie öon ben öier SKonard^ien, ald 
gorm ber (Sintleibung für bie Se^anblung ber Uniüerfalgefc^ic^te, 
baburd^ ad absurdum geführt njurbe. 3Bie löbtid^ bie rcligiöfc 
unb patrioti)d)e ©efinnung, bie fid) bei biefer (Gelegenheit aud^ 
fprid)t, mit 9ied)t erfc^einen mag, ^iftorif^ njte politifd^ »ar 
bamit nid^t^ anjufangen. So ift bejeidjnenb für bie TOa^t ber 
I)errfc^enben (Sefinnung ber 3^'^ bafe au^ ein 3Äann loie ©leiban 
fid^ in biefem gaöc bem Sann berjelben ni^t entjiel^en fami. 
9D?an l^ätte mo^l beuten mögen, bafe eö unter biefen Umftfinben 

») «gl. Manfc, bciiticftc ®ef(t)ic^te im 3ritaltcr ber JHcfonnation V, 88S 
C^tu^gabc uon 18G7). 



^ic bcutfc^ ®c[c§icötfc^rcibung unter bcn Ginioirtungcn ber SHcfonnation. 213 

fi^ a(^ ein jioingcnbcg Sebürfni« f)ättt na^e legen muffen, ba§ 
nad) einer anbeten freieren gorm für bie iDarfteÖung ber all* 
gemeinen @)efc^id^te gefud^t tDÜrbe. Sefanntti^ ^atte ftd^ bie 
überlieferte Unform fo feftgefe^t, ba% e§ nod^ lange bauertc, bid 
€d baf)in fommen tonnte. 

S)ie 3o^I l>cr uniöerfal^iftorifd^en SBerfc ber 9teformationö« 
jcit ift mit ben im Dorfte^enben be^anbelten l^erDorragenben 8ie^ 
präfentanten berfelben feine^megd gerabeju erfd^öpft, ed toax 
jeboc^ niemals unfcre 9tbfic^t, irgenbmie nac^ einer fojufagen 
btbliograpl^ifd^en SBoQftänbigfeit ju ftreben, eine fol^e loürbe auf 
bem Oebiete ber neueren ©efd^ic^tfd^reibung fid^ ebenfo nuglod 
als fcfiwer erreichbar erweifen; eS bürfte für unfere titerar^ifto* 
rifcl)en Qmdt öorjujie^en fein, auf bie nähere ^ert)orl)cbung ber 
jeweiligen ^auptrid^tungen, ber ^auptleiftungen unb i^rer Ur* 
i^eber baS ^auptgemid^t ju legen, unb ma« nid^t auf bie 3cit* 
genoffen ober bie lommenben ©ef^led^ter nac^ioeisbar njirtte, 
ober beffen SBert fi^ nic^t wenigftenS nad^träglidl) erfennen unb 
feftftellen lägt unb im @trome ber fortroüenben Semegung balb 
tvieber fpurloS unterfanf, menn nid^t ju übergeben, fo boc^ mit 
flädl)tiger @m)äl^nung abjufinben. ^it üerfd^tebenen ^ortfegungen 
einer unb ber anbern grofeen 6l)roniI, njie j. 58. beS SRauclcr, toerben 
eben fo gut ober beffer unter ben SBer!en über bie 3citgcfd^id^te 
jur Söefpre^ung gebracht ^). §llS weniger befannt geworben, ge» 
beule id^ im SSorbeige^en ber allgemeinen E^ronif eineS gulbaer 
SürgerS, SSalentin Ä?ün^er, bie im Sa^re 1547 anö ßic^t 



^) Gä ici gcftattct, ^icr an eine ältere gortfe^ung 9?auclcrS üon bem 
^irfc^aucr ^Jiönc^c Üiiicolauä ©afcIiuS ju erinnern; fie umfaßt bie Qa^rc 
1501—1513 unb ift gleich in ber crften 9luSgabc 9?QUcIerö mit gcbrucft cr^ 
fc^iencn. S)cr 3n^a(t bicfer gortfe^ung ift \>on befd)rän!tem SBcrt. 93afeliiid 
^atte bie Annales Hirs. fcineS $!el§rerd ^ritl^cmiuS jiemüc^ ftart benu^t; fo 
lange le^tcrcS SBerf nic^t ueröffentlicftt mürbe, maS bcfanntlic^ erft 1690 gefcftat», 
iDä^rcnb hie gortfctiung beS SÖofcliuS 174 3o^re früher erfc^iencn mar, fonntc 
biefe auf eine gemiffe Geltung ^(nfprud^ machen, bie jeboc^ Don ha an be» 
träditlid^ jufammenfc^molj. 



214 ^ted S3u4 fäitfted i^apitcl 

trat^). S)cr SScrf affer jagt, baß junäd^ft d^ronoloflifc^c ®c* 
ftd^tdpunfte i^n jur Slbfaffung feinet 93ud^eS befttmmt l^aben 
— er teilt feinen Stoff in brei SBeltatter ein — , inbe^ gibt er 
eine iiemlic^ getDö^nli^e JiompUation ; bod^ f^eint er fomel 
S)ilbung befeffen }u ^aben, bag er feine lateinifc^en QueQen, 
9kucler u. bgl., in ba^ 2)eutf^e ju übertragen im @tanbe mar. 
SSJad feinem 3Jlad)tocxt einige 93ebeutung Derlei^!, ift, bag er für 
bie gulbaifd^e unb 9Sir}burgifd^e ®pe}ia(gef^id^te , bie fid^ ja 
mannigfad^ berührt, einige fiofalaufjei^nungen benu^te, bie ori^ 
ginalen SBert ju ^aben fd^einen. 3m übrigen ift nic^td an üfta 
5U rühmen ; t)on einer ftompofition feine @pur unb ebenfo menig 
öon einer Äritif, fei e^ au^ ber befd^eibenften ärt. — Auf eint 
anbere SIrbeit, bie einen unit)erfalgefc^ic^tlid^en Sludgangdpunft 
nimmt, ^at 9flan!e in neuefter Qüt aufmerffam gemad^t'): ber 
9Serf affer toar 3afob S^^Q^^^ (1480—1549), ein gebomer 
92ieberbaier, üon ®eorg grunbdberg in feinen geheimen ©efc^äften 
gebrandet, auc^ fonft literarifd^ üerfd^iebentlid^ tl^ätig. fflux bie 
crften öier Sudler feine» in grage fte^enben 3Berfe» tofirben in 
biefem ßufammen^ange überhaupt ju em)5^nen fein: fie enthalten 
eine f(eine UniDerfalgefd^i^te t)on audgefprod^enem anti))äpftlicl^em 
©tanbpunfte au», bed tueiteren finb fie für unfere Qtotdt o^nt 
SJebeutung. S)ag fünfte S3u^ ge^t auf bie ©arfteUung ber QtiU 
gefd^id^te, namentlid^ ber rbmifd^en 3^1^^^^^ ^ber, unb barauf 
fommen tDir }urüdE. Sinen uniDerfal^iftorifd^en 93erfu^ ^at noc^ 
Urfinu» SBeliud'), ein gebomer ©c^leficr, geioagt, ein 
9Rann öon ed^ter ^umaniftifd^er Silbung, ber nod^ bie 3^**^ 



M p Chronographie oder Beschreibung der Jaren Yonn anfaug der 
Welt bisz auff unsere Zeit dises lauffenden MDXLIX jars." Getmckt 
in der loblichen Stat Berun inn Lchtlandt etc. 

2) a)cutfd)e @c)c^id)tc im 3citaltcr ber Sicformation 4. Auflage (1867) 
2, 363 ff. ^§iftoric uon ber 3fiomifc^cn »ifc^off 9tcid) unb Slcligion , «i«^ 
t)on .Uaifcm, JHlnigcn onb ©eierten SJ^annen bie baroiber gefönten Dnb bcd« 
\)aih Verfolgung erlitten ^aben" u. f. m. (bie $anbfd)nft liegt in (Bot^X 

^) ^Epitome chronicorum mundi." oein eigentlicher Ü^ame toar ^afpar 
Vcl (^liuö). S. $lfc^ba(ft, bie ©iencr ^umaniftcn <S. 382. 



55)ic b. ®efc^ic^tfc^rcib. unter b. einmirfungcn b. ^Reformation. §cbio. 215 

SRajimtlian^ I. gcfe^cn ^attc unb eine S^W^ng ©efretär bei bem 
Äarbinal SWat^äuS ßang, bem Se^rcr be8 fpätcrcn Ä. 2Raj II., 
geiDcfen tft; aber aud^ er f)at auf einem anbeten ®ebicte ber 
©efc^id^tfd^teibung mit öergletd^ung^weije größerem ©rfolge ge^» 
arbeitet. Unter ben gortfe^em üon Uniöerfalgefc^ici^ten öon 
anberer^anb tft Äafpar ipebio ju nennen, ber ba^fe^röer* 
breitete 3Ber! bed Italieners 3)?. 91. S. ©abeHicud neu Verausgab 
unb t)on 1504 bi« 1537 fortführte. Äafpar §ebio, gegen ba« 
(£nbe beS 15. Sa^r^unbert« (1494) in ber SSaterftobt beS granj 
3renicuS geboren, gel^ört ju ben intereffonteren Srfd^einungen 
ber SReformationSjeit *) ; ben größeren S^eil feinet SebenS ^at er 
in Strasburg jugebrad^t ; mit ben ^Reformatoren felbft, namentlich 
mit SOtelant^on, ftanb er in engfter SSerbtnbung, äber^au|)t unb 
üoll Sifer mitten im ©trome ber reformatorif^en Setoegung, 
ein mutiger unb treuer Anhänger unb SBorfämpfer bcrfelben*). 
Huf bem gebiete ber iptftorie mar er aud^ fonft melfac^ t^ätig, 
jumal als Überfe^er, unb bicfe feine arbeiten, gefd^tdft gemad^t, 
erfreuten fid^ unöerfennbarer Seliebt^eit. @r loar ein ebenfo 
t^ätiger als gelehrter 9J?ann. @o übertrug er bie ^rd^engefd^id^te 
beS gufebiuS, beS Sofep^uS SBfld^er öon ber jübif^en ©efd^id^te, 
bie fog. UrSperger E^ronü, bie er jugleic^ fortfe^tc unb öon 
SKelant^on mit einem fel^r c^orafteriftifd^en unb le^neic^en 95or» 
n7ort begleiten lieg, ^atina'S ^Biographien ber ^opfte, baS 
SBerf ßufpinianS über bie „Efifaren", bie ipiftorien ^f). ßommtne'S 
u. f. f. S?on feiner gortfegung bcS ©abeHicuS werben wir 
weiter unten bei ber ®efpre^ung ber jeitgef^i^tlid^en ©arftel* 
lungen no^ einmal fprec^en. ^ebio ftorb am 7. Dttober 1552 
JU ©traßburg, wo er als ©omprebiger bie längfte 3^4* ^i"« 
angefe^ene ©teUung gefunben t)atte. 



1) SßQl Adami, Vitae Theologorum p. 117. 118. 31. bcutfc^c 53io- 
grap^ie sub h. y. 

^) (£r gehört auc^ ju ben eifrißftcn ©cricfttcrftattcm be« ^erjogS Sllbrcc^t 
üon ^rcufeen. SSgl. 3o^. iöoigt, 93ricf»c4)el ber berii^mtcftcn ®ek^rtcn 
u. f. nj. @. 297 ff. 



216 Grftc« »u4 fünftes Äapitcl. 

@tne neue unb eigene 9(rt bei Uniüerfatgef^id^te 5um ^anb- 
gebraute unb bequemer Überfiel [inb bief)iftorifd^enJlafcnbcr, 
bte in biefer ä^i* auffommen. Safe bamit wiffenj^aftlid^ ettoa^ 
gewonnen n^orben fei, loirb niemanb behaupten rooQen, aber fie 
!amen einem öor^anbenen ©ebürfniffe entgegen, unb ber große 
SBeifall, toetd)en bie erften SSerfuc^e ber 2trt Ratten, ging offenbor 
QuS ber gleid^en ©timmung ^ert)or, tuetd^er bte S^ronüen oon 
Sarion unb @Ieiban i^ren Srfolg ju Derbanfen Ratten. SS ift 
aud^ toieber SÄelantl^on, ber bie Stnregung ju bem erften 
JBerfud^e ber Strt gegeben ^at. Sm Sa^re 1550 liefe fein 5^^"«^ 
unb Schüler ?ßaul Sber bie erfte Sluflage feinet „Calendarium 
historicum" erf^einen^). Qu Ailingen am SRain am 8. SHoüember 
1511 geborest, in StnSbad^ unb Sßürnberg öorgebilbet , fam er 
1532 nad^ SBtttenberg, ertoarb fi^ einen auSgebel^nten SreiS 
t)on Äenntniffen unb fanb 1541 an ber UniDerfität eine fefte 
StnfteQung. 93on ben p^itofop^if^en 2)tö5iplinen ging er fpäter 
JU ben t^eologif^en über unb ftarb am 10. 3)ejember 1569 ald 
^^Jrofeffor ber 3;^eologie, ©tabtpfarrer unb ©uperintenbent ju 
SBittenberg. ©eine literarifc^e Stjätigfeit bewegte fid^ in einer 
entfc^ieben pöI^l)iftorif^en SRic^tung, bod^ Derlor er bie ^iftorie, 
Welcher er fid^ frü^ jugewenbet l^atte, niemals auS ben Slugen. 
©eine ber allgemeinen ®efd^ic^te befreunbete SWeigung jeigte er 
im Saläre 1543 baburcft, ba^ er über ein ^Carmen quod con- 
tinet Catalogum Iraperatorum Romauorum et Germanicorum 
Caesarum", locId^eS SWelantl^onö ©c^loiegerfo^n ®eorg ©a- 
binuö }um SSerf affer ^atte, SJorlefungen I)iclt. ©einen „©e- 
fc^ic^töfalenber" f)atte aWcIantl^on ücrantafet*); bie fpfiteren 
Stuflagen finb auä) burc^ beffen Qii]a^t bereichert njorben. 3ni 
3at)re 1582 erjc^icn auc^ eine beut}d)e, nnb no^ im Saläre 1639 



') «gl. iS. §. Sijt, <paul Cfbcr. Gin ©tücf SBittcnbcrgcr ficbcnÄ. 
'JlnSbad) 1857. (5^ i^rcffcl, "^aul ßbcr. (^Ibciiclb 18G2.) — »rccbcr 
in ber §(. bcutfd)cn ^^iogropMc 8ub h. v. 

^) ^Sum enim id jussue facere a Philippo, et a multis aliis rogatus" 
fdjrcibt er an ©ernbccf (3i?t o. a. C. ©eüagc IX 6. 234). 



'^ic b. ©cfd^ic^tfc^rcib. unter b. Giniüivfungcn b. JHcformotion. ©cut^cv. 217 

}u ®enf eine franjöfifd^e Stuögabc. Sei aller SBraud^barfeit 
^Qtte ba§ SSerfaörcn, bei bcn loi^tigften (Srcigniffcn überall nebft 
bcm 3af)re aud^ ben ZaQ, an toeld^em e^ gefc^elien, anjugeben, 
tüie f^on (Samerariuö gefunben, fein großes SBcbenfen, — 
n)et( @ber unfritifd^ genug tuar, bad in ^öQen ju tl^un, bei 
njeldjen unfer SGBiffen unbebingt aufijört , »ie überhaupt bie f or* 
fc^enben ipiftorifer ber SHefonnationÄjcit [ii^ na^eju grunbfäglicö 
gern in bie bunfelften unb unnaf)barften ®ebiete ber ^rono- 
logifc^en Kombinationen begaben unb aud na^eliegenben ©runben 
leicht auf Slbwege gerieten, ©d^on ein Sal^r nad^ bem Sr- 
f (feinen ber erften 3(uflage be§ „Calendarium historicum** trat 
ein öerttjanbteS Unternehmen an ba^ 2id)t, beffen Urheber toir 
and) augerbem nod^ ju nennen l^aben werben: er toax ein 
SanbSmann ?ß. ©berS, mit Sßamen ÜRid^ael SBeutl^er, au«J 
Äarlftabt am 3)?ain ftammenb^. Sm Sa^re 1522 geboren, njar 
er jiemlid^ jung über äRarburg nad^ SBittenberg gefommen unb 
^atte fid^ ^ier mit ganjem ^erjen ber {Reformation angefd^toffen. 
iBon ba fam er a(S ?ßrofeffor nai^ ©reifStoalbe unb folgte 1548 
einem JRufe nad^ SBirjburg aU 9tat beS gürftbifc^of^ SKeld^ior 
t)on3obeI; biefe Stellung, bie im ganjen bis 1559 bauerte, unter» 
bxad) er burd^ eine 92eife nad^ ^ranfreic^ unb ^ielt fid^ an ben 
llniöerfitäten , loie ?ßoitierS, StngerS unb Orleans, an melden 
taS ©tubium ber SuriSprubenj blühte, länger auf. ^aä) ?ßariS 
jurüdgefe^rt , ^ielt er tjier öffentlid^e SSorträge „De annorum 
supputatione", alfo über einen ®egenftanb, ber i^m befonberS 
toarm am ^^erjen lag, unb üeröffenttid^te juglei^ ^ier (1551) 
feine „Ephemeris historica", atfo baS 2öer!, njelc^eS mit 6berS 
©efc^id^tStalenber eine unleugbare SSerwanbtfd^aft ^atte unb i^m 
barum ben 9>ortt)urf äujog, bafe er biefeS na^gea^mt I)abe. 
®egen biefe UnterfteUung t)ertt)af)rt fic^ S8eut()er aber in einer 
ber jtoeiten 2(uSgabe (1556) üorauSgef^idten 3"f^rift an 
^. 6ber unb fü^rt an, ba^ aud^ er Don Ü)?eIantt)on ju biefem 

^) 5SgI. ben betr. Slrtifcl in ber ?(. beutfdicn ©ioc^rop^ie sub h. v., wo 
ft4 SUgleic^ bie übrige lüitcratur angeführt fiabet. 



218 ^rf^c« 53u4, fünftes Stapxitl 

Unternehmen angeregt worben fei, bereits in ber Qdt feine» 
9(ufentl^a(ted in @)retfdn)a(be baran gearbeitet unb cd in ^ari^ 
öoUenbet l^abe. ®er §ergang fd^cint ft^ in ber 2;^at fo ju 
t)er^a(ten; ed fehlte ja nic^t an bereite t)orIiegenben ö^nli^en 
SSerfu^en biefer 2trt, unb eS unterliegt jugleic^ feinem 3^^Mr 
bag ®eutf)er, tual^ audgebe^nte ^enntniffe unb %ati in ber 9(uS« 
loa^I ber ©reigniffe anlangt, feinem Äonfurrenten entfd^icben 
überlegen toar. 3)er @rfoIg feiner Ephemeris ift bo^er gleich 
grog gen)efen, obn)o^I fie nid^t fo Diele 9luf(agen erlebte mie baS 
Calendarium historicum @berd. 93on $ariS nac^ SBtrjburg 
5urücfgefe^rt, pubüjirte er l^ier im Sa^re 1558 fein Caleudarium 
historicum in beutf^er ©prad^e, JBeioeiö genug, »ie fe^r ©c^riften 
biefer Art bamals gefud^t loaren; biefer „Oefc^id^tSfalenbcr" ift 
aber nid^t, tDie man geglaubt ju ^aben fc^eint, ein neued 3ßer!, 
fonbern nur eine red^t gelungene beutfd^e Bearbeitung ber Ephe- 
meris. 3n toeld^em ®rabe Seut^er mit feinen 3citgenoffcn Don 
biefer Jialenberform eingenommen toar, jeigte er toeiter^tn bur^ 
bie 3;^atfa^e, baß er im 3a^re 1556 „Fasti Hebraeonim, 
Atheniensium et Romanorum'' ^erauSgab, ein Sßerf, baS über 
feine ©ele^rfamfeit unb ben Srnft, toie er fold^e aufgaben be» 
^anbelte, feinen S^^^H öt^rifl Wfet- 3"^ Sefd^äftigung mit ber 
allgemeinen @efd^id^te fül^lte er fid^ äbert)aupt mäd^ttg ^ingtjogen. 
©0 überfe^te er bie S^ronif beS Gorion unb tiefe im Sa^rc 1566, 
als er ^rofeffor ber ©efd^id^te an ber Uniüerfität ©trafebnrg 
geworben toar, felbft eine fe^r umfangrei^e G^ronif uniöerfettcr 
2;enbenj erfd^einen, bie jebod^, toie er f^on auf bem 2;itel fagt, 
in ber §auptfad^e in einer Bearbeitung ber Urfperger ©fjronif, 
toie fie bie Überfegung §ebioö an bie §anb gab, unb ber ^ifto* 
rifd^en ©d^riften beS Sirit^emiuS u. bgl. befielt ; nur baS fünfte 
unb (e^te Bu^, baS ^auptfäd^lid^ bie ß^i^S^f^^^^^ be^anbelt, 
ift nebft einer furjen Einleitung fein eigene^ SBerf ; inbeS mac^t 
bie Jorm ber iBarfteÜung in feiner SBeife t)ö^ere Slnfprfic^e unb 
ein befonbereg SBerbienft fommt bemfelben nic^t 5U. 3)ie Sfrbeiten 
Seut^er!^ auf bem Gebiete ber ©efd^ic^te finb aber bamit feined* 



^e beutfc^c ®ef(^t(^tf(^rci5ung unter ben Stnwirfungen ber 92eformation. 219^ 

toegd erfd^öpft, tDtr tDerben no^ einige 3RaIe t)on i^m ju fpred^en 
^aben : fein Seben tpie feine literarifd^e S^ätigfeit, bie überhaupt 
bi^ in feilte legten ^al^re eine ungeiPÖ^nlid^ groge mar, reid^t 
ja auc^ um ein ÜRenfd^enalter über ba^ Qtitoiitx ber SRefor- 
mation ^inauS. @r ift am 27. Df tober 1587 geftorben. — 

Sei ben SBcrfen, bie eine übcrtoiegenb uniöerfal^iftorifd^e 

S^enbeng Derfolgen, ^aben loir ipieber^olt bie SBa^me^mung ge« 

ma^t, bafe fie ber 3Äe^rja^l na^, mel^r ober weniger eingel^enb, 

fic^ mit ber 3citgefd^i(]^te befd^öftigen. Sin fold^ed ift jtoar feine 

neue (Srfc^einung, aber nä^er ^at el^ getoig niemals gelegen. 

SBir ^aben und über ben Sl^arafter unb bie 93ebeutung biefed 

3€italterd f^on weiter oben audgejpro^en : bie Soraudfegung 

brängt fid^ auf, bag nic^t lei^t eined bie S)arfteQung ber QtxU 

gefd^ic^te in ^ö^erem @rabe begünftigen tonnte, wie biefed, in 

tDcI^em alle Sfntereffen in Bewegung gefegt unb bie ®eifter in 

ifiren l^eittgften Smpfinbungen getroffen unb in i^rer Xiefe auf^ 

geregt würben. SSad mugte ba bie ^lufmertfamfeit me^r in 

^nfpruc^ nehmen atö ber äSerlauf ber SBegebent)eiten , bie über 

baS ©efd^icf t)on ^ufenben entj^ieben unb bie Sage ber Station^ 

ja ber SSeU ju beftimmen unb ju geftalten anget^an waren? 

@d liegt barum für unfere Qmdt bie grage bcfonberd na^e, 

toa^ f)at biefe @po^e in ber Se^anblung ber QeitQt\ä^i6)tt 

gcleiftet? Sft etwa ein SBerf entftanben, bad ben gefammten unb 

jugleid^ Wefentlic^en 3n^alt berfelben in meifter^after ober boc^ 

in gelungener SBcife jur änfd^auung bringt? S)abei ift freilidE^ 

t)on t)omt)erein nid^t ju öergeffen, bajj, wenn fi^ in einer $er* 

fönltd^feit öieHeid^t nod^ fo öiefeS öereinigte, fie ju biefer Stuf* 

gäbe JU befähigen, gerabe bad S^arafteriftifc^e unb Sieijenbe ber 

(Spoc^e, bie gewaltige @paltung unb ^arteiung ber ©eifter, bodE^ 

aud^ eine unoerfennbare (Srfd^werung bed ©elingend in fi^ barg. 

S)ic 9lntwort auf jene gragen ift nun bie, ba§ bie Änja^I ber 

jcitgenöffifd^en 9lufjeic^nungen, aUeS in allem gered^net, an ficft 

grofe genug erfd^cinen barf, bie wcfentli^ften ÜRomente ber welt^^ 

gefd)ic^tli^en Bewegung finb vertreten, alleS greift jur g^ber. 



220 Srftc« S3uci^, fünfte« Äopitcl. 

Dom Äaifer angefangen bis jum Sanb^fnec^tfü^rcr unb jum 
ritterbürtigcn ©trau^rittcr herunter, in bcn mannigfaltigftcn ®c* 
ftalten ^ö^ercr unb niebcrcr Slrt toirb 3ci^9^fcl^i^tc bargcftcllt, 
ju ben alten gormcn ^in wirb baS ®enre ber Siograp^ic , ber 
©eIbftbiograpt)ic unb ber ©enhüürbigfeiten mit SBortiebc fuftiötrt, 
Don ber potitijd^en Seite ^er [uc^en bie einen, üon ber firc^ttcfien 
anbere loaS [ie erlebt unb bewegt ju fifiren. ©aß bic (Segen* 
fäge ber Qdt in biefen fonft wie immer öerfd^iebenen SESerfen 
meift jum beutlic^en ^udbrud gelangen, lägt [ic^ nic^t anberd 
erwarten: wir werben aber t)ernef)men, eö gefd^iel^t baS juglrid^ 
in üerfd^iebener SEBeife. 

Snbem wir nun 5ur Sefpred^ung biefer ieitgefc^ic^tlid^en 
Siteratur übergeben, werben wir gewife aud^ hierbei gut tf)un, 
uns auf bie §erubäel&ung beS Sebeutenben unb beS S^arafteri* 
ftifc^en.ju Qe|dbränfen. Unb ba ift eS nun baS Sßerf etneS 
borsuglid^en STOanneS, ben wir bereits einmal genannt unb auS- 
ge^ei^net ^aben, welches wir an bie ©pi^e biefer SBetra^tung 
fteUen unb baS in nod^ ganj anberer Art als ber Slbrife feiner 
Uniüerfalgefc^ic^te , feinen SJerfaffer in bie erfte 9teil)e ber (Se^ 
fc^id^tfc^reibcr fteUte. SJon ben 3ci*9C"offen mit Sewunberung 
ober mit e^renöoUem Sffiiberfpru^e aufgenommen, ^aben ©fei* 
banS „Gommentare über bie Qtit ß. fiarl V."^) bei ben fom* 
menben ®efd^Iec^tern lange ßeit eine ungeminberte Slutorttät 
be^ouptet unb jugleic^ nod) in einer anberen Mid^tung eine 
neue 9(rt ©efd^id^te ju fcf)reiben inaugurirt. Auf bie ^oä)- 
fcl)fi^ung, bie il)m 3at)r^unberte fjinburc!^ ju Xeil geworben ift 
unb geringen SSiberfprud^ gefunben f)at, ift in neuerer 3cit aUer- 
bingS bie Steigung laut geworben, feinen äiul^m ju minbern unb 
fein SSerbienft auf ein geringes SWafe jurücfjufüfiren. @S wirb 
fid^ bei näherer SBetra^tung ergeben, inwiefern baS eine unb 
baS anbere begrünbet ift 2). 



*) „Commentarii de statu religionis et reipublicae Carolo V. Caesaiv.** 

'^) 5)ic Literatur über ©Iciban i)t jicmlid) jaljlvcid). ®ir merbcn und 

(genügen Ia){cn bürfcn, ba^ ^J^eueve unb ^^td)ttgcre bat)on f}ict anjufü^rcn. 



S)ie b. ®c|c§id)tfc^rcib. unter b. ßinroirtungcn b. ^Reformation. SIeibanuÄ. 221 

®ci faum einem Oefd^id^tfc^reiber ber SReformationöäcit 
bürftcn bie äußeren ©c^idfafe feines fiebenS öon ber großen 
©ebeutung fein toie bei ©leiban, unb bod^ finb toir über jum 
3:eile red)t wid^tige üKomente beSfelben nid^t in bem ÜRaße unter* 
richtet, aU eS im Sntereffe ber ©ad^e getoünf^t »erben muß. 
SRac^ ben einen ift er im Sa^re 1506, nad^ ben anbcm 1508 
ju ©leiben in ber @tfel, bem §au|)tfige ber ©rafen öon 9Kan* 
bcrf^eib geboren *). ©eine erfte SBilbung erhielt er in ber ©c^ule 
feines ®eburtSorteS ; weiterhin befud^te er Sütti^, fiöioen, Söln, 
^ariS. .©d^on jur 3^^^ )^xnt^ Aufenthaltes in Söioen ^at er 
feine ©tellung ju ber brennenben t^^a^^ ber Gpod^c genommen, 
er erfd^eint bereits als toarmer unb entfd^iebener Stn^änger ber 
9leformation , in weld^er er aber nid^t bloß eine religiöfe, fon* 
bem au^ eine große potitif^e Slngelegen^eit er!ennt^). 9Son 
entfdjeibenben golgen ift für i^n fein Sefuc^ in 5ßariS geworben : 
eS leitete fid^ bamit ein Slufent^alt in granfreid^ ein, ber neun 
So^re gebauert l^at. ©eine anfänglid^e SBilbung toar Ijuniani» 
ftif^er SWatur gemefen ; je|jt öolljog er ben Übergang jur SuriS- 
prubenj: mie lange er fid^ ju biefem Qtocdt in Orleans ouf* 
gehalten ^at, läßt fid^ mit ©icfter^eit nic^t nac^mcifen, gewiß ift, 
baß er bort (1535?) jum Sijentiaten ber Siechte promoüirt 
toorben ift. 3m 3al)rc 1536 war er aller SEBa^rfd^einlid^feit 
nac^ bereits wieber nac^ 5ßariS jurüdEgefe^rt ; baS 3at)r barauf 



1. Dr. X^eobor $aur, Sol^. @Iciban8 Äommentarc über bie SRcgicrung^jcit 
^orlS V. ?c. ficipjig 1843. 2. ©ermonn ©ountgarten: a) Über ©Iciban^ 
ficbcn unb S3ricf»ec^fcl. Strasburg 1878. b) ©leibang ^riefroedjfel. (Strafebur^ 
1881. — 3n bicfen Schriften, namentlich sub ^J?r. 1, finbct ficft hie ältcw 
lÜiteratur in ouSreic^nber Literatur angegeben. SBon ben älteren SBtograp^cn 
eieibanä fei locnigftcnS SRicftael ©eut^er (f. oben 6. 271 «nm. 1) ald ber 
„rdatio j^uöcriaifigfte" auöbrücflic^ ermahnt. 

') 3)cr richtige SSomome ©leibonSi fc^eint Sodann SBaptift gemefcn 
JU fein (§. S3aumgartcn, ©riefmecftfel ©.XVII). «lÄ QJefcftlecfttönamen 
gibt er urfprünglidft „^l^ilipfon" an, meieren er nac^ ber 9lrt ber 4)umaniften 
Ipötcr (1525) bur(ft „©leibanuS* crfeötc. 

«) 6. feinen ©rief an Shitger SJeäciu«, d. d. üüttic^ 1530 («riefnjed)fel 
e. 1—3). — §. ©aumgortcn, über 6IcibanS Öebcn <5. 49. 



222 ßrftc« ©uc^, fünfte« StopM, 

crj^cint er bereits in einer bienftli^en ©teHung ju bcm Sarbinal* 

tif^of öon ?ßariö, Sodann öon SeQa^, für toel^en er bic ftor« 

refponbenj mit ben beutfd^en ?ßroteftanten ju führen fjatte. 3n 

eben biejeS 3a^r fäHt eine literarifcfte ^ublifation feincrfcitö, 

mit loel^er er jum erften SWale baö ©ebiet betrat, auf bem er 

fpöter feine bleibenbften ©rfolge erjielt l^at, nömlid^ bad fjifto* 

rifd^c: er gab nämlid^ in lateinifc^er ©prad^e einen jiemlic^ 

umfangreid^en Stuöjug au§ bem bekannten ®efd^id^tött)erfe bed 

3ot)anneö groiffarb Iierauö^). S)iefe 9lrbeit an fid^ fann 

leineStocg« bebeutenb genannt toerbcn, aber eincrfeitS bcjeugt fic, 

bafe er bereite feit einiger Qcii begonnen ^atte, fi^ eingc^enb mit 

Oef^ic^te ju bef d^äftigen , unb anbrerfeitS lernen »ir bei biefer 

(Gelegenheit bie Slnf^auungen fennen, njel^e er fic^ um biefe 

3cit über bie Oef^id^tfd^reibung, i^re Aufgabe unb tl^ren Qmd 

gebilbet ^atte. Unb eben biefe l^aben für und bod^ ein re(^t 

naf)e licgenbeS Sntereffe. 6r faßt ^ier bie ©ef^ic^te in crfter 

Sinie öon i^rer praftifdijen ©eite. 3)ie SRed^t^toiffcnfd^aft in 

©t)ren, aber für ben ^anbelnben Staatsmann l^abe boc^ bie 

©efd^id^te ben größeren SBert, fo na^ Dertoanbt auc^ beibc mit 

einanber feien. Unb »ieber üinbijirt er bcr ©cjj^^te ber jüngftcn 

33ergangenl)eit öor ben älteren 3^^^^" ben^SBorjug, jumal tocnn 

biefe SSergangen^eit öon fo unöerglei^Ii^ f)ert)orragenber 8e* 

beutung fei unb „in ber fürjeften 3^'* fo mannigfaltige unb 

tounbcrbare S5egebenl)eiten fid^ maffen^aft 5ufammenbrängen". SHd 

ein SKufter einer foldjen ber unmittelbaren ©egenroart jugctoanbten 

©cfd^id^tfc^reibung erfd^eint i^m groiffarb; auö biefem ®runbt 

möd^te er gcrabe il^n öorjugönjeife ben weiteften ftreifen ju* 

gSnglic^ ma^en. S)enn biefer @efdt)ic^tfd^reiber fei nic^t nur 

burd^ bie glücflid^e SSa^I feincS ©toffcS, fonbern ju glei^cm 

©rabe burc^ bie meifter^afte Söe^aublung beSfelben unb überbied 

burdi) bie 3iiö^'^fäffigfeit feiner auf eigene Stnfi^auung ober ben 

ed^teften Cuellen ru^enben S)arftcllung auSgejeid^net. 6S ift 



^) ^Joannis Froissardi historiarum Epitome.' 



•S)ic b. ©cf(^i(l^tf(!6rcib. unter b. (£in»irfungcn b. ^Reformation. SIeibanu«. 223 

fc^on öfters audgefprod^en n^orben, bag ber ©ebanfe ©letbanS, 
^roiffarb auf biefc 3Bcife ju populariftrcn, nid^t ber jiDCcfinäfeigftc 
loar; fd^on barum tüo^l, tocil auf bicfcm SBegc gerabe bag, loaö 
mit ben I)ö^ftcn SJcij beö franjöfifd^en ©cfc^t^tf^reibcrS bitbct, 
unfel^Ibar öcrlorcn gclicn mu^te. @r l^at bag in einem gereifteren 
^tabium balb genug felbft eingefelien : als er ju ber Bearbeitung 
t)on ^ßl^itipp Eommine'S ©ef^id^tStoer! fd^ritt, entfc^ieb er fic^ 
jlDar lieber für bie lateinifd^e ©prad^e, jog eS aber Dor, tDenig« 
ftenö öon einem blofecn SluSjug abjufe^en^). ©ajiDifc^en lag 
aber nod^ eine SRci^e Don Sauren, wftl^renb toeld^er er in granf* 
xeid^ fid^ feftl^alten liefe. SBaS i^n feftf)ielt njar, um e8 furj ju 
4agen, ba8 Sntereffe ber beutfd^en ?ßrotef tauten, bjto. beS fd^mal* 
lalbifd^en SJunbeS. 3)al)in toar eS ja gefommen, bag ber S3unb, 
um feine gute ©ad^e üon ber bro^enben SBergewaltigung burc^ 
Jbie faiferlic^ ^ fpanifc^e ?ßoIitif ju öerl^inbern , fid^ in bie pein» 
lid^e SRottoenbigfeit ücrfegt fal^, bie bargebotene §anb einer fo 
^toeibcutigen ?ßoIitit, ttjie bie franjöfifd^e war, nid^t ju üer* 
fc^mä^en. ©leiban toar, toie toir gef)ört l^aben, ein toarmer 3ln^ 
I)änger ber ^Reformation, unb ber SBunfd^, für fie in granfrei^ 
^u arbeiten, toar eS, ber i^n in bie Släl^e beg ÄarbinalS be SeQa^, 
ber bamate auf bie franjöfifd^e ?ßoIitif mit inftuirte, geführt 
^atte. (So golt junäd^ft eine SSerftänbigung ber ©c^molfafbner 
mit bem Äaifer ju Derpten. 3m Suni be§ Sa^reS 1540 trat 
ber befannte Siag in ^agenau jufammen*) unb ©leiban tourbc 
auf Stnregung t)on ©eite be§ fiarbinalS Don S. granj I. bortI)in 
entfanbt, um neben bem offijiellen 3?e|)rafentanten granfteid^ö 
im geheimen für jene ?ßoIitif t^ätig ju fein. (SS toar baö erfte 
HKal, bafe e8 i^m Dergönnt toar, für bie große ©ad)e, bie feine 
@cele ganj erfüllte, feine Gräfte ju Derfud^en. S)er neueftc unb 
forgfäftigfte Siograp^ ©(eibanö mac^t mit JRed^t geltenb, bafe 



*) 3)er eine Xeil Don 6Ieiban§ Iateinifd)er ©earbeitunq Gomminc'ö er* 
festen jucrft im Solare 1545. 

*) SR ante, beutfcfee ©cfc^ic^te im Qeitolter ber ^Deformation (§luögabc 
.öon 1852) 5, 151 ff. 



224 etflc« ^üd), fünftes Kapitel 

mit btefem feinem SBefud^e im SBaterlanbc jttJei toid^ttgc SWomentc 
jeineö Öebenö in unmittelbarem ß^f^n^wien^ang fte^en bürften, 
einmal fein SSorfa^, in ben Äampf ber beutfd^en ^arteten publi* 
jiftifd^ einjutreten, unb jum jioeiten fein ©ntfd^Iufe, ben ©toff 
ju einer Oefc^i^te ber ^Reformation, bjto. beä 3^*^^*^^^ Ä- 
Äarl V. JU fammefn. iBer erfte, urfprfinglid^e ©ebanfe baju 
reid)t fogar bi^ in ba§ Sa^r 1539 surüdC*). S)ie STOiffion, toelt!^ 
SIeiban nac^ ^agenau fä{)rte, f^eiterte an bem SSiberftanbe bed 
Sanbgrafen ^^iltpp öon ipeffen, unb er feierte 1540 nac^ ?ßorid 
jurüdE. SBalb barauf fc^ritt er jur Stuöarbeitung einer pu* 
blijiftifd^en ©c^rift in beutfc^er ©prac^e, feiner berühmten 
„Cration an äße S^urfürften, gürften unb ©tänbe be8 ^tiä^i, 
öon be§ SBapStumbS aufffomen unb abnemen" u. f. f., bereu 
Seftimmung njar, bie beutfi^en Söi^fte^ h^^ STOi^traucn gegen 
bie "ißolitif ber (S^urie unb jur (Sintrad^t ju ermahnen. S)ie 9lebe 
an ben Saifer — bie o^ne S^^if^I i« i^^cfer Qtit entftanben 
ift — Win biefen für bie ©ad^e ber SReformotion getoinnen unb 
jur Soöfagung Don bem Sunbe mit bem ^apfte überreben. 3)ie 
Veröffentlichung biefer JRebe ift aßerbingg erft ein 3a^r fpfiter 
gefcl^et)en. Snjnjifc^en, im Sa^re 1541, ging ©leiban als ©efretdr 
einer jioeitcn franjöfifc^en ©efanbtfd^aft unmittelbar an bie 
^äupter bed fc^malfalbif^en SunbeS noc^ einmal na^ ^utfc^* 
lanb, aber au^ biefer tt)ieberf)oIte SBerfu^ enbete üoUftänbig er* 
gebni^Iod: bie ©d^malfalbner lehnten unbebingt jebe toeitere 
$$ert)anb(ung ab. !J!)tefed SRigtingen totrfte aber ungünfttg auf 
©(eiband ©tellung in ^ranfreid^ juriicf: fie mar baburd^ fa 
grunblid^ erfd^üttert, i>a% er fid^ entfd^Iog, nac^ S^eutf^Iani^ 
jurüdEjute^ren. 2)iefen ©ntf^tufe führte er nod^ im SSerlaufe 
beö 3a^re§ 1542 au«. QnxüdQtttf)xt , fd^eint er junäc^ft feine 
^eimat anfgefu^t ju ^oben; erft im grü^ja^r 1544 fiebclte er 
nac^ ©tragburg über, mo^in i^n alte SJerbinbungen mit ang^ 
f ebenen SRännern jogen. S)ie SReid^öftabt ift fcitbem mit hirjoi 



^) §. ©a um garten, über ©IcibonS 2cbcn ©.58 ff. 



^ieb.(lkf(^t(l4tf(^Tetbung unter b.^ntuirrungenb.SReformation. @(etbanu9. 225 

Unterbrechungen fein bicibenber SBol^nfig geioorbcn. 8Son ^ier 
au^ finb feine fd^on weiter oben berührten SReben an ben fiaijer 
unb bie gürften öeröffentlid^t worben. ^icr ift er jugleic^ auf 
ben bereits früher gefafeten ®ebanfen, eine ©efd^ic^te ber Ütefor« 
mation ju fd^reiben, unter bem 3"fP^ii^^ \^^^^ ©tragburger 
greunbe toie SBu^er unb Salob ©türm, in aQem ©rnfte njieber 
jurüdgefommen unb ^Qt er ju biefem Qtoedt bie SJ^aterialien ju 
fammeln begonnen. Um aber bafür bie nötige 9Ruge unb ard^iüa^ 
lifd^e Unterftü^ung ju geioinnen, ^ielt er eiS für angezeigt, bie 
Unterftü^ung ber fd^malfafbifd^en S5unbedfürften anjurufen unb 
JU emjerben. Qnt görberung bicfeö feine« SBunfd^eÄ öeröffent* 
lichte er im Sanuar 1545 bie bereit« ertoäf)nte lateinifc^e ©earbei* 
tung eine« Steile« Don So mm ine'« ÜRemoiren, bur^ njeld^e er 
at« einem impomrenben 3Äufter, feine beutfd^en ä^itfl^noffen auf 
bie SBid^tigfeit einer ät)nli^cn ©arftettung ber eigenen QdU 
genoffen ^intoeifen unb iugleid^ ficf) fetbft at« ben für eine folc^e 
Stuf gäbe berufenen SRann empfehlen njoHte^). ®r f)att^ e« bei 
bicfer SEBerbung in erfter Sinie auf bie 93unbe«f)äupter, ben Sanb- 
grafen Don Reffen unb ben Äurfürften Sol^ann griebri^ Don 
@ad^fen abgefel)en; aber au^ an ^er}og S)7orig Don ©ad^fen 
toenbete er fi^ mittelbar, unb unmittelbar an fintier, um ju 
feinem S^tU ju gelangen. 3m ©ommer 1545 rüdfte bie An« 
gelegen^eit enblii^ t^rer Stitfd^eibung nä^er; toenigften« ein ®nt* 
tt>urf be« 83ertrag«inftrumente« ift reif getoorben. 

S(I« einen (£rmuttgung«grunb, ba« abgebrod^ene SBerf toieber 
aufjunel^men, fü^rt übrigen« ©teiban in ber SBibmung be«felben 
an ben Äurfürften Stuguft Don ©ad^fen u. a. auc^ ben Um= 
ftanb an, bafe in ber 3^if^^"ä^i^ ^^"^9^ ©Triften erfd^ienen 
feien, toefd^en im Sntereffe ber gefc^id^tlid^en SBa^r^eit entgegen- 
getreten toerben muffe, ©o na^m er alfo mit bem 5. SBu^e 
im ©eptember 1552 bie Jlrbeit wieber auf, am 2. Slprit 1554 
fonnte er bie JBolIenbung berfelben an EalDin mitteilen, ©o 



*) ^. ©aumgQrtcn a. q. O. (S. 69. 

to. ® es elf« (9t\iiiäiU ber beutf,4en $>i{loTto0rap^ie. 15 



226 ®^*<^^ ®w4f ^n^tt^ ^apM. 

mand^e fd^tper cnH)funbcnc ©törung luar ober auä) j|c|t bajtoif^en* 
getreten. 3m 3. 1553 ift feine grau, bic er 7 Saläre früher 
]^eimgefüt)rt i)attt, geftorben, im Dftober 1554 trmrbe i^m fein 
unerfefelid^er greunb 3afob ©türm, ber an feinem ®cfc^i^t8« 
ipcrfe bcn tt)ätigften Slnteil genommen t)atte, burd^ ben Sob ent? 
riffen. Unter bcn nicberbrüdEcnbftcn Störungen unb ber bittcrften 
iBereitelung f o mand^er Hoffnung , bie er auf feine l^ol^cn ®&nner 
ju fefeen nid^t mübe ttjarb, t)at er fein SDSerf ju Snbe gcbradjt 
unb bie 9ict)ifion begfelbcn burdE|gefüt)rt. 9iod^ im §erbftc 1554 
ging e§ in bcn 3)rudE. ©leiban t)atte bie äbfid^t gel^egt, eö bem 
^erjog 6t)riftopt) öon SBirtemberg ju hjibmen, biefer Icl^ntc aber 
in feiner ÄngftlidEjfeit ab, unb öom faiferlidEjen ^ofe, toit c^ fi^eint, 
mürbe fogar ber SRat ber ©tabt ©trafeburg bearbeitet, ben 3)ru(! 
beö SBerfeö felbft ju fiftiren unb fo bie SScröffentlid^ung bcöfelben 
JU öer^inbern. S)od^ biefe mcnig rüt)mUdE)e 3ntrigue ^atte leinen 
©rfolg unb ftatt be§ SBirtembergerg jeigte Äurfürft Stuguft bon 
©ac^fcn fo Dielen SDhit, bie S)ebifation ber ©ommentarc fic^ gc* 
faden ju laffen. SRodE) öor Gnbc Slprit (1555) mürbe cd au^ 
gegeben. S)er ©rfolg beg SudE)e^ war ein aufeerorbentlid^er, aber 
nid^t minber trug er i^m üon ©eite ber ©egner Siad^reben unb 
3)rot)ungen ein. S)ie ©efürc^tung (egte fid^ nat)c, baö untoitt» 
lommenc ®cfdE)idE)tön)crf fönne im $HcidE)e verboten werben. So 
tuenig erfüllten fid^ bic Hoffnungen, bic ber Urheber beSfelben 
für bie ©icfjerung feiner 3iifiinft öuf baöfelbe gefegt ^atte. ©elbft 
fold^e gürften, bic it)m tool)! molftcn unb mit feinen Stnfc^au* 
ungen übereinftimmten , tuagtcn nidE)t, it)n in i^re S)icnfte ju 
nehmen. ®r fjattc ttJO^I urfprüng(idE) bie äbfid^t gel^abt, fein 
©efd^ic^tömerf aud^ in bcutfdE)cr ©pradEjc ^crauöjugeben, unb mit 
Stecht ^at man in neuefter 3cit barauf aufmerffam gcmad^t, bafe 
e^ boppclt JU bebaucrn bleibt, baß er bicfe ?lbfic^t nid^t avü^ 
gcfül)rt f)at, tücil er, tüxe in^befonbcre feine au« S^rient 8^ 
fdEjricbenen Sricfe e§ bejeugen, bic 3Kutterfprad^e in einer in jener 
3cit fcltencn SSortreff(id^!cit ju fc^reibcn öerftanb^). ©leiban 

1) Jöaum garten, ^ricfroct^fcl ©. 2ü. 



^ie b. ®ef(^t(^tf(^reibttng unter b. SintDirhtngen b. Sieformation. ©leibanuS. 227 

fclbft fanb ®runb genug, jene Unterlaffung tief ju bebauem, 
loeil fc^neU genug unberufene dritte fid^ biefe^ ®efcf)äfteig 6e* 
mäc^tigten. S)er erfte, ber biefeö o^ne 3^'* h^ Verlieren tliat 
unb o^ne bofe ber SSerfaffer eö ju üerfiinbern toermodite, tpar 
^etnrid^ ^antaleon au^ Saf el, mit beff en Seiftung er freiließ 
unb mit 9iecf)t bur^aug unjufricben ttjar. Snbei^ über SSerbriefe^ 
lic^feiten biefer unb anberer Slrt, bic i^m fein ©ef^id^tötperf öiet 
Icid)t nod^ erttjedt f)ätte, \)ob i^n ein meUcicf)t günftigeg ©efd^id 
l^inttjeg ; im Stuguft 1556 fing er ju Iränfeln an unb am 30. Df tober 
ftarb er^). 

@§ ift nun aber an ber Qeit, ba^ grofee ®efcf)icf|t§tt)erf felbft 
nä^er in^ ?luge ju f äffen, gür feine 93ebeutung, um bag fogleie^ 
Don öornf)erein geltenb ju machen, erttjecft unter aßen tlmftänben 
bie gfinftigfte 9D?einung bie 3:^atfad)e, bafe öielleic^t feinet aller 
gef^ic^tlid^en SBerfe, bie S)eutfd^Ianb Dörfer unb nacf)I)er f)ert)Op 
gebracht l)at, ein fo aufeerorbentlidied Sluffe^en gemacf)t, fo lauten 
unb nacf)f|altenben SöeifaH ttjie Ieibenfc^aft(icf)en unb fc^ttjer Der* 
ftummenben aBiberfprue^ t)ert)orgerufen ijat 3""^ erftenmale 
überhaupt ift f)ier ja mit ©rfolg ber SSerfucf) gemad^t, eine ©poe^e 
unferer ©efc^id^te Don h)eltgefcf)icf)tlicf|er Sebeutung öon itjrem 
f[nfange an unb in itjrem ganjcn SSerlaufe barjuftellen ; unb jtoar 
ift ber SSerfuc^ gemadit üon einem 3^it9^" offen . ber nocf) baju 
eine ganj bcftimmtc unb bett)äf|rtc ©teHung ju ber in g^age 
ftel^enben ©ettjegung eingenommen l^at. S)a6 ein fofc^eö Untere 
net)men gettjagt ttjurbe, ift allein |cf|on ein fc^fagenber öettjeig 
für bie au&erorbentIicf)e Srttjeiterung, ttjeld^e feit bem ©inbringen 



^) ißat^ ber frül^r l^errfc^enben ^(nnal^me am 31. Oftober. iBaum« 
garten (61eibanud ^htn @. 504) fc^eiut mit 97c(^t für bcn 30. OCtober ein« 
zutreten. 92ac^ 9Boltcrd (in feiner 8(^nft über Ü^onrab t>on ^redbac^ 
(Kbcrfelb 1567 @. 158) ^ätte ft(^ für SIctban nod) in feiner legten £cbcnd« 
^it bie ermünfd^te ^uSftc^t eröffnet, ald ^rofeffor ber Q^cfc^ic^te an bie pro« 
jcftirte Uniberfttüt ^utdburg berufen ^u loerben. — Über <B\c\ban ftnb u. a. 
üVid) du Dgl. £). Soren^ imb ^. ©djerer, (^efc^tc^te bed (^[a^ed. 1 ^ib- 
banb (Scrlin 1871.) 6. 239 ff. ftcüenweife. 

15* 



228 ^tc8 mä), fünfte« tapitcl. 

bcg §umani^mug bcr hjiffenf^aftlic^c ®eft^tö!retö unfercr Station 
ju feinem SSorteite erfaf)ren t)at. ©nen furjen Sendet über btc 
©cfc^id^te ber ^Reformation (1517 — 1542) f)atte aUerbing^ fc^on 
in ber 3^if^^njeit 5^^^^^^^) SK^coniu^ abgefaßt^), ©nc 
förmlid^e ©efd^id^te berfelben foHte baö 93ücf)Iein in leiner SEßeifc 
fein. SW^coniu^ fürditete eben, eg möcf)te mit ben ^©ac^en 
bcö lieben ©oongelii" ebenfo gel)en ttjie mit ber öfteren bcutfc^en 
®ef cf)icf)te , bie fo unjulänglie^ aufgejeidinet ttjorben fei, „n)eil 
bie Pfaffen unb SKöndEje fo gar ungelert gettjeft, bafe fie nic^t 
genjufet, ttjie fie bie ®efcf|icf)te bcfcf)reiben foßten'', ober eg l^obe 
fid§ einer ouf ben anbern öerlaffen unb fo feien bie „beften 
§iftorien ber aUertreueften Äat)fer unb gürften bei8 fieiligen 
SReidEieö" unbefd^rieben blieben ober bod^ oUju bürftig bargeftcKt 
ttjorben. 3lu§ biefem ®runbe unb „toeit er bei Dielen §anbc(n 
gettjeft" unb felbft ber guten @a^e gebient, n^ill er toenigften^ 
für feine nädEifte Umgebung unb bie „9?acI)!ommen biefeS c^rift» 
Iid)en ÄirdEjfpiefe ber ©tabt @otf)a" feinen furjen 93eri^t erftatten. 
SHö f otdEier unb crfter ber 3Irt t)at ba§ SBü^lcin Sebeutung ; im 
übrigen anfprudj^Ioö, n^eife bcr gläubige unb überjcugte SSerfaffer 
^übfd) JU erjä^Ien, gef)t auf bie 9lnfänge ber Sen^egung äurürf, 
fprid^t gelegenttidE) gerne, aber immer befd^eiben üon fic^ felbft 
unb gibt un§ faft überall nur ©rlebteö. 5D?it bem 3al)re 1542 
unb einem ©liefe auf bie greunbe unb ©egner beö „Süangeliumö" 
bricht er ah, (Sin SBerf ganj anberer 9lrt ^at bie gegnerif^c 

*) herausgegeben aI8 Historia Reformation is qu8 bcr ^anbfdjrift be* 
SScrf. öon e. 3). ai)prian. iJei^iig 1727. — 3K^oniu8 ®ef(^Icc^t«name 
war urfprünglid) 9Kccum. (£r ftantmtc au8 bem ^o(^flift ©ambcrg; geboren 
am 26. 3)cjcmber 1491 ju Sic^tenfclS am ^atn , trat er 1510 in Ännabetg 
in htn Sran^iSfonerorben, würbe 1518 Pfarrer in ?Seimar, wenbetc ft(^ bann 
bolb bcr Sieformation ju unb rourbe 1524 Oberpforrer in ®ot^a, roo er bte 
^Reformation burc^fii^rte unb im gleichen Sal^jrc mit Suttjcr, am 7. Äpril 1546 
nacö einer fcgcnörcic^cn 5Birf)amfcit gcftorbcn ift. SSgl. üon öfteren ^iogrol)^ 
Sagittarius, Historia Gothana p. 168; öon neueren fiebberljofe, Srriebri^ 
9Rilconiu«. Hamburg unb ®ot^a 1851. Maurer, gr. 3Rl)coniu« ßcben in 
beffen ^tltoötcr ber lutl^. tir(ftc, IV. iJcipäig unb 3)re8ben 1864. — ®nblt4 
^^Jctcrfcn, in ^i^crÄ eoangeüf(^em Sa^rbud) 1861, ©. 151 ff. 



S>ie b.öef(^l(^tfc^mbung unter b.iSinmlrfungen b.SRcfonnation. (Joc^Wu». 229 

©eite nod) öor Stblauf ber 9Jtttte bcö 3a^rf|unbertö burd^ 3 o f) a n n 
S d) ( ä u 1^ geliefert ^). S(ug ber SRürnberger ©c^ule hervorgegangen, 
toax er fo tief in bie ^umaniftifd^e 9iic^tung Verflochten, ba^ er 
fid^ fein Seben lang nid^t met)r ganj baüon ju befreien öer^ 
mod^te, obtt)ol)l er, nad^ furjem ©e^ttjanfen, fid^ völlig ber alten 
fiirdöe in bie Slrme toarf unb fein nie^t ungehjötinli^eö Xalent 
unb feine nic^t gehJö^nlidEie ©ele^rfamfeit il)r ganj jur SBerfügung 
ftellte unb einer i^rer unermüblid^ften , ttjenn aud^ nic^t an^ 
äiet)enbften SBerfed^ter ttjurbe. ©oc^läu^ ttjar ein ^öd^ft fru^t* 
barer unb emfiger ©d^riftftelter , fein hjirflid^g unb bleibenbeö 
SSerbienft hjirb aber fc^ttJerlidE) in ber 9iid§tung gefugt »erben 
bürfen, auf ttjeld^e er Vielleicht felbft baö gröfete ®ett)id^t gelegt 
^at, b. f), auf ©eite feiner polemifd^en ©dliriften. ©eine Äom^» 
mentare (tt)ie man ba^ S3uc^ too^l aud§ genannt ^at) über Sutl)erg 
ficben unb ©Triften ttjeifen it)m in ber SRei^e beutfd^er ©efd^ic^t* 
fd^reiber feinen ober boc^ feinen rü^mli^en ^la^ ein. 3Äan barf 
äloar von einem 3^it9^iiöffen., ber fo entfdEjiebene ©teHung ge= 
nommen ^at, feine fc^led^t^in gegenftänblidEje S)arftellung ber 
3eitgef d^ic^te erttjarten ; ©od^läuö überfd^reitct inbefe ba^ erlaubte 
SKafe ber fubjeftiven Sluffaffung in unbilligem ®rabe unb mU 
toirft auf bem ®runbc leibenfdEjaftlid^en §affeg gegen ben Urheber 
ber 9teformation ein fo Vollenbeteö 3^^^Wlb, ba& man eg nur 
aU heißblütige ^arteifd^rift unb gefc^id^tlidE)e5 ^ßamp^let gelten 
laffen fann, an§ »el^em man aUerbing^ nebenher einiget SBiffenö^^ 



') „Acta et Scripta Martini Lutheri". 2)ic crftc STuÄgabe crf(fticn ^u 
SRain^ im 8eptembet 1549; (Sot^läuS ^tcg Don $aud au8 ^ oben et; geb. 
}u ^cnbelftein, einem giccfen bei OTrnbcrg, ju 3:rier unb Äöfn gcbilbet, 
würbe er 1515 oon ^irt^cimcr jum ^Begleiter feiner Steffen für il^jrc @tubicn- 
reife m6) 3ittlicn au^rfe^en, erwarb in fjerrara bie t^eologifc^e S)oflornjürbe 
unb mürbe bei (S^elegen^cit eined )öefud)eS in ?Hom für 9^om gewonnen, ©ein 
übrige« bemegteÄ üthcn öerläuft in 2)eutf t^Ionb , roo er, im SBefi^e öerft^ie* 
bener ^frünben, al« heftiger ®egncr fiutl^jcrS öicl üon fi(^ rebcn machte, ©r 
ftarb am 10. ganuar 1552 ju SreÄlau. 3Jgl. ürban de Weidige. — C r e n - 
Tort: De Joannis Cochlaei vita. et scriptis. Monast. 1865 unb (S^. Otto: 
So^anned Q^oc^lüud ber ^umanift. Breslau 1874. 



230 @tftc« S3u4 fünfte« Äapitel. 

tüürbige erfährt, ba§ im übrigen aber nur afe ©timmung^bilb 
ou^ einer oufgeregten 3^** ^^^^^ SBert t|at. ©n beftimmte^ 
SSerbienft fommt x\)m aber ju, bafe e^ nömlid^ ©leiban in ber 
geplanten Stuigfü^rung feinet ©efd^ic^tötoerfeö beftärft f)at ®a^ 
Urteil, ba^ biefer barüber abgegeben, befielt batjer aud^ J^eutjutagc 
nod^ ; ed ift, Reifet eg^ in ber SSorrebe, üoH öon Sefd^ulbigungen, 
SSerläumbungen, SRarrenpoffen unb ©d^impfttjörtem ^). 

SBie ganj anberö ^at ein 3Kann ttjie ©eorg ©palatin, 
bem 6ocf|Iaug an 3^a(ent unb @elef)rfamfeit überlegen nwir, bod 
2(mt beig ©efc^id^tfd^reiber^ ber Dteformation öerftanben! ©n 
öielgebrau^ter unb ben)ät)rter S)icner ber ©rneftiuer, ein intimer 
greunb 2utf|erd unb ein überjeugter ?lnt)änger feiner Se^rc, ift 
er in feinen ber 3c^tgefd^ic^te geluibmeten Slufjeic^nungen bod^ 
niemate jum gemeinen ^arteifd^riftfteüer fierabgefunfen, auc^ too 
er t)on ©c^toad^en unb Srrtümem nidE)t freijufpred^en ift. S33ir 
fönnen an biefer ©teQe bie allgemeine 93ebeutung ©palating 
unb bad ^odE|tt)idE|tige SSerI)aItniö , in tt)eIdE)em er jur ®ef(^i(^tc 
ber ^Reformation fte^t, nidE)t nät)er erörtern, gen^ife ift jebod^, ba§ 
uni8 in it)m eine ber anjic^enbften unb n^irfung^reid^ften ^erfön* 
IidE)feiten ber ©poc^e entgegentritt*), gür bie ©efd^id^te ^t i^n 
in ©rfurt Siicolauö 3Äarfrf|on gen. 3:l)uriuiS gettjonnen*) 
unb n)eiterl)in griebrid^ ber SBeife tt)ie 3ot)ann griebric^ ber 



^) 3« bcrSuftftnft an bcn ^rfürft Äuguft öon (Soc^fcn fagt ©letban: 
„ — extat cujusdam nostrae nationis über, ante sextum annum editiis 
Magantiae, criminationibus, calumniis, nugis, conviciis refertissimus'^ 

■) Sgl. über ^pdatin ©erlege f: Historia vitae Spalatini primi 
historici Saxonici. Jena 1693. — Dr. Slb. ©ecl^cim: (Skorg @^(atht 
ofö fä(ftr»Wct ^iftoriogro^)!). ©in SBcitrog jur ®c)(öid)tf(^rci6ung be* Äefmr« 
mationSjcitoIterd. §ottc 1876. — ©polatin ftommte bcfanntlic^ aud 6^it 
im bomaligen ^oc^ftift @id)ftäbt, 1484 geboren, ©einen tJrantilicnnamen 
SBurtarb ^ot er bem ©ebrauc^e ber ^umaniften folgenb, fpäter na^ bem 
92amen feiner S^oterftabt umgcmonbelt. ©eine §lu8bilbung ^at er in 9{finiberg 
unb (Srfurt erhalten, würbe juerft Seigrer im AI öfter ®corgcnt^aI (fäbH(^ Don 
(Srfurt), bann fie^rcr beS fpätercn ÄHirjürftcn So^onn griebrid^ öon @a(ftfen, 
weiterhin Oberpforrer unb ©upcrintenbcnt in Wltenburg, f 16. S^nuar 1546. 

«) <S. über bicfcn oben @. 89 unb 8eeI^orft a. a.0. ©.8 ff. 



^ieb.®ef(^i(^tfc^ret6ung unter b.lStntDirhingcnb.SRefonnation. Spolatin. 231 

(Sho^tnütigc biefc feine SReigung genährt unb üor allem im 
Sntereffe i^rer ^audgefd^id^te toertoertet. ®iii befonbere^ I)ifto* 
rifd^eö 2;alent fann man ©palatin laum juf (^reiben, aber bie 
SSäärme unb Eingebung an feinen ©egenftanb luie bie feltene 
Vertiefung in bcn ®ang eine^ Steile« ber 3citgefc^id^te nbm 
boc^ eine geti)innenbe 9{njief)ungigfraft au^. 3)ie @l^ara(terbi(ber, 
bie er üon griebrid^ bem SSeifen unb 3ot)ann bem Seftänbigen 
cnttoirft; öerf etilen U)xt SBir!ung nidE)t unb muten jugleid^ burd^ 
bie mafeüoHe SBeife ber ©arfteßung feffelnb an. ©n ©leid^e« 
gilt öon feinen ,,6I)riftIid^en SReligion^tiänbeln", bie in ber ®eftalt 
üon 3al)rbüd^em eine einge^enbe, mit ur!unblid§em SKaterial toer* 
ftärfte ©rgä^Iung ber etoangelifd^en Setpegung entwerfen, toäl^renb 
feine öon 9?eubed£er Veröffentlichten Annales jugleic^ aud^ bie 
politifd^e ®efd^ic^te nac^brüdtlid^er berücffid^tigen ^). ©in erfd^öpfen* 
beö Urteil über bie jeitgenöffifc^en S(ufjei^nungen ©Palatino ift 
allerbing^ jur Qdi md)t möglid^, ttjeil fo mand^eiS noc^ auf bie 
SBeröffentüd^ung »artet; über einciS ift inbeö lein Qwi^d geftattet, 
nämfid^, baß er leibenfd^aftgloö ber aBat)r^eit bienen hJoUte unb 
ba§ er bem SBerftänbniffe ber gefdE)id^tIid§en Sebeutung ber SRe* 
formation ebenfo na^e gefommen, ate ßod^Iäu^ i^r fern geblieben 
ift. Auf ein paar anbere ^iftorifd^e ©Triften ©palatin^ »erben 
toix tüciitx unten jurüdtfommen*). 

*) ^^cubccfcr unb greller IJaben im ^a^tt 1851 blc Verausgabe öon 
©Palatino ^iftortfc^en 9?ac4(ag unb S3riefen begonnen. 2)er erfte ^anb entölt 
bad fieben unb bie 3^tgefc^ic^e Srricbnd) bed $Betfen unb ift leiber auc^ ber 
einzige geblieben. (^ märe im ^o^en ©tabe loünfc^endtDert, ba^ bad offenbar 
infolge ber Sleilnal^mSlofigfeit beS ^ublifumS inS ©tocfcn geratene Unter« 
nehmen wieber aufgenommen unb öollenbet mürbe 5)ie „S^riftlic^en ^Religion«« 
^nbel* ]§at ©. 6i)prian (1718) in rcc^t unüollfommener gorm ^erauS* 
gegeben. SSerfc^iebcne« liegt noc^ ungebrucft. ^cutjutage, mo man ber 6r» 
forfc^ung ber ®ef(^ic^te ber SReformation mit 9te(^t fo lebhaften (Sifcr ju* 
menbet, foHte 6pa(atin ntc^t Dergeffen merben. 

«) ©palatin fommt befanntlic^ an ber ©erftellung ber erften 9(u«gabc 
tHm Sut^erS Werfen maggebenber Anteil }U. @. Kolde, Analecta Lu- 
therana, p. 377. — Über @p.'9reformation8gef(^ic^t(i(^en9[uf5eic^nungen Dg(. 
audi ben 9. 8anb ber IBtttenberger, ben 5. ^anb ber Jenaer unb ben 16. ^an\> 
ber ^al^'fc^en StuSgabe Don i^ut^erS Werfen. 



232 ©rftcS «u4, fünftes Äapitcl. 

3Bir tfabm öon bicfen 3)?änneru on biejcr ©tcQc gcfianbelt, 
toeit fte nebft ©Iciban bie Ginjigeu [inb, tpeld^e ofe 3^i^^"offeit, 
jeber in fetner 3lrt, fid^ an ber ©efammtbarftellung ber großen 
@pod^e üerfud^t unb i^re bej. Sd^riftcn einen früheren S(b)c^IuB 
erfat)ren f)aben. Ääme eö borauf an, eine golie für bie 9Bnr* 
bigung ©(ciban^ ju fachen, toa^ inbejg feineöttjegi^ unfere ?(bfid)t 
ift, fo fönnte man fic^ immert)in iljrer ju bicfem Qxo^de bebienen. 
greilid^ njürbe bamit nicf|t öiel gen^onnen fein. ©leiban^ SSkrf 
muß öor allem on feinem eigenen ÜÄaße gemeffen iuerbcn. 9J?an 
f|at jttjar aud^ in neuefter 3^it öon fac^männifd^er @eite ^r 
bem §ange ni^t n)iberftef)en fönnen, ben SSert beöfelben nac^ 
Gräften ^erabäuminbern , f)ai aber, ttjenn ttjir un5 ni^t ööUig 
tänfc^en, bei biefem ©eginnen n^eit über baö Qid I)inau§gefd)offen, 
inbem man fid^ ben ©tanbpunft ber Beurteilung auf ber ganj 
faffdjen ©teUe njä^Ite^). Qnx geregten ^Beurteilung eineö t)ifto* 
rifdEien SBerfeö bürfte eö borf) unter allen Umftönben rätlid^ er^ 
fdEjeinen, if)m nirf)t gfeid^ mit ber gorberung gegenüber ju treten, 
eö müßte gerabe ba§ ©egenteil Don bem fein, toa^ e^ ift, unb 
gerabe baö fein, toa^ eö, unb getoiß auö too^Iernjogenen ®rünben, 
nidE)t fein loiQ. ©leiban ift fid) über bie unermefefid^e ißebeutung 
beö ®egenftanbeö, ttjefd^en er betjaubefn tooUte, oollfommen Aar 
genjefen unb ift in bem SBenjußtfein , baß oon ba ab eine neue 
(Spod^e ber 3Be(tgefd^idE)te Jinb oor allem ber ®ef^idE|te feiner 
Station beginne, an bie 9(uöfü^rung feiueö 35kr!ed gegangen. 
S)ie f)eftigen 2lngriffe, bie eö i^m nad^ feiner Veröffentlichung 
eingetragen, ^aben i[)n an feinen (eitenben 3lbfic^ten nid^t irre 
JU machen oermodE)t; er fpridjt eö bereite in ber SSorrebc au^ 
unb tüieber^ott eö in ber 9(pofogie, ha\i er, trofe ber äußeren 



^} 5. ^. Äampfc^ultc in ben gorfc^ungen jnr ^utfc^cn ©cfcftic^tc, 
4,-' 7—73. Äampf(^ultc§ S3ebcnfcn fmb im mejcntUt^en bereit« öon ?aur 
^.a. O. üorgetragcn iüorben, nur ha^ ^icr Sit^t unb Schotten in gleid^em 
3Ka6c mo^l abgezogen öertcilt crfcfteincn, mä^renb bort gonj einfeitig ab* 
geurtcilt wirb. 3)Qrouf f|Qt jcboc^ fc^on SBaumgartcn c53ricfn)C(ftfeI 6.XXIIbtd 
XXIV) trcffcnb crwibert. 



5Dteb.(Sfef4tc^tfc^Tei6ung unter b.lSimoirfunjenb. 9{eformation. @Ieibaiiud. 233 

^Inrcgung, gleid^fam burd^ einen SRaturtrieb, ja burcf) einen gött* 
liefen S^rieb ju biefer Slrbeit angefpomt ttjorben fei. 3n erfter 
£inie ift e^ il)m au^gefprod^enermafeen um bie ©efd^id^te ber 
religiöfen SBetpegung ju t^un, aber er ift fic^ nic^t b(o§ ber 
cütbenten 9Bed^feth)irfung ber religiöfen unb politifc^en SKotiüe 
DoHfornmen behjufet, fonbem bie poUtifdje ©eite ber ©ettjegung 
be^anbelt er äugteid) mit fiditlie^er S?orIiebe, tt)ie benn ja aud) 
baiS ©d^idfol berfelben bolb genug Don ben politifd^en Äon* 
junituren abtjing. S)a^ eine hjar if)m ja öollftänbig Kar, bafe 
bie 3"^"ttf^ ber Station in jebem ©innc baöon bcftimmt luerben 
njürbe; ba^ ©eiuebe ber t)erfcf)Iungenen gäben offen ju (egen 
toai nun freiließ feine leidste ©adE)e unb tonnte auf ben erften 
aSurf oielleic^t überhaupt nur untioUfommen gelingen. Unb fo 
fei e§ glei^ ^ier gefagt, ©leibanS SSerf ift fein Äunftnjerf. ©til 
unb Sprad^e jtoar ^aben aud^ bie ooUe Stnerfennuug ber ©egner 
gefunben unb bebürfen ba^er unfere^ Sobcö nic^t; bagegen Der- 
miffen njir bie ©nl^eit ber S)orftcnung, bie in ber äußerlichen 
onoIiftifdEien 9(norbnung jiemlidE) untergef)t unb ben innern Qu^ 
fommen^ang ber erjäfjlten ©reigniffe fetten ju ioünfd^enignjerter 
Slnfd^auli^feit gelangen läßt. 3" ^i"^^ folc^en Seioöltigung be^ 
maffenf)aft unb üertoicfelten Stoffel fef)lte ©(eiban, ttjie jebem 
feiner 3citgen offen, in bem ®rabe bie geftaltenbe unb öevbinbenbe 
Äraft, bofe er fdE|tt)er(ic^ je ouc^ nur bad Sebürfniö eineö foIdE)en 
SBagniffeS gefüllt ^at, ebenfohjenig aU feine ßefer barum Don 
feinem 333erfe geringer gebadet ^aben. Um fo ioo^(tf|uenber mutet 
unö bie 93efonnenf)eit unb SeibenfdE|aftg(ofigfeit ber 3)arfteltung 
an. S)cr entfc^iebene ^roteftant, ber er ift, bemüf)t fid) fid)tlid§, 
bie Sldjtung öor bem ©egner nidEjt ju üerle^en unb JüiQ am 
liebften bie S^^atfadEjen fpred^en laffen. ©o läßt er benn aud§ 
feine ^erfon üoüftänbig jurfidtreten, in bemfelben SKafee aU 
j. 8. ßo^läu^ fie überall in ben SSorbergrunb brängt. Sllö ne 
^auptforberung ber ®efdE|id^tfd§reibung betont er SBa^r^eit un^ 
Unparteilic^feit (veritas et candor), unb roer ttjollte öerfennen, 
bafe biefc S^ugenben eineö ©efc^ic^tfc^rciber^ gerabc in feinem 



234 ®tftc« Söuc^, fünfte« Äapitcl. 

gallc befonberg fcf)tüer ju erreid^cn toaren? @r t)at na^ ftrSftcn 
barnac^ gcftrebt unb boc^ I)aben feine ©egner gerabe fic il^m mit 
möglic^ftem 9iacf)brud obgefprodien. SBJie üiel ift über btefe ^^roge 
unb Slnforbcrung an ben §iftorifer nic^t übert)aupt fe^on ge* 
fdiriebcn tporben unb n^ic lange f)at eö nic^t gebauert, bis man 
fic^ barüber nur ^albtt)eg§ üerftänbigt t)ot ! SKon ift je|t infotoeit 
einig, bafe man jugibt, ba^ eine unbebingte Un^)arteilic^feit, bic 
elementarften ber I)iftoriograpf)ifcf)en formen aui^genommen , toie 
bie menfcf)licf)e 9iatur einmal befc^affen ift, übert)aupt nid^t too^I 
ertüortet toerben fann. SBog man aber verlangen barf unb t)cr* 
langt, ift bie forgfältige, gett)iffent)afte, üorurteitelofe ©rforfd^ung 
unb geftfteüung ber 2t)atfac^en, it)re aufrichtige S?ertt)ertung unb 
naturgemäße ä>erbinbung mit 9luöf rf) tiefen ng alter nid^t in ber 
©arf)e unb bem ©toffe fefber liegenben 93ejief|ungen unb S)eu^ 
tungen. 3)iefen SInforberungen t)at ©leiban, o^ne fic ju formu» 
Urea, narfjjufommen üerfu^t. (£r toax überbieg bereit, jcbcn 
Srrtum, ben man if)m etrtja nad^ttjeifen fonnte, ot)ne SBiberrebe 
jurüdEjunef)men. ®erabe bie Slrt feiner ®efdE)id^tf^reibung, bic 
fid^ übertDiegenb auf urfunblid^e 3^"9^iff^ ftüfet, fc^ü^te i^n ja 
in ber %\)at and) fidE)erer alö jebe anbere üor ber aufnähme 
fd^Ierfjt begrünbeter 9iad§rid^ten unb t)aIt(ofer Überlieferungen, 
grcilid^, ob i^m bie ur!uubIidE|en 3^^9'^if^ immer unb nae^ 
beiben Seiten [jin auc^ Vorlagen, ttjar nod^ immer eine toeitcrc 
grage, unb eS ift biefeg in ber %i)at nic^t überall ber ^H gc» 
ttjcfen. S)iefer Umftanb aöerbingö mußte auf feine 3)arfteßung 
ftörenb jurücfmirfen unb Srrtümer tierbeifü^ren. SüdEen bicfcr 
?(rt mag man if)m Dorrtjerfen ; afö unbillig bagegen ift bie Qu* 
mutung äurfldfjutoeifen, baß er aud^ bie geheimen SSerl^anblungcn 
unb bie gcl)eimen 9tftenftflcfe l^ätte !ennen unb benü|en foUen; 
fo leidet tuirb eö bem jeitgenöffifdE)en ©efd^irfjtfc^rcibcr nic^t 
t)äufig gcmad^t toerben unb tvai eö aud^ hjcnigften^ in jener Qeii 
nic^t JU erttjarten. ®erne geben mir im übrigen ju, baß tro| 
beS aufrict)tigen Seftrebenö ©leiban^g, unparteiifd^ ju fein, ber 
^)roteftantifc^e ©tanbpunft a\x^ feinem ®ef^ic^t8toerfc ntd^t ^tntpcg» 



^ieb.(Skf4i(!§tfc^retBung unter b.(Sin)oirtungenb.9{efonnation. @Ietbaitu9. 235 

geleugnet »erben fann. Unfd^ttJcr ift c8 ju erfennen, toele^er 
gartet feine ©^mpattiien gehören, unb nid^t ju leugnen, ba^ bie 
©ad§e beg fd^maKalbifd^en Sunbeg anä) bie feinige ift, bafe er 
für bie beiben 93unbeg]^äu^)ter tpärmer füt)It afe für ben Äaifer 
ober gar für ben d^aralterlofen SKarfgrafen SHbred^t Sllcibiabeg, 
beffen Sabel ifint tDof)l ben geringeren Äummer üerurfad^t \)abm 
»irb. (&§ ift barum !eine^h)egg unfere SKeinung, ©leiban bie 
unbebingte Unparteilid§!eit ju Dtnbijiren, unb ftellen ttjir äugleid^ 
nid^t in Äbrebe, ba§ er in ein paar gftllen \x6) ju gelinbe 
auöbrücft ober übergefit, toag er beffer jur ©))ra^e gebrad^t 
l^ötte. S)iefe8 alfe^ aber Vermag ben grofeen ©inbrudf, ben fein 
®efd^ic^tdn)er{ mac^t, nid^t }u beeinträd^tigen unb ben äBert be^ 
felben nid^t in grage ju ftellen. Sei manchem einjelnen Srrtuni 
bleibt er im ganjen juüerlöffig. SBeld^e^ finb nun feine OueUen ? 
aSenn toir bereits betont l^aben, bo§ ©leibanS SBer! übeüoiegenb 
aus Urfunben unb Äften fid^ jufammeufe^t , fo folt biefeS nic^t 
aui^fd^üefeüd^ üerftanben »erben, obttjot)! er in ber 3)ebifation 
fid^ beS ÄuSbrudEg bebient, bafe badfclbe ganj auö ?lften jufammen^ 
gefegt fei. ©leibon l^atte felbft genug gefeiten unb erlebt unb in 
toic^tigen 93ejiel)ungen geftanben, um manches jur ©odE)e ©el^örige 
njiffen unb berid^ten ju fbnnen; er t^ut baS aud§, too t^ am 
$Iafee ift. ®r ftanb femer mit einer SRei^e ber bebeutenbften 
SKänner im Sriefnjed^fel unb erful^r auf biefem SBege nadE) ber 
fe^r Verbreiteten, fd^on einmal berüt)rten ®ett)oI)nf|eit ber 3^it, 
beS Set)rrei^en unb ©laubhjürbigen öieteS. SBaS ber ©trafeburger 
3a!ob ©türm für i^n unb fein SBer! »ert toar, ift ^inlängtid^ 
be!annt. 9Son ©efd^id^tStoerfen f|at man i^m bie Senü^nng ber 
3eitgef^ic^te beS Italieners ^aul 3oöiuS, ber Scfe^reibung 
beS beutfd^en ÄriegeS t)on bem ©panier Subhjig Slöila unb ber 
beiben Äataloge ber gül^rer je beS laiferlid^en unb beS bünbifd^en 
§eereS üon bem Su jemburger SiifoIauS SKameranuS nad^» 
genjiefen*). ©eine ^auptqueHen bleiben jeboc^ gleid^ttjot}! bie 



») ¥aur a. 0.0. @. 68. 88. 89. 



236 ^rftc« 93u4 fünfte« Äapitel. 

tüid^tigften, if)m ju ^onben fommenben Urfunben, Slftenftüde uub 
atdationen au^ ben Sauren 1517—1556. ©Inen guten Xcü be^ 
urlunblidien ÜÄateriate t)aben i^m bie ©^malfafbner jur SSer* 
fügung gefteUt, toenn and) nirfjt überall jo üolfftänbig , ate er 
eö münf^te. Gr reprobujirt feine 9fften nid^t ttJörtlic^, fonbern 
im Slu^juge, im tt)e)entlicf)en treu, tüenn aud) mit untoefentlie^en, 
in ber SRegel nur bie gorm berütirenben SWobifüotionen. 3n 
betreff cinjelner Vorgänge tüie bie 2ei))jiger S)i§putation I)Qt er 
fic^ aUcrbingö a\i6) für i^n (Srreid^bare^ entgegen laffen, in ©ac^en 
bcr 5taifertt)af)t bed !3at)re^ 1519 unb ber üietbefprod^encn angebe 
licfien Sieben ber Äurfürften üon SJiainj unb Srier ift er einer 
unjuüerfäffigen Duelle gefolgt uub ^at fid^ täufd^en taffen^). 
Sn bcr §auptfQd|e getjt er ftetö mit SSorfid^t unb SBefonnen^eit 
t)or uub l)at man i^m eine größere Stnja^l üon fd^njereren 3rr^ 
tümern nid^t nac^ttjeifen !önnen. S)ie 3teIation, bie er j. SB. über 
ben Saucrnfrieg, bie ^Reformation in SJöfn, ben 9lufrul)r in aWünfter 
u. bg(. benu^t f)at, fennt man jum größten Xeile unb fann fein 
bebädjtigeig S3erfaf)ren in ber SBicbergabe berfelben genau be« 
urteilen^). @ö ift a(fo ein monumentale^ , urf unblid^eö , aftcm 
mäfeigeö ®efc^idE|töioerf, ba^ n)ir Dor unö l)aben, beffen 35krt am 
n)enigftcn baburd) Derftcinert luerben fann, bafe ba^ üon i^m benü|tc 
unb ücrarbeitete äWateriaf aud) uu^, unb jum Seile öoltftänbiger 
üorliegt. ®r f)at junäd^ft für feine 3^itgenoffen gefc^rieben unb 
biefe fallen ben galt notorifdj ganj anberä an. ®erne räumen 
toir ein, bafe bie ®efd)id)te bcr SHcformation^jeit auc^ nod^ anbcrö 
t)ätte gcfd)rie6en merben fonnen, aber in einer namhaften unb 
ancrfcnnungj^toerten Söeifc ift bie^ eben tootjl ober übel nid^t 

©. Stanfc, 5ur Ätitif neuerer QJefcfticötfc^reibcr. 2. ^uf(. Scip^ig 
1874. @. 65 ff. unb a)cutf(öc ©efcftic^te im Seitolter bcr ^Reformation. S. ®. 
2. «lufl. I, 263. — ®. 3Bai6 in ben 9?Q(^ric^ten öon bcr ®. «. Unit)crrrtöt 
unb ber f. ®c|cafc^aft b. 2ö. in ©öttingcn. 1855. 9^r. 14, 181 ff. 

*) 3^gl. bie 3)iiiertQlionen a) J. Senden: de J. Sleidano reformatiooe 
Colonieoßis sab Hermanne de Weda archiepiscope scriptore. Cöln 1870. 
b) ^il^elm ^eife, über bie Quellen ber (Sommcntare <5Iciban8. 
S^aUt 1879. 



S)ie b.®cf(^(^tf(^rcibung unter b. ©mwirfungcn b.SRcfonnation. ©(cibonud. 237 

flcfe^e^en, unb ttjenigftcn^ ©leiban foH barum mit nocfiträgli^en 
JRergcIeicn toerfc^ont bleiben. 3)en beabftd^tigten ©nbrud t)at er 
bei feinem objeftiüen leibenfd^aft^Iofen ^^erfatjren bei greunb unb 
geinb in einem SKofee erreid^t, ttjie eine nocf) fo fünftlerifd^e unb 
fubjeftiüc 93ef|anblung^tt)eife fie faum üollfommener tjätte erjielen 
Ißnnen. S)a6 fein einmal gehjäfilteg Softem einer ©teigerung 
fällig njar, bejeugt bie S)arftellung ber 3a^re be^ frfjmaüalbifdien 
Äriegeö, bie man nic^t mit Unred^t ate ben ©lanjpunft feinei^ 
SEBcrfeiS bejeid^net l^at. SKon ^at fc^on frütier mit 9iecf)t barauf 
^ingettjiefen , bafe allein bie Dielen ausgaben, Stu^jüge, Über* 
fe^ungen, ®egenfcf|riften unb gortfe^ungen, hjeld^e bie Sonimen* 
tare I)ert)orgerufen l^aben, genügen, bie aufeerorbentlid^e Sebeutung 
berfelben auf^ fc^Iagenbfte ju bejeugen^). SRid^t al§ foßte barum 
bie ffritil Don biefer S^tiatfad^e beig ®rfoIgeg fid^ gefangen geben, 
aber bo^ jugeben, bafe einem nidEjt btofe i>orübergeI)enben ©rfolge 
fd)n)erlid§ juffillige SSerbienfte ju ©runbe liegen fönnen unb bie 
SSorjfige boe^ größer fein muffen, alö bie geiler unb ®d)tuarf)en 
beö SBerleS. — 

93efanntlid& gibt e§ eine Überlieferung, ber jufolge Ä. 
Äarl V. felbft über ©teiban^ SBerl ^ö^ft ungehalten getpefen 
fei*). 3ludE) SKelantl^on I)at fidE), ttjenigften^ auf ©runb beg 
crften GinbrudEei^, ben baöfelbe auf it)n mad^te, ni^t günftig 
barüber geäußert. S)ie Segrünbung bed in grage fte^enben Ur* 
teilet öon ©eite be^ fonft vortrefflichen, aber leicht öngftlidEien 
SKanneg I|at freili^ h)ot)I ober übel ben minbeften SBert^). SBa^ 



') ©. $aur a.a.O., mo man bie öerf(^iebenen ^lu^gabcn, Über* 
fc^ungcn u. f. to. ber Kommentare mit allen njünfc^en§tücrtcn ^Jac^wcifungcn 
finbet. Äaum toirb baran erinnert »erben müjfen, bafe öon aUen 9üi§gabcn 
ber Kommentare bie tjon Slm (Snbc al8 bie aut^cntifdiftc anjiife^en ift. 

^ ®. u. a. bie IBorrebe öon ©uriuS ^u feinen Kommentaren, in »eichen 
er cx^ätjU, Äarl V. l^abe bei ber SSorlefung üon ©IcibanS ©cfdiidit^mert auS« 
gerufen: Mentitur nebulo, mentitur Debulo! 

«) Corpus Reform. VUI, 403. — KS mirb Ic^rreic^ fein, ein Urteil 
aud bcm 17. S^l^T^unbert unb üon einem ^anne »ie Konring ^u ^ören 
(f. beffcn Opp. II, 20) : „Ad intelligendas res secundae periodi (ber legten 



238 erftc« »ucö, fünftes ^pittL 

Äarl V. anlangt, fo ^at er über fie^ felbft imb feine ®ef(^td^tc 
Slufjeirfinunflen t)interlaffen , bie feit faft brei Sa^rl^unbcrtett 
lüie öerfcf)oIIen, erft öor einigen Satirjel^nten toieber aufgefunben 
unb tjeröffenttid^t hjorben finb. Urfprünglie^ in fpanifd^cr ©prac^e 
abgefaßt, ^abcn fie unter ben Slugen bed Äaiferg eine fraitjöfifc^e 
Überlegung erfahren, biefe ift (1620) bann in^ ^ortugiefifc^ 
übertragen toorben unb liegt nun in einer JHüdüberfe^ung ini8 
granjöfifcfie üor un§ ^). 3)ie ©cf)rift ift in 3)eutfd^lanb entftanben, 
alö fiart im ©ommer 1530 ben 3tf)ein I)erauffu^r unb nad^ einer 
SBef^äftigung furfjte, bie leere 3fit auöjufüUen. Stud^ auS biefem 
®runbe bürfen tüir an biefer ©teile fie im SSorbeigefien erlod^nen, 
fo toenig fie fonft ber beutfc^en fiiteratur angel)ört. S)er 5;iteI,,Ck)m- 
mentare*' paßt freitid^ meber nad^ bem Umfang nod^ bem Sn^lt 
ber Jtufjeid^nungen unb bie barin liegenbe SSeriüeifung auf 
S. Säfar erfd^eint in feiner Söeife angebrad^t. @d finb eben auti> 
biograpf|ifd^e SWotijen, t)öd[)ft inbiDibueH gefärbt, aber nid^t überall 
fo unbefangen, tüie man geglaubt \)at, auö toelc^en toir aber boc^ 
manrf)e^ SBertüoUe unb 9?eue auc^ für bie bcutfd^e ©efc^ic^te 
jener 3af)re erfahren, gür bie Stjarafteriftif beö erlauchten 5ßer* 
faffer^ außerorbentlid^ Ief)rrei^, finb fie für bie Dffcntlic^fcit 
übrigens nieniate beftimmt gemefen. 



grit Ä. 9Ra5 I. unb ber Qpodjc Äorl V.) facit Sleidanus, qui est per- 
secutus omnem rem et reipublicae et ecclesiae per periodum fiecuodam, 
et ulterius etiam. Haec historia plane alio modo est conscripta ac 
antiqua. Ita meretur sane numerari iuter monamenta rerum germani- 
carum. — Dubitarunt de ejus iide; sed ipsum facüe defenduiit omnia 
acta publica contra ejus fidem in dubiae vocantes. Non babemus simi- 
lern bistoricum in Germania, stylo usus est aequaliti et tenui, ad exem- 
plum Julii Caesaris commentariorum , non aflfectavit stylum. Sleidanns 
igitur inter primos numerandus est, quem si quis familiärem aibi reddi- 
derit, noverit multa. — Non babemus quemquam qui pari pradentia et 
fide post Sleidanum res nostras persecutus fuerif 

1) Commentaries de Cbarles Quint, ^rauSgegebcn Don l^erDin be 
Settcu^oüc, 93rü)fel 1862. 3u ügl. dianfe im 6. 93anb fetner beutfAen Qk* 
fc^it^tc, 5. Stuf läge @. 75 unb 9t. üorenj in feinem weiter unten nSifyn }U er» 
n^ä^nenbcn Programm bed ©umbinncr ®t)mnafiumd (com 3a^re 1880 ^. 11 ff.X 



^ie b. (Skfc^ic^tfc^reibung unter b. (SiniDtrfungen b. ^Reformation. @(^ur(. 239 

Änberc äcitgcfd^td^tlic^e Äufjeid^nungen allgemeinerer giic^tunfl 
finb im SSerpItnii^ ju ben aufeerorbentlid^en SSorflängen biefer 
3ett nur ttjenigc anjufü^ren; bie 3Äet|rjat)( fd^Iiefet fic^ an bie 
^Bearbeitung ber territorialen ©efd^it^te an. 2)er bejüglic^en 
©d^riften üon ©palatin unb ßot^Iäu^ ftaben ttjir bereite gebadet. 
®ie genaue ©renglinie ift freitid^ mand^mal fd^tuer ju jie^en unb 
fpicit bie S)arfteIIung beg allgemeinen unb 93efonberen n^ie j. 8. 
bei bem Sauernfriegc ober bem fd^mattalbifdEjen Äriege gerne 
unb unöermeiblie^ in einanber l^inüber. Gö bürfte fidE) aber 
empfehlen, aQe^ tt)aö irgenbttjie jur ©rgänjung ber ^Reformation^ 
gefdE)idE)te bient ober ni^t einen auSf^Iiep^ (anbe§ge)d^idE)tIidE|en 
Gl^aralter an fid^ trogt, an biefer ©teile jufammenjufaffen , in 
toie Oerfd^iebenen gormen bie betreffenben 2lufjei(^nungcn aud^ 
auftreten mögen. 

©nSilb ber ®e)^id|te ber 3at)re öon 1512 bi§ 1521 ^at 
ber berüljmte SRürnberger St)riftop]^ ©d&eurt entttjorfen, 
ber ttjö^renb feiner ©tubienjeit in Bologna burrf) feine Oratio in 
laudem Germaniae bad Sob feiner iRation mit bcrebtcn SBorten 
ben a33elf^en öertünbigt t)atte^). Surift unb ^umanift jugleid^, 
nafjm er anfangt bie Partei Suttierö, ttjenbete fic^ jebod) fpäter 
toon i^r ab, aU er ber reformatorifcf)cn Scioegung feinen 
Orunbfäfeen gemäß nie^t me^r ju folgen üermodEite. ©c^eurl 
naf)m an bem SSerlaufe ber öffentlid^cn 3Ingcfegenf|eiten unb aber 
auc^ ber literarifd^en ©ntn^idtelungcn unb fpcjieß ber ®efcl)icl)te 



*) 6djeurl warb geboren ju iRümberg am 11. iWoöcmber 1481, t)erttjcilte 
über 8 Sö^re in Stauen bjto. in ©ologna unb folgte 1507 bur(ft ©toupt^' 
Vermittlung einem 9%ufe al3 Se^rer ber Siebte an bie eben erft gegrünbete 
Uniüerfttät äBittenberg. 1512 feierte er in {eine Vaterftabt ^urütf, mo i^n in 
i^Tcn S)ienften eine md\c ffiirffamfeit erwartete. (£r ftarb am 14. 3uni 1542. 
Vgl b. 8 oben, Q^^riftop^ ®c^r( ber gleite unb fein ^ol^^n^aud ^u 
«ßümbcrg (5«ümberg 1837). S)erfelbe, ©eiträge ^ur ®ef(^icöte ber SRcfor» 
mation mit bef onberem ^inblirf auf 9iümberg. ©benbaf. 1855. — JR. © t i n ^ i n g, 
^f4i(^tcberbeutf4en9lc(fttÄwiffcn)4aft, l.^bt. (3Rün(ften 1880) ©262—263. 
^(^ft inl^aUdreic^ ift fein Don bem grei^erm t>. ©oben unb 3. ^. fjr. 
Änaa!e in ben Salären 1867—1872 herausgegebene« ^.öriefbuc^". 



240 SrftcS md), fünftes Äopitcl. 

fortgefc^t oufmerffamen unb einfidEjtööoIIcn Stnteil. S)ic 88cr* 
öffentlid^iing bcr ©e^riften Su^))tnion^ über bic ©äjareig 2C. 
unb bie ©onfuIeS, bie bicfer grunbfSfeli^ jurüdtgel^alten ^attc, 
ift 1540 auf* fein ©etreiben ^in erfolgt^), ©r f|at fid§ aber 
jugleid) felbft aU §iftori!er öerfud^t unb in feinem „®efd^ie^t^ 
bud) ber 6^riftenl)eit" *) Don ben 3at)ren öon 1511 bte 1523 
eine fcf)(icf)te aber anfcf)aulid)e unb Iel)rreid^e ©arfteHung gegeben, 
©ein ©efid^töfreiS ift ttjeit unb man t)ört bem aufmerffamen unb 
gut unterridf|teten 3citgenoffen gerne ju. S)eutfcf)Ianb unb Stauen 
netimen tpie billig in feiner @rjäf)Iung ben übern^iegenben ?ßla^ 
ein. S)ie ®efcf|icf)te Soifer SKaj I. unb feinet ^aufe^, bie Äu- 
I)änger Äaifer Äarl V. unb ber SReformation befdEjäftigen i^n üor 
allem. Sn ät)nlicf)er SBeife ^at ©aöpar ^ebio bie Qeit bon 
1504 big 1528 in eingef)enber überfid|tlid)er ©eftalt befc^rieben, 
atö eine gortfe^ung be§ in 3)eutfd^(anb n^eit verbreiteten ©efc^ie^td^ 
bucfieö beö ©abeUicu^g ift eg bei Qdkn veröffentlicht tüorben*). 
S)er 3cit nad^ einen viel ttjeiteren SRatimen umfd^reibt ber 
Stebborfcr ^rior Äilian 2eib in feinen Annales, bie bie 3a^re 
Von 1502 big 1548 bel^anbeln*). ßeib Ijatte fi^ eine tüd^tige geleierte, 



ß^aroftcrlftifc^ in mc^r alÄ einer Se^tcöung ift fein ©(i^rciben an Ä. 
^ er I V. ben 1. Stuguft 1540. @. 93ricf6uc^ @. 208. 

■) 3m" crftcnmalc Bei ^naafe: Sa^i^Büc^cr bc8 beutfd^n SRcic^ unb 
ber beutfc^en tirc^c im 3eltaltcr ber 3»eformQtion. I, 1. Stip^xQ 1872. 
@. 8-179. 

*) Synopis historica rerum gestorum ab a. 1504 usqae ad a. 1528. 
6. oben ©. 215. 

*) a)ic Solare 1502—1520 beriJffcntlic^te b. Kretin im 7. «anb frinet 
,/^citrd9c jiir ®efcl)ic^te unb Literatur'' u. f. tu. ©.535 — 560, 621—668. 
3)ie Sa^rc 1521—1523 im 9. «Banb @. 1011—1051. 5)cn ©c^Iu^ Dom ^fyct 
1524—1548 gab Dr. D. S)öIIinger in feinen g}iQtcriaIicn jur ®ef(^i(^te bc* 
15. unb 16. Sal&rl^unbertÄ (^egenöburg 1863) ©. 445—611 ^«rou«. — 
Ä. fi c i b mar geboren ju Cc^fenf urt am SEflain im Qö^^^ 1471 unb ^atlc feine 
njiii'cnfcftaftlicöc Stuöbilbung in ©diiocinfurt unb (Sic^ftäbt erhalten. 3" fe^r 
jungen S^^rcn trat er in ba^ Jluguftinerfl öfter Siebborf hd @i(5ftäbt, bo* 
auc^ für un[erc mittelalterliche ®efct)irf)tfc^reibung , mle man »cniQften* bie 
längftc gcit geglaubt l^at, einen ^Beitrag geliefert l^at. 1497 mifrbe er ^or 
)oad in biefem f^aUe ben oberften iBorftanb ber ^ropftei bebeutete. (£t ift nadi 



3He b. ®ef(^tf(!6Teibung unter b. ^nmirfungen b. S^eformatton. ^. Seib. 241 

auä) l^umantftifd^c Silbung angeeignet unb ftanb mit ben am 
gcfel)enften ®ele]^rten feiner Qdt in SSerbinbung. S)er ^oU 
njenbigfeit einer Siefomtation ber Äird^e ^at aud^ er fic^ nid^t Der* 
fd^Ioffen, afe ba^ SBorgefien Sutf)er§ aber jum Srud^e füfirte, 
fteUte er fid^ ber Seioegung mit ber Dollen SRficffic^töIofigfeit 
feiner fräftigen SWatur entgegen unb gefjörte fortan ju il^ren un* 
Derföfinlid^ften ©egnern. ©eine Snnalen finb ein beutlic^er ?lu§* 
brucf biefer feiner Stimmung, aber aud^ aui^ biefem ®runbe 
^aben fie Derbient an ba§ ßid^t gebogen ju »erben, ©ein 
©efid^ti^trei^ ift au^gebefjnt genug; Vermöge feiner ©teHung ttjar 
er in ber Sage, Dielet ju fefjen unb ju l^ören, toa^ nid^t jeber 
anbere gefet)en ober gehört f)at; er ift ein aufmerffamer S3e* 
obad^ter unb t)ält fid^ immerl)in Don abfic^tlid^en (SntfteKungen 
ber 3;t)atfad^en frei. §(uf bie SBorgSnge im ©üben be^ SReid^eiS 
ift Dor allem fein Äuge gerid[)tet, bem SauemWege j. ©., beffen 
glut ja aud^ bi^ in bie 9?ät)e feinet Älofterö fid^ ergofe, loibmet 
er eine jiemlid^ Deriäfelid^e Siarftellung ^). 

3)ie SReformationögefd^id^te anlangenb, bürfte t)ier ber 5ßla^ 
fein, ein unb baiS anbere jur ©efdjid^te it)reö ^auptur^eberö (Se^^ 
I)örige unb tt)eiterf)in bie Sluöbreitung berfelben S3ef|anbelnbe^ jur 
©prad^e ju bringen. SBir ^aben bereitö erioäfint, bafe Sutfier 
leiber nicftt mel^r baju gefommen ift, ben get)egten ?ßlan, felbft 
über fein Seben unb feine reformatorifd^e 3^f)ätigfeit Serid^t ju 
erftatten, auöjufüfiren. Um fo näf)er liegt bie grage, ob nidjt 
ton anberer ©eite nad^gefjolt Sorben ift, ttja^ er felbft t)at Der* 
fäumen muffen. SBai^ Don gegnerifd[)er ©eite Don einem SWanne 
loie 6od^Iäu§ hierin geleiftet loorben, fjaben tüir bereite get)ört. 



einer rül^mlid^cn SBcrmaltung feinet StmtcS om 16. Suli 1553 gcftorbcn. SBgl. 
über i^n Andr. Straus: Yiri scriptis, eruditione ac pietate insignes quos 
Eichstadium vel genait vel aluit. Eichstadii 1790. p. 261 sqq. 

^) (Sd borf k)icnet^t baran erinnert mcrben, bai fieib für t^m jeitlic^ 
femliegenbe ^erl^Itntffe gu ben (fnneaben bed ©abellicuiS ^uf^ut^t nimmt. 
Son Sntereffe ift ferner, ha^ fieib wie fo üiele feiner fonft erteud^teten 3cit* 
ßcnoffen, imter bem SBannc bc8 aflrologifc^en 3Ba^ne8 fte^t. 

». Ocflcle, (^qd^ii^te ber beutf^en ^ifioriofirap^te. 16 



242 <£rfteS 8ud^, fünftel äapM, 

3uni ®IM l^abcn anä) t^m SSotilgefinntc unb Slol^eftcl^bc nic^t 
unterlaffcn, übet tl^n ba^ 3Bort ju nct)inen^). 3«^^* ^öt 
SBflontl^on in btc SfidEe ein nnb gab in ber SSorrcbe jinn 
2, ®anbe ber erftcn OcfammtauSgabe Don Sutl^erig SBerfen eine 
opologctifd^ gel^altcne ©fijje t)on bcffcn ßeben, bie onäiel^nb ge» 
fc^ricben tft, ber aber nic^t gerabe ein l^o^er qucHenmä^iger SBert 
äuerlannt »erben fann. 3)ie eingelnen angefallen S^l^atfac^cn 
finb nid^t alle fo fidler funbirt, bafe fie eine Siad^prüfung unnötig 
mad^ten. S)er Son, ber baö ®anje burc^bringt, erfd^eint uni8 
glcid^ttjo^l ein tjiel mel^r gefd^id^tlid[)er afe jener, ben Sod^läu^ 
angefdEjIagen ^at*). ©in SQSerf anberer Art ^aben toir üon 
Sut^erö ^au^arjt unb greunb Dr. äRatl^äu^ 9ia§eberger, 
\ ber bem Sieformator fo no^ ftanb, ba^ er fic^ tDo\)l für berufen 
erad^ten lonnte, über beffen Seben unb Qdi eingel^enbe SWit^ 
teilungen ju machen®). S)er erfte 3;eil feiner ©d^rift ift ber 
eigentlid^ biograp]^ifd[)e , ttjä^renb ber jttjeite bie Vorgänge nac^ 
ßutt)erö 3:ob be^anbelt unb üielleid^t ate ber toid^tigere bejeic^net 
toerben borf. (£ine üoQftänbige Sebenöbefd^reibung fanii man 
feine bej. Äufjeid^nung freilid^ nidf)t nennen, fie bietet üiele unb 
toefentlid^e Surfen, er nimmt jugleid[) in unterlennbarer SBeifc 
^rtei gegen bie Slbiap^oriften unb ben Äurfürften 9Wori$ öon 
©ad^fen, aber tro^ biefer (Sinfeitigfeit jft er ben S^^tfad^en gegen« 



*) 6. Ol. 2. ?Ittt, btc öicr erftcn Sut^crbiograp^en. Erlangen 1876. 

•) S. bie bctrcffcnbe Praefatio im Corpus Ref. VI. p, 15ö sqq., bamit 
^ bcrgl. ibid XX p. 430. 

^) ^ctQUi^cgebcn üon dl^r. ®. iReubccfer, btc l^anbfc^rtftltc^e Oefc^^te 
tRQÖebcrgcTÄ über Sut^cr unb feine 3cit. S^na 1850. — 9*atcbcrger wor 
geboren 1501 gu fangen im heutigen ji^önigreic^ Sirtcmberg, ^atte in IBitten« 
berg 3)kbigin ftubirt, fid^ enge an Sut^er unb bie ^Deformation - angefcQIoffen 
OTib war nac^ einigen 3*i^iWcnfteIIungcn 1538, ol^nc S^wif^ «uf Sut^etö 
©mpfc^lung, öeiborgt beö jhirfürftcn Sodann griebric^ geworben. ®r bcfaj 
jugleic^ grünblicbc t^eologifc^c Äenntniffc. 9?ac^ Jüut^erS Xob übcmal^m er 
bie S3ormunbf(^aft über beffen ^nber unb bie 3nöcntaTifirung ferner 9ibIiot^ 
IhJtö füllte er fic^ nadj einiger ßtit Dcronlafet, feine bicnftli«^« ©tcllung 311 
quittiren unb jog ftc^ iuleft nac^ (Si-furt gurücf , mo er am 3. Samtar 1559 
geftorbcn ift. SBgl. bie Einleitung 9?eubccferö. 



3)ie b. (Skf^ic^tfc^eibung unter b. d^ttidttungen b. SRefotmation. SJZatl^efhtS. 943 

Über ein glaubn^ürbiger SBerid^tetftotter.. @S gilt bted befeitbetS 
aud^ t)on ber ^ortfe^Ung bed 98er!eiS, bie fibrigeniS nid^t ganj 
öon i^m l^crrüfirt, aber burd^toeg bcn ftrcngcn flaciani[d^cn Oeift 
atmet ^). 3)ie biograp!)ifd^eit Söiitteilungen über Sutl^er [elbft, 
QUA einem pertrauten SBerfe^r bciber SKännet l^erüorgegangen^ 
fittb tro^ ilirer UnüoKftänbigfeit ^öd^ft einlä^K^ itnb ergiebig, 
tragen aber ein mcmoirenl^aftei^ ©epräge. S)agegen fam einige 
3eit nad^ bei8 SReformator^ 3;obe burd^ einen feiner toärmften 
unb äwS^^i^ befd^eibenftcn Sln^änger, aUcrbing^ in eigentümlid^et 
gönn, bie erfte toirflid^e Sut^erbiograpt)ie, bie biefen 9?amen Der* 
bient, ju ©tanbe. 6§ ift ein o^ne gelehrte Snfprüd^e unter» 
nommene^, tierüorragenbeÄ Dolfötümlidieg unb jugleid^ erbaulid^e8 
S5ud^, ba§ toir im ©inne f)aben, baö jebo^ ben ungeteilten 
SBeifaH ber 3^i*9^^^K^ gefunben unb burd^ ben anbauernbeti 
SSeifaQ ber SWad^roelt bie aBeif)e crl)altcn t)at* S)icfe Siograp^e 
tritt in ber feltenen gorm üon ^rebigten auf, bie, toie mit flted^t 
bemerft loorben ift, l^eutjutage treffcnber aU populäre JBorträge 
d^rafterifirt würben ^). S)er SBerfaffer, Sodann Ü»at^efiu«*)i 
l^at e* tro| beö erbaulid^en 3^^^^^ f^in^i^ Söiograpfjie an forg» 
fältiger JBorbereitung nic^t fet)Ien laffen unb bie öerfc^iebenften 



1) übet SRa^cbcrgcr« getrübte Äuffoffung ber SSorgänge im Wmalfalbifd^cn 
Äriege f. 35 o igt, bie ©cfc^id^tfdjreibung bc8 fc^malfalbifd^cn WcgeS. 3)lc 
üon Strobcl (^llbborf 17t4) herausgegebene „®e^cime ®cW(i)tt bou bem 
©^ur* uttb Säd^ftft^n ^ofc unb bcn StcIigionSftreitigfeiten feiner g^^*" dürfte 
in t^ Q^Ianbnmrbigteit bjm. 16raud^borPeit burc^ 9{eube(ferd 9?a(]^»eifungen 
mol^l atö befcitigt betrachtet toerben. (Sin gleicbcS gilt üon ber fog. ,,Hi8toria 
arcaoa", bie juerft Slrnolb in feiner ^r(^en« unb ^c^er^iftorie IV, 6.82 ff. 
befannt gemalt f^t. 

') „4>'Porien öon bc« (J^rwiirbigcn in ®ott ©cligen teueren 9)lannc« 
9otteS 2)o(torift ^. Sutl^erd anfang, le^r, leben nnb fterben'' u. f. ». 92üm« 
berg 1666. 

>) Geboren 24. 3uni 1504 In Sftoc^n^ im j^öni^reic^ ^äifitn, mx matfftß 
{hi9, ber mehrere 3a^e feiner l^genb in ^(tbaiem jugebro^t tinb bort mit 
ben ^ebettänfem IBerü^ngen gehabt (atte, 1529 nac^ Wittenberg gefommen 
unb fcübem boHftanbig für Me 6a(^ )But^erd getoonnen. ^iti 3a^re 1541 
iff er M ^iaton, 1545 atö Pfarrer in 3oad)im$t^I ongefteHt morben, too et 
am 8. OCtober 1565 geftorben ift. 

16* 



244 <^ted ^u(^, fünftel RapM, 

crreid^baren Duellen unb SöKtteilungen ju State gejogen. ®r 
n^ar in ber Sage, bie gefd^id^tlid^e SBa^rt)eit ju erfat)ren unb 
Iiatte ben SBiQen, fie ju fagen. S)arm liegt ber bleibenbe S33ert 
feinet 3Berfeg. 3^9^^^^ ^^^ ^^ Dorfid^tig genug, bem fpäter 
emac^fenben Oegenfafee ber ?ßf)ilippiften unb glactaner gegen» 
über feine Unabt)ängigfeit ju tpotiren unb jugleidb bie ©darauf e, 
bie er fid) grunbfä^Kc^ gcjogen, nämlid^ bie ©efd^ic^te ßut^en^ 
unb nid^t ber 9ieformation fd^reiben ju tooHen, nid^t ju über* 
fd^reiten. 

2)?it Sut^er unb ber SReformation ftef)en bie Erhebung ber 
SRitterfdjaft unter granj Don ©idfingen, ber Sauemfrieg, ber 
Kufru^r ber SJBiebertäufer ju 2)?finfter in na^em, löenn auä) oft 
falfd^ gebeuteten 3iiföntment)Qng. 2)ie ©r^ebung, bjlo. bie Staia- 
ftropt)e ©icfingenö t)at bur^ Hubert %i)oma^ Seobiuö eine 
felbftänbige unb üortrefflid^e S)arfteQung erfaf)ren, bie burd^ ba^ 
enge Sßer^ältniö beö SSerfoffcrö ju bem Surfürften Don ber ^falj 
feine toefentlid^e Seeinträd^tigung erleibet ^). (Sine f)öd^ft anjief^enbe 
©rgäuäung ju biefem SSerid^te beg Seobiuö bringt unig bie öon 
bem ©pe^rer SBifd)of ^fiilipp t)on glöröt)eim entworfene 
S^ronif feinet ©efd^Ietfiteg, bie jugleidj iljrer gorm nad^ aU ber 
erfte unb jn^or t)ödf)ft gelungene SSerfuc^ einer ®efd)Ied^t^gefd|ic^tc 
befonbereö t)iftoriogrQpt)ifd^e§ Sntercffe enocdt^). 

S)er Sauernfrieg, ber ^alb S)eutfd)Ianb in SBetoegung 
fe^te, l)at, loie nidjt anberö ju ertoarten, eine lange SRei^c jeit^ 
genöffif(^er 3lufjeid)nungen hervorgerufen, bie öerfd^ieben an S33ert 
finb, öon toelc^en bie gute 3)?eI)räaI)I nid)t bie ganje, freilid) aud^ 
t)on öerfc^icbenen SJJittelpunften au^ geleitete SBetoegung be^anbelt, 



') De Francisci a Sickingen equitis rebus gestis seu potior aosis 
et calamitoso obitu (bei grcl)cr=6truk)c III, 299 — 306). (Über bcn »crf. f. 
bie fi. b. ©iogtap^ic sub h. v. unb njcitcr unten.) 

') i^crau^gcgcbcn öon ^rof. SBqI^ (Ö^^Wö 1874), — bogcgcn ift baft 
bctanntc ©ud) öon 9(b. 92 eigner über bie Jrunbd berge (locnn toir baS 
gleid) ^icr erloä()nen bürfen) burc^ bie neuefte 5lritif faft öoüftänblg entloertet 
iDorben. @. SRanfc, jur Äritif neuer ®efd)ic^tfc^reiber a. a. O. @.126 unb 
6. ^. 2 6. 362 ff. 



S>teb.®e](l^i^tfc^retbunguitt.b (SintDtrfungenb.Steformatton. ^aarer. gfried. 245 

fonbcm mcl^r ober njenigcr einen protjinjteHen ober totalen SRatimen 
untfc^rcibt. 3)ie SBerfoffer fte^en faft alle auf ©eite ber lom 
ferDatiöen unb fiegenbcn ?ßartei, auf ber ^öl^e bei^ ®egenftanbei^ 
aber feiner 0- ®ie meiftc Slnerfennung i)at ftc^ ?ßeter §aarer 
burd^ feine ®efd^td^te beö ÄriegeS erttjorben. ®r lebte atö Selretär 
am furpfäljifd^en §ofe unb toar ein ©d^ttjager SKelant^onö, bem 
SSermuten nad^ ein geborener ?ßfäljer, geftorben nac^ 1542^. 
SBeit über ©d^ttjaben unb bie ^ßfalj reid^t feine S)arfteIIung ni^t 
l^inauig, ttjenn tt)ir granfen aui3net)men'). 3Baö fein gefd^id^tlic^e8 
Urteil anlangt, i)&it er bie gorberungen ber Säuern nic^t 
gerabe für unbegrünbet, im SJerlaufe ber Srjäl^Iung inbe^ öergifet 
er über bie Unt^aten berfelben bod^ bie urfprünglid^en SDZotiüc 
ber Setoegung, fotoeit er fic überf)aupt erfennt*). S)en Sauem* 
frieg in Dftf raufen t)at ber befannte ©efd^id^tfd^rciber bci8 
^od^ftift^ SBürjburg ßorenj ^riefe (grieö), Don Soad^im 
©amerariu^ buju aufgef orbert , in umfaffenber 3Beife bargefteHt, 
boc^ mufe fein SJBerf Diel me^r eine fjöd^ft forgfältige 3ufammen* 



*) ^an kuirb ni^t ermatten, ha^ bie be^. ©d^riften aUe efit/^cln ^ier 
angefül^rt merbcn. yu ögl. 9Konc, babif(^c®ef^i(^t«qucncn, S3b. II ; 9, S. © a u * 
mann, OueUen jur Oef^ic^te bed SBauemfricged in Oberfc^mabcn. 129. Sb. 
ber SBibliotftct bc« üt. SBcr. in Stuttgart. (Tübingen 1876) unb „^cinrl^ 
^ug§ SBittinger S^ronif", herausgegeben t>on Dr. $. SR ober In ber 164 
^ublifation bc«(. SSereineS (1884). — ^ic ©djrift bone:oc5läu8 über bicfen 
©egenftanb ift ju ottem onbercn §ln unbebcutenb. — Sgl. Sl^r. ö. ©tölin, 
SBurtemb. ®efc^. IV, 1. 251—253. ^a^Imann*38ai6 a.a.O. 191—192. 

») 5Bgl. »l. C>attfelbcr in ben gorfd^ungcn j. b.®. XXn. 438—443) 
unb feine Ocfd^ic^te bed Sauemfriegcd in ©üb-^eftbeutfd^Ianb |(8tuttgart 
1884, @. 4ff.). aRone (©obifdie« 5(rc^iö 1,86) ^anbeftöon bcn jmei ^iftori* 
fc^n (^ebtc^ten ^aarerd, beren eined fi^ mit bcn ^acffc^en ^dnbeln bef^äftigt, 
bcrcn anbcrcS bie ^ocfijeit bc8 ^faljgrafen gfriebri^ II bcf(5rcibt. 

5) ©aorerö bej. ©c^rift ift ncuerbingS bon 3. ®. ^rotjfen in feinen 
„3RateriaIien jur neueren ®efd)ic^te* micber jum 2lbbru(f gebracht loorbcn. 

*) ^ag bie beiben Sefc^reibungen bcd ^auemfrieged t>on @)nob aliud 
unb X^omad Hubert SeobiuiS (über ben le^teren oben 6. 244. 9(n« 
merfung 1) überwiegenb oon ^aarcr abhängig [inb, ift in neucftcr 3ctt genügenb 
nad^gewiefen worbcn. O. ö. Schäfer, baS SJer^ältniS ber brel ©cfd^id^t* 
fc^rciber bed ^auemfrieged: ^aarer (CrlDitus), ©nobaliud unb Seobiud. 
e^cmnie 1876. 9lonfc, @. 3B. 6 ©b. @. 63. 



g46 ^M Su(4, fünfte« ^opitd, 

ftcßung bcr 6cj. Äften^tüdEe, aö eine toirfltci^e ®efd^ici^te genannt 
iperben. 93on einer unbefangenen ober gar ^ö^eren Sluffaffung 
ift bei xf)m nod^ üiel toeniger bie Äebe^). — Über ben Äufftanb 
ber dauern in XI)üringen unb äJ^unjerS ^ataftroplie l^ot äJ2eIan^ 
tl^on einen ©erid^t üerfafet. ber lefirreid^ genug ift, aber bic 
©d^ranlen einer gut unterrid^tetcn ^Relation nid^t überfd^rcitet*). 
©0 bleibt baö Srgebni^, bafe bie 3eitgenoffen, mitten im ©cfed^tc 
toie fie ftanben, ben lorreften ©tanbpunit für bie gef^id^tlid^c 
SBeurteilung j^nei^ elementaren ©reigniffed nid^t ju fiuben öer^ 
mod^ten, jumal ben Unterlegenen ber 2J2unb gefd^Ioffen unb boi^ 
SBort abgefdinitten blieb. SKerftoürbigertoeife ^at c^ über^upt 
lange gebauert, bi^ bie nötige ©rfenntni^ unb jutreffenbc 9e* 
urteilung beö Sauernfriege^ fid^ bei uni^ burd^gearbeitet ^. 
©ner ber beteiligten unb ßompromittirten l^at aUerbingg einige 
Skil^rje^nte fpäter bag SBort ergriffen unb in feinen ©enhoür* 
bigfeiten fic^ n^egen ber gegen i^n erljobenen %[nfd^utbigungen 
nac^träglid^ ju rechtfertigen üerfuc^t, nämlic^ ®ö^ üon 99er* 
li dringen. S)er SReinigungi^betüeiö ift jcboc^ nic^t rcd^t gelungen, 
loäfirenb jugleid^ baö ganje ©c^riftftücf mä) gorm unb Sntjalt 
üon ber neuern Äritif aU ein t)öd)ft mittelmäßige^ beurteilt ttJtrb'). 



*) fjricfc« betr. ©crf ift crft in ncucftcr geit öon ©(^äfflcr unb 
Renner üoaftdnbig l^erau^gegeben morben. ^ürgburg 1876^1883, 2 »b. 
(^er betr. $rief t7on ^. 6^amerartuS ftc^t in beffen Epp. libri qainque poster. 
p. 806). — ®inc rcc^t onf(^aulic^ unb ergiebige Söefc^reibung bcr S^orgängc 
loä^renb bed SBauemhieged in 9{ot^enburg a. b. £. liefert bad üon ^au« 
Ht a n n ^rou^gegebene W&txl : ^S^otenburg q. b. %. im ^auemfrteg'' Don ben 
^itgcnöfüfc^n ©tabtfc^reiber Sl^omaS3metfc( (139. »b. bcr Sibliot^f bd» 
lit. SSer. in Stuttgart. Tübingen 1878). 3"^cif<^^ Pc^t auf bem unbebingt offi» 
jieUcn ©tanbpuntte bcr iiegreirf)en Partei. — Qu Anfang §at ^umann ben 
betr. 91bfc^mtt auS @ifen{)arbd 9}ot^cnburger S^ronif mitgeteilt, bie fc^im 
mit bem 10. Sa^r^unbcrt beginnt. 

') S)cr befannte ^ric^t ^elant^onä, bm au4 Sleibon benü|t t^at, 
fte^t au4 in ber ^(Itenburget ^u^abe (SBb. UI) ))on fiut^ &rfen, rü^ 
cijoex ni^t üon biefem ^er. 

*) $ie neuefte ^ui^gabe ber geb. iüebcndbcfc^reibung ftnbet fu^ in bem 
^erf beg trafen ^."B, m^ t)on ^erlic^ingen. — 9ioffa4, «kfc^tc^ 



SHe b. ®ef(4t(]^tfc^retbung onter b. (SintDirfungen b. dlefonnation. (&x^hed, 247 

m 

SSott unpartcüfd^ benfcnben unb berufenen 3^öW)ffcn 1^ 
feiner über biefeg (Sreignii^ gefprod^en. 

3Bie bcr Saucmfrieg eine jal^Ircid^e Siteratur öon gleich 
jeitigen Slufjeid^nungen , fo l^at ber toQe ®p\xt bc^ koiebertöufe^ 
rifd^en Äufftanbc« in SBünfter melirere gleid^jeitigc 93crid^te, öer* 
fd^ieben an Umfang unb S33ert, l^eruorgerufen ^). gür eine ed^ 
gefd^id^tlid^ 93e^anb(ungi^n)eife ftanb man freilid^ teitö nod^ gu 
fel^r unter bem ©inbrucfc ber 3;^atfad^en unb toaren bie ®egen* 
fä^e ju I)art auf einanber geplagt, teils tooQte ftd^ aud^ in ben 
barauffolgenben Safjrje^inten baS für eine fold^e Slufgabe erfor^ 
berlid^e 3;alent nid^t finben. ©o ift eä benn eine einjige ©d^rift 
eines StxtQeno^]m, bie toir an btefer ©teile ju ertoä^nen l^aben. 
9^ic^t baS 3Ber{ eineS fonft irgenbn)ie l^ert)orragenben äßanned 
ober gar eines ®elef)rten, fonbern eines fd^Iid^ten ©anbtoerferS, 
toeld^en fein ©d^idtfal in biefe fritifc^e ©pifobe ber ®efd^id^te 
feiner aSaterftabt DernjidEelt l^at. SBir meinen $einrid^®reS* 
bedS »erid^t Don ber SSSiebertaufe in SKünfter*). SS ift boS 
eine jiemli^ umfaffenbe Stufjeid^nung, bie je^n Satire nad^ ber 
ßataftroptie beS ÄufruIireS in ber gorm üon S)enltt)ürbigfeiten, 
toie fie jeftt f)äufiger werben, niebergefd^rieben tourbe. ©reSbedt, 
ber jum gaUe ber ©tabt ein SBefentlid^eS beigetragen, l^at baS 
meifte tjon bem, loaS er erjätilt, erlebt unb mitangefef)en unb fo 
ift fein S3ud^ ein ^öc^ft ertoünfc^ter, originaler unb glaubtoürbiger 



beS mttcx^ mi Don SSerU^htgen unb feiner ^amiüe. Seipjig 1861. Über 
bie ^(utobiograp^ie ®5(end k)gl. geitfc^rift für beutfc^e ^Iturgefc^ic^te. iReue 
golge. m. ©b. — 8ur ®cf c^it^tc be8 «aucmfriege« pnb bcr »ollftänbigfcit »egcn 
no<4 JU tgl. 1. bad Sagebud^ bciS ^faljgrafen ^u 9?euburg Otto ^eturid^ 
(bei^reiberg, ©ammlung u. f. to. N. 181, IV) unb 2. baiS Xagebuc^ Don 
^anSSu^int Sal^redberic^t beS l^ift. Sßtx, für 8c^maben unb 92euburg 1847 
1848. ju nennen. 

3u^I- ^i^ ^(^ft unterric^tenbe Einleitung Don (SorneliuS ju bem 
2. S3anbe ber ^efc^i^tdquellen bed »ii»tumd fünfter, unb ß. SB. »outcrtt7e( 
Cr8ur ©iebcrtäufcr^ßiteratur'O im 1. S3anbe bcr 3eitfd^rift be§ bergifc^en ®ef(i.- 
Bcreined.) 

') t>erQu9gegeben Don ^. (SorncItuS im 2. ^onbe bcr (S(ef4.:ClueIIen 
bed $)idtumS SR. 



248 ^tc8 ©u(ö, fünfte« Äo|)itcl. 

Serid^t eine§ Slugenjeugen über jene fo f|5ci^ft mcrftoürbigcn 58or^ 
gänge, bie er freilid) nur in i^rer äußeren ®r[d)einung unb nic^t 
in i^ren tieferen inneren 9Rotit)en fennen gelernt \)at 2lfe 3Ber! 
ber Siteratur, funftloö aber anfd^QuIid^ unb lebhaft, Don ber 
§anb eine^ ÜÄanneg auö bem Solfe, fteljt eö in jener Qcit unb 
auf länger ^inauö einjig ba. Sluf bie fpäteren ®d)riften über 
biefen ©egenftanb ttjerben ttjir an feinem Drte ju fprcd^en 
fommen^). 

S)er fd)malfalbifd^e Krieg fonnte nad^ feiner ganjen 
©ebeutung in ber gleid^jeitigen @efd)idf)tfcl^reibung nid^t fpurlod 
t)orüberget)en. Sei feinem prinsipietten 3iiföwimen^ang mit ben 
brennenben 3^agen ber 3^^^ unb ber großen nid}t blofe beutfc^en, 
fonbern europäifd^en ^olitif mod^te man fid) auf niä)i^ (Senjö^n* 
lid^eö gefaßt mad^en. S)iefe ©rtüartungen erfüllten fi(^ freiließ nid^t 
fo gonj^). 9Son bem f^on gemürbigten betreffenben Slbfd^nittc in 
©teibon^ Sommentaven abgefe^en, ift baö bebeutenbftc nid^t bloß 
auf ©eite ber faiferlid^en ^rtei, fonbern fogar in fpanifc^er 
3unge üon Soui^ b'Slüila geleiftet ttjorben^). SBa^ beutfd^er» 
feit§ unb namentlid^ t)on ©eite ber unterlegenen 5ßartei au^ 
gegangen ift, vermag in feiner 35Seife bie S)arftettung ©leibani^ ju 

») 5)cr 3Künftcrcr 9(ufni^r mxh nodj berührt in bct Sf)ronif beS 
©^mcfterfjaufcö ^aricnt^Qt, gen. 9?icfiacf, öon einer 9?onne öctfajt, bie p^i 
toö^renb ber frittf(^cn geit im geb. AI öfter befanb. (@. S^orneliu» o. a.0. 
II, 83). 

•) (5. QJeorg 5^oigt: S)ie ÖJcfdnc^tf^reibung über ben fd^malfolbifc^n 
^cg (im 6. 33b. ber Slbl^anblungen ber p^il.-^ift. JJlaffe ber f. f. ®cfcDf(^aft 
b. ®. «eipjig 1874). — SRuboIfÜoreni, Beiträge jur ^citif ber OJefc^i^t- 
fc^rcibiing über ben f^molfalbifc^en ftrieg. 1. Xeil. 3naug.«5)i|f. Äönig^berg 
1876. 2. Xeil. Programm be^ ®i)mnafium« ju ©umbinnen. 1880. — %. StaU 
tcrfelb, 93eiträge jiir @efcf)i(^tf(^reibung beS fc^malfdbifd^en ^cge« (3for* 
fdjungen jur b. ®. 21, 354 ff.). 

^) Souii^ b'$(t)Ua« betannter Gommentario de la guerra de Alemanna 
ift gemeint. (£r ift in mehreren Sprad)en, u. a. aucft in bie beutfc^c bon 
$l^ilipp 3JiagnuS ©erjog üon Sraunjcftmeig übertragen (Solfen* 
büttel 1552) unb in ^ortlcberä bcfonnten großem ©ammelmerf über ben 
fc^malfalbifc^en Äricg aufgenommen morben. b'5löila toar SJertraucnSmanii 
Ä. Äarl V. . 



^e b. dkfc^i^tf^Tetbung uitt. b. (Stntoirfungen b. 9teformation. ^amerariuS. 249 

«rfcfeen, bic ja aui^brücHid^ gegen b'Slüila gertd^tet ift unb bereit 
SSortrefflic^feit man erft in bte[em 3ufanimenf)ange red^t erlennen 
lernt. 93elet)renbei8 unb ©rganjenbe^, ba^ äwgleic^ burd)au^ 
toinfommen erfd^eint, tft aUerbtng^ mand^erlci an ba^ Sid)t ge* 
treten. Aber aud^ eine jufammen^ngenbe, toeit au^^olenbe ®e^ 
f^ic^te biefeö Äriegeg ift unternommen toorben, bie freilid^ it)rer 
Aufgabe ttjenig geredet toirb, bie toir aber gIeid^n)of)I nic^t über* 
gelten bürfen, loeil fie in gried^tfd^ er ©prad^e abgefaßt ift unb 
^inen fonft Diel gefeierten 9Kann jum Serfaffer f)at, namlid^ 
Soad^im Samerariug^). Slu^gejeid^net auf bem ©ebiete ber 
claffifd^cn bjn). ber gried)ifd^en ?ßt)i(oIogie , einer ber erften ®e* 
lehrten feiner (Spod^e unb ein ?ßoI^t)iftor im beften ©inne be^ 
S33orte^, l^at fic^ ©amerariu^ jugleid^ mefjrfac^ ate ©efc^id^t^ 
fc^reiber unb jum 3;eile mit Srfolg Derfud^t. ©eine ©d^rift über 
ben fc^malfalbifd^en Ärieg, obtoo^I in claffifd^er ©prad^e ge- 
fc^rieben, fann freilid^ leinen Slnfpruc^ auf Glafficität erl^eben. 
3)aDon nid^t ju rebcn, ba^ er bie Srjö^Iung nid^t big jum (Snbe 
gefülirt*), ber grofee 5ß^iIoIoge, beffen ©tärfe nic^t baS ^an* 
beinbe ßeben ttjar, ^at ben richtigen ©tanbpunft für bie forrefte 
?luffaffung be^ großen ©reigniffeS feine^toegö gefunben. ?(te loefent* 
lic^e ©rgänjungen biefer unb einer unb ber anberen allgemeinen 
Sefd^reibungen be^ Äriegei^, bie loir übergeben, fd^Iiegen fid^ 
einige 2tufjeic^nungen in ber (Seftalt Don SJenfmürbigfeiten unb 
Don 2^gebüd|ern an, bie teitoeife ober ganj mit biefem Kriege 
unb ber Beteiligung if)rer Urfjeber an bemfelben fid^ Defc^äftigen. 
®o bie S)enhoürbig{eiten beg fianbgrafen 5ß^ilipp Don Reffen 
über ben Ärieg an ber 3)onau, femer ba^ 2;agebuc^ beö 9iate« 



») ®cborcn ju ©ombcrg om 12. ^pril 1500, gcbilbct jufici^jjig «nb Erfurt, 
war damerariuS ^tofcffor ju Sf^ümbetg, 1535 ju Tübingen, 1541 ju fieip^ig, 
tüo er am 17. 9tpril 1574 gcftorben ift. Sgl über i^n im allgemeinen hie 
b 93iogr. s. h. v. unb über feine Söebeutung aU ^ß^ilologe © u r f i a n , ®efc^. 
b. claif. ^^ilologie in 3)eutf(j^ranb (Wlmid^tn 1883) @. 185 ff. 

•) 3)er ©eibelberger ^rofeffor @imon ©teniuS l^at fic fpäter in ba^ 
fioteinifc^e übertragen unb fortgefegt. @. 8rrc^er*@truöe, III, 457 ff. 



250 <^ted ^u4r fünftel RapM. 

fiarIV., Sßtgliu^ Dan 3^^^^^^) wb bc8 SScrtrautcn bc* 
ßanbflrafen, ©tmon Sing, bic SKemoiren bc^ ^anS S^ti* 
ftopf) Don ©crnftein unb ©ebaftian ©d^ertltnö, bic 
Derf^iebene politifc^e dtid^tungen unb ©tanbpunfte Dertreten. aber 
aUc ein 3^i^9^i^ fö^ ^i^ 3;^atfac^c ablegen, in loelci^cm ®rabc 
einerfeitö bie gcfd^id^tlidie SJarfteHung jefet jum 3tt>C(fe ber Se^ 
cinftuffung ber öffentUci^en ÜÄeinung Demertet tourbe unb toie 
fe^r anbrerfeitö bic Steigung jur gcftf)altung bc^ praftifd^ (&> 
lebten um [idj grifft), ©c^ertlinö Stufjeic^nungcn umf^rcibcn 
frcilid^ einen tücitcren Ärei^, Don 1523 ungefähr biö 1576, ben 
n)id)tigften ^eil berjelben bilben inbeg bod^ bic äßittcilungcn über 
bie Saljre Don 1545 6iö 1552^). SSom formeßen ©cftd^tSpunlte 
auö ert)eben fie fid^, in Slbfd^nitten unb oft 3at)t für Salir nicbet* 
gefd^rieben, in feiner SBeife über bic Stnfprüc^c cincö funftlofcn 
S^agcbuc^eö*). — 

S)ie S)arftettung ber jcitgenöffijd^en ©reigniffe, bic ja ma^rlit^ 
in^alt^reid^ unb groß genug toaren, um bie ©eiftcr ju fcffcln, 
t)at bod^ nid^t Derl)inbern fönnen, ba§ bie nationale ©cfammt» 
gcfd^id^tc unb bie Sanbe^gefd^id^te mitten unter ben tocItumgeftaU 
tenben eutttjidelungen ununterbrod^ene Pflege fanben. 3)ic »iffcn^ 
fcftaftlid^e 9lrbeit ber @pod)e gelangt ber SWatur ber 3)ingc nod^ 
auf biefem Soben jum eigentlichen Sluöbrudt, toenn aud^ bic ber 
territorialen §iftoriogrop^ie, gerne big jur ©cgcntoart fortgefcftt, 
fid) oft mit ber jeitgenöffifc^en Derfnüpft. 

S)ie crfolgreidöc Pflege ber nationalen ©efd^id^tc, toie fie 
unter bem Eintriebe beö §umaniigmu§ fdjon in ber Doraud* 

*) §crauggcgcben Don Dr. t). 3) ruf fei. 3J?ün(^cn 1874. 

*) iWä^crc« über bic im Xcjtc genannten @d)riften in ber oben @. 34^ 
?lnm. 2 angcfül)rten iüteratur. — Über bie ^^(ufjeicbnung bcS Süblngcr ^ro* 
fefford Martin Srujtud in de pareiitum suorum periculis tempore beUi 
Bmalcaldici (bei grcber*@mu>e, 9?. 9^2. 3:1. III) f. SJoigt a.a.O. 6.141. 

•) Über ben fog. ^nom)mu8 Mencken. (Menke SS. III p. 1361 sqq.) 
ügl. bic bereite obengenannten Unterfud^ungen üon ®. Soigt, fR. Soren) 
unb Trüffel. 

*) über eine (im TOincbener 9[rdiit) liegenbe) l^anbfcfir. Oeft^id^te be« 
ÄriegcÄ üon §and 3af ob fjuggcr. 3)ruffel a. a. O. ®. 30ff. 



SMeb.dkfc^ic^^reibung unter b.@tnn)iTfungenb.9ieformQtion. 9^otcn^att. 251 

gegangenen @|)od^e begonnen toaxb, f)at ftd^ in ber 3^^^ ber 
Sieformatton in befd)eibenem SÄafee fortgefe^t. SQSenn man fid^ 
jur Unna^me t)erfud)t fül^It, bic[elbe ^ötte ber nationalen ®e^ 
fc^i^tfd^reibung nid^t anberi8 . afö ju gute f ommen lönnen, fo 
loirb ben Z^ai^^m gegenüber bie[c SSorau^fe^ung nid^t gcrabeju 
beftdtigt. Unb eiJ ift bieg mit ganj natürlidien fingen ju« 
gegangen. S)aÄ übcmältigenbe Sntereffe an ben fird^Iid^en SBor* 
gangen ^at bie öffentlid^e 3;eilnat)mc unb bie literarifd^en Äräfte 
in einem SÄafee in Slnf^rud^ genommen ober fic bod^ geteilt, bafe 
für bie blofee ^jolitifd^e ^iftorie nur ber geringere 3;cil batjon 
übrig blieb. @eit bem 3;obe be^ Äaifer« SWajimilian jumal 
^atte fid^ aud^ ofinebem fo mand^cg geänbert. SSon Äarl V. 
loar toeber eine Anregung nod^ eine ©egünftigung ber Söefd^öf* 
tigung mit ber notionalen ©efd^id^te ju ertoarten. S)al)er fa^ 
f{(^ biefe übertoiegenb auf fid^ felbft unb auf ibeale ?lntriebe 
angetoicfen, loäfirenb ber ^Betrieb ber ßanbcögcfd^id[)te einen greif* 
baren §intergrunb t)atte unb fid^ be^ ©c^uge^ ber §öfe unb 
dürften erfreute, bie ja babei in üerfd^iebener 2trt beteiligt ttjaren. 
©0 bürfen toir un8 benn aud^ nid^t tounbern, loenn ©cfammt* 
barfteQungen ber beutfd^cn ®efd[)id)te ttjebcr fo jal^Ireid) nod^ 
üerglcid^ung^ttjeife in fold^er SSortrefflid^feit ju ©tanbe famen, 
roie bag in bem jfingft Derfloffenen aÄenfd^enalter gefd^cfjen toar, 
unb fein 3i^föß mod[)te t^ barum fein, ba^ bag loirfung^reid^fte, 
ttjaö für bie nationale ©efd^id^te geleiftet tourbc, auf bem 93oben 
ber territorialen ®efc^id^tfd^reibung ertt)ad[)fen tft. 

Slnlangenb bie Offenlegung be^ gefd^id^tlidien DueHem 
materiate, ttjurbe mit ©rfolg auf bem SBcge fortgefd^ritten, ber 
unter Staifer 9Kajimilian betreten ttjorben toar. SJBir erinnern 
an bie crfte Slu^gabe t)on SR e g i n o ' i^ S^ronit burd^ ® e b a ft i a n 
öon SRotentian (1522), einem fränfifd)en ©beimann unb an^ 
gejeid^neten SWitgliebe ber fjumaniftifd^en 3;afclrunbe '). 2ln fie 



*) @. feine Vita t>on (5t)rin9. — 3n einer im SBerlaufe ber legten 
Sa^r^e^nte gef^riebenen (S^efd^id^e beS ©ef^Ic^ted berer k)on SRoten^an (ommt 
6ebaftiaR u. cu alft (&tk^xttx betrad^tet, nic^t ju feinem 9ie4te. 



252 Srftc« S3u4 fünfte« ÄQpltcL 

fdlliefet ]iä) bie SJrucHcgung SambcrtS Don §eri3felb ^), ©in^artö, 
SBibufinbö, Siubpranb^ unb ber Vit» Heinrici IV imp. bur^ 
SKortin gred^t*). ©uer ber Ie6t)aftc[ten ®ciftcr ber Qext, 
Ulrid) t)on :^utten, entbedte unb veröffentlichte (1520) bie 
für bie ®efd)ic^tc ber kämpfe be§ 1 1 . 3a^rf)unbert^ fo loid^ttfle, 
bem 3)if(f|of SBaltram üon Slauinburg jucjefd^riebene SCb^anblung 
de unitate ecclesiae conservanda etc. Sbenberfelbe l^at eine neue 
Sluögabe ber berühmten ©d)rift Saure ntiuö aSalla'S über bie 
angeblidje ©d^enhing Äaifer itonftantin^ beforgt ^. ©ine toefent^ 
Iid)e S8ercid)erung für bie ftcnntni^ unferer älteren Ocfc^ic^te 
brad)tc bie ^erauögobe ber alten beutfd)en SSoIföred^tc juerft 
(1538) burd^ 3ot)a nne§ ©id)art unb bie forreftcre unb öott- 
ftänbigere burd) 2. So^anneö §eroIb (1557), SJeröffent? 
Iid)ungen, burc^ tpelc^e eine ber tüid)tigften Seiten beö öffent^ 
Iid)en unb SRed^tiglebcnß; ber Derfc^iebenen beutfdien ©tfimme et^ 
fd)loffen ujurbe*). 9(uf eine frud)t6are Seljanblung be^ beutf^en 
3IItertumö I)at aufeer ber 9lu§gabe beö Vellejus Patercalus 
burc^öeatuöSR^enanuö, Dor aQem aber baöStubium be^ S^acitud 
eingenjirft. SJon ber Sefanntmerbung ber ©ermania l^aben mir 
fd)on einmal gefprodjen; il)r njcnbete fid^ fortgefe^t bie befonbete 
SBorliebc ber patriotifd) gefinnten 4^umaniften ju; bie Aufgaben 
lieber t)ütten fid^ unb man üerfudite fie, n^ie j. 95. ®Iareanuö*), 
ju fommentiren. 3lxd)t geringe 3)?ü^e t)at u. a. äRelant^on auf fie 



Xübingcn 1525 (bei Ulrid)) burd) Wl. GaSpor X^urrcr. 

») S3afel 1532. grcd)! iimr 1494 in Ulm geboren unb ftarb 1556 M 
^rofcffor ber Xftcologie in Tübingen. @. u. a. Siograp^ic b. h. v. S5gl. ^a))ib 
6 trau 6, lUricf) öon §uttcn (1. Vluögabc II, 48.) 

«) 3m 3Q^rc 1517. SSgl. ©trauB a. a. O. n, 280. 

*) ^gl. ©tobbc, ®ci(öid)tc ber bcutfd)cn 9?e(§tSqucacn 1,8 ff, unb 
t. Stin^ing, ®cfd). ber b. 5Rcd)t§tt)ificn(d)aft I, 212-219. - Sid^art 
xoax 1497 in Xauberbijc^ofS^cim im ^oc^ftift SSür^burg, ^rolb 1521 gs 
^öc^ftcibt a. b. ^onau (bamald ju ^^fal5'9?euburg gehörig) geboren; bet dne 
ftarb 1552 aU ^rofcffor in ^43afel, ber anbcre 1562 ebcubafclbft. ©cibe Ratten 
ficj^ ber 9icformation ^ugenjcnbet. 

*) Über §. ©larcanud f. junftdift bcn Slrtifcl fi, ®ctger in ber «. b.a 
6ein ^^Commentariolus^* ^ur 6)ermonia bei @<j^arbiud. SS. p. 70 sqq. 



S>ie b. ®cfc^t(^tf^rcibung unter b. ©Inwirfungcn b. ^Reformation. SogiuS. 253 

öertocnbet ^). @ntjd)etbenb lourbe bie Sfuffinbung eines %c\U^ 
ber ^tftorien unb jumal bcr crftcn fcd^S Sudler ber SInnalen. 
S)er ^elb be^ crften beutfd^en grei^eitöfampfeS , Slrminiuö, 
tüurbe feitbem bie Sieblingögeftalt unferer gelehrten ^Patrioten. 
SSSeld^en ©nbrud er auf ^utten gentad^t t)at, tft befannt. ©palatin 
liefe fid^ ju feiner ©d^rift tjon bem „treuem beutfd^en |)elben 
gürften Slrminiuö'' begeiftem, beren SBert^ freilid^ über bie 
patriotifd)e ©efinnung toenig tjinaugreid^t*). S)at)on jebod^ ab* 
gefc^en, bilbet biefe Sluf^eHung unserer äfteften ®efd)id)te ein 
fo toid[)tigeS literarifd^eig SBoment in ber Sntoidtelung unferer 
nationalen 3been, bafe tt)ir nid^t umfonft bog größte ®en)id^t 
barauf legen. Sin ber, jumal für baö 16. 3af)rt)unbert fo un* 
enblic^ fd)tt)ierigen Slufgabe, eine ®efd^id^te ber SSöIfertoanberung 
ju f d^reiben, l^at fid^ ber SQSiener 3BoIfgang Sajiuö t)erf ud^t, 
o^ne \cboä), toic freilid^ faum anberS ju ertoarten ftanb, auc^ 
nur annä^ernb in baS ©d^toarje ju treffen'), dkbm ber perfön* 
lid^en Unju(änglid[)feit beiS Urf)e6erö befanb fid^ bie fritifd)e 
SWet^obe unb in erfter Sinie bie beutfd^e ?ßt)iIotogie im tüeiteften 
©inne bei^ 3Borte8 ju fe^r in ben bürftigften SInfängen, aU ba^ 
einSJerfuc^ berSlrt irgenb toie nur tjalbtoegö ^ätte gelingen fönnen. 
S)ie ®efd)id^te beS beutfd^en SWittelalterig anlangenb, l^at ed 
junäd^ft an frud^tbaren Slnregungen nidf)t gefet)It. Unb in bicfer 
S3eäief)ung f)aben ttjir an biefer ©teile in erfter Sinie auf ben 
„fiel)rer 3)eutfd^IanbS'' jurüdtjufommen. 2)?elantt)onö SSerbienfte 
um bie beutfd^e ®efd^id|te grünben fid^ übertt)iegenb auf fol^e 
Anregungen, bie er burd^ SBort unb ©d^rift gegeben, bie man 

*) SBir ^abcn öon ifim 2 SluSgabcn bcr Ocrmania ncbft einem gcos 
grap^ifc^cn ©ommcntar. 3n Wittenberg finb aber aud) 5Borlefungcn über bie 
Germania ge'^alten morben. 9nc(ont§on§ (Erörterungen* über bie Vocabula 
regionum et gentium quae continentur in Taciti Germania, bei @cbarb 
SS. I p. 7sqq. @ic ftnb gegen ben fatfc^cn 93erofuö gerichtet, aber im 
übrigen ergebnidlod. 

») SBittenberg 1535. @ie ift bem ^urfürftcn Sodann griebrit^ gcmibmct. 

") 2)er ^ite( bed SBerPe^ ift: De gentium aliquot migrationibuB, sc- 
dibus, reliquiis linguarumque initiis et immutationibus ac dialectis. Libri XU. 
Basilee 1537. — Auf SB. fiajiuS fommcn toir bcmnöc^ft jurücf. 



254 ^)^^ ®u4 fünftcd StapM, 

fid^ aber iiid^t umfaffcnb unb mad^tig genug bcitfcn lann. SRoii 
barf fagen, er \)ai naä) ber SWaBgabc feiner 3^it ^^we fdTmlid^ 
©c^ule t)on ^iftorifern gegrünbet, toie bcnn faft bei iebcm feiner 
jüngeren proteftontif^en 3^i*9CJ^off^nf ^^^ fi^ ^ ^^ Siterotur 
überl^aupt ^eröorgetl^on, fein infpirirenber ©nflufe meift in aud» 
gefpro^ener SBeife ju erfennen ift. ©einen ?lnteil an ber S^ronü 
©arion'ö, bie freilid^ nid)t blofe nationale ©efd^id^te be^nbcltc, 
lennen ttjir bereite ^). SSirft man einen SBIid auf bic ©ammluuft 
feiner Äorrefponbenj, feiner SSorrcben unb S)eHamationcn, »ie 
fie im Corpus Reformatorum Dereinigt Dor nxi^ Hegen, fo 
erl^ält mon ein gerabeju erftaunlid^eö Söilb einer unt)crgleicl^li(§en 
literarifc^en 5RüI)rigfeit unb einer Sinttjirfung auf bie gefinnungd- 
Dertoanbten SJJitarbeiter, gürften tt)ie ®ele^rte, bie umfaffenber 
nid^t gebad)t tperben fann. SBaö Soad^im Samerariuö in biefcr 
a3ejiel)ung in ber SBiograp^ie feinet greunbe^ il|m nad^gerü^mtr 
ift fein SBort ju üiel gefagt. 2ln biefer %t)at]a(i)t tonb tDm% 
burc^ bcn Umftonb geänbert, bafe SWelant^on bie ®efc^i^ 
fd)reibung nid)t atö felbftänbige 2Siffen)d[)aft, fonbern me^r nur 
aU bienenbe Begleiterin ber S^cologie unb firc^ll^er Qtotit 
bel^anbelt. ©eine ftritit ftedft freilid^ noc^ in ben Äinbcrfc^u^ 
unb nur gelegenttid) blifet eö erleu(f)tenb in if|m auf. Sin poli* 
tifcöer fiopf, tüie e^ jeber ^^iftorifer, ber nid)t blofe ?HtcrtumIer 
fein tt)iU, bod^ einigermaßen fein füll, ift SRelanttjon freiließ in 
red^t geringem ©rabe , tüie bag j. ö. feine ©eutteilung Äaifer 
IDiajimilianS ^iulänglid^ bejcugt. ^öd)ft anjieljenb bagegen finb 
bie SBitber ober ©tijjen, bie er über einjelne beutfc^e- Äönige 
ober gürftcn ober anbere geid)id)tlid)c ^^crfönlic^feiten, wie über 
Ä. Otto I., griebrid^ L, Subtoig ben S8at)em, Ä. ©tgidmunb, 
über bie furfäd)ftfc^en dürften u. a. mit gefd^icfter §anb enl» 
ttjirft. ©djon oben toar enoal)nt, ba§ er ouc^ über bic SJarfteÜung 
ber 3^it^ unb 3{cid)i.^gcid)idjte % im Sefonberen au^ über bie 

*) 6. oben 8. 19->. 

') &. ^.^ off mann: ^bt)anblung t)on $^. ^eland^t^ond 93ecbieii{ikcs 
um bie bcutfc^c ©taatd« unb 9ieic^dQC)(l)id)te 2C. Xübmgcn 1760. 



1i)teb.<Bef(^i4tf((rei&g.unt.b.(Sintotrfungm b.9lefonnatfon. 9(belfud. @tumpf. 256 

^ufammcnfunft itt ©oloßno, Slufjcid^nungen nicbergefd^rtebcn 
^at, btc überall erraten laffen, ba^ er ben (Sang ber ©inge 
forgfSltig Derfotgt unb nad^ ber ©itte ber Q^t t)on überaß l^er 
9Kittt)eiIungen empfingt). 

3n ber monograpl^ifc^en ©e^anblung ber ®efd^id^te einjelner 
nftatfer l^aben fid^ jur ßeit ber SReformation nod^ ein paar anbere 
STOänner üerfud^t, nämüd^: So^anne^ 9lbelfug über Ä. 
gricbrid^I., nnb 3o!)annc^ ©tumpf über Ä. ^einrid^ IV. 
Seibe ©d^riften finb lueber 3BerIe ber gorfd^ung, nod) jeic^nen 
fie ftd^ burd^ fünftlerifd^e ®eftaltung be^ ©toffe^ au^, [onbem 
t)crfoIgcn au^gefprod^enenna^en populäre Qrocde. Smmer^tn 
jebod[) mufe eö afe ein gortfd^ritt ber ©nttoidCcIung unferer ®e* 
fd^i^tfd^reibung l^orget)oben »erben, bafe auS ber Sici^e unferer 
Äatfer gerabe bie beiben ©enannten fjerau^gegriffen unb bem 
tBolfe nä^cr gerüdt tperben. gür Ä. griebrid) entfc^ieb offenbat 
bod gärenbe nationale ©etbftgefüfjt, für ^einrid^ ba^ proteftantifd^c 
JBebürfniiS. MbelptiuÄ*) bejie^t fid^ auf eine ©d^rift ©ebaftian 
SBrant^ ^de origine bonorum regum" unb folgt bann über* 
fe^b tjor allem ber Urfperger 6f)ronif, reprobujirt aber jugleic^ 
flctreu ba^ fagenreid^ SSoIföbud^ über ben Äaifer griebrirf), ba^ 
im Saläre 1519 ju Slug^burg erfc^ienen tt?ar^). 3)ic ©d^rift 
tion ©tuinpf, We bem ^faljgrafen Ott^einrid^, bem görbeter 
unb JBelcnner bed Stwngelium^ getoibmet unb ju Süxxä) im 
Sa^re 1556 mit ben beliebten Sttuftrationen erfdjienen ift, oer* 
Tät^ eine hinbigerc §anb, ber toir ja bemnäd^ft nod) ttjeiter^in 
begegnen iperben, 3)er SSerfaffer meint, e« fei feinem $)elben 
bi^fier in ber ©efd^id^tfd^reibung fein SRed^t ni^t getoorben unb 



1) @. bfe Aonales im 9. Sb. beft Corp. Ref. tgl. mit SBb. 12 unb fonft. 
©aju 91. ®ra6^off, bic bricfü^c 3citung im XVI. Sal^r^. iJcipaig 1877. 
«gl ohtn ®. 204. 

') @T nennt ft(^ in ber Sorrcbe ,,Argentinensis'' unb auf bem Sitel: 
^C^tabtarjt ju ^c^ffl^oufen"; bie IBorrebc ift batirt Dom Sa^re 1520, mäl^renb 
bcT @(41ug M ^txte% auf ba« ga^t 1535 meift. 

») »gl. 9*iejler in ben gfotf^ungen jur b. ©efc^. X, 138—140. 



256 ^ftcS S3u4 fünfte« tapitel. 

fd)rei6t fein Suc^ jum Shifecn unb jur Sclcl^rung bon 3cber» 
mann ^). 

aSerfe über allgemeine beutfd)e ®efd)id^te l^at, hjie ertoä^nt^ 
biefesl 3^i*ö^^^^ ^"^ wenige tjerDorgebrad^t. S)ie brei Sucher ger* 
manifc^er ®eid)i(^te be^ Söeatu^ SRfienanug traten oHerbing^ 
er[t 1531 an baö Sid^t, [ie [inb aber fo unbebingt t)on bcm 
®ei[te beö älteren §umani^muö burd^brungen unb t)on bcm 
reformatorif^en (Sinfluffe frei, bafe toir bereite bei einer frül^eren 
Gelegenheit mit 9?ed)t baDon fpred)en ju foHen geglaubt l^abcn*). 
S)ie Ä02^mograpl)ie ©eba ftian SKünfterg barf, fohjeit fie 
S)eutf(^Ianb be^anbelt, in biefem 3w?^^^^^^ö^9^ i^^^t ganj 
übergangen njerben, toenn and) baö größere toiffenfcftafttici^c SSer^ 
bienft i^reg SSerfafferö auf einem anberen ©ebiete liegt unb 
jeneö fein 3Berf felbft im ©runbe geograp]^ifd)er unb nic^t 
l^iftorifdEjer SWatur ift. ^reilic^ rtjaren ©efdEjid^te unb ©eograpl^ie 
nodj fortgefe^t mel)r öerbunben alö getrennt. 3D?ünftcr toar 
toenigftcnö flug genug, für bie einjelnen it)m ferne liegenben 
?lbfd)nitte fid^ bie Unterftü^ung ber ©ad^öerftänbigen , bie er 
gefc^idt ju finben n^ufete, ju Derfdjaffen ^). (£r l^at auf bicfe 
3Beife mand^en leljrrcidjen Seitrag topograpl^ifd^er unb lofal« 
gefdjiditlid^er 3lrt erl)alten. gür baö ©rofee unb ©anje freitit^ 
toar bamit nur n^enig gewonnen. (Siner ber ©efeiertftcn unter 
ben ^iftorifern beö SReformation^jeitalterö , SofjanneS 3;ur* 
mair (Slüentin), I)at aKerbingg ben ®ebanfen einer Germania 
illustrata, mit njeld^em fid) bereite fein Set)rer Geltii^ f. 3- gc* 
tragen, in ben fpäteren 3af)ren feineö Sebens toieber aufgenommen. 



*) Xic SSorrcbe ift au§ 6tammf)cim im X^urgau batirt, wo St. bamdft 
Pfarrer toax. 

«) (g. üben 6. 132 ff. 

3) 93ru(fer» C^ljrcntempcl ©. 137— Ul. ®oIf, Öio0ra^)5icn jur 
(5ulturgcfcf)i(^te ber Sc^ioeij. II , 1 ff. u. ®cf(f). ber ^ftronomie S. 143. 
^cfd)cl, öefdjic^tebcrGrbfunbce. 373 — 402 u. 9i. t». SRaumcr, a^ef^td^e 
gcrmanifc^cr ^(jUoIogie ©. 28. — ©. 9Wünflcr tuar in Sngcl^im 1489 geboten 
unb ftarb als ^rofcffor ber ^cbräifc^en ©prac^c an ber UniDerfität ©afcl 1552. 



SHe b. ®ef4i(^t{(!^i6ung unter b. Sintoirfungcu b. S^eformation. 9b)enttn. 257 

3)ic|clbc foötc befanntlic^ baö SBerf vereinter Shräftc toerben^), 
er felbft f)at aber loenigftenä angefangen einen Zeil baüon, 
bic , Chronica Dom Urfprung, §erfommen unb Saaten ber ur^ 
alten Scutfd^en" toirftid^ auöjuarbeiten, f)ai aber julegt gleid^^ 
tt)ot)I toieber bic §anb baöon abgejogen, unb [o liegt nur ein 
JBruc^ftüd Dor un^, ba§ bie erften SInfänge ber beutfc^en ®e* 
fd^id^te nid^t überfd^reitet unb in feinem 3nt)alt met)r ben ©tentpel 
ber ©d^tüäc^e ate ber SSorjüge feinet Url^eberö an ber ©time 
trägt. Übrigeng l^atte Slöentin bie Slbfid^t, bic St)ronif big auf 
feine 3^^* ^erabjufül^ren, unb ^at fid) eine ©fijje beg ©anjen 
aug bem Saläre 1630 erl^alten *). 6g bleibt immerl^in 5U be= 
bauem, ba§ ber SSerfaffer in ber Stugfüt)rung nid^t big in bie 
IjeHeren 3^iten, in tt)eld)en fein felteneg latent fid^ mit größerem 
6rfoIge geltenb ju mad^en ücrmod^te, öorgebrungen ift. @r l^at 
toenigfteng bie Slbfid^t gel^abt, bie beutfd^e (Sefd^id^te beg ÜRittel* 
alterg augfül^rlid^ barjufteüen '). Xa^ Sßerlangen nad^ einer 
toirflid^en beutfd^en ©efd^id^te fonnte auf biefem SBege f reilid^ rt)ot)l 
genjcdEt, aber nid^t befriebigt »erben, eg feierte bat)er immer aufg 
9leue mieber. 2)er befannte §eibelberger ®elef)rte Safob 9)?i* 
c^IIug benüfete unb beftimmte feine im Safjre 1635 erfc^ienenc 
Überfe^ung beg 3;acitug augbrüdlid^ baju , jur Slbfaffung einer 
f oId)en anjufpomen *). S)ie beutfd)e ©efd^id^te beg 93afeler ^ro*^ 



1) 539I. ©b. 1, 650 bct neuen Aufgabe öon Slöentinu« @. ®. feinen 
©rief an 3oa(^im üon SEBatt in @t. QJaDcn h^n 14. SJlai 1538. 

*) @. 3o^Qnned ^urmair'd genannt Slt^ntinud fömmtlic^e föerte. 
I. ©b. (tietnere ^iftorifc^e unb ))^iIoIogtf(4e ©c^riften.) münd^ 1881. 
6.297 ff. 3^ ^0l- d^octinger in ben Si^ungSberic^ten ber p^iloL'l^iftor. 
Älafje ber 1 b. «fabemie b. SB. ju SRünc^en 1879. 1, 368. 

«) gm 5. SBuc^ ber d^ronif 6ap. 35 (@. ®. IV, e. 298. 3. 10—11), m 
er uon ber, int ©ergleic^c )u ben ^nnalcn t)orgenommenen ^ür^ung ^unäc^ft 
ber ®efc^. ß. ^einric^ lY. fpric^t, Dermeift er audbrüdlic^ auf fein Seitbucft 
über ganj S)eutf(^Ianb, n;r man ,,den Wandel nach der leng beschriben^^ 
finben mürbe. 

*) @. 3. (Ilaffen, Satob SRic^auS jc JJranffurt a. 3R. 1859 @.261 
unb @. 272 (^nm. 13 unb 15). ^ictiaud (eigentlich a^otö^cint) mar 1503 
3U «Strasburg geboren, in (Srfurt unb SBittenberg gebilbet, ftarb 1558 M 



258 (Srf^ed SBu4 fünftel ^Qp\td. 

fefforö §ulbrcid) SKutiug, bie im Sa^re 1539 in ratcinifc^cr 
Sprache cr)d)ien, t)at jenem SBunfd^e fd^merfic^ entfprod^cn. ©ie 
ift burd^meg Äompifation of)ne jeben felbftänbigen 3Bert unb fyit 
offenbar geringen ©inbrucf gemacht, ^auptquelle ift Jiauclcru^. 
©aö einsige, toa^ ]^erüorgeI)o6en ju »erben öerbient, ift bie 
nationale ©efinnung beö SBerfaffer^, ber fid^ jugleid^ ote eckten 
©ibgenoffen fü^It nnbnadj altem ber älteren ©d^ule ber §nmaniften 
angehört, bie ber reformatorifd)en öettjegung, fo lebfjaft fie boi^ 
Söebürfnig einer SReform erfennt, gleid^mof)! mit 3ö9^öftt9^eit 
gegenfiberftc^t ^). S)a§ Chronicoii Germaniae üon ©. grand 
Ijat t)or biefer äw^äd)ft menigften^ baö eine öorau^, ba§ e« in 
üortrefflid^er beutfd^er ©prad^e gefd^rieben ift *). S)ie 2(rt unb 
3Beife grancte, ©efd^id^te ju fd)reiben, l^aben mir bereite berührt *); 
fie gelangt in bem gegebenen gaUe ä^ntid^ toie in feiner Oe* 
fdjid)t^bibel jum SluöbrudE. SBon ©elbftänbigfeit ber gorfc^ung 
ift aud^ jefet feine SRebe; origineö bleibt aber immerhin, baft 
grandE bei ber ®efd)idjte Ä. ÜRajimilianö aud^ ben S^euerbanf 
benü^t. SWaucIeru^ unb Sarion finb feine ^auptqueHen. An 
nationaler ©mpfinbung läßt er nid)t^ öermiffen. ©eine rabtfalcn 
Steigungen Ringen gelegentlich burd^, obtool)! er bie Sieformation 
unb ben Sauernfrieg nid^t met)r in ben Ärei§ feiner ©rjfi^Iung 

^rofcffor ber griccfiifc^cn ©prad^ in ^cibelbcrg. 8u öflL ©urftan, ®ef*. 
ber claffi^cn ^^iloloQk, @. 192-194. 

^) aber bit Sebendücr^ältniffe bed ^utiuS \inh toix fd^Iec^t unterru^, 
üicttcic^t »eil er fid^ oIS <g(6riftftcllcr fcincÄ befonberen 9(nfe^9 erfreute. 
^J2a(4 hm Athenae Raurac. (p. 425) tuar er im S)orfe 6td<fen untoeit OifctoTft' 
5cII im danton Xl^urgau geboren, tDurbe guerft ^ofeffor ber (ateini((!^n ®ianu 
matif, fpäter ber 9{§ctonf ju ^afe(. &tbvLxt^ unb 2:obediQ^r (c^einen nic^t 
überliefert gu feilt »gl. Dr. Ä. ©. ^ermann 3»üIIer, bie C^ronif M 
^ßrofeffor« C^ulbreic^ SJeutiu». ^cnjlau 1882. — a)aÄ «Berf führte be« 
Xitel: De Germanorum prima origine, moribus institutis etc. etc. übri 
chronici XXXI ex probationibus Germanicis scriptoribuB in Latinam lin* 
guam tralati. ^e erfte ^u^abe S3QfeI 1539: bie a»>^te bei $iftoriuft 
SS., bie 3. unb !orrcftcfte öon ©truöe (SS. II p. 605 sqq.). 

*) »OK bed ganzen Xeutfc^Ianbd, aUer teutfc^er »ölter ^eifommen, 
©änbeln u. f. f. grantfurt a. SK. 1559. 

•) @. oben @. 186—187. 



^te b. ®ef(^i(^tf(^reibung unter b. (SintPtrfungen b. 9lefonnatton. @. grtanc!. 259 

«inBcjtc^t; ed mad^t aber ben ©nbrud, alö ^alte er Ijäufig mit 
feiner eigenen STnfd^QUung in etma^ jurficf. J)er benfenbe Äopf 
fommt inbeö überall jum SBorfd^ein. ÜRifegriffe, mie fie SlDentin 
in ber Sinleitung feiner beutfd^en St)ronif beging, toei^ grand 
^u üermeiben. Sin ©onberling bteibt er aber nad^ toie üor; 
öllju abl^ängig üon ben Slrbeiten britter unb mit feinen Sbeen 
itic^t im Sinflang mit bem einen großen gortfd^ritt feiner Station, 
ging it)m unb mufete i^m bie nad)^altige SBirfung auf biefe üer^ 
loren ge^en. 

3Benn eö unter biefen Umftanben feinem ßö^eifel unterliegen 
fann, ba§ bie S9et)anblung ber beutfd^en ©efd^id^te afe folc^er 
in ber Spod^e ber ^Reformation nidEjt bie erfreutid^en gortfc^ritte 
gemad^t ^at, bie öieöeid^t manche erttjartet l^aben, fo barf biefe 
5£^atfad^e mit nickten afe ein Slnflagepunft gegen biefe t)ertoertt)et 
n)erben. J)a bod^ im einjelnen in ber ©rforfd^ung berfelben 
tBietc^ geleiftet toorben, trat um fo unDermeiblid^er bie Steigung, 
ha^ ®anje ju betjanbeln, jurüdE, für biejenigen am et)eften, bie 
bie Sage ber ©ad^e am bcutlid^ften überfat)en. gerner bie ^ßartei, 
bie am fid^erften ju einer fold^en 2lufgabe berufen erfd^einen mufete, 
xoax, toie fd^on angebeutet, üon bem Äampfe für bie ^Reformation 
in einem ®rabe in 2lnfprud^ genommen, bafe i^re Äräfte für bie 
^urd^fü^rung einer fold^en literarifc^en Unternehmung nid^t me^r 
^ureid^ten, unb fie nid^t 3^^* f^nb, baS^ eine ju t^un unb ba§ 
anbere nic^t ju laffen. @^ ftanb bamafe für bie beutfc^e Station 
nic^t weniger afe Sllle^, i^re ganje 3^^^^^ ^^f ^^^ ©piele, 
unb fo ergab fid^ mit bitterer Stottoenbigfeit bie Folgerung ganj 
Don felbft, ba§ fie in erfter Sinie it)re Äräfte für bie SRettung 
berfelben einfette. Sro$ aH ber fd^ßnen SReben^arten unb geift* 
reid^en ®efid^ti^punlte, bie man aufgemenbet ^at, Äarl V., toie 
l^üc^ man i^n fonft fteHen mag, ftanb unfern Sntereffen toof(I 
ober übel gleid^gültig ober gar feinbfelig gegenüber, unb e« bteibt 
ein ert)ig beüagen^toerted SSer^ängniö, bafe feine ©rtoä^tung nur 
bo^ Heinere ber Übel mar, jtoifc^en toeld^en man entfd^eiben 
mufete. ©0, bom SDWttelpunfte jurüdEgetoiefen, flüd^tete fid^ ber 

17 • 



260 <S^'ftc^ ®u(6r fünftel ^apiitl 

bcutfdje ®eift in bie einjclnen ©lieber be^ SReid^Slörperö , \x>o 
allein er fid^ nod) l^eimifc^ fül^Ite unb frud)t6ar tocrbei^ fonnte, 
SBenn man für biefe SEBenbung, bie überbiei^ unfcrem nationalen 
©eniu^ in nur ju l^ol^em ®rabe entgegen! am , bie lird^ic^e 
Steuerung öeranttoortHd^ mad^en miH, fo fragen toir, toarum 
f)abtn bie §öfe, bie ber alten Äir^e nad^ fürserem ober längerem 
93e[innen treu geblieben finb, nid)t gut gemad^t, toa^ öon ber 
anberen ©eite üerfäumt tourbe? SBo [inb bie beutfd^cn ®c\ä)x6)U 
fd)reiber, bie auf bem SBoben ber alten ÄirdEje fte^enb, mitten in 
biefen kämpfen fidj mit einigem ©rfolg ber 3)arfteöung unferer 
©efammtgefd^id^te getoibmet tjätten? ©o bkiht e§ babei, pben 
unb brüben ift eö bie Sanbe^gefd^ic^te, auf beren Pflege fic^ bie 
berufenen unb unberufenen Äräfte üon bem Slugenblicfe an mit 
gefteigerter ®inmütigfeit werfen, in toeld^em fein ß^^if^t mefjr 
befte^en lonnte, bafe ber ©c^iüerpunft unfereö nationalen Scbcn^ 
auf lange l^inauö bem 3cntrum bcn SRüdEen toenbetc. S)iefe SBe* 
trad^tung, bie bieten überftüffig er)d)einen mag, ^aben toir un^ 
nic^t erfpart, loeil ia^ pfeubopatriotifc^e ^l^arifäcrtum unferer 
3;age gar ju gerne geneigt ift, mit einer St^tfac^c ju il^ren 
Qtv^dm ju argumentiren, öon wcidjn eö bod) toei^, bafe fie au^ 
ber 3;iefe unferer nationalen SBefeng i^re 9?al|rung jie^t unb 
bie, infott)eit fie eine bebenflid^e Ä'el^rfcite ^at, öon niemanb 
lieber öerfc^ärft unb mifebroudjt toirb, afö Don jenen, bie fic^ 
ein ®efc^äft baranö madjen, bcn nationalen G^arafter ber 
SReformation ju entfteHen unb fie für ©iinben ober golgen t)er* 
antmortlid) ju mad)en, beren Urheber ober Urfad)en jum über» 
tt)iegenben Seile ganj anber^mo unb in einem ganj anberen 
^^Jriujipe gefuc^t loerben muffen. S)a§ eine bleibt gcttjife, bcA 
Söefte unb 9iad^t)altigfte, tt)aö in biefer ß^it für unfere nationale 
©efd^idjte geleiftet toarb, ift auf bem SSege ber Äuftur ber Sanbeö* 
gefd^id^te erreicht toorben, aber Don einem ÜJJanne, ber, ein e(^ter 
jünger beö §umaniömuö, feine ©ecle mit nationalen unb refor* 
matorifd)en aJiotiDen in gleichem SKafee erfüllte unb in biefer 
©eftatt Dielleidit am eljeften jene breit getretene Unterfc^cibung 



^te b. (3kf4i4tf(]^rei6un0 unter b. (Stnroirfungen b. SReformatton. ^(Denttn. 261 

einer grunböcrfd^iebencn ättcren unb jüngeren ©eneration bcr 
Jg^nmaniften in g^age fteHen fftnnte; ber, toie bem aber aud^ 
fein mag, ein treuer ©oI|n feinet ©eburt^^Ianbei^ , bie an fid^ 
aüerbingö ^ßd^ft einfädle SBal^rfieit niemate üerfannt l^at, bafe 
eine forreftc Sel^anblung jumal ber mittetalterlid^en ©efd^id^te 
eineig beutfd^en Territorium^ nur in engfter SSerbinbung mit ber 
nationalen ®efammtgefd^id^tc erreid^t »erben fann. Sloentin 
ift e^, ben toir meinen unb tva^ mir faum erft aui^brüdüd^ ju 
jagen braud^cn. ©o getoi^ man in älterer unb neuerer Qdt ü)ix 
tye unb ba überfd^äfet l^at, loeil man für feine Beurteilung nid^t 
ben angemeffenen ©tanbpunft ju finben tonnte, fo fielen toir trofe 
biefe^ ©ngeftänbniffeg gleid^tool)! nid^t an, il^m afe toiffenfd^aft* 
liefen gorfd^er unter feinen S^^tß^^^ff^^ ^^^^^ ^^^ ^^^^ ^lafee 
einjuräumen unb biefeS trofe aller feiner oft nid^t geringen 
®c^rt)d(f)en, über toeld^e tüir un^ nid^t täufd^en, toeil toir un8 
^ugleic^ nic^t t)etl)t\)Un, ba§ feine @nttt)idEeIung unter günftigeren 
Umftänben eine öoHfommenere getoorben toäre. 

SBir ftelten biefen SKann gerabe an biefen ^ßlafe, xoexl er 
ben gceignetften Übergang öon ber allgemeinen beutfd^en ju ber 
territorialen ©efd^id^tfd^reibung bietet^). 

Äüentin mar am 4. 3uli 1477 ju Abensberg, einem an ber 
?[beng unfern tt)rer äWünbung in bie S)onau gelegenen ©täbtd^en 

^) ^te ^lüenHiv^Sitetatur ift ^al^Ireic^ unb bürfte e9 genügen, an biefer 
Stelle auf ba3 ^tc^tigfte ober 92äd^ftliegenbc l^in^uaeifen. @tne erfc^dpfenbe 
^arftcllung feine« SebeniS unb feiner SEBerfe toirb offenbar erft möglich fein, 
menn bie t>on ber iDHlnc^ner ^[fabemie unternommene ®efammtau8gabe feiner 
fSerfe ooQenbet fein toivh. Xf^, ^Biebemann, 3o^. 2:urmair gen. ttoentin, 
®cf(iic^tfc^reiber be« Ba^er. «olfe». grcirmg 1857. — SB. S)ittmar, Äöenrtn. 
9?örblingen 1862. -^ 3u tjgl. ^rantl, ©cfd^ic^te ber ÜTt. Uniöerfttät. 
^ün^en 1872. 1, 134. — Dr. \>. 3)0 Hing er, «[öentin unb feine 8eit 
(Ufabemifc^ IRebe.) SRünc^en 1877. S)er 1. )Bb. ber geb. (S^efammtau^abe enthält 
)uglei(^ eine SBiogra))]^ie \{lbentind (ton $rof. SB. S3oigt). — )B. IRocfinger, 
1. ^e Pflege ber ®efc^i*e bur* bie ©ittelÄbac^cr. @ine 5eftf(^rift. SRünd^en 
1880. 2. über ältere Slrbeiten ^ur Baterifc^en unb ))följif(^en (S^efc^ic^te im 
®c§. ^aud' unb ©taatdarc^it). 2 9lbteilungen. Sl^ünc^en 1879. (©eparatobbrucf 
ou« ben »er^anblungen ber !. b. «fabemie ber ©. m. ©I. XIV. S3b. III. TOt.) 
fteUenioeife. 



262 <Mted ^^^f fünfte« StapM. 

Sßieberbatem^, öon bürgerlid^cn ßttern geboren, ©ein ©efc^Ied^t^ 
nome toar öon §quö aui^ Surmair, ben er noc^ ber mittet 
alterlid^en Benennung feiner SSaterftabt „Äöentinum" in ?Ibcntinui^ 
Dertoanbelte. 2)er SBol^Iftanb feiner gamilie erlaubte eö i^m, 
bie geleierte Saufba^n einsufd^Iagcn. 3m ©ommer 1495 bejog 
er bie Uniöerfität Sngolftabt, too it)n ßonrob ©eltii^, fd^eint 
t2, bauemb für bie fjumaniftifd^en ©tubien gemonn. SSon ber 
©rgreifung einei^ onbem gad^ftubium^ toar feinerfeit^ niemals 
me^r bie SRebe. m^ ©eltig 1597 mti) SBien überfiebelte, folgte 
i^m fein ontjänglid^er ©d^üler unb trat fjier jugleid^ ju Su^ 
pinian unb ©tabiu^ in ein näl^ereö Sßer^altnii^. Sm Saläre 1501 
treffen toir il^n in Ärafau, ber bamal^ aud^ bon SJeutfc^- 
lanb an^ öielbefud^ten §od^fc^ute ber Sagelionen; er betrieb 
^ier in erfter Sinie matl^cmatifd^e ©tubien. 3m 3a]^re 15(Ö 
füf(rte il^n fein Serneifer nad^ 5ßari^. §ier fd^eint ber Sinflufe 
3afob gaber'i^ (Lefevre d'Estaples) itjn ^u naiverer unb 
nad^t)altiger öefc^äftigung mit ber gried^ifd^en ©prad^e geleitet 
unb öielteic^t juerft feine aüfird^üctie Drtfjobojie leife erfc^üttert 
}U l^aben. ®Ieid()jeitig mit i^m njaren Söeatui^ SRIjenanu^^) 
unb äWid^ael Rummel berger ber ^umanift^ antoefenb unb 
l^aben nod^ in fpäteren 3al|ren ben gleife bejeugt. mit tt)elc§em 
Slüenlin bamafö feinen ©tubien oblag. ÜKit d^ronotogifc^en 
Unterfud^ungen l^abe er fid^ bereite in biefer ©pod^e mit SSorliebe 
befc^äftigt. 5Rad)bem er im SDWrj 1504 fid) in 5ßari^ bie STOagiftcr* 
mürbe ertoorben, feierte er nad^ S)eutfd^Ianb jurfldE unb ging ba^ 
3a]^r barauf ju einem Sefud^e feiner alten grennbe unb &l^rer 
nod^ einmal nad^ SBien, too er fic^ ii^ in ben 2)eäember 1506 
feftfjatten liefe. @r trat in bie öon Selti^ gegrünbete Sodalitas 
Danubiana ein unb e^ fonnte nid^t fet)Ien, bafe er in biefem 
auöertoäpen Äreife bie nad^^altigften 2lnrcgungen erful^r. Sm 
^erbfte 1507 toenbete er fid^ nad^ Sngolftabt in ber Hoffnung, 

») @. oben @. 132 ff. 

*) @. über i^n a^näc^ft ben »rtifel bon $)oiatot( m b. a. b. fOuy 
grap^ie s. b. v. 



^e b. (Skf(^t(i^4rei6ung unter b. (Sintoirfungen b. Sieformation. ttbentin. 263 

toie cg fd^eint, burd^ bie ®unft feinet Sanbe^^emi, bei^ ^erjog^ 
aibrcd^t IV. Don Satem, l^ier ju einer 5ßrofeffur ju gelangen. 
®ine lefjrl^afte Statur, bie bie ernjorbenen Äenntniffe burd^ 9Kit* 
ieilung an britte lebenbig mad^en tooHte, ift er nad^ altem öon 
^aug au^ getoefen. J)amit ftimmt bie Überlieferung überein, ba^ 
er in biefer Qdt, ot)ne förmlid^ angefteHt ju fein, ^ßriöatöorlefungen 
über ein paar ©d^riften Gicerog gehalten t)at. Unb fo entfprac^ 
cö a\i^ bief em ©runbe feiner Steigung, al§ i^n ^erjog 3BiI^Im IV. 
im Solare 1508 jum Seigrer feiner beiben jüngeren örüber, Subtoig 
unb 6mft, ernannte. @ä betoeift biefe S^atfad^e aUerbingS ju* 
gleid^, bafe STöentin um biefe 3^^* bereite ju einer gemiffen STn* 
crfennung feiner ©ele^rfamfeit unb feiner perfönlid^en S^üc^tigfeit 
gelangt mar. ©ne gute STn jal|l Solire (1509 — 1517) l^at er in 
biefer Stellung, abmed^felnb ju 93urg^aufen, 3)tünd)en, Sanbi^tiut 
unb ä"^^fe* toieber in Sngolftabt jugebrad^t unb toof(I im 3*^^ 
fammen^ange mit berfelben eine Heine lateinifd^e, mit öielem 
SeifaH aufgenommene ©rammati! gefd^rieben, auf meiere er (1517) 
eine größere augfüt)rlid^e fotgen liefe, ©o l^atte er baiJ 40. Seben^ 
jal^r enei(f)t unb e§ fonnte fd^einen, afö foHte er in ber 5ßflege 
foId)er ©d^riftfteHerei unb afö Se^rer ben 3^^^ f^'^^^ S)afein^ 
crfüöen. Sebod^ fjatte eö ba^ ©d^idffal anber^ unb beffer mit 
i^m öor unb er fetber ^atte bereiti^ bie 8fiidf)tung bejeic^net, in 
lueld^er für if)n fein I|öt)erer unb toaljrer Seruf gelegen l^at. 
®r ^atte in biefer 3^it*feineig Sngolftäbter 9(ufentt)alteö nadf) bem 
SÄufter ber ertoäljnten SBiener S)onaugefeIIfd^aft eine Sodalitas 
literaria Angelostadensis gegrünbet, toetd^er er aU befonbere 
Aufgabe bie STuffudjung unb SSeröffentlid^ung ^iftorifd^er £iuellen= 
fc^riften jugebac^t l^at. Sr felbft l^at eine ftattlid^e 9ieit)e fold^er 
SSerein^fd^riften namentlid^ bejeid^net, bie er burd^ bie ©efeUfc^aft 
öeröffentüd^t toünfd^te unb toobei it)m üermutlid^ ber größere 
2;cil ber STrbeit jugefaHen toäre. S)ie Ausführung biefeS ^aneS 
ift burc^ meljrfad^e Umftänbc, in erfter Sinie burc^ bie furje 
Scbeui^bauer ber ©efeUfd^aft unb bie Äonjentrirung feiner eigenen 
3;^atig!eit auf eine anbere ?(ufgabe unterbrod^en toorben, bod^ 



264 <^ted 93u4, fänfted j{a))ttel. 

l^at er menigftcn^ bie Skröffentltd^ung ber belanntcn Scbcn^ 
befd^reibung St. ^einrid^ IV. , über bereit Serfoffer btö in bie 
neuefte Qdi fo öerfd^iebene SSemtutunqen aufgefteHt tüorben finb, 
nod^ 1518 öeranlafet. Sine toid^tige Sebeutung ober l^at jeneä 
hirjlebige Unternehmen boc^, b. ^. eö bejeugt, ba§ fid^ Ätjcntm 
bereite feit längerer Qdt mit gefd^id^tlid^en ©tubicn unb Unter« 
fud^ungen befd^äftigt f)at unb ba§ e§ fomit feinen guten ®runb 
l^atte, aU xt)n bie baierifd^en ^erjoge Srnft unb SBil^Im (1517) 
nad) SJoHenbung feine« ^jäbagogifd^en ÄmteiS auf feinen SEBunfc^ 
jum bairifd^en §iftoriograp]^en ernannten. ÄUeig tool^I ertoogcn, 
barf man gctroft unb unbebingt behaupten, Slüentin f)at biefcn 
Sluftrag erl^aften, toeil er feit Satiren ftd^ auf§ grünblid^ftc mit bcr 
bairifd^en unb beutfd^en ©efd^ic^te befd^aftigt ^at, unb nic^t jener 
Sluftrag erft l^at il^m ju biefer öefd^äftigung {Beranlaffung ge* 
geben. SBie IjStte er benfelben aufeerbem in öerpltniömäfeig fo 
f urjer 3^it auöf ü^ren !önnen ! ©eine äWanbatare l^ben aUerbingd 
erft jefet i^n jum Qmd^ ber 3tu§fül^rung be^ erteilten äKanbated 
mit Gmpfet)tungen unb SBoHmad^ten au^gerüftet, auf ba% er in 
ben Äföftern unb Sibliot^efen beg Sanbeö unb ber Siad^barft^ft 
eine erfd^öpfenbe gorfdjung^reife nad^ aut^entifd^em unb urhtnb« 
liebem Dueflenmatcrial aufteile unb er ift mit einem @rfo(g unb 
einer ©ad^funbe oI)ne Scifpiel fofort baran gegangen, biefe not» 
menbigen SJorarbeiten au^jufü^ren. 9?at)eäu jtoei Sa^re l^at er 
bamit jugebrad^t unb eine überaus rei^e @rnte belol^nte ben 
ebcnfo fad^üerftänbigen al^ unermüblid^en Jorfd^er. hierauf fc^ritt 
er äur Drbnung feiner ^unbe, begann 1519 ol^ne ©äumcn bie 
9(uSarbeitung unb im 9)2ärj 1522 n)aren bie ».Annales Boioram'' 
DoIIenbet. Sm SBedaufe biefeö 3at)reö öeröffentltd^te er einen 
Stugjug berfelben unter bem %\td ,,bat)erifd^er Chronicon furjer 
Slu^jug" '), ä^nlid^ einem ^rofpefte, toie bie titerarifd^ ober ge* 
fd^äftlid^e Snbuftrie unferer 3;age foId)e i^ren Untemel^mungen 
üorau§jufd)id£en liebt, nur büß fein Söetüeggrunb hierbei offenbar 



1) @. ?B. 1, 107 ff. 



^e b. ^f(^i(J^tf(^reibung unter b. (Sinroirfungen b. 9leformation. Sltentin. 265 

tin üict mc^r fad^Iid^crcr unb befd^eibener unb bafe baö ange* 
fünbigtc SBcrf bereitig öoHenbet toax. S)ie Annales tüaren im 
©inne feiner SDianbotare übrigen^ feine^ttjegS j^r SBeröffenttid^ung 
ieftimmt, unb e^ t)Qt in ber Xt)at äiemlid^ lange gebauert, bi^ 
iiefer Sann gebrod^en tourbe. ©rft im Saläre 1554, alfo öoHe 
20 Sa^re nad^ Slöentin^ Sobe, ift bie erfte nod^ baju üerftümmette 
tlu^abe bciS SBer!eg an ba^ Sid^t getreten. Slüentin l^atte mäl^renb 
icr SSorbereitung ber Annales ein unb bie anbere DueQenJ^rift, 
t)ie er auf feiner ©ntbedung^reife aufgefunben, ober fleinere ge* 
f c^id^tlid^e Strbeiten , ju toeld^en er bei biefcr ©elegenl^eit fid^ 
iingeregt gefül^It, t)eröffentlid)t ober bod^ für ben S)rudE jured^t^ 
^efteHt. ©0 bie Annales Schirenses, ba^ Chronicon Ranshofense, 
bie Historia Ottinge 'u. bgt. SEBai^ aber ba^ SBid^tigfte t)on allem 
ift, er f)at balb nad^ ber SSoHenbung ber Annales ben Oebanfen 
gefaxt, eine beutfd^e Übcrfe^ung ober üietmel^r eine beutfd^e öe= 
orbeitung berfelben ju untemel^men. ®r ttJoHte auf biefem SBege 
ein nid^t blofe gelel^rte^, fonbern jugleic^ ein öolfötümlic^eig ©e* 
fc^id^t^toerf l^erfteHen unb fotgte babei getoife feinem eigenften 
innerften S)range, aber nid^t minber gemife ift, ba§ bie ^erjoge, 
totl6)t bie Annales öerantafet, it)m aud^ ju biefer ^Bearbeitung 
(1526) ben förmlid^en Sluftrag erteilt unb in biefem ßufömmen* 
l^ange i^m fein Sal^reögel^alt erl^b^t l^aben. S)ie Sotlenbung ber 
?trbeit fallt in ba« Sa^r 1632, nad^ einer anberen 9?ad)rid^t in 
\>a^ 3Sa]^r 1533, unb toerben toir auf bie g^age, ob bie beutfd^e 
^Bearbeitung, toie man fie bie längfte Qdt gelaunt l^at, in il^rem 
ganjen Umfange toirffic^ STüentinö 3BerI, toeiter unten jurüdt 
fommen. ©emife ift, bafe aud^ biefe bei feinen Sebjeiten nid^t öer^ 
öffenttid^t tourbe, unb bie (Srünbe, au§ mld)tn bieg in beiben 
^Hen unterblieben, laffen faum einen 3^^'f^^ ä"- 2)ie anti^ 
ftcrifale Stimmung, Don toeld^er jumal bie beutfd^e S^ronif burd^^ 
brungen ift, ^aben feine ?luftraggeber beftimmt, bie ^erauögabe 
bcrfelben nid^t ju geftatten. 

Slöentin toar injmifc^en unb trofebem ein berühmter SKann 
getoorben, bie beften unb gele^rteften äWänner ber Station beelirten 



266 ®rftc« 5Buc^, fünfte« Kapitel 

i^n mit xi)xcx greunbfd^aft unb Slnerfennung, aber er fclbft toat 
infolge [einer gefc^id)tlid)en ©tubien unb bem Ginbrude ber großen 
neuemben ©pod^e aümä^Iid^ ju Stnfd^auungen gelangt ober ^otte 
bie in it)m üon lange ^er gärenbe ©enhoeife in einem ©rabe 
entn)idEeIt, bie i^n immer toeiter öon bem ©^fteme abfüf)rten, tote 
e§ feit bem Slnfange be^ britten Sal^rjelinte^ in ^aietn jum 
offijieHen erhoben toorben toar. ©eine beutfd^e G^ronif öor aUcm 
im großen unb eine Heinere, im Scit)re 1528 entftanbenc ®c!^rift 
r,Urfac^e be§ ^^ürfenfriegc^" ^) [inb ber getreue 9(ugbrud unb Äb^ 
brucf biefer i^n je^t üoUftänbig befjerrfd^enben (Srunbfäfee, traft 
tDeId)er bag SBerbleiben in feinem geliebten Saiernlanbe i^m immer 
peinlicher toerben mußte. S)aö SDZißtrauen ber 3^*^^^" g^cu 
it)n toar bereite ertoad^t, unb eö bauerte nlc^t lange, fo ftrccften 
fie bie §anb ber Verfolgung toiber i^n au^. 3ni DItober 1528 
tourbe er öer^aftet, allerbingö burd^ bie S)aärt)ifd^enfunft feinet 
f)ot)en ©önnerö, be^ Äanjler^ Seon^art öon 6dE, batb ipieber in 
grei^eit gefegt, aber ben Unmut, toeld^en biefer SJorgang in i^ 
l)eroürgerufen, t)at er nic^t tt)ieber öernjinben fönnen. STOan tann 
ja nic^t fagen, bafe er nad^ ben öorliegenben B^^^S^^ff^i^ ^^^ 
^tufeerungen and) bogmatifc^ fid^ gerabeju an bie 9teformation 
angefc^loffen ^abe, aber fein 3^^^^! ift barüber geftattet, ba§ er 
auö nationalen unb fittlic^en (£rtt)ägungen fid^ bem überlieferten 
Jlirc^entume üoUftänbig entfrembet l)atte, unb e^ ift bereiti^ Don 
anberer ©eite mit Stecht angebeutet toorben, bafe feine ©ebanfen 
jule^t t)ielleidf)t boc^ nod^ loeiter gingen atö feine 3Borte ober 
^anbfungen, unb ba§ e^ nur öon ben SBer^äftniffen abl^ing, ba| 
er nid^t gänjlid^ mit ber alten Äird)e brad^, in bereu in^ 9Jcr* 
berbniö geratenen 6inri(f)tungen er bie primäre Ouelle alt' ber 
Ubclftänbe unb Demütigungen erblidtte, bie über baö SReid^ beutfc^er 
9?ation t)ereingebrod^en toaren. 3Kit einem SBorte, er bcfanb fic^ 
im Sanbe feiner ®eburt in einer fc^icfen ©teöung unb ed ipärc 
i^m ju münfc^en gettjefen, bafe er feine greit)eit unb eine Qu^uäfti- 



') @. ©. I, 170 ff. 



^e b. ®cf(^t(^tf(^t6ung unter b. ^inmtrfungcn b. S^cformation. ^Dentin. 267 

ftättc getoonnen t)ätte, in meldEjet et fid) fcincriei 3^^^9 ^^^^ 
Qnjutl^un brandete. 35aö t)at er felbft gefül^It unb barum (1530) 
SSerfud^e gemad^t, am ^jfalägröfüd^en §ofe ju Slmberg ober anäf 
am furfäd^fifc^en ju SBittenberg eine Unterfunft ju erlangen. 
Selbe Sßerfuc^e ^aben jeboc^ leiber nid)t jum Qkk gefüt)rt^). 
^atte bod^ aud^ feine 9JerI|eiratung, ju rt)eld)er er fid^ fpät genug 
(1529) entfc^Ii)§, i^m bie erl^offte SBefriebigung nid^t gebrad^t. 
S)en ?ßlan jur Germania illustxata tjat er in biefer 3^it gefaßt 
unb feinerfeit^ bamit begonnen, i^n bonn aber loieber rut)en 
laffen. 2)ie Stu^fül^rung l^ätte ja aud§ nid^t aöein t)on itjm ah^ 
gegangen*), ©erabe burrf) unb für fie Ijatte er fid^ ben 3Beg 
nac^ Surfad^fen bal^nen tooüen*). ©o tl^at er julefet ©d^ritte, 
in bem gaftlid^en SRegeni^burg, rt)o baö proteftantifd^e öefenntniÄ 
feften gufe gefaßt fjatte, fid^ eine ©tätte ju grünben, toie um 
bafelbft toenigfteuig rul^ig fterben ju fönnen. S)od^ füt)rte i^n toie 
necfenb ein SRuf feinet ©önnerig, beg Sanjler^ S. ö. 6d£, nod^ 
einmal auf ben ©d^auplaß feiner Sugenb, nad^ Sngolftabt jurüdE, 
Xüo er bie ©tubien bon beffen ©o^ne übertoac^en foHte; aber 
bie Sefriebigung, bie er in biefer Sffienbung feinet ®efd^id£eö ge* 
funben ^aben foH, toar öon nur furjer S)auer: ein Sefud^, ben 
er }u SBei^nad^ten 1533 bei ben ©einigen in SRegenöburg mad^te, 
jog i^m eine Shranftjeit ju, toeld^er er am 9. Sanuar 1534 erlag. 

6ö fommt nun barauf an, bie ©tellung, bie Sloentin in ber 
beutfd^en ®efd§id^tfd^reibung jufommt, ju bejeid)nen. 

J)a6 l^ierbei junäd^ft bie Annales in 85etrad)t lommen, ift 
befannt; feine toiffenfd^aftlid^en Sßerbienfte rul^en junäc^ft auf 
biefen unb nur fubfibiär tritt hierbei bie St)ronif ein. 3t)r 
gegenüber toar man inbe§ ju oft geneigt, bie Annales aU ©e* 



^) 6. ®cbr. Ar äfft, »riefe unb S)ofumcntc au8 b. Seit b. SRef. (Slber^ 
felb 1876 ®. 50, »o ber abratenbe IBrief bed borftci^tigen äRelantl^on Dom 
September 1529 aufd neue abgebrudPt ift. 

«) ®. oben iS. 256—257. 

^ $lDentin ^attc getoä^nt, bag etma bie eingebogenen JHrc^engüter Stüx^ 
f adifenS bie gett)ünf(^te Unterftü^ung für feine Germania illustrata liefern Idnnten. 



268 GrftcÄ ©u4 fünfte« ^opM. 

fc^id^teroerf überhaupt toenn nid^t gerabe ju unterfd&a^en, fo boc^ 
ntel^r afö billig in bic jmeite Sinie jurüdEtreten ju laffcn, toäl^renb 
fic in unfern klugen uor biefcn nur eincö, aöcrbingS ein toi^ 
tigeö, nämlid^ bie beutfd^c ©prad^e, borauö ^at unb afö ©tim* 
mungöbilb einen nod^ ^öt)eren SBert in Stnfprud^ nehmen mag. 
©enug, Slüentin t)at fid^ burdf) ba^ eine toie baS anbere Don 
ben beiben 2öer!en bcn el^renbcn Seinamen eineö „SSaterä ber 
bairifd)en ®ejc^id^t|döreibung" üerbient. SBir toerben aber fe^cn, 
bafe aud^ nur äu^erlid) betrautet, biefe Stuöjcid^nung Dor allem 
auf bie Annales ju bejief)cn ift. SSaö i^m an SSorgängcrn auf 
bem ©ebiet ber bairifd)en ©efd^id^tfd^reibung üorlag, war nid^t 
eben öiel. Sbran t)on SBilbenberg, Ulrid^ gütrcr unb 
SJeit SlrenpedE^) t)at er gut gelaunt unb benufet*). SJom gc» 
(eierten unb fritifd^en ©tanbpunlte aui^ toar aber gleid^wol^I ni^t 
weniger alö allei^ nod^ ju t^un unb ^^ ift Slüentinö SRul^m, bafe 
er fid^ barüber Doltfommen flar gettjefen ift unb juglcid^ üoH» 
ftänbig überfal^, auf h)od eö hierbei anfam. Sn biefem <Stnne 
^at er jene GntbedEung^reife angefteKt, öon meld^er mir oben 
gefproc^en ^abm unb über bie er felbft tiinlänglid^ unb fein 
SSort JU üiel gefagt t)at ^). S)er Grfolg ber SReife mar ein gan} 
ouBerorbentlid^er unb fe^te i^n in ben ©taub, nid^t blofe bie 



^) ^ie neue aut^nttfc^c VluSgabc ber Annales unb ber (S^ronü liegen 
freiließ nic^t boQenbet bor unb tc^ ntug fontit, f o tnett ein abfi^negenbeS Utteü 
non bem (SinbUcf in bie ^oQenbung bed (fangen abfängt, um befonbeie 92ac^ft((t 
bitten, aber bic ältere ^u^abe ift bei 9Biebemann unb ^ittmar a. cl O. 
^uff(4Iug ju erhalten. 

*) @. oben @. 155 ff. über ©corg ^auerd bairifc^e (nod^ ungebrucfte) 
dfycomt f. ©iebemann a. q. O. <B. 153. 

') @. 3B. 2, 3, 3- 11 ff- Religio iiisuper mihi fuit, rem tarn im- 
mensam et maiorum privatis opibus non sua cura ac industria, sed inlatis, 
ut ajunt, manibuB adgredi atque tractare ; pro virili itaque parte labonyi; 
multo tuli, feci sudavi et alsi; totam Bavariam perlustravi; omnia c<m- 
tubernia sacerdotum penetravi; scrinias publicas bibliothecas omnis 
coriosus, perscrutatus sum; libeUos codiciUos, domaria, commentarios, 
fastoSy annales omnium gentium, diplomata, instrumenta publica, privata 
evolvi etc. etc. 



fMc b. ©cfd^ic^tfd^rcibung unter b. ©intoirfungcn b. ^Reformation. 9(üentin. 269 

bairifd^e, fonbem tcilmeife bie beutf^c ©efd^ic^te in neuer unb 
oft überrafd^enber ©eftalt barjafteHen. ©r \)at fo manche, btö 
baf)in unbefannt gebliebene ®efc^id)töquelle jum erften 3Kafe an 
ba^ fiic!^t gejogen. fie üertocrtet unb fie fo äugleid^ für bie fpäteren 
©efd^Ied^ter erfd){offen ^). SBir ertüä^nen bei|pielö^alber bie An- 
nales Altahenses *) unb bie Gjcerpte quo ben 9?otijbü^ern 
2llbertg Don ^offemünfter 3), bie jugteic^ für bie 9ieid)ögefcf)ic^te 
beö 11. unb 13. 3al|rl|unbertä t)on fo l^o^er 3Bic^tigfeit finb. 
Me t)on Sloentin benüfeten, bamafö nur l^anbfd^riftlid^ öor^an* 
benen ©d^riftfießen t)ier ber 9teit)e nad^ naint)Qft ju marfien^ 
fann ja nic^t unfere Slbfid^t fein. §at er bo^ auc^ mand^e 
Duelle verarbeitet, bie übert)aupt bii^ 5ur ©tunbc nid^t lieber 
aufgefunben ift, aud^ ungarifc^e Slufäeic^nungen, bie feinem ©pür^ 
finne nid)t entgangen finb unb nac^ njel^en man biö^er leibcr 
uergeblid^ gefud^t t)at*). ©o ^at er mit feinem erftaunlidjen 
gleite ein faum überfeljbareö SKaterial jufammengebrac^t unb 
iiid)t ettoa nac^ ber Dortjerrfc^nben SBeife be^ SKittelalten^ blofe 
abgef^rieben, fonbem jugleid^ aud^ fombinirt unb verarbeitet^). 
3n biefer SRüdEfid^t fte^t er allen feinen SSorgängem unter ben 
f)umaniftifd^en Oefd^id^tfd^reibern in 3)eutfc^Ianb toeit voran. @in 
3)?ann rt)ie93eatuö SR^enanuö, berStventin in mand^er §in* 
firfjt überlegen mar, fann hierbei ot)nebem nid)t jur SSergleid^ung 



^) 6. 3. 9. ben fog. (S^efc^tc^tfc^reibcr dran^, über meldten ^u ügl. 
(S. Sltejlcr, (Sin berloreneiS Bairifc^ed (S^cfc^ic^tdtocrf bed 8. gal^rl^unbcrtd in 
ben @it.-S3er. b. ^iloL-l^iftor. Älaffe ber SKünc^cncr Äfab. b. ®. 1881. 
®. 247 ff. 

*) $0L 9B. 9iefebre(^t, Annales AltahenseB, eine OueQenfc^rift pr 
®efc^. be« 11. gal^r^. ^ergefteHt. SBerlin 1841. — M. G. H. SS. XX 772 
sqq. — %f^. Sinbner in ber gorjc^ung jur b. ®. XI, 279 ff. 

*) 16on (Sonftantin^dfler, IBibliot^ef be3 lit. ^ereini» ^u Stuttgart. 
XVI unb 3f. Ocfele, SS. R.B. I p. 757 sqq. — @. ©attenboc^, ®ef4=^ 
Guette (3. «ufl.) 2, 266. STnm. 1. 

*) SSgL u. a. ©teinSborf, Sal^rbüt^er bc8 bcutfc^en ^tidft unter 
4>dnri*ra. 1, 438 ff. 

') SHe neue Kudgabe ber Annales Don 9iic^Ier gibt l^icrüber faft @a^ 
für ®ag hit tt)ünf(^endn)erten unb erfci^öpfenben ^^ac^meifungen. 



270 ^rftcä md), fünftes Äapitcl. 

I^crbcigejogen tücrben, ba fein betr. Sud) ganj anbetig angelegt 
toai unb fd^on im 11. Sa^r^unbert abf daließt, too ba^ SBerf 
feines greunbe^ erft red^t bei ber ®a(f)c ift. 9)?au fann atter- 
bingig behaupten, Slüentin t)abe än)ifd)en einer batrifc^en unb 
beutfd^en ober gar allgemeinen ©efd^id^tc menig untcrfdöieben 
unb bie eine gebe in ber anberen oft gerabeju auf, anftatt, toaS 
baS ri^tige tüäre, ben 3"fö^J"^tt]^ang jrt)ifd^en ber einen unb 
ber anberen ^erjuftellen unb feftjul^alten. @g läfet fid^ bem för 
einen guten Seil ber Annales nid)t miberfpred^en, nur barf nic^t 
tjergeffen merben, bafe 2loentin hierbei bem ®efd^madtc ber 3^* 
f)utbigt, ben h)ir ja nid^t üerteibigcn hjoöen, unb aber auc^ baß 
jene ©renjüberfd^reitung am auögebe^nteften bei ben Sa^r^un* 
berten ftattfinbet, in n)eld)en in bem Sbarafter ber bairifc^en 
©efd^id^te baju einige SSerfudjung gegeben tvat. 2)a6 er bamit 
be^ ©Uten oft ^u oiel tljat, ift er fid^ übrigen^ betoufet geroefcn, 
unb ^at er barum julefet, tt)0 fid) i^m in ber mitteföbac^ifc^en 
2)^naftie in fteigenbem SWafee ein Üiidjtfeil unb ein feftcr STOittcfr 
punft bot, o^nebem entfc^ieben unb augenfällig eingelenft. SJoiJ 
gilt üon ben Jlnnalen, in ber G^ronif berl^ätt c^ \xä), toie »ir 
f)ören merben, oI)nebem einigermaßen anberö. SBcnn toir aber 
baüon abfegen unb üon bem SSerte beS SBerfeS überhaupt rcben, 
fo finb Dor attem bie cinjelnen Steile beSfelben rt)0^l ju unter* 
fc^eiben. S)ie 3)arfteIIung beö ?ntertumö unb ber älteren Sa^r* 
^unberte bii8 über bie 9SöWerrt)anberung ^inauö ift unjnjcifcl^ft 
ber mißlungenfte 2lbfd)nitt beS SSerfeS. §ier mar SlDentin offenbar 
am menigften auf feinem gctbe; baburd^, bafe er fic§ verleiten 
liefe, bie fred^e gdlfd^ung beS 2tnniuö üon SSitcrbo gutmütig 
ju reprobujiren, obtoo^I öeatuS JR^enanu^ unb 5ßirfl^eimcr fic 
erfannt unb öerrtjorfen Ratten, ^at er bie gefammte ©c^itbcrung 
ber frü^eften ®pod^e auf eine falfd^e Safi^ gefteUt. fjür bicfen 
3rrtum ift er faum ju entfc^utbigen, Dor allem aug bem ®runbe 
nid^t, toeil er il^n in ber ©l^ronif be^arrli^ toieber^olt, alfo ja einer 
3eit, tt)o er t^atfäd^fid^ aufö nad^brüdUd^fte getoamt tpar unb 
bie läufd^ung bod^ nid^t erft Don geftern ftammte. ©benfotoenig 



^ic b. ©cfc^lc^tfc^reibung unter b. ©inwirfungcn b. Slcformation. Slocntin. 271 

lueife er über bie §erfunft bcr ®aiern etrtja^ neue^ unb braud^- 
tareg ju fagen unb ibcntifijirt fie unbebcnflid^ mit ben feltif^en 
IBaiem tvk baö bereite 2lrcn))ecf mit fo Dielem ©e^agcn gct^an. 
^t mit bcr 3^^^ ^örl b. ®r.. toirb c^ in ben Slnnalen Sid^t 
unb fcl^tt)inbet bie Dämmerung. §ier regen fid^ jum erften SÄale 
feine fritifd^en Slnlagen unb fteHt er ber beliebten giftion be^ 
üKittelalterg feine 3^^^^^ ^^^ f^^J^ W^^f abn^eifenbe^ Urteil 
4)oIemifirenb gegenüber. Um bie (Sefd^id^te be§ beutfd^en eigent- 
lichen aWittelalter^ l^at er fid^ in ber 3;t|at aud^ in einer SBeife 
t)erbient gemad^t, tt)ie in S)eutfcf)Ianb niemanb t)or i^m. 3nfofem 
■erteilen tüir i^m für bie berührte aSermifcf)ung ber beutfd^en unb 
bairifd^en ®efd^icf)te bie unbebingte Snbemnität. @r ftanb einem 
Urtoalb t)on oft breiften giftionen unb ^altlofen Überlieferungen 
-gegenüber, »ie fie bie fird^Iid^e ?ßoIitif unb Segenbe auögebilbet 
l^atte; er ^at juerft bie 9ljt an biefen ®aunt mit feinen faulen 
grüc^ten angelegt, ©ein lebhafter ©inn für gefd^ic^tlicf)e SBa^r^ 
l^eit, fein ^oä) entrtjidelte^ SRationalgefü^f unb jugfeid^ fein ^a§ 
gegen bie Übergriffe ber ^ierard^ie ^aben if)m ^ier bie Slugen 
geöffnet unb feinen 95Iidt gefd^ärft. ©o ift benn feine 3)arfteUung 
"ber ©efc^ic^te Ä. § einrieb IV. ein ©(anipunft ber Slnnalen ^), 
unb mit SRed^t f)at eine berufene ©timme eig au^gefprod^en, bafe 
?ft)entin^ ©d^ilberung beö Äampfeö §einrid^ IV. mit ?ßapft 
(Sregor VII. noc^ f)tntt gelefen ju »erben Derbient *). SlDentin 
tüar t)on ber DoIIauf begrünbeten ®infid^t'burc^brungen, baß fid^ 
t)ier ein SBenbepunft unfereig (Sefd^icfeö für alle 3^1*^^^ ^^^ eine 
mit oft terroriftifdien unb nid^t immer fittlid^en SWitteln burd^* 
•geführte SReüoIution öoUjog, unb tüie tt)ürbe er überrafd^t fein, 
tpenn er mit anfe^en mü^te, tt)ie bie ®cfc^id^tfd^reibung unfercr 



») @. JRonfc @. ©. 2, 161. 

«) ebcnbof. — ©cfanntli* f^at fic^ ^öcntin bei bcr a)arfteaung bc» 
gimftiturftrcttcÄ an bie ©c^rift SBalramS öon 9iauinburg, de veri- 
tate ecclesiae etc. enge angefc^Ioffcn. Sßgl. $aul (^roalb, ^alram 
x>. 9Joumburg u. f. ». (3noug.*?(b^QnbL) ©crn 1874. 



272 örftcö 5Bu(6, fünfte« ^opitd. 

Za^t, in bem gcrtJiB löblid^en Seftreben geredet ju fein, ein falfc^ 
gejeic^ncteS ©ilb üon bem ^apfte unb feiner ?ßartci entwirft nnb 
gegen bcn Äaifer ungerecf)t mvh. 2Äan fann ja sngebcn, ha%. 
Slüentin bie Stimmung , bie er au^ ber ^Beurteilung ber fittlic^en 
SSer^ältniffe beig Äleruig feiner Seit fog, bei ber Beurteilung ht^ 
11. 3al)rl)unbert§ mit einh)irfen (iefe, nid^tö befto »eniger bleibt feine 
laute Sntrüftung über bie geh)altfame ©nfü^rung be^ Sölibatd- 
unb bie Umfe^r be^ SSer^ältniffeg ätt)ifc^en Äird^e unb ©taat^ 
bjh). bie Unterorbnung ber tt)cltlic^en 3)inge unter bie Sird^e 
eine bcrecf)ttgte unb üon ben folgen gerechtfertigte. Unb ju aUcm 
anberen \)\n ift ^erDorju^eben , bafe ber * fittlid^e 3^^", unter 
beffen SBanne Slüentin ftel^t, i^n nid^t abhält, bie Sl^tfac^en 
forgfältig feftjuftellcn unb fie gen)iffen^aft unter einanber in ^^^ 
fammen^ang ju fefeen, fo toeit feine fiunft überl^aupt baju au^ 
reicht. aSar er boc^ ein burdEjau^ aufrid^tiger Slnl^änger bcd- 
(5f)riftentum^ unb i)attc l)iftorifc^en ©inn genug, bie eminente 
tt)eltgef^id^tlid^e ©ebeutung ber alten Äirie feinen Äugenblid 
ju üerfennen. @r läßt ber !irc^licf)en Drgonifotion, bcn Höfter» 
Iicf)cn ®rünbungen, fo tt^enig er i^re STOiBbräud^e üerfc^ont, bie 
uoUe 2(ufmerffamfeit unb ©ered^tigfeit toiberfoI)ren , aber ni^t 
minber ttjar er ein unDerfö^uIid^er ®egner ber ^ierard^ie unb 
il^rer ^errfd^fuc^t unb erfüllt Don ben nad^teiligen SBirfungen, 
bie gerabe über unfere Station Don biefer ©eite ge!ommen finb. 
3lfö l^ätte er in ber 3)arfteIIung ber ©efc^ic^te S. ^einri^ IV. 
fein geuer erf d^öpft, legt er fi^ in ber ©efd^ic^te Ä. griebric^ I., 
wo e^ boc^ an ä^nlic^cn kämpfen nid^t fel)lte, äiemli^e Snt&d^ 
Gattung auf, bie er aber bei Ä. griebrid^ II. »iebcr fottcn Ififet,. 
unb e^ bleibt in biefer feiner ©rjäfilung fein S^^iM barüber 
übrig, ttjie er ben Äampf beö Saiferg mit ben ?ßapften unb i^rer 
^ortei beurteilt n)iffen n)ill. SDaö 7. Sud^ ber Stnnalcn ift fo 
übertt)iegenb ober augf^Iiefelid) ber (Sefd^id^tc ®aiem^ unb bei 
mittetebac^ifc^cn $aufe§ gen)ibmct, ate eö bie ^erftellung be8 
nötigen ^"fömmcn^angeö mit ben altgemeinen aSerI)äItniffcn nur 
irgenbttjie erlaubt. Überall tritt unS ber f)oc^gebiIbetc fenntnid» 



^c b. ®ef(fit(i^tf4rei5ung unter b. (^intoirtungen b. Steformatton. ^t)eiitin. 273 

reiche 9Kann gegenüber, ber ben Überblicf über ben großen ®ang 
ber S)inge niemafg üerüert unb oft btc entfemteften 2)inge mit 
cinanber ju Derfnüpfen ttjeife. Unter manchem, toa^ Slüentin Don 
ben 9(lten angenommen \)at, befinbet fid) bie Steigung, öon 3^it 
ju 3^i^ erfunbene Sieben anjubringen unb fo enttoeber bie 
(Situation ober bie bej. ^erfönlid^feit be^ SRebner^ ju d^araftert* 
firen. ©n paar fold^er Sieben finb mit ©efd^icf erbad^t, unb 
tpir tt)iffen ja, »ie mx fie ju nehmen ^aben. S)en SKafeftab 
ber tl^ucibibeifd^en Sieben barf man freilid^ nid^t an fie an-- 
(cgen. 9lnberö aber lautet ba^ Urteil in gäöen, too er bie 
Stnfci^auung feiner Qeit ^ßerfonen beö 12. unb 13. 3at|rt|unbert^ 
in ben SKunb legt unb fo ein 3^^^^^^ f^^tt eineö getreuen ®e* 
inäfbeÄ ^erüorruft. Süentin ift, lüie biUig, ein guter bairifd^er 
Patriot, aber fein fic^tenbe^ ©ettjiffen ober feine nationale ©e- 
finnung bringt er barum nirgenb^ jum Dpfer. 2)a^ bairifc^e 
Sanb fennt er nac^ aßen Siid^tungen unb fd^on einleitenb ent* 
wirft er jene flaffifd^e Sefd^reibung be^ ßanbeä unb no^ me{)r 
beg 9SoIfe^, bie in i^rer beutfcf)en ®eftalt mit Siedet berül^mt 
gett)orben ift^). Unter ben einl^eimifc^en gürften erfc^cint ft\ 
Subttjig ber öaier atö fein Siebling, bie fcf)rt)ac^en Seiten 
be^ ß^arafterö be^ Äaiferig unb feiner ^olitif gelangen freili^ 
nid^t in gebü^renber SBeife jum Sluöbrude. Übrigen^ entfaltet 
Stüentin im SSerlaufe feiner S)arfteIIung eine nid^t gett)ö^nlid^e 
Äunft ber ©rjä^Iung, einjelne gefd^ic^tlic^e ?ßerfönlid^feiten arbeitet 
er mit ©efd^id au^ ber 9Kaffe beö Stoffen ^eraug unb rüdt fie 
un^ nä^er. @ä fd^Iiefet baö freilid^ nid^t au^, baß er öftere 
crlaf)mt unb auf eine falfc^e Srt ben gaben fallen läfet, toie auc^ 
t)äufig an glüc^tigfeiten unb ÜÄifeöerftänbniffen fein 3KangeI ift, 
bie aber bei'ber jum erften SRale Derfuc^ten Setüöltigung eineg 
in SBal^r^eit ungeiDöt)nHc^ reichen ©toffeö auf Siad^fic^t Slnfprud^ 
machen bürfen. gür bie inneren 9Sert)äItniffe be^ Sanbeö jeigt 



») 6. SB. n, Annales I, cap. 2 unb IV, 11 bairifc^c ®§ronif @. 35 ff., 
vox aUetn @. 42. 

0. fBegele, 0e{(^i4te ber beuttd^en ^iftoriogrop^ie. 18 



274 @rftc« SBuc^, fünfte« ^apM. 

er unüerfenn baren ©tnn: totr lernen nic^t blofe bie geiftlic^cn 
©tifter, fonbem aud^ ben 9lbel, bie ©täbte, ben ©auem, bie 
9ied^t^t)erf)ältmffe fennen. S)ie fateinifd^e Sprache f)anbi|abt er 
mit anerfannter ® etoanbt^eit ; feine ®mof)ni)dt, bie beutfc^en 
9?amen f^ftematifd^ ju latinifiren ift oft getabelt njorben; er 
f)ätte fie gertjife beffer unterbrürft, n)enn er auc^ in feiner , Nomen- 
clatura** einen ©c^Iüffel ju ben fetbftgefc^affcnen JRätfcIn Dor^ 
anögefc^icft f)at, ber freilid^ ben finblic^en ©tanbpunft, üon njelc^em 
auö er, toie faft alle feine 3^it9enoffen, biefe Singe be^anbelt, 
jur ©enüge nnb in emtübenber ßä^ifl^^it jur Slnfd^auung bringt. 
3Birfftcf( Dolfötfimlic^ ift 9(t)entin burd^ feine bairifc^ 
ß^ronif^) gett)orben; fie mufe, toie fd^on ertt)äf)nt, für mc^r 
ate eine blofee Übertragung ber 9lnna(en in bie beutfc^e ©prac^e 
genommen tt)erben. Safe fie ac^t Sucher 5äf)It, tt)äl)renb biefe 
mit bem ftebenten abfd^Iießen, ift nur ein äußerlicher Untcrfc^ieb 
nnb i)at toeiter nid^t^ jn beben ten. @in anbere^, neue^ aber ift, 
baB bd^ 5. 93uc^, baö jur Sßolfötümlid^feit ber S^ronif öiel- 
leidet mit am meiften beigetragen, in ber ©eftalt, in ber c^ in 
ben Slnögabcn öon B^^fll^^f ©d^arb unb Eigner vorliegt, nac^ ber 
Unterfud^ung beö neueften ^eraui^geber^ gar nid^t üott Äöentin 
^errü^rt nnb fid^ nur ate eine bfofee Überfe^ung ber ?lnnalen 
auömeift, bie aber Don britter, frember $anb beforgt tourbe, 
»ä^renb ber %ep in aut^entifd^er ©eftalt fid^ Diel furjer fa§t, 
gerabe fo toie Slüentin Dom 3. ©ud^e ber Sßerbeutfd^ung on eine 
fürjere ^^ffung beliebt ^atte^) unb in ben fegten brei Suchern 
beibef)ält. SBeld^e ©rünbe 9It)entin ju biefer Äürjung 6ett)ogen 
^aben mögen, ift mit ©id^er^eit fd^n^er ju fagen, unb mu§ öor* 
läufig tt)enigfteng ba^in gefteHt bleiben, ob bie Äürjung gerabe 
be^ intereffanteften 3;eile^ ber Slnnalen auf blofee Sto^dmä^xq- 



') @. 3B. IV. 1. unb 2. S)älfte, meld) Ic^terc bie erftcn 2 »ücftcr bringt 

«) 5501. ben ©d)IuB bc« 2. öuc^cÄ cap. 460 @. 1184 unb bie Borrebe 

)um 3. Buc^e, mo e§ beiBt: Aber uun in diesem dritten Buch werde ich 

aUein der Bayern Geschieht hertürbringen, und hebt sich erst recht an 

das bayerische Zeitbuch u. s. f. 



^ie b. (Skfc^tc^tfc^retbung unter b. ©intDtrtungcn b. Stcformation. ^üenthu 275 

feitiSgrünbe ober auf JRürfftd^tcn anbcrcr 2lrt, btc ftd^ \a bcnfcn 
laffen, äurücfgefü^rt lücrben muB ; bagegen crf lärt e^ fic^ leidet, wie 
«in Herausgeber ber beutf^en ^Bearbeitung baju fommen fonnte, 
bie fürjere beutfd^e Raffung fallen ju faffen unb bafür bie auS* 
fül^rlid^e pifantere ber Slnnafen ju überfefeen unb unterjufd^ieben. 
^ie bem jebod^ fein mag, baS eine ift getüife, bie Äürjung auc^ 
biefeS Sucres ift gefd^el)en unb gerabe mit Seginn ber ®efd^ic^tc 
Äaifer §einrid^ IV. tritt fie üoHenbS ein unb fprid^t fid^ ?(öentin 
mit »ünfc^enStüerter 2)eutlid^feit barüber auS ^). 2)ie legten brei 
SBüd^er ber Stjronif liegen, tüie bemerft, toa^ ben Sn^alt betrifft, 
lüieber im njefentlic^en in ber eilten S^ffung , bie 5!löentin ber 
beutfc^en SRebaftion berfelben gegeben, üor. ©o l^at ei8 fic^ nun 
gefügt, baß in ber ©l^ronif gerabe bie beiben erften ®üd^er, bie 
ftoffüd^ ben njenigften SBert befi^en, bie ben Ännafen am näd^ften 
f ommenbe ®eftaft erhalten l^aben. ®an} gteid^ unb unüeränbert ift 
ber Xejt aber aud^ ^ier nid^t geblieben ; beträd^tlid^e 3"f äfec finb 
flinjugefommen unb aud^ in ben fofgenben gefüriten Sudlern 
I)at Slöentin Stnberungen, bjtt). Sßerbefferungen angebracht ^). ©r 



*) @. SS. V. 5. ©uc^ ^anbclt ba^ 35. Äop. „von einer grossen ver- 
endrung im reich*', mit meiern Porten bie groge Umfe^r ber S)inge mit 
St. ^cinric^ IV. angebeutet toerbcn foE. Skid IEa))ttcI ^anbelt fummanfc^ t)on 
ber ^nüeftiturfrage, bem Zölibat unb ber ^bfe^barfett bed ^önigS. ^ann 
^ei^t cd (<B. 272) : ,,Es w&r vil davon zu schreiben , dörft eines ganzen 
puchs. Ist die ganz Christenheit, das reich, Teutschland durch diese 
Zwitracht dermassen verderbt worden, dass es noch bis auf den heutigen 
tag nit überwunden, haben so lange zeit her nichts treffenlich ausgericht. 
Es schreiben wider einander, schelten einander die p&bst, die Saxen und 
der Kaiser, das ich mich schamb es zu schreiben und in das teutsch zu 
bringen, ist pesser, man wiss (es) nit, iedermann ergert sich nur ob 
solchem schreiben, niemand pessert sich. Aber es ist genug, ich 
will nit m6r hie verteutschen dan was ganz Baiern an- 
trifft. Im Zeitspruch über ganz Teutschland find man den handel 
nach der leng beschriben. 

*) Über ha^ ^r^&Itnid ber (^rontf ju ben ^tnnalen fprtc^t ftc^ ^(Dentin 
in cap. 102 bed 1. ^uc^ed (®. 222) beutUc^ aud unb ertlärt ben fo ütel 
größeren Umfang bed 1. ©uc^ed ber beutft^en Bearbeitung im Sßergletcfte jur 
(ateinifc^en. 

18* 



276 . ^tftc« S3u4 fünfte« ^M. 

f)at fic^ 5ur Slu^fülirung ber beutfc^cn SRcbaftiou aUcrbing^ mct 
3eit genommen, bie iebenfate me^r burd^ bie formelle ate bie 
fac^Iic^e 5!lr6eit geforbert tüurbe. hierin, in ber ©^Jrad^e, liegt 
ja boc^ tt)ot)I auc^ ber üorjügüd^fte SBert unb bie ^öc^fte 85e* 
beutung ber S^ronif. 2tfö SSerf unb 3icrbe ber nationalen 
Siteratur in unenblid^ ^öf)erem ®rabe, benn ber ^örfd^ung, toirb^ 
fie ben SRamen i^re^ Urt)e6er^ ben fommenben ©efc^led^tem afe 
©egenftanb ber SSere^rung unb 2)anfbar!eit überfiefem, toie fie 
feit it)rem Srfd^einen i^ren SSerfaffer ben Derftoffenen 3ai|rl^un* 
berten grofe unb beiounbemöioert gegenübergefteHt ^at. 2)ie 
6f)ronif ift boc^ ba^ erfte beutfd^e ©efd^id^t^buc^, baig Don einem 
feltenen SRenfd^en, einem ©ele^rten erftcn 9iange^, einem ^Patrioten 
t)on I)o^er unb felbftönbiger ©efinnung in meifterf)after bcutfc^er 
Sprache einen großen ©egenftanb erfd^öpfenb jur 3)arfteIIunj 
gebracht t)at. S)ie ^Popularität, bie bem Suc^e geh)orben, ru^t 
ja o^ne 3^^^f^f ^^ ^^^cr Sinie neben ber ©pra^e in ber öo^en 
unb feltenen ©eele beö SSerfafferö, bie ben ©toff belebt unb bie 
©rjä^tung abelt. Äein anbereö beutfd^e^ Sanb jener 3^it fönn 
üud^ nur entfernt eine äf)nlicl^e Seiftung aufh)eifen, unb toenii 
2lt)entinö 2anböleute ftolj auf i^n finb, fo f)aben fie ein um \o 
f)öf)ere^ SRec^t baju, alö fein SRuf)m jugleid^ mit bem Siu^me 
beg beutfd^n (Seiftet äufammenfäUt. So toai ba^er nid^t^ anbere^, 
ate bie Derfpötcte 9lbtragung eine^ fd^utbigen 2)anfeg, ate ber 
fünf^unbertjäfirige ®e6urtötag eineö ber Derbienteften STOdnncr 
beö bairifc^en SSoIfeö in feiner if)m fo teueren SSaterftabt bun^ 
bie feftlic^e ®ntI)üUung feinet ©tanbbilbeö in mürbiger SBeife 
gefeiert lourbe! 

2)cn fittlid^en SSert ber ©efd^ic^tfdireibung 3löcntin^ ^t 
be!anntlic^ ®oetl)e in feinem gangen Umfang crfannt, toenn 
it)n aud^ ber tt)iffenfd^aftüd)e gleid^gültig laffen mod^te ^). Saft 

») ©oet^cS (5. ®. («u«gabc Ic^tcr §anb öom Saläre 1833. 53, 82.) — 
®oet^c f)at au4 fonft für 9lDenttn bjro. feine (S^ronit agitirt unb u. a. 
©cf)incrä tBittroe für fie ju intercffircn gefucfit. 9SgI. ^S^arlotte unb Hxe 
Sreunbe." ed. Urlid)«, Stuttgart 1860. 1, 584. a)cr (Irfolg fc^mt freift^ 
ein ^meifel^fter gcroefen ^u fein. 



^ic b. ®ef4i(i^tf(^retbung unter b. Sintuirfungcn b. ^Deformation, ^bentin. 277 

"Sluentinö nationale unb antirömifd^c Haltung x^m in SRom nic^t 
t}cräief)en unb er loie fein 85ud^ geäd^tet tourbc, fann un^ nid^t 
"SBunber nct)men ; toit pttc bcn S^obten nid^t treffen f oHen, toa^ 
ber fiebenbe an ^afe unb SBerfoIgung erfal^ren ^atte! ^) 

SBie ertoä^nt, toar eig Slüeutiu nid^t befd^iebeu, bie SBer- 
öffentlic^ung eine^ feiner bciben §aupttt)er!e ju erleben; aU e^ 
bann baju tarn, ^aben fie nid^t t)erfel)lt, einen getoaltigen unb 
nad^fialtigen SinbrudE ju mad^en, ber ben gehegten ©rtoartungen 
üntfprad^ unb fic^ in ber ©efc^ic^tfd^reibung ber nädiftfolgenben 
Generation melfad^ verfolgen löfet. 9lber mel)r ate bieg, felbft 
beutfdE)e fatt)oIifc^e ©taat^mönner I)aben fid^ balb genug au^ 
jeinent ©efc^id^töiüerfe bie SBaffen gel^olt, um ben ))äpftlid^en 2tn* 
inafeungen gegenüber bie SRed^te beö SReic^eg ju üerteibigen *). 
SSenn toir ben ©efc^id^tfd^reiber red^t üerftelien, ^ätte er fidE) faunt 
fine t)öf)ere ©enugt^uung erfinnen fönnen^). ^ 

9D?it Slüentin l)at fic^ bie bairifc^e ©efd^id^tfdöreibung im 
Zeitalter ber SRef ormation gleid^f am erf d^ö))ft ; toenigfteuö nennend* 

') l^n^niet Iel)rret(]^ bleibt bie bon ©c^Id^cr in feinem ©taatdan^eiger 
S3b. II, .^ft. 6, @. 352 unb 356 ff. gegebene «Mitteilung über bie öon $er§og 
^il^elmY. bon 93at)em be^ufS einer Bearbeitung ber ,,hi8toria Bavarica^' ^entinS 
,,damnati autoris'', bom S^quirttiondgerid^t ^u !Rom erholte ^i^pend. (^^^ 
^elned über bie ISSeroammung ber ^iftoria ^bentini^ bei ^Biebemann a. a. O. 
fteßcnioeifc. 

*) @. hen ttuffa^ bon fRtimann, ^r 6treit jmif^en $a))fttl^um 
unb Äaifcrt^um im Sö^rc 1558. (gorfc^. j. b. ®. V, @. 308.) 

^ (Sd lo^nt fid) bießeic^t, an bad Urteil 6:onring9 über $(bentin ju 
•erinnern. 6ionring fommt puftg auf i^n unb faft immer anerfemtenb ^u 
fpred)en unb fagt u. a. IV, 302 folgenbed über i^n: Omnium locupletissimus 
res Bavariae tradidit Johannes Aventlnus, etsi di versis judiciis pro- 
«cindatur. Qui pontificiis rebus addicti sunt, bis Ayentinus acrius videtor 
perstringere mores, sive Papavum si?e Episcoponim et moaachorum, tum 
«jus fidem in dubium yocant; eumque suspectum reddunt, quod faerit 
addictus partibus protestantium, haereticus scilicet lutheranus. Contra vero 
3, protestantibus magni fit. Vixit autem superiori seculo, cum maxlma 
mutatio sacrorum fieret et multa improbavit dogmata pontificiae reli- 
gionis. Per literas familiaritatem coluit cum nonnullis Protestantium, ut 
«8t cum Philippe Melaochthone ; sed hactenus non potui reperire, eum 
reliquisie penitus ecclesiam Romanorum, licet propensior yideatur in 
Xiutheranos etc. etc. 



278 ^tc« öuc^, fünfte» Äopitcl. 

tüerte^ ^at fte ttjciter faum ^erüorgefirad^t. ©n SSkrf »icScon^ 
^arb aBibmannö ß^ronif öon SRcgenöburg, ba^ aUerbingö bie 
jcitgenöffifc^e ©efc^ic^te bcr Sat)re 1511—1543 unb 1552—1555 
bctjanbclt, fann Don unferem ©tanbpunfte auö unb angcfid^t^ 
feiner fiefc^cibenen STnlage nic^t met)r aU naml^aft ßcmac^t »erben ^). 
Sn bem benac^fiarten Cftreic^ erfreut ftc^ bie Sanbei^ unb 
§au^gefd^ic^te biefer 3^^* frcilid^ nid^t me^r ber ?ßflege unb 
SBIüte, toie in ber üorauögegangenen ©poc^e Äaifer ÜWaEimilian I.^ 
tt)enn aud^ bie 9?ac^h)irfungen ber 3ntpulfe, toeld^e biefer burc^ 
S33ort unb %^at gegeben, nod^ ju öerfpüren finb. Äönig Ser- 
bin anb I. bejeigte ein gett)iffeg ÜWafe ber 3^Ina^me an gefc^i(!^t* 
liefen Slrbeiten, bk freilid^ übertoiegenb eine bt)naftifcl^e unb gene* 
atogifd^e {Richtung nal)m. S)aju fam bie fd^n^ere SRot unb SBer- 
tt)irrung ber 3^^^^ ^^^ gerabe auf ben öftreic^ifd^en Sdnbem 
empfinblid^ lüftete, bie c^ronifc^ gertjorbene Xürfengefat)r unb 
ä^nlidie^, toa^ oUe^ ein frucf)t6are^ ©el)agcn an ber SBetrac^tunj 
ber 8Sergangent)eit nidjt rec^t ouffommen liefe, gür bie Searbeitunj 
ber ßftreic^ifc^en ^auö- unb ßanbeiggefd^icf)te toor ein 5DZann tl^ätigr 
bem »ir fc^on einmal begegnet finb, ber ouf ben öerfd^iebenften 
(Sebieten ber §iftorie eine nid^t gemeine 3iüf)rigfeit unb ®e* 
fc^öftigfeit enttt)icfelte , SBoIfgang SojinS*). Sin ©d^üpng 
'Ä. gerbinanbö, t)at er fid^ ber t)aböburgifdE(en ©enealogie loie 
ber ©efc^ic^te ber ^ouptftabt ber öftreic^ifd^en Sänber mit um 
ermübfid&em ©fer ongenommen, unb feine ?lbfic^t »ar, bicfe feine 
©tubien nur afe eine SBorarbeit für ein ^aupttoerf feinet iCcben^, 
bem ber ^itel ,^CommeDtarii rerum Austriacarum*' jugebac^t 

^) ^rauSgegeben üon gfrci^erm Dr. (S b m u n b ü o n O e f e le im 15. 9b. 
bcr Sl^ronifcn bcr bcut|djcn 8täbtc (9)lünc^en 1871). ^r SScrfaffcr »ar Süar 
am (EoIIcgiQtftifte ber alten j^a))cüc ^u dl. unb ®egncr ber 92eformation. (Ir 
ftarb am 30. Tl'&x^ 1557. 

') ®Qhoxtn JU SBicn, 31. Cftober 1514, betrieb er l)icr unb %u. Sngolftabt 
^umaniftifd^ unb mebijintfc^e 6tubtcn, miirbe 1541 $rofeffor an bei mebi« 
jinifc^en grahiltät gu 93ien unb getüann aU getreuer ^(n^änger St. gerbmanb» 
eine überaus angefe^cne Steffung unb ftarb am 19. ^luli 1565. 93gL ^of a«, 
®ef(§. bcr ©teuer Uniöcrfität 11, 51 ff. unb ^orawif in b. n. b. 93iogTa|>§ic 
8. h. y. fSnb. 9% üb. D. 9iaumer @^ef4 ber germanifc^en ^^ilologie. @. S^ 



SHeb.^cfc^ic^tfc^reibg. unt. b. (Sinwirfungcn b. Dlcformotion. ^. 3. tfuggcr. 279 

loar, ju öerttjenben; aber ju ber STuöfü^rung bc^felbcn tft er 
freiließ mcf)t mef)r gefommen^). ©eine üortiegenben bjiü. ©c^riften 
anlangcnb, Don toeld^en er aUerbingö felbft befc^eiben geurtetit 
^at, tragen jtüar reid^Iic^ üiel ©toff jufammen, aber Don einer 
l)a(btt)e9 fritifc^en SRic^tung unb Drbnung berfelben ift feiten bie 
ütebe. Sajiug nennt fid^ felbft einen ©d^üler beö Seatuö SRl^enanuig, 
jeboc^ Don bem ed^t ))]^itoIo9ifd^en unb Haren ©inne berfelben ift 
leiber nicf)t^ auf i^n übergegangen unb ^ier fo toenig ate in feiner 
früher ertoä^nten ©d^rift etttja^ baüon ju öerf puren*). ®r reprä» 
fentirt in ©ad^en ber gorfc^ung feinen ^ortfc^ritt, fo üiel aud^ 
urfunblic^ed SKaterial er jufammenbrac^te unb jum Steile jum 
erften 9D?a(e ^erüorjog. 3luf feine fieiftungen im gadfte ber alten 
©efc^id^te Zommen ttjir jurücf. 

9lte ein ^aupttüerf über bie ©efc^id^te unb ©enealogie ber 
§ab^burger tritt unig ba^ „Oefterreid^ifcf)e @erenn)erf " (S^renttjerf) 
§anö Safob t^uQQCX^ entgegen, ba^ bie löngfteS^tt nur in 
ber ®eftalt ber Söirdenfd^en Umarbeitung aU Gt)renf))iegel u. f. f. 
unb in biefer rec^t unüoUftänbig befannt gen)efen ift^). 6^ ^at 
auffäüig lange gebauert, bi^ bie grünblic^e Sßerfcf)ieben]^eit ber 
beiben 2lrbeiten erfannt ober t)ielmet)r feftgefteHt ttjurbe*). S)aÄ 
SSerf gugger^ ift befanntfid) niemals gebrudt Sorben, toirb aber 



^) ^gl- feine SSorrebc gu feinem Commentarii rerum Graecorum, wo 
er üon feinen bcabftd)tigten öftreid^ifc^en Kommentaren fagt: ,,quo8 solos cupio 
Dostri memoriam relinquere.^^ fi. ftonb oud^ mit ^t). KamcrariuS im S3crfe^r 
(f. bcffcn ©(^reiben an il^n d. fjebruar 1564 in ber Epp. famil. p. 862). 

*) $gl. feine beiben SBerfe 1. Yienna Austriae. Basil 1546. 2. Gom- 
mentariorum in Genealogiam Austriacam etc. Basil. 1564. U. a. Derfagte 
fi. noc!^ eine „His^i^ift Herum in Oriente gestarum ab exordio mundi — ad 
Dostra haec usque tempora'^ Frankf. a. M. 1587. S)ic bti^antinifc^ &cs 
f^ic^tc bilbet l^ier ben 97{ittelpunft. 

») SSßl. «retin, SBeijträge 1,4. 6tü(f @. 49. 9fi an! e, jut Äritif 
neuerer (SJcfc^ic^tfc^reiber. 2. Slbft^nitt V. unb (S. 2B. 5. 5lufl. 1, 344 ff. 

*) 8luf hie öcorbeitunQ bcS (g^rcnroerfcd burc^ ©eder fommen mir an 
feinem Orte gurüd. ^ie ec^tefte CueHe für bie (Ertenntnid ber ^irettion, unter 
melc^er berfelbe gearbeitet ^at, fc^cint biSl^er, fo üiel id^ finben tann, überfe^en 
morben ju fein. 



280 <Sntc« ^u(ii, fünftes Kapitel. 

in brei ^anbfdjrtften je ju SBtcn, SDMnci^cii unb ©reiben afe 
foftbareö ?ßrad^tocrf üertoal^rt ^). 2)er erftc Sanb bc^anbclt bic 
©cfc^id^te ber ^ab^burger 6i^ auf ÜKajimifian, bcr jtoeitc bc* 
fd^äftigt ftd^ audfd^IicBüc^ mit biefcm; bic längftc 3cit ift if|in 
bie ^abdburgifd^e ©cncafogie bie §aupt)ad^c unb crft mit bcm Auf* 
treten 9D?Qjimifian^ nimmt bie ©arfteUung einen me^r ^iftorif^cn 
(S^araftcr an. 3)er SBerfaffer toat ein gebifbetcr unb »o^I unter* 
rid^teter aWann ; er gebietet, freilid^ nic^t immer fritifc^ fonbcmb 
unb unterfcfieibenb , über ein umfaffenbeig CueHenmaterial , Diele 
Urfunben, ©riefe u. bgl. flid^t er in i^rem ganjen Umfange ein 
unb gibt fid) ber Hoffnung t)in, burc^ biefeS fein ©efc^id^t^werf 
jugteid^ fein unb feined &e]6)Uä)t^ ®ebacf)tni^ ju Dcremigcn. 
Slu^brücflid^ ^ebt er fierüor, ba^ er fic^ feiner frembcn §itfe für 
bie ^erfteHung be^ SSerfcö bebient ^abe. 3)a^ SBic^tigfte bleibt 
immer ber jtt^eite S^eil, tt)enn tt)ir aud^ ^ier nid^t eine njirftic^c 
©efc^id^te feinet gelben ober gar be^ JReic^eS in biefer Qdt 
erhalten ^). 3)a}u ift bie ganje S^ffung Diel ju fubjeftit), »ie 
fd^on Don anberer fompctenter ©eite bemerft ttjorben ift. S)cr 
SBerfaffer ift erfüüt üon Eingebung an ba^ §auÄ Cftrei^, nebenher 
ein guter STugigburger unb jugleid^ ber 95ebeutung feinet ©e^ 
fd^Ied)teö unb bcffeu 3ufammenf)angeg mit ben §ab^burgem )xä) 
tt)O^I betDUßt. Cb man in SBien je an bie SBeröffentlid^ung gc» 
bad^t, mufe baf)iu gefteltt bleiben; al^ man fpäter barauf jurücf* 
fam, mürbe Dor altem eine SZeubearbeituug für notnjenbig befunben, 



^anS 3. Sugger toat geboren 1516, ein @o^n beS 1535 Dcrftotbenen 
9la{munb gf., liberaler fjörberer bcr ^nfte. (Sr würbe faiferlic^cr dtai unb 
trat 15G5 in bairif^e S)ienftc, gcft. 1575. @. b. n. b. 53iograp^ic s. h. v. — 
Über bie Sfugger jener 3ctt übcr^au))t f. bit (BeIbftbiogra))^ie SufaS ®ei}' 
fofIcrS (ed. «b. ©off, SBicn 1873. III, 167 ff.) — ^uc^ in t)gl. Marc 
lutrosinski, ,;De imperialisBibliothecaeViadoboD. Godice m&nuscripto 
qui inscriptus est: Ebrenspiegel des £rzhau8es Oesterreich a. Job. Jac. 
Fuggero'*. Inaugiir. Dissert. Vratislaviae 1858. ?lu(^ für hit CueBlcn* 
onalijfe beS S^rennjerf« ergiebig. 

>) ^ad 93er{ ift 1555 abgefc^Ioffen »orben unb ^at (1559) nur nix^ 
einige gufu^r erfol^rcn. 



^teb.®efc^t4tfc^ret6unguntb.(Sinn)trhtngenb.9tefonnatton. ^erbcrftein. 281 

iuxä) tocld^e frcilid^, tote ttjir an feinem Orte labten tt)erben, bie 
urfprüngtid^e ®e[talt bcSfelben üoUftänbig t)ertt)ifdöt toorben ift. 

83on öftreid^tfd^en ©taatömänncrn \)at in biefer (S:po6)t 
©tflmunb gret^crr Don ^erberftein^) ba^ SBort ergriffen 
wnb eine ©elbftbiogrcHJ^ie l^interlaffen, in toefd^er er über feine 
ftaatömännifd^e nnb biplomatifd^e 3;f)ätigfeit nnb feine ©efanbt- 
fd^afti^reifen naä) Äonftantinopel unb an ben polnifc^en unb 
rufftfd^en §of in funftlofer aber le^rreid^er nnb anjiel)enber Slrt 
tBerid^t erftattet. @r ift jngleid^ ber SBerfaffer ber berül)niten 
Commentarii Rerura Moscovitarum, bie juerft 1549 erfd^ienen 
nnb je^n 3al)re fpäter öon if)m felbft in beutfd^er Bearbeitung 
t)eröffentlid^t rtjurben unb mit allgemeinem ®eifatt aufgenommen 
njorben finb. Sin eigentlid^ gefd^id^tlid^e^ SBerf finb biefe in feiner 
tSeife, et)er ein geograpl^ifc^eö , baö über ba^ ruffifc^e Üieid^ 
juerft richtigere SBorfteHungen verbreitet l^at. Snfofeme e§ al^ 
€ine unmittelbare gruc^t feiner ftaatömännifc^en SBirffamfeit be* 
jeid^net erfd^eint, barf eig ttjo^l in biefem ßwföntmenl^ange er* 
njö^nt njerben. 

3u ben mit bem §aufe Cftreid) öerbunbenen Äronlänbem 
gel^örten je^t auc^ ®ö^men mit feinen SRebenlänbern, ©c^Icfien 
unb bie Dberlaufife. 3n Sö^men ift bie beutfd^e ®efd)ic^t* 
fd^reibung in biefer 3^^^ ni^t vertreten unb von ©dE)Iefien ift 
laum mel^r ju fagen *). 2)ie Dberlaufi^ bagegen ^at in ben 
Siec^töannalen beö ©örli^er ©tabtfd^reiberig unb SBürger- 
meifterg Sol^anne^ ^afe ?lufjeid^nungen aufjurtjeifen, bie eine 
ergiebige CueHe für bie fo njic^tige Spod^e finb, in toelc^er in 
iBerbinbung mit bürgerlid^en Unrul^en bie firc^fid^e Umn)ä(jung 



*) $)crau3gegcben öon ^arajan im 1. 59b. ber Fontes R. Austr. 
(@. 67—396). 4>. toax geboren am 23. ?tuguft 1486 unb ^at öor allem al» 
ttelbemd^rter S)i))(omat im S)ienfte 5^. grerbinanbd I. geroirft. (St ftarb am 
28. aWärj 1566. @. ben «trtifel S. ®eiger« in ber n. b. öiogrop^ie s. h. v, 

*) 2)ie ©tabt ©cftiücibnij ^at einige, aber unbebeutenbe ^luf^eid^« 
nungcn aufjuweifcn. @. SS. R. Sil. SBb. XI. SreSIau 1870. Sc^weibnt^er 
(I^Toniten beS 16. Sa^r^unbertd. ^gl. @. ©rün^agen, ^egtueijer burc^ bie 
fc^Cef. (^fc^.'£lueaen. SrdSlau 1876. 



282 Stftc« S3u4 fünftes itopM. 

avL(S) bie ©tobt ©örlig erfaßt l^at *). eitblid^ l^at ein feit gc* 

M 

raumer 3cit öiel enger mit Dftreic^ unb bem beutfd^en Sleic^e 
üerbunbeneg ^abigturgifd^eS Sanb, nömtic^ Sirol, and) in bicfcm 
fritifc^en ÜKenfd^enalter an ber t)iftoriograp]^ifcl^en iperöorbringung 
geringen Slnteil genommen, obttjol^l e^ Don ber Sctoegung be* 
beutfc^en ®eifteg nod^ feine^toegig t)5tlig abgefperrt erfd^cint. ©n 
gcle^rte^ aber auc^ üolfötümlid^e^ (Sefc^ic^t^njerf ift gar nid^t 
ju üerjeic^nen ; e^ finb im ©runbe nur bie SJenfnjürbigfcitcn 
®eorg Äirc^mair'g, cineg Beamten beg Älofter^ SWeuftift 
bei Srifcn, beren ©ttmme hk faft lautlofe, leibige ©tiüe an* 
genef)m unterbrad^ ^). ©eine Stufseid^nungen reii^en öom 3a^re 
1519 bi^ 1554. @r ift fonferüatiö gefinnt, ein guter Äot^oßf 
unb 2;iroIer, aber auc^ üoQ Änt)ängli(^feit an baig ^auig Cfter* 
reid^. 9iid^t blofe ))roDinjieIIeg, aud^ allgemeine^ befd^äftigt i^n 
baf)er, aber bie ®ei'd^icf)te beö Sauemfriegeig, beffen fluten be^ 
fanntlid^ üor ben Sergen S^irolö nic^t fielen blieben, fd^ilbcrt 
er befonberig Iet)rreic^. ,^5^ere 3tnfprüd^e barf man an i^n nic^t 
mad^en, fo toenig ate feine fd^Iic^te Statur auf bie Scfriebigung 
fol^er gerid^tet ift^). 

2)ie benad^barte ©djtoeij l^at fic^ um biefe 3cit politifc^ 
allerbingö bereite Don S)eutfd)Ianb loögelöft^), notionol unb 



*) 3- 4>o6 öjor ein ©cgncr ber Dlcformation. ®eb. 1476 ju 9m^ im 
SSoigtlanbe, l^atte er in !üei))gtg ftubirt unb mürbe 1509 6tabtf(i^ber in 
mxüi^, SSgl. über il^n Otto Hammel, So^anncS $»ag u. f. m. ®tn fieben«« 
bilb ou§ ber Otcformation^jcit. 3)rcSbcn 1874. — 3)ic 9lat«aunalcn bilben 
ben 3. unb 4. SBb. ber SS. R. Lusat. (Sörlt^ 1852. 1870. ^erauSgcber fuib 
Dr. %}^. 9?cumQnn unb (S. (S. ©truöe. 

*) herausgegeben t)on ßarajan, int 1. )Bbe. ber Fontes R. Austr. 
(S. 519—1134). jlirdjmair war 1481 in 9hippc in 5:iroI gcöbrcn imb ftarb 
im Satire 1554. 83gl. Slbani ©olf, ©cfd^ic^tHcöc ©über au« t^ttnäh 
1,34 ff. 

*) Qu ügl. 6. 3- ®gger, bie ölteften Q^efc^ic^tfc^reibcr , ^eogia^ 
unb aitertumSforfd)cr 2:irol8. SnnSbrud 1867. 

*) (SS mirb bie richtige ©teOe fein, ^ier an bie ^^Raeteis'* beS 8 im ob 
SemniuS gu erinnnem, bie in ber ®t\talt eines SpoS ben f^n^ei^ertfc^beutfd^ 
Ifrieg beS Sal^reS 1499, melc^em bie tl)at{öc^It(^e SoSreigung ber (Eibgenoffenf^oft 
Dorn iHeic^e auf bem gruge gefolgt ift, in 9 befangen nic^t o^e £aleitt k» 



5)icb.®cfc6t4tf4reibung unter b.(5mnjirtungenb.9Jcformation. g. u.^att. 283 

literarifc^' ^at [id^ bie früt)ere SSerbinbung aber noc^ fortgefe^t 
unb burc^ ben Stnfd^Iufe eineö guten S^eile^ berfelbcn an bie 
Sieforntation fogor eine nic^t ju unterfc^ä^enbe SBerftärfung er* 
galten. S)iefe SKomcnte jufammen ^aben betüirft, baß bie terri* 
toriale ©efc^id^tfc^reibung l^ier namenttid^ aud^ in i^rer Qualität 
in einem ®rabe fid^ fruchtbar erlüieö, toie man eg üon »enigen 
Sanbern innert)alb be^ SReid^eö behaupten fann. S)ie Smpulfe, 
ttjcld^e bie fird^Iic^e Setüegung ^in unb toieber ^ab, finb eö, bie 
in erfter Sinie biefe^ ©rgebnid Ijerbeigefüfjrt ^aben. @ine SRei^e 
fo ftofjer SRamen tüie Soad^im SJBatt, SuCinger, Äefeler, 3ln)f)elm, 
©tumpf, Sot)anne^ XJc^ubi, bie oUe i^re bej. SBerfe in ber 9Jefor=' 
mationdjeit abge|cf)Ioffen ober boc^ entworfen t)aben, begegnet 
unö auf üergleid^ungöttjeife fo engem 9iaume faum anber^mo, 
unb eö änbert an ber ©ebeutung biefer 3;]^atfa(^e nid^t^, ba& 
ein Jeil biefer SKänner aug bem SReid^e ftammte unb bafe fic 
alte i^re mafegebenbe Sluöbilbung innert)alb be^felben enH)fangen 
^aben. 3(fe bie ))erfönlic^ toie njiffenfc^aftlid^ bebeutenbfte @r* 
fc^einung innert)alb biefer ®ruppe l^aben h)ir ol^ne 3^^ifrf i>cn 
St. ©aller Soad^im üon SBatt (Vadianus) ju betrad^ten ^). 



fingt, ^eran^egeben t)on ^lacibuS $(attncr. (S^ur 1874. (Sd ift bad 
bcrfclbc ßcmniuS, ber (1538) bcn böfcn Äonflift mit fiut^cr ^jroöojirt ^at. 
& toax jroifc^en 1500 unb 1510 im graubünbifc^cn ^Wtinftertl^Ql geboren 
unb ftarb 1550 ald fie^rer an ber ^umaniftifc^en 6c^ule in @^ur. @ine 
^iftorifc^c Schrift fann man fein @))od nic^t nennen, man fcnnt aber bie 
Delation, toelc^c er übermicgenb bemfetben gu ©runbe gelegt ^at. iBgl. bcn 
9Crt. bon fj. JBettcr in ber a. b. 83iogra))^ic s. b. v. 

^) iBgl. über i^n (Sl. (Sm. d. {»aller, 93ibliot]^et ber @c^n)eiser«®ef4i(^te. 
©b. U öon 1592 bi^ 1596. UI. ^x, 1813. — Slf c^ba^, ®cf4 b. ©icner 
UniücrTität. 2, 392ff. — ©rnft ©öftinger, Soac^im ®att als ©eftbic^t* 
Wrciber. (St. ©allen 1473, unb ®. ©eilfufe, 3- b. SBatt ol« geogra))^if(^er 
©dferiftfteHcr. SBintertl^ur 1865; unb öot allem, öon (äJö^ingcr l^crauÄgegebcn, 
SSattS „S)cutf(^ ]^iftorifd)c ec^riften", 3 öbe. @t. ©allen 1875—1879. — 
3. t), 93att mar am 29. 9?obcmber 1484 p @t. ©allen als @o^n eincS an- 
gefcl)enen Kaufmanns geboren, ging 1502 natii ^ien, too ^eltiS unb Su?^ 
^tnian befonberen (Hinflug auf feine gelehrten @tubicn ausübten unb er auc^ 
jclLp balb afö Sc^rer an ber Uniöerfität auftrat. Ä. ^Kajimilian I. Iftat i^n 
5um 3)ic^ter getrönt. 9{eben ben l^umaniftif^en 6tubien betrieb er ^ugleic^ 



284 ^rftcfi SBudi, fünftel Stapitcl. 

(Sr roav einer ber üielfeitigiten, gcleftrteften unb I)ert)orra9enbften 
^umaniften, ein frnc^tbarcr öielfeitiger Sc^riftfteHcr, ber auf me^r 
ate einem ©ebiete SSorjüglic^eö geleiftet l)at. Sn feiner SSiener 
(Spod^e \)at er übern^iegenb atö §umanift gen^irft. ©eine fom- 
nienttrenbe SluSgabe ber ßtiorograp^ie beö ^ßomponiug ÜKcla, 
feine Stu^gabe ber lateinifd^en Übcrfefeung be^ S)ion^fiu§ ^ßcriegetc^ 
öurc^ SRufuö gcftuö 9(uienuö unb ber SSorrebe jur Naturalis 
bistoria beö ^ßliniu-ä nc6ft bem 7. 33uc^e biefeö SBerfc^ gct)ören 
I)ier[)er unb I)aben if)m üerbiente Sfnerfennung ertt)orben. (Sne 
^fu^gabe ber Germania beö Sacituö (1514) beweift loenigften^, 
baß er feine 9lufmcrf]amfeit jugleid^ nacf) btefer SRid^tung gc^ 
ipenbet l^ielt. SD?an t)at mit "Sicdjt non iöm rü^mcnb tjeröor- 
gehoben, bafj er einer ber erften mar, ber bie ©ntbedtungcn ber 
HSortugiefen unb ©panier für bie geograpf)ifc^e 3Biffenfd)aft ücr* 
mertet ^at ^). 'Sflaä) feiner 9tücffet)r nac^ ®t. ©allen f)at er eine 
9tcif)e felbftänbiger geograp[)if(^er Schriften öerfagt unb unter 
ben iSo3mograpI)en fid^ einen gead[)teten SRamen erobert ^. S)ie 
SScrte, bie i^m einen ^fafe in ber @efc^id)te ber ^iftoriograp^ie 
fidtjern, finb in ber jmeiten Gpod^e feinet ßebenö entftanben unb 
in erfter £inie ber ©efcftid)te feiner 5?aterftabt unb ber Jfbtc üon 
®t. ©aHen gemibmet, finb aber juglei^ burd^ einen toeiten @e= 
fid^töfreiö geabelt unb gehoben. @ö bleibt barum ma^r, toa^ 
man i^m nachgerühmt ^at, feiner ber großen ^umaniften l^at 
mit fo Iebt)aftem Gifer fi^ ber Oefd^i^te feiner eigenen ^cimat 
angenommen unb fic^ bo^ in foldjem 9Ka6e ben freien ©lief 
über bie ©efammtentmidEelung ber SSöIfer bemal^rt. ?tu6erbem 



bie mcbi^inifc^cn unb erlangte 1516 ben mebijtn. ^ftorgrab. Um 1518 ging 
er in feine SSaterftabt juriicf, würbe au^übcnbcr %x^\, aber infolge feiner aufts 
gcjeid)neten ^erfönlicftfcit unb ©efc^äft^funbe balb ©ürgenneifter, \diU)% ftcft^ 
ein ^reunb 3^tngU'd, ber ^Reformation an unb führte fte in feiner Saterftobt 
auf Äoften ber ?(btei gum ©icge. ©r frarb im Saljrc 1551. 5Bgl. auc^ Steffel, 
Joachim Vadian. (SIberfelb 1846. 

») ©. 3BoIf, ®efd». ber ^ftronomic. @. 215. 

*) ^attd geogrop^ifc^e ©d^riften fmb jum guten S^e bei ^olborft, 
SS. Rer. Alemann. III. ©b. gebrudt. 



S)ic b. ®cfc^l(ljtf(^rcibun9 «"tc^^ ^- einwirtungcn b. Üicformation. 3. ö. ©att. 285 

äeic^nct fid^ SBJatt iahnxä) au«, bafe bie ©^mpatl^ie für S)cutfc^^ 
lanb bei i^m fortgeicfet frifc^ unb Icbenbig bleibt. Sic ginbrüde 
feiner Sugenb ^aben eine nac^tjaltige Ätaft betoä^rt. ©o ücrftanb 
e^ ftd) it|m ganj üon felbft, bafe, ate er fic^ üoma^m, bie ©e- 
fc^ic^te feiner $eimat ju fc^reiben, er bie ©prac^e ber ^umaniften 
preiiggab unb jnr SKutterfprac^e überging, bie er benn and) atö 
SReifter ju be^anbeln öcrftanben f)at ©eine S^ronif ber 
Stbte öon ©t. ©allen jerfäüt in jtoei gefonbertc ©ruppen, 
in eine ältere unb eine jüngere, bjnj. in bie g r o B e 6[)ronif ber 
€bte unb in bie f leine. 2)ie große beginnt mit ^Ibt Ulric^ V. 
(1199), unb fc^Iiefet mit «bt Ulric^ SRöfc^ (1490), bie fleincre 
fe§t mit ©t. ©attu^ ein unb enbet bei Slbt ©ict^clm Slarer 
1530. 2)ie Heinere befd^räuft fi(^ auf bie engere ®efc^id)te 
©t. ©allend, bie große umfpannt einen »eiten ©efid^töfreiö. 
2)ie fleine, nad^ ber SRieberlage bei Äappcf gefc^riebcn, frf)Iägt 
einen gebämpftcn Ion an, bie grofee ift Don einem juüerfic^tlidjcn 
reformatorifc^cn ©eifte getragen, ber l)offnuug^t)olI in bie Qn^ 
fünft blicft. ©ie ift, toie angebeutet, SBatt^ ^aupttoerf, mit 
ttjefd^em ton e^ ju tl)un tiabcn-. SBatt l^atte anfangt blofe eine 
©cfc^ic^te ber ©tabt ©t. ©aßen fc^reibcn toollen, aber fein ^fan 
erh)eiterte fid^ i^m naturgemäß unter bcn §änbcn unb er ent* 
f^Io6 ftd^, eine ©efc^ic^te ber ©tabt unb ber 2tbtei jugleic^ ju 
frfjrciben, ließ jebod^ babei bie S)arfteIIung ber SInfänge be^ 
Älofteri^ gänjlic^ fallen unb nat)m fie bann gefonbert in ber 
Keinen S^ronif »ieber auf. 2)ie große St)rouif jerfäHt in jioei 
^älftcn, bcrcn jioeite ungefal)r mit bem Sa^re 1330 anl^ebt unb 
ber ©efd^ic^te ber ©bgenoffenfd^aft einen größeren ?ßla^ ein* 
räumt ^). 3)ieig SBcrf ift überhaupt breit angelegt unb ber ©trom 
ber ©Tjä^Iung fließt nad^ ben fnappen STnfängen im Slnfd^Iuß 
an bie ©efd)ic^tc ber einjelnen ^(btc flar unb ftofj ba^in. ©in 
ftatttid^eö SKaterial ift cd, bad SBatt »erarbeitet ^at, gebrucfteö- 
unb aber aud^ ungebrucfte^, urfunblid^eö, ba^ xf)m feit 1529 



') 3. SBattd beutj^e @(^riften. 1, 438 ^nm. 1. 



286 <£n^cd Su4 fünfte« Kapitel. 

jumat für bie @efd^ic{)te beö Sloftcr^ 5U ^^anben !am. ®r ift 
fein bfoBer ©^ronift, fonbern ein pragmatifc^cr ©efdji^tfc^rcibcr, 
ber ben fingen genau auf ben ®runb gefjt unb nad^ bem 3"' 
fammen^ange ber Srcigntffc forfc^t. ?ltö SBertretcr ber Sntereffen 
unb Slnfprüd^e ber ©tabt gegenüber ber ?I6tei fc^ärft fic^ i^m 
ba^ fritifc^e 9(uge ttJte üon jetbft unb betrachtet bemgemaß auc^ 
anbere SSorgänge. 3n Sejug auf bie Überlieferung Don ber @nt» 
fte^ung ber ©bgenoffenfc^aft entmideft er hinlänglichen ©fepti- 
ciömuö^) unb fte^t auc^ l)ierin über Xfc^ubi, beffen SRu^m 
fein 2lnbenfen unbillig lange in ©c{)atten gefteHt ^at. Sie bcutfd^e 
@efc{)id^te begleitet feine S)arfte[tung ununterbrod^en , für unfete 
großen Äaifer empfinbet er marm, ben gaQ be^ ftaufif^en ^aufc* 
unb bie Äataftrop^e SonrabinS crjö^lt er mit fc^lec^t t)erl)c^ltcm 
©roll, ber bie ^olitif ber 5ßöpfte für ba§ fc^mö^lic^e ©d^aufpiel 
Derantttjortlid^ mac^t^). Sr ift ein ^^alent unb ein S^arafter 
jugleic^ ; ber antirömifct)e reformatorifc^e ®eift arbeitet überhaupt 
ftart in if)m, of)ne bafe man i^n rabifaler Steigungen bejic^tigen 
bürfte % äRan ttjirb öftere an Sltientin erinnert, nur bafe bie 
proteftantifd^e @efc{)ic{)t^auffaffung bei SBatt nod^ poftttDeren 
Sntjalt aU bei biefem ^at, bagegen erfreut fic^ ba^ ^auö Oft- 
reic^ bei i^m faft burcfi^eg einer tiergleid^ung^ttjeife milben 95c» 
I)anblung, ttjaö fid^ auö feinem na^en SSer^ältnid ju Saifer 
5IWajimilian leicht erflärt*). 

3Batt f)at aber jugleid^ nod^ an einem anberen SBerfc maS» 
gebenben Anteil gehabt, ba§ innerhalb beö SRa^men^ ber ©b^ 



^ottS bcutf(^c @c^riftm 1, 408. 3u ögl. ®. 3Re^er tjon Änonau 
in ben Schriften beS herein« für ®cfc^icftte beS 33obenfee8 unb feiner Um» 
gebung, 9. ^cft. @. 49—65. 

*) 8. 0. 0. 0. @. 327—330. 

») SSgl. feine «b^anblung «3Jon bcnt ^öncfjSftanb'' u, f. m. ^utfifte 
Schriften. 1, 3 ff. 

*) ©Qtt» Epitome unb 2)iarium finb in ben beutftften ©(ftriften «b. III 
mit abgebrucft. @ic Tmb im roefcntli^cn ÄoIIcftancen unb Baumaterial für 
bie größere d^ronif. ^odf beginnt bad Diarium mit 1529 unb reicht bi« 
1533 unb ift, rec^t audfü^rli(( gegolten, bennoc^ n^eiter nic^t Dertoertet iDorbeii. 



"3)16 b. ®cf(öi(^tfd^rcibung unter b. ©inioirfungcn b. SRcfonnotion. 3. @tun!))f . 287 

-genoffcnfci^aft ttjenigftcnö lange 3cit ^o^eiS 9tnfcl^cn gcnoffcn t)at ; 
c^ tft bag 3ol^anncg Stumpfe ,,®cmetncr löbltdöen ©b* 
-gcnoffenfd^aft ©tattcn, Sanber unb SSöIfer d^ronihoürbtger S;i^aten* 
bqc^rcibung'', btc 1546 in 3öric^ an ba^ Sid^t trat. SBir ftnb 
if)m fd^on einmal afö SScrfaffer einer ®efc^ic{)te Ä. ^einric^ IV. 
begegnet^), ©eine grofee Sl^ronif l^at bei 3^^*^ SBeliebtl^eit 
^ettionnen, unb jttjar mit 9ted^t unb nid^t blofe ipeil fie t)or 
allem aud^ topograpl^ifc^e unb genealogifd^e 3^^^^ verfolgt, 
IBatt ^at il^m Dan! ber Stnregung SBuQinger^, tt)ie angebeutet, 
getreulich beigeftanben unb f örmtid^e SBeitrfige geliefert *). darüber 
fann fein 3^^if^I auffommen, bafe er bem Pfarrer Don ©tamm* 
^eim ttjiffenfci^aftlid^ überlegen ttjar unb feine äBittüirfung bem 
©tumpffc^en SBerfe unmittelbar unb mittelbar in nic^t geringem 
öJrabe ju ®ute gefommen ift. SBatt, mutig ipie er ttjar, l^at 
<iuc^ feinen 9lnftanb genommen, atö berfelbe auf ©eite ber alten 
Antone unb burd^ S^fd^ubig 3Bunb einigen Slnftofe erregte, bafür 
•cinjutretcn unb bie SSerantttJortung ju übernehmen, ©tumpfi^ 
Gi^ronif gel^ört übrigen^ ju ben beften unb gebiegenften ©c{)riften 
biefer Strt unb l^at bie ©efd^id^te ber ©bgenoffenfd^aft unb bie 
Äunbe Don bem Sanbe berfelben um ein nic^t geringes geförbert. 
(Sr loeife mit Snfd^riften unb Urfunben umjuge^en unb benimmt 
fid^ ber Überlieferung gegenüber mit löblid^er ©elbftanbigfeit, 
wenn er fid^ aud^ nid^t immer fonfequent bleibt. 3)er l^iftorifd^e 
Seil reid^t übrigen^ nod^ in ba§ 16. 3a^rf)unbert l^erab. 93ei 
mand^en ©d^ttjäc^en unb häufiger Unfid^er^eit ift ©tumpf, ber 
ja bod^ t)on auömärtS gefommen ttjar, feinem ^kU, eine ge* 
fc^ic^tlid^^topograp^ifd^e ©efd^ceibung ber gefammten ©bgenoffen- 



*) @. oben @. 255. — @tum<)f »ar im Qa^rc 1500 in S3ni(öfal geboren, 
l^atte in ^eibelberg unb ^trogburg ftubirt unb mar bann in ben ^o^anniter« 
orbcn a(d ^rtefier eingetreten, ging jeboc^ balb jur 9?eformation über unb 
mürbe Pfarrer juerft in IBubicon, bann in @tamm^eim (Sanb[(^aft X^urgau), 
too er feine groge (S^^ronil fd^rieb, unb ftarb 156G, jur 9hi]^e gefegt in güri(^. 
S. ®. (5. üon ©aller a. 0. O. U Sßr. 1485. 1486. 

«) @. ©attÄ 3)eutf(ftc ©(^riften 2, XXXVII ff. 2)ie tfcincre d^ronif 
iommt hierbei in erfter fiinie in IBetrac^t. 



288 ^n^c« iBucö, fünfte« Stopiiü. 

fd)aft ju liefern, na^e genug gcfommen unb ^at mit feinem 35krfe 
einen tiefen ©inbrucf nitf)t btofe auf feine ß^^i^g^^offen gemacht, 
gür bie 9ieformationggefd^id^te junätf)ft Don ©t. ©aßen ^t 
einer ber nädjften greunbe SBatti^ unb ebenfalls ein ©t. ©aller 
Äinb, Soljanne^ Äefetcr, in feinen S)enftt)ürbigteiten einen 
befonberö roertüollen Seitrag geliefert, ©einen giemüc^ au^fu^i> 
litfien Stufjeic^nungen f)at er ben 9tamen „©abbata*' gegeben, 
meit er fie in feinen freien ©tunben, Dor allem an ben ©onn* 
unb geiertagen nieberjufc^reiben pflegte ^). ^Begonnen ^at er fie 
1533 unb biö 1539 fortgefe^t. SBie taum ertt)ä^nt »erben muBr 
{)anbclt e^ fic^ {)ier um fein getef)rteö ober aud^ nur ftreng ge» 
fd)id^tlid)e!g Söcrt, fonbern meljr nur um Sefenntniffe, aber biefe 
gehören, mc ber 4^erau!^geber mit SRed^t bemerlt, ju ben lieb^ 
licfiften literarifd)cn ©rfd^einungen ber Steformation^äeit. 2k 
Sd^irffale bc^ SJerfafferö unb feine 5ßerfönlid^feit finb mertoürbift 
genug, um and) in tt)eiteren Äreifen noc^ f)eutjutage ^eüna^me 
ju eUDecfen. fteßlerö Söirten ift mit ber ©nfü^rung ber 
Sieformation in ©t. ©allen aufß engfte üerhtüpft. greitoiflift 
^atte er fid) oom öffentlid)cn ©d^auplag jurüdgejogen unb auf 
bem Söoben bcj? ©attlerljanbnjerf?^ fic^ ein befc^eibeneö §eim 
gegrünbet, bi^^ bie neue 2et)re in feiner SSaterftabt fiegreic^ burc^ 
Drang, unb fid) i^m juerft alö 2et)rer an ber lateinifd^en ©tabt* 
fc^ule unb fpätcr aU ^^rcbiger ber eoangelifc^en ftirc^e ©t. ©allen^ 
ein angemeffener Si^irfung^freiö eröffnete, ben er bi^ ju feinem 
5obe (^1674) oorgeftanben t)at. 3}ian \)at feine flufjeic^nungen 
nid)t uneben i>a^ „gute ©emiffen ber aieformatton^ctt" gc» 
nannt. S)ie gönn berfelben anlangenb, fo mad^n fie feinen 
'Jlnfpruc^ auf fünftlerifd)e Sarftellung, aber immerf)in tociß Äefeler 
fteti^ bü^ red)te 3Sort ju finben unb öerfte^t nic^t minber, Dor* 
trefflic^ JU erjäblcn. 



^K'rauegegebcn von Dr. 9 mit ®ö Ringer. 3t @to0en 1878. ^u 119t 
3. 3Qf. 5>^rnat, 3ol). Äefelct, S^ürgcr unb SicformQtor ^u St QaOrft 
(et Q^aQeu 1816); unb befonberö aud) iJ^cDer t>on i^nonau in €l^# 
^ifior. 3citfd)rin 1871. 1. «ö. 



^ie b. ^fc^tc^tfc^reibg. unt. b. (StntutTf ungcn b. 9^ef ormatiott glatter, ^ellican. 289 

SSon 3)enftt)ürbtgfeiten ^at btc ©d^ttjctj in btefer (Spod^e 
Ttoc^ ein paar ttjeiterc Seiftungen aufjumeifen. S33ir erinnern an 
btc befanntc ©elbftbiograpl^ie be^ SBaSler Suc^brucferig unb ©tf)ut 
rcftorö %^oma^ ?ßlatter, bie unö ben ttjunberbaren Sebenö^ 
gang i^reö Url^eberö tion feinen Slnfängen afe amter Hirtenjunge 
in feiner ^eintat 9Bani§ bid ju feiner bauemben Jiieberlaffung 
in Safel unb fein fo l^öcfift erfolgreid^eö SßJirfen bafelbft in 
feffeinber SBeife erjä^It. SSon beut SBater angeregt, l^at 3;]^omai5 
^latter^ ©o^n, ijelij, in ber gorm eine« 3;agebud^eiS , ba« 
bie 3af)re Don 1536 bi« 1559 umfaßt, alö bereit« gemad^tcr 
aWann unb angefel^ener 2trjt in feiner SSaterftabt, bie ®efd^ic^te 
feiner Sugenb aufgejeid^net. 3)er SBerid^t über feine SReife nad^ 
üKontpeüier, fein längerer Aufenthalt bafelbft — er ftubirte an ber 
bamafe fo berütimten mebijinifd^en galultät biefer ©tabt bie 
Strjneifunbe — feine 2tu«flüge in bie öerfd^iebenen ®egenben 
granlreid^«, feine ^eintfe^r, feine SSerl^eiratung u. f. tt). üben auf 
ben Sefer einen nie tjerfagenben JReij au« ^). Kic^t« anbere« 
aU eine ©elbftbiograp^ie ift ba« ©l^ronicon be« Äonrab 
bellica n, eine« 3Ranne«, ber, l^umaniftifd^ gebitbet, tvk fo 
ntand^e anbere bie geffeln ber alten ftird^e abgeftreift ^at unb 
al« ^rofeffor ber S^eologie an ber Unitjerfität S^^^ geftorben 
ift. ©eine Sefenntniffe finb ^öd^ft ergiebig unb lel^rreid^ für 
bie ©efd^id^te ber ^Reformation unb be« Übergange« au« ben 
alten 3«ftöiii>frt in i>ic neuern *). ©ie finb in lateinifd^er ©prad^e, 



S)ie 9[ufad(^nungen bed SSater« unb @o^ned pnb 1878 Don Säoo« 
in 93afel neu l^erau^gegcben toorben. 3tt t)gl. (S^uft. Sfre^tag in feinen 
S3i(bcm au« ber beutfc^n SSergangenl^eit unb ^olf in feinen Biographien 
jur Äulturgcfc^idjtc ber (Bä^toti^ IV. 1877 unb „3m neuen dttiä^" 1872, 
H 142 ff. 

«) 2)a« ^©^ronüon* ^eHican« tourbc 1877 öon©ern^orb8^iggens 
hadi herausgegeben. ^eSican (^rfc^ner) toar am 9. Sanuar 1478 ^u ^eil im 
©(^toarjmalb geboren, gebilbet ^u Qüxidi, ^eibelberg tmb Xübingen, trat 1493 
in ben grranjidfancrorben, tuurbe ®uarbian be« l^ofter« H^Ieinbafel unb $ro= 
feffor an ber UniDerfttät unb folgte 1526 einem Stufe 3^tngli« nad^ 3ün4f 
t 6. «pril JL556. 
». fBegele, 0ef(Mte ber beutfAen ^florlo0ra|)^. 19 



290 ^n'tcd ©ud), fünfte« Äapitcl. 

aber fc£)fic£)t uub anfpruc^öIoS gcfd^rtebcn, unb tragen ba^ ttJO^fc 
t^ucube (Gepräge ber unbebingten 3Sa^r^aftigfeit. 

Sieben Stufjeitfinungen biefer Slrt gelten aber noc^ ©efd^ic^t^ 
tDerte in ftrengem ©inne einher, in meieren fid^ jugleic^ bie Der* 
fc^icbencn Stic^tungen, tpeld^e bamate bie ©bgenoffenfd^aft bc* 
toegten, jeigen. Unb tDä^renb bie übertoiegenbc SRe^ria^I bcr 
fd^meijerifc^en ©efc^ic^tjc^reiber biejer 3^'^ fi^ öuf bie ©eitc bcr 
ateformation [teilen, Dertritt ber Snjerner §an^ ©alat in 
feiner „St)ronif" bie alte ßird^e unb bie alte Sibgenoffcnfd^aft^). 
©alat mar eine ftreitbare 9?atur; biefe^ fein 3Berf ^at er im 
Sluftrage ber „fünf fat^olifd^en Orte'' in ben Sauren 1511 bid 
1536 au^gefüf)rt. SDJan ^at fie too^l ali^ eine gortfe^ung t>on 
5ßetermann ©tterlinö S^ronif bejeid^net, mit bem er auc^ 
in feinem SBefen einige ät)nlid^teit aufttjeift ^). ©ie ift in träftiger 
geller 5ßrofa gefd^rieben, aber öiel ju polemifd^ unb ^eftig gc* 
t)altcn, aU ba§ fie eine reine Sffiirfung ausüben fönnte. ?[ften, 
Urtunben, glugfd)riften, münblidje ÜÄitteilungen unb eigene Sr* 
lebniffe finb verarbeitet, ber (äefid^töfrei^ ift tocit genug; bie 
©d)ilberung ber ^Reformation in ber Sibgenoffenfd^aft unb bie mit t^ 
öertnüpften Äämpfe finb it)m bie ^auptfad^e; freilid^ ift ed im 
® runbe nur bie Äet)rf eite ber S)inge, bie ttjir erhalten, ben jutreffcnbcn 
gefc^ic{)tlid^en ©tanbpunft meife er fo menig ju finben afe @ere^ 
tigfeit JU üben. S)er erfte unb legte (Segenftanb feine« $affe« ift 
3tt)ingli; afe ^iftorifd)e ^arteifc^rift unb ©timmung^bilb barf 
barum ©atatS ß^ronif, aber nur afe fotc^e«, betrachtet werben'). 

*) herausgegeben im 1. ©b. be« STrc^töS für fd^weij. 9f?cf.*®cf(^. grreiburg 
iör. 1869. 8u ögl. Dr. JR. öä^tolb, $an« Salat, ein f^tociscr e^romfl 
unb 2)id)tcr au8 ber crftcn ^älfte beS 15. Sa^^^unbcrt«. @cin Scben unb feine 
(Schriften. SBafcl 1876. Sniat war 1498 ju @urfcc im Äanton ßujem geboren 
unb ^atte in feiner Sugenb baS ©ciler^anbrnerf erlernt, fic^ bann jebocft but^ 
6elbftftubium eine l^ö^ere ^TuSbilbung angeeignet unb tourbe 1531 ®cx\difS^ 
fc^reiber ju Supern unb nebenher ^unbarjt. 1540 t>erl0r er fein Vntt unb 
öerfc^roinbet feit 1552 fpurlo«. 

») ©. oben ®. 171. 

") @etn Xagebu(^, üerf^iebene ©riefe, ®ebi4te unb eine ^^fil^Imtg Mi 
„»ruber ©lauö" ^at »dt^tolb in feiner geb. @4rift mitgeteilt. • 



^ie b. ®cf(^i((t{ci^reiBung unter b. (Stnmtrfungen b. ^Deformation. 93uQinger. 291 

SSom cntgcgcngefe^tcn ©tanbpunftc, aber um Dtcicö mifber 
unb objcftitjer fd^rieb ^einric^ SöuIIingcr feine ^Reformation^ 
gcfd^id^te bcr ©c^toeij^). 9Bic er felbft für baö ©d^idfal bcr 
^Reformation in feinem §etmatlanbe unb im befonberen für Qüxxd) 
tjon mafegcbcnbem ©nffuffc gettjefen ift, fo toar er, toie laum 
ein anberer berufen, bic ®efc^ic^tc bcrfelben in ben entfd^eibenben 
Sauren (1519—1532) barjufteaen. J)a3 SBerf ift jtoar erft 
jenfeit^ ber S^^^Q^^W» ^^^ ^i^ ^^ biefem ?lbfdE|nitte geftccft l^aben, 
cntftanben, bie Vorbereitung be^felben fällt inbed immerhin in* 
f otoeit bie^feit^ biefer Sinie, bafe tt)ir in biefem 3wfoinmen]^ange, 
o^ne ben fingen ®ett)alt an5ut^un, batjon fpredtien ju bürfen 
glauben. @i^ gel)ört o^ne 3^^^^ ä" ^^^ W\kn gefd^id^tlid^en 
arbeiten biefer ?lrt*). SBuHinger ift erfüllt t)on ber guten ©ad^e 
beö Stiangeliumö unb ein öettjunberer 3^i^9Höf öt»er einen 
leibenfd^aftlidEien S^on tt)ie ©atat f dalägt er niemate aud^ nur im 
cntfemteften an, baju ift er fd^on ein ju gebilbeter 9Äann. @r 
fc^reibt jugleid^ ate ß^itgenoffe unb 3Rit^anbelnber, überall gut 
unterrichtet t)on ben SSorgängen, bie er erjäf)lt. 3)ie politifc^e 
©eite ber tird^Iid^en 95eioegung läfet er öieHeic^t oft über bie 
@ebü{)r jurüdftreten, unb fteHt bie tirc^Iid^e in ben 9ÄttteIpunft 
bcr S)arfteIIung. S)ie ©efc^id^te ber eibgenöffifc^en ^Reformation 
bilbet ben Stammen, innerl^alb beffen ba§ SBilb ber 3üridE|er ent* 
iporfen loirb. SuKinger teilt auc^ urfunbtid^e Slftenftüdfe mit, 
toci^ jebocö jugleic^ red^t gut ju erjälilen unb fd^Iögt mit @rfo(g 
einen tjotfötümlid^en Son an, ol^ne irgenb ro^ ju werben ^). 

^) SuIIinger mürbe 1504 §u 93remgarten in ber @((toe{) geboren unb ftarb 
1575. @r toax in SXnttfc^Ianb gebilbet, fdjlog pd), aurücfgele^rt, balb gtoingli 
an unb mürbe 1529 $rebtger ^ucrft in feiner SSaterftabt unb nad^ ber (B^Iac^t 
hti Stopptl erfter Pfarrer in 8üri(^. an feine« gefallenen Srcunbeö ©tetle. 

«) herausgegeben auf iBeranftaltung ber öaterlänbif(^*^iftori|(^en ®e« 
feflfc^ft in3üri(^ in 3©änben t)on 3. 3. ©ottingcr unb §. ^. öögeli, 
grtauenfelb 1834—1840. ^tefe SDeformation^efc^ic^te bilbet übrigen« nur bie 
zweite ^Iftc eine« umfaffcnbcn HBerfeS, beffen (ni(^t ))ubli^irte) crfte ^älfte 
hk eibgenöffifd^ ®ef(^(^te t>on i^ren Anfängen bi« ^ur 9Defonnation be^anbclt. 

*) ^ie Literatur über SäuIIinger ift ^icmlic^ §a^Irei((; am audfü^rltc^ften 
Tmb @. $eg unb ^eftalo^^i in il^ren lBiogra))^ien, bsyö^ merben feine IBerbienfte 

19* 



292 ^ftc» ©u4 fünfte« SeapiteL 

Äurj cl^c ©alat feine eigenartige S^ronif in Sujcrn begann^ 
^atte im benad^barten SBern ein geborner ©c^toabe SBaleriuö^ 
Slnö^elm, genannt SRüb, au§ SRottttjeil, ben amtlid^en Auftrag 
erl^alten, eine ©efd^ic^te ber ©tabt im Slnfd^tufe an 2)iebolt^ 
©d^iüing abjufaffen, tt)ie am SInfange beö vorausgegangenen 
3aI)r^unbertS ffionrab Suftinger ju einer folc^en Deranlafet 
toorben toar. 8(niSf)eIm tpar ber rechte 3Rann ju einem foId}en 
Unternehmen, fott)ot|I toa^ Silbung aU (Seftnnung betrifft^), 
Er l)atte fic^ bereite üerfd^iebenartig in ber S33elt umgefe^n, atö 
er 1505 nac^ Sern fam unb nacf) einiger Qdt aU ©tabtarjt 
bort angefteHt ttjurbe. Sm Sal)re 1525 ^atte er biefe ©teHunj 
Verloren unb toai jur Sluömanberung gej^ungen Sorben, toeil 
er fid^ in ber S^eilna^me an ber einbringenben reformatorifc^n 
SScmegung ju toeit oorgetoagt ^atte; erft afö biefe im So^re 
barauf einen entfd^eibenben ©ieg erfod^t, ttjurbe er burc^ bie 
gürfprad^e 3^*^9^i^f ^^^ loetd^em er fd^on langer in bc* 
freunbeten Seäiel)ungen ftanb, jurücfberufen, aber nid^t me^r in 
fein früheres 9tmt, fonbern mit ber Seftimmung, bie Don anbcren 
begonnene ©efd^id^te ber ©tabt fortjufelen. S)iefer ?Iuftrag ift 
i^m nid^t jufäUig geworben. §atte er boc^ fc^on frfi^ an 
einer fompenbiöfen 3BcItgefd^id^tc in tateinifd)er ©prad^e gearbeitet, 
bie er fpäter ju Gnbe geführt unb in ben S)rudE gegeben ^at*)- 
S5ie Urtjeberfd^aft ber ©d^rift über ben berüd^tigten je^erifc^en 
§anbel (au§ bem 3. 1509) \)ai if)m DermutungSttjeife @. ^. öon 



qIS ©iftorifcT \)icx überall nur fummorifc^ gcmürbigt. Cgf. ouc^ \>. fallet 
0. a.D. II, 336. 550—560, m aurf) U, 160—162 öon ©uatngcr« Ephe- 
merides btc 9{ebe. ^g(. anc^ Eugen Secretan, Biographies Soisses I, 
373 ff. unb ©c^cnfel in ber Q^Ianger tbcol. 9iealencQcIo))äbte s. h. y. S$oa 
)6uIIinger e^ftiren auc^ ein paar fletnerc ^iftorifc^e arbeiten, bie txnmttlfi^ 
mit feinen @tubien über bie ältere &z\(ij\dj\c ber @ibgenoffenf4aft jufaminen* 
l^ängen. 6. gretburger S)iö5efan*?lrc^iü (1874) XII, 204—228, »o ^f. 
Äönig bie ©fijjc einer „®efc^i(^tc 91llemannien8" tjon ©. ©. mitgeteUt fyiL 

») @. ^aleriuS Sln^^elm unb feine S^ronü. @in Vortrag üon Dr. C 
»loefc^. »afel 1881. 

*) @ie ift in 9(nd^elmd ^obe^ja^rc erfdiienen. 



'^ieb.®e{(^id^tfd^reibttng unter b.@mmirrungenb.9^eformatton. SS. 9(nd^elm. 293 

fallet jugcfd^ricbcn ^), boä) mufe baö, ba ein frü^ercg S^wgntö 
fe^It, ba^tn gcfteHt bleiben. 3n feiner ©tabtd^ronif bel^anbelt 
•er ben in ijragc fte^enben ©fanbal aUerbingS mit au^reid^enber 
^nfd^aulic^feit. 3)ie Stironif erftrecft fid^ t)on ben Slnföngen ber 
©tabt bi^ in bie SRitte be« 3al)reg 1526. Drigineü! ttjirb fie ba, 
tpo 3)ieboIb ©ci^iHing aufhört, boci^ ^at er auci^ biefem nid^t 
blinblingS nad^gefd^rieben. Slni^l^elm f)at fie bann nod^ big jum 
3af|re 1536 fortgefe^t, ol^ne aber biefen Slbfd^nitt in gleid^em 3Ka§c 
fertig ju fteQen. ©o ift biefer benn auc^ bei ber SSeröffent^ 
lic^ung be^ SSäerfeS au^gefd^Ioffen geblieben, obtt)ol)I er gerabc 
bie (Sreigniffe ersäuft, beren QcnQt Stn^^elm felbft gettjefen ift 
unb bie für 95emg ®efd^id^te in biefer 3^it bie ttjid^tigften finb*). 
®ie S^ronif felbft ^at t)or toie nad^ il^rer SSeröffentlid^ung ^ol^e 
3lnerlennung gefunben unb öerbient fie ol)ne 3^^ifrf- S)er 
Söerner 5Rat ^atte bem SSerfaffer fein 9lrd^it) 5ur SSerfügung ge* 
f teilt unb fid^ bemüht, i^m aucf) ba§ t)on 3ö^i^ ^^^ Su5em 
.jugänglid^ ju madEien. Sin entfd^Ioffener greunb ber SReformation, 
-ergreift Stnö^elm ipolitifd^ ttjie fird^Iid^ Partei, jebod^ in einer 
«bleren unb anftänbigeren SBeife atö ©alat bieö öon feinem 
<Stanbpunft auiS get^an l^at. ©eine iperfönlid^e 9lnfd^auung 
fommt oft lebl^aft genug jum SSäort, aber e^ ift ber ernft^afte 
iBeobac^ter ber Qdt, ber ju unS fiprid^t. Über bie ungel^eure 
Ärifiö, in beren 3Ritte er ftel^t, ift er fid^ tJoUfommen flar unb 
fiegrüBt in il^r bie Qdäfen einer neuen l^elleren Qdt S)ie ?[n* 
orbnung bei^ ©toffeö ift überfid^tlid^, bie gorm aQerbingg nid^t 
öberaQ mufter^aft, bod^ tJoQ anfc^autid^er Sebenbigfeit , in ber 
iBel)errfd^ung ber 3Butterf:prad^e fann er fid^ freilid^ mit einem 
IWanne tt)ie fein greunb 3oad^im tion SBatt ttjar, nid^t meffen. 

SßJenben tt)ir unö t)on SBem norbttjärt^ nad^ 95a fei, fo 
treffen toir in biefer ©tabt auf fein ©efd^id^t^ttjerf äl^nlic^en 



») »ibliot^ef ber ©c^toeijer ©ejc^id^tc. 3. ©b. Sftx, 37. @. 17—18. 

«) S)ic (Sf^xonit blÄ 1526 tourbc in ben 3aT^ren 1825—1833 bur* 
Q. Stteler unb 3. 9^. ^^g in 6)6änben herausgegeben. Über htn un< 
^ebrudt gebliebenen Xcll f. ölo^fc^ a. a. 0. @. 37—38. 



294 <^tc8 SBu4 fünfted ^opiteL 

SBcrtc^ , f otocit an geiftigetn Seben unb ^Pflege ber 3Siffcnfc^aft 
biefe ©tabt auc^ öorauö ttjar. 3)ie gribolin Si^ff äugef^ricbenc 
ß^romf (1514—1541) befd^ränft fid^ tocfentUd^ auf bie ©rjä^Iung 
ber ©reigniffc, bie fic^ in ber ©tabt ober ber ®egenb öon Safel ju^ 
getragen ^aben, entferntere Vorgänge werben nur in fotoeit bcrütjrt, 
aU fi(^ in ber ^eimat il^re Stücftüirfung toerfipüren läfet. S)er 
SSerfaffer toar offenbar ein fd^Ud^ter Sanier SBürger öon geringer 
allgemeiner Silbung, aber ein toarmer Sln^önger ber SRefonnation, 
unb fein Seric^t ift gtaubtoürbig, fo ttjeit er fetber fe^en tonnte. 
S)ie ©etoatt ber ©egenfä^e, tpeld^e bamafe in ber ©ibgenoffcn* 
fd^aft mit einanber rangen, mad^t fid^ übrigen^ aud^ in feiner 
anfprud^Iofen S)arfteIIung t)emel)mbar^). ©in ®egenbilb bietet 
bie S^ronif beä Äartpufer Älofterö in Äleinbafel, bie ben 
öruber ®eorg Si^^w^^i^wi^tt^ auö Srugg jum SBerfaffer ^at, 
unb bcren Sn^att afe ©rgänjung ber ?iad^ri(^ten öon ber anbeni 
©eite toiQfommen gef)eifeen toerben mnfe^). 

Um nun toieber in ia& 9ieitf) jurüdEjuje^ren , galten toir 
junäd^ft in ©djmaben unb im 6t] afe Umftf)au. S)ad ©Ifafe. 
nimmt in ber ©eftfjidjte unferer §iftoriograp^ie im SRittelalter 
unb in ber 3cit beiS ^umanii^mu^ einen fo auögejeid^neten ^la^ 
ein, bafe man aud^ für bie ©poc^e ber 9ieformation ä^nlic^ 
ertDarten möd)te. S)iefe ©rtpartungen bleiben nun freiließ jura 
größeren 3;eile unerfüllt. 3)afe ©leiban l^ier fein beru^mte^ SSerf 
gefc^rieben unb fo fc^reiben tonnte, toie eS öor un^ liegt, gcreid^t 
bem Slfafe unb feiner ^auptftabt aUerbingiS jur ®^re, aber für 
unfere je^t nä^er tiegenben Qtotdc gibt bicfe 3;^atfad^e bod^ nur 
tnenig au^. 3Kit anberen SBorten, für bie (Stfäffer ßanbe** unb 
Sofalgefd^id^te ift toenig gcftf)ef)en. 2luc^ ÄaiSpar §ebio, ber 



») 6. ©a8Icr G^ronücn, 1. ob. ßei^gigl872. (^rauSgcgebcn üon Ä 
SSif^cr unb 3llfrcb @tcrn.) 

«) öbcnbafclbft @. 359 ff. 2)cr Xitel ift: „Narratio reram, qiiae reforma- 
tionis tempore Basileae et in circumjacentibus regionibus gestae sunt, anctore. 
fratre Georgio Carpentarii de Brugg CarthasieDsi'S bie 3a^ce 1518— 2B 
umfaffenb. 



^ieb.@)ef(i^i(^tf(^rei6uttg unter b.Sintottfungcnb.Stefonnation. SJ^.SBerler. 29Ö 

^ier lebte unb ftd^ t)tel mit gefci^id^tlid^en Arbeiten befd^äftigte, 
fefete fid^ anbere, ttjenn man toiü, f)bf)exc Qidt^). Sn bem erften 
Sa^rje^nt ber 9ieformationgepodE)e (ätüifc{)en 1520 iinb 1530) 
f d^r ieb SKaternu^SBerter feine 61) äff er S^ronif ^. ® eboren ju 
atuffad^, \)at er bie ©d^fettftabterfc{)ule burd^gemad^t, ttjo^iero* 
n^mug ®ebtDiIer fein Se^rer gemefen ttjar, unb ftarb tvxt 
c^ fd^eint balb nad^ 1555 afö 5ßfarrer in ©eberdlpeiler. Äird^tid^ 
toie national fte^t er ungefafir auf bem ©tanbpunfte Don S33tm^ 
pl^cling, beffen ®efd^id^te ber 95ifc{)öfe oon ©trafeburg, toie für 
bie frül^eren Sa^r^unberte ben Äönig^^^ofen, er forgfältig benu^t 
f)at. Um bie S5ifc{)öfe gruppirt fic^ aud^ feine S)arfteßung, bic 
freilid^ nid^t bie glüdtid^fte ift. gür bie ®efc^i(^te be^ Slfaffeä 
in ber Qcit ber SJurgunberfriege, überhaupt be§ 15. Sal^rliunbertö, 
bietet fie jebod^ fd^ä^bare^ 3RateriaI, baS nur leiber aüjutoenig 
verarbeitet ift, ba^er fie auc^ fo oerfd^iebene ^Beurteilungen er* 
fal^ren ^at^). 

S)ie ®efc^id^te ©d^toaben^, genauer gefagt SßJirtembergö, ift 
in biefer ©pod^e toid^tig genug, ^erjog Utric^, bie ^Reformation, 
ber Sauemfrieg — man ^ötte Vermuten mögen, fie ^ätte jumal 
traft beö befannt lebhaften ^eimatSgefüf)feö biefeS SJott^ftamme^ 
in ber ©efd^id^tfc^reibung i^ren entfpred^enben Slu^brudE gefunben. 
®ie^ ift jeboc^ in nur geringem ®rabe ber gaU. 9Jon griebric^ 
©tumpl^artd Don Sanftatt Stjronif *) unb einigen anberen für5eren 
?lufjeic^nungen abgefe^en^), finb e^ bie ßl^ronif be^ ©tuttgarter 

») @. oben @. 240. 

<} @. Code de la ville de Strassbourg n, 2. SBgl. über t^n Staxl 
$ e g e I in ber Einleitung ^u ben ©tragburger ^ronücn. (@täbtec^onif en 
Ym, 67.) 

») ©erler ^ot bo« »crbicnft, imÄIofter 9Warbo(^ bk VitaLeonis IX 
papae aufgefunben ju ^aben. 

♦) ©tumpl^ort tüor SSogt in ©ittingcn. 6elne ^ronif bei (Sattler, ©irt. 
®efd^. n. »eil. ^v. 21 @. 30 ff. «13 etum^l^art» ^auptqucffc ergibt [xd} ber 
©eric^t über bed ,,bb(^BbIi(^en f(i^mäbtfc^en©unbed$eeraug" (Boecking, Hutteni 
Opp. III, 567). ©gl. Ulmonn, fünf Qa^re ©irtemb. ®efc^i(^te unter S^erjog 
mri(^ (1515—1519). fieipsig 1867. 

8) 3)ie gfleimt^roni! über ©erjog Ulriti^ ^at (Sb. ö. ©edcnborf (1863) 
)um erftenmafe l^auSgegeben {in ber 74. ^ublifatton bed iUxt ©ereinS in @ttttt« 



296 GrftcS »u(^, fünfte« ^apiitl 

SRatö^entt ©ebaftian Äfing unb bie jtoei Sudler 3o^. ^ebiug 
3;]^etin9crg über bie ©efd^id^te beS ^erjogS Ulric^, bte ^ter 
l^eröorgelioben merben muffen. ÄüngiS (S^ronif l^at bte®efc^id^te 
ber ®rafen unb ^er5ogc t)on SBirtembcrg jum ©egenftanb, ei> 
ftrecft fic^ bi§ jum 3a^re 1561 unb tft für bie crftc §alfte beö 
16. Sal^rl^unbertö öon 3Bid^tigf cit ; fie liegt nod) ungebrucft, tft 
aber Don Späteren mel benügt toorben^). S^etinger^ SBerl ift 
am betannteften geworben; eö ift in lateinifd^er ©prac^e unb 
ättjar in ^rofa unb in SBerfen gef (^rieben *). S^etinger ^at längere 
3eit an ber 5ßartifularfd^ute in greiburg i. ör. gelehrt unb ift 
im Saläre 1558 geftorben^). @r berichtet über U(ri^^ Sugenb, 
^od^jeit unb ben erften Slufrul^r miber i^n, feine SSertreibuug unb 
enbli(^e SBieber^erfteßung. S)oc^ ift jumal feit ber Sefd^rcibung 
ber gluckt Utric^g gegenüber ber ^eereömad^t beg fc!^tt)äbifc^en 
Sunbeg 3;i^etinger^ ©taubtoürbigfeit nid^t immer gefid^ert unb 
gereicht e^ it)m nic^t jum SSorteit, ba§ er bie (Sefc^ic^te mit bec 
Sefd^reibung beg 2anbe^ aSirtemberg beleben n?ill. S)er poctif^ 
btbaftifc^e Smd trübt ben ^iftorifd^en , mie e^ feinem ganjen 
Silbung^gange gemäfe erfd^eint*). 9luc^ bie ©tabt, bie man 
nac^ wie t)or aU geiftigen mie poUtifd^en 9ÄitteIpunft ©d^toabend 
betrachten burfte, tüenn fie aucf) an ber äufeerften 5ßerip^erie bc^ 



gart). @ie gehört in ber t^orliegenben ®eftalt, ba fte über UIri(^i^ 3^tt ^tnauS« 
reicht, ol^ne 3^cif^ einer fpäteren 9tebaftton an. $gl. im übrigen anä^ 
^. $faff, bte CueHe ber älteren kuirtcmb. (^ef(^tcbte unb bte ältefte ^ßtnobt 
ber tüirtcmb. ^iftoriograp^ie. Stuttgart 1871. 

») @. ©tälin, ®efc^. öon ©irt. IV, 1, 1. Äüng, geboren lbl4, fhirb 
1561. @d toiU, und fc^einen, ald !5nnte in SBirtemberg ber Sammlung unb 
Unterfuc^ung ber CucKen ^ur ü^nbe^efc^ic^te ein größerer @ifer jugemenbet 
merben, ald bieg bi^^er ber f^aU mar, Don ben Urhtnben abgefe^ 

*) Commentarius de Würtembergiae rebus gestis ülrico principe. — 
Wirtembergiae libri duo, quibus Huldrichi ducis res müitiae domiqne 
gestae carmine delineantur. 

») ©(Treiber, Oefc^. ber Unioerptät Sreiburg II, 159. 

♦) SSgl. SRonfe, jur Ihiti! neuerer (SJefrfiic^tft^reibcr. «bfc^nitt VL — 
Qkbvxdt ift bie i^äl^lung Si^etingerd in beiben ®eftalten bei Sd^arb 

SS. n, 31 ff. 



^Ic b. ©cfd^td^tfc^rclbung unter b. (Stnmirfungcn b. Ü^efonnation. @(^cutI. 297 

fclben lag, [2(ug§burg, {)at in biefer 3^'^ «i^*'^ narnJ^afte^g 
unb fertiget für bic ®e)d^ic^tfc|reibung l^ertiorgebrad^t^). @rft in 
ber näc^ftfoIgenbcnSpod^c ipcrben tt)ir ttjicberSinigc^ auöjujeidönen 
l^abcn ^. 

©ud^en ipir nun öon l^ier ben Übergang naci^ bem 9?orben 
ju gcttjinnen, fo l^alt unS aud^ bcr bebeutenbfte Ort Dftfranfenö, 
nömlicf) 9?ürnberg, nid^t lange auf. S)ie ©tabt erfreut fid^ 
aUerbingS nod^ i^rei^ frud^tbaren ®ebeif)eng, aber baö ®ef(^Ied^t 
ber ^irf^eimer ipie ber S)ürer ge^t auf bie Steige. S)er SRat ^ölt 
jtDar fein Slrd^it) in ntufter^after Orbnung, lä^t bie öriefbüd^er 
umfid^tig fortfe^en, öon jebem erl^eblid^en §anbel, in njeldEien fie 
öertDicfelt tt)irb, bie betreffenben Slftenftüdfe forgfältig fammeln, fo 
j. 95. über bie ^e^be mit ®ö^ öon 93erIidE)ingen, bie ®rumbad^ifc{)en 
^änbel u. bgl. — Slftenfammlungen, bie freilid) leidet einen ^öl^eren 
fad^Iid^en SBert l^aben ate fo mand^e erjä^Ienbe ©arfteHung — , 
aber bie eigenttid^e tjiftoriograp^ifc^e 3;^ätigfeit gerät in ©tiQftanb. 
S)er einjige (Sl^riftopl^ ©d^eurl, bem mx bereite einmal be= 
gegnet finb '). ift etma l^ert)or5u^eben ; er t)at fid^ mit Umfid^t unb 
ntd^t o^ne SKet^obe mit geneafogifc^er Slrbeit befc{)äftigt unb un^ 
bie ©efd^id^te feinet eigenen ®efd^Ied)teg , bie mit feiner 9(uto= 
iiograpl^ie fd^tiefet, ttjirflid^ auögefü^rt*). 

*) 3)o8 „©^remocr!" ©. @. Sruggcr« fällt nur mittelbar unter bie in 
S^ebe fte^enben d^eftc^td^nrntte. 

') ^o(^ lebten bantold in ^ugdburg mehrere ^umanifti{(^ ^o^ebUbete 
unb au(^ t^ätige, htm ^5^eren J^Ieruft angel^örige 9lbelige. @o^onrab9lbeI« 
mann Don ^belmanndfelben, ^ugdburgcr ^om^err, ber mit ^euc^Itn, 
^ummelberger unb ©palatin !orref))onbirte, geft. 1577. gfemer: ^at^äud, 
^arfc^aUDonlBtberac^unb $a)>))en^eim, berfelbe ^ugdburger ^om« 
^err, ber über fein eigene^ @lef(i^(e(^t n^ie über bad ber Ferren üon ©erolbded 
unb ber S^rud^feffen t)on %Sa(bburg je eine @(^rtft ^interlieg. (ßt n)ar aud^ mit 
91üentin na^e befreunbet.) 92o(^ Derfc^iebeneS anbered ®ef(^i(^tli(i^ed ]§at er 
t)erfa^. SSgl. Fr eh er SS. I unb fßtit% Bibliotheca Augustana 11. @eine 
(Schrift über bie 2^ru(Qfeffe bon SB. ift bie mertüoEere. 

«) @. oben ®. 239. 

*) @. St. ©egel» (£in(eitung ju ben 9hlmberger G^ronüen (Stäbte* 
d^ronüen I, 85 Änm. 1). ^on biefen genealogifc^en ©tubien @<^eurld ift jeboti^ 
ni(^td l?er5ffentli(^t. 



298 ©rftc« md), fünftes ^opM. 

©ie ©efd^id^te beö ^oc^ftiftö Samberg ift auc^ jc^t brac^ 
liegen geblieben, bagegen erhielt baö t)on 3Birjburg in 
Sorenj grieö einen (Sefd^id^tfdjreiber, beffen äBert auf lange 
3eit ^inau^ bie 9fuffaf)ung ber SBit/iburger ©tiftögefdjid^te bc» 
t)errfd)t f)at^). 9Son §auö ber Ijumaniftifd^en ©d^ule angc^örig, 
rvax er üor allem ein Seujunberer 2t Dentin^, beffen nationolcn 
©tanbpunft er boßfommen teilt, o^ne i^n freilid^ folgerichtig 
bnri^jufül^ren. Stm ^öc^ftcn ftet)t i^m jule|t bod^ fein ^oc^ftift, 
für \vdd)c^ er öon tiefer ^ietät burd)brungen ift. S5er offiiiöfe 
S^aratter feinei^ 3Serfeö gereid)t bemfelben in ber %f)at auc^ 
nid)t burd^meg jnm Sßorteil. ©inen fritifd^en Äopf fann man 
ü)\\ nid^t nennen, obrool^l beig 3;rit^emiu§ ^^antafteftüge i^ 
öftere Sebenfen unb 3^^i^^ erregen. ®r arbeitet mit SBorltebe 
Qud) mit Urfunben in ber 3lrt, ba§ man ^äufig üerfudbt tDtrb, 
eine fonft unbetannte ^iftorifd)e Cuelle bat)inter ju t)ermutcn. 
9Sün ber 3)fitte beiS 15. Saf)rt)unbertö angefangen fteigt ber ftoff* 
li^e 2Bcrt be^ Suc^e^. e§ reicht biö 1495; bie beabfic^tigte 
gortfe&ung ift nur im Gnttuurfe üor^anben. S)a£t formale SBer* 
bienft ber 6t)ronit ift nid)t ^u unterfd)ügen. grie^ l)anb^bt 
bie beutfd)e ©prad^e, für bie er überhaupt lebt)aft füllte, in 
origineller !räftiger SBcife^). 2lud) bie ß^arafteriftif einjelncr 



') W ©effnciunbÜteuB, S.5ric8, ber ®ef c^ic^tf (^reibet Oftfranfcn«, 
SBirjb. 1853, meine öcfdiic^tc ber Untücrfität SBirjburg, ©. 64—66 unb bfe 
Ä. 2). löiogrop^ic s. h. v. iJ. grie«, im Sa^rc 1491 ju SJlergcnt^cim geboten, 
wanbtc ftc^ mit ®rfo(g bcn l^umoniftifc^n 6tubien }u unb befugte bie ^odK 
ft^ulen in ficipjig, SBtcn unb SBittenbcrg (1518). 3n feine C^eimat jurütf' 
gefehlt, trat er in bie S)ienfte bcd ^tr^b. S. ^onrab UI. ald ©e^imfc^ieiber 
unb 9iat. (£r ftanb an ber 8|}i^e bed bifc^üflic^en $(rd)iDd unb bei Itan^ 
unb ^attc an ber Leitung ber 8taatSgefc^äfte mefentlic^en ^nteiL d^ fuub 
am 5. ^^embcr 1550. @eine Sl^ronif ber ^tfc^öfe t)on SBtrjburg ^at )Sttbe»tg 
in feinen ®efc^id)tfc^reibern Dom SBidtum ^Sir^burg (Srronffurt a. 3R. 1713) in 
einem frcilid) red)t inforretten Xe^e l^eraudgegcben. fß^l and^ bie (j^tnleitiutg 
ber Herausgeber feiner ü)eft^id)te beS ^aucmfricged in Dftfranfen, unb aber 
au(^ bie ^orrebe ^. &,'o. (Scf artS ju feinen Commentarii Ber. Franconiae 
orientalis. 

') (^einc ^c^rift über ben 93auemfricg in Dftfranfen l^obcn »ir beseitt 
weiter oben berührt. — 3n ä^nlict)er $(rt, mie ben ^auemfrieg^ ^ ein Qäu 



^ic b. (S^efc^td^tfc^Teibg. unt. b. (Stnwirfungcn b. ^Reformation. Hubert X^omad. 299 

SJBürjburgcr Sifd^öfe ift tl^m üortrefflid) gelungen. @o gcl^brt 
fein SßJerf o^ne B^^^M i^ ^^ öcrgteid^ungöttjeife befferen ©e- 
f^idtiten geiftlicf)er Sanbe in jener 3^^*- — SSon ben SReid^igftäbten 
Dftfranfen^ i)at ©d^tt)ä6ifd^=§all einen S^roniften in ber ^rfon 
beS SÄ. So^anncÄ ^erolt erl^alten. ber mit bem an^'' 
gefprod^enen 3^^^^ jd^rieb, junöcfift feinen ßinbeni Siebe jur 
^eimat einjuflöfeen. S5a^ befte an feiner Slrbeit finb bie WliU 
teilungen über bie SSorgänge, bie er felbft erlebt \)at, toie ber 
SSauernfrieg u. bgl. ©ine tiefere gelehrte Silbung befafe er 
itic^t. ©eine ß^ronif reicht bi^ 1541, bjtt). 1548 ^). 

3n ben politifc^en tpie fird^lid^en SBetüegungen ber SRefor* 
mationigjeit nimmt bie SR^einpfalj nidE)t ben unterften ^la| 
ein. Snbeg fließen bie l^iftoriograp^ifd^en Duellen tro|bem ^öc^ft 
bürftig: über bie inneren S^^ftä^^^ fi"^ ^^^ fogctr auf biefem 
SBege f)BdE|ft mangelf)aft berichtet. Um fo begieriger greift man 
ju ben au^fü^rlid^en Slufjeid^nungen ^ubert %f)oma'^ tion 
Süttic^ über ba§ Sebcn unb bie 2;i)aten be^ ^ßfaljgrafen unb 
fpäteren Äurfürften grtebricfi IL, bie öon it|m in lateinifdjer 
©prad^e gefd^rieben, fd^on frül) in^ S)eutfd^e übertragen unb in 
unferem Sal^rl^unbert nod^ einmal tt)iebert)ott toorben finb ^). 

flenoffe gricfcnS, $cter 9(nbr. ©larmau, ^.wlrjb. 9fJat^f(^rcibcr unb 
©cfretär", ben fog. ^cffenfrieg bef(^riebcn. 3)oÄ Äutograp^ bcwol^rt ha^ 
t £rctöar((ik) in ^tr^burg. 

*) ^eroItÄ On^ronif ^at ©c^ön^ut^ int 3a^rc 1855 ^croudgcgcbcn. 
©crolt ttjor ju Arnsberg (bei @cöw.*&att) 1490 geboren, fhibirte in 2:übingcn, 
würbe 1514 Pfarrer in feinem ©eburtSort, f(^lo6 Rcft aber fpdter ber SRefor* 
motion an; geft. 14. ißobcmber 1562. iBgl. übet i^n 93of fcrt in ben ©irtcmb. 
SSicrtcIiol^r«^eftcn für ßanbe8gef(bi(^te , IV. 3a^rgang (1881) 4. ©eft. (^att 
gehörte notorif(^ gu Oftfranfcn unb ^ot bie auf Sditoabcn »eifcnbc ©ejeic^nung 
nur banl einer falfc^en ^raji«, burd^ welche eÄ öon ^aUt in ®a(^fcn unter* 
fc^ieben »»erben foUte, erhalten.) 

«) ^r ©ef^Iet^tSnamc be« SSerfofferÄ ift bur(f| feinen Scinamen Leodias, 
„au» öüttic^", feiner SBaterftabt, na^cju oerbrängt roorbcn. ©eine Annales de 
vita sc. rebus gestis . . . Friderici electoris Palatini erfd)icnen ^ranffurt 1624. 
3He erftc beutfcfic Überfcjung ftammt au3 bem Qa^rc 1628 unb fü^rt ben Sitcl: 
,,@pieget be« §umorS großer Potentaten''. ®buarb Oon ©üloto ^at 
fie — mit KuÄna^me be« 1. öud^eÄ — in neuerer S^it in erneuter beutfc^er 
S3earbeitung erfc^einen laffen. 



300 ®rftc^ mdi, fünfte« BapM. 

3Bir f)a6en biejen 9J?ann afö beit SSerfaffcrö cinc^ Scri^te^ über 
grauj t)on ©icfingenjg Äataftropl^e fd^on einmal genannt*), 
©einen Slnnalen fommt in ber Siteratur beutfc^er ©enhiJürbig* 
feiten — benn baö finb fie int (Srunbe — ein ©^renplag ju. 
(£r lüiü junäd^ft jmar nur bie ©djicffale feinet gürften fc^ilbern, 
er f)at an biefen jebocf) äugleid^ tpefentlid^en unmittelbaren Stnteil 
unb lüar in hcn abenteuerlid^en Äreuj^ unb Duerjügen, bie bie 
^faljgrafen burd) I)üI6 Guropa führten, ber ftänbige ^Begleiter 
unb oft Berater be^jelben. Sßon 9?atur forgloö unb Ieid)tfinnig, 
ein grünblirf) mifebraui^tcg Dpfer ber fpanifc^sliabi^burgifc^cn 
^DÜtit, ift ber ^ßfaljgraf erft fpät jur ^errfc^aft unb furfurft* 
Iid)cn Söürbe gelangt, ©r f)at ber (£infüf)rung ber Sieformation 
in ber ^ßfalj vorgearbeitet unb fid^ burd^ ben ©roH beö fiaifer« 
nic^t cinfc^üd)tcrn laffen. S)en anjie^enbften S^eil feinet Scben^ 
bilben aber feine Srrfa^rten unb ^^öufc^ungen , oon »eichen 
§. 2^t)oma§ ein reijenbeö ©emäfbe entwirft*). S)iefer toai 
übrigen^ nid)t blofe ein guter ®efelle unb treuer S)iencr feine« 
4^errn, fonbern jeic^nete fid^ jugleidE) burd^ ad)tbare Äenntntffe unb 
literarifd^c ®eioanbt[)eit au§. Unter bem SRac^folger griebrid^« IL 
in ber furfürftlidjen SBürbe, Otto ^einric^ (1556—1559), 
entfd)ieb fid^ bie Ginfü^rung ber ^Reformation in ber ^ßfalj*) 
unb öerfpürte in biefem 3i^f^"^^^"f)^^9^ namentlid^ au6) bie 
Uniöerfität ^eibelberg feine fc^ü^enbe §anb. Dtto ^einrid^ mar 
ein gebilbeter gürft. ©eine lünftlerifd^en toie miffenfd^afttid)cn 
Steigungen finb befannt; nodE) aU ^Pfafjgraf tion SReuburg ^t 
er in ber gorm eine^ ^^agebudje^ ?lufjeid^nungen gemacht, bie für 
bie ©efdjic^te be^ Sauerntriegeö öon Sntereffe finb*) unb fpfitcr 
Ijat er baö unftäte unb faft abenteuerliche Seben feinet jüngeren 
öruberö, beg ^falsgrafen ^Ijitipp bef (^rieben*). S)ie für bie 



*> 6. oben ^. 244. 

«) SBgl. S. S äußer, ®cfrf)ic^tc ber r()cimfrf|en ¥falj. t 563 ff. 

3) $)äu6cr, a. a. 0. I, 630—649. 

*) @. oben @. 245. 

^) @. 3Äofer, ^otriotiic^e« «Irc^io. IV, Iff. 



^(c b. ®cf(^t(^tf4reibung unter b. (Sinipirtungcn b. 9?efonnatton. ^. Sau je. 301 

l^umaniftifd^c SBiffcnfd^aft fo fruchtbaren Qdtm beö Äurfürften 
$^ilipp I. !onntcn freilid^ nid)t toieberfe^ren*). 3)er pfäljiic^c 
?ßatriotiömu8 , bcr feit bcn %a^m be§ fiegreidien Surfürftcn 
griebrid^ I. nadi^altig gctoerft mar, \)ai enblidö anä) bcm SSruber 
SWcIant^on^, ©eorg ©d^toarscrb, feine üon 1536—1561 
reid^enbe pfäljifc^e SReimd^ronit bütirt, bie un^ in f^Iic^ter, un- 
parteiifd^er SBeife über bebeutenbe unb unbebeutenbe Sreigniffe 
ber 3^^^ unterrid^tet^). 

93on ben beutfd)en gürften eüangelifd^eu SSefenntniffed ^at 
neben ben Gmeftinem ber Sanbgraf t)on |)effen, ^fjitipp, ben häf^ 
tigften @inf(u6 auf baö ©d^idffat ber Sieformation ausgeübt. Sr 
i)at benn auc^ einen, feiner SSebeutung nid)t untüürbigen Oef^id^t« 
fc^reiber in 33Biganb Sauje gefunben. 3)effen t)effif^e G^ronif 
^olt tüeit QVL^ unb fü^rt un^ in annatiftifc^er gorm t)on 9ioat) 
big auf ben ftarfmütigen Sanbgrafen. 2)er erfte leit ift, toaS 
!aum ju bebauern, ungebrudtt geblieben, ber jn^eite befc^äftigt 
fid^ augfc^Iiefelid^ mit ber ©efc^i^te ^t)ilippö^). fiauje toar 
I)umaniftifd^ gut gebilbct unb jugleid^ njarmer ^effifd[)er Patriot. 
S)er jUjeitc S^eil feinet 33Berfeg ift eine toid^tige Duelle für bie 
3eitgef^id^te, ber SWittelpunft berfelben ber Sanbgraf. Gin Äunft^ 
toerf ift eg nid^t, aber t)on iöo^ttt)uenber 3Bärme befeelt unb a\x^ 
l^altbarem äWaterial aufgebaut. Ob ^^ilipp ju ber Gntfte^ung 
ber ©d^rift irgenbtoie Slnftofe gegeben, muß bal)in gefteßt bleiben ; 
baß i^n bie 2)arfteQung ber ^citgefc^id^te unb fein Slnteil baran 



') @. oben @. 45. 

«) Sic ift öeröffcntli^t oon ©ürblnger im i^cuburfler Äott.-SIatt 
»b. 42. 

») @. öeitfdirift bc« S3ercin« für ^cffifc^c QJcf^. unb §lttcrtum8funbc. 
2. Supplement, 1. u. 2. %L Äaffcl 1841 rcfp. 1847. — fiouje toav ca. 1500 
in ipomburg i. $i. geboren, in (Srfurt unter (^oban ^effe unb k^ieüeid^t auc^ 
^riciud (Morbus gebilbet, unb fonb bann in feiner ^atcrftabt eine Stellung. 
(&x fd^eint balb nad^ 1561, in welchem Sa^re er feine S^ronif befc^Iog, geftorben 
ju fein. ^gl. Sc^minfe, Monum. Hass. IV. unb i^enj in ber ^. ^. l6io« 
gra|)^ie b. h. v. 



302 CSrftcS 33 u^, fünfte« Äapitcl. 

liiert gleid^giltig liefe, ift ja 3;^atfad^e unb ^abcn loir in einem 
gaUe baüon ju reben bereite SSeranlaffung gehabt ^). 

©c^on jefet toirb fi^ unö bie SJBa^rne^mung aufgcbrungcn 
^aben, bafe, ipie bie ®efc^id)tfd^reibung äbert)aupt, fo bie fianbe** 
gcfd)icf)tc im befonberen in biefcr 6pod)e in beträc^tlid^ ^ö^erem 
®rabe in ben ©ebieten ber neuen fie^re aU in jenen bcr alten 
Äird^c gebeizt, ober t>a^ Sebeutenbe^ nur jentfte^t , too fte i^re 
Ü)Jotit)c auig ber neuen aufteimenben SBeltanfd^auung fd^öpft, tpie 
5. Ö. bei 9tt)entin bieö in fo augenfälliger 233ei)e ber gaU ift 
©ü mochte eö fid^ erflären, bafe, menn tüir bie ^falj auöne^men, 
bie Sr^ftifter t)on ajfainj, Srier unb ßöln, jum größten "Jeile auc^ 
Sföeftfalen unö biefe^ 9)Zat faft ganj üerarmt entgegen treten. 
Selbft bie SKiebcrlanbe ipeic[)en in ganj auffaßenber SBeife jurüi 
obiDoljI eö gerabe ^ier an ber treibenben Äraft ber ©egenfajc 
unb auc^ ber SJilbung nid)t fehlte. SJJur grieölanb tritt jeft 
in ben Äreiö ber ®eic^id)t]cf)reibnng ein, näf)er bejeic^net Cft« 
frieölanb, ia^ ju biefer 3cit ja befanntlid^ noc^ feine eigenen 
gürften ^atte. 2)er ältefte unb bebcutenbfte oftfriefifi^e ©^ronift, 
©ggerit Seninga, ber Slu^gang^punft unb bie (Srunblagc 
ber gefammten fpäteren ®efd}ic^tfd)reibung ift eö, mit toelc^em 
tüir eö t)ier ju t^un Ijaben^). öeninga (geb. 1490, geft. 1562) 
gel)ört ai^ Häuptling Don ©rimerfum bem Slbel be^ fianbc^ an 
unb I)at fein 3Berf erft in ber legten Qät feineö ßcbenö au^ 
gearbeitet. (Sin Saie, tvk er loar, oline geleljrte SSilbung, untere 
naf)m er feine Sl)rünif auö Siebe ju bem Sanbe feiner ®eburt, 
blieb aber für bie 2)arfteIIung ber ®e)d)id^te be^ SWittelaltcr^ Don 
fetunbären Dueßen aller 2lrt abhängig, bie er fompilirenb unb 
o^ne tritifd^e^ Urteil au^fd^reibt. 2)agegen gibt er feinem 98erfe 
bnxd) bie ©inüerleibung üieler Urfunben einen unüerfennbarcn 



>) @. oben ©. 225. 

«) SS9I. Xjcbcn, gelehrtes OftfricSIanb I unb öor offen g. 9. 5). 
^b^lmann, küüt bcr fricftfd^en ©cfc^ic^tfc^rcibung übet^Qu^rt unb be» 
Onno mopp inSbcfonbcrc. ^mbcn 1863. @. 3ff. ©cninga« Ü^ronif tft ^uerfl 
1706 Qcbrucft roorben. 



^ic b. ®cfcl)id)tf(6rci6g. unt. b. (Siniu irfungcn b. 9ief ormatiou. ®rcfitud. Äempc. 303 

Söert unb für feine eigene Qext üerbanfen toir i^m eine SReil^e 
t)on 9iac^ric^ten, bie anberötüo üergeblicf) gefud)! merben. 83einat)c 
gleidijcitig mit Seninga üerfa^te §ierünt)mu§ Oreffiuö in 
:plattbeutf(^er ©prad^e eine SReinti^romf t)om ,^arlingerlanb , in 
iDeld^er er ben ©treit ber ^arlinger Ferren mit bem oftfriefifdjen 
©rafen^anfe 6ef)anbelt ^). ©reffiuS n^ar S^l^eologe unb jeigt fid^ 
ote ein 2J?Qnn Don gelehrter SSilbung , bem bei ber SJarfteßung 
biefe^ Meinen ©tüdteö S^i^S^f^i^^^» ^^^ M) ^^ engften 9kl)men 
abfpiett, bie ^ietät bie ^ber gefülirt ^at. 

SSon Dftfrie^Ianb auö fül)rt yxx^.^ unfere Setrad^tung meiter 
nad^ Often unb 9?orboften, unb ^njar finb eS junäd^ft bie ©täbtc 
Hamburg unb ßübecf unb im 3wfömment)ange bamit bie Sanbe 
t)ün §o(ftein unb ®itmarfcf)en. 3)Qd weniger Sebeutenbe f)at 
je^t Hamburg, too einft ein SWenfc^enalter früher ein §iftorifer toie 
Stlbert^ranj gelebt unb gefcf)rie6en ^atte-), geleiftet; eö ftanb 
freiließ aud^ politifc^ toie fommerjicH nod) hinter SübedE jurücf '). 
35ie ©infül^rung ber Sieformation in Hamburg ift üon einem 
3eitgenoffen unb SKitnjirfenben , bem el)emaligen gronji^faner* 
mönc^ ©tepl^an Äempe gefc^ilbert*). Gbenberfelbe ^at an 
83ernb ®t)fedteg Hamburger S^ronif (810—1542), bjto. an 
bem toid^tigften unb lehrreichen 2tbfd[)nitte berfelben, b. ^. an ber 
jnjeiten §alftc, bie ©lei^jeitigeö berichtet, toefentIid)en ?lntcil. 
©tepl^an Äempe toar Saie unb ftanb in untcrgeorbneter ©teltung 
im 3)icnfte ber ©tabt. Sine anbere Hamburger ©f)ronit, bie 3al)re 



Orcffiug, geb. ju ^erüorb in Söeftfalcn, roor jucrft (grjic^cr bc8 
trafen So^onn oon »littbcrg, bc8 (Srbcn öom ^orlingcrlonb , lourbc 1555 
^rebigcr ju (gfroS, beut ^u^torte bc8 ^orltngcrlanbe«. ©r ftarb om 
15. @ct)teinber 1559. 3)ie 9lcim*ronif umfofet bie 3o^re 1429—1519 unb ift 
1563 üottcnbct. Sic ift 1845 öon iJiö^Imann (Hamburg unb (Stobc) 
l^rauSgegebcn loorben. 

«) @. oben @. 85—86. 

«) @. für bog folgenbc 9Ä. ßappenberg, ^omburgifc^e ß^ronifen in 

nieberfäc^rtf^^ 6))ra(^e. Hamburg 1861. 

*) ^\itt Äempe ögl. Ärabbc, %t\^. ber Unioerfitat 5Hofto(f. (Über bie 
arteten ®efc^(5tSquencn ©omburg« ügl. Dr. ^. Äoppmann, bie mittdalter* 
U<^n ®ef(i^i(^t3qucllett in S5eaug auf Hamburg. §omburg 1868.) 



304 Srftc^ ^"c^f fünfte« Kapitel. 

799—1559 umfaffenb, rü^rt, tote mit SSäaJ^rfd^cinlic^fcit öcr^ 
mutet toirb, üon einem ®efcf)äftömanne l^er, ber Don bcm, toa^ 
feine ^eimatftabt au^ aufeert)aI6 unmittelbar berührte, jtoar 
mand^eö Sntereffante ju erjä^Ien njeife, aber bie großen, na^eju 
meltgefd^ic^tlic^en Greigniffe, bie er erlebt, bercn 3^1*9^ ^^ ift 
mie übert)aupt SlUeö, tüa^ [lä) an SBußentoeber unb feine Äatn- 
ftropt)e anf^Iie^t, bleiben gerabejuunermä^nt. SKit biefer 5^atf ac^e 
ift bie Strt feiner ®efcf)icf)tfcf)reibun9 t)inlanflHc^ bejeic^net unb 
bürfte biefelbe nid^t ia^ am toenigften ÜJierftüürbige an i^r feim 
S)cr altberül}mte SBorort ber §anfa, Sübed, ba^ in biefer 
3eit äuflleid) ber ©c^aupla^ ber merinjürbigften SSorgänge getoefcn 
ift, f)at immerhin einen ®efc^id}tfd^reiber aufjutoeifen, ber offenbar 
über baö gett)ö^nlicf)e SKafe t)inau^reid^t unb ber gctoaltigen ©r- 
eigniffe, beren S^vlqc er toax, nic^t unttJürbig erfc^eint — nomli^ 
SReimar Socf. Seiber aber ift üon feiner 6f|ronif big jefet nur ber 
erfte Xdl unb nur im 3lu^juge publiäirt, fo bafe eö nid^t möglich 
ift, ein abfd^Iießenbc^ unb fieberet Urteil über i^n ju fäUen^). 
Sod ftammte an^ SSiömar unb gehört ju bcn ja^lrci^ 
Wienern ber alten Sirene — er toar granji^fanermöncft in 
Süberf — , bie üon bem erften fräftigen 3Bet)en beS ©eiftcö ber 
^Reformation erfaßt, fid^ berfelben begeiftert untcrtoarfen ; er ift 
am 16. Suni 1569 al^ ^aftor bei ©t. ^eter in SübcdC geftorben. 
©eine 6t)ronif I|at er 1549 begonnen unb, fc^eint cö, bi5 1565 
fortgeführt. 2)ie älteren 2lbfd)nitte umfpannen einen jicmlitfy 
weiten ©cfic^t^frei^ unb finb oon feinem SSorgönger nur S)etnuitt 
u. a. abpngig. ®ie ®efd)ic^te ber SReformation^äcit unb bie 
3Bullenn)cberfdE)e SSertoidelung ift nac^ juüerlöffiger SKitteilung 
felbftänbig unb jeii^net fidE) burc^ Stnfd^aulic^feit unb Sebcnbtgtot 
ber 3)arftellung au^. Grft in ben fpäteren, ber Sbfaffungi^jcit 
naiveren Salären n)irb ber glufe ber ©rjä^lung bürftigcr unb 



») @. ©rautoff, Subccfer e^ronifen. I, 35 ff. 455 ff. unb n, 22. — 
3)cccre, ©eiträgc ju ßübecf. ®cf(f). Ähmbc. öübed 1835. @. 27ff. — O. 
3Bai^, ßübecf unter Sürgcn aSuacmoebcr u. f. f. I. 409 ff. — (Braut oft 
^at nur au« bem 1. 2:eilc ber Cr^ronit (1229^1400) Sluftaüge gegeben. 



3)ic b. ®cf4t(^tfc6rcibung unter b. ©inwirfungcn b. S'icformatton. ^olftdn. 305 

jufammcnliang^Iofer, unb man \)at bo^er öon fa^funbtger ©eite 
bic SSermutung aufgeftellt, baß Socf bei ber ©d^ilbcrung jener, 
bod^ Leiter jurßdliegenben ©reigniffe Seric^te verarbeitet l^at, bie 
mit biefen gleicfijeitig entftanben unb öielleid^t fogar t)on i^m 
felbft abgefaßt toorben finb^). Gin anberer 3^itgenoffe SR. Äod'ö, 
§an8 SRedmann, l^at eine lübecffd^e S^ronif l^intertaffen, bie, 
junacfift nur für feine guten greunbe unb ©ö^ne gefd^rieben, 
mitSenu^ung ber Sf)ronif beö § er mann SBonug t?erfcf)iebene 
?lftenftüde unb öfterö überarbeitete ^Relationen in if)rem größeren 
Seile bie Spo^e Don 1500—1540 bel^anbelt. S5er §auptn)crt 
biefer ?lrbeit liegt aber in ben benufeten unb eingefd^alteten Slften* 
ftücfen, toöl^renb ber 3;ejt öon untergeorbneter Sebeutung ift*). 
©tofftid^ bis ju einem getoiffen ®rabe berührt fi^ mit SReimar 
Äod bie ^olfteinifd^e S^ronit be§ Sol^anneS ^eterfen, 
ber afe Pfarrer ju SKbenburg in 3Bagrien geftorben ift. 2)ie 
(£t)ronif tvax urfprünglid^ in niebcrbeutfc^er ©prac^e abgefaßt 
unb ift nad^ beS SSerfafferS 3;obe, um i^r eine tocitere SSerbreitung 
ju geben, inS §od^beutfcf)e übertragen unb 1557 in ben 3)rud 
gegeben ttjorben^). 3)ie ©arfteHung ber ©efd^ic^te ber älteren 
Reiten ift freilid^ fritifloS unb ujertloS, ober bod^ notbürftig üon 
ben SSorgängern Ujie ?(bam Don Sternen, §eImoIb unb \)ov allem 
öon 9((bcrt Sranj abhängig. Grft im S?erlaufe beS 4. Söud^eS 
beginnt bie Grjä^Iung felbftönbig ju werben ; bie ©efd^id^te fiönig 
ß^riftiauS IL toirb jiemlid^ einge^enb er jä^It, unb e§ fe^It nidE)t an 
Senüfeung unb aud^ Slnfü^rung urfunbtic^en SWaterialS. 3)er 
^olfteiner ^erjog, Äönig griebric^, erfreut fic^ ber befonberen 
©unft beS Sf)roniften; man erl^ött ben ©inbrud, aU fei eS fo 



») SBoi^, a. a.D. 

«) @.©QnfiWc®cfc^i(^t8blQtter,3Q^r0Qng 1876 (Seipaig 1877). @. 61-77. 
Herausgeber ift Dr. SB. ©c^äfer. Stccfmann ftammte au« D^lccflingl^auien 
in 3BeftfaIen unb fc^ricb in niebcrbcutfc^cr 3Kunbart. 3« l^odöbcutfc^er Über* 
tcagung ift feine ©ftronif bereit« 1619 gebrudt toorbcn. 

■) (I^ronif ber Sanbc ju ^olftein, ©tremarn, 3)ltmarfcl^en u. f. lo. — auf« 
cinfäUigft unb fürjcft befc^rieben burc§ $)crrn S^J^^nn ^cterfen. gfranffurt a. 9)t 
1557, wieber^olt au mhtd 1614. 

0. 89efleU, (Sefd^id^te ber beutf(^(n ^if^oriofita^^. 20 



306 ®Tfted f&uäi, fünfte« fiapitd. 

rc^t auf feine Sftec^tfertigung abgefcl^en. 2Rtt ber JJataftroJ)^ 
Söiüg 6f)riftiani8 fd^Uefet bag SBerf. Sroft ber ongebcutetcn 
©djtoäd^en ber Se^anblung ber älteren Sitten gehört bte ©l^ronil 
^eterfenS oi^nc ßtücifel ju ben befferen Sanbe^gcfd^id^tcn ber erftcn 
^älfte beg Sa^rt)unbert«. 

2)er Stnftofe, toetd^cn ber §umani^mu^ unb bic ^Reformation 
überaQ jur Siefc^äftiguug mit ber ©pejialgcfd^id^tc in Sieutfc^ 
lanb gegeben f^ai, ift auc^ ^ommern ju gute gefommen, roeld^ei^ 
bii^^er fo jiemli^ unfruchtbar in ©ad^e ber ©efd^id^tfc^reibung 
geblieben toar. 3)ie untoiQfürlicfie Slnregung ju bem crften grunb^ 
legenben SSerf über bie ©efd^i^te ^ommernö ift Dom furfä(l^p|d&^ 
^üfe auiggegangen. griebrid^ ber SSeife trug fid^ mit bcm ®e* 
banfen, bur^ ©patatin eine ©efd^ic^te ber furfäd^fifd^en ßonber 
aufarbeiten ju laffen unb l^atte ju biefem 3toedte ^erjog JBogi«* 
lau X. erfud^t, nac^forfc^en ju laffen, ob fid^ in ^ommcm ctnm 
brauchbare ©d^riften u. bgt. fänben. 3)er ^erjog beauftragte 
(im ©ommer 1517) mit biefer JKac^forf^ung bcn Jftcftor ber 
©^ule JU Sreptoto an ber SRega, SW. So^anneg JBugenl^agcn, 
ber ficf) fpäter afe proteftantifcf)er 3;^eotoge unb ate Krd^Iicöet 
Drganifator fo f)üt)e 93erül)mtf)eit erttjorben t)at^). SBei ®elegcn^ 
biefer, ttjenig ergiebigen 9JadE)forfd^ungen entftanb in i^m ber @fe» 
banfe, eine ®efd[)i^te ^ommern§ ju fcf)reiben, unb in ber über» 
rafcf)enb furgen S^xt öom Dftober 1517 big @nbe 9Rai 1518 
l^at er — in lateinif^er ©prac^e — benfelben au^gefü^, unb 
infofem flöftt bie SI)ronif mit SRec^t 9ld^tung ein. ©ic befte^t 



*) ^adf ber ^orrcbc ©ugen^agcn^J f^at il^m ber ^crgog ^uglei^ ^ 
^liiftrog erteilt, für bcn ^rfürften SJnebric^ b. 3B. eine ©fijäe ber Kommers 
fd)cn ®efc^id)tc unb ®cneaIogie ju cntioerfcu. SS. R. Pruss. I, 666. BgL 
SSogt, „äo^anncS »iigen^agen" (1867) unb bcn «rtitcl Äöftlln« in ber «. %. 
©iograp^ic s. h. v. — ©ugcnl^agcn (fpdter öiclfa(6 Dr. Sommer = $oiiu 
mcranuS genannt), auf ber Snfcl ©ottin 1454 ober 1455 geboren, ^t m 
(^rctfdrodbe humaiiiora unb X^eologic ftubirt, mar feit 1501 9ieftor in 
Xrcptott) unb iDurbc 1517 Scftor ber Theologie in ber Älofterfc^ule ber bc- 
nacfibartcn (£ift.«^btei Scibucf, ba(b fd^Iog er ftc^ ber Sieformation an mil 
ftarb 20. Sl^ril 1558 ald ^rofcffor unb ®cnera(fu))€rintenbcnt in » iUriibeifr 



5{)ieb.®ef(^i(^tf(^rcibung unter b.Simoirfungenb.S^eformation. Sommern. 307 

oiid t)icr SBüd^cm, tjon tocl^cn ba^ britte baS totd^tigfte ift. 
©tefeö gibt eine äufaminen^dngcnbc (Scfd^id^tc ^ommern^ Don 
bcm crftcn gefd^id^tlid^ gcftd^crten gürftcn aSratt^Iat) I. big auf 
Sogi^Iat) IX. unb feine ©5^ne. Sugenl^agen benu^t außer ben 
altem ©efd^i^tötoerfen Urfunben, Snf^riften unb ntfinblid^e Über« 
lieferung. 3)er Sxotd ber ©l^ronif ift, bie ^omntem mit if)rer 
^ergongen^eit belannt ju mad^en, unb fie ju guten SJorfäfeen 
anjueifem. Sugenl^ogen ift eö aber nid^t bloß um ben Siu^m 
feinet SSoIfeö, fonbern no^ me^r um gef^id£)tlic^e 3ut)crläffig!eit 
JU t^un; auf bie gorm legt er felbft geringe^ ®en)ic^t. 3)ie 
^arfteQung ber alteren 3^^*^ ^f* ^^^ f^ft ^^ oQen äJ^nlid^en 
gaQen mertloö unb fritifloö, bagegen ^at er fid^ um bie ®enea*» 
logie ber pommerfd^en gürften toie um bie ©^ronologie bet 
:pommerfc^en ®efd^id^te feit ber ©nful^rung beS Sf|riftentum8 
nid^t bloß öorübergeljenbe SSerbienfte eriuorben. 3m übrigen 
crtoeift er fid^ atö geraubter ©ompitator unb bringt in bie t?er* 
fc^fungene SKaffe beg überlieferten ©toffeö lii^ttJoHe Drbnung, 
n^enn er auc^ nid^t ben 9Infprud^ mad^t, ben inneren 3iifömmem 
l^ang ber ©reigniffe nad^ jutüeifen *). SSugen^agenä SBcrt ^at abtt 
jugleicf) ba§ nid^t ju unterf^ä^enbe SSerbienft, eine frud^tbarc 
Anregung für bie nadjl^altigc Sef^öftigung mit ber ©ef^ic^te 
feinet ®eburtiglanbeg gegeben ju ^aben. Ginen unöerfennbaren 
gortfc^ritt in ber SSe^anbfung ber pommerfc^en ©efdfjic^te be^ 
jeicfinen bie bejüglid^en Slrbeiten %\)oma^ Äan^onjö, ber bie 
beften ßräfte feinet Sebenö an feine Sefc^öftigung mit i^r ge* 
ttjenbet ^at*). Gine SRei^e Don Sauren f)inburcf) unb in günftiger 



*) 55öl. ®. gai^nfe, bie ^omerania bc8 Qo^anne« JBugcn^ogcn unb 
i^re DueQcn. Bertin 1882. IBugen^agen f^t u. a. auc^ bie fog. ältere ^^rontf 
t)on Oliba benu^t. ($crlba(4, bie äUere C^^ronif Don Oliba. ©öttingen 
1817. ©. 165—166) unb SS. R. Pruss. 1,606. — ?lu4 Dr. ^aog in 
Stettin ^at in neuefter 3cit über SBugenl^agen unb feine (S^ronit gcfc^ricben. 

•) ^onfonj tDor geboren um 1505 jufBoIgoft, ftubirte feit 1525 in SRoftocf, 
unb erfc^eint feit 1528 ald (Sefretär ber beiben ^cr^oge ^Barnim XL unb 
Okorg I. Don $. ^m Sa^re 1534 begab er fid^ ^ur grortfe^ung feiner 
Stubien nacb Wittenberg, nac^bem er fic^ bei Seilen ber Sieformatton \>on 

20* 



308 Grftc« »u4 fünftes StapM. 

©tcßung l)at er feit 1532 ju biefem 3^^^^ gefammelt unb ftc§ 
babci bor Unterftü^ung funbiger greunbe, tpie be5 91 i f o t a u S ü on 
Älempeit erfreut^). 3Bir l^aben brei üerfd^iebene Sßerfe öon 
t^m. 3)aö erftc ift bie uicberbeutfd^e St)romf*), bie tjon 
ben äftefteu QQitcn 6i^ jum 3at)re 1536 reicf)t^). S)iefe^ ©rftUng^- 
tüerf fc^molä er balb barauf ju einer au§fül)rlid)eren \)oä)^ 
beutfdjcn 6f)ronif um, bie aber bereite mit bem 3;obe be^ 
§erjoga Sogiölaü X. (1536) f^fiefet. SDiefeö äöerf Ijat er eitblic^, 
tok man annimmt, tr)äf)renb feinet 3(ufentt)alte§ in 3Bittenberg 
(1538 — 1542) no^ einmal überarbeitet, iDogegen bie fog. ^o* 
merania if)m föl]d)tid) jug(!fd}rieben Sorben ift*). Um fiango» 
alö ®efdjid)tfdjreibcr ju beurteilen, fann man bei feiner nieber« 
beutfc^en unb t)od)beutfd^en G^ronif ftel^en bleiben. S)ie erfte 
berichtet ol^ne Unterbred^ung in einfadicm, anfprud^Iofem, frifd)eni 
2^üne bi§ jum Gnbe. S)ie anbere Verteilt ben gefammten ©toff 
in elf Söüdjer, unb bie Gräät)Iung ift beffer, überfid)ttid^er unb 
fnapper unb immer anjiel^enb. ©r Derfügt über ein reic^ere^ 
SRaterial aU f. Q. Sugenfiagen, bem er überhaupt au6) in ©ad^en 
ber allgemeinen Söilbung unb Slenntniffe uiellei^t überlegen war. 
greilidj geijörte er äugleic^ einer jüngeren Generation an unb 
I)at fein SBerf nidjt tt)ie biefer fojufagen improüifirt. ©er pom* 



ganzem ^cr^en angcjc^fofjcn ^attc, unb trat in nät)cro ^e^ic^ungcn befonberf 
511 iWcIonttjon. @r ftorb am 25. 8cptcmbcr 1542 in Stettin, tool^in er bereit* 
frant üon SBittcnbcrg jurücfgcfctirt toar. 

*) SSgl. über biefen mt über Äan^oio fclbft bie betr. Ärtifcl in ber 
?(. S). SBiograp^ie. 

2) SBctannt unter bem Xitel: „Sragmcnlc ber pommcrfci^en Q^cfcbic^te" 
u. f. nj. SSgl. %^. Slontoiod ®efcf)ic^te Don Sommern in niebcrbeutfc^r SJhinb« 
ort, fammt einer 9tu§nja^I au$ ben übrigen ungebrucften @(^riftcn bel^felbcn 
unb be§ SBerfafjtrS eigener ^anbjd^rift burcf) 3SiI^. S3ö^mcr. Stettin 1^35. 
S)a5u 93altifd)c Stubien. 3. Sa^rgang. 4)eft 1. 

') 2:^. ftan^oiü^ Sl^ronif tjon ^ommem in ^od^beutfc^cr ©prad^. Äu« 
ber ^anbfc^rift be« SBerfaffcr« t)erau^gegcbcn t)on Dr. S. ©. bon SKebem. 
5Indam 1841. 

*) herausgegeben öon ö. 2. 51 o feg arten. 2 ©änbe. ®retf$)oaIbe 
1816 unb 1817. 



^te b. ®efc^ic^tf(^reLbung unter b (Sinivtrfungen b. Sieformatton. $ommcrn. 309 

mcrfc^e ?ßatrioti^muS unb bie Siebe jum angeftammten gürftcn» 
^aufe befeelten and) i^n. SSor aQem ift er ein SBetounberer 
93ogiöIat)<S X., beffen ©ef^i^te er mit au^gefproc^ener SBorliebe 
barftellt. 3)er ^Reformation ift er mit ganjem §erjen ergeben 
unb il^re SQSirfung auf bie Sel^anblung ber ©efd^ic^te bilbet einen 
ber Unterfd^iebe jtoifcfien feinem SQSerl unb bem 83ugenf|agenö. 
@r njeife eö ju toürbigen, bafe bie §luft)cbung ber Älöfter i^m 
i^re Urfunbenfc^ä^e 5ugänglid) gemad^t f)at 3"9teid^ toe^t eine 
moralifirenbe S^enbenj burd^ feine 3)arfteIIung , bereu anfprud^ 
tofcg ?ßat^og jebod^ nic^t^ 9(6ftoBenbeg an fid^ ^at^). 

3ebod^ ni^t Wofe baö Sanb ?ßommern, fonbern aud^ eine 
:pommerf^e ©tabt, ©tralfunb, l^at in biefer Qdt xi)xm ®^ 
fc^ic^tfc^reiber gefunben. 2)er SBerfaffer biefer 6f)ronif ift Sol^anil 
iSrocfmann, ber ebenfalls fic^ auö einem STuguftinermön^ frü^ 
in einen eifrigen ?ßrebiger ber neuen Seigre üernjanbelt l^at. 3!&af)T> 
fd^einlid^ in ©tralfunb geboren, I)at Srocfmann ben größeren %txi 
feinet fiebenö f)ier jugcbrac^t unb ift am 12. äRärj 1560 \)oä)^ 
betagt geftorben. @o mand^e bittere Srfa^rung, bie it)m toegen 
feiner unabf)ängigen ^olitifdjen ©efinnung nid^t erfpart geblieben, 
^allt an^ feinem ©efc^ic^t^bu^e toieber^). @r beginnt mit ber 
6I)riftianifirung ^ommernö, gelangt aber in fc^neHen ©c^ritten 
in bie 3eit ber ^Reformation, bereu Sinfü^rung im befonbern in 
©tralfunb er mit t)ö^ft toertüoHer güQe unb ?lnfc^aulid^feit be* 
rid^tet. 2)od^ reicht fein 83Iicf jugteid) über ba^ SSeic^bilb ber 
©tabt t)inau^ unb umfpannt bie Derfi^iebenen ©täbte ber Dftfee; 
in erfter Sinie ift e^ baö fittengefd^ic^tlid£)e äKoment, bem er feine 
iBorliebe jugeujenbet. ^olititer ift er nid)t unb ebenfotoenig 
trl^ebt bie gorm feiner realiftifd^ gct)altenen Srjäl^tung irgenb 



») 3)lc l^iftorifc^cn Arbeiten bc8 pommerf^m ÄanjlcrS S5a(cntin öon 
<gifftebt (geboren 1527, geftorben 27. 3uU 1579) finb jum größten Xcilc öon 
^an^on) unb ber ^onierania abhängig. ^g(. SBaltifc^e Stubien. 3. @b. unb 
Sulom in ber Ä. 3). S8iogr(H)^ic s. h. v. 

«) @. SKo^nidc unb 8 ober, Strolfunbifd^e (J^rontfen. 1. 5tl. 3o^. 
^rocfmannd ©trolfunber (S^roniL ©tralfunb 1833. 



810 <2^rfte8 »uc^, fünftes ftotritd. 

fhira Änfprud^. S)ic ©prad^c, in tucld^cr er fc^cibt, ift bie 
^lattbeutfci^. 

^on ^omntern gelangen toir auf bem näd^ften SBege na(| 
^omerellcn unb ^reufeen, in bag alte ©eutfd^orbfnÄlanb, 
bcffen ©d^tcffatc fic^ in btefer 3^^* DoQjie^en unb too fic^ 
eine neue jufunftreicJie Drbnung ber 3)inge anbal^nt S)ie ®c^ 
fc^idjtfd^retbung §atte in ben Doraui^egangenen 3al^rl^unberten 
feit ber SJJiebertaffung beS Drben^ fic^ auf biefem S3oben nic^ 
unfrud^tbar ertt)tefen, loenn aud^ in eigentümlicher ©eftalt fid^ ent^ 
toidtelt ^). 3n ber 3cit ber 9ief ormation ^errfc^t ^ier eine ^iftoru> 
grapl)ifcf)e X^ätigfeit, t)or toeld^er manc{|e^, über ein ^Ibed Sa^r» 
taufcnb früher fultiüirte SReid^i^gebiet jurüdtreten mufe. ?nfa> 
bingö trafen ^ier eine Äei^c Don Urfad^en jufammen, um biefrt 
(Srgebnid ^erbeijufü^ren. S)er ß^arafter ber ÜbergangScpoc^ 
ift jtt^ar an ben babei in ^^ge tommenben SSerfen nic^t ju 
Der!ennen, jugleic^ aber aud^ nid^t ba^ 9iingen öerfc^iebenortigfr 
Äräftc mit einanber, toie fie anberStoo in ben fcitenftcn gäOeii 
auf unb gegen einanber gett)irft ^aben. 3^ ^^^^ anbeten ^iit 
»erben toir ^ier fogar Don einem ®egenfa§ ber 9lattonoIitit 
innerhalb ber ®efd^ic^tfd^reibung fpred^en muffen, ber uberoO 
fonft feinen SRaum gefunben ^at. S)ie in grage fommenben 
SBerfe reiben fid^ jum S^eil an bie alten §oc^meifter* unb DrbenÄ^ 
d^ronifen an, jum Seile finb e« Sanbe^d^ronifen , bie bie neue 
Drbnung ber 3)inge Dertreten, ober fie ge^en Don ©tobten tofe 
©anjig unb (SIbing au«, bie eine mef)r ober toeniger felbftfinbtge 
^)otitifd^e ©teüung einnehmen. 2)er Statur ber ©ad^e nad^ aber 
»urben biefe ®renjbeftimmungen nid^t immer ftreng burc^geffi^ 
Studgejeid^nete« bcfinbet fid^ genau genommen nic^t borunter, unb 
toa^ Dergleid^ungötoeife befonber« bei ber Betrachtung berfelben 
auffaQen mufe, ba« l^umaniftif^e SIement tritt überall fic^ic^ 
jurüdt, unb toattet bag praftifd^e, reale unDerfennbar öor. & 
ftnb benn aud^ bem entfprec^enb in ber größeren ÜRe^rja^I nt(^ 



^) @. Sotena, beutfc^ «efd^dqueaen H, 147 ff. 



SHeb.@lef(^i4tf(!^rdbung unter b.@intt)irhmgenb.!Refonnation. Oftpreu^en. 311 

blofe Saicn , fonbcm äugleid^ ©cfd^äftömänner u. bgl., bie ate 
©cfc^id^tfdirciba: auftreten. 3n biefer Scjiel^ung ift c3 rcd^t 
bejeic^nenb, ba§ j. 89. ^aul ^olc, ber SSerfaffcr einer Jireufei^ 
fd^en ß^ronit, juerft Äaplan an einer Äbniggberger Ätrd^e, ftd^ 
nid^t blofe ber ^Reformation angefd^Ioffen, foubem fid^ ffifulorifirt 
unb bem |)anbeteftanbe gctoibmet t)at^). 3)en 3^f^"i"^c"^ö"8 
unter hm einjelnen SBerfen jebegmat Kar ju fteQen, ift nid^t 
leidet, jebod^ ift in biefer SRic^tung in bem legten SKcnfd^enoItcr 
burd^ bie fcitifd^c Unterfud^ung unb SBeröffentlid^ung beS d^ront* 
falif^en SKateriafe fo aufeerorbentlid^ öielei^ unb öorjüglic^eÄ gc* 
leiftet njorben, bafe toir mit ben gegebenen |)itfgmitteln in bcn 
©tanb gefegt finb, bie ©teHung, locld^e bie ^reu^ifc^c ^iftorio«» 
gra^)^ic be^ SReformation^jeitalterS einnimmt, mit jiemlid^cr 
©ic^erl^eit fcftäufteHen *). Äaum loirb für ben Äenner auSbrüdtl^ 
bemerft toerben muffen, ba^ toir an biefer ©teQe unb in bicfem 
3ufammen^ang unS auf baS SBefentlid^e bcfd^ran!en muffen. 

2)a^ attertum bc^ preufeifd^en SanbeS, b. f). bie ©efd^id^te 
be^felben öor ber Stieberlaffung bei^ Drben^ anlangenb, fo ift 
t^ , loie eö faum anberS f ommen f onnte , nic^t gelungen , ba8 
S)unfet aufiu^eQen*). Am anfange beg(16.)3a^r^unberti^ entftanb 
aUerbingi^ ein SBerl, bad mit bem Änfprud^e auftrat, ba^ Der* 
tniBte ßid^t ju bringen, e^ ift aber initoifc^en ate Senbenjfc^rift 
unb ate eineg jener breiften titerarifd^en Sügentocrfe erfannt 
toorbcn, toic h)ir fotd^en f^on meisteren begegnet ftnb. 2)er Up 
§eber bel^felben toar jener ©ra^mu^Stelta an&Q^^^^^f Mf^ 
unrul^mUd^cn ©rfinbungöcifer toir bemnöd^ft nod^ toeiterl^in ju 
toürbigen SSeranlaffung ^aben toerben*). JBerfelbc brcifte Äopf 



») @. SS. R. Pruss. V, 173. 

^ SBgl. im allgemeinen ba« oben @. 178 «nm. 1 angeführte 3G8erf 
Zöppeni. 3)aau bie SS. R. Pruss. 5 »änbe. ßeit)iig 1868—1874 unb Aar I 
Äletfe, OucIIcnfunbe ber ®cfctii(^te beS preufe. ©taateS. l.©b.: bie Oucttens 
fc^ften. öerlin 1868. @. 168 ff. 

») 88. R. Pruss. V, 173. 

*) »gL Sa K Pruss. IV, 275 sqq. a)ie betr. S^rift ©. ©tetta'« fü^rt 
ben Sitel: De Borussiae antiquitatibus libri duo. 



312 . SiflcS öucö, fünftel ^apliQl 

f)at juglcid^ ein au^fü^rlidie^ SBerf über bie ®efd^id^tc ber ®eutfc§« 
Crben^l)errfd^aft in 5ßreuJ3en in neun Sudlern üerfafet, bag iebod^ 
jum offenbaren 85ortei( für bie 3Biffenfd^aft öeriorcn gegangen 
ift^). ?ll8einS9ud^ anberer3trt, ttjenngleid^ Don möBigem SSerte, 
crfd^eint bie fog. „Süngere ^od^meifter-Sfironif " *). Sine ©igen* 
tümlid^Eeit biefer ß^ronif ift, bafe in it)r brei Derfd^iebene 9ie= 
baftionen Dereinigt finb , beren öttefte unb grunblegenbe in ber 
Drbenöabtei Utrecht entftanben, beren jttjeite in Siölanb iljrc 
§eimat t)at, toäfirenb enbli^ in ^reufeen felbft auf ®runb ber 
beiben üorauögegangenen mit einer britten bie abfdjtiefeenbe §anb 
angefegt toorben ift. S5a§ 3Bert fann inbed nad) ben i^m gc* 
toibmeten gcnaueften Unterfu^ungen in feinem Sn^alte bi^ auf 
bie 9D?itte bei 15, Sa^r^unbert^ I)er unter in feiner 3Beife auf ben 
S[)arafter einer Quellen fc^rift SInfprucf) macf)en, unb ttjeit über 
biefen 3^i^piinft reicf)t fie ot)nebem nic^t ^inaud. 3^r ^aupt« 
toert liegt nad^ ben treffenben 3Borten it)rer Herausgeber barin, 
baJ3 fie un§ bie Slnfdjauungen fennen Iel)rt, toeldfie im ®ebiete 
beS £)eutfd)orbenS an ber SRcige beä SKittelalterS über i^rc 58orjeit 
fic^ gebilbet Ratten ^. Sin bie SRei^cnfotge ber §oc^meifter fc^Iießen 
nad^ bem ©turje ober ber 3urüdn)eifung it)rer §crrfc^aft anbere 
t)reu6ifd^e ß^ronifen i^re ©rjäf)Iung an. ©o bie fog. @bert 
gerber'f^e St)ronif. Joft ein 9Wenfd^ena(ter ^inburd^ l^at gerber, 
begabt unb ^odjftrebenb toie er iDar, nac^bem fic§ feine SSatcrftabt 
©anjig löngft Don ber |)o^eit beö Drben^ (oSgelöft unb^ ftc^ 
unter ben ®d)u^ ber polnifd^en Strone gefteßt ^atte, einen ma§* 
gebenben Ginffuß in if)ren ebenfo intereffanten alS Dcrtoidelten 
STngefegen^eiten geübt, bi^ jule^t ber ©oben unter i^m toanfte 
unb er fidj mit genauer 9iot bem Dößigen ©turjc entjog*). 



») ^m 0. £>. ©. 281, «nm. 3. 

») SS. R, Pruss. V, 1 sqq. 

») 9rm Q. O. @. 41. — 2)ic C£f)vonif fc^IicSt mit 1467. 

*) @. öUnäc^ft ben betr. 9Irt. Don X^. §iri(^ in ber «. S). »iograp^ic 
B. h. V. Serber mor 1463 in 3)Qnaig ö«^oren unb ftarb am 1. 9R&rj 1529 
ouf feinem ©c^loB 2)irfc^au. 



^ic b. ®cf d^lc^tfc^rcibung unter b. ©inioirf ungcn b. ^Reformation. Oft|)rcu6en. 313 

Sitcrarifc^en SJcigungeu t)on je jugenjanbt, benu^te er baS Icfete 
Sa^r feinet Sebenö, bie feinen Siamen füf)renbe große ©l^ronif 
äufQmmenjufteHen ober unter feinen Singen jufammenftellen ju 
laffen. ©ic reid^t bi^ 1525 unb ift Sanbeö- unb Drbenöc^ronif 
juglei^, bie ©efd^ic^te ber ©tabt SJanjig toirb befonber^ berüdE* 
fic^tigt. 3)er 33Bert be^ SQSerfe^ befte^t übrigen^ übertoiegenb in 
bem Umftanbe, ha^ ^erber eine Slnjat)! älterer, toid^tiger gefd^id^t^ 
lid)er Stufjeidjnungen, bie bie längfte Qdt toie üerfd^ollen ttjaren, 
lüie be^ 3ot)anne^ ßinbau u. a., mit geringen SBeränberungen 
in ben 9iat)men feiner 3)arfteQung aufnat)m unb fie fo gerettet 
f)at (Srft Dorn 3a^re 1511 — 1525 toirb bie Sräötjlung felbftänbig, 
njenn auc^ nic^t ol^ne 3;enbenj, fotoeit be^ SBerfaffer^ eigene ©e* 
fd)ic^te babei in grage fommt, te^rreid^ namenttid^ auc^ für bie 
SSorgänge, hjeld^e ben ©ieg ber Siefonnation in 2)anjig begleiteten, 
toefc^en gerber feine DoÜe ©^mpatl^ie jugetocnbet l)at unb ju* 
tuenbet^). 3n fac^Ii^er STbl^ängigfeit t)on ber gerber'fdfjen Sfjronif 
ftef)en bie Äetten^öfer'fc^e unb Stunl)ring'fcf)e S^ronif, 
beibe ebenfaQiS in S5anjig entftanben, über bie ß^itgrenje, an 
toeldjer jene auff)6rt, biö ungefäf)r 1550 l^inQuöfdEireitenb unb 
mit jeitgenbffifc^en STufjeid^nungen unb 3lad)nä)k\x öerme^rt^). 
©in met)r iotak^ Sntereffe trägt bie 2)anjiger S^roni! beö älteren 
®I)riftop^ öct)er, hjel^e für bie ©efd^id^te feiner ßexi üou 
1490—1514 unb für bie Äutturgefc^ic^te ber ©tabt unb be§ 
fianbe^ überaus toid^tig ift^). Site eine STrt 2)anjiger ©tabt* 
gefc^ic^te mit befonberer 83erüd£fid^tigung ber I)anfeatifd^en SSer* 
njicfelungenbe^Satireö 1523 gibt fic^ bie „^anfeotifc^e ß^ronif", 
njel^e bie ©efd^ic^tc ber ©tabt üon it)ren 9tnfängen biö jum 
^erbft 1523, teiltoeife mit Senufeung n)ic^tiger ^Relationen, be* 
l^anbelt. ©ie toirb bem Sern bt ©tegmann jugefc^rieben, ber 
jcboc^ bei biefer feiner 9Irbeit nur baö ©efc^äft be§ ftompilator^ 



») Xöppcn 0. a.D. ©.92 ff. — SS. R. Pruss. IV, 299 fowic in 
htn (Einleitungen unb V, 529 sqq. 

«) Xö|)pcn a. a. 0. @. 103—116. 
^ SS. R. Pruss. V, 440 sqq. 



314 <Stfled S3u4 fünftel Staipiid. 

geübt t)at^). dagegen liegt Don bemfelben ©tegmonn eine 
felbftänbige SBefd^reibnng beö JBanjiger ?lufru^rd öon 1515 Dor, 
über toelc^en er im ©inne ber [iegreid^en ©tabtariftofratie unb 
nid^t in ber gelungenften gorm berid^tet*). — Sine anbere S)an» 
jiger 6t)ronif, bie mit 1544 abfd^Iiefet unb Don bem ^trijier 
©eorg äRe^lmann ^errü^rt, legt in erfter ßinic bie fog. 
S)anjiger Stnnalen ju ®runbe, bie big 1530 ^abreic^, 
fängt aber bereite mit 1526 an felbftänbig ju toerbcn*). SSn ber 
9?ä^e Don S)anjig lag bie ßifterjienferobtei DüDa, bie, toie in 
ber neueren ©efd^ic^te burd^ ben grieben Don DliDa, ber beii 
großen norbifd^en fttieg beenbigt ^at, fo burd^ bie ^ällterc S^ronil 
Don DliDa" in ber §iftoriograpf)ie be^ SKittelalterö berül^mt gfr 
toorben ift^). 3)ie fog. ^mittlere ß^ronif" Don DliDa ftc^t an 
SSert ber älteren ganj ungemein nac^. 3)er SSerfaffer, ein ©cgner 
ber 9ieformation, fnüpft feine gortfe^ung aQerbingö an bicfe on 
unb enbet feine Strbeit 1549, bringt aber nur tocnigeö SBic^tige 
für bie ©efc^id^te feinet filofter^ ober be^ na^en 3)anjig Dor*). 
2)a§ meifte ?tuffet)en Don faft aQen ß^ronifen bcö preufeifc^ 
Sanbeg, bie fid^ mit bem 9tamen ber ©tabt ©anjig Dcrfnüpfen, 
^at bie ©imon ©runau'g gemacht®), ©eine ^reufeifd^e @^ron8 
beginnt mit ber Urgeit unb fd^liefet mit 1529 ab, @ie ift iE 
22 „Irattate" eingeteilt, ^at lange 3^^* ®Iauben gcfunben unb 
großem Unzeit in ber preufeifd^en ©efd^id^tf^reibung angerichtet, 
big fie enblic^ in it)rem ti)at)xtn Unhjerte erfannt tourbe. ©ein 
aSerf ift nämlic^ eine Senbenjfc^rift ber gefäl^rlic^ften Art unb 
richtet feine ®pi^t gegen bie ^errfc^aft beg beutfd^cn Orben« 



») Q. a. O. 6. 492 ff. 

«) 0. Q. O. (S. 544 ff. 

«) a. a. O. V, 625. 

*) @. bie bereits angeführte Unterfuc^ung ißcrlbad^d über btrfe G^nmtt 
(oben 6. 307, «nm. 1). 

6) SS. R. Pruss. V, 624 sqq. 

^) 6. (ä)runau xoax loa^rfdieinli^ ^rotfc^en 1460 unb 1470 }u 2:oIfa«il 
in $reugen geboren, lebte ali 2)ontintfQnermönc^ u. a. in (Slbtng uab S>an|iQ, 
unb ftarb Dermutlic^ nacj^ 1529. 



SHeb. (S(ef(^4tf(^rd5utigtmteTb.(lmtt)iTfungenb.9ieformQtton. Oft))reugen. 315 

tmb ben ©icg bcr 8lcformattott ju ®unften bcr ^olcn unb bcr 
alten fiirc^e. Sr entfteQt bie retd^Iid^en OueQen, bie t^m ju 
Gebote ftanben, aufS toiöfürlid^fte , crfinbet S)atcn unb 8af)Un 
nac^ Sdtcbcn nnb fingirt für feine Fabeleien Autoritäten, bie 
ntemanb au^r t§m gefannt f)at (Sine^ fonn man jebod^ Don 
il^ni lernen, tote ^od^ näntlid^ bie Seibenfd^aftlid^feit ging, bie 
ftd^ bantate ber ®emüter in ^reufeen bemäd^tigt Ijatte^). 

äßie S)aniig I)atte fid^ aud^ (SIbing im SSerlaufe bei» 
15. SSo^r^unbertÄ Dom DrbeniSftaate lo^geriffen, bafflr freitid^ bie 
nid^t immer leidste ^otnifd^e Dberl^o^eit eingetaufd^t. J)aÄ eine 
umfaffenbc gefc^id^tUd^ SEBerf, bcS mit bem 9tamen biefer ©tabt 
t)erbunben erfd^eint, bie (Slbingifd^^^reufeifd^e ßl^ronif 
©l^riftopl^ f^alH gehört o^neßtoeifel ju ben merftoürbigeren 
Seiftungen biefer 3lrt. S)er SSerfaffer ftammte an^ Ännaberg in 
SWeifeen unb toor feit 1546 Se^rer ber „SRed^enfunft" an bem üor 
einem Sal^rjclint gegrünbeten ®t)mnafium bafelbft. 9tac^ einiger 
3ett Dertaufd^te er biefe ©teüuug mit einer äl^nlic^en in Äönigi^ 
betg unb ^t ^ier baö 3oI)r 1572 nod^ erlebt, galf ^at einen 
ungemein reic^Iid^en SSorrat Don S^ronifen gefammelt unb fid^ jum 
3»edCe feiner l^iftorifd^en ©tubien aud^ fonft emfig im Sanbe 
umgefe^n. 333enn man aber aud^ aUc feine mannigfarf)en nad^ 
toet^baren OueQen auSfd^eibet, bleibt nod^ Diel braud^barei^ 
aWaterial übrig, ba^ jtoar jebenfatt^ nic^t Don ibm fetbft ^errü^rt, 
aber bie Don anberStool^er gegebene gef^id^tlic^e Überlieferung in 
toünfd^en8tt)erter SBeife ergänjt. ©« gilt bieg für bie Sanbe** 
tt)ie befonber« aud^ für bie ©Ibing'fd^e Drt^gef^id^te. S)er Sn^att 
ber (S^ronif Don 1526 — 1557 befd^ränft fid^ übertoiegenb auf 
bi? Angelegensten be8 ^erjogtumS ^reufeen unb !onnte nur 
Don einem SBerfaffer augge^en, ber feit längerer 3cit in Äßnig^ 
berg gelebt ^atte. ^b^t l^iftoriograp^ifd^e ?tnforberungen barf 



») @. Tt.%^ptn a,a,G. 6.122 ff. — $crlba(^ in bcr «. 3). »io- 
gTat>^ic. — ^ie erften 5 Sraftate bec dfyconit, bie bid ^um Sa^re 1440 mdftn, 
j^t brr ^Serein für bie Qkfc^. ber $roD. ^u|en Dor einigen Sagten k^er^s 
dffentlti^ 



316 CErftca ^uc^, jünftcä Kapitel 

man an galt nic^t ftellcn: eine tieferge^enbe gelehrte Silbung 
{jat er tro^ alfebem nid^t mitgebracht, er trieb feine gefc^ictitlid^en 
©tubien ja notorifc^ auc^ nur nebenher, fein Seben^beruf war 
ein ganj auberer. galf ift aud^ ber 9Serfaffer bc^ befannten 
„Sobfpruci^eö auf bie ©tabt Slbing", ber t)om Sa^re 1548 ftammt 
unb lüeld^en er im Sa^re 1565 neu bearbeitet l^at; berfelbe l^t 
ber 9iatur ber ©ad^e nac^ einen gefc^ic^tlid^en Sn^alt*). SKit 
gefpannten ©liefen tüenbet man fic^ äufe^t nad^ Königsberg, 
bem ^auptorte beö preufeifd)en ^erjogtum^. S)a6 bie fpeäipfc^ 
preufeifct)e®efdjirf)tfd^reibung in bieferß^it ^ert^orragenbefieiftungen 
aufjuiücifen Ijabe, fönnte mau jebod^ nic^t behaupten. S)ie preufei* 
fd^e Sfjronit ^aul ^ofe'g fdjliefet fid^ tüieber an bie ©efd^ic^te 
ber ^oc^meifter an unb fc^Iiefet (1510) mit bem ijorle^tcn in ber 
äieilje, J^riebric^ t)on )üKeiBen^). ^o(e n^ar urfprüngli^ fiaplan 
an einer Äönig^berger Äirc^e, ^atte fid^ ber SRefonnation am 
gefd)loffen unb tüar fogar 5laufmann geUJorben. ®r erfd^cint 
Don einem lebtjaften Ijiftorifd)en Sntereffe befeelt: feine S^ronü 
tüeift fid) aber glei^tuof)! jum größten Seile nur afö eine ftom? 
pilation aui^ ben älteren Sfjronifen unb einigen Delationen, bie 
mit ber 3wt()at einiger müublid^er Überlieferungen t)erme^rt fmb. 
S)ie ®efd)ic^te feiner 3cit {)at er, foüiet tuir lüiffen, nic^t bc* 
^aubelt. a^om ftäbtifdjen ©efidjtöpunfte auö ift aud^ bie S^ronif 
Sodann greibergS gefc^rieben, bie fid) big 1510 enge an 
5ßaut ^ole anfc^ließt, bie ®efd&id)te beS ^oc^meifterS Stlbrcc^t 
biö 1525 U)ieber nad) einer anbcren gut unterrid^teten DueDc 
barftellt unb erft gegen ba^ ©übe nac^ eigenem SBiffcn bcrict)tet. 
©eine ßf)ronit Ijat um 1543—1545 bie ©c^luferebaftion er» 
tjalten^). dagegen f)aben jtüei auf einanber folgenbc ©tabt« 

') ^ic betr. (5f)ronif fjalf« fammt bem üobfpn«^ auf blc ©tabt (Hbtng 
ift mit einer ^öc^ft grünblicfien Einleitung im Sa^rc 1879 Don Dr. ÜIL 
Xöppcn herausgegeben luorbcn. 

«) ©. Xöppcn a.a.D. @. 206 ff. SS. R. Pruss. V, 173 sqq. — 
$oIe arbeitete an feiner Gljronif noc^ im 3a^re 1532. 

») S. Ä. 3)^ edel bürg, hk ÄiJnigSberger G^ronifcn in ber 3«t be* 
C^cr^ogS ?Ubre(6t (Äönig§b«rg 1865) unb liJppcn a. a. D. @. 212 ff. 



SHc b. @cf(^icl^tfc§rci6ung unter b. ©intoirhingen b. ^Reformation. Oftprcufeen. 317 

fd^rciber ber Stitftabt Königsberg, 3of|ann Sei et unbÄaöpar 
5ßlatner im Slnfc^tuffe an bcn fog. „frönfifc^cn ffrieg" über 
bie 3^itgefd^id^te berichtet ^). 3)er eine füfirt feine Stnfjeic^nungen 
m 1523, ber anbere fefete [ie biö 1527 fort. S)ag SBerf 5ß(atneri^ 
namentfi^ ift ftofffid^ für bie ©efd^ic^te ^ßreufeenS unb nod^ 
me^r Königsberg^ öon Sebeutung^). 

9Wan tüirb ertüarten ju ^ören, tva^ ber neue §erjog beS 
fäfufarifirten DrbenSftaateS für einen 9InteiI an ber ®efc^itf)te 
beSfelben bet^ätigt ^at? ©er Urheber ber (Sinfüf)rung ber SRe^^ 
formation in benfelben, ber ©rünber ber Uniöerfität Königsberg, 
fann fid^ bod^, foQte man benfen, unmögli^ gleic^giftig gevabe 
nad^ biefer ©eile l^in öer^aften ^aben. Slber aud) baS anbere 
möd)te man erfal)ren, tüie bie jeitgenöffif^e ©efd^id^tfc^reibung 
fid^ JU i^m t)er^alten f|at? 9Ilbred^t f)at befanntlirf) feine nenncnS^^ 
toerte gelehrte Silbung erhalten, aber einiges Sntereffe für bie 
§iftorie \)at er fid^ t)ieHeid^t fd^on auS feiner anSbad^ifd^en ^eimat 
mitgebrad^t. 3n feiner Umgebung lebte als einflußreid)er 5D?ann 
SRelantl^onS ©d^tüiegerfo^n , ®. ©abinuS, ber notorifc^ nidf)t 
o^ne literarifdöe Slfpirationen tüar '). J5^rner So^anneSguuf, 
ben tüir als SSerfaffer einer 9lrt SBeftgefd^idjte , beren 2. S^eil 
in Königsberg entftanben ift, fammt feinem tragifd^en StuSgange 
bereits ertüä^nt l^aben*). 3n tücld^ lebfjaftem SBerfel^r 9llbred)t 
bie ganje 3cit über mit ben ©efc^rten unb 3;^eoIogen im SReic^e 



*) 3)cr fog. granfenfricg lourbc jmifd^en bem ©od^mciftcr 9flbrcc^t unb 
ber ^onc $oIcn geführt unb cnbigte 1525 mit einem SBaffenftiflftanbe , auf 
welchen 1529 ber ^rafaucr ^rieben folgte, in toeldjcm $oIen bie ©öfularifation 
beS OrbeniglanbeS unter ^ergog 5(. anerfannte. 

*) %'6ppcn a. a. O. ©. 211—212. 

8) Sgl. Dr. a». Poppen, bie OJrünbung ber Uniüerfitöt Königsberg 
unb h\\% iJeben il^reS crften ©tifterS ®. ©abinuS. Königsberg 1844. — 
@abinu8 ^at fid| oudj in ^iftorifc^en S)ingen manmgfa(]^ öerfuc^t, bod^ nidjtS 
S3ebeuteube8 gu ©tanbe gebracht. (SinigeS, ttjaS i^m 5ugefd)ricben loirb, rüf)rt 
üielleic^t öon SRelantl^on ^er. a)er JBeric^t über bie ^Ba^I Karl« V. unb bie 
babei angeblich gehaltenen 9{eben, bie fo Diel SSermirrung angerichtet ^abcn, 
ift befannt. 

*) ©. oben @. 194—195. 



318 ^^^ ^u4, fünfte« ftapitd. 

ftanb, i[t ja bcfannt genügt). SBar ber ©erjog in crftcr Siiric 
anä) t)on bcn t^cologifc^cn gragcn in Änfpruc^ genommen, bic 
©efd^idltfd^rcibung l^at er bod^ [o iDenig alö fic i^n qua bcn Äugen 
gelaffen. ©rofeeö ift freiließ nid^t ju ©taube gefommcn, ja nid^t 
einmal Grttedttic^e^. S)ie 9lufjeic^nungen, bie Älbrec^tS ©ettctär, 
^riebrid) 3^^^^^ jugef (^rieben ftjerben, finb in i^rer fiutje 
intereffant genug*) unb ba^ ®leid^e gilt nod^ t)iel me^r üo« 
im SSerid^tcu bcö ®regor ©picfe unb ber SRelation ^^ilippÄ 
t)on Sreu^, bie alö ben Sreigniffen na^e ftef)enbe ^citgenoffcn 
jeber in feiner SSeife, tva^ fie erlebt ^aben, erjagten'). Älied 
biefcö bicnt jur ?luffl8rung ber ®efd)ic^te be^ ^erjog«, au^ too . 
e^ nid^t gerabe in feinem Sinne gefd^rieben ift. Sfbred^t ^tte 
aber gerne eine glaubtüürbige 6f)ronif beg Sanbe^ ^ßreufeen ab^ 
gefafet gefe^en, ba er fid) barüber nid^t t8ufd)te, baß man fic^ 
bei ber ^erlömmlic^en a[tfir^fid^cn ober polemifircnbcn Über* 
lieferung nic^t berul^igen bürfe*). 3^"^ 3^^^^ ift ^^ jeboc^ mit 
biefem SBunfd^e nid^t gelangt. SBie eö fid^ mit ber Saltl^afar 
®anö (öon ^utlijj) jugefd^riebenen EI)ronif oer^ält, ift naäf Sage 
ber Stften immer nod^ mit tJoQer ©i^er^eit fc^njer ju fagen^; 
unb aud^ bie Gdronit S^riftopf)'^ 3an t)on SSeifecnfcU 
bietet nad) fad)tunbiger 9)iitteilung n^enig anbere^ Sntereffc, att 
baf] fie auf ®runb ber 9luöfdf)eibung ber ftöbtifc^en Überlicfcnmg 
hcn gegebenen ©toff teiÜDcife in bie gorm brad)te, baft er bamtt 
auf ben Seifall bcö §ofcg unb beö 9lbel§ rennen burfte^). 

S^ie im öorfteljenbeu gemad)teu SKitteilungen toerbcn ben ©n^ 
brud ^ertjorgebrad^t babcu, bafe bie eigentümlid^en ©d^njicrigfeitcii, 

*) ^Sgl. 3o^. SSoigt, ©ricfioc^fel ber bcrü^mtcftcn (Sdcl^rten u,f. ». mit 
^cv^og ^ibvtdjt bon ^rcufecn. Jti5iiig§bcrg 1841. 

«) SS. R. Pruss. V. 315 sqq. 

«) a.a.ü. V, 348ff. 

*) 35gt. 3RccfcIburg, bic Äönigöbcrgcr a^ronlf. «orwort @. XIII. 

») ebciibafclbf^ 35ortoort unb ®. 288 ff. 5)cr e(^lu6obfd)nitt, ber über 
bic crftc 3cit 9lIbrcd)tS originelle "äWittcilungcn bringt unb um 1547 gcfc^eben 
^u fein fd)cint, ift an eine ältere G^ronif angereiht, bic Don einem ganj anbeien 
@cricf)tSpunftc auö gcfc^ricben ift. 

«) Poppen a.a.O. 8.218. 



sb.dkfd^id^tfd^retbg. unter b.ShttDirfungenb.Sieformatiott. IBranbenBurg. 319 

t toelc^er btc prcufeif^e ^iftoriograp^ie in ber Spoc^e bcr 
fformation ju fämpfen ^atte, nic^t geringe genjefen finb unb 
g eg ni^t ju öertDunbem ift, ttjenn bag SrgefiniÄ unferer &> 
tcrung ate fein bur^ttjeg befriebigenbc^ erf^eint. gflr bie 3)at> 
ttung ber 3^itgefd^id^te ift öiele^, aber tro^ ber großen SSer« 
Itttiffe, in njef^en man (ebte, nic^t ttjirflid^ ©rofeeg geleiftct 
>rben, für bie fritif^e Slufflärung ber SBergangentieit reiften 
) ßräfte nid^t aug, toit lebhaft aud^ ba^ Sntercffe für biefelbe 
eraH toar. SBir ^aben c§ fd^on angebeutet, ttjie auffällig ba« 
irütftreten beg J^umaniftifd^en , beö gelehrten Slemente^ in ber 
mfeifd^en ©efd^ic^tfd^reibung biefer Qtit fic^ öerfpüren läfet 
c Ännjenbung ber lateinifd^en Sprache allein ift ja in biefer 
?jiel^ung nid^t bag Sntf ^eibenbe. 3)ie geleierte gorf c^ung fibert)aupt 
ir nod^ im SRfidEftanbe, biefe brid^t fid^ aber mit ber jtoeiten 
llfte beg 16. Sa^r^unberti^ Sa^n unb bie SSetrad^tung ber^ 
ben ttjirb unö feinerjeit in baS alte Drbengfanb jurüdEfül^ren. 
©ud)en njir nun toon Siorboften l^er in ben SRittelpunft 
l SReid^eö, ber in biefer Qdi juglcic^ ber 9tuögangöpunft ber 
itimmenben geiftigen Senjegung ber ©pod^e ift, fo fü^rt und 
c SSBeg über bie 2Karl Sranbenburg. Seiber brauchen njir 
Ä für unfere 3^cdEe ^ier ni^t lange aufjul^alten. @d ift oft 
mg ^erborgcl^obett njorben, ia^ ed in feinem ber beutfd^en 
jrritorien im SKittelaltcr mit ber ®efd)id^tfd^reibung — 3;iroI 
Da aufgenommen — fo bürftig befteßt geioefen ift njie in ber 
nannten 2Karf. Unb baö ttjenige, baö entftanb, ift nod) baju 
r in lügenhafter unb fragmentarifd^er ®eftatt auf un^ gc^ 
nmen ^). SBir erinnern nur an bad ©d^icffal ber Stuf jeic^nungen 
l ©ngelbert SSBuftertoi^, beren 93er fuft in iftrer urfprüng* 
^en ©eftalt um fo tiefer ju bcflagen ift, afe fie t)on ber §anb 
leö gebilbeten unb fad^funbigen SRanued über eine fritifd^ Qdi 
c branbenburgif^en ©efd^ic^te (1344 — 1411) SKitteitungen ent* 
it^n. Sn bcr 3^^^ ^^^ §umanidmug unb ber SReformation 



*) SSfll. JRicbcI, Codex diplomat. Brandenburg. IV, 1. «bt. 



320 ®rfte8 »ud^, fünfte« $ta\ntd. 

ftc^t e^ nid^t bcffer. Zxii^cmiu^, nod^ baju ein ©cfc^ic^t' 
fd^rcibcr jnjcifcl^aftcr ©fautttjürbigfeit, i|t fitoax auf ben SBunfc^ 
beg 3Karfflrafcn Soac^im nad^ bcr 50?arf gefommen, aber für bie 
©cfd^id^te ber|elbcn ift fein Stufent^aft ioo^I ober übel unfrud^tbar 
geblieben^), ©ic eigentli^e SReformationÄjcit f)at auf biefem 
Soben nid^t eine namJ^afteJTufjeic^nung ^ertjorgebrad^t, toenigften^ 
ift feine fold^e auf un§ gefommen unb ^aben fid^ feine fic^ren 
©))uren einer fofd^en erl^alten. 3)er äußere ®ang ber Segebem 
l^eiteu reid)t nid)t an^, bicfe auffatlenbe ©rfc^einung ju erflfiren. 
3)ie taftcnben SScrfuc^e t)on ®. ©abinu«'), 3o!)anne^ 
©d^offerö ober SEBolfgang 3obft^^ auf bem ©ebietc ber 
3oIIer'fd)en SKarfgrafen ober if)rer SBorgönger fönnen im Smfte 
nid^t in J5^age fommen. S)ie SSorrebe STOelant^onö ju ber Marchia 
beö erfteren reicht bodEi nid^t au^, fie über bie Sebeutung einer 
©tilübung ju ergeben. 

©0 bleibt unö t)or ber §anb nid^tS übrig, afö un^ einer 
njenn audf) unlieben 5^()atfad^e ju untertoerfen unb befferer Q^xtta 
JU ^arren. 

S)ie t^üringifd^^oberfäd^fifc^en Sfinber anlangenb, 
^aben luir fie unb i^re I)iftoriograpl^if^en fieiftungen beibc^ bei 
ber 93e|pred)ung ber jeitgefc^id^tlidf)en SBerfe bereite berührt unb 
bie njarme Seilna^me griebric^ b. 333. an ben gefc^id^tli^en 
©tubieu f)crt)orgef)oben. S)ie @efd)id^te feinet ^ufeg unb bannt 
im 3ufömmen^ange feiner Sänber lag i^m öor allem am ^erjen. 
®r unterhielt ju biefem Qrvedc mit ben berü^mteften gclefirten 
3eitgenoffcn lebhafte SScrbinbungen, fammette SDJaterial, regte an 
unb liefe fid^ anregen. Sn feiner Umgebung genofe ©patatin 
fein {)öd)fteö SSertrauen, unb loir t)aben bereits toemommcn, baft 



») @. oben ©.71. 

«) @. oben ©.317. — Äüftcr, Biblioth. bist. Brandenburg. 6.12— U 
urteilt bod) ipo^l ju günftig über t^n. 

') ©. Äüfter a.a.D. ©.1—3. u. Uff. a)crfcI6c: Collectio opnßc 
historiam March. iUustr. ©tut! 6. 7. 92r. 6. SBccfmann, ^Iftorifdjc 9c* 
fc^reibung bcr 3Kar! SSranbcnburg. ©. 301—304. 



5!Heb.<Skfd^i(^tf(^ihtng unter b.(^ntDirfungcnb.9lefonnation. Obetfad^fen. 321 

er bicfcn mit bem Sluftragc einer ©efd^id^te beS §aufed unb ber 
Sanber ber SBettiner betraut ^atte unb ju bicfent 3^^* ^aä)^ 
forfd^ungen aud^ aufeerl^alb Äurfac^fcng beranlafet l^at*). 3^^ 
einer förmlid^en Slu^fü^rung btefc^ Sluftrageg tft eS nun freilid^ 
nic^t gefommen. Sn jenen Sauren f|at ein ung bereite befannt 
flenjorbcner ©elel^rter jn^eif ell^aften Slngebenlen^, nfimlid^ © r a ä* 
mug ©tella au^ 3^i*öiif iunäd^ft mit ©rfolg ba^ trügerifc^e 
Unternehmen gettjagt, bie ©efd^id^te öon Dberfad^fen Don bcn 
benfbar älteften Seiten an aufjul^ellen unb bi^ auf bie gricd^ifd^e 
^eroenjcit äurüdEjufü^ren unb aber aud^ bie fpätere Spo^e ber 
SSSettiner, toie namentlid^ bie ©d^idffale be^ Sanb^ unb SKarlgrafen 
griebrid^ beg greibigen, in ein neuc^ Sid^t ju ftcllen*). 
®r ^at mit feinen breiften, toenn au^ nid^t ungefd^idEt burd^* 
geführten S^äufd^ungen , tüie balb aud^ Sebenfen bagegcn au^* 
gefprod^en njurben, fo na^^altigcn ©inbrudE gemad^t, bafe felbft 
ein 9D?ann njie Seffing eig nod^ für nid^t überfififfig l^ielt, bie 
gSIfc^ung t)or aller SBelt aufjubeden*). ©a^ bie giftton ©teQa'g 



») ®. oben @. 306. 

^ (S. StcSa toax um 1450 in Sei^jig geboren, ^atte ^ier ald Sderufdfac^ 
Slrsneitunbe ftubirt unb auf einer n^iffenfc^aftlici^en 9leife nad^ Italien ben 
93oIogne{er Slrjt @(iot?anni &av^o, ber nebenher aud^ ^iftorifd^e Stubien 
betrieb, nä^er fennen lernen, ^ad^ 2)eutfd§Ianb jurücfgefe^rt, lieg er fid§ ald 
audübenber 9(r)t in3totc'<^u nieber unb »urbe l^ier 1501 97at8^err, 1513 S3ürger« 
mcifter, geftorben 2. 51<)ril 1521. @. «ß. §llbinu8, aKcifenifc^e ßanb- unb 
93eig4ronica. ^edben 1884. II, 5. 340 unb Schott gen unb ^ret)fig, 
biplomattfd^e unb (urieufe ^^ad^Iefe ber ^iftorie bon Dberfad^fen, I, 500 ff. 

») ®. ßeffing» @. ©. «umgäbe bon Sad^mann^SRalfra^n. IX, 302. ficffing 
brad^te ^ier bie in Srrage fommenbe $au|)tfd^nft ©teSa'd : ,,De rebus et po- 
pulis arae intra Albim et Salam^* in i^rcm ganjen Umfange nod^ einmal 
jum Sttbrud. 3)ie anbere ©d^rift @tetta'^, in melier baS Scben 2rriebric^ b.fjr. 
t)or aEem bargefteOt toixb, lieg er unter bem ufurpirtcn ^(utomamen feincd 
Sc^rerd ® ar 50 aud IBoIogna mit bem Sitel: Job. Garzo, de rebus Saxoniae, 
Tburingiae, Libanothiae, Misniae et Lusatiae libri n. 1514 erfd^einen. 
$(ud^ baS befannte, ^ante ^ugefc^iebene (^ita^^ beS ST^arfgrafen 2)ie3« 
mann rü^rt, n^ie gleic^falld Seffing nac^genncfen, bon Stella l^er. 2)ie erften 
gmeifel gegen bit (^laubtoürbigteit Stella'^ ^at bereits $. ^Ibinud in feiner 
(0ef(^i4te 3tt)i(IauS (1580) auSgefprod^en unb (&. S^rift. ßret)f{g [it aud« 
ü. IBefiele, Okfi^i^te ber beutfc^en ^ftorioflra^^e. 21 



322 <l^ted ^udi, fünfted ftafrUcI. 

foldjen (£rfoIg l^aben lonnte, l^at man mit Sted^t aud bem Um? 
ftanbe crflärt, bafe er einer ber crften unter ben bcutfd^cn ®c^ 
Ictirten njar, bie ben SScrfud^ gemad^t l^abcn, bie in Stauen ge^ 
ttjonnene Äenntni^ ber IIaffi)d)en SBerfe beS 2Htertunii3 für bie 
Sluf Rettung ber toaterlönbif d^en ® ef d^id^te ju t)ertt)erten ^). ©c^abc 
nur , bafe er t)on feinen Oaben unb Äenntniffen einen fo öer- 
njirrenben unb unrül)mlic^en ©ebraud^ gemad^t ^at. SKit biefer 
3trt pfeubo*gefd^id^tIi^er ©c^riftftellerei l^atte übrigen^ ber fup 
fäd^fijd^e §of nid^tö gemein, aud^ lüiffen toir nid^t, ob ©palatin 
bat)on überfjaupt Senntni^ genommen. (Sx felbft trat crft einige 
ätüanjig 3af)re fpäter mit einem SSerfuc^ ^erüor, ttjeld^er bie 
öftere nieber- unb oberfädififc^e ©efc^ic^te berül^rtc. @d ift bai^ 
feine „E^ronif unb §crfommcn ber Äurfürften unb gürftcn be^ 
löblichen ^aufeö ju @ad^fen".u. f. to.*). S)iefe ©d^rift ging au& 
bem betannten fd)arfen ©egenfa^ ]^ert)or, in tüeld^en bie äBettiner 
unb bie Sraunfd^toeigifd^en SSelfen im SSerlaufe ber 9ieformationd^ 
jeit ju einanber geraten lüoren. ©palatin toottte üor allem ben 
SBelfen gegenüber baö t)ö^ere 9(Iter ber 3Bettiner unb i^rcn 
geneaIogifdf)cn 3i^föJ"n^^^^^^^9 ^i^ ^^^ ©ac^fentjäuptling SBittc* 
linb unb mit ben fädEififc^cn Äaifern nac^iüeifen. 5n ben bc» 
teiligten Greifen l^at bie ©df)rift in ber %f)at lange anl^altenben 
©inbrudE gemad)t^), ber ffritif gegenüber iebodö t)ermag fie nic^t 
JU beftelicn. ©erabe bie beiben ^auptfäfee finb längft atö l^in- 
fäüig erfannt. ©))alatin \)at übrigen^ mit bem für jene 3cit 
tt)ünfdf)enön)ert beften SÄaterial gearbeitet, feine ^ßolemif jd^net 
fid^ burd^ anerfennenj^tüerte SWäfeigung a\x^, er toerlcil^t feiner 
Slrbeit burd^ baö gelegentli^ einverleibte urfunblid^c äRaterial 
einen befonbercn 333ert unb füf)rt überall feine CueQen an, gleic^ 

brü(flic^ tüieber^olt. 58gl. ouc^ ^of). d^r. ?lb du ng, 3)ltc!torram ha 
füb|Q(^rif*cn ®cfd)id)tc (SKciöcn 1842) 5um 3a^rc 1324, @. 157. 

») e. SS. Rec. Pruss. IV, 276. 

«) SBittcnberg 1541. 

«) ©ortlcbcr in feinem berühmten grofeen ©crfe über bte(^eneft« bef 
fc^molfalbifc^n ÄricgcS f^at e« 100 3a^rc fpätcr — mit einem (Sommentor — 
no(^ einmal abbrudcn laffcn. 



lDteb.®ef(i^i(^tfd^rdBunguitt.b.(|tntoirhmgcnb.SRefoniiation. OBerfad^fm. 323 

tDo\)i itibt^ tft feine Jßetoetdfü^ruttg mißlungen unb !ann bem 
aWe^nenbctt Urteil, bog 3.®.t).e(fart öor bcreitö balb 200 Salären 
über badfelbe gefäQt fyxt, in ber ©ad^e nid^t tDtberfpro^en 
toerbeit ^). 

Stuf bem ©ebiete ber oberfäd^fifc^meifenifd^en ®efd^id§te \)at 
ein jüngerer 3citflenoff e ©palatin*, ©eorg gabrtciug, bcff en 
bleibcnbe^ SSerbienft jebod) auf einer anbercn Seite liegt, mc]^rfad| 
gearbeitet. Site gefc^id^tlid^cr gorfd^er überfc^reitet er faum bie 
Sittie be^ befefenen ßompilator^'). 3loä) ertieblid^ toeniger fann 
biefcg t)on @rnft®rotuff gerülimt toerben, beffen Arbeiten fic^ 
in bem Slal^men ber meifenifd^en, tpringifd^en unb merfebur^ 
gifd^en ©efd^id^te betoegen*). Sinigermafeen anberg bagegen fielet 
eg mit bem Sofaucr ÜRönd^ ?ßaut Sang unb feinen ©d^riften 
über bie ®efd)id^te be^ ©tifteö 9laumburg*3ciÖ*). 3« biefem 
9Könd)e begegnen fid^ bie Überlieferungen ber urfprünglid^en 
l^uraaniftifd^en Setoegung mit ber Änttjanblung reformatorifd^er 
2Ifpirationen unb bem fd^fiegtid^en SRüdjug — ftjie bei mand^em 
anberen feiner 3citgenoffen. ©eine beiben §aupttt)er!e finb in 
lateinifc^er ©prad^c gefd)rieben. S)ie 3ci6c^®^^t)ttit erjäljU 
übrigen^ üon bcn öerfd^iebenften ©ingen. an Selefen^eit, ja an 
©efel^rfamfeit fel^It eig bem SJerfaffer nic^t; am intereffanteften 
finb aber gleid^njo!^! feine Äußerungen über Sut^er unb bie Slblafe^ 



^) ®. beffen Hist genealog. principum Saxoniae. Leipzig 1732. 6. 5. 
Sgl. eeel^eim, ®€org ©palatin a($ fäc^Pfd^r ^iftottogropö. ^alle 1876. 

«) Ocborcn 1516 in ©^emnf^ , flcftorbcn 1579 aI8 SRcftor ber grürftcn« 
fc^ule au Vlti^cxL %[. X^. gflat^eS Q^fc^ic^te btefer <54ulc @. 224 unb 
»utfian, (^efd^tc^te ber f[afftf(|en WI. t. b. @. 205ff., au(| Jtämmel in 
ber 9L ^. SBiograp^e s. h. v. Sein l^ift. ^u))ttoerf [tnb feine Origin. Saxon. 
libri Vm. 

«) ©. ©d^öttgen, ißatlrid^t öon (gmft ©rotuffS ßebcn. ©djulprogramm 
avi^ bem Sa^re 1745. ©rotuffS ^@^enea(ogie bed ^au[ed 9(n^alt" ift allein 
bur(^ SUlelant^ond fd§i5ne SSorrebe bor ber SBergeffen^eit gefc^ü^t. 

*) (S^eborcn ca. 1450 ju 3midau, trat er l^alb toiber Stden in baS {((öfter 
0. S. B. SSofau bei S^^if toenbet [id^ halb gcfc^it^tlUi^en ©tubien ju, tarn 
auf biefem &gc in S^ejic^ungen ^uXrit^emiuS, mit beffen (Sm))fe^Iungen 
unb Aufträgen er eine Slnja^l ftidfter SJ^ittel- unb ©übbeutf(^Ianbd bereifte. 

21* 



324 ^i^ 9u(^, fünftel Stü^fittl 

bctoegung. 3n bcr 9iaum6urgcr Sl^roni! ^at er aber bereite 
ben 9iü(!}ug angetreten unb t)ertt)anbelt fid^ bie frül)ere 3itftinnnung 
in ba^ ©egenteil. 3m übrigen befd^ränft er fid^ ^ier nod^ öiel 
njeniger anf bie ©tiftögefd^idjte unb läfet fid) bed toeiteren auf 
bie altgemeinc unb befonber^ bie beutfc^e ©efd^id^te ein. SSon 
einer metl^obif^en Slnorbnung unb SBerarbeitung feinet ©toffc^ 
ift freilid^ feine 9lebe. Snfofeme bebeutet Sang feinen gortfd^ritt 
in ber ®e)d^id^tfd^reibung. S)agegen l^at er fo mand^e toid^tige 
lofafe unb fulturgefd^tc^tli^e ^^atfac^e au\bmaf)vt, bie auc^ 
Späteren ju gute gefommen tft^). — 

%xo^ ber gfiHe beS §ert)orgebrad^ten l^aben njir in bem 
SBorau^ge^enbcn üon l^iftoriograpl^ifd^en Seiftungen epod^emac^enber 
2frt gar toenige auigjujcid^nen gefiabt: toir öerftel^en baruntcr 
foId)e, tüeldien nic^t bloß eine relatiöe Sebeutung jufommt, fonbem 
bie unmittelbar über bie ©c^ranfen i^rer S^it unb Station l^inaw^ 
getoirft ^aben big auf ben heutigen Sag. ©leib an bürfte unter 
biefen ©efid^t^punft fallen, ju einem Steile bielleid)t aud^ Slüentin. 
gür bie 9Kaffe ber in Setoegung gefegten Ärafte ein befc^eibened 
Tia%, njirb man fagen. Snbeö !)aben toir ben ftrei^Iauf bcr 
®cfd)id^tfd^reibung ber SReformationi^äeit nod^ nid^t öollftänbig 
burd)meffen. ©in ®ebiet t)or allem l^aben ftjir biSl^er nur g^ 
ftrcift, bieÄirc^engcf^id^te im engeren ©inne, unb gerabe 
^icr liegt eine jener großen fcitenen Seiftungen t)or, toon toelc^en 
njir foeben gefprod^en fiaben, unb auf fie fommen toir jefet jurüd. 
gür unfere 3^^dEe ^at biefe bie befonbere Sebeutung, bafe in 
i^r ein gortfd^ritt ber l^iftorifc^en aSiffenfdiaft in biefer 3^^ 
gfänjenb t)ertretcn erfd^eint, ben toir bei ber großen SWaffe ber 
?ßrofan^iftorie in ben meiften göUen gar nid^t ober in allju 
geringem ®rabe tüaljrjunel^men termod^t ^aben. 

1) @. über Song @c^5ttgen3 unb ^rei^figS bipTomatifc^ unb 
curicufc 9^acf)lcfc bcr ©iftoric öon Cbcrfac^fcn. XL ©tüd, @. 88 ff. unb ©ru* 
bcr, ^iftorifd^c S^atj^rit^tcn Don ben ©cfc^ic^tfc^reibcm ber beiben @ttftSftftbte 
9?aumbur9 nnb SciJ (1753). 3u bgl. ben ^frtifcl Don ©oratoi^ in ber Ä. S). 
Siogropl^ie s. h. v. 3)ic geiler ©l^ronif ift bei Pistorius SS. I unb bie Jlaum* 
burger hei Mencke SS. 11 QbQcbrucft. 



IDie b. ®cf4ul^tf(6rei6ung unter b.d^mtDirfungen b.iReformation. Srufc^iud. 325 

S)a6 man in einer Setoegung, toie bie ber ^Reformation toar, 
auf Srörterungen ü6er unb au^ ber SBergangenl^eit ber ffiird^e 
immer toieber äurüdfam, t)erftanb fic^ ganj t)on felbft: Angriff 
toie SSerteibigung lonnten ja nirgenbg geeignetere SBaffen für 
i^re ©ad^e fud^en. Siid^t minber na^e lag, bafe bie SReformatton 
hierbei bie 3nitiatti)e ergriff unb bie alte Äird^e nad^folgte. 
«te SBefentlid^e« für un« bleibt junäd^ft, ba& ber ^iftorifd^en 
gorfd^ung in biefem literarifd^en Äriege ein guter 2;eil ber 
55eute äufiel. 

@^e toir aber auf ba^ ^auptti^er! ju reben fommen, foU 
t)orerft öon einigen anberen, toeniger bebeutcnben Arbeiten ge^^ 
^anbeft hjerben. 

SBa§ Äa^par §ebio, ber SRitbegrünber ber 9ief ormation 
in Strasburg, auf bem ®ebiete ber Äird^engefc^id^te im Slnfd^Iuffe 
an feine Überfe^ung be^ (Sufebiui^ unb in feiner Sefd^reibung 
aller alten ^riftlid^en Äird^en leiftete, barf afö rafd^ antiquirt 
betrautet toerben*). Sei i^rem ©rfc^einen ^aben biefe ©d^riften, 
eine populäre SRi^tung t)erfoIgenb, bie angemeffene bete^renbe 
aSirfung geübt, aber tiefer ging if)r ©nflu^ nid^t unb fonnte 
er nic^t ge^en. gür bie dunere beutfc^e Äird^engefd^id^te ^abcn 
fid^ bie beiben SJBerfe beSÄa^parSrufc^iuö über bie ©efd^id^te 
ber Si^tümer unb Älöfter S)eutfc§lanbg eine länger nac^^altenbe 
Sebeutung ertoorben'). SSon übertoiegenb ^umaniftifd^er Silbung 
unb poetifirenben Steigungen ^ulbigenb — Ä. Äarl V. I^at i^n 
1541 JU SRegenöburg jum S)id^ter gefrönt — , gegenüber ben 
brennenben fragen ber 3cit nid^t ganj flar ober unerfd^ütterlic^, 



») @. oBen @. 215. 

*) @. btc l^öd^ft üerbiente 6cf)nft bon 9(b. ^oratoi^, j^adpar »rufd^iud 
$rag unb ^ien 1874. ^erfelbe in ber 91. S). Siogropl^te s. h. v. IBrufc^tuS 
toax am 19. ^uguft 1518 gu ^(^ladenmalbe in Söhnten geboren, befuc^te bie 
Uniuerfttät Tübingen unb führte bann ein ^iemlic^ unfteted ^anberleben, n^ar 
nad^meidbar feit 1555 ^arrer in ^ettendborf (niJrblid^ Don SRegenSBurg) unb 
»urbe am 15. ^or^mbtt 1559 in ^albe ^mifdien 9iot^enBurg o. b. X. unb 
Otnbd^eim ermorbet. — S^fc^iuS ^at au^ baS grid^telgebirg, ^olb ur\b ^olb 
feine ^eimat, in einem eigenen befd^reibenben (Stebid^te t)er^errlid^t. 



326 <^ted IBuc^, fünfte« Stapitd. 

toar örufd^iujJ öon patriotifd^en ©efinnunflcn toic f. 3- SBtm* 
^jj^elirtfl u.a. crfuHt. S)aig ältere feiner beiben ipau^)tti>crfe tft 
bie ©efd^id^te ber beutfd^en Si^tümer (1549), boi^ fofl. Magnum 
opus, boiB aber unt^oQenbet geblieben tft^). SSebeutenber o^ne 
3tDeifeI ift bie ©d^rift über bie bcutfd^n Älöfter (toom 2Sa^ 1550), 
beren 2. 2;ci( erft nad^träglid^ 1692 toon bem SBiener SBibltot^r 
Sieffel üeröffenttid^t toorben ift*). S5rufd)iu^ toar ein Sufeerft 
fleißiger gorfd^er unb ©animier unb mu^te fi^ fein SRatcrial 
jum größeren 3;eile auf feinen öerfd^iebenen aBanbcrungcn erft 
felber fud^en. (£r l^at aud^ in ber %f)at meied }ufammengebra(^t 
unb t)erfügt über ja^Ireid^e Urlunben, Snf d^riften, ®l)romfen n. f. to. 
S)a^ aSerbienft, bie ©efc^id^te eine^ fo n^ic^tigen Seilet unferer 
ßultur juerft in umfoffenber 3Beifc in Angriff genommen ju 
l^aben, bleibt i^m nod^ ungeminbert; nid^t minber geiDtB leboc^ 
ift, ba§ er feinen ©toff mit jiemlid^er SSMUfür unb ju fd^toac^a 
^tif bel)anbelt l^t. $at er fid^ bod) fogar üom folfd^en ^vad^ 
balb nod^ täu^ä^vx laffen. @d fehlte i^m bod^ ber (Straftet, 
ber STOut, bie fefte fittüd^e Überjeugung, o^ne toetd^c jumal in 
belifaten gdUen eine redete l^iftorifc^e Shritif tbm n\d)t benfbor 
ift. S)aö ergibt fid^ no^ beutlid^er au^ feiner ©ef^id^te öon 
Sord^ unb ^affau^) (1573), eineSenbenäfd^rift ju ©unfien 
öon ^ffau, fo toenig rüdEfid^tgöoH er aud^ gerabe l^icr mit bot 
fittlid^en ©ebred^n be^ fat^olifd^en Äleru^ ücrffil^ Son einer 
ftanb^aften S)urc^fü^rung eineg beftimmten fritifc^cn unb fttt^ 
lid^en ®runbfa(je^ ift bei altebem ja feine Siebe, ©o bleibt 
alfo aud^ biefer ©cf)rift nid^t toiel me^r ol^ ba^ 9}erbtenft ba 
erften ?lnregung einc^ red^t intereffanten gefd^id^tlid^en gatte^ 
übrig. — 

^) Magnum opus de omnibus Germaniae Episcopatibas. (^Ntea* 
berg 1549.) — @. ^oramiß a. a, O. 6, 114ff. 

*) Chronologia Monasterionim Germanica praeclpaonmi. 15. -^ 
6. ^oratoi^ a. a. O. @. 141 ff. 

*) ,,De Laureaco Yeteri admodum celebri olim in Norioo ciritate 
et de Patam Germanica'' etc. f. ^orQ)oi| q. a. O. €. 106 ff. sab 
Tümmler, Vilgrtm unb ^afjau. fieip^tg 1874. 6.94 



^ieb. ®ef(l^i(^tf(I^Tet6ungunt.b.(Sintoirfungenb.9lefonnQtton. (Siamerariud. 327 

aSon monograpl^ifd^cr Se^anblung cine^ unb beg anbeten 
fird^gefc^id^tlid^en ©egenftanbe^ fei bei biefer ©elegenl^eit 
Soad^im ©amerariuö' ©efd^id^te ber „bö^mifc^en Sriiber" 
crtoä^nt, ein "Sffotia, toel^e^, toie bie ©efc^id^te ber ^nffiten fiber= 
^aupt, bamate qu$ nal^eüegenben @runben mel^rmatö, aud^ t)on ber 
geflnerifd^en ©eite l^er, bearbeitet toorben ift^). S)er trefflid^e 
Gamerariu^ befd^äftigte fict) fiber!)aupt gerne mit fird^engefd^id^t^ 
Kd^en ©toffen, toie er ja in ber %\)at au^ eine ©efd^id^te Sefu 
S^rifti unb ber Stpoftel unb be^ nicänifd^en Äonjite abgefaßt 
l^at. ©eine ©efd^id^te ber Sö^mifd^en Srüber ^at toenigften^ ba^ 
SSerbienft einer f^mpat^ifc^en unb bod^ nad^ SBal^rl^eit ftrebcnben 
unb ber Qdt nad^ erften Se^anblung biefeg Sl^emaig. 3)ie 
l^uffitifd^e Settjegung unb bie fid^ il^r anfc^tiefeenbe @poc§e ift am 
cinge^enbften be^anbelt: feine Duette gibt ©amerariu^ otterbingg 
nic^t an. ©ie ©nicitung ift infofeme toic^tig, ate er in if)r 
feine Änfid^t öon ber Slrt ©efd^i^te ju fd^reiben t)orträgt unb 
l^ier in erfter Sinie auf SBa^ri^'cit unb ungcfd^minlte S)arftettung 
bringt^). 

Site ein Doräfiglid^er Seitrag jur geiftigen ©eite ber QeiU 
gcfd^id^te barf bie Seben^befd^rcibung 2KcIant^onig burd^ Soad^im 
®amerariug an biefer ©tette auögejeid^net n^erben. ©ie ift ein 
©rjeugniö ber greunbfc^aft unb SBiffenfd^aft jugleic^, ol^ne 3^cifel 
ba^ Sefte, toa^ in biefer (Gattung biöl^er in S)eutfd^Ianb geleiftet 
tDorben. ®r bel^errfd^t ben ©toff öottfommen, legt il^n in tooUer 
81nfd^aulid^feit öor unb fleibet i^n in eine gefd^madDotte, au^ 
brudf^Dotte goi^m. SKelantl^on toirb toieber lebenbig t)or un^^. 



^ud^ (5o(^Iäu9 (8. oben ®. 229) lieg 1541 eine Historla Hussi- 
tomm erf(^einen, bie iebo4 tote feine @(ef(j^(^te Sut^erd uiel ju leibenfd^aftlid^ 
gehalten ift. — aber bit )Bebeutung ber geb. ©c^rift beS C^amerariuS f. au4 
Sacobud Q^ill, ClucSen unb Unterfuc^ungen %ux ^kfd^id^te ber S3ö^tnifc6en 
»ruber, ©b. 1. ^rag 1874. 

<) Xie betr. @4rtft ift erft 1605 üon einem (Snfel beS JBerf. fiubmig 
dTamerariud t?erdffentli(^t toorben. 

«) Ältere S[u«gaBe üon ©troBel (^aße 1757), eine neuere «erlin 1844. 



328 @Tfted 8u4, fünfte« StapM. 

9(^nlic^ei3 gilt ijort feiner Siogro^j^ie @o6att Reffe'S, eine 
trefflid^e E^arafterfd^ilbening , btc fo jiemlicö aUe SSotjügc bcÄ 
oben genannten an fic^ trägt, nur bafe btefe ben größeren @egen^ 
ftanb t)orau§ ^at^). ßamerartu^ l^tte fic^ jugleid^ mit einer @c 
fd^id^te ber Surf en Oefd^äftigt, o^ne bie ©c^rift jebo^ nod^ felbft 
^erauögeben ju fönnen*). @g ioar ja ein S^ema, ba^ bie ©cifter 
jener Qdt tote wenige toieber in ätl^em ^ielt unb bad toiebcr^olt 
in Singriff genommen tourbe, freilid) o^ne toiffenfd^ftlid^ be^ 
rüdCfid^tigt ju »erben. S)ie öerfc^iebenen SJerfud^e tragen fo 
jiemlid^ aQe mc^r einen ))ublijiftifd^en afö einen gefd^id^tlid^ 
ßbarafter ober leiben an ber ©d^toäc^e i^rer literarifd^cn 3Joraud* 
fegungen ^). — 

SBie gerne jebod^ ber intime greunb 9D?eIant^onö ©Efurfc 
in ba^ gelb ber Äird^engefd^id^te unternahm, ber angebeutete 
§auptfd^Iag ift t)on einer ganj anbcren Seite ^er gefül^rt loorben, 
nomlid^ t)on einem entfd^iebenen ©egncr TOelant^onö unb feiner 
irenifc^en SRid^tung, b. ^. öon ^aciuig SH^ricug unb feinen 

1) (Samerartud ^at auc^ eine iBiogrop^ie bcS gfürften ®eoTg üob 
Än^olt, tropfte« Don ?Kagbcburg unb ^cifecn, unb bcSgleic^cn eine bf* 
i^mberget ^atrtiierd ^teront)niud 93QumgärtneT gefd^rieben, bie \ipSta 
^ a I b a u (9?ümberg 1B15) l^craudgegeben ^at. 28er in bief er Slid^tung da^ 
merariud gan^ feniicn lernen mU, barf auä^ feine üortrefflic^ ©d^übentng 
§1. 3)ürerS in ber SSorrebc ju feiner lateinifc^en ^TuSgabc öon beÄ groges 
jeünfticrg ^^^roportionSIel^re" (1532) nic^t überfcl^n. 

«) «on feinen Söhnen (JJranffurt a. 3». 1598) unter bcw XÜcI: De 
rebus Turcicis commentarii duo accuratissime ^raudgegeben. 

^ ^efanntlic^ l^at aud^ Sutl^er mie aUe ^elt [id^ für bie Xfitfenfrage 
lebWt intereffirt; ebenfo «öentin (f. @. 2B. I ©. 172). ©ctreffenb Me Aber* 
lieferung, boj fiut^cr eine üon ©eb. fjranf überfejte 2:ürfen^nil bcffit- 
»ortet f^ahc, fo ift biefe in ncueftcr Qtit ba^in berichtet toorben, hai Sut^cc 
eine ältere lateinifc^ gefc^ricbene dl^ronit ber Surfen (1530) ^abe neu auf« 
legen laffen unb mit einer Söorrebe öerfe^cn (biefe ®^ronif ^abe ben %M 
geführt: Libellas de ritu et moribus Turcorum ante XX annos editos. 
Cum praefatione Lutheri, MDXXX). ^iefe lateinifd^ ^xonit fammt ber 
^orrebe S!ut^erd ^obe gfranf in baS ^eutfc^e übertrogen unb Derfc^tebene 
3ufä^e fammt einem iBor« unb yiadjtooti l^injugefügt. ^L Sn^eiger fit 
bie Äunbe ber SSorjeit, Sa^rgang 1869. — 9lu(^ Ä. ^cuccr ^t über biqe» 
S^ema gefc^rieben. 



^teb.®efd^i(^tf(^reibung unter b.@tnmtrfungenb.9}efonnatton. StaciudSII. 329 

ÜKitar6eitcrn , bcn STOagbcburgcr Scnturiatoren. glaciuö gehört 
unftrcitig toie ju ben cinfcitigftcn fo ju ben bcbeutertbften %\)co^ 
logen ber ©pod^e; er toar berjenige, ber bie Srbfd^aft Sutl^erö 
mit ebcnfo öielem ©eift afö uncrf^üttcrlid^er Überjeugungöfraft 
unb ÄanH)fIuft angetreten ^at unb if)x, tro^ aßen fiber i^n ^erein^ 
bxtä)tnbm 5ßrüfungen bi^ ju feinem 2;obe tren geblieben ift^). 
©n geborener ©Iat)e ift er bod^ mit bem beutfc^en ©eiftc^Ieben 
unb ber ©efd^id^te be^ ^ßroteftantiSmuö in einem ®rabe t)er* 
toad^fen, toie toenige S)eutfd^e ber Qdt ^ gen^efen finb. SBir 
aber ^aben an biefer ©teQe nur t)on feinen STrbeiten im ®ebiete 
ber Äird^engefd^id^te ju reben unb aud^ t)on biefen nur infoferne, 
aU fie für bie toiffenfd^aftlid^e unb fritifd^e SSe^anblung ber &t^ 
f^id^te überl^aupt mit ®rfoIg eine neue SSal^n eröffnet unb ein 
grofee^ Seifpiel aufgefteUt l^at. @§ fommen l^ierbei jtoei SJBerfe 
in Setra^t, t)on toeld^en g(aciug bag eine „©er Äatalog, ber 
3eugen ber SJBa^rl^eit" mel^r felbftänbig aui^gefü^rt l^at*), toälirenb 
bag anbere, bie „Senturien'' gtoar unter feiner Snitiatiöe unb 
Seitung, aber bod^ jugleid^ unter ber SKittoirfung einer Slnja^I 
t)on gleid^ eifrigen ©efinnung^genoffen ju ©tanbe gefommen ift. 
JBeibe finb au^ potemifc^en 9Rotit)en gegen bie alte Äird^e unb 
au§ bem SBebfirfniffe hervorgegangen, bie Sered^tigung beg neuen 
©tanbpunfteS l^iftorif^ äu red^tfertigen. S)er Äatatog ber Scn^tn 
ber SBal^rfieit follte ben SRad^toeig fül^ren, bafe, toie fe^r aud) im 

») ®eBorcn am 3. a^ätü 1520 ^u Sllbona in 3ftrlcn, l^umaniftifc^ gc- 
bilbet, »enbete er fn^ fnt^ nadj ^utfd^Ianb unb ber neuen £e^re ^u, erl^ielt 
1544 bie ^rofeffur ber ^ebräifc^en Sprache an ber Uniöerntät SBittcnberg, 
fuc^te na4 ber 6(^Ia(^t Bei S^ü^Iberg eine ßuflud^tftätte in SRagbeburg, mürbe 
1557 al« ^rofeffor ber X^ologie an bie neu gcgrünbetc Unitjerfität 3ena 
gerufen, öerlor, naä)t>tm er htn Stamp\ gegen SÄelant^on unb bcffen öer* 
nttttefnben @tanbpunft aufgenommen, 1561 bicfe ©tellung, nal^m feit biefer 
geit in öerfc^iebenen ©tobten feinen Slufent^alt, o^nc icboc^ irgcnbmo luieber 
eine ©eimat au finben unb ftarb am 11. SWära 1575 ^u Srranffurt a. SW. 
e. ^xt^cx, aWott^ia« glaciuä 3fft)ticu8 unb feine 8«t. 2 Xle. Erlangen 
1859—1861, unb beffcn betr. «rtitel in ber St. 3). Siograp^ie s. h. v. ®inen 
nid^t JU untcrf(M|enbcn ©eitrag ^atte übrigen« im 3o]^rel844 Xmeften 
geliefert: ,SWat^. gflaciu« ga^r., eine »orlefung". 

*) „Gatalogus testium veritatis." 



330 ^^ S^r fünfte« StccpM. 

Saufe ber 3^i^^n ^^^^ ^^^ ^^^^ ^rd)e unb bad ^pfttutn baiS 
Stc^t ber göttlid^en äBa^rtjett üerbunfett tt)orben, ed gleid^kvo^ 
nid^t ganj erlofd^en toar, bafe cg immer noct) einzelne 3^^ 
gab, burd^ toeld^e ba^ S3e)DU^tfetn ber urfprungtic^n fSaf^ifftH 
üon 3ct^r^unbert ju 3al^r^unbert unb mit i^nen bte gefd^ic^tltc^ 
Kontinuität lebenbtg er^Iten tombe, bi^ enblid^ bte Sfleformotiim 
ben unter ber %jd^e mü^fam glu^nben gunfen knteber ju ^Oer 
glamme anfad^te^). £en ©ebanfen ju biefer ©d^rift ^t glaciii* 
offenbar fcf)on jiemtid^ frü^ flefa&t , im Saläre 1553 loar er mit 
ben 3?orarbeiten fd^on fe^r toeit gebieten, im Saljrc 1556 ift fic 
(ju S5af el) an baS Sid^t getreten *). Ungeffi^r 400 f olc^er Böigen 
toerben an unferen 2lugen öorübergeffi^rt , nic^t immer nur ei» 
jelne $erfön(id^(eiten , fonbem jugleid^ bie ©teQung ein^dner 
Sanbcöfird^en , bie 3^9«iff^ flctuäcr ©^noben ober 3iif^^' 
toeld^e für bie 93erbun!e(ung btd urfprungtid^eit Sid^td^ 3^9^ 
ablegen. 3)er ©d^arfblidt, mit toetd^em glaciuS in. ben M* 
borgenften SBinfeln feine §ilfdtruppe aufjufinben tociß, ber 
©pürfinn, mit toeld^em er bag SScrborgenfte an baö Sid^t jb 
jiel)en Derftanb, ber unermüblidje ^(eife, mit toelc^ er fein 3^ 
verfolgte, aQe^ biefe^ ift gleic^ betounbem^toürbig. Slbgefe^en twm 
ber aSertoertung, bie er bon feinem SRaterial mad^te, bie ja ntc^ 
äberaQ t)on 9SiQfär[ic^!eit frei bleibt, t)on unferem ®eftd|td)>uiifte 
au^ crfd)eint l^ierbei baö SBid^tigfte bie bebeutung^toollc moteriefle 
Sereid^crung , bie fein Gifer ber gefc^ic^tlid^en Grfcnntni^ bed 
a)titte(a[ter^ überhaupt jugefä^rt \)at 3&k meteiS ^t er aitf 
bem ©c^utte ber tjergangenen Sa^r^unberte juerft ttnebcr auf* 
gefud^t unb l^ertoorgejogen ! ') 



>) @. au4 Dr. 3r- ^x. S3auT, bie Qpodftn bfr (ir^Ii^en 
f(6Tei6ung. Tübingen 1852. @. 43 ^. $reger a. a. O. 6. 46a 

^ SqL Dr. SBil^. @4ulte, ^iträge jur (Sntftel^ngdgeff^utte kr 
a)>2agbeburger Senturien. (Separatabbrucf aud bcm 19 Sal^reSberic^ ber fl^fi^ 
tnatl^tc.) 9iei6c 1877. 

B) @ine itoeitt (üerme^rte) 9lu9gabc ^at gflactuS im Sa^te 1563 kKnmftoUet 
(üntn cataloguB testium veritaüB ht S^erfen ^t er niK^ im 3a^ ber erftat 
Äu^abc crfc^inen laffen. 



^ieb.<S^f(^i(^tfc^reibungunt.b.(SintDirrungenb.9ieformQtion. S^adudSH. 331 

Um ein auBerorbentltd^eS jcbod^ tüurbc btcfc ©c^rift, tote 
t0ertt)oU fte aud^ ift, burd^ bad barouffolgenbe jpaupttoerf ber 
(Senturicn übertroffen, ja na^eju in ©d^attcn gefteHt. 3)em ©fer 
i^rcd Url^eberiJ toar ^ nid^t genug, nad^getoiefen ju l^aben, ba§ 
bad jurfidgebr&ngte unb Derbunlelte Stc^t ber göttltd^en äBa()r^eit 
niematö ößHig erlofc^en getoefen fei, ein ganj anbereg toar t^ 
unb eine Demid^tenbe äSirfung mugte ei^ nad^ feiner äJJeinung 
j^ertjorbringen, toenn ba& S)unfel felbft, toie eö öon Sa^rl^unbert 
5u ^al^rl^unbert immer mel^r um fid^ griff unb jute^t ju 
einer JHIeÄ ber^Henben SÄac^t ber ginf temi^ tourbe, in feinem 
ganjen Umfang an ben X^tfac^en t)or Stugen gefteUt tourbe^). 
3n biefem 3iifönimenl^nge ift ber ^lan ber SÄagbeburger 
(Senturien entftanben, fie filieren jenen JBeinamen, toeü bie 
Äugfül^rung begfelben §um guten 3;eile in bie Qüt feinei^ unb 
feiner greunbe Äufentl^alteä in SÄagbeburg fiel, unb toeil bie 
SJarfteQung an ben gaben ber aufeinanber folgenben Sal^rl^unberte 
gefnüpft tourbe. iDtan nimmt tool^I mit 9led^t an, bag i^aciu^ ben 
^lan ju biefem a33erfe nid^t fpäter ate im Saläre 1552 gefaxt l^at. 
j£)aiS Sal^r barauf tl^at er bereiti^ jur SluSfül^rung bei^felben bie 
erften ©d^ritte unb fd^rieb ju biefem Qtütdc eine au^fül^rlid^e 3)ar^ 
legung feinei^ SSorl^abeni^ nieber*). darüber toar er fid^ öon 
Anfang an Har, ba§ er nid^t oI)ne geeignete SRitarbeiter unb 
ebenfo toenig of)ne materielle Unterftü^ung geneigter ®önner 
fein Unternel^men tjertoirflid^en lönne. S)a6 Ijierbei ©c^toierig^ 
feiten ilbertounben toerben mußten, tjerftanb fic^ ton felbft, nid^t 
minber aber, bafe fold^e einen geuergeift, toie er toar, jurüct 
jufc^redEen nid^t bermod^ten. ®enug, im Saufe beg Sal^reg 1554 
f)at fid^ bie ©efeüfd^aft, bereu ®enefi^ bi^ ju einem getoiffen ©rabe 
öfter» an bie Sntftel^ung ber ©efeUfcfyift für bie ältere beutfd^ 
Oefd^id^tölunbe erinnert, in SWogbeburg conftituirt; TOänner toie 
SBiganb, Subej, ©ilfelb öerbienen, bafe aud^ an biefer ©teile il^r 



^) @. 8aur a.a.O. @. 43. 

«) @. Srcger o. a.D. H, 300ff. 



332 <SrfteS S3u(^, fünfted ^itd. 

SRame genannt njerbc. 2tuf bic ^crftcHung cineg auf bcn ur* 
f prüngli^en unb in ntögli^fter ä^oQftänbigfeit gefammelten CueQen 
aufgebaute^ SBerl toar e^ abgefel^en. 6^ tourben ju bicfcm 
3tpedEe SReifen unternommen: SRarcuS SBagner auö griemat 
bei ©otl^a, ber fid^ fpäter afe barfteQenber :piftorifer nit^tö 
n^eniger al^ au^gejei^net l^at, tDar e$, ben ^aciud mit ben 
ttjid^tigften gorfd^ung^reifen beauftragte, unb ber fic^ ^^ieju, toie 
e^ f^eint, l^inlängüd^ gefd^idt erttjiefen l^at^). S)ic S)irchit)cn ^t 
iljm freilid^ baö §aupt beig Unternehmend gegeben. SRou be» 
ttjunbert l^ierbei aufS neue bie ©ad^Ienntni^ unb Umfid^t, mit 
ttjelc^er gtaciu^ babei öerful^r unb bie für jene3citen tlfyxt^dÄ^ 
fpiel ift. @ig fel^tte nid^t an ©ntgegenlommen auf terfd^iebcnen 
©eiten, auf ben ^öl^en unb in ben Xiefen, bie Oetbmittcl freiließ 
tooüten oft nid^t ben Srnjartungen gemäfe fließen; ücrf^iebcnc 
SRümberger unb 9lugi§burger ^ßatrijier fd^einen mit baS ©eflc 
getl^an ju l^aben*). ©in befonberö »armer ®ßnner bed SBcrW 
ttjar auc^ ber faiferlid^e 9lat Äaöpar öonJRibbrudt inSSKoi, 
ber aud^ ju ©leiban in naiven Sejiel^ungen ftanb'). 9o(^ 
Hemmungen anberer Slrt taud^ten auf, bod^ tourbeti fic u6e^ 
tpunben, um bie SKitte beig Sal^reö 1557 ttjaren bie brei erftat 
ßenturien öoüeubet, unb 1559 erfd^ienen fie in einem Soube 
tjereinigt — unb fo fort big 1574; in biefem Saläre loutbe Wc 
13. ausgegeben, bie auc^ bie le^te geblieben ift unb ipel^e glaciiö 
nid^t mel^r aufgearbeitet l^at*). 

3;reten tüir nun bem SBerle felbft betrad^tenb unb bc» 
urteilenb naiver, fo ift eS nid^t unfere abfid^t, ju n^ieber^olen, 

») %L übet il^n bcfonbcrö Schulte o. a. 0. 6. 95 ff. 

*) %m6) ber le^tc (^raf ($^ilt))p) t)on SRicned (m(^t Stdnecf) ob (Skmuitbm 
in Untetfranfcn, ber f. 3- (iu4 bie aud ©c^meinfurt mit intern Qkma^e qc* 
flüchtete 0(i)mpia SJtorata gafttic^ aufgenommen, toirb unter bot ^cmi' 
toten genannt 

>) @. Saumgatten, @(etband Sebcn @. 92 unb berfelbe, 6IdteBS 
Sötiefmcc^fcl, fteUcnweifc. 

«) ^ie btei noc^ folgenbcn S^enturicn koaten 1587 bei föiganbft Xtkit 
bet SoHenbung nal^e, erreichten fie aber nic^t mel^r. Über fpftteic IBetfuc^ 
ber Srortfe^ung f. $ reger a. a. O. II, 481. 



3)ieb.(ikf(^c^tf(^Bun9 unter b.SintDirfungenb.SReformation. gfladudSa. 33^ 

toa^ übtx bic Sebcutung bcSfdbcn afe ba^ erfte eminente Seifpiel 
einer Äird^engefd^ic^te öon anberer ©eite gcfagt toorben ift, nod^ 
bie ©d^toäd^en beö ju Oninbe Itegenben ^ßrinjip^ unb bcr ^ox^ 
malen Sel^anblung unb ©ni^pirung aufiS neue ju erörtern^), 
©pod^emac^enb ift unb bleibt immerl^in ber umfaffenbe Segriff 
ber Äird^cngefd^id^te , tjon toetd^em bie ßenturien au^geljen unb 
toeld^en fie fiegrei^ burd^gefül^rt l^aben. 3)a^ SBerl ift x\a6) einem 
fo umfaffcnben ?ßlane angelegt, bafe ni^i^t^ S33efcntlid^eg unb 
SBid^tige^, toag jum Segriff ber Äir^engefd^ic^te gel^ört, tjer* 
migt n)irb, unb el^er ju t)iel atö ju n^enig gegeben n)irb. 2)ie 
blofe äufeere ©inteilung nad^ Sal^rl^unberten ift unleugbar ju 
obcrpäd^lic^ gegriffen unb erfd^njert ben ©nblidE in ben Sufammen*= 
l^ang ber Singe mel^r ate billig, fotoie onbrerfetti? bie grofee Qtr> 
teilung unb ^ctftfidelung be§ ©toffe^ aQjutjiele SBieberl^olungen 
im Oefolge l^at, unb oft trennt, toa^ ber 9?atur ber ©a^e noc^ 
jufammen gehört. Slud^ barf gerabe im ^inblidE auf unfere 
Slufgabe nid^t öerfd^njiegen ttjerben, bafe ber SKafeftab einer apri^ 
oriftifd^en ©etra^tung^toeif e , ben fie an bie Beurteilung ber 
alten Äird&e unb in erfter fiinie be^ ^ßapfttumg anlegen, ein 
burd^au^ ungefd^id^tlid^er ift, mit ttjeld^em fie ben fonfreten @r* 
fc^einungen unb (SnttoidEelungen be^ l^iftorifd^en Seben^ nid^t 
geredet tnerben. S)ie gäl)igfeit ober Steigung, bie (Srfd^einungen 
ber ©efd^id^te auf biefem ©oben objeftitj ju beurteilen, fel^lt iljnen 
unbebingt. S35a^ aber bie ©d^toäd^e bcr ©enturiatoren toar, ift 
äuglet^ JU i^rer ©tdrfe getporben. Snbem fie in bem 5ßapfte 
a priori ben Slntid^rift erblidten, fo feigen fie auc^ in ber ^rd^e, 
fottjeit fie öom 5ßapfte bel^errf^t ift, nur ba^ 9ieic^ be^ Sinti- 
d^riftg unb fe^en e^ fi^ nun jum Qtotdt, biefeg Slnti^riftentum 
Don feinen crften Slnföngen an unb in feinem fortfd^reitenben 
aSac^^tume b\& ju bem erfolgreid^en Singriffe burd^ ben 5ßro*^ 
teftantiigmu^ mit unerbittli^er ©d^örfe ju tjerfolgen. 8luf biefe 
aScife fd^mieben unb gebraud^en fie nun bie SBaffen ber l^ifto^ 



>) @. öour a. a. O. @. 44ff. 



334 <^tcd a3u4, fOnfted Staspitd. 

rtfd^cn Äritil, bie bi^ baftin faum gcal^nt toorben toaren unb 
ein frud^tbringenbcÄ Scifpiel für jcbc ?lrt bcr gef^ic^tlid^en 8fr 
trad^tung fibcrf)aupt gctüorbcn finb. ©o fant bai3 fritifc^c ^^itp, 
ba^ bent ^roteftantiSmu^ im ©egenfa^ jutn JtatJ^oIijidmud imifr 
tt)oI)nt, in übcrtüöltigeubcr SBuc^t in ber Äntoenbung auf bie 
©cfc^id^tc jum S)urd^6ruc^. Sic Slnfprüd^c ber ^trc^ unb be« 
^pfttumö ttjurben nad) il^rcr ©cred^tigung gefragt unb bereu 
oft nur alfju fc^tpac^cn Segrünbung mit bcm ©d^arfblidc beÄ 
SJcrbad^teg unb oft bc^ §affeg untcrfud^t. an ber ^Prüfung ber 
(5Jefd)ic^te bc^ 5ßapfttumö ^at bicfcig il^r Iritifd^eS SScrfo^rcn feine 
aWeifterfd^aft 6etpäf)rt. ^Unb inbem fic fo bie SiebelgeftaÜen 
jerteilten, burd^ toeld^e bie §icrard^ic unb ber 5ßapft il^rcn eigenen 
Urfprung öerpllt Ratten, Iciftetcn fic jugleid^ ber allgemetneÄ 
I)iftorifc^cn SBiffcnfd^aft einen großen 2)icnft" *). Sie Autorität ber 
alten Sage tjon bcm römifd^cn Spi^!opat bcÄ Äpoftel ^^etni# 
t)ermoc^tc nid^t fic abju^altcn, bereite auf bcmSobcn ber eMm« 
gclifc^cn ®efd^id^tc bcn Stnfprüc^cn bcr römifd^en Sifd^öfe a* 
gegen jutreten. Sag ^ctrud nac^ 9iom gcfommen fei, luoDen fie 
nac^ ben DorUcgenben 3cugniffcn bcr j!irc^ent)ätcr aUenfalld ge(tei 
laffcn, ba mon aber in jcbem ^^i^Pw^^^^r i^^ toeld^cm mau i^ 
nac^ 9tom fommcn läfet, ouf ©d^toicrigfeiten ftöfet, laffcn fte bie 
(SJfaubnjürbigfeit bcr ©od^c ba^in gcftcllt fein. Scr @c^Iu§ i^rer 
SWeinung ift, njcnn 5ßctru^ in 9iom toar, fann er für jeben galt 
nur fcl^r turj unb nid^t in bcr i^m beigelegten ©igenfc^aft bafelbjl 
gcwcfcn fein. — Sft bie ©cfdjid^tc im Sntcreffc beÄ ^Ikpfttumd 
unb bcr §icrarc^ic burd^ fo mclc untcrgefc^obenc 3)ofumente ge* 
fälfdf)t njorben, fo mad^cn c^ fic^ bie Ecnturiatoren ju einem 
bcfonbcrcn ®cfd^äft, fo mandjcn „frommen'' Setrug biefer Art 
äu enthüllen, ©c^on beim crftcn Sa^rl^unbert nehmen fic We 
gragc über bie falfc^cn arcopagitifd^cn ©d^riften auf, bie berettt 
©raigmu^ angeregt, aber nid^t ju ©nbe gcfül^rt ^atte, unb toeifett 
i^nen if)rc Qüt an; im streiten griffen fie mit gutem Äed^ 

SRonfc, beutfcftc öcfc^icfttc im 3citaltct bcr Sieformation. V, 355. 
(9(u*gabc üon 1868.) 



^ie b. (Skfc^ic^tfd^reibttng unter b. (StiUDithmgen b. !Ref otination. S^actud SQ. 335 

einige ?ßfcuboc|)i9rap]^n, toic j. ©. ben §irten bcig Vermag ati^). 
®ad üKeifterftfid il^rer Äritif lieferten fie aber mit bem S^ad^toetfe ber 
Une^tl^eit ber fog. „falfd^enSefretalcn''. Sl^re bejüglid^e Setüeiö* 
fü^rung ift bercitig fo fd^Iagenb unb eöibent, bafe ©pötere l^öd^ftenS 
noc^ ben 3^^^""^* ^^ Sölf^ung naiver ju beftimmen l^atten^). 
SKtt gleid^em (Sifer toirb ber frül^e, tjcrberblid^e ©nftufe ber 
römifd^en Äird^e in ©ad^en be§ 5hiltu^, unb tjon ber britten 6en*^ 
turie an in bem Siapitel öon ben 3^c^onien unb ©ebräud^en 
toerben bie öon berfclben mit SSorlicbe ge^)flegten abergtäubifd^en 
SBorfteHungen unb ©cbräud^e nad^genjicfcn. 9Son ba an jie^en fie 
Don 3al^rl)unbcrt ju Sa^rl^unbert ba^ nun nal^eju tJoQenbetc 
?ßapfttum in gleid^er ©^neibigfeit unb ©elcl^rfamleit tjor il^r 
fritifd^c^, iDcnn au^ nic^t immer un^)arteiifd^e^ (Serid^t. ©d^ärft 
il^re Stbneigung, toie ertoäl^nt, il^r fritifd^e^ ?luge, fo Verliert bicfc^ 
gelegentlid^ tool^I auiS bem glcid^en ®runbe feine Seßhaft, toenn 
fie }. 8. bie ©age tjon ber „5ßopftin Sol^anna" beftc^en laffen. 
Stt ber Beurteilung beg 5ßapfte^ ®regor VII. berühren fie fid^ 
mit Süentin, nur mit bem Unterfd^iebe, bafe fie tjon religiöfen, 
nid^t mie biefer tjor aQem tjon nationalen (Sefid^tSpunften geleitet 
toerben unb bafe Sltjentin einen ttjefentlid^ gefd^id^tlid^eren 2tuS* 
gang^puntt gegenüber ben ßenturiatoren tjorauä l^at. 

8e!annt ift, bafe bie l^erau^geforberte römifc^e Äird^e ju 
bem Angriffe ber ©enturiatoren ni^t gefd^ttjiegen unb il^n mit 
einem üergleid^unggtoeife gleid^ ^od^bebeutenben SBerfe, nämlid^ 
ben Annales ecclesiastici be^ ßarbinal^ Saroniu^ unb feine 
gortfe^er ertoibert t)at. An ©infeitigfeit beg ©tanbpuniteä tommen 
fic^ bcibe ®egner jiemlid^ glcid^, unb toenn jugegeben toerben 
mufe, bafe baig SSerfal^ren be^ alten Dratorianerö jum minbeften 
ein ebenfo gefc^id^ttic^cö ift afe baö ber ßenturiatoren , fo bleibt 
nid^t^ beftotoeniger toaljr, bafe in ©a^en ber Äritil ber lefeteren, 
atö auf ber ©efenftüe öerl^arrenb, beträc^tlid^ jurüdEfte^t unb felbft, 
too er nad^jugeben fd^eint , toie j. ®. in ber Urfunbe tjon ber 

1) 9^ante a.a.O. 8.336. 

«) ¥rcger o. a. O. II, 458—460. 



336 ^^teS ®u(^, fünftes Stapitd. 

(falfd^cn) ©d^enlung Sonftanttn^ , l^öd^ftcnÄ in bic SBa^n bcr 
^Pfcubofritil eintcnft^). S)urd^ bic §ert)orjic]^ung unb aulSnüftung 
einer großen @umme urfunblid^en äJtateriate f)at ftd^ ja auc^ 
öaroniuS ein nac^^altenbeg SScrbienft ertoorbcn, aber ba^ SBilb, 
bag er öon ber ©nttpidfelung ber ftird^e burd^ bic Sa^r^unberte 
l^inburd^ entnjirft, entfpric^t bem toirftid^cn SScrIaufc jum min* 
beften nid^t beffer atö bic 3)arftelfung bcr glaciancr; für bic 
^iftorifd^e SBiffenfd^aft bietet e^ ^ol^e materielle SSercic^crung, Dom 
©efid^töpunftc ber Äritif au« beurteilt fte^t ^ beträd^tlic^ hinter 
ben Senturiatoren jurüd. — 

3Sir l^aben unö grunbfö^Iid^ aufgefpart, jum ©c^Iuffc biefcd 
9tbfd^nitte« t)on l^iftoriograpI)ifd^cn Seiftungen auf einem ®cbicte 
ju fpredjcn, ba« STnbere üietleid^t an ben Slnfang gcftcHt litten, 
nämlid^ üon ben Slrbcitcn ber S)eut]d^en in biefer 3^^^ auf bem 
®ebiete ber fog. alten ©efd^id^tc. Sie ©rgebniffe ertoeifen fxi) 
^ier jebod^ in feiner 3Seife in bem ®rabe txf)Miä), ate man Don 
einer ©podje ertparten möd^te, in ttjcld^er bic Äbepten beS $tt* 
mani^muö ha^ grofee SBort aud^ in ber (Scfd^id^tfc^rcibung gt» 
fül^rt l^aben. ©n ®runb biefer Sl^atfad^e mag aUcrbtngiJ in 
bem Umftanbe gefunben ttjcrbcn, bafe bic balb beginnenbc rcfot^ 
matorifd^e Setpcgung fidler fo mand^e Äraft in Änfprud^ na^m, 
bic au^erbem Dielleid^t aud^ in biefer SRic^tung fid^ ^crDorget^ 
l^otte. SBenn njir bal)er baDon abfel)en, ttja« in ©c^riften über 
bic allgemeine ©efd^id^te, tpie j. 8. burd^ Sarion, SKcIant^on 
u. f. tv. für bic alte ^iftorie*) etnja geleiftet ttjorben ift, ober öm* 
in toeiterem ©inne beffer unter ben Segriff beö SHtertumiS über* 
l^aupt fällt, ift auffallenb njcnig probujirt toorben. Auf bic b^ 
treffenben Slrbeiten Su^pinianig ^aben ttjir bereitig l^ingctoiefcn'). 



^) IBcIel^renb ift bie 3ucignung bcd 1. IBanbcd ber Annales eccL tNm 
$. $iud V. G. Baronii , Epistolae et opuscula. ^rauSgegeben Don 9eg. 
«llbcricu«. Romae 1767. 6. 145. 

«) 3n betreff bc« Moffifcften Altertum« bürfcn »ir wo^I br. m, osf 
8urfian8 ^(efc^ic^te ber flafftfc^en $^iIo(ogte in ^ntfd^Ianb ^tntoeifcn. 

>) @. oben 8. 105. 107. 108. 



S)ie b.®ef(^i(^tf c^reibg. unt. b. ^tntoirfungen b. Siefotmation. ^ie alte ©cjc^ic^te. 337 

®aö ©tubium ber t.ömifdjcn ©cfc^idjtc \)at er mit audgefprod^eiicr 
SSorliebe gepflegt, meistere einfdjlägige ©d^riften ^at er l^erauö^ 
gegeben, tüte j. 8. bie römifc^e ©efd^id^te beö 2tnnäu^ gloru^ 
in einem uerbeffcrten Xejte, bie ^erau^gabe anberer, an6) 
grie^ifdje j. 8. be^ S)ioboruö ©iculu^, \)at er t)erantaJ5t. ©eine 
commentirenbe Sfu^gabe ber Äonfularfaften mit bem Chronicon 
Cassiodori unb bem Breviarium Sexti Ruft ift freitid^ erft ge* 
räume Qdt na6) feinem 3;obe, im Saläre 1553, burc^ feinen 
©i^üfer, SRitoIauö ©erbet an baö Sic^t beförbert tüorben^). 
©einer ©c^rift über bie Caesares unb Imperatores ift bereite 
türiter oben gebadet tüorben. 3SieIen ©eifatt \)at eine populäre 
„Siömifd^e ^iftorie auig 3;ito Siöio gebogen" *), ate beren 9Ser* 
f affer SBeml^arb ©d^öferlein genannt toirb, gefunben; fie ift 
öftere lieber aufgelegt ober nad^gebrudt tporben, jum Setoeife, 
baB auc^ folc^e S)arftellungen ber römifd^en ©efd^idjte gerne ge* 
lefen ju loerben pflegten. STuc^ ein l^od^gefd^ä^ter ^nmanift jener 
Stage, ©lareanug, ber fid^ u. a. ebenfaKö üiel mit Simuig be^ 
fc^äftigte , l^at eine Sitjianifc^e S^ronologie , b. \). einen c^rono^ 
togif^en Slbrife ber r8mif^en ®efd)id)te nad^ £it)iug (»afel 1831) 
üeröffentlid^t^). Siöiuig toar einmal tt)of)l ober übel bie betjor^ 
jugte QueCe für bie Slenntni^ ber rbmifc^en ®efd^id^te in jener 
3eit. 3iid)t bIoJ5 ber römifc^en, fonbern aud^ ber gried^ifd^en 
©efc^id^te ^at ber bereitig ertoäl^nte SBiener SB. Sajin^ fid^ 



1) »gl. «fc^bac^, ©cfc^ic^tc ber TOencr Uniöctfität II, 305, «Tnm. 2 
unb 3. — Xf). 3Koinmfcn, über bie S^ronogrop^en öom 3Q^rc 354. SSgl. 
audj über bie Caesares unb Consules (S^uSptnianS bie intcreffante <^telle 
@. 108 in bem ©(^reiben ©i^eurl« (©riefbuc^ II, 246) üom So^rc 1507 an 
Äarl V. — Über <«. ®erbcl f. Slfc^bac^ a. q. O. @. 316—318. 

«) e. 9J?Qinä 1505. 

*) ©larcanu« (eigentlich ^einric^ Soriti) »ar im 3uni 1488 ju ©loruS 
geboren, lehrte jucrft an ber Uniüerfität 23Qfel, feit 1529 in gfieiburg i. IBr. 
unb ftarb am 28. aWärj 1568. (5r gehört jur (äJruppe jener ©umaniftcn, 
blc fic^ hvilei^t Don ber ^rc^enreformation jurücfge^ogcn §aben. 9?gl. bie 
(B^rift §. Schreibers über il^n (greiburg 1817) unb beffcn ©cfc^ic^tc ber 
Uiüuerfität greiburg n, 178 ff. unb ©. ißifdjer, ©efd)r. ber Uniöerfttät »afcl 
®. 194 ff. 

0. fBcflcIf, 9ef(^i4te ber bevtf(^en ^iftoriograp^ie. 22 



338 GrftcS ^u(^, fünfte« ÄoptteL 

angenommen ^). ^a^ bebculenbere bcv bcibcn 333erfe ift ba^ über 
bie griec^ifcfie ÖJcf^i^te. Sic Selefcn^eit ift grofe, aber öon einer 
met^obifc^en Sel^anblung beö tjielen bunt jufammcn getragenen 
Stoffel ift l^ier fo njenig eine SRebe, aU bei feinen njeiter oben 
berul^rten ©d)riften. 35ocf) ift er ber Ginjige in biefer 3^*it 
ber — nad) feiner 9lrt — ber ®efd^id)te t)on 9ltt)en einge^enbere 
Slufmertfomtcit jugctpenbet l^ot. 9Kan Ijat öiclteid^t mit SRec^t 
baö n)efentlid)e SBerbienft biefer Sommentare in ber umfaffenben 
9Inn)enbung ber 9?umiömatif ouf bie gefd^idjtlid^c 5orfd)uug gc^ 
funben^). 

9inei§ in allem bleibt eg immerljin SBSenige^, toa^ biefe ®poc^ 
für bie ßrforfdjung ber römifc^en unb griec^ifc^en ®efrf|icötc ge» 
leiftet l^at, unb felbft unter bem 33Jenigen ift baö ©rgiebige 
fpärlic^ gefät unb bleibt e^ ber fommenben 3^'t torbc^Iten, 
ba^ l^ier üerfäumte nad^jul^olen^). 



») 6. oben @. 253. — 3)cr römifcftcn ©cfc^ic^lc unb bem römlft^« 
^Itcrtume finb feine „Reipublicae Romanae in externis provinciis bello 
constitutae commentariorum libri XII etc. (Basilae 1551), ber grte c^tftfies 
feine ^yHistoricaram Commentationum rerum Graecorum libri dao etc. 
(öafel 1553) gettjibmet. 

«) Schier, ®efc^. ber ^iftor. 5orfct)ung unb Äunft. I. 1, 210. 

*) @in SBerf mie bog unfere barf mo^I auc!^ bie Snigc, toai in bief« 
apodji etiua für bie Jörberung ber ii^itcrotutgef^i^te gef(^^en, nid|t tiöflig 
mit SttÜfc^kueigcn übergeben. 8o fei benn ^ier auf bie Bibliotheca univer 
Balis be« grofjen ?oh)^iftor§ Gonrab ®c8ncr (geboren §u 3ÜTi4 am 
26. ^ärj 1516, gcftorbcn am 13. 3)ejcmber 1565) ^ingcwiefen. (£r rolrb qI# 
©egrünbcr ber neueren IMtcratunoiffcnfc^aft bejcid^nct, eine »irtlic^ l^iitonfAe 
2)arfteIIung ift baS genannte ^crf jeboc^ tro^ aßen ^erbicnfte« nic^t. ^gl. über 
i^n aunäcl)ft Wdfjit) in ber ?(. 3). 53iogrop^ic ». h. v., »o oHe weiteren »ad|* 
weifungen gegeben finb. 



^weites S5ud^* 

^a$ ^etfaffer bn ^e^enxefoxmation unb be$ 



SSScnben tütr, e^c lüir unferc SBetrad^tuitg tüeiter t)erfo(gcn, 
unfere Slicfe nod^ einmal auf bie jurücfgelegtc ©trccfc jurüdE, 
fo brängt ftd^ un^ bie eine ^rage auf, in njetd^cm 9?er^ältniffc 
fte!)t nad^ bem ®rabc i^rer Seiftungen bie eben gefd^ilberte beutfc^e 
©efd^ic^tfd^reibung ju ber tjemanbten gleid^ jettigen Siteratur ber 
übrigen Äulturt)5(fer be^ Slbenblanbeö? 

5)ie 93eanttt)ortung biefer ^^^age, tüenn fie erfd^öpfenb njerben 
fott, bürfte fd^toieriger fein , al§ e^ bem g^^meftel^enben uieKeid^t 
crfd^eint. @ig ift nic^t unfere ?Ibfid^t, biefen SSerfuc^ ju untere 
nehmen, fd^on meil er un^ tjiel ju tüeit t)on unferem Qkle ab- 
füt)ren lüürbe, benn t)iel ju enge ja ^ängt bie ®efd^id^tfdE|rei6nng 
eine^ 9SoIfe^ mit feiner ©efd^id^te überl^aupt unb ben förbernben 
unb ^emmenben STOomenten berfetben jufammert. Sinige furje 
Sin beutungen über biefe 5^age njerben bagegen geftattet fein. 
3)er oft behauptete enge 3wiöntmen]^ang ber ©nttpidelung ber 
romanifd^^ermanifc^en ffiötfer, fo unangreifbar er im ©runbfa^e 
erfc^eint, forbert in ber 9tnn)enbung ju immer neuen SWobififationen 
auf. 3m 9}?ittetalter l)alten fie in allen gefd^id)tlid^en fingen 
in tjiel l^ö^rem ®rabe bie gleid^e Cinie ein, afe nad^ ber @r= 
fc^ütterung unb bem 3uföntmen6red^en be^felben. ©eitbem ge{)en 
fie nur gar ju pufig jebe^ feine eigenen 3Bege, nid^t bIoJ5 infofeme, 
otö bie eine Station fd^neüer marfd^irt al^ bie anbere, ober t)er* 
todRibte @t)oIutionen ju fe^r tjerfd^iebenen Qeitm ]i6) tjolfjiel^en. 
Stt ©ac^en ber Siteratur unb fpejiell ber ©efd^id^tfc^reibung ift 

22* 



340 Sroci^c« 93uc^. 

eig nid)t üiel anber^. 2)ie SSergleic^ungen ftellen firf) au^ biefem 
(^ruitbc uic^t fo leicht an. Xro^bem braud^t man fein Söort 
njciter barübcr ju öerfieren, baß bie Staücner feit bem 3(u^ 
fonuuen beö ^umani^mu^ bi^ tief in bai§ 16. 3af)r]^unbert l^inein 
allen übrigen Stationen Dorauö luaren unb bie 9)?ufter unb Se^rer 
beifelben gemefen finb. Unter bem 3wfömmenn)irfcn einer 9tei^ 
üon 3Jiotiüen, bie f)ier nid)t njeiter erörtert jn »erben brauchen, 
l)aben fie eine 9(njal)l uon ^iftorifem t)erüorgebrac]^t , »eichen 
fein anbere^ 33oIf etn^a^^ ä^nlid)eö an bie ©eite fegen fann unb 
bie balb burd) iyelet)rfamfeit unb alle Üieije be^ ^umani^^mus, 
balb burd) formelle 55ollenbung unb ben ftaatSmännifc^en ®eift 
il)rer SBerfe jebe fremblänbifd)e Äonfurrenj auöfc^liefeen. £ie 
9famen einest Sabellicu-5 unb 3oDiu^, eine^ 5D?ac^iaDeUi unb 
©uicciarbini, einei^ 9?arbi unb 93arcdji, maö man auc^ an i^nen 
üenniffen mag, ^aben nidjt bloß bie öenjunberung ifjrer Sanb^ 
leute, fonbern ber gebilbeten SBelt errungen unb uerbient. 6* 
fann unö S)eutfd)en bal)er in feiner SSeife in ben Sinn fommcn, 
mit biefen 9)Jännern in ien üBettfampf eintreten ober i^uen ben 
gebü^renben 3Juf)me!2Jfranj ftreitig mad|en ju n)oUen. Söir fjabcn 
freilid) unfere ©leiban unb bie Senturiatoren , toelrfie bie oU^ 
gemeine 3lufmerffameit auf fid) gebogen, bie über 2)eutfc^lonl) 
f)inaug (Sinflufe geübt l)aben, aber nic^t afe SBJcrte ber gorm^ 
Doüenbung unb ber ]^iftoriograpl)ifd)cn ftunft, fonbern ber ©e* 
finnung unb ber gorfd)ung, ber Jltitif ! ^Dagegen Dermögen roir 
nid}t bloß mit ben granjofen unb ©nglänbern, fonbern felbft mit 
ben Spaniern biefer @pod)e ben SSergleic^ njo^l au^ju^Itcn. ®ncm 
b'3lDila ftellen mir ©leiban entgegen, unb f)aben bie gwnjofcn 
für bie @efd)id)te il)rer 9J?onard)ie beffereö geleiftet aU mir für 
bie @e)d)i^te unfereö SReidjeö, fo merfen mir juoerftt^tlic^ bie 
Bearbeitungen unferer £anbe^gefd)ic^te in bie SBagfd^oIc unb 
erinnern unö, bafe mir in ber Jörberung ber allgemeinen ©efd^ic^tf 
§um minbeften nic^t l^inter i^nen jurüdftet)en. — 

Snbem mir nun aber im Segriffe finb , bk ©rcnje Vä 
fommenben 3eitraumed ju überfdjreiten, t^un mit baS ni^t o^ne 






®a« 3"toltcr bcr Gegenreformation unb bc^i ©tiffftanbc«. 341 

3ö9en, tueil mv nur ju gut tüiffen, bafe tpir fcfitüercn 3^iten 

entgegengetieu, bic bcm ©ebeil^cn ber Siteratur tpentg günftig, 

unb nid^t am njeuigften l^inberlid^ ber ©efd^ic^tfd^reibung finb. 

9Baö man melfeirf)t ^ätte ertüarten mögen, tüar ein tapfere^ gort* 

fd^retten auf ber geebneten Sal^n, ein fortbauernbeg frucl)tbareö 

3ufammenn)irfen beÄ l^umaniftifd^en unb be^ reformatorifd^en 

©lementeg, eine fro{)e, fättigenbe (Sntnjidfetung be^ SSorau^ 

gegangenen, unb bod^ ift aUeS fo ganj anberö gefommen. 9?on 

einem gortfd^ritte ift faum auf einem ?ßun!te bie Siebe, über* 

tpiegenb löfet fic^ ein ©tillftanb, oft felbft ein SlüdEgang toal^r* 

neljmen. S)er enge STnfd^Iufe ber ©efdjid^tfd^reibung an bie Jf)eo-- 

logie, ber im 3citalter ber Steformation iljre greiljeit jmar be- 

einträd^tigt, i^r aber offenbar bod^ jugleic^ mand^en SSorteil ge* 

bracht, fe^t fic^ im barauffotgenben Sa^r^unberte noc^ fic^tbar 

genug fort, aber barauö etma entfpringenbe SSorteile finb feiten 

ju entbedEen. §atte ber na^e 3ufammenl)ang mit bem ^umani^muö 

unb beffcn 3?a^ti)irfungen bie Pflege ber^tftorie feit jmei 9Kenfd[)en* 

altern geförbert unb erfrifd^t, fo tjerliert ba^ ©tubium beö flaffi* 

fc^en Slltertum^ je^t felbft balb genug an ©c^toung, gru^tbarfeit 

unb Originalität, bie einjigenTOeberlanbe aufgenommen, biefreilid^ 

6alb genug il^re eigenen SBege gelten. 2)a§ proteftantifd^e Seutf^* 

(anb leibet unter biefer SBenbung in feiner 3trt nid)t tjiel minber 

alö baö fatl^olif^e, nur mit bem Unterfd^iebe, bafe e^ fein ge* 

Iet)rte§, mit ©orgfalt gepflegte^ ©d^ultoefen loenigften^ auf eine 

freiere unb rationeifere ©runblage fteQt ate biefeg, unb mieber 

bcfferc Qeitm mit vorbereiten f)ilft. S)ie SWaffenl^aftigfeit ber 

^iftorifd^en ?ßrobuItion läfet jtpar burd^auö nic^t^ ju münfc^en 

übrig, jebodE) baö tpirllid^ ®el)altreid)e unb ®etoinnbringcnbe fielet 

in auffallenb ungünftigem SBerl^ältniffe ju berfelben. 9J?and|eö, 

tooran n)ir nod^ greube l^aben, ift unter ben JWad^toirtungen ber 

üorauögegangenen Qq'ü entftanben ober reid^t mit feinen SBurjeln 

boc^ in biefelbe jurüdE. SBaÄ man u. a. gans befonberig tjermifet, 

ift bie Äunft ber gcf^madEöoHen 3)arfteIIung , ber formellen S8e* 

^anblung, eine ©rf^einung, bie mit bem ©infen be^ nationalen 



-\.^ 



342 3ro<^tcÄ ©ud). 

©eifte^, mit bem notorijc^en Slücfgang unfcrcr ©prad^c unb 
Siteratur überl^aupt jufammcnl^ängt. Saum bafe baö eine ober 
aubere aSJcrl t)on wirflici^ felbftänbigem gef^id^tlic^en G^ralter 
ju nennen ift, auf ttjeld^e^ mx ^cutjutage no6) mit ©tolj ober 
boc^ mit Sefriebigung jurücljublicfen tjermögen. S)ai^ SBcfte ift 
auf bem ©ebiete ber fianbe^- unb ©pcjialgei^id^tc gefd^affen 
njorben, an toddf festere fic^ fclbft foIc^cS, toa^ etwa ber beut* 
fc^en ®efd)ici^te ju gute gefommen ift, aufö engfte anfrf|licBt. ®ie 
Unit)erfalgejc^icl)te l^at geringe görberung erfal^ren unb bie 3cit« 
gefcl)ici^te, bie fic^ fo tüic^tig unb t)erl)öngniöt3oIl anliefe, ^at faum 
eine ©arftellung aufjumeifen , bie auf ber §ö^e ber getoaltigen 
ßreigniffe fteljt. 3)ie Urfa^en, bie biefe^ nieberfc^Iagenbe Gr* 
eigniiS I)er6eigefüt)rt ^aben, finb befannt unb Ijäufig genug erörtert 
njorben. SSic nalje liegt eö wenigften^ für ben oberflächlich 
ober befangenen Seobac^ter nid)t, bie ^Reformation für biqcn 
Siiebergang ücrantmortlic^ ju mad)en, unb mit todd)' bod^ftcc 
©c^abenfreube Ijat man biefe^ nic^t getrau ! Siafe ber ganati^mud 
unb bie ßänf^reicn ber 3^I)eoIogcn nid^t frei oon S^ulb jn 
fpredjen finb, ift ja XDai)X] biefen aber bie SBeranttoortlid^feit für 
jene oer^ängni^uoUe SSenbung unferer ®efcf)irf)te unb unfered 
@eidE)icfe^ juju|dt)ieben, ift fein geringere^ Skrfennen t^atfäc^lid^r 
ä^erl^ältniffe , als bie nie ruf)enbc S)reiftigfeit , mit tt)elc^er man 
bie ^Reformation auf geringfügige Urfa^en jurürffü^rt unb fie 
für ettoaö überflüffige^ , ttjillfürlic^e^ ertfärt. S^er läßt fi<^ 
l)ören, n?cnn bet)auptet iuirb, baß bem reformatorifd^en ^rinjipe, 
tvk c^ bamafe in S5eutfc^Ianb auftrat, eine gemiffe ©c^todcfie 
inne geujo^nt \)abt, bafe bem bcutfdjen Siationafd^arafter über^upt 
ein JU geringer S^orrat t)on SSiberftanbigfraft mit auf ben SSSeg 
gegeben fei, fo bafe er nad^ furjcm fräftigen Aufflammen nur 
alljubalb bie glügel fenft unb gleic^giltig ujirb gegen ben ©egen* 
ftanb feiner frül)eren Segeifterung. S)a§ Sebürfnid nad^ f^ricben 
unb bie ©cf|eu t)or fortgelegtem Äampfe, aud^ toenn eg ben l^öc^ften 
®ütem beö Öcbenö gilt, jäljU in ber %f)at ju ben SBortoürfen, 
bie man gegen unfere Station erl^eben fann unb toofät itnfetc 



a)a8 Scitaltcr bcr ©cgcnrcformation unb bc« ©tiUftonbcS. 343 

©cfc^id^te btö in bie neueftc ßctt l^crab l^inlänglid^ öiele Seifpiete 
liefert. Snbe^ aud^ biefcr ©efic^t^punft ift in bem gegebenen 
gaÜe nicf)t ber allein cntfd^eibcnbc für ben unglüdEIid^en SSerlauf 
ber Singe genjcfen. 6^ fam baju, bafe in bem fritifc^en aWomentc 
unfcr ©efd^idE an eine S^naftie gefnüpft ttjarb, bie lein SSer* 
ftänbniö für bie ibealen Sebürfniffe unfere^ 58oHeg mitbra^te, 
beren Sntereffen njeit über ben 9taf)men ber unferigcn l^inau^fielen, 
unb bie jugleid^ SWad^t genug befafe, i^re antinationale ^ßotitif 
burc^jufe^en , ober, aU bie^ nid^t me^r ber gaU toar, eö nid^t 
üerfc^mä^te, Untcrftü^ung ju fuc^en, njo unb njie fie if)r immer 
entgegengebrad^t njurbe. SBir njiffen rerf)t gut, bafe eö i^r in 
biefer SRi^tung nid^t an ©efinnungggenoffen gefel^It t)at, finb aber 
jugleid^ njeit entfernt, biefe i^re SSerbünbeten, infottjeit bie ©c^ulb 
berfelben reid^t, irgenbnjie frei fpredE)en ju njoUen. S)ie Silber* 
tiner in S)re§ben tuaren frcilid^ ein proteftantifdE)e^ gürften^auö, 
fie t)aben aber gIeidE)tpoI)t il^ren Seit beigetragen ju ber Umfeljr 
unfercr @nttt)idEeIung, bie man nid^t genug betlagen fann. Siag 
bairifdtie gürftenl)au§ l^at jtpar bie ^ab^burger unb bie ^crrfc^aft 
9?omö in 2)eut]c^(anb, njie e^ meinte, feiner eigenen Stellung 
njegen fefunbirt, aber c^ ift, toie tt)ir gerabe auf unferem ©ebietc 
fel)en njerben, bo^ nod^ immer ein erl)eblid^er Unterfdjieb ätpifc^en 
bem @t)fteme, bag in SWünd^en, unb bem, baö in SBien vertreten 
njurbe. SSie bem aber fein mag, bafe bie ©egenreformation 
S)eutfd^lanb unb ber beutfd^en Söilbung jum ©egen gereift ^abe, 
follte man fid^ bod^ bebenfen, leifer ober lauter au^jufpred^en. 
@ö njurbc bamate nod^ mel)r al^ im 11. 3al)r^unbert ein frembe^ 
9?ei^ in ben ©tamm unfereg nationalen SBefenö unb unferer 
Äultur gepfropft, ba^ njir, banf unferer Söiegfamfeit, bi^ auf ben 
heutigen 2ag nid^t ju übernjinben t)ermodE)ten unb tpetd^eö einen 
cblen Seil unferer Äraft gelähmt l^at unb gelähmt ertjölt. 9?id^t 
aU toären bie Steife, toeld^e fid^ ber tjorbringenbe ©roberer unter* 
hjarf ober gel^orfam erl^ielt, mit geiftiger llnfrudl)tbarfeit gefd^lagen 
toorben, aber unleugbar finb fie feitbem im geiftigen Slingen in 
ba^ Hintertreffen geraten unb ^aben fic^ erft t)on ber Stit an 



344 3>ocitc« ^u(^. 

tüieber juv SbeuOürtigfeit erhoben, ate fie anfingen, mit ©rfofg 
an ben geffeln ber grcnibfjcrrfcl^aft ju rütteln. ©^ f)at ]id) bann 
auf biefem SBege aucfi fierau^gefteüt, baß weniger in ber (Srman- 
nung be^ Äat^oliäi^mux', ate in ber ®eftalt, in njetc^er biefelbc 
t)or fid^ ging, ber eigentlid^e Schaben für fein 9Sert)äItniö jur 
beutfc^en Sultur lag. 3Baö aud) auf Seite ber proteftaiitifc^en 
§öfe unb graftionen gefünbigt ttjorben ift, ber üer^ängni^tjolffte 
Srrtum tuar eg bodj, bie große Jf)atfac^e ber ^Reformation über* 
t)aupt burc^ ©opl^iftit, Sntrigue unb ®en)alt njieber au^ ber 
SSJcIt fdjaffeu 5U toollen. SKir möchten boc^ njiffen, ttjae aud 
S)eutfc^Ianb getoorben tüäre, toenn biefer ®ebanfe ben fd)üeBlic^en 
®ieg erfodjten f)ätte! S)a& ba^ leibenfdjaftlid^e SL^erlangen nac^ 
ber 3"rüderoberung üon ganj 3)cutfd)Ianb einen guten, ja ben 
fd)n)creren Seil ber ©c^ulb an bem Unl^eile trögt, ba^ ber große 
beutfc^e Ärieg über unfere Station gebrad^t, njirb man immer 
njieber öergeblid) in ?(brcbe ju ftetlen oerfud^en ; bie neuere ©efd^ic^t- 
fd^reibung f)at benn boc^ enblic^ allen biefen Ginnjänben unb ?lu^ 
flüdjten für jeben Scfjcnbcn ein grünblii^e^ Gnbe gemacht. 

©e^en toir nun, tpctdje ©cftalt unter fo ungünftigen 
Umftänben bie beutfdjc ^iftoriograp^ie in biefer 3^^^ ^ngc* 
nommen f)at. 

ö^ entfpridjt bem Ief)r^aften unb reffeftirenben G^arotter 
biefer 3^i^ ^öß man bie ©efe^e unb 9)Zett)obe ber ®efrf|ic^t* 
fdE)reibung 5U erörtern anfing; freiließ n^aren bie Statiener unb 
granjofen bamit Vorausgegangen. ©0 geiftreic^, toie ba^ Sean 
93 ob in tl^at^), f)at eS frcifid) feinem 35eutf(^en gelingen tt)oUen. 
SBas^ aber SDfänner, toie S). S[)t)träuj§^) unb Sleiner SRei» 
necciu'ö^), t)on geringeren ju fc^tpeigen, über biefe grage ju 

^) ^obin^ ©d^rift führte ben Xitel: Methodus ad facilem his oriarum 
coguitionem. (^oriS 156G.) 

>) De lectioue historiarum recte instituenda (juerft gebrudt 3tra|< 
bürg 1563). 

^) Methodus legeodi, coguoscendique historiam sacram et profanam. 
(§elcfiu3 1583). ?luf 6^i)träu§ loie % JKcinccciuS fommen wir nod^ ndber 
JU rcbcn. 



^aö Scitoltcr bcr ©egcnrcformation u. bcS 8titlftanbc8. 3)ic ©i)loriomatl)ic. 345 

fegen toufeten, toax bei ber immer mcl)r einretßcnben 3^i^föl)renl)eit 
ficf)er ber 9lufmerlfamteit tüert. 9?ocf) mel^r galt ba^ t)on ben 
betrcffenben Erörterungen be^ ©erl^arb SRoffiu^, beffen 
flangüolfe ©timme freilid^ im ®eräu|d)e beg Sriegeö nur fcfinjer 
t)cmommen njurbc^). ©olc^e Unterfuc^ungen fonnten fetten uml)in, 
bie SKetl^obe, bie Uniöerfalgefc^id^tc ju bel^anbefn, mit jum erften 
©egenftnnbe i^rer 3tnregung ju machen. Tlan tonnte jebod^ 
nidjt jagen, bafe bieje ©pejieg ber ®efd^icf)tfd^reibung in biefer 
3eit namf)afte gortfcf)ritte gemarf)t t)abe, einen fo breiten ^(a^ 
man i^r äumol on ben Uniöerfttäten aucf) eingeräumt f)attc unb 
fo Iebf)aft noä) njie nie bie Seilnal^me ber ©ebilbeten i^r fic^ 
betoäl^rte. 3)ie überlieferte ©d^ablonc ber tjier SDfonarc^ien be* 
I)auptete noc^ fortgefe^t bie ^errfc^aft, obnjol^I gelegentli^e 3ft)cifel 
gegen bie ß^^c^n^äBifl^cit berfelben fid^ erljoben unb fogar offene 
Eingriffe njie j. 8. uon 3ean ©obin, auf fie gemacht njurben. 
SHefe gorm l^ing aber biö ju einem gemiffen ®rabe mit ber ge- 
läufigen religiöfen ober t^eologifc^en SJorfteHungötpeife jufammen 
unb biefe njar fo mäd^tig, ba^ c^ fein (eid^te^ Unternel)men mar, 
fie au^ ben Stngeln ju lieben. Saju fam, baß t)on ber gegne* 
rifc^en ©eite, jumal in S)eutf erlaub , nirf)t^ ju Sage tam, ma^ 
X)ermocI)t I)ätte, baö alte ©ijftem furgmeg an^ bem gelbe ju 
fi^Iagen. ®o lam eö, ba§ ein 53uc^, mie baö tjon ©leiban, baä 
in fompenbiöfer gorm unb auf foliber ®runblage bie 3BeIt* 
gcfc^ic^tc nad^ ben beliebten üier SJJonarc^ien tonftruirt ^atte, 
fic^ fiegreid^ bel)auptete, immer njieber auf^ neue aufgefegt unb 
n)ot)I auc^ fortgefe^t n?urbe. S?on ben übrigen felbftänbigen 
SSerfen, bie ftetig im ©enjanbe ber ©ele^rfamfeit unb Se^rl^aftigteit 
auftraten, jcid^net fic^ feines burc^ Criginalität unb nennenötuerte 
©igenfc^aften auS. SKand^eö le^nt fid^ an bie un^ betannte 
©arion^SWelant^onifc^e S^ronif an, njie anbere an ©leiban. Sie 
alle ober aud^ nur mel^rere im befonberen l^ier tjorsufü^ren, mürbe 
n^enig bemeifen unb nid^t^ nü^en. S)aJ5 ein ©ele^rter baS Stubium 



*) Ars bistorica etc. (ßei)bcii 1623.) 



346 3»öcttcS ©ud|. 

ber @efcf)irf)tc juni auöfd)UcBticf)cn Sebeni^berufc machte, tarn in 
biefer Qdt gar nicf)t Dor, unb n?ie l^ätte eS möglich fein foHcn, 
um nur üou biefer gorm ju reben, baß ein SSietbefc^äftigtcr ^16 
ne6enl)er fid) in bie güUc unb äugleid) in bie ßinjeln^eiten, au^ 
n^etcfien fid) bie äUaffe ber 9efd)td)tUd)en ©ntoidclung jufammcm 
fegte, mit 9(u^bauer unb 6rfo(g öerfenfte! Sluf einer unb ber 
anbercn Uniüerfität tparen ober Ujurben jegt jtoei 5ßrofeffuren für 
bie @efd)id)tc gegrünbet, aber biefe n^aren ftetö mit anbercn 
gackern üerbunben, unb atfo feine 9icbe baöon, baß bie ungeteilte 
Äraft einee SDianneö ber reinen §iftorie jugeujenbet ttjerben lonnte. 
@o wax c^, um öinen au^ Sßieten ^erauöju^eben, mit 2Rattt)iad 
©refc^er (Dresser) ber ^aU, einem ©d)üler SKelant^on« , ber 
feit 1581 ben Scl)rftul)t für bie alten ©prägen an ber Uniöcrifität 
iJeipjig bcflcibete, unb bem juglei^ bie neubegrünbete ?ßrofcffur 
ber ©efd)i(^te übertragen n^urbe. 2)refd)er entn^idelte im ©ebietc 
ber tlaffifd)en ^^ilologie eine emfige unb ni^t erfolglofe 3;^5ti9« 
feit, auö feinen l)iftorifd)en SBorlefungen ging ein feiner Qtit ge* 
fd)ögtcg Sc^rbud) ber allgemeinen ©efc^i^te l^eröor, toclc^cß er 
nad) unb nad) bi^ ^n fünf Steilen erweiterte, baö aud^ in ba§ 
S)cutfd)e übertragen tpurbe unb bod) nur ftofflid^ einen geringen 
@ctt)inn für bie (Bad)^ felbft erbringt^). @§ ift nad) bem ©c^cma 
ber t)ier SBeltmonurd^ien angelegt unb öertcibigt biefeö u. a. bie 
^ßolemit, n?cld)e 3. SBobin mit ®d)arffinn bagegen eröffnet ^atte'). 
Gin gortfd)ritt für bie njiffenfd)aftlid)e 83el)anblung ber allgemeinen 
öcfd)id)te ift lion einer gauj anberen ©eite t)er, aber jugleic^ 
nad) einer ganj anberen SRic^tung ^in gemad^t ttjorben, nämlic^ 
ber d)ronologifd^en gorfd^ung. S5ie Snitiatiüe in biefer ©ac^ 
ergriff 3. 3. ©ca liger, ber in feiner berühmten ©d^rift de 



*) 3J9I. über i^n aud) SBurfian (a. a. O. ©. 247) unb S^ä.mmcl i« 
ber ft. S). SBiograp^ic s. h. v. 5)q^ geb. ©er! führte bcn Xitel: Isagoges his- 
toricae partes quinque (Lips. 1594). S)ic beutfc^c Aufgabe erfd^icn 1601. 
S)rcfcl)cv war 1536 ju Grfurt geboren unb ftarb ju ficip^ig 1617. 

^) über hie übrigen ^erfe ä^nlid)cr ttrt ügl. bie @tTUi>e«SBuberfdK 
Bibliotheca bist. 8lu§gabc uon aRcufcI. I. 1, 180 ff. 



^d 3^ita^t<^^ ^^^ ^^egcnrciormation u. bcd ©tiEftanbed. ^ie (^i^ronologie. 347 

emendatioue temporum (1583) ba^ crfte dironologifdie ©Aftern 
auf einer ficf)eren ttjiffenfc^aftticfien ©runblage aufftcllte uiib fo 
(Sin^cit in bie öerjd^iebenen c^ronologifdien Überlieferungen ber 
SSöIfer beö Slltertum^ bracf)te. S)a^ SSerbienft, biefe neue S^^eorie 
in tjoüer ©elbftänbigfeit popularifirt unb in ber govm uniüerfal* 
I)iftorifcf)er 3^^*^^^^" praftifd) burc^gefü^rt ju ^aben, gehört 
©et^u^ Ealöifiu^ an'), ©ein „Opus chronologicum" (1605), 
ba^ (Srgebni^ jiuanjigjä^riger gor)rf)ungen unb einer ©ele^rfamfeit, 
bie bur^ bie UebenöUJÜrbigften perfön(id)en Gigenf^aften üerebelt 
tourbe, \)at mit am meiften baju beigetragen, bie allgemeine ©e« 
fc^ic^te auf tt)re eigenen güfee ju fteüen unb ben üerbunfelten 
3ufammen^ang ber ®e)rf)id)te ber einjelnen SSöIfer be^ JUtertum^ 
anfd^aulicfier ju machen. 3)urc^ ben Seifall, toelcfien ©caliger 
feinem SBerte gefpenbet ftat, burfte er fid) für mand)e Slnfec^tung, 
bie fein neugeartete^ ©^ftem erfuhr, für entfd)äbigt Italien ^). 
C^ne allen gelehrten Jtnfprud^ unb augfd)tie^üc^ ber 83efriebigung 
beig öeburfniffeö be^ größeren 5ßublifumö öerbanfte bo^ fog. 
Theatrum Europaeum, tüenn n)ir biefeö ^ier ernjä^nen bürfen, 
feinen Urfprung. S)urd) bud)^ünblerifd)e Seftellung Derantafet, 
arbeitete einer ber tjieten ©d^rif tfteller , bie bem 83ebürfniffe 
bei8 Sagej^ bienten unb baüon it|r 35a)ein frifteten, 3o^. ^l)i(. 
8(belin auö ©trafeburg, bie befannte l)iftorifd)e Stironif ober 
Söefc^reibung ber @efd)ic^te t)om Slnfang ber SBelt bi^ auf ba^ 
Sa^r 1619 unter bem SRamen 3. 2. (Sottfrieb an^^). SDaö SBerf 
ift burd)n?eg Iompitatorifd)er SRatur, traf aber in SJerbinbung 



M ealöifiu« (©ct^. Äalbi^) tuQr am 21. gcbruar 1556 ju QJorfc^Icbcn 
in X^üringcn geboren, arbeitete fic^ mit jä^cr ^iu^bauer unb ungünftigen 
^r^ttltntiien enipor unb bilbete fid) in ^clmftabt unb fieipjig in ber ^enntnid 
bcd 9(itcrtumd unb burc^ ©elbftftubium juglcic^ in ber SJluftf au3. 1572 mürbe 
er aid didtox nac^ ©c^ulpfortc unb 1594 in gleid)er @igcnf4aft nac^ fici^jig 
berufen, mo er am 24. 9{ot)ember 1615 ftarb, nac^bcm er 93erufungcn ald 
$rofcffor ber 9){at^atif nac^ SBittenberg unb t^ranffurt a. O. abgelehnt l^atte. 

«) ®. Safob ©ernai)«: 3. 3- ©coliger. »crlin 1855. 6. 181. 

') Sgt. ®. 9)ro9fen, Arlanibaeus, Godofredus, Abelinus (^abilitationd- 
fcbrift. ©öttingen 1864). 



348 3»ocitcS 33ud). 

mit ben üDierianifcfien Äupfern bew ©efcfimacf ber 3^i^ fo flut, 
ba^ e^ alle äl)nUcf)en Uiiternefimungen in ©chatten [teilte unb 
junä^ft in jUJci ®änbeii (big 1629) üon 2lbelin felbft unb nad) 
feinem Sobe (big 1637) üon mehreren 9lnberen big 1718 fort= 
gefegt mürbe. 9?üd) ^eutsutage tann man einjelnen ®änben baoon 
in fo mandjer bürgerlichen ^angbibliotljef begegnen. 

S)aB ange[icf)tg einer 3^it/ ^ic bie mar, bie smifd^en bem 
2(uggburger 5Religiongfrieben, bem 3lugbrud)e beg großen Äriegeg 
nnb bem Snbe begfelben lag, bie Seilnat)me an ben öffentlichen 
3lngelegent)eiten fortgefe^t muc^g, braucf)t faum erft augbrüdlic^ 
l)cruorgel)oben ju merben. ®erabe bie mittleren klaffen ber 
Station, bie banf einer ber fegengreicf)ften SBirfungen ber ätefor^ 
mation in ben ©tanb gefegt n?aren, mit eigenem 3luge ju fe^en, 
empfanben bag SJebürfnig, fic^ über bie Qeiu unb Sagegfragc 
JU belel)ren, am lebl)afteften, unb in biefem ^ufammen^ange ent- 
micfclte fic^ bie journaliftifdje unb publijiftifdje ßiteratur in einer 
big bat)in ungeal)nten gülte unb grucf)tbarfeit 0- S^i^fe 5ßubli^ 
fationen finb jmar nid)t felbft 3fitgefd)icf)te, fteljen aber boc^ in 
einem bienenben Sßerl)ältniffe ju i\)x. glugfdiriften unb 9iela- 
tionen über einjelne mic^tige ©reigniffe maren ja feit längerer 
3eit nic^tg felteneg, unb n?ir l)aben bereitg mieberl)olt SSeranlaffung 
gel)abt, üüu fold)en alg Cuellen für jeitgenöffifc^e @efcl)ic^tfd)reiber 
äu fpred)en. Se^t aber fommen fog. femeftrale (SRe^*) Sicla* 
tionen auf, bie man nid)t mit Unredjt afe ben Übergang ju 
ben regelmäßigen 3^i^""9^^^ ä" betrad)ten pflegt^), granf* 
fürt a.9)i. ift mit bem Öeifpiele vorangegangen unb Seipjig 
nachgefolgt. S)aran reiljten fic^ periobifc^e ©ammelmerf e , bie 
fid) aug ^Relationen; fliegenben ölättern, SDianifeften, 3)ebuftionen 
unb öffentlicfien Stttenftüden aller 9lrt jnfammenfe^ten unb über* 



^) 3" öq!- 9t- ^rup, öieic^ic^tc bc8 bcutfc^cn SournaüÄmug, ctftcr (unb 
ciniigcv) iöonb. ^annoücr 1845. — (£mil SSclIcr, bie erften bcutf^cn 
Scitungcn. Tübingen 1872. (33ibHot^ct beS litcr. SScrring in ©tuttgatt, 
CXI. Lieferung.) 

») ^ru|i a. a. O. 5. 188 ff. 




®a8 3'^*o^*ct bct Gkgcnrcjormation u. bcS ©tiflftanbcS. 5)ic 3citgefd)!4tc. 349 

bieig meift in lateinifc^er ©prad^e abgefaßt tourben uub infoferue 
mit f)ö^cren STnfprüc^en auftraten. S)er füg. Mercurius Gallo- 
Belgicus, ber 1592 juerft erfd^ien, ift t)on Unternef)mungen berart 
am befannteften geworben. 3In feiner 3Biege l^aben jtüei SKänner 
geftanben, bie n?ir auc^ tDeitert)in ju nennen fiaben werben, 
nämlic^ SDHc^ael t)on 3ffelt au§ bcn SRieberlanben unb 3W. 
Äaöpar ßunborp, ein gebomergranffurter^). 3)aö Theatrum 
Europaeum, ujenigftcn^ in feinen ^ortfe^ungen muft ebenfaQg 
t)ierf|cr geredinet toerben*). 3)ic Acta publica £unborp§ faCen 
unter benfelben ®eficf)töpunft : er t)at in ifinen fünf Satire liin»« 
burd^ nad^ einem getüiffen ©l)fteme alle bie Slftenftüde jur 3^^*^ 
gefc^id|tc öeröffentlirfit , bie i^m üon einer 3Reffe jur anberen 
jur §anb !amen unb meiftenö in gtugfc^riften niebergelegt tüaren. 
Sntereffant an biefer ©ammlung, namentlid^ ber jtoeiten ?(uögabe 
t)on 1627, ift ber au^gefproc^ene fatt)ülifc^c S^arafter berfelben, 
obtDot)l ber Herausgeber Don §au^ aM ^roteftant toav unb fic^ 
fogar cttoa^ barauf ju gute ttiat. ©eine fümmerlidje Sjiftenj 
unb bie Stb^ängigfeit t)on feinem SSerfeger, ber feinerfeitS njieber 
t)on einer t)on Siücffid^ten auf ben faiferlidf)en »^of geleiteten 
Genfur abl^crngig toax, Reifen biefe St^atfad^e tüenigftenö erflaren; 
fdf)Iimmer freiließ fielet eö mit bem nic^t ot)ne ©runb gegen it|tt 
erhobenen ^ormurf, ba§ er fogar 3Htenftflcfe im fatt)onfcf)en ©inne 
abjuänbern fid^ beifommen tiefe. (£S liegt bemnac^ auf ber ^anb, 
baB biefe feine ^ublifation nur mit ber äufeerften 3Sorfirf)t alö 
©efd^ic^tSqueUe benü^t werben barf^). 



^Tut a.a.C, unb Dr. ©rnft gifdjcr, md^. Äa«par fiunborp 
u. f. m. 33crUn 1870. 3foIt tvav unter bctn ^fcubonl)m ©. 3R. 3Qnforiu§ 
Dcrftccft. 

«) (S. oben @. 347. 

') SSgl. gif «er a.a.O. @. 25— 33. — Sunborp mar ca. 1580—1585 
ju granffurt a. 2R. geboren, befud^tc bie Unit)er|itdten SKarburg unb ©ittenbcrg, 
murbc 1605 an bem (l(t)mnartunt feiner Saterftabt angcftcllt, aber fc^on ^loei 
3a^rc barauf bicjet ©teile cntfef t, fa^ fic^ fortan trof feiner geleierten Äcnnt« 
niffc auf bie Saufba^n beÄ öiteratcn unb S^agfc^riftftellerS Dermiefen unb 
ftarb 1629. 



350 SttJcitcS SBuc^. 

?(uf bicfem SBegc gelangen toir Don felbft ju ben Arbeiten 
über bie jeitgeicl)icf)tlid)en SBerfc biefer Gpoc^e. 3Btr ^aben 
bereite angebentet, baß tro"^ ber unermeBtid^en SBic^tigleit bcr 
©reigniffc, bie )\dj vorbereiteten unb üoUjogen, feine i^nen eben* 
bürtige 2)arfte[Iung t)ert)orgebrac^t toorben ift. S§ loar, aU 
toenn bie brürfenbe Sd^toüte bcr 3(tmofp]^äre lä^menb auf bie 
©eifter getoirft t)ätte. 2)üt)on abge)et)en, bleibt e^ immerhin 
bejeidjncnb, bafe eine gute 9fnja^t Don ^iftorien biefer 91rt fic^ 
an SIeiban unb fein Don un^ an feinem Crte getoürbigtes 
grofte^ ©cfc^icflt^mer! anfcf)(ieBt. 3)iefe§ l^atte einen fo nat^* 
t)altigen Ginbruc! gemacl)t. bafe man faft ein ^albe^ 3at)r^unbert 
fi^ Don i^m nid)t mef)r trennen tonnte. Gine fo(c^ yiaif- 
njirhing, fie mag für bie Originalität ber auf if)n folgenben 
©cneration gebeutet toerben ttjie fie mitt, fott biöigerttjeife hodf 
in 5Red)nung gebracl)t toerben, menn e^ gilt, über ben 9Kann 
unb fein 3Berf ju ©eric^t ju fi^en. 3)aB feine fiommentare auf 
lebhaften SBiberfpru^ ftiefeen, ^aben n?ir bereite ermähnt; bann 
ijabcn njir an biefer etcöe junäd)ft nur ia^ eine ^injujufugen, 
bai^ cttva ein 3cif|rje^nt nad) ©(eibanö lob burc^ ben Äölner 
Äartt)äufermönc^ Sorenj Sut)r (Surius) ber 3Jerfu(^ gemadit 
njurbe, burd) eine Jortfe^ung beö 9Zauc(eru^^) nid^t blofe bie 
6t)ronif Garionö unb ß. ^eucer^^), fonbern Dor aUem bie 
(Sommentare Sleiban^ ju bi^frebitiren unb ju toiberlegen. 58on 
if)m ift auc^ bie angeblid^e unmutige ftußerung fiarl V. über bi^ 
felben bei biefer (Gelegenheit in Umlauf gefegt tt)orben, überliefert ''K 
(S^ beftet)t aber feit (angcm fein 3^DeifeI, \>a^ jene feine Sbfic^t 
mifefungen ift; fein SKadimer! bilbet ein Seitenftücf ju bem bed 



») 8. oben S. 62 ff. 

«) 3. oben ©. 193. 206. 210. 

') Xer Xitcl bcd ^uc^cd ift: Commentarias brevis reram sao tempore 
in orbe terrarum gestarum ab a. 1510 usque ad a. 1566. St'din 1566. — 
6ubr war 1522 ju Sübccf geboren unb ftarb 1571 )u ftdtn. (£r gab aud| 
eine Sammlung t>on ^tligenleben (De vitis Sanctoram 1570) unb oon Aom 
^ilien (CoDcilia 1567) l^eraud, bie jcbocb feinen 9^ac^ni^m ni(4t er^ö^t l^obcR. 
«gl. S. 237 ?(nm. 2. 



%a9 3f^tö^*ct bcr ©cgcnrcformQtion u. bc§ «StiUftanbcS. 3)lc Scitgcfc^icfttc. 351 

©oci^Iau^ über bie ©efd^id^te £utf)er§, nur bafe e§ Don ge^ 
ringerem ^^alentc, tücnn aud) ebenfo heftiger ©c^mätjfud^t 3^«9"i^ 
ablegt ^). 

3)ic unmittelbaren gortfe^er ©leibanö l^aben i^re STrbeit 
teifö in bie lateinifd^e teil§ in bie beutfc^e ©prac^e eingefleibet. 
Unter ben crfteren treffen n?ir n?iebevum Sunborp. geberfertig, 
tdk er tüar, l^at er eine folci^e Continuatio in brei Sänben 
erfd^einen laffen, bie bie Satjre Don 1556 biö 1609 umfaßt unb 
ein jiemlid)eg 3tnfe^en crmorben t)at. @^ ift aber feit länger 
afö einem 3a^rt)unbert na^getoiefen, bafe unfer „Philohistoricus" 
bamit nic^t^ afö eine jiemlic^ breifte unb nid^t immer gefc^icfte 
Äompilütion Dor allen au^ ben 333erfen ber gi^anjofen 2;f|uanu$ 
unb Sotoreuö unb be^ 5)eutfc^en S^l)träu^, unb aufeer i^nen 
anä) au^ anberen ©d^riften gcfcf)5pft l^at'). Unter ben gort* 
feiern in beutfc^er ©prac^e neben üJ?irf)aeI SBeutl^er, Don 
toel^em gleirf) bie erfte DoQftänbige beutfd^e Überfe^ung mit einer 
guten Sebenöbefd^reibung ©leibang ^errütjrt^), ift Cfiug ©d^a* 
bduö au^jujeid^nen. Sr gef|5rt ebenfalls ju ber ©ruppe Dor== 
trefflicher ®ele^rter, bie fic^ bamatö in ©trafeburg jufammen* 
gefunben ^aben*). @r l^at bie Kommentare überfe^t, bie gort- 
fe^ungen mel^rerer feiner Vorgänger toie Seutl^er u. a. beibehalten 
unb Don 1576 bi^ 1619 felbftänbig gearbeitet^), ©ein 9Ser! ift 
nic^t ungefd^icft angelegt unb aud^ ftofflirf) nidbt of)ne SBert. 



*) @u^r criuft^nt auc^ in bcr ©orrcbc, Äarl V. l^abc einem ^^au^flcjcicft* 
nctcn ^ann" boS nötige aftcnmafeige SKatcrial, um bamit 8fciban« »Öügcn" 
aufjubccfen, übergeben, ^n 9?amcn bc8 ,, ausgezeichneten SKanneS" bel^ält et 
jebod^ für ftc^, unb wir fmb nic^t in ber Sage, iftn ju ücrraten, 

«) @. ©trotl^Ä Überfe^ung beö Sleiban, l^erauSgegcbcn öon ©emier 
IV, 26 unb ernft Sflfd^cr a. a. O. «S. 14—16. 3Jon X^uanu» ift fein 
befanntcd ^erl historiarum sui temporis, Don 6^ ^ t) t r ä u d \>a% Chronicon 
Saxoniae, Don Sotoreud bie Historiopolitographia, bie juerft in f^rantfurt 
erfci^icn, gemeint. 

») 6. über il^n oben @. 217. 5Beut6erÄ gfortfetung reicht Bi» 1573 

*) ©dftabäu» »ar ^rcbiger ju 6t. 9?icoIai unb ©tiftS^err ^u <Bt Xtiomai 
in Strasburg. 

*) ®a« ©erf crfd^lcn 1625 ju gronffurt a. 9R. 



352 3tt>citc« ©u4. 

Sclbftücrftäublidi benügt er bie beliebten 9)?eBreIationen u. bgf., 
aber and) Qrcf)iDati)d)e^ ü)?aterial f)Qt il)m ju ®ebote geftanbcn. 
(£r entbehrt nidjt beö ^iftorifd^eii unb poIiti)rf)en ©inne^, »ie 
]o(c^e§ gerabe bie Se^anblung ber 3cit9efd)icl^te verlangt unb er* 
fc^eint t)on einer unabtjängigen noblen ©efinnung befeelt. ^reüic^ 
i)ai er übertoiegenb J^eutfd^lanb im ^(uge unb ber ^^ologe 
löBt fidö nid)t üerfennen. G^ war barum boppelt ertoünf^t, 
baß Qud) ein SUJann n?ie Simon Sc^arb, t)on §au^ au^ 
3uri]t, ]"ic^ ju ber Sarfteöung eineö 3^eile^ ber allgemeinen ®^ 
)d)id}te ent]d)IoB. ©c^arb nimmt in ber Gntmidelung ber beutfc^cn 
9ted)t?§ioif)en]d)aft einen ehrenvollen ^la^ ein^); Don feinem 95er* 
bienfte um bie beutfc^e @e)d)id)te n^erben toir noc^ ju reben 
^aben. Sr toar ein l)öd)ft begabter, fruchtbarer unb juglcic^ 
politifd)er Äopf. ©eine jeitgef(^i^tlid)en 9tufjeic^nungcn unter* 
fd^eiben fid| vorteilhaft oon ben meiften anbem ber 9lrt, bie in 
biefer Gpod)e entftanben finb. ©ein ®efid)tötrei§ umfpannt ganj 
Guropa, bie Unrut)en in grantreid}, ©c^ottlanb, ben 5Rieberlanben 
fommen unb jtoar in felbftänbiger SBeife jur ©prac^e. @r ^tte 
offenbar gute l^erbinbungen unb erfut)r mand^eg, toa^ Änberen 
üert)üllt geblieben ift. ©djarb ift ein guter, aber nic^t ücrbtffencr 
^^.^roteftant; bagegen ftellte TOic^ael Von Sffelt, ben toir fc^ott 
einmal genannt t)aben^), bie 3^itgefd^id^te Von bem Siücttrittc 
fiarlj^ V. biö jum 3al)re 1583 von feinem unbebingt fat^oHfc^en 
•»^Jarteiftanbpunfte au^ bar. 511$ geborener JRieberlänber unb 
ftat^olif jugleid), fdjentte er ben fpanif^nieberlänbifc^en ^Btt* 
midclungen befonbere ^lufmertfamteit , ift aber in Quem ju fc^r 

S. Stin^ing, ÖJcjcf). ber b. JHet^t^iDiffcnfc^aft (I. ?l6t.) 6, 508 ff. — 
1515 3u ^J^cu^olbcn^lcbcn geboren, ^ottc Scftorb ju ficipjig ftubirt, Stolioi 
bereift, würbe iiod^ 1561 5Rat beS C^erjogS Solfgang üon Sn^^'l'riit'en , jA 
1565 o^nc «mt in ÖQjel Icbcrib unb Uterorifcf) t^dtig, feit 3uli 1566 »at 
am JReidj^tammergerit^t ju 3pcicr, ftarb er aber fd^on am 28. ^uni 1573. 

*) S. oben 8. 349. Sffelt war ^wifdicn 1530 unb 1543 in Ämer^foit 
in ber ^iö^efe Utred)t geboren, ju ^ötoen gebilbct, ^ie(t ftc^ löngcr in Jlölit 
auf unb umrbe jule^t *^^rebiger ber fat^oHfc^n Kolonie (oon £auf(cuten) im 
Hamburg, ujo er am 17. Cftober 1597 geftorben ift. 



3)aÄ gcitaltcr bcr üJcgenrcformation u. bcS ©tiaftanbc«. S)ic gcitgcfc^ic^tc. 353 

5parteimaun unb ju menig unterrid)tet , um bie ©ac^e tüirflic^ 
ju förbern. ©n gröfeereö SSerbicnft ^at er fid) burcl^ feine Dier 
SBüc^cr De bello Coloniensi (1582 — 1585) ertüorben; and) ^icr 
allerbing^ )pxxä)t ber au^gefpro^ene ^arteimann, ber aber bcn 
SJorgangen, Don tüelcf)en er Serid^t erftattet, auiJ ber 9lä^e ju* 
gefe!)en t)at, unb in ber Sage getüefen wav, fid^ gut ju unter* 
rid^ten. 

3n ben großen Srieg l^inein füt)rt ung bereite Äa^par 
tjon @n^, ber in feiner Fema Austriaca^) bie ©reigniffe ber 
Satire t)on Ä. Sftubolfg II. SCobe biö jum 3at)re 1627 befd)reibt. 
@§ n?irb ba tiom Urfprung be^ bö^mifd^en ^ege^, t)on beffen 
93er6reitung nac^ 3)eutfc]^Ianb unb aber aud^ tjon bcn gleic^* 
jeitigen SSorgängen in ben SRieberlanben, granfreid^ unb ©nglanb 
ge^anbelt. S)ie ©timntung beg 33erfafferg ift eine gemäßigte, 
menn auc^ nic^t im minbeften öerfannt toerben fann, too^in feiniperj 
neigt; im übrigen unterfc^eibet fic^ fein SSJer! tt^enig t)on ben bereitig 
berührten, auö nic^t verarbeiteten Duellen aller ?lrt jufammen* 
gefegten Sompilationen. SWit anberen SBorten t)on einer felbftäm 
bigen t)iftorifd^en S)arfteKung ift aud^ l^ier feine Siebe. Sn noc^ 
üiel ^bl^erem ®rabe gilt ba^ oon ben ?ßubIifationen , bie unter 
bem Slamen ber „Arma Sueciae" unb beg „Inventarium Sue- 
ciae" befannt finb, unb beren Ur^eberfd^aft un^ toieber auf ben 
fd^on genannten 31 bei in jurüdEf ül^rt , ber bie eine unter bem 
9?amen ?ß]^itipp SCrlanibdu^ unb bie anbere unter bem be^ 
So!).ßublp.®ottfrieb l^erau^gegeben t|at*). SBie in ben anberen, 
fd^on cf)arafterifirten SßJerfen Äbelin^, I)anbelt e8 fic^ l^ier nur 
um eine aug Slf ten , glugblattem u. bgl. fompilirte ©d^ilberung 
beö Äriege^ ®uftati Äbolf^ in S)eutfd^Ianb , unb nic^t um eine 
förmliche gefc^id^tüd^e 3)arfteIIung. Qu einer folc^en erl^ob fi^ 
baö lebenbe ®efd^Ied^t überhaupt mit SKü^e; bag Unt)eil fear ju 



1) Äö(n 1627. 

^) ®. &, 9)rot)fen, Arlanibäus Godefredus AbelinuB. Berlini 1864. 
«gl. audi Vi ®rünbaum, über bie $ubligiftif bc« SOjä^rigcn Mt^ci 
t)on 1626—1629. ^aUt 1880. 

0. aSegele, «cf^ii^te bcr beutfc^en ^iftoriograp^ie. 28 



254 Swcitc^ SBud). 

genjaltig, al^ bafe man fid^ ju einem fold^en SScrfuc^e fo feiert 
entfrf)toffen ^ätte. S)ie 3^^^ ber berufenen ^^atente toax, fotoett 
man fe^en iann, überl^au^Jt nic^t groß, unb ganj fieser mar ein 
3:^uft)bibe^ , ber bie öebeutung beö beginnenben Sam^fed öon 
Slnfang an erlannt unb fid^ bie Slufgabe, bie ®e[c^ic^te beSfelben 
JU fd^reiben, geftellt l)ätte, aud^ in üerMeinertem SRaßfiabe nic^t 
barunter. $Rur ein 9J?ann, ber literarifd^ unb politifc^ glet(^ l^od^ 
gebilbet toar unb jugleic^ irgenbtoie mitten in ben S)ingen ftanb, 
n?äre im ©taube gen^efen, ein folc^e^ S33erl ju unternehmen unb 
burd)jufüt)ren. Ratten SEBeltfenntni^ , Stellung unb bie 2uft 
jur ^robuftion l)ingereic^t , ein befriebigenbeg jeitgefc^it^tlic^ 
SEBeri ^erüorjubringen , fo ptte fic^ ein folc^e^ mit gug unb 
9ie^t t)ün bem SSerfaffer ber Annales Ferdinandei cüDarten 
laffen. SBenn einer, tpar er in ber Sage, Don einem ^inlänglid^ 
I)o^en ©tanbpunfte unb n?eitem ©efid^tigfreife au^ bie üertpidelten 
SSorgänge be^ Sntalttx^ ju überfeinen unb bie ed^teftcn DueDcn 
unb 3^"fli^iff^ ^^^ "od) ba ju bie eigene, au^ bem 95renn|)unftc 
ber großen ?ßoIitif gefd^öpfte, @rfat)rung ju 9iate ju jie^en. 3n 
3BaI)r^eit fann man jeboc^ nic^t behaupten, unb ift bie SSäeÜ 
barüber einig, bafe fein vielgenannte^ unb öiel benu^tcd 3E8crf 
fotd^en 33orau^fegungen nidf)t entfpric^t. ©eine ?ßerfönli(^fcit ift 
jn?ar beben tenb unb anjielienb genug, granj ß^riftopl^ üon 
S]net)ent)i(Ier^) flammte auö einem alten begüterten tarnten' 
fd^en Slbefegefd^ted^t , bag urfprüngtic^ au^ ber Dberpfalj ein* 
getoanbert toar unb fid) in bem einen Stod%t, auÄ loeld^ er 
l^erüorgegangen ift, bem 5ßroteftanti^mu^ jugetoenbet ^attc. ©ein 
SSater, S5artt|olomä Ä^., t)atte i^m eine forgfältige (Srjic^ung an» 
gebeit)en laffen unb i^n feiner Slui^bilbung toegen auf längere 
3eit nad^ Stalien gefd)idft. S)arau ^atte fic§ bie „grofec 5;our" 
burdf) @uropa gereift. 9la6) feiner §eim!e^r I|at er fic^ bem 
erjf|eräogtidf)en §ofe in ®raj unb bem faiferüd^en ^ofc in SBien 



^) ^I. 93ernQrb (S^eremdtt, bie (I^aren^äller (ü^aten^Ser) u.f.». 
mm 1867, t)or aüm 6.350—392. fiham föolf, O^ef^id^dbtlbcr Ott» 
ßftrcid). I, 113 ff. — e§. mar am 21. gcbruar 1584 in S^Iogettfutt geboren. 



j 



i>aft d^italtev ber Q^'enrefomtation unb bed (StiQftattbed. ^^etoenl^illeT. 355 

flcnfi^ert, tüurbe bnxä) bie ®unft be^ 58arbinate Älefl balb 
l^crtjorgejogen unb 1607 al§ ®efanbtcr nad^ äKabrib gefc^icft, 
in ttjclc^er ipid^tiflcn ©tcKung er mit furjcn Unterbrechungen 
14 Sö^^re l^inburd^ verblieben ift. 6^ barf für unfere Qtvedc 
niä)i unertDöl^nt bleiben, ba^ Äl^eöentiiller mel^rere Saläre juDor 
bem proteftantifd^en Sefenntniffe ben SRücfen getüenbet unb, n^ie 
cd fc^eint, nid^t aud blofeer Sered^nung fid^ ber römifc^en Äirc^e 
unb ber feit Ä. gerbinanb II. emporgefommenen ?ßoIitif unbebingt 
angefc^Ioffen f)at, tt)äf|renb feine beiben Srüber in e^renn^erter 
geftigfeit bem angebomen Sefenntniffe treu blieben unb i^m 
juüebe, afö il^nen ber ^Janati^mud bed Äaiferd bie SBal^I gefteüt 
^atte, in bie SSerbannung gingen. 3)er politifd^e @influ§, ber 
fjranj E^riftopt) feit feiner SRudEfetir aud ©panien jugeftanben 
tourbe, ttjar übrigen^ tro^ allebem nic^t ber größte, unb er bel^ielt 
SKufee genug, neben ber SSertpaltung feiner ®üter ber Äui^fül^rung 
ber literarifd^en ^läne ju leben, bie it|m einen 5ßla^ in ber ®e* 
fd^id^te ber beutfd^en ^iftoriograp^ie ann^eifen^). 6ö ift tjon 
SInberen fd^on öftere l^ertiorge^oben ttjorben, ba§ St^eöenl^iQer 
Qud einem ®efc^Iec^te ftammte, in toeld^em ber ©inn unb bie 
aSorliebe für gefd^i^tlic^e Slufjeic^nungen gleid^fam erblid^ toar. 
Sin ben legten Salären feinet fiebend (1610) l^atte il^n fein SSater 
aufgeforbert, „bem Seifpiete il^rer SSorfat)ren, tl^re eigene unb 
loeitere ©efd^id^te aufjujeic^nen, nad^jufolgen , tüie er felbft iftm 
nad^gefolgt fei.'' 3)iefer ©rma^nung ift ber ©ol^n in feiner ?lrt 
getreu nac^gefommen. (£r begann mit einer ©clbftbiograpl^ie, 
bie er bid 1623 fortfütjrte. Sr bef^rieb barin nid^t blofe feine 
|)erfönlid^en Sriebniffe, fonbem jugleid^ bie l^iftorifd^en ®reigniffe, 
beren Qeu^t er big bal^in gen^efen, bie Drte unb ßänber, bie er 
gefeiten*). S)aö meifte batjon ift fpäter in feine Ännalen über* 
gegangen. S)er ®ebanfe ju biefem 3Berfe ift, fd^eint ed, jiemtic^ 
frül^ in it)m entftanben. SQSd^renb feiner ©efanbtfc^aft in SÄabrib 



') kf^Xfen^ücx ift am 11. Sunt 1650 geftorBen. 
') ®. htn 9[u8^ug üon 8tül^ im ^(r^it) für 5ftr. ^kf^ic^tdquellen. 
I, 337—397. 



23' 



356 3»ntcÄ SBucft. 

{)at er bereite für feine offijietteu SRcIationen Don 3to^r ju 3al)r 
^eri^te über bie ®ef^id)te feiner 3^it niebcrgcfc^ricben unb feine 
Jagebücfier fleißig geführt. Slufeerbem bemühte er fic^ mit Srfolg, 
bie au^ ber 3^^^ ^^^ fpanifc^en ©efanbtfcfiaft feinet C^imi^ 
3ol)ann ftammenbcn fed)§ S3ücf)er ^^Jrotolotte , bie i^m alö Srb= 
fc^aft angefallen njaren, ju reHamiren, überhaupt t)on allen 
Seiten §anbfd^riften unb gebrucftc Cnelfen beijubringcn. 5r 
^atte e^ auf ein ®efcf)icf)t^n)ert im größten Umfange abgelesen, 
bcffen aWittelpunft Ä. ^erbinanb IL fein follte. Aber erft ein 
3at)r üor beö Saifer^ 2obe (1637) fonnte er ben erften 5;eU 
erfcf)einen laffen, tt)elcf)er bie ©efc^ic^te ber 3al)re 1578 — 1595 
bc()anbelte, tpogegen uom Saljre 1640 an big 1646 neun %cHc 
bc^ gefammten 3Berfeg erfc^ienen, t)on ttjeld^en bie beibcn erften 
Sebenöbefdjreibungen unb ^ortrait^ enthalten. Srft bie neue 
5(uflage, bie in ben Sauren 1721—1726 bei SDJel^. SSkibmann 
in Seipjig ueranftaltet tourbe, brad^te baö SBerf tjoüftanbig, inbem 
bie brei legten 95änbe, bie in ber ^anbfc^rift jurüdgebüeben 
toaren, tjinjugefügt Ujurben. (£rft je^t finb bie Annales allgemein 
befannt geujorben, ba bie ältere 3tuflage eine minimale ?lnja^I 
ISjempIarc gebrudt t)atte. 

Seiber finb bie Slnnalen in ungefat)r berfelben SBcife ge» 
arbeitet, toie bie meiften äeitgefd)id)ttic^en SSJerfe ber ©pod^e. 85on 
einer SBerarbeitung ber gefammelten SÄaterialicn ift auc^ ^icr 
feine Siebe. S)er SSerfaffer rei^t fie an einem bünncn gaben 
an einanber an, unb biefer ift lein anberer al^ bie SCufeinanberfoIgc 
ber 3a£)re. ©e^r tiiele^ t)at er ben befannteften unb Dcrbrettetften 
9Iutoren, üon 3:t)uanu§ bi«t SKegifer l^erunter, ben üerfc^iebenen 
Sammettoerfen , bie toir fennen gelernt t|aben, entnommen unb 
eö mit bm 3(ftenftücfen unb SRelationen Dermefirt, bie i^m fdbft 
in feiner amtlid^en ©tellung ju Rauben tamen. S)ag mic^tigftc 
unb originettfte barin finb bie ertoä^nten Slufjeid^nungen fcincd 
Cl)eimg Sotiann, bie il)m al^ ßrbteil jugefaQen n^arcn, unb feine 
eigenen über feine @efanbtfrf)aft in Spanien^), ©ne ^iftorifc^ 

iKaiiec, mücnftcin 8.468. 



1 



Sbai ScitaiUx bcr (Gegenreformation unb bc§ ©tittftonbe«. Ä^cöen^iHcr. 357 

©arfteUung im engeren ©innc barf man alfo Don i^m ni^t ex^ 
toarten. ?Iber aud^ boDon abgefeften, Iä§t bie "^oxin beö ge* 
gebencn Dielet ju ipfinfc^en übrig. ©cf)on bie ©prad^c, in ber 
Ä^eDenl^illcr fd^reibt, fonn nichts njcniger alö eine gen?ä^Ite be* 
jeic^net toerben, toenn mon aud[) in Stnred^nnng bringt, bafe bie 
beut[rf)e ©pracf)e bamat^ überhaupt im ©infen begriffen toax unb 
bafe überbieö öiele Snforrefttieiten ot)ne be§ SSerfafferd "SSerfd^uIben 
mit eingefloffen finb^). ?ln fac^lic^en SSerftbfeen mannigfad^er, 
unerheblicher unb ert)ebtid^er 9lrt fetjlt e^ ebenfalls nid^t, toie 
Ä^etjen^iüer n)of|I felbft gefüllt f)at ©ein au^fc^Iiefelid^ faifer- 
lieber unb fatf|oli)c^er ©tanbpunft barf ja ebenfaß^ öebenfen 
erregen unt) mal)nt jur SSorfic^t bei öenugung. S)ie proteftan^ 
tifd^en ©tänbe finb bei it)m überaU ^Rebellen unb im Unred^te, 
ber Saifer immer im SRed^t. ©egenüber ber neueren unb neueften 
gorfc^ung ^ält feine SarfteUung überhaupt ^äufig nid^t ©tanb : 
fo j. 95. in ©adf)en be^ 3^ifte^ jujifd^en Ä. Sftubolf nnb 3»attf|ia«, 
ber ®efc^idf)te ber Union, ber b5t)mifd)en 9iet)oIution , unb t)or 
allem ou^ ber JJataftrop^e SEBallenftein^. ©enug, in aßen 
ätoeifelfiaften gäßen, aud^ n?enn Jitf)e\)en^iner 9lftenftücfe unb 
fc^einbor autt)entif^e Serid)te benu^t, ift e§ ratfam, ouf feine 
Cuetten jurüdjuge^en^). Überbieö, er ttjufete Diel met)r atö er 
fagt unb finbet un§ mit ©erid^ten Don anberer §anb ah, \üo er 
felbft fidf) ben 3Kunb \)erfdf)lie^t. 9luf ein tiefere^ ®rfaffen ber 
gefc^id^tlid^en SSorgänge unb be^ politifd^en Seben^ ge^t er of)ne* 
bem nid^t au^, eö liegt gleid^fam in ber Anlage feinet SQSerfe^, 
ha^ er ipeber bie SSerfaffung noc^ bie Serlpaltung ber l^abö* 
burgifd^en Sauber ober bie Eulturelemente feiner 3^'* berül^rt, 



') @. SRunbc, über bie gegemoärtige ©cfci^offen^it ber Ä]^et)en]&illcrf(i6en 
STnnoIen im beutfc^en 9Rufcum (Scipjig, ©c^ganb). 2.©b. 1777. ©.403 ff.— 
& toäre immerhin ^u ttmnfd^cn getvtfen, Sftunbe ^ätte feine 1778 begonnene 
93earbcitung ber Annales burcQgefül^rt; ed finb baüon aber nur 3 2:eile (1578 
bi« 1592) erfrf^icnen. 3u ögl. ©eber, Siteratur bcr b. @t.*®efd^. @. 146, 
N. 459— 461. — 5SogeI, Bibl. Germ. Austr. III, p. 172. — ^orma^r'« 
Vlr(^it), Sal^rgang 1828, ittr. 45—50. 

«) SRanfe a. a. O. ©. 475—495. 



358 grocitc« »ud^. 

obtoot)! man ii)n fcineigtüeg^ einen ungebilbeten ober ejflufiüen 
©eift nennen bürfte. 6^ gefit bei i^m alleö Don |)erfönfic^en 
Äräftcn au^. SBie ernannt, gerbinanb II. ift fein :&elb; in 
§inblicf auf beffen Seben unb SRu^m t|at er gefd^rieben *). ?luf 
biefem SBege fonnte aüerbing^, auc^ bei füt)ncren STbfic^tcn, eine 
3eitgef d^id^te , bie etoa auc^ bie SRad^n^elt ju feffeln t)crm6(^te, 
nid^t ju ©tanbe iommen. 

Site ein ©eitenftücf ju ft^eüenfiiner^ ?lnnalen f)ai man 
öftere öogi^Iat) ^flilipp t)on ß^emniö'^ ©efc^ic^te be? 
^©c^tDcbifc^en in Seutfd^Ianb geführten Äriege^" betrad^tet. S)iefe 
SRebeneinanberfteUung mill freiließ nid^t ganj treffen ; benn fi^t)en* 
t)iUer be^anbelt bie allgemeine 3^it9^f^i^te in einem toeiten 
Umfange, S^emni^ tüiü au^brüdlid^ ttjeiter nic^tö ate bcn fc^toc 
bifd^beutfdf)en Ärieg Don feinen Slnfängen bi^ ju bem ©c^Iuffe 
jur S)arftellung bringen; toa« bem Stuftreten ®uftat) ÄbolfÄ 
in 5)eutfdf)kinb Dorau^gel)t, n?irb auf ein paar Seiten abgetan. 
Sene SRebeneinanberfteHung ^at alfo nur infofeme einen Sinn, 
ate öeibe entgegengefegte ©tanbpunfte vertreten, ber eine ben 
^aböburgif d^fattiotifd^en , ber anbere ben fd^mebifd^^Dangelifc^. 
35iefeö ift aber auc^ in eminentem ©rabe ber göü, nur bafe 
6t)emni6 jene^ fein SSortjaben boc^ unjn)eifelf|aft DoQfommcner 
burd^fü^rt, o^ne bafe man i^m barum ein ungettJö^nlic^eö lite^ 
rarifd^e^ 3;alent äufd)reiben bürfte. 9Son feiner ?ßerfönlic^feit 
njiffen n^ir erl^eblid) n?eniger ate Don ber Ä^eDcnl^iQerd. ®r 
n^ar am 9. 9Mai 1605 ju Stettin ate ®ot)n eine^ angcfe^enen 
SSater^ unb ®n!el beö berühmten proteftantifd^en 3;i^eoIogen SRartin 
ß^emnig geboren. 3laä) Dollenbetem Sefuc^e ber UniDerfttäten 
Don 9ioftocf unb Sena, n)o er firf) befonber^ mit juriftifd^n unb 



') 3^g(. $(b. SBoIf a.a.O. 6.168. ^ie Oefd^reibung ber ^«riftlii^ 
l^erotfc^n Sugenben gferbinanbS II.'' am @nbc bed legten (12.) 8anbed (and^ ber 
2ei|)5iger $(uSgabe) rül^rt übrigen^ ntc^t üon J(^et>en^iIIer, fonbem ton gfr* 
binanbft ^dc^tDater P. ip. fiämmermann ^ unb ift fc^im 1634 in latdmf^er 
©prad^c „Ferdinandi II. Imper. Virtutes" erfc^icncn unb bamt in mäfcat 
©prac^en überfc^t n^orbcn. 



5)a« gcitoltcr her dköcnreformation unb bcd ©tiflftanbc«. a^cmni^. 359 

gcfc^ic^tüd^cn ©tubien bcfc^äftigt ^aben foU, trat er juerft in 
l^oüönbifd^c , bann unter ®ufto\) Slbolf in fc^toebifd^e ÄricgiS* 
bienfte, lehrte aber balb ju ben SßJiffenfc^aften jurücf, tourbc 
1644 unter beS ÄanjIerÄ Djenftiema Slufpijien jum ^teutfc^en 
^iftoriograpfien ber föniglid^en (fd^njebifd^en) SKajeftät'' ernannt 
unb mit ber äuigarbeitung ber ®efd^id^te be« fd^toebif^beutfd^en 
Äriege^ betraut, bie fortan bie Stufgabe feinet ßeben^ toerberf 
foüte. @in DoQeS SKenf^enalter unb barüber f)at er ber ?lu8* 
fü^rung beg übernommenen Auftraget getoibmet unb eig fidler 
big in bag 3af)r 1646 hinein geführt — im Sa^re 1678 ift er 
geftorben — , n^äl^renb e^ ungeujife bleibt, ob er e^, »ie behauptet 
toorben ift, big jum griebengfd^luffe fortgefegt l^at^). S)er erfte 
Seil erfd^ien in beutfd^er (unb lateinifc^er) Sprache 1648 ju 
©tettin, ber „burt^Iaud^tigften unb grofemütigften gürftin unb 
gräulein ßl^riftina, ber ©d^toeben, ®ot^en unb SBenben 
Äönigin" u. f. f. jugefc^rieben ; ber jmeite 2;eil, tt)ie aüc§ übrige 
nur in beutfd^er ©prac^e abgefaßt, im Saläre 1653. öeibe Steile 
jufammen reid^en t)on ben 2lnfängen beg Äriegeg big in bie 
3»itte 1636. S)er 3. unb 4. (big 1646 hinein fid^ crftrecfenbe) 
2;eil ift erft in ben Sauren 1855 — 1859 in ©todt^otm nad^ 
träglid^ gebrudCt roorben. S)abei ift aber ju bemerfen, bafe tjom 
3. 3;eite j. Q. nur ein gragment, bag 1. Sud^ t)om Suli big in 
ben Sioüember 1636 reid^enb, aufgefunben toorben ift, fo ba^ 
alfo jtoifc^en bcmfelben unb bem 4. Seile eine beträchtliche fiüdEe 
Don in)ifd^en 4 unb 5 Salären übrig bleibt. 

aSag nun ben SBkrt beg in grage ftel^enben 3Berfeg anlangt, 
fo muß eg ol^nc 3^^^^^^ h^ ^^^ ergiebigften unb bebeutcnbften 
Duetten ber jtoeiten §älfte beg großen firiegeg gejöl^It »erben. 
(S^nig toar aUerbingg nid^t n^ie Ä]^et)enf)iIIer mit^anbelnber 
©taatgmann, aber inbem man il^m ben ßutritt ju ben fd^toebifd^en 
Strd^iDen geftattete, hjar er in bie Sage gefegt, fid^ mit tjorjüg* 



^gl. bag ^onoort bed ^craudgeberg junt britten im Sa^re 1855 
Derdffentüc^ten %eiit. 



360 3iö"tc« öud^. 

Heilem urfunbtic^em SDJaterial au^jurüfteu. Slßerbiitfl^ l^abcn fic^ 
feine SKanbatare eine 9lrt t)on Senfur vorbehalten, boc^ fc^eint 
nac^ aöem biefer SJorbe^att tüenig ernftt)aft gemeint gemefen 5U 
fein. S)a6 bie ©arfteUung burd^ bie ^lu^beutung ber Sften einer 
ber friegfü^renben ?ßarteien einfeitig ipnrbe, n^ar nic^t ju Der- 
nteiben, fie toäre eö biö auf einen gcmiffen ®rab jeboc^ auc^ 
linter anberen Umftänben getüorben, benn S^emni^ toar üou §ou^ 
aug anti^ab^burgifc^ gcfinnt, njie er baö ja bereite in feinem 
berül)mten S^raftatc über bie beutfdje ißeid^^Derfaffung unter bem 
$feubonl)m be^ §ij)poIit^uö a 2aj)ibe (1640) jur ®cnüge uer« 
fünbigt f)atte^). Gr fanb aber and), baß, toa^ Don ber anberen 
Seite über bie @efd)i^te be§ Äriege^ ju Sage getreten ttjar, »ic 
bie gortfe^ung besJ Theatrum Europaeum u. bgl., ber SGBaI)rI)eit 
burc^auö nid^t genüge. Über ^fficf)t unb 9Iufgabe be§ ©efc^ic^t- 
frf)reiberS f)attc er fidler me^r nacfigebad^t al^ ber öftreic^ifc^ 
(Sbelmann. S)ai3 ©tubium ber bitten Hingt gelegentlich au(^ 
burc^, er al^mt fie h)ol)l mit fingirten SReben feiner gelben nac^, 
aber ju einer fünftterifc^en Setoältigung feinet reid^en Stoffee, 
}u einer feffeinben tjiftorifc^en S)arfteIIung l^at er fi^ fo toenig 
toie bie meiften feiner 3^it9^n«^ff^" ert)oben, toie I)od^ er aitc^ 
oI)ne grage über alle jene Äompilatoren geftetit ttjerben mui 
9Wan füt)It e§ ber S)arftel(ung an, er toeife nid^t bIo§ genau, 
toaö er ttjid, er orbnet unb gruppirt jugleic^ fein SWaterial mit 
Überfid^t unb mit Überlegung. Sei ber Ärieg^gefd^id^te im weiteren 
©inne Dertoeilt er offenbar feinem ^ogramme gemäfe überall ein* 
gel^enb, aber bie ©rjä^lung ber mititarifd^en unb politifd^en 9?or* 
gange neben unb nad^ einanber ift bod[) Diel planmäfeigcr bun^ 
geführt, afö e^ bem flüchtigen Sefer fc^einen möchte, grcilic^ 
fann nid^t in 9lbrebe geftellt toerben, baJ5 eine fo breite aften* 
mäßige Grjäl^lung ettoa^ ermübenbc^ t)at, auf ber anberen Seite 
foU man fid) aber erinnern, baß eine Slpptifation unb 9udbauer 

*) @. ^üttcr, öitcrotuv bcS bcutf d^cn (5taat«rc(6td. 1,211 unb3rriebri4 
©eb er, ^ippoüt^u« a Öopibc in^. öon at)bcB l)ift. ScitfcJ^rift (29. ©b. 1873, 
1. ipdlftc, ©.284 ff.). 



%kL9 3cttaUcr bcr Gegenreformation unb bed ©tiüftanbe^. (T^emni^* 3C1 

feltcnfter Strt boju gehörte, ein fo umfaffenbeg SBerf in ftet^ 
gleicher ficl)eren güHe burc^äufüf)ren. 9lbneigung unb ßwncigung 
laffen fidj bei if)m ja nirgenbS öerfennen, man n^irb aber fc^ujerlic^ 
if)m ben SSomurf machen fönnen, ha^ er barum bcr if)ciU 
fäc^Iid^en SBa^r^eit ju naf)e tritt ; aucf) n)0 bie Umftänbe e§> beui 
gen)ö^nlic^en Slutor naf)e legten, ^at er ber $}erfuc^ung orbinärer 
SBerbäc^tigung burc^ 3)?ittei(ung jn^eifel^after ®erüc^te u. bgl. 
hjiberftanben. SBir nehmen ba^er feinen SInftanb, feinem ©efc^id^tiS* 
njerf bei aller Ginfeitigfeit feinet grunbfä^Iic^en ©tanbpuntte^ 
ben SSorrang t)or fämmtticl)en ä^nlicl)en Unternehmungen ber 
©poc^e einjuräumen: eine Stnerfennung , bie übrigen^ fon^enig 
f)o6) gegriffen ift, alö er ate benfenber, origineller, pofitifdjer 5iopf 
loeit über feine Äonfurrenten emporragt. Äaum n^erben n^ir au§* 
brücflic^ t)erficf)ern muffen, bafe biefe STnerfennung nicf)t fo 3U 
üerftet)en ift, aU fei mit feiner Stuffaffung über ben G^arafter 
be§ Äriege^, bie SJeurteilung ®uftaü Stbolfö u. f. U). ba§ le^te 
entfc^eibenbe SBort gefproc^en. Sei ber 3Bürbigung üon S^emni^ 
aber barf allerbing^ nicf)t üergeffen n^erben, bafe er bie fpätere 
®efcl^icf)tfd^reibung mit feiner SJarfteKung t)ie(fac^ beeinflußt l^at, 
hjä^renb in neuefter 3^** ^f* ^^^^ abn^eic^enbe 2tnfc^auung auf* 
getreten unb teilmeife burcfigebrungen ift^). 

3m JReic^e felber finb SSerfucf)e einer Ijiftorifc^en S)arftettung 
be^ großen Äriegc^ aUerbtngö nic^t ausgeblieben unb mitten im 
©eräufd^e ber SBaffen entftanben. ®o f|at eö 3of|. 5ßeter So- 
ticfiiuS^) unternommen, ben größten %dl beö großen Äriege^ 



') ^n biefer 8tcC[e fei aud) an Sebastian Barsters Beschreibung des 
schwedischen Krieges (1630—1647), herausgg. von Dr. Fr. von Weech 
(Leipzig 1875) erinnert. (Sd ift eine ^alb üolfdtümlic^e, fic^ übermiegenb auf 
eine beftimmte ®egenb S)eutf(4lanb3 befd^ränfenbe iSrjä^Iung ber ®efd)ic^te 
bed ^rieged in hm geb. Sauren. 

') @^eboren am 8. SRdrj 1598 ^u 92au^eim aU ®o^n eined ^farrerd, 
bilbete fic^ juerft jum ^rjte aud, befletbete Derfc^iebeiie Stellungen, bid er 
Sule^t feinen bauemben ^o^nfi^ in grranffnrt a. ^. na^m unb 9{at unb 
^iftoriogrop^ Ä. Srcrbinanb III. würbe, (gr ftarb im 2(pril 1669. ©trieber, 
Hfifcfte ®el.^®ef(^ic^te. VIII, 97. 



362 3n>«itc« öuc^. 

(1617—1633—1643) ^iftorifd^ barjuftcam^). Sotic^iuig mv ein 
gekfirter, t)umamftifd^ unb pol^l^iftorifd^ gebilbctcr STOann, aber 
einer Stnfgabe, toie bie öorliegenbe , feine^toegg geipac^fen. ®o 
jiemlic!^ feinem ber Slnfprücf)e, bie man jumal gegenüber einem 
jeitgenöffif d^en ®efc!^icl^tött)erfe ergeben barf, tt)ie ettoa befonbere 
©ac^fenntniö unb Originalität finb, njirb trog aller ermübenben 
SSSeit läufigfeit genügt, obnjo^t bie 3)arfteßung felbft fi^ nic^t 
übel lieft, fiotid^iuö l^at aud^ auf fad^funbiger ©eite fd^on bamaö 
geringe Sfnerfennnung bafür gefunben*). @in eigene^ ©^idfol 
f)atten bie ßommentare ©ber^arb SBaffenbergö au& @m* 
meric^, bie er im 3a^re 1679 über ben großen SJrieg (bi^ 1637), 
b. i). biö jum Sobe Ä. gerbinanb^ II. fieraui^gegeben, unb bedu^egen 
t)or allem übergefien toir if)n nid^t mit ©tiUfd^toeigen. 3m übrigen 
ift er fo njenig ju rüt)men al^ fiotid^iu^ unb t)erbanlt feinen 
feltenen ©rfolg ganj anberen Umftänben, jumal ber fpejifif<^ 
fatf)oIifd^en unb faiferlicf)en ®efinnung. @ine neue Aufgabe mit 
einer gortfegung erfc^ien 1642 unter bem S^itel „Florus 6er- 
manicus", ©bitionen in Erinnerung an ba^ ©efd^id^tötoerf bei8 
L.Annaeus Florus, baö feit 1580 burdj öerfc^iebene, unb namentlich 
burd^ bie grein^()eimifd^e beg Sa^re^ 1636 in ^o^em ®rabe beliebt 
geujorben n^ar. Sene Stu^gabe ujurbe bann in ba^ 3!)eutft^ 
überfefet unb ert)ielt enblicf) burcf) ben ®rafen Subtüig 
öon gürftenberg, einem faif erliefen Dffijier, ber ft^ burt^ 
ben 3S3affenbergifcf)en S8ericf)t über bie ©c^Iad^t bei Sutter o. 8. 
öerfürjt fat), eine Kemebur in ber ®eftalt einer beutfc^n Se» 
arbdtung, bie bi^ jum 3a^re 1631 fid^ erftrecft unb üielfa^ 
Sfnerfennung auf ®runb tt)atfäc^(ic^er Serid^tigungen gefunben 
^at SDiefe SRebaftion mt ber 3Baffenbergifd^e Florus enblid^ ift 



>) J. S. Lotich ins, Herum Germanic&rum sab Mathia, Fer- 
dinandis 11. et 111. impp. gestarum libri 55 (1617—1633) P. 2. libri 62 
(1633—1643) Frankf. 1646, 1658. fiottc^iud ^at übrigens and^ ben 5. XetI M 
Theatrum Europ. (1643—1647) bearbeitet. 

^^) ^(. Boeder, ein jüngerer 3eitgenofie bon Sottc^iud : Bibliographia 
curiosa (1678). 



Sba^ 3eüalter ber (Kegenreformation unb bed 6tiaftanbe9. 2, ^co^pu^. 363 

l)on anbcrer §anb, unb le^terer nic^t im ©inne beg 5Berfafferg, 
bi§ 1647 fortgefc^t unb toieber aufgelegt toorben^). 

3U^ tin fSnä) ganj anberer 3trt ertoeift fic^ bic fompenbiöfe 
©efc^id^te beg großen Äriegeö t)on Seon^art ^appu§*). Der 
SBetfaffer toax ein gebilbeter unb ge(el|rter 2)?ann; bem geift^ 
li^en ©tanbe ange^örig, f)at er bie SBelt gefe^en unb bie poü* 
tifd^en ©efd^fifte fennen gelernt. 3)em foiferlic^en §aufe ergeben, 
]^at er fid^ bod^ einen ®rab toenn nid^t ber Unbefangenheit, fo 
boc^ ber aWäfeigung bettja^rt, ber eine toof)lt]^uenbe SBirfung au8* 
übt. ©tofflic^ betrad^tet fann bie ©d^rift faum eine Bereicherung 
unferer Siteratur genannt toerben, i^r SBert Hegt in ber umfic^tigen, 
Iic^tt)oIIen unb bo^ fnoppen ßwfammenfaffung ber t)ertt)icfelten 
@reigniffe, über bereu S^ragn^eite ^appu^ fid^ flar genug ift. 
8[I^ Cueüe bürfte man fie immerf)in erft na^ toieberl^olter^ßrüfung 
ber einjelnen 3;^atfac^en gebrauchen. Die gorm ber DarfteKung 
ift gettjanbt unb bem ©til fie^t man bag fleißige ©tubium be^ 
Sacitu^ auf jeber ©eite an^). Slber auc^ eine in bie gorm ber 



hieran fc^Io| fic^ ber beutfc^e ^(orud bed Dr. 2lug. $aftoriud 
(J^aiferl. unb furfttc^ftfc^er 9iat unb ^iftoriogro))^ bid 1559 u. f. f.), roiebcr tne^r 
eine Vttenfammlung atö etroa eine Q^efc^id^te; weiterhin ein Florus Gallicus, 
Anglicus, Danicus, Hung&ricus, felbftt)erftänbli(i^ nic^t me^r t)on beutfc^en 
JBerfaffcm. 

») Epitome Rerum Germanicarum ab a. MDCXIII ad a. MDCLXVII 
^rauÄflegeben t>on Dr. ßubwig 5(rnbt8. 2 Xefic. ©icn 18.56—1858. — 
^QppvL^ toax geboren am 27. S^nuar 1607 ju t^elblircb in S3orarIberg aud 
altem abeUgen ®cfct)Iec^tc mit bem äwnamen „t)on Xratbcrg"; fein Setter 
toax ber Hielgenannte ^aiS))ar 6ciop))iu8 (ein leibenfd^aftlic^er, üiel- 
\dfxt\btnbtt Parteigänger bed römifc^en unb faiferli(^en ^ofed). ^a^pud fc^Iug 
bie geiftlic^e fiaufba^n ein, mürbe frü^ ^om^rr ju iSonftanj unb Kugdburg 
unb jpöter u a. taiferlid|er 9{e|tbent bei ber ^ibgenoffenfc^aft unb am p'dp\U 
liefen $ofe. Sr ftarb am 6. BRärj 1677 (bgl. ba« SSortoort oon Slrnbt» gum 
l.Xeile {einer ^u^gabe). Ob aud^ bie t^ortfe^ung oon 1641 an bon ^{^a))))u9 
fclbft ^errü^rt, ift freiließ ameifel^aft. 

*) ?(n tagebut^rtigen Sluf^eic^nungen über bic 3cit beS Äriegeg finb ju 
ber^eic^nen: 1. ^^riftian ü. (bed ^fingeren) Don ^n^alt ^agebuc^. ^raud« 
gegeben öon 3. Ifraufe. Sitipm 1854 (ju bgl. b. «retin, a3et)träge, 7. ©b.). 
2. (». (daiffer, Xagebüc^er (1621—1635) bei aRone, bab. ©efd^ic^t^ueaen. 
2. »anb. 



304 3tt>eitc^ md), 

llniüerfalc^ronif gefleibcte ©cfc^id^te be^ Äriegc^ ift nic^t au^ 
geblieben, bie imö iitfjaltlid) frcificf) burc^au^ nicl)t^ neueS bietet 
uub nur infoferne tSrmäfjnung Devbient, al^ )ie bie einjige i^rer 
9(rt ift. 3^r SJerfajfer ift ©eorg ©refflinger au^ SRegen^ 
bürg, ber in ber beutfdjen Siteraturgefc^ic^te auc^ fonft nic^t 
gang unbefannt geblieben ift. ßr t)atte, nacf)bem i^n ber SSirbel 
be^ ilriegeö eine ßcit lang i)m unb ^er geführt, siile^t in ^am- 
bürg alö ^eranögeber einer B^i^^^^fl i"^^ Gigentümer einer Sruderei 
eine Stätte gefnnben, wo er 1677 geftorben fein foU^). 3Jic 
Ärieg^gefdjic^te ift äienilid) üüUftanbig nnb in gut proteftantifc^er 
bod) mafeüüUer (Sefinnnng, aber meift oi)nt allen ©c!^tt)ung erjä^tt. 
Gine ®e[animtbarftellung ber Gpodje be^ Äriege^ big über ben 
griebenöfc^lujs l)inauö, jebod) mit üorn^iegenber Serücffid^tigung 
ber 9?orgänge in !iDeutfd}lanb t)at berÄölner Slbolf SBrac^cIiu^ 
(Örac^el) unternommen^). 'S)a^ Suc^ I)at ben SJorjug, ba^ e^ 
leiblid) gut gefc^riebcn unb mijglic^ft bünbig unb überfic^tli^ 
ül)ne Grregtt)eit, aber auc^ ofjne Originalität bie ganje Summe 
ber Greigniffe üorfüfjrt. 2)ie @efd^id)te ber griebenööertianbtungen 
enblid) unb beö grieben^> felbft t)at 9lbam SIbami, ber an 
bemfelben in offijietler Stellung Seil genommen, in überfic^tlic^r, 
auf aut^entifd}er ©runblage rut)enber, auc^ f)inlänglicl^ unbefangener 
Söeife geliefert. Sclbft ein bemäl)rter Diplomat, öerftanb er ed 
gauj gut, ha^ ®etoebe ber Jneben^üertjanblungen offen ju legen, 



^) SSgl. ^Bolfgang ö. Dcttingcii, übet ©corg (Breffünger twn 
9?cgcn^burg q18 S)ic^tcr, CMftorifcr unb Übcrfefcr. Strafeburg 1882. 3)a« im 
Xcjtc angcjogcne Sc^riftc^cn fü^rt ben 2^itel: „3)cr bcutfc^c breimgjäl^Tige 
Ävicg. ^octif ^ crjä^It buvd) Sclobou öoii bct a)onQu. ®cbru(ft im 3a^rel657.* 
Übet QJrcffünger« übrige Iiiftorifc^c Scrfe fic^c t>. Oettingcn a. o. C 
@. 27-30. 

') ^rad^el »ai SBifar au bor ©tiftStirc^e 6t. Kunibert, in Sibln geboten 
unb ift im @e))tember 1651 geftorben. ^ad ^ert fü^rt htn Xitel: Histom 
aut verius succincta epitome bistoriae anuorum nempe ab anno 1618 — 1649. 
^ie Sortierung big 1652 unter üeränbcrtem Xitel rü^rt nodf ))cn ^ra^d feCbft 
^er, bie weitere bid 1679 üon X^ulbäud unb IBre^er, betbe ebesfafl« 
JCIerifcr. ^ad ^erf ift auc^ nebft einer gfortfe^ung (1654) in baft i)eutf(l^ 
übertragen njorben. 



5)0« 3cita(tcr bcr Gegenreformation unb bc^ ©tlllftnnbeg. Giäner. 365 

mnn il)m anä), tro^ beö nid^t geringen Slnfe^enö, baö er fic^ 
unter feinen ÄoÜegen ju 2)?üufter fetbft ern)orben l^atte, moncfier 
©diad^jug unb mand^eS 3^if^^"fP^^^ verborgen geblieben tft^). 

aSJenben n)ir un^ nun jur Untersuchung ber görberung, 
loelc^e bie beutfc^e ©efd^id^te afö jold^e in ber Spoc^e beö großen 
Äriege^ erfahren ^at, fo toirb man ben Srgebniffen berfelben, 
öermuten tvxx, nid^t mit ju ^oc!^ gefpanntcn ©rn^artungen entgegen== 
feilen, ©olc^en njürbe unfehlbar eine bittere Snttäufc^ung nid)t 
erfpart bleiben. 2)ie ®egenU)art in i^rer Unbefiaglic^feit unb 
3crriffen^eit mar in ber %i)at nicf)t baju anget^an, fic!^ mit Siebt 
unb Eingebung in unfere ©efc^ic^te ju öerfenfen, fo fieilfam eö 
and) erfc^einen mod^te, bie um i^re 3"^^nft nngcnbc SRation an. 
i^re öergleic^ung^ttjeife beffere unb größere 5BergangenI|eit ju er* 
innern. 3)ie fiäf)mung beö nationalen Jluffc^ipungeö , n)eld)en 
ber ^umaniömu^ unb bie SReformation eingeleitet f)atte, mußte 
fid^ nottoenbigertoeife gerabe auf biefem ®ebiete in erfter fiinie 
cmpfinblid^ geltenb mad^en. ®o Ujar e^ f^on ein nid^t ju unter*^ 
fc^ä^enber ®en)inn , n^enn bie bereite begrünbete gelehrte Über* 
lieferung nid^t ööüig fiftirt, entftellt ober gar öernid^tet, unb 
toenn toenigftenö an ber 9(uffud^ung unb Sammlung t)on QueKen 
ober ber STuf^ettung einjelner gefc^ic^tlic^er ÜKomente njeiter gc* 
arbeitet ttjurbe. 2)ag erftere anlangenb, nennen loir ate §erau^* 
geber oon Cueüenfc^riften Siifolau^ 6i§ner (^iftner), ein 



*) @tft jicmlic^ fj)ftt nac6 bc« SScrfaffcrS 2^obc juerft d« „Arcana pacis 
Westphalicae^' (anonym 1698) unb afö ,,Hi6torica relatio de pacificatione 
Osnabrugo-Monasteriensi^* mit bcm 92amen bed S3crfaffer§ 1707 gebrucft. — 
9(bami mar (1610) geboren ju 3Rül§%im bei töln, trat in ben Orbcn S.B., 
mürbe $nor t>on @t. Safob ^u ^ainj, fpöter $(bminiftrator ber 9Cbtei Tlux' 
^orb (im heutigen St'äi. SBirtemberg) unb ging ald SJeDoHmäc^tigter ber 
^irtemb. ©tiftet unb beS gfürftbift^ofc« öon ©ortjeQ md^ SRünfter. @r ftarb 
ben 19. fSfebruar 1663 ald ^ei^bifc^of tton ^Ubed^eim. IBgl Sf^ulanb in ber 
%. ^. $iogra))^ie s. h. v. unb i^urboonSc^Iöjer, biegramilie ))on Siegern 
in $annot)er unb am marfgröflic^en $iofe ^u ^aireut^. IBerlin 1855. «S. 20. 
(!D}ei)em ^at gu feiner befannten 9[udgabe ber Acta pacis u. a. auc^ bie 
^eric^te 9lbami8 au feinen ^anbatar ))on Qotott) benu^t. 



366 3»^«tc« )öu(^. 

^umaniftif c^ gebUbeter Surift ^), Simon © d^ a r b *), beffen 
Historicum opus \iä) baburd^ au^jcid^net, bafe c^ bic üerfd^iebenm 
Gpocf)eit unb 3af)r^unberte unferer ®ef2^ic^tc bisJ in bic 3^^ 
Ä. ÜKaEimilianö II. tjinein begleitet, Sol^anne^ ^iftoriuig'), 
SuftuS SReuber*), Sl^riftin Urftifiuö'^), -iinb au^ neben 
©d^arb ben bebentenbften bie) er ®ruppe, TOarquarbgre^er^. 

^) Geboren ^u TtoSbadj im Obenroalb, gebilbet in ^eibcfbetg unb Stras- 
burg, SBittcnbcrg, ©ourgcS unb ^ifa, rourbe SiÄner fj)ätcr ^fcffor bar ?aii» 
betten 5U ^tbcrberg, bann ffiai am Steic^^fammergertd^t unb enblic^ 9}at bf4 
^rfürftcn gfricbricft tjon bcr ^falj, geft. 6. SKärj 1583. »gl. Äentcn, Vit» 
Cisneri, bon bcffcn Opuscula, Frankof. 1611. $au|, ®ef(^. ber Uniöctf. 
©cibelbcrg, I unb II passim. — ©tfnfing, in bcr Ä. 3). Oiogr. unb in 
feiner ®cf(^ic^tc ber b. ?Rc(^t«tofffcnf4aft. @. 583. — Gi8ner gab ^rau« bie 
Saxonia bed ^tlbrec^t ^ran^, bie SS. S^nobS unb fein Küentind Annales 
Bojorum (1580). 

') <B. oben @. 352. — Historicum opus in III Tomos divisum. Bas. 
1. 1574. ^odj ift l^ier auc^ fein ©ammelroerf „De imperiali jurisdictioDe, 
auctoritate et praemmentia Imperii atque juribus Regni syntagnut trae- 
tatum (ßakl 1561) ju ermd^nen. 

») SS. R. Germ, grantfurt (1583—1687). 2 Xeile. PftoriuÄ »ar gebort« 
am 14. grebruar 1546 ju 92ibba in bcr ^tterau, trat 1588 )um Shit^olisiftmitl 
über unb ftarb 1607 al» 3)om^ea ju Jfonftanj. (8SgI. g. 6tieDe, ©riefe 
unb «ften u. f. f. IV, 10 «tum. 1). 

*) Geboren 16. ^uguft 1542 ^u 9^ir^eim im ^odftftift ^aberbom, feit 
1574 furpfäliifcfter ^aU 1598 «mtmann in (Jttingen, geft. 17. 3uiii 1607. 

*) UrftifiuS (SBurftdfcn) geboren ju 93afcl 1. Januar 1544, Don ^u9 oul 
X^eologc, 1564 $rofeffor ^uerft ber ^at^cmatit, bann bed alten ZeftamentA, 
1586 ©tabtfcftreiber, geft. 30. m'dx^ 1588. (Sr oeröffentUc^te 1585 u. a.: Otto 
t)on fjfreiringen mit S^agemin, Otto t)on @t. ^laftcn, Annales Colmarienses, 
ber fog. ^Ibertud t>on Strasburg. 

^) @^eboren htn 26. 3u(i 1565 ^u $lugdburg, in ^utfc^aub unb ^taaU 
reic^ gcbilbet, trat er in furpfäl^ifc^e 9)ienfte, rourbe 1596 ^ofeffor ber Sterte 
an ber Unit>crfttät ^ibclbcrg, feit 1598 audfc^Iieglic^ l^on bem ihitfihrftei 
griebric^ IV. in politif^cn unb biplomatifc^en ®ef(^ften t)ertoenbet. dt ftoil 
1614. »gl. 3. »rucf er, ®^rentem))el ber beutf^en (»ele^rfamfeit IH, 106. ^ 
<£rf4 unb @)ruber 48. ZI 6. 416 ». 2). »iogra))^ie s. h. v. etint^ing, 
^cf^ic^te ber beutfd^en SRcc^tdmiffcnfc^aft I, 680. — Seine 8ammliing ent^ 
u.a. bie gutber unb fiorfc^en 9(nnalen, »runo (de bello Saxonioo), bca 
fog. ^inri4 ^on d^ebborf, @4riften üon ^neud <3))Ibiud unb Serfc^iebencft ^ur 
©cfc^ic^te Jf. gfriebri«« IIL, SRaf I. unb Äarl V. 8wel 3te§rc barouf (1615) 
lieg Sfrel^er einen »anb Corpus historiae Franciae veteris et sincerae mit 






^ad 3^talter bet Gegenreformation unb bed ©ttllftanbed. ®oIbaft. 367 

S)er erfte %dl feiner ©ammtung enthält afö ©inicitung ein fog. 
35treftorium, b. f). ein SScrjeic^nig fämmtlicf)er bamate befannten 
®ef c^i^t^qucttcn , ein für feine 3^^* ^^^t banfenötoerter erfter 
SJerfud^ ber Slrt, ber bann t)on Späteren tüieber aufgenommen 
unb ergänjt ttjorben ift. 2)aran reiften fid^ bie ^ublifationen 
ber beiben Sinbenbrog (fiinbenbruc^), (grgolb unb griebrid^ 
S. ^) ; ber le^tere folgte ben Salinen , bie an ber ©renje ber 
beiben befpro^enen ©po^en ©ic^art unb 3. 95. 4)^tolb mit 
ben ?ßubIifationen ber alten beutfd^en SJoIfögefe^e betreten Iiatten, 
unb erttjarb fid^ namentlid^ burc^ fein codex legum antiquarum 
für bag ©tubium unb bie ©rfenntniö ber red^t^efc^id^tlid^en 
©eite unfereö Altertum^ ein bleibenbeg SJerbienft*). (£ine ©teHung 
befonberer Slrt aU ©ammter unb Herausgeber nimmt in biefem 
Sufammenl^ange SReld^ior ^eiminSfelb Oolbaft ein. ©ein 
unfteter ßebemSlauf ift feit ©enfenberg oft genug gefd^ilbert iporben '). 
Unfrucf)tbar fann man biefeS Seben unb bie t)on if)m umfd^Ioffene 
3^I|ätig!eit nid^t nennen, ttjenn aud^ nac^getoiefcnermäfeen einige 
©chatten ber Unjuöerlaffigleit auf bie festeren fallen. 2)a8 meifte 



(Tregor Don XourS, $aulud ^iaconuiS de epp. Mett. unb eine Vita ^tfer 
Subtotgd I. foTgen. 3m Sa^re 1682 ^at gre^r aber au4 einen ^anb SS. 
Rerum Bohem. ^raudgegcSen. — (3)fe Be^. OueQenau^gaBcn bed Pierre 
Pithoa (Pithoeus) ftnb auf fran^i^ftf^ 9{e(^nung ju fd^reiben.) 

(Srgolb Sinbenberg, geboren 1540, geft. 1616, toar ßanonihtd ju 
Hamburg. (Sein ^o^n gfriebric^ toar geboren 1573, geft. 1648. @ie gaben 
^eraud: ,,SS. R. Germ, septentrionalium*' (1619) unb ^^Diversarum gentium 
bist, antiquae SS.'' (1611). 

>) €. 8%. r>, 9taumer, Qk^d^id^tt ber beutfc^ $^i(ologie. ®. 46. — 
@itin(ing, ®efc^. ber beutfc^en »iec^tdmiffenfc^aft I, 738. 

*) Geboten 1576 ober 1577 ju (fdpen im ftanton ^urgau, ftubirte 
eolbaft in 3ngoIftabt unb ^Itborf, lieg ft(^ 1606 in gfranffurt a. Tl. nieber, 
Dertaufc^te aber biefen ^ufentl^alt mieber^olt mit anberen Stellungen unb ftarb 
)ulett in lanbgtftflicb MPf«^ ^ienften ftel^enb, 1635 in biegen. Sgl. Renten« 
bergd Goldasti memoria in feiner SS. R. Alem. — ^. t>, 91 a um er a.a.O. 
6. 52ff.i6tin(ing a.a.O. ®. 73. ^onjenbad^ in ber 9L ^. IBiograpl^ie 
t. h. V. »urfian, (Skf4 ber üaffifc^en ^^ilologie I, 280. Bon ^ntereffe finb 
ou(^ für bie (Sele^rtengefc^c^te ber geit bie Epp. ad. Goldastum ex bibl. 
Tbulemari. Francft. et Spirae 1688. 



308 Srociteö «uc^. 

für bie Stmeiterung unfcrer fienntniffc \)at er im ©cbictc bcr 
bcutfc^en ^ßfjilologie unb be^ bcutfd^en ©taatörcc^t^ , bjtt). ber 
beutfd^cn ®e)c^ic]^te geleiftet. 3Bir emä^nen ^tcr feine Auf- 
gabe bcr Scriptores Rerum Suevicarum (1605) unb Alemanni- 
cainim (1606, B 2^Ic.), bie in ber 9lpoIogie pro Heinrico IV. 
imp. bereinigten Streitfd^riften au^ bem 11. Söl^r^nnbcrt , eine 
9(ugga6e öon 28 i l i b a l b 5|? i r f t) e i m c r g SBerfen (1610), bie crfte 
91uögabe beö „Carmen de congressu Caroli M. cum Leone 
Papa*'*), ferner feine epoc^emac^enben ©ammtungcn t)on SReid^d^ 
gcfe^en,5Red)t§gett?of)nI)eiten, SReicf|§f)anbeln, Gonftitutionen u.f.»., 
bie feinen SWamen am tueiteften getragen ^abcn^). 

3ufammenf)ängenbe SarfteUungen ber beutfd^en @ef(^i(^tc 
finb in biefcr 3^^* 1^ gut afö nid^t öerfud^t iporbcn. 9Son 
ß^riftian Sert^olbö „kleiner ftaiferd)ronif üon fiorl M. 
bi^ Ä. JRuboIf II." n)ürbe bei gegebener Äonfurrenj nic^t tt)O^I 
aud^ nur bie SRebe fein^). S5aS SBer! t)on SKat^ia« Duab 
(üon Äinfe(bacf)) : ^^'Jeutfd^er Station §errlid)leit" u. f. id. ift 
teifiS f)iftorif(^en teils geograpt)ifc^en Snl^alt«, fd^ilbcrt 35cutfc^ 
lanb nad^ ©efc^ic^te unb Sanbfc^aften, Staats* unb SSoIfööerl^It* 
niffen unb jeid^net fid^, ol^ne ein SKerf gelel)rtcr gorfd^ung ju 
fein, burc^ ©prad^e, 3nt)a(t unb t)ater(änbifd^e ©efinnung auS. 



*) ®cnf 1601. SSgl. Tümmler, Poemata aevi Carolici I. 

>) ^ad bie ^Tngriffc auf bie Sutoerldfügfeit ber $ubIitationen 9oIbaf» 
anlangt, bie nitfit blofe unter heftigen ?(ufragcn öon ©retfcr (S. J.), fon» 
bem auc^ üon CEonring in 3^ci|el gebogen roorben ift, fo fte^t o. a. 
indbcfonbere aüerbingS ba^ eine feft, bog er hit fog. „Sieformatioii ft. 
5ricbri(^S III. a. 1441" (JRcic^gfatungen e. 166 ff.) al« ecftt mitgeteilt imb d« 
folcfie bc^eic^net l^at, obmo^I ^. ^re^cr i^n au^brücflicb auf blc Unec^t^ 
aufmertfam gemacht ^attc. @. 8tobbe, ®ef(^. ber beutf^n dte^tSqueOen 
II, 52 fj. S>2ic^t 5u überfe^en bie Sinmenbungen Q^on^enbad^d in ber&Sl 
^iograp^ie ju @^unftcn Q^olbaftd. 

3) 3)cr "JSerfaffcr ftammtc auö Sranbenburg unb lebte längect 3«t in 
2übbcn. Seine ^aifercbronif ift eine 9?cimc^ronif unb würbe 1579 ^u (idrii( 
gcbrudt. Sin ^rud^ftücf baraud mit einer Srortfe^ung ift 1881 ju fifit^ 
herausgegeben. 3)en erften *5)rucf fenne ic^ ni^t. 



3)a8 3citalter b. Gegenreformation u. b. ©tittftanbeS. 3)ic beutf c^c (^efc^ic^tc. 369 

unb eutt)ä(t überbieg fc^ögenSnjerte SSeitröge jur ßebenögcfcfiidjtc 
feebeutenber ^erf önlic^feiten ^). 

9(n bem leiteten fünfte berüt)rt ficf) Duab mit bem Safeler 
^einrid^ ^antaleon unb feinem ,,§elben6uc^e beutfc^er 
Station" (1568), baö eine ftattlidje 3tnjat)t öon meift fompen* 
biÖfen ©iograptiien bebeutenber unb öerbienter ÜKänner an un^ 
tjorüberfü^rt unb fo in biefer gorm einen immerf)in achtbaren 
Seitrog gut beutfc^en @efd^icf)te liefert. S)ie gcfc^ilberten ^erfön* 
lic^feiten get)ören ben öerfc^iebenftcn Sebenöfreifen an unb bie 
©c^ilberungcn bcr 3^itgenoffen ^aben öftere autlientifd^en SBert. 
3m übrigen ift ber 3^^^ ^^^ 3Berfeö ein populärer 2). 

Unterfud^ungen über ein einjelneö n^id^tigeö SWoment ber 
beutfi^en ®efcf)icf)te beö SD?itteIaIterö betrcffenb, öerbienen bie 
©rörterungen ©djarbg unb Signerö über bie ©ntftc^ung ber 
Äurfürften, alfo über ein %\)^ma, baö aucf) noc^ fpäter öielfac^ 
jurSprac^e gefommen ift, augbrüdlid) genannt ju tüerben'); bcibe 
po(emifiren gegen einen gemeinfameu ®egner, ber furj guDor bie 
Stnfic^t aufgefteCt ^atte, bafe fie unter Ä. griebrid) II. burd^ baö 
(gingreifen ^. Sunogenj III. entfianben feien*). SBälirenb aber 



*) 9Ä. Ouab, geboren ju Äinfelbac^ unb ju ^eibelBerg gebilbet, liefe fic^ 
nacö wetten JReifen in 5lötn nicbcr unb machte [idi l^icr in crfter Siuie afö 
^pferftccfier, befonberiJ alS SSerfertigcr üon fionbfarten, banebcn aber aucft 
burcö literarifd^e ?trbeiten nid)t ju feinem ^aä^Mt befannt @r ftarb 1609 
ober balb barauf. 3)er ©einame ^Äinfelbac^" foll i^m in einer burc^ ®rbf(^aft 
ober Äauf criüorbenen SBefifung bicfeS 92amen« geworben fein. ©. über i^n 
?rnt. SBierlinger in ber aRonatS^rift für bie ®ef(^. ©eftbcutf^Ianb« öon 
^ßid, 7. Sa^rgang (1881) 1. unb 2. ^ft. 

•) ^antalcon war 1522 geboren unb ftarb ben 7. ^drj 1591. Sein 
^clbcnbud^ war ^uerft (1565) alS Prosopographia heroum et virorum illu- 
Btrinm Germaniae in lateinifc^er (Sprache crfc^ienen. ^ie übrige Iiterarifd)e 
2:^ätigfeit $antaIeoni(» ift wertlod. ^urc^ ben übereiUen unb unerwünfc^ten 
SScrfuc^, bie erfte Übcrfefung ber Kommentare ©leibanS ju liefern, l^atte er 
beffen lebhaften Unwillen erwcdt. ©. oben @. 227. 

») @(i^arb trug feine Slnfid^t am @d)luffc feine« bereits crwäl^nten 
6i)ntagma unb ©iSner in einer D^ebc au8 bemfclbcn So^re 1580 bor. 

♦) 3)er Anwalt biefer $i)pot]^efe war ber geleierte STuguftinermönt^ 
Cnupl^riuö ^anöiniuS au8 SSerona, gcftorben ju Palermo 1568, in ber 
0. fBegele, (Bff(^(|te ber beutjArn ^ftoriodrapl^ie. 24 



370 QtDtitt^ S3uc^. 

©c^arb fic^ ber fd)on üon Slöcntin angenommenen Überlieferung 
anfc^IieBt, bie Äurfürft^n feien üon Ä. Ctto III. unter äuftünmung 
beö "ißapfteö ©regor V. eingefe^t njorben, fpric^t fid^ ©iiSner 
richtiger für bie allmäf)lid^e geirf)ic^tlirf)e Gntoidelung be§ HSkitiU 
recf)te!^ bev mädjtigfteu beutfc^en gürften auö. 

Sin fcljttjcijerifc^cr ®ele^rtcr, ben mir bei anberer ©clegen^eit 
mieber^olt ju nennen ^aben werben unb ber ju ben berufeneren 
gorfc^ern ää{)U, 5ran5 ©uillimann, öeröffentlidöte im 
3af)re 1609 eine grünblic^e Unterfnc^ung über ben Urfprung unb 
bie 9Zac^f ommen it. ilonrab II. ^). 3m ßiif^^nimenl^ange mit biefcr 
Unterfuciiunggaberäugleicf) bie lombarbifd^eßonftitutionÄonrabll. 
de feudis ^eraui^ unb beftimmte im SBiberfprud^e mit ©olbaft 
richtig jutreffeub if^ren Urfprung. ©uiUimann l^at fid^ übcrbicÄ 
mit ber 3?eran)tattung einer Sammlung ber Scriptores strategici 
befd^äftigt. 

3ln ber ©c^meHe \>e^ großen Äriegeö erfd^ieu ein breit an- 
gelegte^ SSert über einen anberen beutfc^en Jtrieg bcö t)or^ 
gegangenen Saf)r£)unbertö , ber tt)ie ein ®orfpieI baju betrachtet 
toerben tann^). 3)er 3Serfaffer bicjeö SBerfed mar griebric^ 
^ortleber. ©cboren am 2.9Kär5 ^^^^ h^ 9tmpfurtl|^) (bei SSäanj^ 
leben), auf ben |)ocl^fc^uIen öon ^elmftäbt unb Sena gebilbet, 
mirfte er feit 1608 alö ^rinjenle^rer am meimarifc^en ^ofe; ber 
fpätere c^erjog ll'rnft ber Jromme üon ®ot^a unb ber berühmte 
93crnt)arb oon SBeimar befanben fic^ unter feinen 3^9li"9^' 
Seit 1614 mürbe §ortIeber jur Jeilnat)me an ben ©taatd* 

l^iftorifc^cn iiitcratur, öor allem bcfonnt burcft fein Chronicon PoDtificom 
Romanorum. 

*) „De Vera origine et stemmate Cunradi ü. imperatoris Salici syn- 
tagma" (Friburgi Brisg.). ©uiHimann irrte nur in bem (Sineit, boj et 
^onrabS (^rof^üater jum @o^ne ^crjog Ottod I. t)on ^c^maben, ber ein dnfel 
St. Ottog I. mar, ma(I)te, ftatt 3um 6o]^ne beS Q^rafcn DUo auS bem Sormftgoit, 
ber aud) C>*-*i^äog in ilämt^en mar. SSgl. (I^. ü. ©^6 in hex fL 3). ©io- 
grapl^ic s. h. v. ©uiflimann. 

«) 2)e§ iH. ^. unb Ä. SRajcftät ^L SR. JR. ©tänbc ^anblungen unb «u*« 
fcftreiben tjon ber Urfa^c bcö teutfc^cn ÄricgeS. 2. Zit. granfft. 1617. 1618. 

8) ^ei «Banjteben, pv. SHcg.=33eairf ^Piagbcburg. 



3)a8 äcitaltcr fccr ©egcnrefonnotion unb bcS ©tiflftanbeö. fortlebet. 371 

gefd^äftcn ji^gejogcn unb crfd^eint halb ate ber einflufereid^ftc 
JBerater unb ©cfc^äft^monn beg §ofeö. S)ie Haltung ber 
(Srnefttner beim Sluöbruc^ be^ ^egeö ift jum guten 2ieUe t)on 
i^m influirt njorben. Sluc^ baö tüeimarifc^e Strc^it) ftanb unter 
feiner Dberouffid^t. 3)en 9lu§gang be^ unl^eiboHen Äampfeig 
]^at er nicf)t erlebt^). 5lm 5. Suni 1640 ift er geftorben. S)a§ 
Kterarifcf)e ©ebad^tniö feine«} 9iamen^ ift an fein gebac^te^ umfang*^ 
reicfieg SBerf gefnüpft, eine monumentale Sciftung, toenn fie aucf) 
unöottenbet geblieben ift. @ö be^anbelt ben fd^maßalbifci^en Srieg 
t)on feinem Urfprung an hxB jur ©d^Iac!^t bei SWü^Iberg unb 
berührt fid^ in ber SluiSfüIirung mit ben nic!^t minber umfaffenben 
S33erfen S^etjenl^illerg unb 6t)emni^' unb ift ebenfalls ober noc!^ 
Diel melir eine 3ufammenfteIIung ber toid^tigften öffentlic!^en Ur- 
funben unb Sfttenftucfe aU eine förmlicl)e ®efd^ic!^t§erjät)Iung*). 
^ortleber ging aber grunbfä^Iic^ barauf axi^, bie primären 
CueUen in feinem SBerfe ju t)ereinigen unb t)on ben abgeleiteten 
möglid^ft abjufe^en*). S)er ftofftic^e Ef)arafter übertuiegt aller* 
bing§, aber bie Slu^njat)! be§ Slufgenommenen ift mit @c\d)id, 
Umfid^t unb 2;aft getroffen. 9Kan l^at nic^t uneben bag 3Berf 
ein Urfunbenbud^ ju ©leibanö Kommentaren genannt; auf bie 
crflörenbe Seftüre berfelben, bie er mit feinen ^rinjen getrieben 
l^atte, IäJ3t fid^ ja ber Urfprung be^fetben jurüdfül^ren : bie Eom- 
mentare, fagt er felbft, finb ein „Generale quiddam" unb eine 
„compendiosissima conjectio"; er bagegen biete eine Srtoeiternng 
unb ©rgänjung berfelben. S)ie praftifd^e ©ebeutung feiner SIrbeit 
toar il|m übrigen^ betonet; baö neuere SReid^Srcc^t foQte in ben 
loic^tigften fünften aufgeflärt ttierben. 3)er gefd^id^tlic^ reic^g* 



*) @. hk S(. D. S3iogrQ|)6ic unb bie bort angcfül^rtcßitcratur über. fortlebet. 
•) Um ben eckten fortlebet [xdjcv ju ^abcn, tl^ut man gut, [idj an bie 
^udgabe crfter ^anb ^u l^alten. 

^ 3n berSSorrebe gum crftcn SCeil fagt er (in 9Jeimcn): 
^3)ct OueHBrumt fclbft ift rein unb f(^8n, 
3c lociter baS ©affer fleugt baöon 
3e mel^r eS annimmt ^ot^ unb ©anbt 
SBon ftembem 3uf^"6 unb üom fianbt." 

24* 



372 SttJcitcä S3uc6. 

rec^tUdien Sricnntniö moüte er einen nid^t überflüffigcn Sienft 
cilDeifen^). 2)qb er babei jugleid) an bie 5ßroteftanten badete, 
liegt auf ber ^anb. ©palatin u.a. ift fein Siebling; über 
beffen Seben hjieberI)oIt er einen älteren 93ericf)t unb brudt bcffen 
93ud^ über baS ^erfommen ber fiur- unb gürften beö Iöblid)en 
S^aufeS ©ad^fen-) fogar öoKftönbig ai. 

9(üe^ in adem genommen, fann bie 93ef riebigung , bie mir 
au^ üorfteI)enber Setrad^tung fd)öpfen, nur eine geringe fein. 
2)ie Iät)menben unb trennenben SSirren ber Qtii fonnten eben 
für bie fruchtbare 93et|anblung ber ©efd^ic^te be« jerriffencn 
3>aterlanbeö , aucf) njenn man bie 9(nfprüd^e nid^t ^oc^ fpannte, 
nid)t jum 9?orteiIe au^fd^Iagen. SSir braud^en auf biefe im 
üorau^ angebeutete 2^f)atfacf)e angeficf)tg ber öorliegcnben ©rgeb^ 
niffe nicf)t ttieiter jurüdäufommen. Sineig ober ba§ anbete, wa^ 
ctma nod) nad)5uf)oIen fein bürfte, loirb menig met)r an biefer 
9ied)nung änbern. So ift eö benn bie Sanbc^ unb SpejiQl- 
gefd)id)te, bei meld^er mir loo^I ober übel Sroft fud^cn muffen; 
benn in ber 2I)at fiel)t c§ I)ier tröftüd^er auö. SBenn bie un* 
glüdlid)e SBenbung unferer nationalen Gntn)idelung , toic ba^ 
Iogifd)er SBeife ja nid^t 5U oermeiben toar, if)re Derbunfeinben 
2d)atten auc^ über bie ©rcnjen ber einjelnen Sanbf c^aftcn , bie 
in it)rer ®efammtf)eit lüieber baö ßJanje bilben, hjerfen, fo finbet 
fid) £)icr jum guten Seife n)enigften^ nod^ fo t)iel fo felbftönbige^ 
unb gefunbeif^ Seben, baß man uid)t ju öerjnjeifeln brandet. 3^ic 
9(n,ycbung§fraft unb nod) met)r bie Sntereffen ber einselnen 
Sauber ober bod) ibrer 3^ijnaftien njirten babei aUerbingÄ in 
I)of)cm örabe mit. E^^ tüirb fid^ ergeben, baß bie ®ebietc, »el(^ 
bem ^^roteftautiömu^ jugefaKcn finb, babei ben 9?orfprung Ijabcn, 
eine 3;t)atfad)e, aix^ tüeldjer fid) ergeben möd^te, bafe eö nicbt 



1) "üJl. 3K. 91 i 1 1 e r , ^ortrcbcr oI* ^c^rcr ber ^crjögc (Jrnft unb gtietoft 
üon S.»33. (im i«eucn ^Ircfiiü für iQcf)f öJc)'«. L S3b., 2.^ft, S. 188— 201V 

«) 6. oben ©. 322. — ^fnlongcnb bie Überlieferung über bie begonnene 
unb üftirtc tJortje^ung be« ^ottlcber'idjcn 503crfc« bunft einen 3. ©anb boben 
meine ^^Infragen in SSeimar ju feinem befriebigcnben (ttgebniffe gefü^. 



3)a8 Scitaltcr tcr ®cgenrcformatioii unb bc8 ©tillftanbeö. Öftrcic^. 373 

bte JReformatiou tft, n)e(cf)c für ben Slücfgang unjerer nationalen 
Äultur bie SJerantmortltc^feit trifft, ©elbft in Staaten mit einer 
grunbfä^Iicf) fatf)oUfc^en ^olitil, n)ie in Saiern, wo e^ für bie 
®efc^i^tfcf)reibung öon oben I)er an befrucf)tenben Slnregungen nicf)t 
fet)Itc, ruft gerabe ber SKiberftanb gegen bie SSerfu^e, auc^ bie 
®efcl^icf)te im ©inne beö antireformatorifd^en ©^ftem^ ju ent* 
fteüen, ben offiziellen ©egenbrud f)ert)or. 

gaffen tvix junäcf)ft bie öftreid)ifc^en ©taatengruppen, n)ie fie 
freiließ nid^t ofjne t)eftigeö SBiberftreben jule^t ber neubefeftigten 
§errfcf)aft beö ()abgburgifc^en §aufeö mieber üerfatlen, unb n)ie 
fic^ gebüf)rt, fpejieU bie beutfc^en ^roüinjen berfelben in ha^ 
?[uge, fo treffen Xüix auf ein nieberfc^lagenbe^ SJefuItat. SJfan 
barf [id) freiließ nic^t üer^e[)Ien, bie S^^^^^ n)aren f)ier gang be* 
fonberd f(^Iecf)t unb ju Iiterarifcf)er ^robultion njenig anget^an, 
aber au^ baö [)albe 3af)rf)unbert , njeld^e^ bem 2tuöbrudje ber 
fiataftropf)e oorauöging, (äfet mel)r a(ö billig üiel ju tüünfcfjen 
übrig. 2)ie Unfid^er()eit ber Sage t)at ju biefer llnfrucf)tbarfeit 
ja of)ne S^^^f^I ^^^ Ö"t^^ ^^^^ ^^^ beigetragen. S)ie, übrigen^ 
nid^t auf eine Sinie ju fteüenben Seiftungen Äai^parö t)on Sn^ 
unb il^eüent)inerö, bie ja üielleic^t ebenfo gut an biefer ©teile 
befproc^en n^erben fönnten, t)aben tuir bereite ertt)ät)nt; beög(eid)en, 
baB bie oiel verbreiteten granifurter ^ublifationen üon faifer^^ 
licfiem Sntereffc beljerrfdjt mürben. 9Iuc^ in ben JJieberlanben 
ift mand^eö entftanben, \va^ [xdj mit ber ®efd)idjte beö tjabö* 
burgifd^en §aufeö unb ber öftreid)ifd)en Sänber berü()rt unb 
worauf mir jurüdfommen merben. S)ie ®efc^id)te ber ^ab^^ 
burger ift in biefer Spod^e oielfad) unb nid^t ot)ne Srfolg be* 
Ijanbelt morben, aber bie ©ele^rten, üon meieren bie befferen 
Arbeiten ausgingen, maren ober ge{)örten nur anfällig bem SDJad^t* 
bereidje be^Äaifert)aufe^ an. ©o rüf)rt bie gelungenfte poetifc^=f)iftO' 
rifctje SSer^errlid)ung Äaifer SJfaEimilianö II. unb Ä. SJubotfö II. (!) 
von bem ®6)toabm 9i i f o b e m u ig g r i f d) ( i n I)er ^), ber menigften^ 

') Paoegiricus de laudibus Maximiliani II. et Rudolfi IL (Tubiugae 
1677;. 5BgI. a)aö. ©t raufe, mt. Srifc^lin, emttgart 1857, (5. 95. 



374 3njcite8 »uc^. 

in bem erfteren einen ipürbigen unb geeigneten ©egcnftanb feiner 
Segeifterung fanb. S)er 9?ieberlänber ©erwarb üon 9too 
toax c^, ber in biefer 3^^* ^i" gefd^ä^teö SBert über bie ®c^ 
fcf)icf)te ber §abö6urger öon Ä. Sinbolf I. an gefd^ricben ^ot*). 
©eine Äenntni^ ber in 3^age fommenben Siteratur toax nic^t 
gering; er t)at an CueKen üieteö benu^t, tüa§> bamal^ nur erft 
^anbf^riftlicf) ejiftirte. Su ben genealogijd^en gragcn bematirt 
er fic^ nid^t oI)ne ®cf)arffinn, tüenn er auc!^ in ©ac^cn ber An- 
fänge ber ^aböbnrger nic^t baö SRicfjtige getroffen ^at. ?lu(§ 
bie gorm feiner 2)arfteHung ift nicf)t gen)öt)nlicl^ ; freilid^ teilt er 
jugleicf) ba^ Sooö fo mancf)en ®e)c^id)t)d^reiber^, bafe er, je me^ 
bie (Späteren bem ÜKateriat, beffen er fid) bebient l^at, unmittelbar 
nat)e treten, um fo mel^r an ©ebeutung verliert ^). 

Sin ä^nürf)e^ %i)ema macf)te ber 9Zümberger Seon^arb 
3Burfbein jum ©egenftanbe feiner ,,5ßier unterfc^icblid^n Re- 
lationes historicae"^); bie ©d)rift trägt einen übertoiegenb bijno- 



*) Aunales rerum belli domique ab Austriacis Habsburgicae gentis 
principibus a Rudolphe I. usque adCarolum V. gestarum (Innsbruck 1592).— 
&. t), 9^00 ftammte aud Cubematcr unb toar Sibüot^efai: ^r^^r^ogd gfi« 
binanb öon Xirol; er flarb 1595. @cin SBcrf ift aud) 6alb in boÄ 5)cuifdK 
übertragen loorbcn. 

*) (Sin bamal^ t)iel genannter unb t)on ben ^abdburgem al% 9(gent unb 
2)i|)(omat Diel gebrauchter ^ann, ^Md)acl t)on (Sic^ing, ein geborenct 
Öftreic^er, ber namentlich burc^ feine Relationes historicae auf bie l^ifronfd)' 
))ubli5iftifc^e Xage^Iitcratur maggebenb eingemirft ^at, begegnet jugleicf unter 
ben Männern, bie im ^absburgifc^-fpanifc^cn 8inne ^efc^ic^te gefc^rieben ^ben. 
@o tt)cit feine 6d)riftcn in bem öorlicgenben öufö^nwen^önge in Srage fornmen, 
befc^äftigcn fie fid^ mit ber neueren Q^efc^ic^te beS ^aifer^aufeft, aber mit fo 
öielen 9icbengebantcn imb jugleicf in fo tocnig anjie^enber gorm, baft pe nw 
im ^inblicf auf feine aKgemetnc (Stedung über^au^t @rmä^nung Derbienen. 
(^ne biefer (Sd^riften ^ingingd fü^rt t>cn ^itcl: ,,De Septem imperatoribos 
Austriacis et eorum praeclaris factis (Viennae 1680) unb bie anbere eine 
5Crt öon gortfe^ung: „^iftorifc^c üBcfc^reibung beffen, toa« [id) unter Äaifet 
iRubolfu» II. jugetragcn" u. f. m. (Mn 1584), bie britteift genealogifc^ «otut 
mit ber c^arafteriftifc^en ^uffd)rift „Genealogia principum Austriae a Jnlio 
Caesare ad Rudolphum II. imp. et Philippum II. 50generatioiiibu8 continuato. 
Col. 1590." @. über i^n ©ticöc, in ben 5lb^. ber SWünc^. «fabcmic, 1881. 

«) SBurfbein njar 1581 geboren unb ftarb 1636. 



SOaÄ Seltoltcr bcr (SJcgcnrcformation unb bc« ©tittftanbc«. Ouittimann. 375 

ftifd^cn S^aroftcr, ftel^t aber an ®ele^rfamfett n^ic im Iiiftoriic^en 
©inne unb Urteile hinter be JRoo offenbar jurüdE. 3)er Url^eber 
beö ^auptoerf e^ über bie ^aböburgcr ttjar ein geborener ©ci^meiier, 
granj Ouillimann, ber erft auf Umtoegcn eine ©teHung 
an ber Unit)erfität ju greiburg in bamatö öftreic!^ifd|em SreiS* 
gau unb ben ©d^u^ ber ^ab^burger fanb*). SBon ^auö auö ju 
^iftorifcf)en ©tubien unb Arbeiten berufen, n^ibmete er feine Q^aben 
t)or allem ber ©efc^id^te ber Gibgenoffenfc^aft unb be^ ffiaifer* 
tiaufeig. SSon ben erftcren tt)irb in einem anberen ßwfßw^wt^i^^öngc 
bie Siebe fein, bie erfte grud^t feiner Unterfucf)ungen über bie 
©efd^ic^te ber §ab^burger erfcf)ien nad^ forgfältiger SBorbereitung 
im Satire 1605 *). ©uiüimann tritt ben I|erfömmlicf)en g^beleien 
über bm trojanifc^en, römifd^en, farolingifd^en Urfprung ber ^ab^ 
burger gegenüber nid^t ot)ne Äritif auf unb fül)rt afö ber ®rfte ben 
Slac^njeiö, bafe biefelben nur auö bem eb(en ®efd^Iec^te hergeleitet 
werben fönnen, baö feit alter Qcii gräflid^c SRed^te im Slargau unb 
bie Sanbgraffd^aftOT Slfafe befeffen ^attc'). grei öon Irrtümern, 
njie fie bie ^ab^burgifc^en ®eneaIogicn ^vorgetragen Ratten, bleibt 



*) @r »Qt geboren jiüifc^cn 1568—1570 ju grciburg im Üc^tlanb unb 
tKitte ft(^ bei ben Sefuiten in Aldingen gebilbet unb bann ^arid befud^t. 3m 
3a^TC 1590 fanb er eine ©tcttung on ber gelehrten Schule ju ©olot^um, ücrior 
fie aber 1595 n^egen feiner agitatorifdjen ^arteinal^me für bie fat^olifdi-lpanifc^e 
Partei, fanb bie näc^ftcn 10 Safjre ben ©c^u^ beS fj)anif d^en ®efanblen bti 
bcr @ibgcnoffenf(^aft in 2ugem unb roenbetc pc^ feit biefer 3*-*^* ^^^ Srfolg 
^iftorifc^en ^(rbeiten ju, juerft über bie @)efc^ict)te ber Sc^mei^, bann bed $aufed 
^bdburg unb kourbe in Änertennung biefed ^erbienftcd 1606 burc^ St. SRuboIf II. 
jum ^rofeffor in greiburg i. 58r. ernannt , mürbe f. 9tat unb ^iftoriogrart 
unb (1609) juglcic^ in bie ßage öerfe^t, ganj feiner toiffenfd^aftlic^cn Arbeit 
ju leben, ©r ftarb am 14. Oftober 1612. ^gl. baju ®. ö. SB ^ 6 in ber 
9(. 3). Siogra<)^ie s. h. v., mo fid) bie übrige Sitcratur über ©uitlimann an- 
geführt finbct, unb @rf|reiber, ®ef4 ber Uniöerfität grciburg i. S3r. II, 244 ff. 

*) Fr. Guillimanni Ilabsburgica sive de antiqua et vera origine 
Domus Austriacae etc. ^ailanb 1605. 

3) 3u ertPä^nen mog fein, bag ber im ^al^rc 1600 gcftorbenc öftreid^er 
9lirf|arb Streun JJrei^err oon @d)ttjar5enau bereite bie beliebte Verleitung 
bcr Habsburger bon ben römifcften ?lniciem al8 un^iftorifd^ berworfcn l^attc. 
«gl. ÄroneS, ^anbbuc^ ber (äJefc^i(^te fiftrcirf)« I, 5. 



376 Simtc^ il5ud). 

fvcilid) and) ®uilümann uid)t, aber üon bem 9)?omeut an, in iDcIc^em 
bie Acta Mureusia (beö lueitaub Slofterö 3Kuri im Sfargau) t^m 
bell SBeg ipiefen, fteHt er bie forrefte 9fl)ncntafel be§ ®ei(i)Icc^te^ 
auf uub rei^t ber ®efd)id)te beö .'pauptftamme^ bi^ Ä. 9iuboIf I. 
bie bcr SRebenjlDeige (4^ab!gt)urg*2aufenburg unb Äiburg) an. 3)ad 
umfaffenbe SBcrf erntete njeniger bei ben (Sibgenoffen al^ bei ben 
beutfd^en ®etel)rten unb t)or allem bei bem Staifer^aufe ücrbientc 
Slncrfennung. 2)anf biefer Slnerfennung fa^te ©uittimann nun 
ben ^law, eine urfunblid)e ®e)d)ic^te ber §er5oge öon Dftrcic^ 
au^ bem t^aufe .^abl^burg afö gortfe^ung folgen ju laffen unb 
fd)ritt mit 3Jad)brud jur 9(uöfü()rung. 3m 3a()re 1607 maren 
bereitig 5cf)n SJüdjer im (Sntnjurfe fertig unb 1610 befahl bcr 
Äaifer, bafj if)m jur 3?oIIenbung beeiSJegonnenen fämmtlid^e Jlrc^iw 
bee 9teic^ö unb ber Stifte in ©d)n?aben, SBrci^gau unb im UlfaB 
geöffnet werben füllten; jugleic^ njurben SJJittel für ben SJrucf 
unb eine n^ürbige 9Iu^ftattung angen^iefen. 9(ber in f)erfömmli(!^r 
SBeife blieb bie 9lnn)eifung crfolgloö, ®uiUimann n)anbtc fic^ 
injnjifdien anberen 9(rbeiten ju unb ef)e feine Sefdimcrbe, bie er 
am eräljeräoglidien §üfe ju Snnöbrud iüieberf)olt cr^ob, Grfolg 
^atte, ereilte it;n ber Job. S)ic SJoUenbung bc^ geplanten ^aupt- 
iuerte-5 feinet Sebenö n)urbe nun allerbingiS ben §änbcn bed ^xt^ 
fefforö ber ^^^eologie "ißaulSBinbecf in greiburg i. Sr. über* 
tragen, biefer füljrtc e» in ber 3^£|at bi^ 1617 burdj, jcbo^ bie 
4^anbfd)rift gelangte nid)t 5um 3)rude unb ift feit 1719 Der* 
fd)munben, fo ba% man fid) nid)t einmal barüber üerfid^ern !ann, 
in lüie ferne SBinbed im ©ciftc ©uiHimann^ beffen SSerf au^ 
gefül)rt hat 2i^aö man fonft Don it)m n^eife, fpnc^t nidjt gcrabc 
überjeugenb für feine )öefäl)igung jum 4^iftorifer^). 



1) 3. über i^n: 8cf)rci6cr a. a. C. II, 619. S5inbcct loar ein Öuiift* 
ling bcö (£rj^er,^09d unb ^ody unb ^ciit)cljmciftcrö aWojimilian nnb ^atte ficft 
i^m burc^ fein .,Progiiostifon futuri Status Ecclesiae** empfohlen, eine ©(ftrift 
ipdd)c fid) Durd) fanatifd^cn §0^ gegen bie 'ifrotcftantcn oud^eic^nctc, Qbcr aiu^ 
ben na^cn Untergang berfelbcn öcvtünbigt! 




3)0« Zeitalter bcr ©cgcnrcformation unb bcS ©tillftanbc». ©ö^mcn. 377 

Stnlangenb bie einjelnen^roüinjen beö öftretc^ifd}en ©cfammt:* 
ftaate<j^, fo liegen t)ier bie SBer^ältniffe ber f)iftorio9rapf)ifc^cu 
Seiftungen nic^t gleid). Son bm beutfd)=öftreic^ifd)en ^rouinjen 
ift an proüinjialgefdiic^tlic^en fieiftungen nam^afte^ nic^t ju nennen, 
©ie finb mit iljren ©d)ic!falen unb bereu Slufseic^nung in ben 
Söerfen über bie allgemeine ®efc^icf)te Öftrcic^^ vertreten ^). 
S)Qfe in SBöf)men bie )Iat)ifc^en ?lnfc^auungen aud) in biefem 
3ttJeige* ber ßiteratur ben SSorrang Ratten, läfet fic^ faum Quberig 
erlporten. Snbeig üerfuc^ten bie S)eutfc^en Ujenigftenö üorüber* 
9el)cnb ebenfalls jum SBorte ju fommen. ®o fonbeu bie §u|fiten= 
friegc im Slnfange beö 17.3af)rf)unbert^ im ©egenfa^ j^ Sodjlaud^) 
eine euangelifd) gefinnte t)erläfeticf)e S)ar[tettung in beutfc^cr Sprache 
burd) 3)1. Qad)ax ia^ %i)cobalh üon ©c^Iaggentüalb, ^aftor 
in tratl)üfen (f 1627), eine ©^rift, bie uolfgtümlic^e Slbfic^ten 
üerfülgenb, fic^ aui) inS)eutfc^tQnb eineig großen SSeifoUe^ erfreute*), 
tt)ie benn bie gemeinfamen Cüufeffionellen 3ntereffen in jener 3^it 
enge )Bejicf)ungen jtuifc^en böljmifc^en unb beutfc^en ^roteftanten 
gefd)affen l^aben. 3)er ©ettenf)eit megen barf in biefem Qu^ 
fammen^ange ipof)! aud^ ©imon §ütteU 6f)rünif ber ©tabt 
Xrautenau gebodit roerben, meiere in beutfd^er ©prad)e 
unb ©efinnung üon 1484 — 1601 bie ©djidfale ber ©tabt in 
annaliftifc^er gorm crjä^It. 3)er SSerfaffer tvax bürgerlicher 
^erfunft unb ©tanbeig unb erf)e6t in feiner SBeife gelef)rtc 3(n* 
fprüd)e. gür bie ältere 3^it ift er üon frember OueQe abf)ängig; 
crft in ben festeren fünfäig Satiren gewinnen feine fdjlic^ten 



') 3(^ erinnere bei biefer Gelegenheit an bie gamiUcnc^ronif bcr ibtd 
t)on fieopolbdborf, bie burd) brei Generationen ^inburc^ fortgeführt rourbe 
(1467—1571), ^erauSgegclKrn öon Qcibig im 8. ©be. beS ^rc^iöS für Cfterr. 
Qkfc^ic^tgqueÜcn. 

•) @. oben 3. 327 Slnm. 1. 

') HussiteD Krieg, darinnen begriffen das Leben, die Lehre und Tod 
M. Johannes Hussii und wie derselbige von den Böhmen, besonders Jo- 
bannes Ziska und Prokopio Rosa ist gefürt geworden. Wittenberg 1609 bis 
1750; brcimal »icbcr^olt. 1601 in ba8 fiatein i)d)e übertragen. 



378 Swcitc« 93ud). 

Sfufjeic^nimgcn tpad))enb an Originalität uitb ©clbftanbtgfett ^). 
S)ie balb barauf aus^brec^enbe Äataftrop£|e in Söl^mcn fonnte fccr 
9ktur ber S)inge nac^ ber Iitcrarifd)en Äultur nur nac^tfteilig 
unb Derberblicf) fein, ß^ barf un^ ba^cr nic^t t)ern)unbcm, toenn 
mir iyöxtn, bafe ^iftorifc^e ©arftellungen be^ böfjmifd^en Äriege^ unb 
feiner gotgcn f ür ben ^roteftantii^muö nur öon bö^mifc^en ©julanten 
ober über()aupt t)ün 9lu^märtigen gefd)rieben Sorben ftnb. 3)ian 
fann freitief) ätDeifetf)aft fein, inmieferne bie Seiben^gcfd^id^tc ber 
(eöangelifc^en) Söl^men, mie mir fie öon S. 3. ®lbner*) unb 
5JJ. Stranöf t)^) ^aben, in ber ®efd)icf)te ber beutfd^en ^tftorio' 
grQpf)ie auf einen ^ta^ 9(nfprud) mad)en f önnen ; um f o gemiffer 
gilt baö aber uon einer ®cl}rift ,,über ben bö^mifd^cn Ärieg** 
t)ün Submig Samerariuö, einem Snfel Soad^im (J/g, unb 
SJertrauen^mann be§ ^faljgrafen griebrid^ V. ; biefelbe, unmittelbar 
unter bem Sinbrud ber 2f)atfac^e entftanben, fann, mie le^rrtic^ 
fie aud) ift, bie 9?arf)mirfung ber ^ßarteifteHnng unb ber begreif- 
lichen fubjectit)en Stimmung be^ SSerfafferg freiließ utc^t ücr» 
leugnen •^). 

SBie mir unö erinnern, ftanb ©d)tefien jur Äronc Söi&mcn 
feit geraumer 3<^it in ftaatered^tüdjer 33erbinbung, unb blieb ba^ 
üon tcn 3iüdmirtungen ber fid^ f)ier anfammelnben SBtrren nit^t 
unbevüf)rt. Seine, unter ben mafjgebenben beutfd^en ©influffen 
ermad)fene Äultur ^at jebod^ tro^ aUebem feine fo unheilvolle 
2äf)muug erfatjren, fo menig, bafe gerabe bie beutfc^e Sichtung 
in ber fritif d)en 3^it auf biefen entlegenen ©renjp of ten unüer* 



') Simon Hütteis Chronic der Stadt Trautenau (1484—1601) be* 
arbeitet üon Dr. S. ©rfilefinger (2. 5Bb. bcS ^öc^ft t>crbicnftlic^n Unternehmens 
ber .^crauifgabc ber bcutic^en G^ronifen auS S3b^mcn). ^rag 1881. 

2J Respublica Bojema. Leiden. 1634. 

^) Historia persecutionum ecclesiae bohemicae (Amsterdam 1648. — 
^ic ,,Idea mutationum bohemo-evangelicarum ecclesiarum'^ [Amsterdam 
1624] öon 3Qcob Qacobu« öon ®uttenbcvg gel^ört ju berfclbcn ®ru|>^ ^iftos 
rifd)cr Sdiriftcn). 

*) ,,Cousideratio causarum hujus belli quod a. d. 1648 incepit" (9?€tte 
5(u^gabe mit einer gortfcfung 1647.) 



3)a« Scitoltcr ber ©cgcnrcformation unb bc« ©tillftanbed. ©d^Icficn. 379 

äd^tlidie Slüten trieb ober boc^ anfeile. 3n engem 3"fömmen- 
^ange mit ber Siteratur ber ©efcfiic^tfcfireibung ftefien bie l^in* 
länglic^ befannten 3)enftpürbigteitcn be§ Sunfer^ ^an^ t)on 
©c^tüeinid^en, bie gteid^ bei ifirem erften Grfc^einen bie aner= 
leunenbc 3;f)eilnal^me ©oetl^e^ auf fid^ ge5ogcn I)abeu^). ©ie 
füllen fo jiemlid^ bie jmeite §älfte beö 16. 3a^rf)unbert^ au^ 
unb entwerfen ein unübertrefflid^eö Äultur= unb ©ittenbitb ber 
piaftifc^en §öfe 9?ieberf c^lefien^ , aber auc^ eine§ Steiteö ©üb^ 
unb SBeftbeutf d)Ianb^ , baö ber originelle, gelef)rige 3unter mit 
feinen ungettji^igten gürften burd^jogen ^at. §anö t)on ©cf)iüet* 
nicken ift inbe^ jugteic^ birect ate ^iftorifer aufgetreten, inbem 
er eine SBiograp^ie eineg feiner §erren, beS §erjog^ §einric^ IV. 
üon 2iegni^, in ebenfo anfprecf)enber afö glaubtoürbiger ®eftalt 
gefd^rieben ^at ^). S?on territorialer ®efc^id[}tfd^reibung ©d^lefienö 
finb bie „Gentis Silesiae annales" üon. bem geleierten Slrjte unb 
bcgeifterten ©c^üIer Wldanti)on^ , Soac^im Suräu^ (b. % 
©cf)erer) ju nennen, meieren äunäd^ft ba^ 9Serbienft jutommt, 
bafe ^ier (1571) jum erften WlaU ber freitid) fc^ujadje SSerfud^ 
gemacht ttjirb, bie ©efd^idjte ©d)tefienö (biä 1526) im ßufönimen^ 
^ange barjufteUen ^), ein 3Serfuc^, ben bann batb barauf Safob 
©cf)icffu§ toieber aufnaf)m unb in eine in ber 3;£|at njefenttid^ 
ücrbefferte ®eftatt fteibete^). S)ie 93ef)anblung ber älteren ®e* 

') (Srftc «uSgabc öon ®. ^. ©üfc^ing (33re§Iau 1820), ätocitc üon 
^. £)ftcrlct) (SreÄlau 1874), tucld)' Ic&tcrc mit ücrbefiertcm Jcjtc ober gar 
^u fai)i in bie ^clt ^inaud gefdiicft tpurbc. %g[. Q^oetl^eS 6. $S. (Wudgabe 
Icftcr §anb 45, 421 u. 47, 59). — (Sine ^Bearbeitung in usum Delphini 
üon Grnft JJciftncr erfc^ien 93iclcfc(b unb J^eip^ig 1878. 

>) Aufgabe bei ©tcnicl SS. R. Sil. n, 21—162. 

8) (SuräuS (©urcuÄ) toax am 23. Oftobct 1532 ju greiftabt in ©(Rieften 
geboren, ju (^olbberg ober Sro^enborf, bann ^u Wittenberg, weiterhin in 
^abua unb ©ologna (ol8 Ärjt) gcbilbet, geft. 21. Sanuar 1573 alÄ ©tabt- 
rt^fifuS öon Ologau, ©. ßictfe, ClucHenfd)rittfteacr be« pxtn% 'Staate» 
©. 283 unb 9(. S). S9iograt)^ie s. h. v. 

♦) ©(^idfuS war geboren ju @d)toiebu« unb ftarb 1627 als faif. 9?at 
unb ÄammcrfiÄfal £berfd)Iepenft. ©ein SBert ^at ben^itel: ,9?eu tjerme^rte 
fc^Ieftf(^e (Sl^ronifen unb fianbeSbefc^reibung, barinnen n^eilanb $. 3. (Suröud 
einen (drunb gelegt ic' Breslau 1625. 



380 ä»»citcö md). 

)d)i(^te ©djlcficnö ertuic^ fic^ freilid) in beibeii SSerten aU un= 
fritifd) unt) un6raud)bar. aBif)en)d)aftUc^ gemeffen überragt bic 
eine tüie bie anberc 9lifotauö ^^cncl (»^eneliud) üoit ^cnncu- 
felb ^). Sein ^auptmerf ift bie „Silesiographia" (1603), eine 
l)iftoriid)'geograpf)iic^e Söefc^reibung ®d)Iefieni^, bie 1704 au^ 
feinem 9lad)Iaf)"e, um ein Seträd)tlid)e^ öermef)rt, ol^ Silesiographia 
renovata reprobujirt iporben ift. §enet mar ein n^irflic^ gelehrter 
SDJann, ber bie Summe feinet Sfiemaö erfd^öpfenb ju fpejifijireu 
unb befc^rcibenb mie gejd)id)tlid) baräuftetlen n^ußte. 35a^ ^iöud^ 
ift mit iRec^t lange Qdt beliebt genjefen. 

SBenben mx unö nad) ben Säubern Snneröftreic^ö unb 
junädjft nad^ Jlärntl)en, fo ift e^ Ujieber ein ©oft im fianbe, 
ein geborener ^djrvabQ, ^^ierontjmud SDtegifer, ein ©d^filer 
grifdjtinö, ber burd) feine umfangreiche „Annales Carinthiae" 
\)c\\ ®runb äur ®efdjid)te biefeö §erjügtl)umö legte, auf tpeld^cm 
bie Späteren fortgebaut fiaben*). 3n bem 9Jad)barIanbe 2irol 
enttoidelte fid) unter bcm ®emat)I ber 5JJ()ilippine Söelfer, Srjtjcrjog^ 
g e r b i n a n b , t)ergteid)ungömcif e ein unoerfennbarer Stuf f c^mung 
in ^ad)m ber Siteratur unb fiunft, obmoljt bie reftructioc ^o 
loegung gerabe je^t l)ier nad)brüdlid) anfegte •"*). 2)er fd|on ertoüljntc 
®ert)arb be 9ioü bat unter ben Stufpicien gerbinanbi^, bem 
ja and) t>k berül)mte 'Xmbrafer Sammlung mit it)r S)afein Der- 



^) Geboren am 11. Sanuar 1584: ju 9?euftabt in Cberfc^I., in örc«Iau 
unb ^cwa gebilbct, jucrft ilanjlcr bcd Öcr^ogd uon ü)?ünftcrbcrg, gule^t @mi* 
bicuÄ ber ©tabt S3reölau, gcft. 23. Suü 165G. VI. 3). öiogropljic s. h. t. unb 
Ä I c 1 1 e a. a. O. ©. 287. — 4^cncl ucröffciitUdjtc ju gleicher 3cit eine Breslo- 
graphia; ^iBeiträge oou t^m ^ur 6)cncalogte ber fc^Ieftfc^en jjärften bringt 
eommcröbcrg, SS. Rer. Sil. S)b. I. 

*) ^DJcgifer loar ca. 1550 in Stuttgart geboren, in Tübingen gebilbet, 
juerft $)iftoriograp^ am eri^^erjügltdien ^ofe ^u &va^ bann ditttox an ber eoan» 
gelifd)en Sdjule in ^iagenfurt, burcb bie Gegenreformation ^^binanbö Der« 
brüngt furfürftl. fäc^f. :piftoriogra|)t) unb ^rofeffor in ficipjig, burc^ bic 
tärnt^nifc^en @tänbe ^urücfgcrufen, fdjrieb er bie (£()ronit bed löblichen Qt^ 
l^erjogtumä Äömtljeng biö 1611 reic^cnb. 2 ob. fieipjig 1612. ©r ftarb 1618. 

') $gl. (Sgger, bie äiteften (^cfc^ic^tfc^reiber, (^eograpben unb ftltcr» 
tumöforfd^er 3:iiolS. 3nnebrucf 1867. ®. 120 ff. 



S)a3 3<^itaÜcr bcr ©cgcnrefonnation unb bcS Slillftanbcö. 3:iroI. 381 

baitfte, fein bereite emäl^nteö unb getpürbigte^ 9tnna(ennjerf über 
bic ®efd)ic^tc ber ^aböburger gef c^rieben ^) ; ber 9Zac^f olger gcr^ 
binanbö, bcr beutfd^e SKeifter @rj£|eräog 9D?aEimiüan, begünftigte 
jenen granj ©uiUimann, t)on beffen SSerbienft um bie ©rforfc^uug 
ber 9(nfänge ber ^oböburger iptr ebenfate fc^on gef)QnbeIt f)Qben ^). 
3)ie geograpl^ifcfi'^iftorifc^en Slrbeiten öon SBoItenfteinö unb 
Surgtec^nerö üon 3;^ierburg liegen ntc^t gebrucft t)or; ber 
fog. „tirolifd^e Slbler'' be§ Sedieren fcf)eint aber noc^ fac^funbiger 
9Kittt)eilung bie 2inie ber btofeeh Sompitation überfcf)ritten unb 
ben glug ju einer befd)reibenben Sanbe^gefd^ic^te nid)t oI)ne 
einigen ©rfotg uerfuc^t ju I)Qben % S)ie ®efd)id|te „ber Sanbe^- 
I^QUptleute t)on 2!iroI" t)on S. Slnbrea^ öon SSranbiö üer^ 
bient t)auptfäc^tic^ quo bem ©runbe ertüäfint ju toerben, Ujeit 
^ier unternommen toirb, bie ®efd^id)te beö Sanbe^ au bie c^rono^ 
logifd^ mit ©orgfalt fijirte 9iei^enfoIge ber Sanbeöf)auptleute 
anjutnüpfen *). 3)er SSerfaffer jeic^net fid^ jugtcid^ burd^ eine 
au^fc^tieBüd^ fattjolifd^e ®efinnung au^, toie fie fortgefe^Jt fein 
etnflufereic^e^ ®efcf)Iec^t c^arafterifirt unb jugteid) bie n^eitere 
©nttt)icfelung beö ßanbeö, mit if)ren SBoräflgen unb nod^ mef)r 
mit if)ren ©d^tpöd^en, beftimmt I)at. 

®egenüber ber 3ufäIIig!eit unb 3^^fö^^enl^eit, bie in ©ad^en 
ber ]^iftorifdt)en Siteratur in ber ^aböburgifdt)en Sänbergruppe in 
biefer @pod)e t)orgef)errfc^t f)atte, getoä^rt bie Umfid^t unb (£mfig!eit, 
mit njeld)cr bie territoriale ®efd)id^tfd)reibung biefer 3^'^ i^ 



») ©. oben 6. 374. 

«) @. oben @. 374. 

*) ©• ©öflcn a. a.D. ^anbclt über ©oifcnftcin @. 17, über S3urglcd^ncr 
@. 24—43. ajjaj @itig fjrci^err öon SBoIfenftcin toar am 5. aWoi 1563 flc* 
boren, gcft. 1627. — ©urglcc^ner geboren 1571 ju SnnÄbrud, gcft. 17. @cp* 
ttmbcr 1642. 

*) 3. SC. greifen: öon S3ranbi8 toar am 10. 3anuar 1569 ju ©icner 
9ieuftabt geboren, gcft. 7. 9?oöcmbcr 1629. ©ein SBcrt, bcm er fclbft ben 
%xUl : „caniculares" gegeben l^atte , ift in unferem Sa^^unbertc burc^ btn 
S>rucf Derdffentlic^t toorben. dd ru^t Dorjugdmeife auf SSurglecbnerd „9tblcr 
üon Xirol" unb öerf(ftiebenen juerfi öon i^m angebogenen Urfunbcn. 



382 3 weite« ®u*- 

SBaicrn gepfkgt luirb, beit entgegengefe^ten (Sinbrucf ^). fiurfurft 
SÜiajimilian I. I)at in bicfcm gaUe biefelbe SIarf)cit unb geftigfcit 
beroät)vt, bie feiner gefammten pütiti)d)en SBirffamfeit überhaupt 
ben Stempel aufbrücten unb it)r fo grofee ©rfolge gen)ä^rtc. 
3iüi)c^en ber gü^iorge für bie lüürbige Bearbeitung ber ©efd^ic^te 
feinet fianbeö unb feiner ©tjnaftie einerfeit^o unb feinem gefammten 
poIitif^enStjftemeanbrerfeitö beftebt ja aud) ber engfte grunbfa^Iic^ 
3ufammenf)ang. Gr t)at auf biefeni SBege, 2)anf feiner Umfielt, 
in ber SE^at ^wax nid)t 9lUeö, tt)a§ er beabfid^tigte, aber boc^ fo 
t)icl errcid^t, ia^ bie rt)iffenfc^aftlicf)en grüd)te feinet Sifer^ öon 
Scibnij ^) unb Suben^ig ^) biig auf bie ©egentpart f)erab bie tüärrnfte 
9lnerfennung aller Sa^öerftänbigen gefunben l^aben*). greilic^ 
lamen babei eigentümli(^e SSertpidelungen üor unb ba§ firc^Iit^ 
unb b^naftifd)e ®cfüt)I beö Äurfürften gerietl^ in eine d^araftcri- 
ftifd^e SoUifion , er f)at fid^ aber teiblid^ aug bem ^anbcl ^t- 
jogen : eö gab nämtic^ einen ^unft, tpo auc^ feine Grgebenl&eit ober 
feine ®ebutb üerfagten. ©enug, baö näc^fte, tva^ 5Kaj: noc^ in 
Sßerbinbung mit feinem 9Sater, bem ^erjog 3BiIt)eIm V., ^ergefteDt 
^aben ipoKte, toax eine ®efc^id)te öon Saiern. greiltd^ begegnete 
e^ aud^ if)m, baß er im fianbc felbft niemanb fanb, ber für biefc 
9(ufgabe geeignet erfc^ien. @r n^enbete fic^ alfo an ben bereite 



*) 91 p i a n § Xo^jograp^ic öon S3aicrn (^crau^gcgcbcu öom l^ift. 3icr. üwi 
Cbcrbaicm), berül^rt ba« ®cbtct ber ®cfcl)i(^tc nur mittelbar, ift aber für bicfclbc 
nidii gleicögiltig, übcrbicS grünblicfi unb gut gearbeitet. $etcr?lpian (cigcntUcJ 
SJeniieiuijj ober ©intctri^ Apis filius) am 14. September 1511 ju ^ngolfiabt gc» 
boren, ftarb am 14. 9?otJf mber 1589 al§ ?noatgdet)rter f^u 2^übingcn. 9lpian ftanb 
bei Ä. Äarl V, beffen Se^rcr in ber Slflronomic er gcwefen toat, in l^o^m 
«uferen. 58gl. %. 2). S3tograpl)ie s. h. v. 

•) Seibnij fagt in ber SSorrcbe ju feiner ?tu§gabc ber bairtfc^ Vnnalen« 
»erfc üon Slbclgreiter unb S3 runner (3franffurtl710): ^yNallaGermaDiM 
superioris pars meliores historios invenit, quam Bavaria, sire res sacras, 
sive civites spectes". 

3) ©. 2ubett)ig§ rül)menbe ^lufeerung in (einer Germania pricceps IV, 
cap. 6, p. 593 («luSga^c üon 1752). 

*) 5Bgf. über bie bairifcbe ®e|c^ic^t[(^rctbung biefer S^ i™ allgemeinen 
fi. §. JHtttcr üon Sang in 4)ermc§ 29, Iff. 



3)a8 3^itoItcr bcr ©cgcnrcfonnotion uinh bcö ©tillftanbcS. SBaicrn. 383 

Ittcrarifd^ 6ctDäl)rtcn Slugöburger ©tabtpfteger 3Karfug3BeIfer, 
beffen !ird)enpoIitifd^e 2lnf testen mit ben fcinigcn überetnftimmtcn 
unb ber in ber %\)at ben Sluftrag übernal^m ^). 9D?ajimitian 
fe^te il^m ju btefem Qmde einen ftatttid)en Sal^re^gefialt auö, 
vermittelte if)m bie Öffnung ber 93ibtiotf)efen unb Slrd^iüe, begleitete 
bie 9lu5füf)rung bei3 SBerteö mit feiner fortgefe^ten unmittelbaren 
3;eiInQf)me unb lonnte ba^ (Srfc^einen ber erften 5 Sudler (1602) 
laum ernjarten '). S)aö 6. unb, njenn bie 9Zac^ric^t ®tanb f)ält, 
üwä) ia^ 7. 93ud^ ^at SBelfer gleid^fallig üoQenbet; baö erftere ift 
in ber 2i^)pert'fd^en STuögabe beö Salöreö 1777 mit veröffentlicht 
tüorben, bog le^tere, n^enn eö überl^aupt je ejiftirte, f)at fic^ biö 
jur ©tunbe nic^t ttjieber finben tooQen. 3)ie erften fünf 93üd)er 
führen bie Oefc^id^te biö jum ©turje S^fiaffilo^, baö 6. biö jum 
Saläre 844. SBaö SEBelfer tro| allem 3)rängen an ber rafc^en 
gortfe^ung feiner Slrbeit läl^mte, njar bie ®cf)tDierigfeit, bie Untere 
fud^ung über ben Urfprung beö tnittelöbac^ifd^en ®efcf)Ied^tö im 
©inne be^ Äurfürften jU fül^ren unb ben gettjünfc^ten gencalogifd^en 
3ufammenf)ang be^felben mit ben Karolingern nad^äuujeifen. 
Über ben barüber gepflogenen SSerl^anblungen gingen fed^S Sci^^re 
Verloren unb ereilte il^n vor ber Qdt ber S^ob'). S)ie erften 
fünf Sucher l^atten burd^aug ben SeifaH SWaEimilianö unb ver* 
aulafete er bie Übertragung berfelben burd^ 3Jt, SBelferö ©ruber 
^aut in baö 2)eutfd^e, tvie bie S)rudEIegung beö Criginal^, nac^bem 



*) SBeIfcr »urbc om 20. 3uni 1558 ju SlugSburg ou8 bcm befanntcn 
dJcfdjIc^tc geboren, ^iclt ft(j^ feiner 5tuSbiIbung megen längere 3fit m Stallen 
auf, trat nac^ feiner ^eimfc^r in ben 3)icnft bcr ©tabt, würbe öon @tufc ju 
@tufe fteigcnb 1680 jum ©tabtpflcgcr crroä^It. ®r ftarb am 23. 3uni 1614. 
@. feine fiebcn&bcfcftreibung öon (£^. ?(rnoIb toor bcr 9tu«gabe feiner gef. 
iBcrlc. — ©rudcr, (£§rentcnH)eI @. 67ff. 

«) ©. 3o^. Sri cb rief), über bie bairif(^e ©efrfjic^tfd^reibung unter bem 
ihirf ürftcn SRajimitian I. tjonS3aicrn. Äfabcmifc^er SBortrag. ^Rünc^en 1872. — 
S)ic erften fünf ©ücfy^r „Rerum Boicarum libri V" erf(^icncn ju ?lug8* 
6urg (1592). 

') Tt. SBelfer ^ianh au4 oft mit Sarbinal l^aroniud in ^orrcfponbenj. 
«gl. Albericus I, 173. 277. 465. 



384 Siücite« «ud^. 

er c^- suuor fefbft rcDibirt ftattc^). SBaö ben tDiffenfd^aftlic^n 
aSert ber 3ScI)'cr'fd)cn ©c|d)i(^te anlangt, fo barf bcrfclbe nic^t 
unter) d)ä^t werben. Slücntin gegenüber, beffen ©tärfe, toie wii 
nn^ erinnern, gerabe in ber 93el)anblung ber alteren 3at)r^unberte 
nicf)t (ag, bebeutet [ie einen nje)entlid)en unb beträdjtlic^en gort- 
fc^ritt. grcilid) (ag and) ein f)albeö 3al)rf)unbert jttJtjd^cn beiben. 
Sejeidinenb ift, baß SSelfer 9luentin gerabeju ignorirt; tpie er 
über if)n bad)te, fäfet fid) Ieid)t erraten; ju allem anberen ^in 
f)at er fid) fid)er and) üon bem antirömifdjen ©tanbpunfte bc^- 
felben abgeftofKU gefül)lt ^). SBie bem aber fein mag, Sßelfer njor, 
nad) bem 9)?aftftabe feiner 3^^t beurtf)eitt, ein ®ele^rter befferer 
5[rt, ein eifriger Jyorfdjer unb mit einem leiblid) fritifc^en Slicfe 
nebft ber Öiabc getüanbter ©arftellung begabt; gegen ben gut^ 
mutigen ®Iauben an fo grobe Süufd)ungen, toie fie feineijett 
?l n n i u 25 n SS i t e r b o mit f o üielem Srf olge verbreitet ^ttc, 
ooütommeu gewappnet, freiließ- aud^ burd) ba^ ©c^irffal feinet 
aSorgänger Ijinlänglid) gen^arnt unb geujijjigt, obtoot)! auc^ fein 
fritifd)cö 35ennögcu für eine pofitioe Jlonftruftion ber älteften 
©efd^id&te unb eine nad)f)attigepofitioe2öfung ber fapitalen gragen 
nid)t au§rcid)te. Der üergleic^ungötoeife getungenfte Seil ift bte 
Ö^e)d)id)tc ber 9lgitotfinger. Über bie eine Hauptfrage, ben Urfprung 
bc^ baierifd)en i^olfeiä, fommt freiließ aud) SBelfer nic^t ganj in 
baö flare; er glaubt, baß bie SJaiern Selten ftnb unb t>ermutft 
gIeic^rt)of)I irgenb einen 3w)^"^^"^"^öng mit ben SKarfomannen, 
über bereu gennanifdje SZationalität er fidö ja nid^t taufest. So 
liegt ber ®ert)inn feiner gorfd)ung jum Jeile me^r in ber 3wtüd* 
Reifung uerjä^rter 3rrtl)ümer al^ in ber Stuffü^rung cine^ JBaue^, 
ber 3at)r()unberte ju Überbauern vermocht f)ätte. 

9)?ai*imilian beruljigte fi^ inbe^ bei ber bilatorifd^en 5^» 
banblung, bie SBelfer ber gortfegung feineS aSerfei^ angebeitKn 

'} grtcbrid^ a. a. O. 8. 5 9(nm. 10. 

^) 3n einem ^c^rciben an SBarontuS üom 9Rai 1599 , mit loelc^m et 
bie Übcrfcnbimg cincS t»on i^m aufgcfunbenen 93rudftftürfc« einer ®^obe ht' 
gleitete, f|)ridjt fidi 3BeIfcr tabelnb übet ^Itoentin au«, @.. Albericas cuo.O. 
ö. 465. 



^d 3eitartcr ber Gegenreformation unb bed ©tiUftanbed. ^aittn. 385 

Kc6, Icinc^toeg^ unb fu^te ttad^ einem @rfa§, ben er aber nirgenbS 
afö bei ben Hugen SSätem ber OcfeUfd^aft 3Sefu fanb. ©o machen 
wir ^ier aHerbing« biefelbe @rfaf)rung, auf bie toir fd^on einmal 
geftofeen finb, bajs in ben Sänbem, bie ber alten Äirci^c mit ober 
o^ne aSillen erf)alten toorben finb, bie geiftige Äultur aufecr^alb 
beg SRal^men^ jeneö DrbenS auf längere Qtxt jurfldgeblieben ober 
bcm 3"f^Q^ ausgeliefert ftjorbcn ift. S)ie SSerbienfte, bie fic^ 
bie Sefuiten burd^ i^re S^eitna^me an ber beutfd^en ®efd^i(i)t* 
fc^reibung erftjorben l^aben, barf man in ber 2;^at nid^t untere 
fc^ä^cn unb ftjerben n)ir nod^ öfters baöon ju reben l^aben. 
S)er Sfrd^iöar unb Oe^eimfefretär ß^riftopl^ ®etooIb, bem 
^^og für btefen Auftrag burd^ feinen mit Äurpfalj nid^t 
ungtüdElid^ gefäf)rten pubtijiftifd^en ©treit um bie Äurtoürbc 
empfof)(en, ^atte aUerbingS nad^ SBelferS 2;obe ben Auftrag 
ertialtcn, in bie fo entftanbene Surfe einjutreten unb ben nod^ 
übrigen 2^eil ber baierifc^en ®efc^ic^te l^cr jufteHen , jebod^ er 
tttok^ ]\d) ber ©ad^e nid^t getoa^fen unb brachte nid^tö ju 
©tanbe^). ©o famen alfo bk bciben Scfuiten SRatt^iaS 
SRaber unb SlnbreaS Sörunner, beibe gcbome S^iroler, an 
bie 9ieil^e % STn Segabung fehlte eS tl^nen nid^t, aber eS jcigte 
fid^, ba% i^r ©taub if)nen bie jur ©efd^id^tfd^rcibung nötige 
greil^eit nic^t getoäf)rte. 9taber, ber fid^ burd^ feine Bavaiia 
sancta (9Rünc^en 1615) bereitig ate ©d^riftfteller qualifijirt l^atte, 
öoflcnbete julc^t feine big 1621 reid^enbe bairifd^e ®cfd^icf)te, fie 
ift aber niemals gebrurft ujorben. Steife bie Senfur feiner £)btm, 
teils bag 3)itemma, ftjeld^em er fid^ in ber toittelsbad^ifd^en 



*) öcioolb war jtoifcftcn 1560—1565 ju ^(mbcrß toon <)rotcftantifcftcn 
aittm geboren, lieg ftc6 1581 Oon ben Sefuiten befe^ren, trat 3 Sa^re barauf 
in ben bairifd^en @taat8bienft unb 50g fic^ 1617 nad^ Sngolftabt jurücf, mo 
er am 16. 3uni 1621 geftorben ift. »gl. junäcftft: Oef elc in ber ^. S). S3io- 
grapse s. h. v. bereits im Sa^rc 1611 ^atte Q^etoolb bad Chronicon mona- 
Bterii Reichersbergensis bed $redbk)ter Magnus ^eraudgegeben unb 1619 eine 
t)erbefferte ^udgabe ber fog. 9(nna(en t}on ^einrtc^ Oon 9iebborf oeranftaltet. 

>) »laber, geboren 1561, gcft. 22. 3)cjembcr 1634, ©runner geboren 1589, 
geft. 20. Srpril 1650. 

ü. flBegele, 9t\^idiH ber beutjc^eti ^^iftoriogrop^e. 25 



386 3»citc« 33u(lj. 

©encalogie gegenübergcfteüt iaf), fd^cinen jur Quxüdf)aitunQ feiner 
9rr6eit mitgctoirft ju (jaben. ©ein Crbenögenoffc Sörunner, 
ber if)nt anfangt nur 5ur Unterftü^ung bei ber Äuefö^rung bc* 
erf)Qlteneu 9luftrageg beigegeben ttjorben n^ar, t)eröffent(id)te in 
ben vNötjren 1626—37 eine fetbftänbige bairifc^e ®efd^id)te ^), bie 
t)on forgfättiger unb unbefangener gorfc^ung 3c"9«i'^ ablegt; 
mit bem 9ruftreteu Subiuigö be^ Saient bricht er jeboc^ ab, roeif, 
n)ie er f eiber anbeutet, jur SüarfteUung ber ®efc^ic^te be^^fclben 
eine freiere Jyeber geljöre al^ bie feinige fei, mit anbern SBortcn: 
feine ©cid)icl)te Subtuig^ b. 99. u^ar t)on ber ßenfur feinet Crben^ 
unterbrücft luorben -). S)aö üon i^m für bie gortfe^ung gcfammeJte 
unb bereits georbuete SDiaterial I)at ber bamalige Sngolftäbtct 
'sJJrüfeff or 9iifolau^ Öurgunbuö im 9(uftrage bc^ ßurf ürftcn 
JU einer öefc^id)te fl. Subn^ig« b. 93. verarbeitet, bie er 1636 
publijirte, lüetd)e jeborf) bie prinjipielle grage jiemlic^ jurüd- 
baltenb bel)anbelt^). ©erabe biefe^ Slöemü, ujeld^e^ feit iSngertr 
3cit ilfajimilian iuie fein anbcreö ber 5(rt befc^äftigtc, ^ielt i^n 
aucf) fortgefe<}t in 9(tem. Jer i^ominifanermönc^ öjodiuä 
liatte in feiner gortfe^ung ber "?tnna(en bec ©aroniui^ Ä. Sutotg 
b. SB. in ber üerle^jenbften unb cinfeitigften SSkife be^anbelt. Sin 
fo guter Matbolif nun l^iaiimilian aud) tuar, er füllte fic§ juglei«!^ 
nid]t minber aU 2iMtteIi?bad)er unb 3iad)fommen be^ bcfc^impften 
Äaifero unb war nid)t geneigt, biefe ^"^eraudforberung ru^ig ^in* 
^^unefimen. ^emgemcifj foUte iöjoüiu!^ ueranlaßt merbcn, feine 

^) Anuales virtutis Bojorum. 

*) JVricbrid) q. a. C. 3. 18. 

•^> Historia Bavaric^ s. Ludovicus IV. Imperator. Ingolstadt 1636. 
i?c|itc ^u^ijübc mit einer ^orrcN* dpii vSb. ^oc^mer. ^clmftäbt 1701. — 
^urctiinbi:^ = '^oiriioiiioit , 1586 $u (fngbicn im ^nncgou 9eboTtn, nmxbe 
16:}7 i^rofofior bor ::Kcd)tc <^u ^ndolüabt unb bairifdier ^iftoriogro))^ , ging 
aber ItvSO nadi bcn '!)iicbcrlanbcii al$ i^itglicb bei groBcn 9)ate2 Don Staboit 
\\ix\id unb fiiub UVM), ^C(\. aiicb $vaiitl, C^'cb. ber UnilXTJität Qn^tA» 
itabt. (^u^lor. ^citräiie III, 364 unb über bie cad^ felbft: (yrtebci4 
Q. iv C. 3. 17 — IS. TicfcT madit berei:* cuf ben Siberfpnicb aufmertfan, 
:r ;ivt*>en bem ^uitvaii iVaiimilian^ an t^urgunbue unb btoi (rrf<l^iieB 



bf 



f 



c;nc^ 'Out^en ©evfc^ r» bemjelben 0*^13« l«vi6 liegt. 



3)a8 3citaltcr bcr (SJcgcnrcformation unb bcS ©tillftanbcS. ©atern. 387 

Snöcctiüen unb ©ntfteUungcn ber ^^atfac^c ju toiberrufcn, jugleic^ 
aber füQte bie ©efc^ic^te SubtoigS in autf)entifcf)cr unbefangener 
aSSeife bargeftellt werben. S^aö erftere ift aber nur in befd^ränftem 
©inne erreid)t iporben ^). 2)ie SSerteibigung^fc^rift für ben Saifer 
übernal^m juerft ©etüolb unb füf)rte fie au^ burc^^). WHaii^ 
milian fünfte ficf) aber am ©nbe burd^ fie bocf) nicf)t befriebigt 
unb traf gürforge, ba§ eine anbere bem Qtotde entfpred^enbere 
abgefaßt n)urbe. 2)icfe fam auc^ in ber 2;^at im 3SerIaufe be^ 
3af)re§ 1618 ju ©tanbe, i^r Urheber n)ar aber nid^t, tüie man 
bic löngfte 3^^^ geglaubt ^at, ber baierifc^e fianjler ®eorg 
^örttjartf) (^ertüart^) öon $)o^eburg^), fonbern ber 9ieftor 
be^ SKün^cner Sefuitentoüegium^, P. 3afob Äetler*), ber 
fid) burd) ©etüolb in ber |)erbeifcf)affung beö SWateriafö unter* 
ftü^en ließ unb anbrerfeit^ feine 9lutürfc^aft mit bem 9?amen 
^ernjartf)^ becfte, ba er tpot)! toufete, bafe er nimmermehr bic 
Grlaubni^ feiner Obern ermatten n)ürbe, feinen 9?amen unter 
eine ©djrift ju fe^cn, bie ben päpftlid^en t^cofratifd^en 9lnfprüd^en 
fd)roff genug entgegentrat unb mit SBjoöiuö nid^tö Weniger afö 
fäuberlid) berfufjr. 5)er §erjog freiließ lannte baö ®e]^eimniö 
unb lonntc suglcic^ nid)t in Slbrebe fteHen, bajs i^m ein SWitglieb 
ber (SefeQfd)aft 3efu in ÄeQer^ ^erfon in biefer 9Beife einen 
großen 2)ienft ermiefen l^abe^). 35ie umfangreid)e ©c^rift l^at 
in ber %f)at einen tiefen Ginbrud gemad)t unb e§ ift iljr n^iffen- 



*) SSgl. ©öltl: „gilt l^iftorifc^cr ^rcBpro^cö" im Worgcnblotte jur 
fcainfc^n 3citung (1862 N. 173-175) unb Sricbrid) a.a.O. ©. 25ff. 
5)le betr. Gorrcfponbenj würbe in ben Sauren 1619 unb 1620 geführt. 

*) „Vindiciae Ludovici IV. — coutra fr. A. Bzovii Salovi, Poloni 
monachi etc. calumnias.'' 

«) @. über i^n ?l. 2). 33iogrop^ie s. h. v. 

*) ®eboren 1568 jU «Säcfingcn in ©c^wabcn, gcft. 23. gfcbruar 1631 ju 
^ünc^n. 

^ @. gricbric^ in ben ©i^ungSbcr. bcr ^ündjcncr Äfabemic bcr 5Q3iff. 
1874. 8. 48 ff. 2)a6 Heller bcr SSerfaffcr bcS „Ludovicus imp. defensus" fei, 
l^at übrigens fc^on ^Balbe geahnt (f. feine (Sriöuterungen ^u feinem ,,Poema 
somnium" (JJreiburg, Sammlung ^ift. €cöriftcn u. 9Jc. 8. ©tuttgort 1833. IV 
189. 191) unb 3BoIf, ®cf4. beö torf. 3Raj I. I, 482. 

25* 



388 3weiteÄ »u(^. 

fc^aftüc^er 9SScrt nid^t Qbjuipred^en^). Um t)on öietcm nur bad 
C^ine ju ertuäl^nen: baß 5^. Subroig IV. red^ttnäBiger , ai& t>on 
bcr ÜKe^r^eit ber Äurfürften ertoä^Ucr Äönig gctocfen fei, tonnte 
fcitbem nic^t mcf)r in Stbrebe gcftellt tocrben. 

3(uc^ ein gefeierter 9?ame qua jener 3^**» ^ i^ar nic^t 
burd) feine ®e6urt 93aiem angehörte, aber ben größeren unb 
fruchtbareren Jeil feinet Seben^ t)ier angebracht, 3aIob JBatbe, 
fodte nac^ bem ©inne 9D?aEimitiani^ an ber Stuöfü^rung feiner 
?ßläne für bie 2)arfteIIung ber @efd)id^te öaiern«, unb jioar ber 
jüngften 5ßeriobe berfelben S^eil baben *). @r öottenbetc aber nur 
eine (Spifobe berfelben: „Expeditio Donauwerdana" (gefd^rieben 
1642); ba aber biefe ?ßrobe Dor ben Stugen beiS in feiner S8«ie 
fritifdien Äurfürften feine ®nabc fanb, jog er fid^ Don bem t^m 
gettjorbencn 9(uftrage gänjtic^ jurüd unb toenbete fid^ n7ieber ber 
poetifc^en ?ßrobuftion ju, für toeld^e er ja nac^ einftimmige« 
Urteile in feltenem ®rabe berufen toar^). S)en ©(^Iu§ bief« 
©ruppe bairifd^er §iftoriograpf)ie bilben bie „Annales Boicae 
gentis** , bie t)ün ben erften 9lnfängen bi^ jum $;obe beö ihr 
fürftcn SWaj L reidt)en unb unter bem Siamen bed Ärd^iDar» unb 
Äaujlerö Sodann 3lbljreiter t)on Jettentoeiö im 2Sa^ 
1062 an ba^ Sic^t getreten finb *). 9lud^ in biefem gaUc jebod^ 



*) Ludo?icu8 IV. imperator ilefensus u. f. f. Wtünäitn 1618. 3 Hf. 

>) ^alhc, am 4. Januar 1604 ju ^nft^^etm im Slfag geboren nnb im 
Saftrc 1624 in ben Scfuitcnorbcn eingetreten, lebte feit ca. 1630 in k>eTf(^ebeitfB 
3tcUungcn in Söaicm, Sngolftabt, ^üncftcn, ^tmbcrg, Nienburg a. 3). — ftaib 
am 9. 9(ugnft 1668. @. 503 c ft e r m a i e r : 3. SBalbc u. f. f. SÄünt^en 1868. 

') Seibmj (Opp. ed. Dutens) VI, 296 »ill bie bolb barauf derfd^ollne 
'2d)rift nod) gcfe^en ^abcn. ©gl. aiid) grcijbcrg, Sammlung f^i\t ©t^tiftni 
IV, 203. Sticue, ber Urfprung bc§ äioeijö^rigcn Kriege« I, 2 unb i« 
5(rd)iö be« bift. ^tx. öon Obcrbaiem iBb. 35 §cft 1 6. 58 ff. ©albc beflogt 
fid) bitter über bie bcSpotifc^e (Senfur bei Äurfürften. 3n feinen (Sdäuterungot 
jum poema somnium bebanbelt ^albc t>a^ (Sd^tdfal ber bairif(^ ®ef(l(i4ts 
fdjrcibung unter 'öJafimilian aflcgorifd). 

♦) Seibnij Ijat im 3af)re 1710 eine neue 9(u«^abe bobon Deranftaltct. — 
Slbl^rclter mar am 2. gebruar 1596 jn SRofen^cim geboren, ftarb 11. sitai 1662 
8. b. %. ^. ©iograp^ie s. h. v. 



S)ad 3^<toI^cr ber Gegenreformation unb beS ^tiaftanbed. Saiem. 389 

totebcr ba^ jnjcibcutige aScrftccfen^iptel ! S)cr wirHic^e SBcrfaffcr 
biefcö SBScrfcö toor nid^t äbijreiter, ber in feiner Sigenfd^aft al^ 
Ärc^iüar nur urfunblic^e SKaterialien baju geliefert l^atte, fonbcm 
ber 3efuite 5ß. Söeröauj, ber aber tro| be^ lebhaften SBunfd^eö 
i>€^ jungen ^rfürften gerbinanb SWaria unb nod^ me^r feiner 
5Kutter ber Äurfürftin SRaria Slnna noc^ bem SBiUen feiner 
Dbem aU SBerfaffer nid^t genannt unb burd^ einen @troI)mann 
erfefet n^erben mufete. S)iefe Annales finb nid^t o^ne felbftänbigen 
SBert, obtool^I SöertHiuE feine Sßorgänger unb im befonberen aud^ 
Srunner hinlänglich bcnu^t l^at. S)a^ Segeid^nenbe bei ber @ac^e 
ift, baJ5 laut urfunblid^em 3cwgniffe bog 333erf juerft einer l^öc^ft 
rigorofen Senfur ber Oberen beö SBerfaffer^ unterjogen ttjurbe 
unb büd^ nid)t mit feinem 9?amen herausgegeben n^erben burfte, 
am liebften I)ätte man cö freiüd^ ööllig unterbrücft gefe^en ^). 
S)afe unter foId)en Umftänben unb bei einem fold^en SSerfa^ren 
toal^r^itSgctreue, unbefangene ®efdjid^te unmögtid^ war, bebarf 
faum weiterer Setoeiigfü^rung. SSeröauj l^atte entfd^iebenei^ S^alent 
ju feinem Unternehmen mitgebracht unb bie SInerlennung , bie 
Seibnij feiner Strbeit Wiberfa^ren tie^, in ber S^^at öerbient. 
SKte^ in allem geurteilt, ergibt fic^ jeboc^, bafe bie Ißblid^en 
Äbfic^ten SKajrtmitianö für bie ®efd^ic^te feinet ^aufei^ unb SanbeS, 
S)anf ber eifernen 3)iSci^)lin unb aber auc^ ber SKad^t beS 
genannten DrbenS, bod) nur jum geringeren 3^eile öerwirfiic^t 

toorben finb. 

Unabhängig, fo üiel man fetien fann, t)on äußeren 9ln= 
regungen ift in ber 3ugenbjeit beS fpäteren Äurfürften SKaji* 
milianö ein umfaffenbeS S33erf entftanben, tüeld^eS bie S)arftellung 
ber äujseren Äird^engefd^id^te Saicmö unb ber Don btm bairifd^en 
©tamme urfprünglid^ in Sefi^ genommenen unb germanifirten 



») 6. $iu» ©ittmann, über ben SBerfaffcr ber unter Kbljrctter» 
92amen ^rauftgegebenen ^^AnnaleB Boicae gentis''. Wind^, @(el.*9[n^. 1844, 
unb 8friebrt(^ a. a. C. im Slnl^ang @. 32ff. O^arafteriftifd) ifl tN)r allem 
au4 bad @(!^reiben bed Sefuitengenerold Q^oStoin ißicfel d. Ann. 14. i)i?ot)ember 
1654 (@. 14). 



390 ä^'Jcitcö ®"*- 

©egenbeu be^anbelt: 3)ie Metropolis Salisburgensis üon Söi- 
gulcujg^unb^). %k\ eingeroci^t in bic S^eubcnsen ber bairifc^en 
^ßolitif unter ^erjog SBil^elm V., tüeientlid) beteiligt an aQen 
maBgebenben Slftionen, ein entfc^iebcner 9(nf)änger ber ürc^li^en 
SReftauration fanb er nod) 3^'^ 5U ein paar Uterari)d)en ?(rbeiten, 
t)on ttjelc^en bic Metropolis bie umfangreid)fte unb Dergleid^ung^- 
roeife tt)ert^t)oUere ift. S3ei biejem Uutemef)men mag if)m tüot)I 
bie gleichnamige, aber bebcutenbere Metropolis Saxonica be^ 
211 ber t Ar an 5, bie bereit!^ 1548 in 5)ruct erfdiienen n?ar*), 
alö ü)?ufter üorgefd^n^ebt f)aben. S)ü^ SBer!, grünblic^ tpie e^ 
ipar, tpurbe mit großem Öeifall aufgenommen, unö ber baejelbe 
ben^egenbe ©ebanfe mufe unbebingt al^ ein fac^=' unb jeitgcmaBer 
be^eidinet ttjerben. 3)ie gorm ^at m(i)t^ .^eröorragenbe^, in ber 
fritijd)en S3el)anblung ber älteren Qnkw bleibt »s^nnb öftere t)iuter 
bem, tt)a^ man ermarten burfte, surücf, aud& bie S^oIIftänbigfeit 
be^ Stoffel meift manchmal Sücfen auf. S)ie Überfielt über bie 
@e)c^id)te ber 9)iutterfirdje unb ber gefammten öi^tümer unb 
©tifter ber Srjbiojefe ©algburg erunrbt il)m jeboc^ trojj aüebon 
ben 2lnfprud) auf unfere 5(nerfennung. SSeniger glücflic^ toar 
£)unb in feinem „93at)eriid) Stammbud)", einer ©efdjic^tc ber 
bairifc£)en 9(belegefd)led^tcr , bem man feine Sntftef)ung in bem 
legten 2ebenöjaf)rc be^^ Jlutorö nur ju beutlidj anmerft ^). ^ie 



^) SB. ^unb (4)unt, ^unbt) öoii ScuterSbac^ 311 ©uIjcmoD^ u. f. f., gc* 
boren bcn 26. Quli 1514 ju Äaltcnbcicj am 2cd), in Qngolftabt unb Sologna 
gcbilbct, jucrft ^rofcffor Juris an crftflcnanntcr Uniöcrfität, feit 1540 ^ofrüt 
in ÜJiünd^cn, 1544 9(ffc)for am ^tcicfidfammcrgcric^t in 8pcler, 1551 Sieg.* 
Äanjlcr in iianbs^lmt, geft. 20. Jcbruar 15S8 ju ^?ünrf)en. S3gl. eifcn^ort 
in ber 91. 2). SBiograp^ie. ^unb^ 6clbftbiogra^^ic bei u. grcpberg, ©amm* 
lung u. f. tu. III, 182. 3)ic Metropolis Salisb. crfcftien ju Sngolftabt 1683 
Sine neue öcrmc^rte bi^ 1620 fortgcjettc 9(u§gabe t»on ©ewolb. (©. oben 
5. 385 9lnm. 1). 

2} e. oben S. 85. 

^) 5)cr erfte Jcil crfcf)icn 1545, ber j^cite 1586 (ju Qngolftabt}, ber britte 
würbe erft in unferem 3a^rf)unbcrt burd) ü. grc^berg in feiner öfter* geb. 
©ammlung öeröffcntlic^t. Snbe« wirb bic 9lutorfc^aft bcÄ britten 2>ilcd ^unb 
t)on ^Jianc^en abgefproc^en. 3n feinem ()anbfc^riftli(^en ißac^lafe finbd fU^ bie 



3)aS i^titahcx bct (SJcgcnrcforniation unb bog ©tiöftanbcS. Sd^toabcn. 391 

j^timntften SScrirrungen unb SBiUfürlic^feiten eineö Siüjner unb 
Sajiu^ finb jtüar Dennieben, aber bie gcncalogifd^en 9(uffteUungcn 
laffen trog altem Sifer beö SSerfafferö ju fcl)r bie fidjere 3Retl)obc 
öermiffen, ol)ne tüelc^e auf biefem fd^lüpferigen SBoben, jumal für 
bie ältere Qcit, tüenig äuberfäffigeö ju erjielen ift^). 

@et)en mx Don SSaiern narf) © d) tu ab cit über, fo feffelt 
un§ äunärfift 5lu gö b u rg , ba§, feit ber SÄitte be^ 16. 3al)rl)unbertg 
allcrbing^ nic^t inel^r im 9(uffteigen begriffen, bie ®runblagen 
feiner früheren 95Iüte immer{)in noc^ ju bctva\)xm getüufet t)atte. 
S)ie öltefte ®efd^icf)te ber ©tabt bi^ 552 i)ai ber fcf)on genannte 
SDfarcu^ SS elf er nac^ 5ut)erläffiger Duelte bargefteflt *). 6§ 
ift ba^ berfelbe, ben tüir in feinen nal)en SSeäie^ungen ju SRayi* 
ntilian t)on SBaiern tüeiter oben tennen gelernt l^aben. 9Son ber 
fog. ^eutingerifc^en 2;afel l^at er bie erfte 9luögabe beranftattet 
iinb bie ßeben^befd^reibungen ber 3)Jartt)rer 9lug$burg§ unb be^ 
S3ifc^of§ Ulrid^ t)erau^gegeben ^). Wlan fül^ft überall ben gefc^ulten 
gac^mann burc^, ber nid)t äufäUig feinen gl^ife auf fotc^e ©egen*^ 
ftänbe tpenbete. Unter feinen geleierten 3^itgenoffen erfreute ficf) 
SSelfer f)o^en 9(nfe^en^ unb er t)at burd) feine ©teltung unb 
fein rege^ n}iffenfd)afttid)e^ Sntereffe, ba^ mit ©ad^funbe t)er=^ 
bunben nmr, nad) öielen ©eiten I)in anregenb unb förbemb 
geiüirft. — Sine ®efammtgefc^id)te ber ©tabt 9(ug§burg ^ai ein 
in jener Qcxi t)od)gefcbä§ter 9!)?ann, 9(c^iHeö ?ßirmin ©äff er, 



fog. „5>unb')(^e i^anbtafcl uon 15G0", b. f). eine amtlich angefertigte SKatrifcl 
ber abcligcn QJütcr in 93aiern, beren (Sigcntümern (5i|; unb Stimme auf ber 
fRitterbanf be§ SanbtageS jufam. 

*) ficibnij, ber, luie wir üemommen l^aben, bie Sciftungen bicfer 3cit 
über bairifdie OJcfci^ici^te ni(f|t unterfd^äfte, fdireibt 1701 an ^feffinger: „Je 
me souvieiiä d^avoir vu autrefois das Bayerische Stammbuch des 
Wiguleus Hundius; mais il ne me comparut pas de plus considerables, 
ainsi je crois qu'on s'en peut consoler." (53nefn)ec^jel III, 216.) 

2) Rerum Augustanarum Vindel. libri VIII. (35cnebig 1594.) S^on 
im näc^ften Qa^re erf(^ien eine beutfd^c ?lu8gabe t?on Engelbert SSertid^. 

') 8. feine Opera historia et philologia sacra ac profana etc. curante 
Christoph Arnoldo. Nuremb. 3682. 



392 3n^tted SBuc^. 

ber feit 1546 ate Srjt in Süug^burg lebte, Derfa^t ^). §umanifiifc^ 
Ijod^gebilbet, ein eifriger änl^crnger ber Siefortnation, war er ber 
rechte SMann ju folc^' einem Untemel^men. S)ie ndd^fte Sßeron- 
laffung ju feinem gebeerten ®ef d^id^tötoerf l^atte i§m © c b a ft i a n 
SKünfter gegeben, inbem er feine 3Kittt)irhing für bie Äo^mo:' 
grapl^ie in Stnfprud^ natim. 2)ie „ Annales civitatis ac reipublicae 
Augsburgensis" reid^en Don ben 2tnfängen ber ©tabt bi^ 1572. 
gür bie neuere l^ellere ©efd^id^te ber ©tabt ift ®affer ein Dor- 
trefflicher SBerid^terftatter unb ftü^t feine S)arftenung auf brau^bare 
ß^ronifen unb Urfunben, eigene ©riebniffe unb äWitteilungen 
befreunbeter 3^itgenoffen. 3^9tei(^ ftellt er fid^ entfd^ieben auf 
bie ©eite ber ©tabt in iljren ©treitigfeiten mit ben Sifd^ofen, 
unb \)alt mit feiner 2tnfic^t in ber Sarfteüung ber lird^Iid^en 
Semegung nid^t jurürf. 6r gibt aüerbingö in ber Siegel feine 
Duelle nid^t an, jebod^ Ijaben Slüe, bie feinen ännalen na^r 
getreten finb, bie 3ii^^rfäffigfeit feiner 9(ngaben beftötigt*). 3)ie 
gorm ber ftreng annaliftifd^en S)arfteIIung ift jnjar nid^t frei 
Don ©d^njerfälligfeit , I)ält un^ aber burd^ bie grifd^e unb Seb* 
I)aftigfeit ber Sluffaffung fd^ablo^. ®erabe jene felbftänbige Haltung 
beig SSSerfeig f^eint inbe^ ber SSeröffentlid^ung be^felben im SBege 
geftanben }U l^aben. 6rft im Saläre 1728 ift eS burc^ öurfarb 
SKendEe in beffen SS. R. Germ. I. in feiner originalen ©eftalt 
Ijerau^gegeben njorben^). Sffia^ nad^ biefer 3^^^ junä^ft über 



*) Oaffer war geboren am 3. 9ioücmber 1505 ju Sinbau, ftubirte in 
Wttenberg, mo er Sut^er unb Wttlanti^on l^örte, unb in ^ien, roo ^x^tud 
fein fic^rcr toar. ^udi Wtontptüm unb ^Imgnon ^at et befu(^t. 3« S^aciuS 
gUtjricuS ]§at er in engen SBejic^ungen geftanben unb baS guftanbefommen ber 
Centurien mit diät unb 2:^at unterftü^t, »a» grlaciu« aud) öffentlich bezeugte. 
I^L 93 rüder: De vita et scriptis A. P. Gasseri (f. beffen Miscellanea) 
6. 419—443 unb f. e^rentcmpcl @. 145 ff. — grcnSbo vf in ber Einleitung 
ju bcm 1. lobe, ber 2lug«b. (S^ronifen unb in ber Sl. 3). ©iogra^ljie. 

*) @. $aul üon ©tetten sen. in feiner furjen 5?a(^ri(^t öon ber 
SS. R. August unb gfrenSborf a. a. D ©. XCV. 

^ ^er größere Seil ber Aunales (Dom Sa^rc 552 an) mar aUerbingft 
(1595) in beutf(^er Überfe^ung ber oben (@. 391 «nm. 2) ertoäl^nten beutfc^ 



^d geitaüer ber ^kgenteformation unb bei» ^tiü\tan\>ti, ©^toaben. 393 

bie @efd^id^te ^ugdburg^ gefd^rteben mürbe unb ju Sage trat, 
beftätiflt ba^ ©infcn ber Slütc bcr ©tabt im 17. 3al^r{)unbcrt 
unb lel^nt fid^ meift in abhängiger SBeife an bie älteren Slrbeiten 
an ober üermag ed nid^t, toie ber SWönc^ t)on ©t. Ulric^, Siegen* 
Balb Wlö\)n, ber in feinen bis 1632 reid^enben Annales 
Augustaiii im befonberen gegen ®affer polemifirt, fid^ über ben 
engften ®efid^tö!reid ju ergeben ^). 21n gebilbeten unb njelt^ 
erfahrenen aWännern, bie gelegentlid^ auc^ jur g^ber griffen, \)at 
ed )tt)ar nad^ mie )?or in Stugdburg aud^ im näd^ften SJtenfd^en« 
alter nic^t gefehlt. SBir erinnern an jenen Sucaö ®ei}^ 
fofler, einen geborenen 3;iroIer, ber afö SRed^t^fonfutent ber 
gugger in ber ©tabt ^eimifc^ getoorbcn toar unb 1620 bafelbft 
geftorben ift^). ©eine autobiograpljifd^en Slufjeid^nungen , ge= 
fd^rieben 1609, finb in mel)r aU einer SBegie^ung le^rreid^, 
burd^auig glaubtoürbig unb überbie^ öon feffeinber 2lnfc^aulid^feit, 
tt)ie namentlid^ ber öerid^t über feinen 9(ufentf|a(t in ^ari^ in 
ben fritifd^en Sagen ber ©artl^olomäu^nac^t. S)er liroler @eij^ 
fofler toax nämlid^ 5ßroteftant unb i)at fic^ burc^ feine nod^ fo 
lodenben SBorteile öon feinem ©lauben abmenbig mad^en taffen. 
(Sine äl^nlid^e Seilnal^me nimmt ^l^ilipp ^ainl^ofer mit 
feinem Sieifetagebud^ au^ bem Sa^re 1617 in Slnfprud^ % §aim 
^ofer toax ein jüngerer 3^i^9^"offc ©eijfofler^, ein geborener 
Sfugöburger (f 1647). ©r l^at bie 933ett nad^ üerfd^iebenen 
Siid^tungen bie^feitig unb jenfeit^ ber SHpen mit ÜRu^en gefe^en 
unb mel^rere feiner Sieifen befd^rieben. 9(te Äunftfammler, 9(gent 
unb Äorrefponbent üerfc^iebener §öfe toar er u. a. auc^ mit bem 
^erjoge ^^ilipp IL üon 5ßommern in Söejie^ungen getreten unb 
1617 einer Sinlabung be^fclben nad^ ©tettin gefolgt. 35iefe 9ieife 



©carbcitung bc8 3R. »eifcf ft^cn 3Bcrtc3 über hk ältcflc ®cf(^i(^tc öon 9(ug«r 
bürg beigegeben worbcn. S. S^^Pf» ÄugSb. ©ibliot^ct. 

*) 8rren8borf a. a. O. @. XLYI. 

") SSgl. ?lbain SQBoIf: S)ie ©elbftbiogropl^ie öon 2u!a8 ®eiäfofIer. 
mtn 1873. 

») (grf^en ju Stettin 1834, tierauSgegebcn öon gr. 2. «. öon SK(cbeni). 



394 3rocitc« f&Mö^. 

iüirb in bem genannten Za%tbuä)c in tel)rreic{)er SBeife befd^rieben *). 
©in Söefannter ^ainl^ofcrö tvax ^anö lUri^ Ärafft auö 
Ulm, beffen „SReifen unb ©efangenfdiaft" , tpelc^e in ber %i)at 
ben G^arofter Don S)entmürbig!eiten m6)t Derläugnen, feit ein 
paar 3af)rjef)nten befonnt gertjorben finb ^). (B^ ift in feiner SSJeife 
ein I)iftori)c{)eö 2ßer£, mit tüeld^em lüir e-3 f)ier jn tl^un l^abcn, 
aber für bie ©itten= unb Äutturgefc^id)te ber 3^^^ ^^ tüeiteren 
©inne immerfjin ein errtjfinid^ter unb ergiebiger Seitrag, tme 
mangelhaft auc^ bie ®prarf)e mit SRed^t gefunben tperben mag. 

Um unö tüieber jur unmittelbaren @efd^ic{)tfd^rei6ung jurucf- 
jurtjenben, nel)men bie Annales Suevici Don 9)?artin Grufiug 
junäc^ft unfere 9lufmerffamfeit in 9(nfprud^'). Sie finb ba^ 
erfte 3Berf ber 9lrt, ba§ fic^ bie S)arftellung ber ©efammt- 
gcid^ic^tc ©d^mabenö alö 'Jlufgabe gefteHt l^at**). (Srufiu^^ njor ein 

*) ^ain^ofcr, ber einem ber oiigcfc^enftcn ®cfc^Ied)tor ber <Btabi an« 
gehörte, mar ebenfalls ^roteftant. ®uftaü ?(boIf ^at i^n tuä^rcnb feines $(uf-' 
cnt^alteS in Augsburg ausgezeichnet; au^ biefer S^^^ 0ibt eS ebenfalls ein 
Xagcbuc^ ^ain^oferS. 

*) SReifcn unb (äJcfangcnfdiaft ^anS IHrid) Ärafftö auS ber Crig.= 
ipanbfd^rift ^crauSgg. t»on Dr. t. SD. ©af^ler, ©tuttgart 1861 (61.55b. beS 
Ut. SBcr. in Stuttgart). Unter bem Xitel: „Gin beutfcf)cr Kaufmann bcS 
16. 3aW""^crtS" (®öttingcn 1862) bcatbeitet öon 5lb. CSol&n. — ^. U. Ärafft 
flammte auS bem befanntcu Umer ÖJcfc^Icd^tc (geboren am 25. ^Kärj 1550) unb 
^otte fid) juerft in $IugSburg, fpfttcr in iit)on unb gforenj auSgebilbet unb 
unternahm im 9luftragc bcS 9)?anUc^^id)cn ^anblungS^oufcd in 9lugSburg eine 
JReife nadj ©X)rien, um bort bie ©efc^äfte bcSfelben ju öertreten. S)iefc SJcifc 
nebft ben Unfällen, in bie er in S{(ep|)o o^^ne 8d)ulb Dcrwidelt würbe, bUbct 
ben ©egcnftanb ber in tJ^age fteJjenbcn Wufjcicfinungcn. 3urücfgefc^rt, njurbe 
Ärafft Don feiner SBaterftabt jum ^^ffeger in Beinlingen ernannt. ®efc^rtebcn 
ift baS SBerf in ben Sa^^rcn 1611—1616. 

«) SrufiuS (ftrauS) war ein geborener granfe nuS ®rebcm bei Samberg 
ftnmmenb. QJeborcn ben 19. ©c^tembcr 1526 ats Sof)n eineS eüangelifcftcn 
©eiftUciÖen, feit 1559 ^rofeffor ber flaffifd)cn S^jrac^en ju 2:übingen, geft. 
14. gebruar 1607. S3gl. bie Ginleitung Q. 3. ^}JUferS ju feiner flbcrfc^ung 
ber Annales unb Älüpfel in ber Ä. 3). 93iogra|?bie. 

*) Srfd)ienen 5U gfranffurt 1595 in 2 ftarfen ©dnben. — (S^ruftuS ebirtc 
u. a. auc^ eine Sammlung t>on 9?a(^ricftten über \icn 3uftanb ber ®rie(^cn unter 
ber türfifc^cn ©errfc^aft unter bem 2:itcl: „Turco-Graecia" unb „Germano- 



Sba9 gcitaltcr ber Gegenreformation unb bcsi ^tidftanbed. S^n^aben. 395 

origineller SMcnfc^ unb überaus fleiBiger ©c^riftftcUer. S)a^ 
©cbäd^tnlg feinet SRameni^ i)a\tei aber an ben Slnnafen. S)iefe 
finb nun freiließ nic^tö tüeniger al^ ein Sunftoerf unb führen 
ben 9?amen ber (fd^toäbifc^en) 6f)ronif, unter metd^em fie burd) 
3. 3. SWofer^ Überfe^ung (unb l^ottfefeung) populär getoorben 
finb, nid^t mit Unred^t. S)er SBerfaffer {)at, Dielfac^ baju auf* 
geforbert, tüie er fagt, erft in feinem öorgerücften Sllter fie 5U 
fd^reiben begonnen unb ijiel grembartigeö, 5ßerf5nlic^eö unb Sofale^ 
mit bem eigentlichen ®egenftanbe l^erbunbcn. S)aö ^auptgetoid^t 
legt er auf bie Et)ronologie, oftne bafe ber betreffenbe ©ctoinn 
afö ein erl)ebtic^er bejcic^net ftjerben fönnte. (Sr t)oIt nad^ ber 
I)errfd)cnben Unart toeit au^, aber ber materielle SBert be^ 
SBerfeö fängt erft mit bem 16. 3a^rf)unberte an; l)on einer 
fritifrfien Öefjanblung ber älteren Qcit ift feine SRebe. äJfofer 
f)atte bal)er nic^t fo Unred)t, ioenn er bei feiner Uberfe^ung bai§ 
grembartige unb 9(bliegenbc au^fd^eibcn tooUte, unb eö ift b^ 
jeicf)nenb, bafe, toie er üerfic^ert, ba^ ^ublifum, auf meld^e^ er 
red^nen müßte, b. \). bie ^rönumeranten, gegen ein fol(f)e^ ä^or- 
I)aben 3Jern)al)rung einlegten unb burc^auö ben ganjen Srufiu^ 
^aben tooUten ^). 

Um bie fpejififd^e iüirtem6ergifrf)e @efd^ic{)te i)at fiel) ber 
f|eräoglid|e Seibarjt C U) a l b @ a b e l £ D e r ein bleibenbeö SSer- 
bienft ernjorben^). ör gilt alö ber erfte bebeutenbc g'^^^f^^^ 
über bie ®efd)icf)te beö Sanbeö unb oor allem be^ gürftenl)aufe^. 



Graecia'* O^ofol 1584 unb 1585). 9(15 Cfrgän^ung feiner 2(nnalen erfc^icn 
1596 Q(d 9lnt)Qng jum 2. SBanbe „Paralipomena Rerum Suevicarum liber". 
Über feine @d)riit über ben fd^malfolbifc^en ihien f. oben ©. 250 ?lnm. 2. 

*) SBgl. bie Ie^rreid)c 58orrebc 3Kofer§ jur flberfcfung, ivcW lefterc 
übrigens ni^t üon i^m felbft ^enü^rt. 3)ic Jortfe^ung ber „Sc^mäbifd^en 
(Sbroni!" öon 1596 an bis 1733 fd)eint übrigen« feine eigene Arbeit ju fein. 
SRofer fagt u. n. : ba§ S3uc^, b. f). bie Annales, feien üijttig Vergriffen unb burc^ 
fein nnbereö erfe^t gemcfen. 

^) ©eboren ju 9Wemmingcn 3. September 1539, geft. 31. S)ejember 1616. 
©cbilbet jn ^^übingen unb öologna, »urbe er 1580 Seibarjt be« ©crjogS 
Subtoig öon S. 1594 l^at er ein Jiv^m'ibnö)" in 2 Teilen oeröffentlidit. «gl. 
% ©tälin in ber 5t. 3). ©iogrop^ie. 



396 Stt'eitc« SBucö. 

SWit umfaffenbem unb f^ftematifc^em gleiße ^at er Sa^re lang 
geiammelt unb bic SBorbereitungen getroffen, auö toetc^en fein 
^auptnjcrf, eine au^füfirlid^e ©efd^id^te unb S^opograp^ie SBirtem- 
berg^, l)erborgegangen ift. 35a^felhe ift jeboc!^ niemate felbftanbig 
nnb unter feinem SRamen gebrudt, bagegen ber erfte S^eil be^felben 
im 18. 3al^r{)unbert big 1528 l^erab öon 3ol). lllrid^ Stein- 
l^ofer ab^ unb ou^gefc^rieben unb mit 3iJ1öfe^» ofö ^Sieue 
n^irtembergifd^e S^ronit" {)erauggegeben tporben ^). S)ie Sßorjüge 
©abelfoöerö, bie fid^ unter ber SWa^fe ©teinl^oferö erfennen laffen, 
liegen in ber umfid)tigen, fc^arfbtidenben Äritif, in ben Saft in ber 
^luömal^I beig ©toffeS unb in einer fc^lic^ten gebrängten unb ftet^ 
beuttic^en ©d^reibart. S)aö ^auptüerbienft be^ Söerfeg ift bie 
fiebere ®runblage, bie i§m ber 3Serfaffer burd^ bie Urfunbcn be^ 
^erjogtic^en ärc^iDö gegeben I)at^). 

@in recf)t originelte^ unb umfangreicf)eö ®efd)id^t§n)erf, baö 
]otüof)l feinem Urfprunge aU jum größten Steile aud^ feinem 
3nf)alte nad^ ©d^njaben angel)ört, ift bie fog. Q\mmtx'^ä)t 
€ ^ r n i f , auf beren Sßebeutung in unferem 3af)rl)unbert u. a. 
namentlich UI)Ianb nad^brücflid^ t)ingen)iefen unb fo jur enblic^en 
iBeröffentlid^ung berfelben nic^t tüenig beigetragen i)at% ©ie 
ift in ben Satiren 1564—1567 entftanben unb an i^rer Slbfaffung 
l^aben ber ®raf ®uftat) groben (Don 3^"^^^^) ^^^^ fein 
©efeetär 3ol^anneö9Äüller gleichen 9lnteil, tüälirenb ber ®raf 
SBilt)elmSBernernur ^Beiträge jur ®efd^ic^te feinet ®ef^le(^teö 
geliefert f)at^), 35er näd()fte ©egenftanb ber G^ronif ober, toie 



1) aiübingen 1744—1758. 

«) @. ¥f äff, ©irt. ^lutarcft I, 79— 82 unb „Cuctten ber älteren »irt 
@ef*i(^tc" e. 21 ff. ferner G^r. öon Statin, 3Birt ®c)4 III, 11. 

») herausgegeben üon Dr. Ä. ST. ©arat in 4SBänben. Stuttgart 1869 M 
«b. 91—94 be« lit. SSer. in Stuttgart. Ül^cue §(u«gaBc öon SBarat 1880. — 
Über U^Ianb« Anregungen ögl. g. $fciff er« Germania S3b. I (1856 @. 2ff.) 
unb ob. II (1859 @. 50 ff.). 

*) »gl. »arat im 9?a(]^ttort (jum 4. S3b.) ©.450 ff. — ®raf groben 
ift in ber 3eit smifc^n 23. 8[uguft 1566 unb bem 7. SRär^ 1567, fein O^eim 
®il^e(m SSerner 1575 im ^o^n Filter geftorben. So^anned ober ^axA 



5S>aft 3^AlteT ber ®egenrcformation unb bcd StiQftanbed. Sc^maben. 397 

bic SSerfaffcr aui^fd^Iiefelid^ fößcn, bcr ^iftoria ober ^iftori, ift 
bic ©cfd^ic^tc bcr ©rafen Don 3^"^"^^!^ o^f i^cm ©d^tparjioalbe, 
eine« oltcn unb angcfcl^cncn fd^tüäbifd^en §aufc^ ^). 2tber bei 
bcm, an fid^ immerhin engen Sial^men biefe^ %\)ema& bleibt bie 
SiarfteHung nic^t fielen; fonbem fci^meift gerne unb meit über 
benfetben tjinau^ ouf ba§ ®ebiet naiver ober entfernter mit bcn^ 
felben Dernjanbter ©efd^Ie^ter unb irgenbtoeld^er in ben ©efid^ti^^ 
frei^ ber SSerfaffer faßenber Sreigniffe, fo bafe f)äufig ber 
gaben ber ®rjat)Iung ganj Dertoren gef)t unb mit SMül^e wieber 
aufgenommen mirb. S)er ^aupttoert be^ 93ud^e§ liegt in ben 
Elementen, »elc^e baö gelb ber ®age, ©ebräud^e, ©itten, be^ 
aSoIföglauben^ u-. bgt. umfc^Iiefeen, unb bafür ift e^ eine foftbare 
gunbgrube. ©ruftet unb ©d^alf^afte^ njec^felt grunbfäfelic^ mit* 
einanber ab unb tva^ bie mitgetl^eilten bebcnflid^en 3^9^ öuö 
ber ©ittengefc^id^te anlangt, mufe man menigftenö jugeben, bafe 
bie SBcrfaffer keinerlei SRüdfic^ten fennen ober nehmen. 2luf bie 
ftttlid)en 3wftänbe öor aÜem beö 16. I3al^röunbert^ unb gerabe 
ber befferen Steife junäd^ft in jenen ©egenben fallen freiließ 
bunfle ©d^Iagfc^atten unb ber Sefer brandet nid^t jimperlic^ ju 
fein, um in biefen ©c^ilberungen einen überujäftigenben Sßetüeiö 
gegen ba§ SÄärd^en t)on ber fog. guten alten QQxt ju finben*). 
SBaö bie SSe^anblung ber 3intmer'fc^en ©efd^ted^tögefd^id^te betrifft, 
fo ift fie tro^ alter 2lbfd^rt)eifungen jiemtic^ breit angefegt, unb 
bic SJerfaffer entrtjideln eine ^inlängtid^e ©elel^rfamfeit ober 
JBelef enl^eit , tüie fd^on ba^ aSerjeid^niö ber Don i^nen benu^ten 

SRüUcr, ben man mit Unrecht bic längfte 3cit blo^ für ben ©d^rcibcr bcr 
d^ronif gehalten ^at, crfd^cint jucrft olS gräfli(^ S\mmtx^\dftx Sefrctör ju 
2Rc6(irc^, fpäter a(d Dbcröogt ju Cbcrborf a. 9?., mo er 1601 gcftorbcn ift. 
®raf 28 i 11^ e Im q. 3- ^^öt audj eine S^ronif ber ©ifci^öfc öon Sonftonj ücr^ 
fa^t (f. Sdaxat a. a. O. 8. 442 3lnm. 1). 

») 8. e^r. öon 8täHn, SBirtemb. ®ef*. II, 546. 

*) S8gl. aud^ öicbfncd^t in ber 3citfct)rift für beutfc^e Äulturgcft^ic^te. 
9?euc SJolgc. 1872. 8. 29 ff. 350 ff. — ©q« hii bciit)rf)e namentlich aud) fog. 
poctifd)e Sitcratur jener gcit an bcbenflic^em 3n^alt oft mit SBc^agen vorträgt, 
ift uns befannt, inbeS fann biefcS an unfcrem oben im 2^ejte auSgefprod^encn 
UrtcUe nichts änbcm. 



398 önjciteö »ucft. 

Cueticn botumcntirt '). Saß bic §cvfunft bcr ©rafeu öoit 
3immern Don ben ßimbern abgeleitet wirb, tarnt für jene S^it 
md)i gerabe u6errafd)en ; bic untritifc^e Scidjtgläubigfeit fpielt 
bcr gencatogiidjen iSitelteit aud) tpeiter^in noc^ mand^en empfinb^ 
lid^en Strcid), fo baß man mit öenugt[)uung bie 3?erfaffcr in 
bie IjeUeren 3^^*^^^ begleitet, bie üor fo nngeid)ic^tlid)en 3rr= 
tfjümern fc^üfeen unb bei bercn ©d)ilberung bie Grääl)lung fid) 
in üoKem SBel)agen unb mit jorglofer 9iebfeligfeit gc^en läßt, 
ber tt)ir unö aber bod) jum SJante üerpflid^tet füf)tcn^). 

Senfeitö bes^ SHfieine, im öl faß, ift nac^ tt)ie öor Strafe- 
bürg ber ©ife ber ®efd)ici^t]c^reibung. Sfufeerorbenttidje^ ift in 
biefer i£pod)e f)ier freiließ nid)t gcleiftet lüorben ; n)ic an fo mand)en 
anberen fünften, bie fange 3^'* tjinburd) in ben erften 9ieit)en 
geglänjt (jatten, ift aud^ f)ier ein Sindgang ju Derfpnren. 5DJanc^e^ 
f)kxi)QX ®ef)örige, wa^ je^t entftanb, liegt noc^ nngebrnrft unb 
entäie[)t fidj fomit unferer 9}eurtf)eilung ; mirtlid) ©ebcutenbcd 
freilid) befinbet fid^ nic^t barunter ^). S)ie „ISbelfafeer 6()ronit" 
Don 3}ernt)arb ^ergog, bie fid) im befonberen mit bem 
unteren ötfaß befd)äftigt, ift bie 9lrbeit eineö SOianne^, ber fic^ 



») »oraf 0. a. O. 4, 463-464. 

*) 3nbcm wir für bicfcn 3<-'nrnum t)on Sdiiuabcn 5(bfcl)icb nehmen, wirb 
c8 nidftt übcrflüffig crfcficincn, an (£^riftop^ ^cfolb ju crmncrn, ber burd) 
feine 'ipublifationcn über bie ÖJcf^id^te bcr ^irtcmb. Älöftcr, H)cI(i)eS aud) feine 
bcftimmenben ^bfic^ten gemefen fein mi)gcn, locrtüoQcd urfunblic^ed Material 
an t>a^ 2idft gebogen ^at. (,,Prodromus vindiciarum ccclesiasticarum" 
etc. — ^.Documenta rediviva praecipuorum in Diicatii Wirtemb. sitorum." 
— „Virginum sacrarum monumenta in principum Wirtemb. crgastulo 
litterario'* etc.; alle brci ^ublitationen au§ bem S^^rc 1636). — ©cfanntlid^ 
^Qt löefolb biefc @(ftriflen erft nod) feinem Übertritt jum Ä'at^olijiomuS iKrauS* 
gegeben. @r bat vielerlei gcfdjriebcn u. q. aud) eine 5(rt gortfe^ung 3Ieis 
bonö, Die eine 3cit lang über bie 0ebü()r gcfd)ä^t mürbe, ©einem ndc^ften 
Berufe nadj mar er Snrift, geboren 1577 ju 2:übingen, nmrbc 1610 ^J^rofefjor 
bafelbft, conocrtirte 1631 im öJefteimen, 1635 öffcntlid) unb ftarb qIö ^refcffor 
beS SHed)te^ 3U 3ngoIftabt am 15. September 1638. — ^gl. über it)n ben 
^rt. ^JDJut^crö in ber 91. 2^. ©iograp^ie. 

*) ^' ^cgel in bcr Einleitung ^um 1. 33b. ber Strafeburger (>^roni(cn 
(Stäbtec^ronif 8. 93b.). 



a)aÄ 8^*<^^*cr htx Gegenreformation unb bc8 ©tillftanbe«. 3). GIfaB. 399 

felbft nic^t für einen ^iftorifer aujggab, übertüiegenb compifatorifc^, 
o^nc gefc^ic^ttic^en unb tritifc^en ©inn gearbeitet^). Dbtool^t 
^roteftant toeife §ct^og gleic^tuo^t über bie (£infüf)rung ber 
Äird^enrcformation in Strasburg fo gut ate uic^tö 5U fagen. 
®cr ftofflid^e SBert be§ JBud^eö liegt jumeift in ben originellen 
SRad^rid^ten über bie abetigcn unb bürgerlid^en ©efd^Ied^ter be^ 
unteren (£Ifafee^ ^). ®aö Sßebeutenbfte über bie Strafeburger 
©efd^id^te l^at in biefer 3^it ein 3lu§n)ärtiger , bem njir fd)on 
einmal begegnet finb, ber ©rf)rt)eiäer 3^^^ä ©uiltimann in 
feiner ©c^rift über bie „©efd^ic^te ber öifd^öfe üon Strasburg 
bis 1607" geteiftet^). ®ie bejeid^net einen tüefentlic£)en gortfd^ritt. 
Snbem er fic!^ überall auf juDerfäffige 3cugniffe ju ftüfeen fud^t, 
finbet ©uiHimann an ben memger fritifcf)en SSorgängern, tt)ie 
Äönigö^ofen, SBimpfieUng, 2;ritf)emiuö , 95ruf(f)iui8 , öieleig ju 
berichtigen unb bie ©trafeburger S8if(i)oförcif)e in ben erften 
3a^rl)unberten erl^ätt burd} i^n eine burc^greifenbe Sieöifion. 
S)te Pflege ber ßeitgefc^id^te antangenb, fo ift, ausgenommen 
toaS fid^ in ber (ungebrucften) „®ummarifd)en Sf)roni!" beS 
älteren 3of)ann SBencfcr, bie bis 1659 reirf)t, barüber finbet*), 
bie einjige ,,85efd^reibung beS bifc^öf liefen ftriegeS üom Safjre 1592" 
ju ertüöl^nen, bie einen ungenannten Strafeburger unb guten 
^oteftanten jum SSerfaffer l)at unb bie, ol)ne befonbere SJorjüge 
aufjutoeifen, als ©timmungSbitb öon SBert ift^). 

*) ©erjog njor ^anau»fiicf)tcnbcr9ifcf)cr 9üntmann. 

') 3)a8 „Chronicon Alsatiae ober (SbclfaBer G^ronit" u. f. \v. erfc^icn 
ju (Strasburg 1592 im ^rucf. 

«) ©. oben 6. 375 9lnm. 1. S)er Xitel ber ©c^rift ift: De episcopis 
Argentinensibus (1608). 

*) @. t. $egcl n. a. D. @. 71 ber altere ^Bender (f 1659) JRat%rr unb 
Ämmeifter ju ©traöburg. 

») 3)ie ©d^rift ift 1874 öon Dr. JRub. 9Jeu6 öeröffentlicftt njorben. 
Über hcn in Srage fte^enben ilrieg ögl. Strobcl, ÖJcfd). bcS ßllaffcö S3b. 4 
unb bie ju ©traßburg im Qal^re 1839 ev[cl)icnene Schrift: ^3)er Ärieg ber 
@tabt StraBburg mit bem Äiarbinal üon fiot^ringen 1592". -— 3n biejcm 
3ufammen^ange ermäl^nen mir bie '^Mitteilungen über ©troöburg im 16. ^Q^r* 
^unbert (1520—1591), ^lu^^ug au§ ber 3mlin'|d)eu 5ön"licn(t)rünif. Sol* 
mar 1875. 



400 3»"tc8 S8u(^. 

Snbcm »ir bic ßciftungen biefer ©poc^c ober bic ©efc^ic^tc 
bcr fc^tücij^rifc^en ©bflcnoffenfd^aft, bie ja bcrcitö einer öoQ* 
ftänbigcn ftaatörec^tlid^en Soölöfung t)om beutfc^en Sieid^e mit 
©rfotg juftrcbte, unö für eine abgefonberte Unterfnd^ung am 
(Snbe biefeö 9tbfciönitteö ansparen, tüenbet fidö nnfere Setrad^tung 
junäc^ft ben oft* unb rf)einfränfifc^en ©ebieten jn. ^a^ 
„9lnge 2)eutfc^tanbö" blidte jnjar je^t nicf)t mef)r fo jnDerfid^tlid^ 
unb ftrat)Ienb in bie aSelt toie nod) ein t)albe^ 3at)r^unbert früher. 
2)ie june^menbe allgemeine 9lbfd^rt)äd|ung ber öffenttid^en njie 
titerarifd^en 3^1^ö"^c im Sieid^e tiefe fitf) unöermeiblic^ auc^ in 
biefem fo frud^tbaren ©ifee ber SRufen unb ber Äuuft empfinben. 
Unb mit ber @efc^ic^tfd}reibung ift e^ nid)t anber^. StCerbing^ 
entftanb gerabe in bem 3al^rjef|nt öor bem großen Äriege jene^ 
SBerf über bie ©efd^ic^te ber ©tabt SRürnberg, melc^cö lange 
3eit afe bie autl^entif c^e , quafi offiäielte S)arfteltung berfelben 
gegolten ^at. SBir meinen bie „9lnna(en ber löbtid^en unb nmt* 
6erüf)mten 9ieic^^t)efte unb ©tabt 9?ürnberg" öon bem SRatsS« 
fc^reiber 3o{)annaÄünner(t 1634). SWüaner fal) fic^, baut 
feiner amtlid^en ©tellung, in ber gfüdlidEien Sage, ben reid^en 
unb nod) unt)erfef)rten Urfunbem unb Clueltenfd)afe bei5 SRat^ 
ard)it)ö benü^en äu tonnen. So mufe jugleid^ jugegeben toerben, 
bafe er mit ber Siebe jur (S>aä)Q unb mit einer au^rei^enben 
ftenntniö ber geleierten ^iftorifd^eu Siteratur baö praftifd^e SScr* 
ftänbniö unb ben gefc^ärften SBfid be^ beiüäf)rten ©efd^äft^ 
mannet oerbanb. S)abci barf jeboc^ nic^t überfef)en n^erben, 
baß er nic^t für bie 3Bett, fonbern für ben ef)rbaren SRat ber 
©tabt gefd^rieben t)at, mit anberen SSorten, baß fein umfang* 
reid^es^ SBert l)on §au§ auö nic^t für ben S)rud beftimmt toax, 
toie eö benn auc^ fpäter nid)t 5ur i^eröffentlid^ung gelangt ift, 
nad^bem bie Urfac^en ber abfid^tlic^en 3"^»df)aftung beöfetben, 
bie in erfter Sinie ben Siadjfommen ber öurggrafen in ben främ 
fifdien gürftentümem gegolten f)atte, f)inrt)eggefaUen toar^). Am 

^) 3)cr bctannte 92ümbergcr ©cle^rtc QJ. ©. Äarfßo(^ner(t 1882) 
begann in ben 3a()rcn 1833—1835 bic ^crauÄgabc bcr Sfhlrnbcrgcr 9[mmleii, 
gelangte aber nur big jum S^^re 1219. @. ©täbtec^ronifen 6. XL 9nm. 1. 



Skid Seitoltev ber (Skgenreformation unb bed (Btiaftanbcd. Oftfranfen. 401 

22. Dftober 1623 überreichte aWüIIner bie grud^t eine^ 25 jährigen 
glcifec^ in t)ier ßrofeen, mit gematten Sarten unb SSJappenbilbem 
Qudgeftatteten goliobänben feinen Auftraggebern. S)ie Stnnalen 
finb in Derfd^iebenen Slbfd^riften Derbreitet toorben unb traben in 
ben ftäbtif cf)en Äreifen Iebf)aften unb nac^f)altigen SBeifaü gefunben. 
3)iefer SBeifaH toax in mannigfacher öesie^ung auc^ berbient, unb 
crleibet feine ©infc^ränfung nur burd^ ben Umftanb, ba^ aJMlIner 
in ber genauen Äenntniö unb rid^tigen Beurteilung be^ SKittel^ 
altera öiet ju toüitfd^en übrig läfet, ba^ er in ber ®Iaub= 
tt)ürbigfeit ber benu^ten Cuellen ju njenig unterfd^eibet unb ber 
^erfömmlic^en Überlieferung gegenüber ju rüdtfid^tööoU üerfäljrt. 
Srofe biefer ©d^mäc^en be^ SBerfe^ mufe jebod^ jugeftanbcn njerben, 
baß ba^felbe fic^ burc^ erl)eblic^e SSorjüge au^jeid^net, unb bleibt 
ju bebauem, baß bie ausgiebige gbrberung, tüetd^e ber nac^== 
folgenben Siümberger ©efc^ic^tfc^reibung burc^ ben ®inffu& beS* 
felben l^ätte ju 3;eit tüerben fönnen, infolge ber angebeutcten 
ängftlid^feit beS Slutorö auf lange t)inauS Vereitelt njorben ift^). 
3n ben oftfränfifd^en ^od^ftiftern i)at bie l)iftorio« 
grapl)if^e 2;f)ätigfeit biefer ßeit feine nennenStüerten 3lnftrengi|ngen 
gemad^t ober grüc£)te getragen. S)ie JRac^njirfungen ber l)uma^ 
niftifd^en Kultur, bie namentlich im ^oc^ftift SBirjburg bis über 
bie Ü3?itte beS 16. 3al)r^unbertS f)inauS fortgetüud^ert tjatten, 
erlagen oud^ l^ier nur ju fc^nell ben ®inn)irfungen ber ©egen- 
reformation. Unb toenn eS auc^ t)ielteid^t nid^t geleugnet n)erben 
lonn, baß burc^ biefe l)ier »ie anberSnjo baö geiftlic^e ®taat^^ 
h)efen gefriftet tüorben ift, fo bleibt nic^t minber getüife, ba^ bie 
bat)on betroffenen 2anbfcf)aften.burd^ ben ©leg ber firdjlid^en SRe* 
ftaurationSpolitif für lange 3cit bem befrud^tenben ^^ifctmmen^ange 
mit bem felbftänbigen beutfd^en ©eifteSleben entfrembet toorben 



*) aSgl. Ä. :pc9cl in ber Einleitung ju htii S^ümbcrgcr ß^ronifen 
6. XXX V— XXXVI , ^njcigcr bc« ^ermanifc^cn SKufcumä 1870 @. 941. 
3)er 9lat belohnte äÄüIIncr mit ber @umma öon 600 ®ulbcn neben ben bereits 
frü^ bewiaigten 260@)ulben, adcrbingS mit bem ^unfc^e, Büttner möge 
bie Ännalcn fortfefcn, aber juglcic^ bie ?lrbcit fdjlec^terbingS geheim galten. 

to. iBegele, a)efd)td)tt ber beutfc^en ^tftoriogra|)^ie. 26 



402 3»citc« Sdudi. 

finb. S)ie Sambcrger Sicimc^ronif t)on 3afo6 9l^rcr i)ai 
ftofflic^ einen geringen, unb ate SSerf ber ßitcratur feinen 
größeren SBert. 3)er S?erfaffer gel^ört übrigen^ nic^t bem §oc^ 
ftift SBamberg, fonbern bem benad^barten SJlümberg an^). 35ic 
bejüglic^en f)iftoriograp]^ifc^en ^eröorbvingungcn in SBirjburg bc- 
toegen fid^ fämmtlic^ in Keinen 3?er^ältniffen unb SSerfuc^en, of)ne 
in biefem 3")önimen^ange auf SBerücffic^tigung Stnfpruc^ mad^en 
ju fönnen^). 

9lnber^ unb beffer fielet e^ in ben rtjeinfränfifd^en (Gebieten 
unb in ben §od^ftiften üon SRoinj, ©peier unb SBorm^. 
9luö ©peier ift ba^ berbreitetfte unb anertanntefte ®efd^icf)t^ 
tperl biet er Sanbfc^aften l^erborgegangen , 6f)riftopt)u«^ Se^* 
mann^^) S^ronif ber freien Sieic^öftabt ©peier (1612). 3)ic 



*) (Jrftc unb cinjigc ^u^gabc ber SRcimci^ronif Don 3 ofc^^ gellet. 
lÖamberg 1833. — Ät}rer mar ein geborener 9iümbcrgcr unb Notarius et 
procurator bafclbft. @t lebte in ber 3^^^ öon 1550—1602. 5)cr crfte Qhit* 
nmrf ber S^ronif fdllt in ha^ 3Q^r 1570, ber jnjeitc 1599; fie beginnt mit 
bem 3a^re 900. ^^rer f^at bie ©rünbung bed $idtum$ Bamberg au4 
bramalif* bearbeitet. SSgl. ^oberftein^öartfc^ I, 348. 385. II, 243. 

") 3)le @(^ wein fürt betreffcnben Slufjeit^nungcn ber 2. ^älfte be« 
16. Sa^r^unbert^ finbet man Dereinigt bei ((riebrtd^ Stein: Monumenta 
Suinfurtensia historica etc. S^meinfurt 1875. @d märe barauS etma ^erüor« 
ju^eben: ÄiUan ®öbcl, Grjä^Iung öom SWnrfgraflerftMcg 1553— 1554.— 
Xie oftfräntifc^en ®ebiete anlangenb, bie ben 1576 au^ftcrbcnben ®rafcn t)on 
^enneberg angel^brt ^tten unb )Don il^nen in bk ^änbe ber (Smeftiner 
gelangt maren, ift etn^a d. Spangenbergd ^^ennebergifdje (S^ronit^ (Strag« 
bürg 1599) §(rt)orjul§ebcn ; fte ift aber ni^t auf bem ^ennebcrg'fcöen ©oben 
em^acbfen. 9(uf 8pangenberg fommen mir halb noc^ einmal jurüct. 

«) C£§r. iJel^mann ca. 1570 ju gfitfttcnmalbc in ber 9?ieberlauriJ geborenr 
in ^eipi^ig gcbilbet, tourbe 1594 an ber fog. Senatdfc^ule ju @peier aU Se^rer 
angefteUt, im 3tt^re 1600 erfter SRatSfc^reiber unb in ®efd^äften ülelfac^ tHrr* 
tcenbet 1629 trat er, obioo^I entfc^irbcner $roteftant, in ben bifcl^bflit^n 
^ienft über, na^m aber 1637 feine (Sntlaffung unb mürbe ®tabtf^nbitu9 t)on 
^cUbronn, ftarb aber bereit« im Söuuar 1639. S. (Srbarb dl^rift. 93aur, 
fieben beS Cf^r. 2e^mann. granffurt 1756. ®. JRau, (Jl^r. Seemann unb 
feine Chronica (Programm bcS ßt)jcumS unb ®l)mnapumS ju ©peier t)om 
3a^re 1859). 3)ie d^ronit er)(^ien 1612 juerft im 3)rucf. 2. Aufgabe 1662. 
a)ie 3. ?ln<?gabe mürbe (1678) öon bem 6peircr SRatöfdjreibfr ^eI*ior 



9a% S^^^^^^^ ^^^ ©egmrefonnatton unb beS ©tiUftanbc^. @pcicr. 403 

(S^ronif ift nid^t btofe eine ©tabt- fonbem anä) jum guten Xeile 
eine SReid^^gefc^id^te unb f)ätte infofeme an6) weiter oben befproc^en 
toerben fönnen. 3^r n)efentlicf)eö SBerbienft mufe i^r aber boc^ 
in il^rer erfteren ©iflenfc^aft juerfannt tüerben, ba fie im übrigen 
boä) mel^r nur SonH)itQtion unb uid^t burc^meg fritifc^ gearbeitet 
ift, obtt)ot)t fie festerem Umftanbe einen Seit il^rer öetiebtl^eit Der* 
banft. ßel^mann war in ber 3;^at ein gete{)rter unb arbeitfamer 
SWann unb in ber gefc^iciötlici^en Siteratur ^inlänglic^ benjanbert. 
gür bie Siarftellung ber ©efd^id^te Don ©peier ift er lange 3^it 
Autorität geblieben. S)ie enge 93erbinbung mit ber SReic^^ unb 
Äaifergefdöic^te \)attt ja gerabe in biefem galle Diel 9lnjie^enbe^ 
an fic^. Sef)mann arbeitet jugleid^ nid^t blofe in bie ^Breite, 
fonbem auc^ in bie liefe unb Derlei^t ber ©pejia(gefd)ic^te burd) 
eine t)orauögef)enbe ©d^ilberung ber allgemeinen 93erf)ältniffe eine 
gewinnenbe 5Infc^autid^teit. gür bie ©tabtgefd^ic^te l^at er bai§ 
ftäbtifd^e 2trc]^it) unb toeiterl)in ba§ Strc^io ber ©tobte ber r^ei* 
nifc^en SBanf ausgebeutet. ®r reprobujirt eine äiemtid^e 2lnjaf|I 
t)on faiferlid^en, aber auc^ pöpftlid^eu unb bifd^öflid^en Urfunben, 
außerbem öon SRec^tSertaffen , SBerträgen, SSergIeic^öf)anbIungen 
unb fogar bie alten Siid^terorbnungen ber ©tabt. S)ie Sf)ronif 
reid^t aüerbingS nur biö Ä. SÄajimilian I. Safe 2ef)mann§ pro= 
teftantifc^e ©efinnung ©tanb gel)alten, toirb »enigftemg bnxä) 
feine S)arfteltung ber Sämpfe, bie auc^ ^ier ätpifd&en ber ©tabt 
unb ben 9}i)d)öfen ftattgefunben ^aben, nic^t in 3^^iH gefteHt. 
Um bem pofitioen SSerte feiner S^ronif geregt su tuerben, njirb 
man üielleid^t fagcn bürfen, ba}^ er ber erft^ ift, ber ben 3(nfor^ 
berungen an bie ©efc^id^te einer SHeic^öftabt bis auf einen ge- 
tt)iffen ®rab gerecht getoorben ift, alfo ben rid^tigen SSegriff 
beffen, auf toaS cS babei anfommt, gehabt l^at. (Sinjelne Irr- 
tümer, tDcld)c babei unterliefen, vermögen biefer 2(nertennung 



8rU(^S (1689) mit 3ufn^cn unb Scrit^tigungcn ücranftaltet unb 1711 njiebcr* 
§oIt. — fic^mann ift oud) ber SBcrfaffcr einer gcfc^ä Jten ©pric^toörtcrfammlung, 
bcÄ „Florilegium politicum^*. Sgl. S^obcrftein-S3artf(^ II, 285—286. 
396 unb 9r. ^. SBiogra^l^ic s. h. v. 

26* 



404 3w«t<^ ^u^- 

feinen 3l6brud^ jn tt)un. ©n SKann tpie ©onring f)ai bcrcttö 
mit gutem ©runbc ba^ Sob ßetjmann^ unb feiner (S^ronif öer^ 
fünbigt unb au^gefprod^en, h)ie Diel er il^m Derbanfc, unb jugleid^ 
bie 5ßunfte angebeutet, in »eichen berfelbe tüic^tige Silagen beg 
beutfc^en ©taat^ unb SBerfaffung^rec^tg, h)ie j. 95. ba^ 333efen ber 
Sieic^ötage unb ber 9ieic^§ftfibte, juerft richtig gefteüt l^at^). 

©in ©eitenftüd ju Se^mannö 933erf ift bie SBormfer S^ronit 
Don griebric^ 3otn, of)ne baß man if)r aber eine gteid^ ^ol^e 
allgemeine Sebeutung jujc^reiben bürfte-). ©ie I)at j^glei^ ba^ 
©c^ictfal erfahren, bafe fie, toenn auc^ l^anbtdöriftHd^ öielfad^ ver- 
breitet, erft fpät, nad^ ber Ü3?itte unfere^ 3af)rf)unbert§, burc^ ben 
S)rud Deröffentli^t tourbe. 3n i^r ^aben tüir eine fpcjififc^e 
©tabtc^ronif , bie nid^t, njie bie ©peierifd^c Don ßel^mann gerne 
abfc^meift unb fic^ auf altgemeine ©rörterungen au^ ber Sieic^^- 
gefc^id^te einlädt, greili^ bie tiefere ftenntniiS ber beutfc^en 
&c)d)\ä)te, njic toir fie an Sel^mann ju rüt^men f)atim, befafe 
3orn nid^t. S)agegen be^errfc^tc unb bemeifterte er bag f^inb* 
fd^riftUdöe SRaterial über bie ©efc^ic^te feiner ©tabt jiemlid^ Doli- 
ftänbig, unb toenn auc^ bie Annales Wormatienses, bie er Ver- 
arbeitet f)at, jefet in it)rcr originalen ©eftalt Dor un^ liegen, fo 
bleibt für bie ©efd^id^te be« 14. unb 15. Salirl^unbertö nod^ fo 
Dief Eigenartige^, jumal au^ bem SRat^arc^iD gefc^öpfteS übrig, 
baß fein SBerf nic^t fo leidet entwertet werben fann. 55ie S)ar* 
ftettung ift annaliftifd^ einfad^ gel)alten, aber Don patriotifc^er 
3Bärme burc^brungen ^). 



») ^I. Conringii Opp. II p. 11. 35. 117. 334. 612. 854 u. fonft. 
^gcgen f)at (S^onring aud^ einige fc^tefe ^(nfid^ten fie^mannd berührt 

') 8r. 3orn, am 28. JJcbruar 1534 ju S3onn§ geboren, mar in fyibcU 
bcrg gcbilbct, mürbe ca. 1565 9{eftor an ber ©tabtfd^ulc feiner ißatcrftabt, ftatb 
am 7. Dttobcr 1610. 

») 3)ie ^lonxt 3om8 »urbe 1857 uon 3&. ?[rnoIb ^ouÄgegebcn 
ber bereit« in feiner ©efdjid^tc ber „bcutfc^en Srreiftäbte* auf fic nac^brüdli^ 
aufmerffam gemacht ^atte. (@. bie ^orrebe jum 1. 9be. Hamburg unb ®otba 
1854). — SStele« über Öorn, nomentficft in feiner 6igenf(^ft M S^ormfer 
Sc^ttlreftor finbet [\di in ber lel^aeidjen ®(^rift Don Dr. 9(balb. ^tdtx, 



^9 8tii(d\zx bei (ä^egcnreformation unb bed ©tidftanbed. SJ^ain}. 405 

Auf bcr SRainjer ^iftoriograp^ie ^at, man möd^tc fagen, 
t)on jcl^cr eine ?lrt t)on SBcr^ängntö gelaftet. 3n bicfcn 3^^*^" 
tft c# nid^t Diet anbcrö. S)cr „Äatatog bcr 3Kain5er ©rjblfc^öfe'' 
Don 3o]^annc§ SRicIaö genannt ©teinme^ (= Satomu^) 
flcf^ricben um 1575, ift nid^t Diel met)r afe eine unDerI)üIIte 
unb jjiemli^ gemö^nlic^e Sompilation ^). 3t)m gegenüber bebeutet 
bie ©d^rift „günf »üd^er SKainjer ©efc^id^te" beö Sefuiten 
SiicoIauÄ ©erariuö unDerlennbar einen gortfd^ritt *). Sr 
ge^t bodEi felbftänbiger unb fic^tenber ju SSerle. iüenn er auc^ 
bcn Äatalog beö Satomu^ n)ie bie älteren SKainjer Stjronifen 
Don ®. Don ^all unb ®eorg ^eilmann mitbenu^t. S)ie 
©efd^id^te ber ©tabt alö foId)er unb in il^ren 93ejiel)ungen ju 
ben ©rjbifddöfen !ommt freiließ aud) bei if)m ju fur5^). 

Seiträge jur ©cfc^icfitc ber JJrci* unb 9lei(^«ftabt 3Bormd u. f. tu. (©ormS 
1880, ftellentocifc, namcntUc^ aber e. 87 ff.). — 3om« urfprüngli^c a^ronif 
felbft rctd^t bid jum g^l^rc 1522 unb jourbe im Saläre 1570 abgcfd^loffcn ; eine 
eTtt)eitembe IRebaftion l^ai ftc n^o^l noc^ bei Qom^ 4!eb5citen burc^ Srranj 
«ert^olt öon SIörÄ^eim, öc^cnSträgcr be« ©o(^flift« SSorm«, erfahren. SSgl. 
Ämolb in bcr SSorrcbc ju feiner 9lu^abe (XLIII. iJicferung ber ©ibliot^cl 
bed lit. ißer. gu Stuttgart) unb aber awdi 9lb. See! er a.a. O. 

^) ®ebtu(ft ald ,,Catalogus archiepiscoporum Mog.'^ bei Mencke. SS. 
III, 407—563. — öatomuS, am 24. Sanuar 1524 ju JJrantfurt geboren, in 
greiburg i. 8r. gcbilbct, toax feit 1543 ÄanonifuS am Sartl^olomäuSftift in 
feiner SSaterftabt unb ftarb alg S)ec§ant beSfelben 7. 9Iuguft 1598. Sgl. 
9{td)arb gfroning, bie bciben Sri^antfurter (S^ronifen bed 3o^. fiatomud. 
u f. to. grranffurt 1882. 

*) 9?. SerariuS, 1555 ju 9tumbouiIIct in fiot^ringcn geboren, in ^'6in 
unb Sirjburg gebilbet, ift 1583 in ben Orben S. J. eingetreten, rourbe juerft 
$rofeffor an ber Unioerfität ^ir^burg, f^äter nac^ "SRain^ Derfefrt, too er am 
29. Suü 1609 gcftorbcn ift. @. ©erner, ®efc^. bcr fatl^ol. 2:i^eorogie 
©.43 ff. — Söcftcr 8. h. V. 

>) ^eriä^cfd^ic^te ber ^J^cic^^ftabt f^ranff urt ^at ftcb ebenfaadSatomud in 
feiner ^eife angenommen in ^n?ei Schriften: 1. „Aotiquitates quaedam civitatis 
et potissimum ecclesiae Fraucfordensis^^ (^au))tfä(]^ltc^ im 3a^re 1562 Der« 
fa^), 2. Acta aliquot vetustiora in civitate Francofurtensi ab aetate Pipini 
priori Francorum regis usque ad tumultum rusticum c. c. annum Chr. 
1525 tumultuarie collecta etc. (gebrucf t bei gf I o r i a n , grranff urter (S^ronif 
1664, I, 220 unb Boehmer-Huber, Fontes IV, 419—429). SgL 
Froning a. a. O. (f. oben ^nm. 1), ber N. 1 wicber l^ergefteßt unb in 



406 8">citcÄ 93u(^. 

©inen bem gleid^en Crben angel^örenben ®efc^icf|tfcl^reiber 
i)at in biefer Qext ba^ benacf|barte ^od^ftift gulba geiponnen. 
Sf)riftopl) Sroiper (Sroutücr), ber juben begabteren Äöpfcn 
gefiörte, bie au^ biejem tjietgefd^äftigen Sreije al§ ^iftorifer auf* 
getreten finb ^). ©eine ^anptnjirffamfeit getjört 3:rier an , in 
gulba \)at er öorübergefienb al^ SReJtor beig SefuitenJoUeg^ öer* 
n)eilt, unb biefer Umftanb tüurbe bie SJerantaffung ju feinen 
t)ier Sudlern „Antiquitatum Fuldensium'* ^). Sronjer lebt unb 
mht freilid^ unbebingt in ben befannteu au^ic^Iießenben Sfn- 
fd)auungen unb ©runbfä^en feinet Crbenö unb l^aßt bie fircfy^ 
lid^en Sieuerer in bem ®rabe, ba& er, j. S. Die Senturiatoren 
ignorirt, obnjof)! fie i^m gerabe für feine öorliegenbe ?lufgabe 
l^ätten gute S)ienfte leiften fönnen. S(uf ber anberen Seite mufe 
man it)m jwg^ftefien, bafe er, entfernt t)on jeber tenbenjiöfen 
®efc^id)tigfünftelei, unjtüeifelt)aft ein getüiffen^after , grünblic^ 
unb tpirflid^ geleljrter gorfd^er ift unb feine njiffenfc^aftlic^c 
Überjeugung ju hJal^ren tüeife^). 2)er Unterfc^ieb ber primären 
unb abgeleiteten Duellen ift if)m freilief) nidjt immer flar gett)orben, 
n)enn er aud) frül)er unb fpäter Slufgejeid^netee ju unterfc^eiben 
tjerftcl^t. ©in SSorjug feinet 3Berfe^, ba§ bi^ 1G06 I)erabreic^t, 
liegt juglcid^ in ber Stljatfadje, ba^ er t)erfct)iebene Duellen, bie 



ber SBcifagc Dcröffcntlic^t f^at. ^cr «Bert bor bcibcn @(ftriftcn beftefjt bi« 1500 
in ber Senufung jmeicr grantfurter (annoliftifc^cr) 5luf Zeichnungen auö bem 
14. So^r^unbert SBaS er über bie 3«it bc^ 16. S^^r^unbertd berid^tct, ift 
|ö(^ft fubjcftitj gehalten. — 3)e8 5Beitom audj ju ögl. Dr. g. galf: ,,Übfr 
mittelrfjeinijc^e ®§roniften" im 5. S3be. beS $(r(ftiö§ für granffurter ©efc^ic^te 
unb ftunfi. 9?eue fjolge. fjrantfurt 1870. 

*) ®cboren 1559 ju Bm^eim in ®e(bem, 1580 in ben Orben S. J. ein* 
getreten, ftonb er jucrft in gulba, üiel längere geit aber, bis ju feinem Xobe, 
2. 3uni 1617, in Xrier. »gl gunä^ft 5fr nu« in ber §1. 3). »iogro^jl^ic s. h. v. 

«) «ntrocrpen 1612. 

*) Srotoer öerbanfen mir u. q. auc^ eine öcrbienftlic^e ?(uÄgabe ber öe» 
biegte unb S5riefe beS Venantius Fortunatus unb ber ©ebicftte beS Hrabanus 
Maurus (^Kainj 1617). Seine ,,Sidera illustrium et sanctorum virorum"etc. 
(^Jiainj 1616) finb eine Sammlung ber ^Biographien be« 1^1. 93onifaj, ®regor 
t)on Utrecht, 6tumiui3, (SJobel^arbl», ^eintoerf^ t)on $aberborn u. f. f. 



i)a9 geitalter ber Q^cgcnrefonnatton unb bcd StiQftanbeS. Srier. 407 

fcitbetn üerfd^oUcn finb, beuu|t I)at. ©eine berfitimtefte Seiftung 
ift inbei^ ber ©efd^ic^te beö §oc^ftift^ Strier (big jum Satire 1617) 
getoibmet ^). (So ift baö ^ailptnjer! feinet Sebenö, an n^elc^em 
er mit jä^er ?(uöbauer faft ein SKenfcfienoIter l)inburd) gearbeitet 
^at, ein opus immortale, njie eö ^ontl^eim fpäter etnja^ 
überfd^toonglicl^ genannt l^at. 5)aö ©d)icffat be^felben ift be* 
jeidinenb genug. Sronjer l^atte burcft feine njiffenfcl^aftlid)e Sl)r- 
lid^feit unb SBaljrl^eit^Iiebe ba^ SKifefaüen beö ^Irierer fiurfürften 
^^ilipp Stiriftop]^ t)on ®ött)ern ern^ecft, bie nac^ feinem Sobe 
gebrudte erfte ?luögobe be^ burd^ bie Iurfürftlid)e Genfur ol^nebem 
f^on melirfad^ forrigirten SEBerfeö njurbe ba^er bi^ auf n^entge 
©jemplare öernic^tet (1626). ©rft 1670 ift e^ mit mand)erlei 
fog. SSerbefferungen unb 3"fä^en unb einer gortfegung beö 
Sefuiten Safob SDfafeniu^ üeröffentlld^t njorben. 3^if^^^ 
ber ©tabt 3;rier unb bem Srjbifd^ofe bef tauben feit langer 3^it 
3tt)iftig!eiten über bie gegenfeitigen ^ol^eit^red^te , unb ol^ne 
3roeifel I)atte Srotuer in feiner Se^anblung bicfe^S 5?er^äItniffeS 
bem ©inne beö Äurfürftcn nid)t überall entfprodjen. ®ie Smpfinb:* 
lic^feit be§ furfürftlid^en §ofeö in biefcn S)ingen ^atte fd^on 
njenige 3af)r5el)nte frül^er ber S^rierer ©tabtftinbüuig SBilfielm 
Ät)rianber (b. ^. ^ermann) erfal)ren, afe er für bie ?(nfpcüd^e 
ber ©tabt in einer eigenen ©djrift eingetreten tüar unb biefelbe 
gefd)id)tlic^ ju begrünben t^erfudjt tjatte^j. S)en fad)Iid)en SBert 
be^ 93ron)er')d)en SSer!e^ anlangenb, fo jeic^net e^ fid^ burd^ 
alte bie SSorjüge auö, bie tvxx bereite an feinen gulba'fdjen 
Autiquitates t)crt)orgef)oben Ijaben, unb ift neben ber ©djrift 



*) Autiquitatum et Annalium Trierensium libri XXVI. 

>) ,,Anoale8 seu commentarii de origine et statu autiquissimae civi- 
tatis AugustaeTrevirorum." — CSrjbifcftofSQfoblll. (}0tlcbicgQnjccrftc2luflQgc 
ouffaufcn unb üerbronncn laffcn, locil er befürchtete, bie mit feftener 6ac^funbc 
unb ©eroanbt^eit abgefafete ©cbrift mödite auf bie faifcrlid)c (5ntjrf)dbung bc3 
jiDijc^en i()Tn unb ber ©tabt Xrier jc^iüebcnbeii ^ro^cffcÄ ju feinem 9?o(^tci(c 
cinwirfen SDicfcä SSerfa^rcn ^Qtte freiließ nid)t öerl)üten fönnen, bafe Don 
1603 — 1625 met)rerc neue 9(uflQgen bc^ gcfürc^tcten 2Berfc§ erf(^icncn. ©. über 
Ä^rionber bcn betreffcnbcn ?(rtite( in ber 9(. 3). S3iograp^ie. 



408 3n>cite« 83u*. 

Jlprianber^ grunblegcnb für bie ©cfd^tc^te Don %x'\tx gciüorbcn; 
bicfelbc ®elcf)rfamfcit, biefelbe ®rünblicf|fett, biefdbc Unabhängig* 
feit unb oUcrbingig oud} biefelbe nid^t überatt jurei^enbe Äraft 
in ber Untcrfd^eibung beö SQäerteö ber t)erfcf|iebenen CueHen. 

S)ie ©efc^ic^te beö erjftift^ unb ber ©tabt So In ^at in 
biefer (Spod^e feine äf)nlid)e anregcnbe görberung erfal)rcn *). 
S)a^ OueQenmaterial ift burd) bcn un^ fd^on befonnten Äartäufer^ 
mönd) ßorenj ©urtu^ iuenig unb mcf|t in ber glücf tieften 
SBeife Dermel^rt njorben^). Sin einjigeg SBerf gefc^id^tlic^er ?(rt 
ift ju nennen> be^ ?(gibiuö ©eleniuö t)ier Sudler „De 
admiranda sacra et civili magnitudine Coloniae (1646)* '). 
S)er SSerfaffer wax ein belefener, aber fein aud^ nur anna^emb 
n)iffenfd)Qftnc^er SKann; eine fritifc^e Slnlage borf bei il)m in 
feiner SBeife tjorauögefe^t tuerben. Sind) ift ber fleifeig gefammeltc 
©toff nid^tö njeniger aU umfic^tig unb überfid^tüd^ georbnet. 
§lfö ber gelungenfte 5;eil njirb mit 9iec^t ba§ 3. öud^ bejeidfjnet, 
n)eld)ei3 eine ®efc^id^te unb Sefd^reibung ber Äölner ©tifter, 
Älöfter, Pfarreien, SapeUen unb ^ofpitäler entl)ält unb für 
©pejialunterfudiungen nod^ l^eutjutage braud)bar ift. greilic^ 
ftü^t fid^ ®aleniuö gerabe f)ier auf eine ältere ergiebige SJor* 
arbeit t)on Griiarb SEßin^eim, bie bereite 1607 im S)rucf 
erfdjienen ttjar*). 

») «gl. eorbQunä, Überfielt ber (5CöImf(f|cn) ®cf*i*tWrdbung in ber 
(ginleitutiö Ju bcn ftölncr d^ronifcn (@täbte(^ronifcn) 12, LXXXUIff. 

^ (SuriuS l^at in ber 1. ^udgabe feinet Sammlung: ,,de probatis sanc- 
torum historicis'^ (St'öln 1570—1575) bie Yitae Cuniberti, Bruuonis, Heri- 
berti, imb crft in ber 9(u$gabe t>on 1617 aud) bie vita Engelbert! auf' 
genommen, ober nic^t, o^ne [id^ tvilttürlic^e rebaftioncHc ^nbcrungen ^u er« 
lauben. S3g(. Hartzheim, Bibliotheca Colon, p. 221). ^ie fog. Annales 
Colon, mat. finb Don 3W. gre^er (f. oben @. 366) in feiner SS. R. G. öet* 
öffentli(6t morben. 

>) %ib. (S)eleniud, geb. 1595, mar l^anonifud am @t. 2(nbreaWft h^ 
Äöln, erjbifcft. Mat unb ^iftoriogra^)^, ^ulc^i SBci^bifd^of, geft. 1656. — Über 
feinen trüber, 3o^. @e(eniu8 , beffen ja^Ireic^ Sammlungen i^m er^Ii^ ju 
gute tamen, f. GarbaunS a. a. C @. XXXV. 

*) (SarbaunS a. a. £. @. XXXVI «nm. 4. 



Skid 3ettalter ber ©egenreformatton unb be3 ©tiaftanbed. m\n. 409 

®in ©ef^id^töbucl^ ganj anberer 2lrt, abliegenb t)on ber großen 
^oKtif toic t)on ben legcnbentiaften Überlieferungen beiS ^eiligen 
ÄöIniS unb boc^ auö fonferöatiDer S)en!tt)eife f)ert}orgegangen, be^ 
[ißen iPir in ber gamliend^ronif unb bem S^ogebuc^ ^ermannS 
t)on SBein^berg^). ®er SBerfaffer beSfelben, ein ftblner Ätnb, 
geboren 1517, üon bel^äbigen SSerljältniffen getragen, f)atte er Sura 
ftubirt, lourbe Seifiger unb ©ac^n^alter am eräbifcl^öf(id)en ©e^ 
richte unb ioiebcrf)oIt in ben ftäbti)d)en SRat gen)äf)tt. ®erabe 
fein großer (Seift, ober angeregt burc^ Slufjeid^nungen eineiS ®ro6^ 
o^eimS, ber 1490 afe W6n6) im Älofter SorDe^ geftorben toax, 
^erfaßte er eine auöfütirlic^e Sfironil feiner gamilie, bereu 2ln« 
fange er unbebenfüc^ mit ber Qdt Äarl b. ®r. unb ben oftfräm 
fifdien ®rafen t)on SSein^berg in SScrbinbung fe^t, unb t)ermef)rt 
fie, njaö bie ^auptfac^e, mit feinem Sagebud^e biö jum 3al)re 
1588. 3Rit einer feltenen Unermüblitf)fcit merfte er aOe^ an, 
tt)a^ it)m au^ ber jeitgenöffifc^en ®efc^id)te ber ©tabt unb feinem 
eigenen öffentlid^en unb f)aui8lid)en Seben, baö mcift ein ©tiUleben 
toat, ber ©rtuäl^nung n)ert erfdjien. SBenig ergiebig für bie poli* 
tifc^c, um fo reid)^altiger für bie Sultur^ unb @ittengefd|id)te, 
^aben feine Slufjeidinungen bei bem erften ©elanntiperben cinjetner 
SBruc^ftüdfe mit äied^t bie allgemeine 9tufmcr!fam!eit auf fid^ ge* 
jogen unb ba^ SSerlangen nac^ tt)eiteren SJfitteilungen unb felbft 
nad^ ber SSeröffentlid^ung be^ ©anjen hervorgerufen ^). 



*) GS ift cincä ber üiclcn ^Jcrbicnfte bcS ücrft. (Snncn um bie ©c* 
fdjic^tc öon Äöln, ha^ er bie üerfc^oHcne bcj. ^anbfc^rift rotcbcr aufgcfunbcn 
unb eine Slnaol^I mfc^nittc fett 1872 in ber 8citfd)rift für beutfc^c Ähiltur- 
gefc^id^tc jum Äbbrud gebrod/t ^at. SBgl. aud^ SBicrIinger in Pfeiffer« 
©crmania (1874, @. 78 ff.). SBcnn toir rec^t öcrftanbcn ^obcn, bcftc^t bie 
Äuöfic^t auf bie SSeröffcntlic^ung bcÄ ganzen ober boc^ beS größten XeileS bc« 
Xagebu4ed. 

") SÜn biefcr ©teüe fei ber „^agcbüc^cr" ÄoöporS üon gürfteubcrg 
(geboren 11. «Roöember 1545, geft. 5. aRärj 1618) gebac^t, ber faft ein ^albcfi 
Sa^rl^unbcrt lang atö aftiüer ®c^. JRat im a)icnftc öon fünf fölnif(^en ihir* 
fürften ftanb unb ein öicl gebrauchter ®efc^äft8mann gewcfen ift. ©eine ?luf- 
Zeichnungen fmb für bie ©cfc^ic^tc ber (äJcgenrcformation im (grjftift Äöln unb 
bcffcn fog. ©erjogtum SScftfalcn Ic^rrcic^ genug. 6lc finbcn [lä^ ouSaugSrocifc 



410 3n'citc8 »uc^. 

aSir betrod^tcn e^ nid^t alö in unferer Slufgobc licgenb, bic 
®e)d)id)t)(l)rei6un9 ber SRieberlonbe, ju »eld^er ber t)on uni^ cin^ 
gefdjlagenc SEßcg unö junftcl^ft füf)ren njürbe, t)on nun an in ber 
gleid^en 9(u^fül)rlid)feit ju bcl^anbcln, iüeldic tuir ber ^iftorii> 
grapfiie ber übrigen beutfd^en ©ebiete ju lüibmen pflegen. SWd^t 
aU fc^euten njir tttva bie bamit Derfnüpfte 2)?ü()e, fonbem lueil 
eingeftanbenermaBen ber 3uiommenl)ang jnjifdjcn it)nen unb bem 
SReid^e bereite in bem ®rabc gelodfert erfc^eint, bafe öon einer 
gicidjjeitigen Sntnjidelung ober gar t)ou einer gegenfeitigen ©in- 
tpirfung !aum metjr gefprod)en njerben fann. S)er Äugenblid 
nat)t ja aud) «nb )cf)Iiefet bie in grage ftel)enbe Spod^e ob, in 
tt)cld^er ber eine Seil berfelben ber fpauifc^en §errfcf|aft Verfallt, 
ber anbere eineauc^ öblferrec^tlid) fanftionirte unabhängige ©tettung 
genjinnt, mit anbereu SBorten, in njeldjeu beibe für un^ üoüenb^ 
tjei'Ioren ge^en. 9lu^ biefem ®runbe njerben n^ir unö l^icr barauf 
befc^ränten, mel)r nur eine allgemeine Sljarafteriftif ber nieber* 
länbifc^en ©efd)id)tid)reibung biefer 3^it ju geben unb ettpa ein 
unb ba» anbere SBer!, baS unfere nät)ere 2;eilnat)me Derbient, 
f)erau§t)eben*). 

S8ejeid)nenb ift eö fdjon, baß, njä^renb im eigentlid)en 3)eutjc^' 
(anb in ber jttjeiten §ä(fte be^ 16. Sa]^rf)unbertö bie Ijumaniftifc^ 
^ßrobuftiouöfraft auö ©rünben, auf n^eldje tpir nic^t me^r jurüct 
jufommen brauchen, rüdtüärtö getjt, fie in bcn 9?ieberlanben in 
il)re Slüte tritt. SBa^ in bie|er Sejietjung für bie görberung 
ber flaffifd)en ^t)i(oIogie unb aud^ ber alten @e)d)id)te geleiftet 
tüorben, ift befaunt. S)ie SJeutfd^en fonnten an^ ber Gntfernung 
nur mit Sctüunberung biefem 5ßrojeffc folgen unb fic^ aU ©d)üler 
ber Siieberlönber befennen. g^^eilii^ befanb fid) and) mand^er ge* 
borcnc Seutfd^e unter ber ftoljeu Steige, aber n)ol)I ober übel 



in g. 3. ^icIcrS ^ficbcn unb ©irfcn ^a^pax^ Don gürftcnberö" (^aber- 
born 1873). «gf. auc^ über i^n DJorb^off in ber ^. 3). Söiogropl^ic s. h. v. 
*) 3n feiner ^^efd^ic^tc ber ^iflorifc^n gorfc^ung unb Jhinft" L 2, 703. 
791) i)at ^. IBad^Ier ^iemltcl^ einge^enb unb treffenb bie ^iftoriogroi^^ifdKn 
ßeiftungen ber iRiebcrIanbe be« 16. unb 17. S'i^f^unbertS bc^ianbelt 




%a% S^ÜoItcr ber (S^egentefonnation unb M ^tidftanbe^. 3)ic 9^teberlanbc. 411 

lomcn and) biefe %akntt erft bort ju il^rer redeten Sntfaltung. 
S)aS reiienbe ©tf)aufpiel einer foId)en grud^tbarfeit unb eine^ 
fold^en (SntflegenfommenS t)on Seite ber mafegebenben Äreife ift 
feiten erlebt tuorben. SRac^ ben mannigfac^ften SRiditungen arbeiten 
bie gelperften Sräfte unb bauen auf bie öerfd)iebenen Slrten ber 
©efd^ic^tf^reibung an. Sieben ber S^ronologie, Uniöerfat unb 
£anbeögefc^tcf|te ber einjelnen ^roDinjen ^) ift e^ namentlidi aud) 
bie Äir^engefd^id^te , bie auö biefem (gifer nad^njirfenbe SSorteile 
jiel)t. S)en ©ammeInjerJen be^ S(. 3)iiräu^ für bie ®efd)ic^te ber 
bclgifc^en Äird^e tonn S)eutfcl^Ianb auf feinem fünfte ä^nlic^eg 
an bie ©eite fteOen^)! SSon unenblid) ^öt)erer, tüenn man n)ilt, 
internationaler SBebeutung njar ba^ große Unternehmen ber Acta 
Sanctorum, baig 3Berf ber fog. SoUanbiften, n)ie bie be* 
treffenbe ©ruppe ber nieberlänbifd^en Sefuiten nad^ bem leitcnben 
Raupte Sodann SöoQanb auö 3:iüemont (geboren 1596, geft. 1665) 
genannt h)urbe^). S)aß bem Unternef)men eine leidet ju beutenbe 
S^enbenj ju ®runbc lag, ift fdinjerlic^ in 9(brebe ju ftellen ; ferner 
muß jugegeben njerben, ia^ bie oerfcfiiebenen Seite t)er)d}icben 
gearbeitet ftnb unb ba^ großen 33orjügen auc^ eoibente (S)ä)):üä(i)m 
in ©ad^e ber SKetl^obe unb Äriti! jur Seite gef)en, aber nic^t 
minber genjiß bleibt, baß ba^ 3Serbienft be^ ©anjen fic^ aU ein 
außerorbentlid^eS ern?eift unb baß bamit jumal für bie ältere 
®efd)id)te be^ 9Kitte(aIterö, bie mit bem Heiligenleben fo ijielfad^c 
Serü^rung^punfte \)at, unb meitert)in befonber^ aud) für bie 



») ^ic bcbcutcnbc 9(rbctt bc« qSontuS' $)cutcruS (11602) über bie 
]§ab8burgi|c^söi'trci(^ifrf)c ©cfc^ic^tc fei ^ier erroä^nt. älter finb bk G ©üc^cr; 
„Historiae rerum Burgundicarum" (1583), b. f). ®c[(^icftlc ber ^crjögc t)on 
©urgunb qu8 beut J&aufc SBaloiö bi§ ^um Xobc ^Qr(§ b. 5f. 

') ©. feine Opera diplomatica et historica (Codex douationum piarum) 
ed. J. Fr. Toppens. 4 vol. Brux. 1723— 1735. 

») 3)er 1. Zdi erfc^icn anfangs 1643, e§ mürbe fortgefetjt bi^ 1786 in 
ntc^r als 50 golianten (ogl. aud^ Mensel, Bibl. histor. I. 1, 306), mit bem 
52. JBanbe ftanb c§ ftill, unb erft in neucfter 3ftt ift c^ micbcr aufgenommen 
worben. 



412 3tt>f»te« öud). 

S3eI)Qnb(ung ber ^iplomatif unb tva^ bomit iujammcn^ängt, em 
l^öd^ft ftu^tbarer, nac^l)alti9cr 3(nfto6 gegeben loorben ift. 

Tafe ber grofee 5reif)eitöfampf unter ben gegebenen Untftönben 
in ber @efcl^i^t)d^rei6ung mächtig tuibertiaUte, tüax nid^t anberS ju 
ertt)arten. (Jr njurbe ja aucfi in ben bejüglic^en jeitgefc^i^tli^ 
SBerfen S)eutfd^Ianbö mit 3;eilnaf)me, freiließ üon öerfd^iebenen 
®efid)töpunften an^ mitbargefteüt. 5)ie ©d^rift be^ ^nttperpener 
ftmifmannö (Smanuel öon SKetercn über ^ben belgifc^en 
firieg" (1500—1612) ift jiuar bie Jlrbeit eineg 5ßartcimanned, 
aber eine^^ aufmerffamen , entfd)ieben antifpanifc^ gefinnten unb 
gut unterrid^teten 3^i*9^tt*^fK^^ ^^^ äugleic^ mit reic^Ii^cm w> 
funblid)em SKaterial auiSgeftattet. @ie I)at in S)eutfc^Ianb Seifall 
unb eine ljod^beutfd)e Bearbeitung fammt einer gortfe^ung bid 
1 618 gefunben ^). S)a^ §aupttt)erf über ben ?lufftanb I)attc einen ber 
gelel)rteften unb auögeäeid^netften äRänner ber bamaligen SKeber» 
lanbe, ,^ugo®rotiuö (geboren ju S)elft 10. 3(pril 1573, geft 
28. 3luguft 1645), jum «erfaffer^). 5)er eble «ßatriot unb SRit^ 
begrünber bc« mobernen SSö(ferred)tö l^atte bereite me^rfad^ im 
®ebiete ber @e)'d^id)t)dörcibung gearbeitet; um bie CueHenfenntnifi 
ber beutfc^en ®efd)ici)te f)atte er fid^ burd) eine, aUerbingÄ erft 
nad) feinem 3:obe veröffentlichte, fommentirte ?(u^gabe bcö 3or» 
b a n e ö unb beö ^ a u ( u !? £ i a c o u u ö tjerbient gemacht ^). ©ein 

^) ^ctcrcn (^mctriuS) \mx 1635 ju ^nttpcrpen geboren, geft 8. 9l)ml 
1612. (Sr l^atte fic^ in fdcxjlbcn al§ .llauftnann nicbergclaffen unb baute jetn 
^erf jum guten Seil auS feinen Xagebüd)crn auf. Über fein fieben t>gL bie 
?( umgäbe Dom So^re 162S, bie erfte erfd)ien 1598 old Historia Belgica no6tri 
potissimura temporis ad a. ii8que 1598. — ^ie beutfc^ Bearbeitung etfc^iea 
ald ^.Mcteranus novus, d. 1. wahrhaftige Beschreibung des Niederländischen 
Krieges sowol was sonst denkwürdiges in dem gantzen Reich — aich zu- 
getragen durch £. v. Meteren , nun aber in das Hochteutsch getrewlich 
übergesetzt — und bis auf das Jahr 1638 continuirt 4 Xle. ^xnfj/tm 
1620—1670. 

*) Annales et historiae de rebus Belgicis. Amsterdam 1657 — 1658. 
$gl. übet i^n u. a. i^einrid) 2 üben: ^. (S^rottud. 

^) (Srfc^ienen 1655 ald Historia Gothorum, Vandalomm et Longo- 
bardorum. 



^d Settalter bcr ^egeni-efortnation unb bcS (Btiaftanbcd. OftfricSIanb. 4] 3 

grofec^ jeitflcfd^i^tltc^ei^ SBerf ficficrt il^m einen 6f)renpla^ in ber 
©efd^i^tc ber ^iftorioflrapflie beö 17. 3af)rl)unbertö. (S$ trägt 
bie SSorjüfle eine^ erleuchteten ©eifteig, einer l^ol^en ©eele, eines 
großen ©efd^i^tj^reiberS an fid^, ber ein Dertuidfelte^ %f)^ma in 
einer f^einbar fd^Iid^ten gorni fünftlerifd) ju geftalten unb ju 
befeelen üerfte^t. SBegen feiner f orgfältigcn ©ic^tu